Endlich mal Urlaub

Seit über einem Jahr hatte ich keinen längeren Urlaub mehr gehabt. Weihnachten zählt nicht. Erholsam ist die Zeit nicht, in der Familie vom Ehemann. Und da ich nahtlos von einem Job zum Nächsten gewechselt bin, nach einer Wohnung suchen und ein halbes Jahr zwischen München und Berlin pendeln musste, war die Zeit recht anstrengend. Endlich, endlich habe ich jetzt Urlaub.

Wir wollten mit dem Ehemann gemeinsam Urlaub machen. Da er erst im August seine neue Stelle angefangen hat, dachte ich, es wäre für ihn erstmals ausgeschlossen. Eine Woche hat er doch bekommen. Ich bin vorgefahren, er kommt am Wochenende hierher. Anlaß ist der kommende Geburtstag vom Neffe. Seit dem letzten Jahr hatte ich meine Familie nicht mehr gesehen, und es war nur ganz schnell übers Wochenende.

Der Flug lief ohne Problem. Ich habe mit der Lufthansa auch nie Schwierigkeiten gehabt. Direkt von München nach Marseille. Normalerweise fliege ich lieber nach Nizza, da es näher zu meiner Mutter liegt, aber wir wollen das letzte Wochenende bei meiner Schwester verbringen, die nah an Marseille wohnt.

Marseille… habe ich nie wirklich gemocht. Die Stadt habe ich als dreckig und häßlich in Erinnerung. Was viele meiner Bekannten aus Deutschland eher überrascht. Wenn man aber mit dem Bus vom Flughafen bis zur Stadt reist, sieht man, wie erbärmlich die HLMs aussehen. Dort möchte ich auf keinen Fall wohnen. Vielleicht spielen in meinem Vorurteil auch all die Berichte aus meiner Jugend im Fernseher über die ganzen Gewalttaten eine Rolle, die dort stattfinden. Klar, der Hafen, der Strand, all die Orte, wo die Touristen hin gehen, sind in Ordnung. Sonst mag ich den Rest von Marseille gar nicht.

Was sich geändert hat, und wo ich zweieinhalb Stunden auf meinen Zug warten musste: Der Bahnhof Saint-Charles. Ich war zuletzt dort vor der Jahrtausendwende und habe in Erinnerung, wie man sich dort unsicher gefühlt hatte und Leute einen bis zum Geldautomat gestalkt hatten. Das ist vorbei. Vielleicht spielen alle bewaffneten Militären im Bahnhof eine Rolle, die dort mit in Richtung Boden gesenktem FAMAS ständig patrouillieren. In Frankreich herrscht immer noch Ausnahmezustand. Der Platz vor dem Bahnhof ist angenehmer, da der Autoverkehr reduziert wurde. Das Viertel soll sich geändert haben. Ich sehe immer noch häßliche Gebäude. Obwohl. Verglichen mit dem, was ich auf dem Weg vom Flughafen gesehen habe, wirken sie wie Paläste.

Ich habe die Zeit im Aufenthaltsraum vom Bahnhof verbracht und gelesen. Zweieinhalb Stunden. Als mein Zug endlich kam, ein TER (Regionalzug), habe ich einen Schock bekommen. Solche herunter gekommenen Züge! Damit musste ich fahren. An welchen Zustände sich die Anwohner in Marseille gewöhnen müssen! Bin ich froh, nicht mehr in Frankreich zu leben! Drin war der Zug wenigstens sauber und renoviert.

Ich weiß nicht, was am Sonntag los war, aber es war unglaublich, wieviele Reisende unterwegs waren. In Marseille, wo der Zug gestartet hat, wurde es schon voll. Drin waren sehr wenige Plätze für Koffer. Arg enge Flure. Ich konnte einen Platz finden, wo mein Koffer am wenigstens gestört hat. Danach sind immer mehr Leute eingestiegen, und wir haben an den Bahnhöfen ewig warten müssen, um weiter zu fahren. In Toulon gab es eine Durchsage im Zug: Wegen Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommens durften Leute, die nach Fréjus, Cannes oder Nizza wollten, ohne Aufpreis den TGV nutzen. Da mein Bahnhof nicht vom TGV bedient wurde, musste ich im TER bleiben. Beim (schwierigen) Aussteigen habe ich echt gestaunt. So viele Leute habe ich noch nie hier am Gleis gesehen. Normalerweise hält der Zug nur drei Minuten. Als ich nach einer Viertelstunde den Bahnhof verlassen habe, standen immer noch Leute am Gleis, die versuchten, sich da rein zu quetschen.

Gestern bin ich von einer Migräne gequält worden. Die erste Dosis Paracetamol hat nicht gewirkt. Das Nickerchen auf der Couch bei meiner Mutter auch nicht. Erst am Abend wurde es besser. Vermutlich eine Auswirkung vom Anreisetag.

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Zum letzten Mal nach Berlin pendeln

Wir sitzen seit schon fast drei Stunden in dem Zug. Aktuell haben wir etwas wie zwanzig Minuten Verspätung. Es ist uns in unserem exklusiven Abteil in ersten Klasse egal. Exklusiv, weil außer uns keiner einen Sitzplatz in dem Abteil reserviert hat. Die Verbindung hatten wir gebucht, weil sie ziemlich günstig war, auch wenn ich dafür den halben Tag frei nehmen musste[1]. „Wir“, weil der Ehemann mitreist. Wir haben morgen eine Abschiedsfeier in unserer Berliner Wohnung geplant, bevor der Umzug nächste Woche statt findet.

Der Grund für die Verspätung ist „eine technische Störung am Zug“. Das könnte erklären, warum wir nahe Nürnberg so sehr geschüttelt wurden. Es muss irgendeine Resonanz gegeben haben, die den ganzen Wagen extrem zum Ratteln gebracht hat.

