Nächtliche Party

Wir waren gerade in eine neue Wohnung umgezogen. Die Wohnung war klein, im Erdgeschoß, in einem mehrstöckigen Haus aus dunklem Holz. Wir hatten Freunde zur Einweihungsfeier eingeladen. Unter Anderen war Sascha dabei, ein Schulfreund vom Ehemann. Er hatte seine Gitarre mitgenommen.

Wir waren alle stark alkoholisiert und haben auf die Uhrzeit nicht aufgepasst. Es sah ganz hell aus, durch die Fenster. Die ganze Nacht haben wir gefeiert. Gegen sechs Uhr morgens sind einige Gäste mit Sascha nach draußen gegangen. Um zu rauchen, und um Musik zu spielen, und um zu singen. Um sechs Uhr morgens! Die Nachbarn würden doch gleich ausflippen! Ich habe versucht, die Gäste zurück in die Wohnung zu bringen. Vergeblich.

Als alle endlich weg gingen, kam der Ehemann zu mir. Wir bräuchten uns keine Sorge mehr um die Nachbarn zu machen. Er hätte gerade mit dem älteren Mann oberhalb von unserer Wohnung geredet. Also sich eher heftig gestritten. Der würde bestimmt nie wieder mit uns zu tun haben wollen. Ich war enttäuscht, dass er es geschafft hatte, uns so schnell einen schlechten Ruf im Haus zu geben.

Gekehrt

Wir haben diese Woche einen Zettel im Flur entdeckt, neben den Briefkästen, wo die allgemeinen Ankündigungen für die Bewohner des Hauses immer veröffentlicht werden. Am Samstagmorgen wird gemeinsam vor dem Haus gekehrt. Natürlich nur, wenn man Lust dazu hat. Unter dem Motto, „we take Kehr“, was ich recht lustig fand. Die Idee hatten die Nachbarn unter uns, die sich irgendwie immer um vieles kümmern. Sie haben mit der BSR den Termin vereinbart, und Besen mit Handschuhen für den Tag geliehen bekommen. Und weil wir es seit über zwei Jahren im Haus noch nie geschafft haben, etwas mit den Nachbarn zu unternehmen, habe ich dem Ehemann gesagt, wir sollten da mitmachen. Endlich mal mit den Leuten in Kontakt kommen.

Heute Morgen bin ich früh aufgewacht, und habe den Ehemann erstmals ausschlafen lassen. Der hat so lange geschlafen, dass ich schon dabei war, ihm fünf Minuten vor dem Termin einen Einkaufszettel für morgen zusammen zu schreiben (wir haben Freunde zum Essen eingeladen), als er aufgestanden ist. Ich bin also alleine vor dem Haus gegangen, um mit den Nachbarn den Bereich um unser Haus zu putzen, während er einkaufen gegangen ist. Da wir fast alle Eigentümer sind, war das Interesse an die Aktion groß.

Aber wie ich so bin, habe ich zuerst die Lage analysiert, geschaut, wo schon gearbeitet wird, und mir eine Stelle ausgesucht, wo noch keiner war. Um effizienter zu arbeiten, statt sich nur im Weg zu stehen. Tja, so bin ich natürlich kaum ins Gespräch mit den Nachbarn gekommen, was doch ursprünglich mein Ziel war. Wenigstens habe ich dadurch eine gute Stunde Sport bekommen, ich war am Ende voll verschwitzt. Ich habe mich um die Wege gekümmert, während die anderen die Parkplätze gefegt haben. Zwei Müllsäcke habe ich gefüllt. Mit einem jungen Mann habe ich zum Schluß noch kurz gequatscht, aber das war’s. Ein Sozialmuffel bin ich echt.

Der Einbruch

Ich lag nachtsüber in meinem Bett. Ein Einzelbett. Es war dunkel. In einem anderen Einzelbett nicht weit von mir schlief „mein Mann“.

Plötzlich wachte er auf und sagte, „es riecht nach Brand“. Ich habe nichts derart gerochen und habe getan, als ob ich weiter schlafen würde. Zu sehen war nichts, außer einer orangefarbigen Lichtquelle, die vom Schalter einer Lampe unter dem Fenster kam. Soll er doch selber aufstehen, wenn er Gerüche erfindet. Er ist aufgestanden.