Wir fahren auch nicht die schnellste Strecke nach Berlin. Fünf Stunden (oder zwanzig Minuten mehr, mit der Verspätung) sind aber immer noch ein Luxus, verglichen mit November, als man noch fast sieben Stunden für die Fahrt brauchte. Oh, wir bleiben wieder mitten im Nichts stehen. Bei Truckenthal, sagt mein Navi. Gerade hat es fürchterlich gestunken, als ob etwas brennen würde. Und wir fahren weiter los.

Heute bin ich platt, und ich kann mich schwer für die Abschiedsfeier morgen begeistern. Schlafmangel. Aus irgendeinem Grund wache ich regelmäßig um halb sechs auf, selbst wenn es reichen würde, mit dem Wecker um sieben aufzustehen. Ich bin immer vorher wach. Vor Mitternacht kann ich aber schlecht einschlafen. Daher habe ich in letzter Zeit weniger Sport gemacht. Ich fühle mich nicht gut genug. Heute kommen leichte Kopfschmerze dazu. Ich habe die erste Stunde im Zug gedöst, bin aber trotz Cola wieder platt. Daran, dass ich überhaupt Cola trinke, erkennt man, wie schlecht es mir geht. Ich bin sonst mit Wasser sehr zufrieden. Der andauernd wechselnde Druck wegen den vielen Tunnels hilft jetzt auch nicht. Wenigstens ist der Brenngeruch vorbei.

Vielleicht bin ich allgemein müde. Seit Januar habe ich ununterbrochen gearbeitet und bin regelmäßig an Wochenenden zwischen München und Berlin gependelt. Außerdem geht jetzt die Arbeit in eine Richtung, die mir nicht wirklich gefällt. Unsere neue Leitung hat beschlossen, dass die Wissenschaftler mehr Management-Aufgaben bekommen sollen. Ich inklusiv. Ich bin plötzlich für Verträge verantwortlich, mit denen ich bis dahin nichts zu tun hatte, und über die ich kaum informiert wurde, und muss schauen, dass ich die richtigen Ansprechpersonen finde, um sicher zu stellen, dass die Projekte rechtzeitig laufen. Dafür habe ich nicht Physik studiert! Mit Physik hat meine Stelle jetzt auch nur wenig zu tun, aber meine Programmierfähigkeiten und letzten wissenschaftlichen Arbeiten waren der Grund für meine Einstellung! Das hat bis jetzt auch Spaß gemacht! Aber Management? Bläh. Deswegen war mir eine Karriere als Professorin oder Gruppenleiterin nie attraktiv. Als Wissenschaftler hat man scheinbar nur wenige Jahre, wo die Arbeit richtig spannend ist, egal ob an der Uni oder in der Industrie. Danach muss man sich mit Gremien, Berichten, Erklärungen für die Nichteinhaltung von Fristen und anderen langweiligen Tätigkeiten rumschlagen, ob man es will oder nicht. Hmf.

Noch über eine Stunde bis Berlin. Ich versuche wieder zu schlafen.

[1] Bin ich froh, jetzt nur halbe Tage frei nehmen zu können! In meiner früheren Arbeit in Berlin war das nicht möglich.

Das Wochenende in nicht so vielen Bildern

Das Wochenende hat am Mittwochabend begonnen. Ich bin pünktlich aber nach Bier stinkend in Südkreuz angekommen, nachdem ein Mitreisender (ein alter Blonder im Anzug mit Hipster-Knoten-Frisur) am Nachbartisch seine Dose am Boden geschleudert hat – ohne erkennbaren Grund. Hosenbeine und Handtasche getränkt. Ich: Gekränkt (vor allem des Reimes wegen). Die Handtasche ist aus dickem Stoff, und der Inhalt blieb zum Glück verschont.

Am Donnerstag habe ich meine Klamotten gewaschen und die Handtasche per Hand gereinigt. Unglaublich, wieviel Farbstoff dabei rauskam. Bei der Sonne und der Hitze konnte die Tasche schnell auf dem Balkon trocknen. Zum Mittagessen war ich mit dem Ehemann verabredet, der keinen Feiertag hatte, und auf dem Rückweg habe ich diese Skulptur der stillenden Bärin von Hugo Lederer entdeckt. Sie liegt im Grüne versteckt vor dem Rathaus Zehlendorf. Am Gemüsestand vor der Bäckerei habe ich mit dem netten jungen Verkäufer geplaudert und grünen Spargel gekauft, daher gab es am Abend wieder mal den Salat mit grünem Spargel und Tomaten. Als Nachtisch habe ich uns den No-Bake-Cake-Erdbeere nachgemacht, ohne Holunder. Es ist toll, wenn man bei der Hitze den Backofen nicht benutzen muss. Wir hatten noch zwei Termine am späten Nachmittag zu Hause, von einem Umzugsunternehmen und von potentiellen Mietern.

Am Freitag war ich mit Winfried verabredet. Nach fünf Monaten wollte ich endlich den alten schweren Macbook zurück geben. Ich sollte Anfragen wegen Programm#1 bearbeiten, bis ein Nachfolger gefunden wird. Aber mal ehrlich: Nach zwei Monaten in dem neuen Job konnte ich abends nicht mehr die Zeit und Lust finden, um noch kostenlos zu arbeiten, und ein Nachfolger ist immer noch nicht in Sicht. Jetzt bin ich Mac-frei, und es ist gut so. Zur Mittagspause sind fast alle ehemaligen Kollegen mitgekommen. Obwohl ich vorgeschlagen hatte, zum Japaner zu gehen, da Pawel am liebsten dorthin geht. Ich hatte stillschweigend die Hoffnung, dabei Mr Keen los zu werden, weil er sonst immer Wert darauf legt, bei einem anderen Lokal zu essen, den ich nicht mag. Aber nein. Immerhin waren wir so viele am Tisch, dass Wechselwirkungen mit ihm sehr begrenzt waren.

Am Nachmittag habe ich Kate am Treptower Park getroffen. Man merkt, wie trocken es ist Berlin ist. Die Wiese ist ganz gelb. Als ich im Schatten stand und auf Kate wartete, ist mir der alte Herr mit weißen Haaren aufgefallen, der so nah am Weg nackt lag und offensichtlich bemerkt werden wollte. Er hat sich mehrmals umgeschaut und als ihm klar wurde, dass keiner ihn beachtet hat, hat er sich wieder angezogen und ist gegangen. Gegen fünf haben wir den Park verlassen. Ich wollte nach Hause, aber gerade dann fuhr die Ringbahn wegen irgendeiner Störung nicht und ich habe Kate bis Schöneweide begleitet, um von dort die S45 oder S46 zu kriegen. Beim Wegfahren hat ein heftiger Gewitter angefangen. Richtig mit Hagel und allem. Selbst mit geschlossener Tür ist Wasser in die Bahn geströmt. Zehn Minuten später in Schöneweide war es sonnig, als ob nichts gewesen wäre.

Am Freitagabend waren wir bei einer Geburtstagsfeier von einem Schulfreund vom Ehemann eingeladen. Der, der gerade fünfzig wurde. Über hundert Gäste. Viel zum Trinken, und ein Ehemann, der mir ständig neue Gläser gebracht hat. Um zwei Uhr morgens mit dem Taxi nach Hause. Übler Kater am Samstagvormittag. Den ganzen Tag habe ich gebraucht, um mich davon zu erholen. Geholfen hat ein Spaziergang am Dreipfuhlteich, mit putzigen Baby-Enten und Blässhühnern.

Heute war ruhig. Lange geschlafen, Schwiegervater besucht. Er hat sich sehr über die mitgebrachte Spargel-Quiche gefreut, die ich diesmal mit Tomaten ergänzt hatte. Um sechs Uhr abends war ich wieder in Südkreuz. Der Zug nach München war pünktlich, aber wie immer in letzter Zeit wenn ich Bahn fahre stimmt etwas mit dem Bord-Restaurant nicht. Heute: Aus technischen Gründen ist das Angebot eingeschränkt. Wie am Mittwoch. Keine kalte Getränke, keine warme Küche. Ein Mitreisender ist aus dem Restaurant mit der Nachricht zurück gekommen, dass es schon fast nichts mehr gäbe. Heute trauen sich die Zugbegleiter nicht mal zu fragen, ob sie uns was bringen können, obwohl ich es in erster Klasse erwarten würde. Vor zwei Wochen war gar kein Angebot aus dem Restaurant vorhanden. Was ist los mit der Deutschen Bahn, dass sie es mit der Gastronomie derart vermasseln? Wozu noch erste Klasse buchen, wenn man nicht mal bedient wird? Ach ja, überfüllt sind die Züge immer noch, hier kann man wenigstens atmen. Obwohl es auch ab und zu nach Leberpastete stinkt.

Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen

Mir scheint’s, sobald sich die Gelegenheit ergibt, müssen die Münchener aus ihrer Stadt fliehen.

Ich sitze in der DB Lounge und wollte prüfen, ob mein Zug wie geplant fährt. Es gab heute Nacht heftige Gewitter, mit unglaublich vielen Blitzen und lautem Donner, schlafen war unmöglich. Heute ist es wieder schön sonnig und warm, aber der Ehemann meldete am frühen Nachmittag Gewitter in Berlin.

Also habe ich auf der Webseite der Deutschen Bahn geschaut und mir wurde empfohlen, aufgrund von Unwettergefahr die Reiseauskunft zu besuchen. Und siehe da: Meine Verbindung ist mit einem Ausrufezeichen markiert. Der Zug soll jedoch fahren, die Warnung sagte nur, dass heute furchtbar viele Leute mit der Bahn unterwegs sind. Mein Zug ist völlig ausgebucht, sowohl in erster als auch in zweiter Klasse. Kann mir egal sein, ich habe einen Sitzplatz reserviert. Morgen ist in Bayern Feiertag, alle wollen weg. Bei der Wettervorhersage kann ich es nachvollziehen.

Ich sitze in der Lounge neben dem Empfang. Soeben hat sich ein Reisende beim netten jungen Mann beschwert, dass sein Zug nach Berlin noch nicht abgefahren ist und immer noch ohne Auskunft am Gleis steht. Ich hoffe, mein Zug fährt.

Das Wochenende in Bildern

Das Wochenende hat am Freitag nach Feierabend angefangen, als ich mich um halb fünf auf den Weg zum Münchener Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hatte mehr als genug Zeit, aber man weiß nie, mit ÖPNV. Ich bin eine Stunde vor Abfahrt des Zuges angekommen und habe es mir erstmals in der DB Lounge bequem gemacht. Ich hatte eine Fahrkarte in erster Klasse, also warum darauf verzichten? Dort kriegt man umsonst Speise und Getränke angeboten, und ich hatte Durst. Die Sitzplätze sind in der Lounge leider rar. Bis jetzt hatte ich immer Glück, und am Freitag konnte ich einen Sessel finden. Den letzten freien Sessel.