Als er nicht zurück kam, bin ich ihm doch gefolgt. Im Nachbarraum, der wie ein riesiger Speisesaal aussah, stand er fassungslos da. Der Raum sah verwüstet aus. Die Fensterscheiben waren zerbrochen und der Wind laß die langen Vorhänge tanzen. Alle Möbelstücke waren zerstört. Der Boden war voll mit Holzsplittern bedeckt. Alle seine teuere Gemälde waren aus den Wänden verschwunden. Es war seine Wohnung, nicht meine. Ich habe ihn lange wortlos umarmt. Er sah wie ein Gentleman vom neunzigen Jahrhundert aus, mit altmodischen Kleidern und einem langen dünnen Schnurrbart.

Nach einer Zeit habe ich ihm vorgeschlagen, mit mir nach Düsseldorf umzuziehen. Ich würde einen neuen Job finden, viel Geld verdienen, und damit eine Überwachungsanlage mit vielen Lasern in unsere neue Wohnung bauen lassen. Drei pro Fenster. „Warum Düsseldorf?“ wollte er wissen. Aber im Grunde wollte er auch weg von hier. Dieses Haus erinnerte ihn zu sehr an seine erste Frau, die lange nicht mehr bei ihm war. War sie gestorben? Ich wusste es nicht wirklich, aber es war ihm schmerzhaft.

Ich bin aufgewacht. Ich glaube, ich habe laute Nachbarn im Hotel heute Nacht.

Mir fällt die Decke auf den Kopf

Also bin ich raus gegangen. Das Wetter sah heute Morgen schön aus, hat sich aber schnell geändert.

Ich habe zuerst unsere Pflanzen auf dem Balkon gewässert und habe die Nachbarin unter uns auf ihrem Balkon gesehen. Da sie uns gefragt hatte, Pflanzen während ihres Urlaubs zu pflegen, bin ich zu ihr gegangen, um den Schlüssel zu holen. Sie hat mir ihre Pflanzen gezeigt und erklärt, welche Pflanzen wieviel Wasser brauchen.

P1110819Dabei konnte ich sehen, dass das Wort „Messie“, das die Frau bei der Hausverwaltung benutzt hatte, um unsere Nachbarn zu beschreiben, gar nicht passend ist. Ich wünsche, unsere Wohnung würde so schön aufgeräumt wie die unten aussehen. Wir haben Möbel, die aus zwei Wohnungen zusammengefügt wurden und nicht unbedingt zueinander passen, der Ehemann neigt dazu, seine Zeitschriften überall rum liegen zu lassen, mein Schreibtisch ist chaotisch… Das einzige ist das Auto unserer Nachbarn, das sich seit unserem Umzug nie vom Parplatz bewegt hat. Drin ist jede Menge Müll. Das sieht man jetzt nicht, weil die Frontscheibe so dreckig ist, und die Blätter vieles verstecken. Ursprünglich war das Auto überall rot.

Ich habe mich danach entschlossen, im botanischen Garten spazieren zu gehen. Ich kann mit dem linken Fuß wieder normal gehen. Das war eine gute Entscheidung. Entspannend. Kaum Besucher waren da. Mitten in der Woche ist es vielleicht normal, und das Wetter war doch nicht so schön. Zweimal hat es Schauer gegeben.

Die Hummeln waren fleißig am Werk. Die hat man schon am lustigen Geräusch erkannt. Bienen waren auch unterwegs. Merkwürdige Früchte hingen in den Bäumen. Und Pilze sind schon auf der Wiese geschossen.

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Der Arzt hatte mir am Montag vorgeschlagen, den Arm aus der Schlinge zu nehmen und beim Gehen hängen zu lassen. Das habe ich gemacht. Die Schlinge benutze ich seit Montag nicht mehr. Ich habe sie trotzdem in die Tasche gepackt. Ich kann den Arm immer noch nicht strecken, heben geht schwer. Ich kann ihn kaum benutzen, wirklich. Immerhin kann ich mich jetzt alleine an- und ausziehen, seitdem der Gips weg ist. Wenn ich mit der rechten Hand den linken Arm zu meinem Kopf hoch hebe, bin ich in der Lage, mir einen Pferdeschwanz oder einen Knoten zu machen. Das ist gut, weil der Ehemann wieder unterwegs ist. Diesmal in Belgien. Ich sehe sonst keine Verbesserung am Arm seit Montag. Es fühlt sich an, als ob der Knochen sich von seiner normalen Lage verschoben hätte, was die Bewegungen einschränkt. Ich denke, ein Eingriff wird nötig sein. Hoffentlich wird sich der Arzt bis morgen die Tomographie-Bilder angeschaut haben.