Die Fahrt selbst war in Ordnung, bis wir bei Zapfendorf eine ziemlich brutale Notbremse erleben durften. Mir gegenüber saß niemand, was gut war, da mein Handy und meine Brille vom Tisch aus zum leeren Sessel geflogen sind. Die Flasche Cola konnte ich gerade noch retten. Der Grund für diesen „außerplanmäßigen“ Aufenthalt: „Signalstörung“. Mein älterer Nachbar, der am Tisch auf der anderen Seite vom Gang saß, hat eine Weile gebraucht, um sich davon zu erholen, seinem lauten, aufgeregten Atem nach zu beurteilen. Die Weiterfahrt war anfangs zögerlich, und wir haben zwanzig Minuten Verspätung gesammelt. Da ich in erster Klasse saß, habe ich nicht mitbekommen, wie voll der Zug war, bis ich mich auf der Suche nach einer freien Toilette gemacht habe. Die Leute haben samt Gepäck mitten in den Fluren gesessen! Der Ehemann hat mich in Südkreuz abgeholt und wir sind direkt nach Hause gefahren.

An nächsten Morgen habe ich mich auf dem Balkon richtig gefreut: Die Nelken, die ich vor drei Jahren eingepflanzt hatte, haben endlich geblüht! Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben. Ich war zuletzt vor einem Monat in Berlin und habe die ganze Entwicklung nicht mitbekommen. Der Ehemann war so lieb und hatte mir zwischendurch Fotos von den Kuhschellen mit Schachbrettmuster geschickt, die dieses Jahr wieder gewachsen sind. Sonst hätte ich sie verpasst, sie sind schon verblüht. Wir sind früh zum Markt gegangen und unterwegs habe ich diese wunderschöne Blumen rechts in einem Garten entdeckt.

Es war ein sonniger Tag. Wir brauchten eigentlich nichts aus dem Markt, da der Ehemann schon eingekauft hatte. Am Abend waren wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, und ich hatte Hummus versprochen. Mir fiel dann ein, dass wir am Sonntag den Schwiegervater einladen könnten, und dass wir für Montag auch etwas planen sollten. Spargel, Rotbarsch und Gnocchi haben den Weg zur Einkaufstüte gefunden. Auf dem Rückweg nach Hause haben wir eine gemütliche Mittagspause beim Franzoser um die Ecke gemacht. Austern für den Ehemann, Pastete für mich. Angestoßen haben wir. Zwei Jahre schon… Und schon das zweite Mal, das wir es versäumen, unseren Hochzeitstag zusammen zu feiern. Letztes Jahr war ich in Finnland, dieses Jahr war er in Israel. Etwas muss sich ändern.

Als wir nach der Mittagspause zu Fuß weiter gegangen sind, ist mir dieser Baum mit dem Riesenpilz am Fuß aufgefallen.

Auf der Geburtstagsfeier sind wir nicht sehr lange geblieben. Um elf Uhr abends waren wir zu Hause. Müde, und meine Periode war so stark… Eine ganze Woche zu früh. Seitdem ich die Pille nicht mehr einnehme, ist mein Zyklus wieder durcheinander. Vermutlich die Wechseljahre.

Am Sonntag wussten wir zuerst nicht, was wir machen wollten, bis ich vom Karneval der Kulturen gelesen habe. Ich mag keine Menschenmenge, aber gegen mittags war es noch angenehm. Was sich vom Namen her zuerst interessant anhörte, hat sich am Anfang nur als großer Markt mit einer Sammlung von unauthentisch „authentischen“ berliner Hipster-Buden mit Superfood entpuppt. Ich hatte irgendwie andere Erwartungen. Das Gelände der Veranstaltung ist ziemlich groß und nach einer Weile war das Angebot doch abwechslungsreicher. Bei einer afrikanischen Bude habe ich ein paar Leckereien probiert, und die Verkäuferin war erfreut, dass ich Französisch spreche. Auf einer Bühne konnte man Kinder einer Musik-Schule beklatschen, die auf Spanisch gesungen haben. Es gab sogar ein Stand mit polnischer Wurst.

Als es mir zu viele Leute wurden, sind wir gegangen. Kurz vor dem Umzug. Wir haben den alten St.-Matthäus-Kirchhof besucht, den ich noch nicht kannte. Dort sind viele bekannte Persönlichkeiten begraben, wie zum Beispiel die Brüder Grimm. Oder der Chemiker Eilhard Mitscherlich. Die Ruhe vom Friedhof war willkommen. Trotzdem konnte man von dort ganz schön laut den Umzug hören. Beim Verlassen des Friedhofs konnte ich mir noch unbekannte Wandmalereien bewundern. Berlin ist voll von solchen Schätzen. Es hat übrigens am Wochenende zum allerersten Mal den Berlin Mural Fest zum Thema gegeben. Habe ich zu spät erfahren. Wie immer.

Am Abend habe ich den Risotto mit Spargelduo für den Schwiegervater gekocht, und der Ehemann hat den Fisch gebraten. Wir waren alle vom Ergebnis begeistert. Und es gab wieder Anlass zum Anstoßen, denn der Ehemann hat endlich eine Stelle in München gefunden! Gut, ich wusste es, der Schwiegervater aber noch nicht. Der Vertrag muss noch unterschrieben werden, und wenn es wie geplant läuft, fängt er im August an. Gekündigt hatte er sowieso schon, für seine aktuelle Stelle, da wir herausgefunden haben, dass er Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte, wenn er wegen mir umzieht. So wird jetzt der Umzug entspannter. Ich rechne damit, dass ich hier spätestens im Juli meine Küche habe. Ich vermisse sie. Den Ehemann auch, das dürfte klar sein.

Da es noch Spargel gab, habe ich sie alle für Montagmittag in einem leckeren Spargel-Orangensalat verarbeitet. Dazu gab’s die Rote-Bete-Gnocchi mit Mascarpone-Füllung aus dem Markt. Das Wetter war wieder toll und wir konnten den Balkon genießen.

Die Rückfahrt nach München lief ohne Problem. Fast. Es gab keine Gastronomie an Bord. Als ich es erfahren habe, war es zum Glück früh genug, um mir ein Sandwich und eine Flasche Apfelschorle in Südkreuz zu besorgen. Kontrolleure gab es anscheinend auch nicht, niemand hat nach Fahrkarten gefragt. Ob das Zugpersonal gestreikt hat? Kurz nach zehn war ich am Hauptbahnhof, und wegen zwei Minuten Verspätung durfte ich zwanzig Minuten lang auf meine nächste S-Bahn warten. Elf Uhr abends zu Hause.

Ab nach München

Die Nacht war kurz. Wir haben den gestrigen Abend mit Freunden in einem Restaurant verbracht und sind noch früh nach Hause gefahren. Mit Taxi, weil Leute schon seit 18:00 am Böllern waren und ich es hasse, dabei draußen unterwegs zu sein. Ich musste sowieso meinen Koffer packen, weil wir uns Fahrkarten für einen frühen Zug nach München gebucht hatten. Um Mitternacht haben wir unter dem Glasdach vom Treppenhaus die viele Feuerwerke bewundert. Schön geschützt, warm und ohne Rauchbelästigung. Unglaublich, was da alles geknallt ist. Wie fühlen sich wohl Obdachlosen, wenn sie sehen, wieviel Geld die Leute einfach so verpulvern? Gegen 01:00 haben die Feuerwerke nachgelassen und wir haben uns ins Bett gepackt, aber einige Idioten meinten, hinter dem Haus noch dicke laute Böller bis fünf Uhr morgens anzünden zu müssen – es knallte wie Bomben. Da kann man geistig nicht mehr ganz dicht sein, wenn man so lange dran Spaß hat.

Um acht aufzustehen war also hart. Kurz geduscht, die letzten vergessenen Sachen noch eingepackt, und ab zum Bahnhof. Der Ehemann fährt mit, weil ich morgen früh, noch bevor ich den ersten Arbeitstag erlebe, einen neuen Termin für eine Wohnungsbesichtigung habe. Für die erste Wohnung, die ich am Donnerstag besucht habe, ist eine Absage gekommen. Es erleichtert mich doch, weil mir die Teilung der Räume nicht wirklich gefallen hatte. Wegen Zeitdruck hätte ich sie vermutlich angenommen, wenn die Entscheidung vom Vermieter positiv gefallen wäre, um es danach doch zu bereuen. Dem Ehemann hätte die Wohnung bestimmt nicht so gut gefallen. Am nächsten Sonntag habe ich einen anderen Besichtigungstermin. Es scheint entscheidend zu sein, so schnell wie möglich auf neue Anzeigen zu reagieren. Ich habe einen Suchagent am Laufen umd kriege Emails, wenn neue Wohnungen auf Immobilienscout angeboten werden. Die letzte zustande gekommenen Termine sind alle Wohnungen, bei denen ich sofort nach der automatischen Email eine Kontaktanfrage geschickt habe.

Ich habe mir jetzt für die nächsten zwei Wochen ein günstiges Hotelzimmer gebucht. Es kostet nicht mehr als eine Wohnung, und ich kriege Frühstück und Putzpersonal. In zwei Wochen sehe ich dann weiter, wo ich übernachte. Wenn ich die zweite Wohnung von Donnerstag bekomme, könnte ich direkt einziehen. Von der Lage her würde mir die Wohnung von morgen besser gefallen. Sie liegt in der Nähe vom Starnberger See, ist aber erst ab Februar frei. Wenigstens ist mir ein Stein vom Herzen gefallen: Die Frau von der Airbnb-Wohnung am Starnberger See hat am Ende die Buchung selber storniert, so dass mir keine Kosten entstanden sind.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir uns eine BahnCard zugelegt habe, vor allem jetzt, wo die Strecke zwischen Berlin und München schneller geworden ist. BahnCard 25 für erste Klasse. Die hat sich schon mehr als gelohnt. Im Nachhinein hätten wir sogar die BahnCard 50 nehmen sollen. Ich konnte mehrmals günstig dank Sparpreis erste Klasse fahren, und da merkt man richtig den Unterschied: WLAN funktioniert einwandfrei! Das ist in zweiter Klasse meistens nur zum Verzweifeln. So kann ich meine Zeit sinnvoll nutzen und weiter nach Wohnungen suchen.

In der S-Bahn

Ich bin wieder spät bei der Arbeit geblieben. Die Sporttasche hatte ich gestern zum Büro mitgenommen und war dann so spät am Arbeiten, dass ich das Training ausfallen lassen musste. Sowie heute. Die Sporttasche habe ich zurück nach Hause gebracht. Bis Samstag finde ich bei meinem Terminkalender keine Zeit mehr.

Es ist mir schon zu spät, um mit dem Bus zu fahren. Ich gehe zur S-Bahn. Es geht schneller. Um die Uhrzeit sind nicht mehr so viele Menschen unterwegs. Man kann gemütlich und ganz in Ruhe sitzen. In Schöneberg steige ich in die S1 um. Dort ist es voller. Ich gehe zum Ende von einem Wagen. Links ist ein Viererplatz, rechts auch. Rechts sind zwei Plätze frei, aber mit Taschen belegt. Links, in Fahrtrichtung, neben dem Fenster, ist nur ein Sitz frei, dafür ohne Tasche. Ich setze mich dort hin.

Vorher prüfe ich mit dem Rücken der Hand den Zustand vom Sessel. Das mache ich immer, seitdem ich einmal im Bus bei der ASEAG die unangenehme Erfahrung machen musste, dass mein Sessel nicht trocken war… Beim Hinsetzen mit der Jeans nicht gemerkt, beim Aufstehen die große Überraschung. Und die Oma hinter mir, die dann plötzlich sagte, ja, da hätte vorher ein kleines Kind Pipi gemacht. Hätte die blöde Kuh nicht vorher den Mund aufmachen können? Glück im Unglück, an dem Tag kam ich direkt vom Shoppen zurück. Die Haltestelle, wo ich umsteigen musste, lag einem Freund direkt vor der Tür, und dieser Freund befand sich sogar zu Hause, ich durfte bei ihm duschen und mich umziehen. Seitdem prüfe ich grundsätzlich meinen Sessel, bevor ich mich im ÖPNV hinsetze.