Ich bin eine Stunde am botanischen Garten geblieben, und dann zum Boulevard Berlin mit dem Bus gefahren. Shopping. Mir war doch nicht so richtig danach. Zu viele Menschen. Ich habe nur ein Buch bei Hugendubel gekauft. Mieses Karma. Das hörte sich von der Beschreibung her lustig an. So lange der Laden nicht zurück zur anderen Straßenseite umzieht, werden keine englischsprachige Bücher angeboten. Ich war enttäuscht.

Mein Ellbogen hat am Ende weh getan, und ich habe die Schlinge wieder benutzen müssen. Zu Hause habe ich gemerkt, dass mein linker Fuß an der Außenseite doch ein bisschen schmerzt. Den Ischias spüre ich auch.

Osterwochenende vorbei

Es war noch länger, weil ich am Donnerstag Freizeitausgleich hatte. Es war als Erholung vom Sonntag vor zwei Wochen gedacht, als ich den ganzen Tag bei der Arbeit verbracht hatte. Ich konnte mich am letzten Wochenende schon halbwegs erholen, aber durch den Tod meiner Katze war dieser zusätzliche freie Tag dringend nötig. Mir ging’s echt mies. Vielleicht hat es damit zu tun, aber ich habe auf einmal keine Lust mehr, in meiner aktuellen Stelle zu bleiben. Ich sehne mich nach einer ganz normalen Arbeit, mit ganz normalen Arbeitszeiten, wo es nicht von einem erwartet wird, dass man sicht am Wochenende kaputt arbeitet, wo man stattdessen spontan Wochendeausflüge machen kann, und wo man nicht alle vier Wochen Rufbereitschaft machen muss, um nachtsüber telefonisch erreichbar zu sein… Kurz gefasst: Ich habe wieder angefangen, mich zu bewerben. Und wenn sich etwas ergibt, bin ich weg. Möglichst nicht mehr in der Forschung.

Ich habe noch zu Hause geputzt und eingekauft. Martin ist von Freitag auf Samstag bei Freunden für ein Osterfeuer unterwegs, wie jedes Jahr. Mir war es diesmal nicht danach. Stattdessen habe ich mich erholt. Und vor der Glotze gesessen. Das mache ich sonst nie! Nur Martin schaltet den Fernseher an. Mir ist es zu aufwendig. Drei Steckdosen muss man anschalten, eine Festplatte, die Playstation, warum auch immer, und so viele Fernbedienungen… In meiner Jugend war’s viel einfacher. Knopf drücken, das war’s. Man konnte sogar direkt am Fernseher das Rad drehen, um das Programm zu wechseln, ohne eine Fernbedienung zu brauchen (die war eh nur was für faule Säcke). Jetzt nicht mehr. Es hat sich einiges geändert, in meinem langjährigen Leben ohne Fernsehen, seidem ich fürs Studium umgezogen bin.

Am Samstag war es mir zu schwindelig, um etwas zu unternehmen. Ich dachte schon, ich wäre schwanger (das hat seit der Bauchhöhlenschwangerschaft nicht mehr geklappt), aber nein, meine Periode ist heute wieder da. Gestern ging es mir besser, und ich habe uns ein tolles Osteressen gemacht, wie meine Mami es früher immer gemacht hatte. Lammrücken im Backofen mit ganzen Knoblauchzehen im Fleisch gedrückt, Thymian und Rosmarin, Kartoffeln und Flageolets… Obwohl ich es selber gemacht habe, muss ich sagen, es war so was von lecker! Der Schwiegervater in spe war auch eingeladen. Es war ein gemütliches Mittagessen, wir haben das schöne Wetter genoßen und auf der Terrasse gegessen.