Heute also auch. Der Sessel ist in Ordnung, ich setze mich hin. Einige Stationen weiter steigt meine Sitznachbarin aus. Der Zug wird langsam leerer. Am Viererplatz auf der anderen Seite vom Gang sitzt nur noch ein junger Mann asiatischer Herkunft, der mit seinem Handy beschäftigt ist und Ohrhörer trägt. Mir gegenüber sitzen zwei gut geplegte Männer. „Vater und Sohn“, denke ich zuerst. Der am Fenster wirkt deutlich älter als der am Gang. Aber beide mit ähnlichen grauen Anzughosen und Sporttaschen, vielleicht doch Arbeitskollegen, die gemeinsam Feierabend beim Fitnessstudio machen? Oder zwei Liebhaber? Die Sporttaschen sind der gleichen Marke. Genau wie meine. Ach, ist auch egal. Ich lese die Nachrichten auf meinem Handy.

Am botanischen Garten, oder eine Station weiter, steigt der junge Mann vom anderen Viererplatz aus. Der Zug fährt weiter. Ich starre etwa geistesabwesend, wo der Mann vorher gesessen hat. Und kann auf einmal nicht glauben, was meine Augen sehen. Auf dem Platz, direkt rechts davon, wo der junge Mann gesessen hat, neben dem Fenster, steht ein sehr dünner, hellgrauer Gegenstand senkrecht auf dem Sessel. Kaum zu sehen. Ich denke an eine Stricknadel. Ich stehe auf und schaue es mir genauer an. Keine Stricknadel, aber ziemlich dick und vor allem spitz. Die Nadel, die man leicht übersehen könnte, vor allem von oben aus, ist wenigstens zwanzig Zentimeter lang und wirkt sehr robust. Robust genug, um jemanden ernsthaft zu verletzen, der sich aufs Versehen drauf hinsetzen würde. Sie steckt in einem kleinen runden Loch im Stoff vom Sessel, genau im Zentrum der Sitzfläche. Das Loch scheint durch Feuer verursacht gewesen zu sein, der Farbe vom Rand nach zu beurteilen.

Wie kann es sein, dass der junge Mann daneben gesessen hat, seine Tasche auf dem Sessel neben ihm gelegt hat, und dabei die Nadel nicht gemerkt hat? Oder sie gemerkt hat, aber nicht auf die Idee gekommen ist, sie weg zu nehmen? Oder hat er sie selber da rein gesteckt? Welcher kranker Geist macht denn so was? Ich ziehe die Nadel raus, die tief im Sessel fest stand, und lege sie zur Seite. Die zwei Männer aus meinem Viererplatz beobachten mich dabei und wirken auf einmal gestört. Wahrscheinlich stellen sie sich vor, wie es ihnen gegangen wäre, hätten sie sich auf die Nadel fallen lassen. Das habe ich mir auch vorgestellt. Wie gut dass ich, häufig zur Belustigung meiner Mitreisenden, meinen Sitzplatz so gründlich prüfe.

Und das ist also die Botschaft des Tages. Setzt euch bitte niemals irgendwo hin, ohne vorher euren Sessel geprüft zu haben. Bitte.

Telekom Hotspot im ICE — Die volle Verarschung

Ich bin wieder mal richtig geärgert. Dazu braucht es nur, mit der Bahn zu fahren. Letzte Woche war schon kein Spaß.

Ich hätte eigentlich zur Tagung fliegen können. Die Bahnstrecke kostet mir zeitlich einen ganzen Arbeitstag. Es war günstiger, was die Finanzabteilung von meinem Arbeitgeber vor allem interessiert, aber das Fliegen wäre schneller gewesen und hätte vielleicht eine Übernachtung überflüssig machen können. Ich habe gedacht, die lange Reisezeit könnte dadurch kompensiert werden, dass ich im Zug am Tisch mit dem Laptop arbeiten kann und das HotSpot-Angebot der Telekom benutzen könnte.

Während es letzte Woche, bei meiner allerersten Benutzung von einem Telekom-HotSpot, halbwegs ging, war die aufgebrachte Leistung bei der Rückfahrt heute absolut katastrophal. Beim Losfahren habe ich einen Tagespass für 5€ erworben. Wie letzte Woche. Es ging gerade eine Stunde lang, danach wurde die Internetverbindung ständig abgebrochen und war nicht mehr zu benutzen.

Ich habe die Kontrolleure darauf aufmerksam gemacht, dass der WLAN nicht mehr ging. Am Anfang haben sie versucht, ihre Router oder was auch immer neu zu starten. Danach meinte ein Kontrolleur, im Ruhebereich wäre der WLAN Signal nicht verstärkt, was zu Probleme führen würde. WLAN sollte man in anderen Wagen benutzen. Prompt war mein gegenüber sitzender Nachbar (der auch trotz offenen Sandalen stinkende Füße mitgebracht hatte) dabei, mit einem süffisanten Lächeln, dem Kontrolleur nach zu plappern und mir zu sagen, „Sie hätten bei der Reservierung besser aufpassen sollen“. Pure Schadensfreude (oder 100% Boche, wie mir immer in solchen Momenten durch den Kopf geht). Der Ehemann hat sich für mich von zu Hause aus schlau gemacht, das mit dem Ruhebereich stimmt gar nicht. Auf der Webseite der Bahn steht, dass WLAN überall zur Verfügung steht. Außerdem saß ich letzte Woche schon dort und hatte fast kein Problem — also, verglichen mit heute hatte ich doch kaum Gründe, mich zu beschweren.

Am Anfang war der Zug so voll, dass ich an meinem reservierten Platz im Ruhebereich bleiben musste. Danach habe ich einen freien Tischplatz außerhalb vom Ruhebereich gefunden. WLAN ging. Wenigstens konnte ich arbeiten, dachte ich. Ich habe einige Emails bearbeitet. Dafür musste ich die Sitzplatzreservierung aufgeben. Aber eine Stunde später ging das Internet wieder nicht mehr. Entgültig. Die darauf angesprochene Kontrolleurin war schon genervt und hat jede Schuld oder Verantwortung von der Bahn erstmals grundsätzlich zurück gewiesen. Die Telekom ist schuld. Die Telekom kann nicht wissen, dass wir eine andere Strecke als ursprünglich geplant fahren und kann dadurch ihre Leistung nicht bringen. Das war letzte Woche doch kein Problem, obwohl wir auch eine abweichende Strecke gefahren sind. Die Startseite vom ICE-Portal selbst sagt dabei die ganze Zeit: „Leider ist das ICE Portal im Augenblick nicht erreichbar. Wir bitten Sie um etwas Geduld.“ Wenn das schon mal nicht geht, geht gar nichts. Nach über sieben Stunden Fahrt ist meine Geduld definitiv aufgebrochen.

Ich werde mich bei beiden Gesellschaften schriftlich beschweren. Ich glaube nicht, dass ich eine Antwort bekommen werde. Sollte ich mich doch irren, teile ich die dadurch entstandene Erheiterung hier mit.

Dazu kommt noch, dass wir schon wieder fast aber nicht ganz eine Stunde Verspätung haben. Wie letzte Woche. Verständnis dafür kann ich nicht mehr aufbringen. Man muss wenigstens zugeben, die Deutsche Bahn kann eines richtig gut: Die Verspätungen konsistent so knapp unterhalb einer Stunde halten, dass man keinen Anspruch auf Entschädigung hat.

Einige Stunden später…

Ich sitze noch im Zug. Gestartet sind wir heute Morgen mit einer Viertelstunde Verspätung. Grund dafür war eine technische Störung am Zug, oder Ähnliches. Einige Bahnhöfe später wurde sie zu einer halben Stunde. Es gab einen Polizeieinsatz, weil ein Fahrgast andere Passagiere belästigt hatte. Dann hieß es plötzlich, wir wären eine andere Strecke als geplant gefahren und hätten die Verspätung einigermaßen aufgeholt. Nur noch zehn Minuten Verspätung! Ein Zugbegleiter erzählte uns in einer fröhlichen Durchsage, dass wir sogar einen anderen Zug überholt hatten, den die Fahrgäste sonst verpasst hätten. Um direkt danach zu sagen, „es macht keinen Sinn, der ist sowieso überfüllt, man kommt nicht mehr rein“. Es hat mich an meinen Rückflug aus Israel erinnert, als eine Stewardess eine lange Durchsage gehalten hatte, für die, die gerade noch Hunger hatten, und vielleicht ein Sandwich möchten, leider leider gäbe es nichts mehr, alles wäre schon aufgegessen worden. Ich habe lachen müssen. Eine Station später mussten wir aus irgendeinem Grund lange am Gleis bleiben. Ich habe es nicht ganz mitgekriegt, ich hatte meine Kopfhörer an. Jetzt beträgt die Verspätung siebenundfünfzig Minuten[1]. Nachdem wir nach einem ziemlich brutalen Bremsen mitten im Nichts stehen geblieben sind. Bin ich froh, mir wenigstens eine direkte Verbindung ohne Umsteigen ausgesucht zu haben.

Seit Berlin sitze ich an einem Tisch. Am Nachbartisch saß ein nicht mehr so junger Mann, der ebenfalls mit seinem Laptop beschäftigt war. Er sah gar nicht schlecht aus, wobei ich es mir nur am Rande notiert hatte. Wir haben einige Banalitäten getauscht, aus Höfflichkeit, das war’s. Ich hatte mich zwecks Privatsphäre am freien Sitzplatz am Fenster verschoben und schief dort gesessen, um den Bildschirm von neugierigen Blicken zu schützen. Ich mag es nicht, wenn Fremde zuschauen, was ich gerade am Rechner mache. Der Typ am Nachbartisch ist nach drei Stunden ausgestiegen, nachdem er sich verabschiedet hat. „Untypisch, diese Freundlichkeit“, habe ich noch gedacht. Und ihn aus meinen Gedanken gelöscht.

Ich habe mich kurz danach auf Facebook eingeloggt, um meine Mami zu informieren, dass ich unterwegs war. Groß war meine Überraschung, als ich dort eine Freundschaftseinladung gesehen habe. Facebook nutze ich erstmals sehr selten und zweitens nur für enge Freunde und die Familie, die weit weg von mir wohnt. Nicht mal meine Kollegen lasse ich ran, und mein Profil ist so eingeschränkt wie es geht. Nicht suchbar, außer von Freunden. Dem Profilfoto nach zu beurteilen, stammte die Freundschafteinladung vom Typ vorhin im Zug. Äußerst unangenehm. Namentlich vorgestellt hatte ich mich nicht, und ich hätte erwartet, dass man wenigstens um die Erlaubnis bittet, wenn man schon die ganze Zeit zusammen reist. Und überhaupt, wie war er an mein Profil gekommen? Ah ja… Meine Laptop-Tasche lag die ganze Zeit auf dem Sitzplatz neben mir, den ich am Gang reserviert hatte, weil der Zug angeblich voll war[2]. Ich habe schon so lange eine Visitenkarte in der dafür vorgesehenen Hülle der Tasche, dass ich gar nicht mehr daran denke. Die Tasche lag mit der Visitenkarte sichtbar. Und Facebook hat ja die Profiladresse so eingestellt, dass man mit vorname.nachname leicht zu finden ist. Daher hatte ich meine Adresse als vorname.nachname.nummer geändert. Echte Freunde sollten mich doch noch finden können. Tja. Hätte ich wenigstens meine Visitenkarten mit meinem Ehenamen aktualisieren lassen…

[1] Mehr als eine Stunde wird es nie. Sonst müssen sie deutlich mehr Geld zurück erstatten.