Heute morgen war das Wetter toll. Wir haben offiziell die Fahrrad-Saison eröffnet und sind zum botanischen Garten gefahren. Danach habe ich mir Vorlesungen von meinem aktuellen MOOC angehört. Ich habe die letzten zwei Wochen verpennt, jetzt gab es viel nachzuholen. Es geht um Statistik mit R. Der Kurs ist auf Französisch und endet diese Woche. Die Prüfungen sind aber nicht jede Woche zu liefern, wie beim openHPI, sondern nur bis zum Ende vom Kurs. Die sind viel flexibler, also kann ich es noch schaffen und eine Urkunde bekommen. Vielleicht hilft es bei meiner Jobsuche. Vielleicht auch nicht.

Freizeitausgleich

Heute bleibe ich zu Hause. So erholsam ist es doch nicht. Ich muss morgen bei der Arbeit für die gesamte Gruppe einen kurzen Vortrag über meine Tätigkeit in Portugal letzte Woche halten. Ich war bis heute zu müde und nicht in der Lage, damit anzufangen. Jetzt also.

Außerdem musste ich heute morgen ganz früh aufstehen. Nichts mit ausschlafen. Wir haben seit gestern Handwerker zu Hause, die Arbeiten nach dem Wasserschaden im Gästebadezimmer abschließen. Martin hatte den Termin völlig vergessen. Gut, dass ich ihn am Sonntagabend gefragt habe, wann die Handwerker eigentlich zurück kommen. Gestern ist mein Schwiegervater in spe für uns eingesprungen, da wir beide arbeiten mussten. Für heute habe ich Freizeitausgleich beantragt. Urlaub ging nicht, weil ich diese Woche Rufbereitschaft habe.

Ich habe noch ein paar Urlaubstage vom letzten Jahr übrig, die nehme ich nächste Woche. So kann ich mit meinem Hochzeitskleid anfangen. Ich will es mir selber nähen. Eine genaue Vorstellung vom Endergebnis habe ich schon. Vorne sollte das Kleid bis oberhalb von den Knien kommen, hinten soll es den Boden berühren. Vielleicht kann ich mit Tüll interessante Effekte schaffen. Am Wochenende werde ich mir Stoff besorgen. Das wird ein Spaß. Ich habe noch drei Monate Zeit.

Doch gar nicht so wild

Ich habe nicht mal bei der Polizei anrufen müssen. Das hat Martin für uns heute Morgen erledigt. Er hat mir nur nicht sofort sagen wollen, worum es ging, oder jedenfalls nicht übers Nachrichtenversanddienst aufs Handy, und mir erst heute Abend Bescheid gesagt.

Es ist im Haus nicht eingebrochen worden, und niemand wurde umgebracht. Tief ausatmen. Es ging „nur“ um einen Streit wegen Verletzung der Versorgungspflicht bei den Nachbarn direkt unter uns.

Martin hat auch wegen unseren Wasserschäden bei der Hausverwaltung angerufen (die Kosten bei der Küche fällt auf uns, obwohl die Ursache durch einen Defekt am Dach zustande kam, dagegen müssen wir bei der Dusche nicht bezahlen). Er hat davon profitiert, um nachzufragen, wem das vor sich hin zerfallende rote Auto auf dem Parkplatz vor unserem Haus gehört, das seit einem Jahr auf dem gleichen Platz steht (ein Bild müsste her, es ist beeindruckend). Meine Vermutung war, dass es geklaut wurde und einfach unten verlassen wurde. Das hintere Kennzeichen fehlt sogar. Es gehört doch auch dem Nachbar direkt unter uns. Die Frau bei der Hausverwaltung hat am Telefon hinzugefügt, dass sie schon mehrmals mit ihm zu tun hatte, weil der Mann ein Messie wäre. Es ist mir vor zehn Tagen nicht aufgefallen, als ich mit seiner Mitbewohnerin kurz in der Wohnung war, um den Wasserschaden durch unsere Dusche zu prüfen. Andererseits ist das Gästebadezimmer direkt neben der Wohnungstür, ich habe nicht viel vom Rest der Wohnung mitbekommen. Und ich frage mich nebenbei, warum die Frau bei der Hausverwaltung solche Details über die anderen Bewohner vom Haus einfach so verbreitet. Solange niemand dadurch gestört wird, ist es Verletzung der Privatsphäre.