[2] Pustekuchen. So leer habe ich einen Zug selten erlebt. Schön. Es ist auch angenehm kühl hier drin. Die Internetverbindung vom HotSpot der Telekom ist leider nicht so stabil, wie man es sich für 5€ wünschen würde.

Unterwegs

Ich bin für eine Woche auf Dienstreise. Es war schon lange geplant, obwohl ich nicht besonders Lust darauf hatte. Es war mal im Gespräch, dass Pawel und ich an dieser Konferenz teilnehmen. Am Ende bin ich die Einzige in der Gruppe, die hinfährt. Und diesmal halte ich nicht mal einen Vortrag. Nur ein Poster wurde angenommen. Ich bin enttäuscht. Es ist weniger Arbeitsaufwand, aber man verbreitet seine Ergebnisse nicht so effektiv. Vorträge sehe ich auch als Werbung für mich, wenn ich mich wegbewerben will. Ich nehme an, ich habe schon zu häufig über meine Arbeit bei Konferenzen geredet. Jetzt sind andere dran. Bei tausend Teilnehmern ist es klar, dass nicht jeder einen Vortrag bekommt. Kate hätte sich gefreut. Sie hasst es, Vorträge halten zu müssen.

Mein Mangel an Begeisterung für diese Konferenz hat dazu geführt, dass ich mich ziemlich spät um die Organisation meiner Reise gekümmert habe. Zug und Hotel erst am Montag gebucht. Ich hatte Glück und konnte noch ein preiswertes Hotel finden. Na ja, ziemlich teuer eigentlich, aber für das Land ist es preiswert. Die Finanzabteilung hat es genehmigt. Mit den Bahnkarten war es nicht optimal. Vor einigen Monaten hätte ich Fahrkarten für 25€ bekommen können. Jetzt nicht mehr, es ist trotzdem immer noch billiger als fliegen, also habe ich gebucht. Es dauert länger, ist aber umweltfreundlicher. Das hört man mindestens immer wieder. Der Zug ist direkt und der Bahnhof nah am Hotel. Direkt ist gut. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Verspätungen mit der Bahn gemacht. Ein oder zweimal im Jahr kann ich ja Bahn fahren. Die Sitzplatzreservierung habe ich nur gestern am sehr späten Abend gemacht. Fast hätte ich es vergessen. Sitzplätze am Tisch und am Fenster gab es nicht mehr. Ich habe einen am Tisch am Gang ergattert. Hauptsache am Tisch.

Heute Morgen hat mich der Ehemann zum Bahnhof begleitet. Ich musste nur zum Bahnhof Südkreuz, also nicht weit von zuhause. Wir sind trotzdem sehr früh angekommen. Ich will immer eine halbe Stunde vor Abreise am Bahnhof sein, wenn ich weit weg muss. Das war gut so. Als der Zug angekündigt wurde, hieß es, er wäre gestrichen. Das hat mich schon ganz schön genervt. Bei der Sitzplatzreservierung heute Nacht kurz vor eins war noch keine Rede davon. Wir sind zur Information der Bahn gegangen, und der Mann am Schalter sagte, wir sollten mit einem RE Zug, der zehn Minuten vor dem ursprünglich geplanten ICE fuhr, zum Hauptbahnhof und dort in den ICE einsteigen. Er würde auf den RE warten. Also los. Den Hauptbahnhof mag ich nicht. Er ist mir zu groß. Wir mussten heute von der tiefsten Ebene zu den Gleisen ganz nach oben gehen. Dort haben wir erfahren, dass der Zug eine Viertelstunde Verspätung hatte. So war es also. Der ICE hatte schon vor dem Start eine so lange Verspätung, dass der Halt in Südkreuz gestrichen wurde.

Als der Zug angezeigt wurde, war die erste Klasse bei den Abschnitten E-F angekündigt. Mein Wagen sollte im Abschnitt B sein. Wir haben dort gewartet. Es war angenehm, es waren nur sehr wenige Leute dort. Wahrscheinlich alle blauäugig wie ich, die den Durchsagen der Bahn blind vertrauen. Es kam genau andersrum. Die erste Klasse bei A-B, mein Wagen auf der ganz anderen Seite. Chaos auf dem Gleis, als die Reisenden quer durcheinander versuchten, zu ihren Wagen zu gelangen. Wir sind nur so lange gelaufen, bis die Menschendichte deutlich geringer wurde. Ich bin mitten im Zug eingestiegen. Sonst hätte es passieren können, dass ich bis zu meinem Wagen gegangen wäre, um den Zug ohne mich weg fahren zu sehen. Drin war es natürlich chaotisch. Stau in den engen Fluren. Ich habe den Ehemann noch neben dem Zug gesehen, als wir los gefahren sind. Ich hätte den Zug verpasst, wenn ich versucht hätte, am Gleis zu meinem Wagen zu kommen. Zehn Minuten nach Abfahrt bin ich zu meinem Sitzplatz angekommen. Der Wagen war fast leer. Alle Tische frei. Meine Reservierung war oberhalb von meinem Platz nicht vermerkt. Bei allen Sitzplätzen sind eigentlich bis kurz vom Ziel keine Reservierungen vermerkt. Vermutlich auch eine Panne.