Eindringlinge

Ich lag nachts wach im Bett. Alleine. Ich lag auf der linken Seite, neben dem Wecker. Es war sehr dunkel.

Aus dem Wohnzimmer hörte ich männliche Stimmen. Eine Art Verhör fand gerade statt. Ob ein der Männer mit den IS Terroristen zu tun hätte? Der befragte Mann gab keine Antwort. Ob er sich nicht vor Kurzem über die lustig gemacht hätte?

Ich bin ganz still im Bett geblieben und habe gehofft, unentdeckt zu werden. Ich habe zum Wecker geschaut, um die Uhrzeit festzustellen. Der Wecker war aus. Stromausfall?

Ich habe in die andere Richtung vom Schlafzimmer geschaut. Die Verbindungstür zum zentralen Flur war zum Glück geschlossen. Obwohl, eigentlich nicht. Schwer zu sagen, es war so dunkel. Ich habe gehört, wie die Katze hin und her durchs Wohnzimmer gegangen ist.

Und plötzlich stand eine schwarze Gestalt vor dem Bett, rechts von mir. Ich habe den Atem angehalten. Die Gestalt kam näher. Was, wenn ich entdeckt würde? Was, wenn der Mann sich neben mir hinlegen würde? Was sollte ich tun? Schreien? Aufstehen und angreifen? Alle Messer waren in der Küche…

Die dritte Lösung: Aufwachen. Ich lag im Bett, auf der rechten Seite, neben Martin. Es war sehr dunkel. Die Katze lag bei mir auf dem Bett neben meinen Füßen. Es war sonst niemand im Raum. Der Wecker zeigte 04:00.

Ein Brief der Kriminaloberkommissarin

Er lag einfach so ohne Briefumschlag im Briefkasten, als wir heute Abend nach der Arbeit und einer Wurst mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt nach Hause angekommen sind. Beide unsere Namen stehen handschriftlich drauf. Wir werden darum gebeten, uns im Rahmen von „Ermittlungen im Haus“ bei einer bestimmten Rufnummer zu melden. Bei den angegebenen Uhrzeiten kann es nur morgen erfolgen. Ich bin völlig ratlos, worum es gehen könnte.

Es ist mir nichts außergewöhnliches aufgefallen. Vielleicht doch. Am Wochenende habe ich aus meinem Arbeitszimmer einen Streit in der Wohnung im Nachbarhaus gehört. Es war außergewöhnlich, weil ich dort noch nie einen Streit wahrgenommen hatte. So schlimm hörte es sich aber auch nicht an, dass die Kripo ein Interesse daran haben sollte.

Gestern Abend bin ich als Erste nach Hause gekommen und habe uns eine Suppe gekocht. Bei der Kälte wunderbar, und sehr lecker, auch wenn ich es selber sage. Wir haben uns danach kurz an unseren Rechnern beschäftigt, bevor wir uns vor dem Fernseher hingesessen haben. Gegen halb elf haben wir gehört, wie jemand an eine Wand oder an eine Decke klopft. Das war auch außergewöhnlich. Na ja, ich habe es gehört. Martin ist schon ein bisschen schwerhörig, er kriegt vieles nicht mit, was ich akustisch wahrnehme. Es war nicht direkt gegen unsere Wohnung gerichtet und hat nicht lange gedauert. Ich hätte es fast wieder vergessen. Ich hatte mich gefragt, was los war, da sonst nichts anderes zu hören war.

Heute Morgen haben wir wie immer kurz vor acht das Haus verlassen. Martin ist vor mir mit dem Müll die Treppe runter gegangen, als ich noch die Tür geschlossen habe. Ich habe gehört, wie er sich mit Leuten im Treppenhaus unterhalten hat. Als ich unten vor dem Haus ankam, ging ein älteres Paar weiter weg vor mir zu einem wartenden Taxi. Ich weiß nicht mal, ob sie Nachbarn oder Besucher waren. Ich kenne nur sehr wenige Nachbarn im Haus. Nach einem Jahr ist es echt blöd. Ich habe sowieso nicht besonders aufgepasst, da Martin schon von den Mülltonnen zurück kam und wir zur S-Bahn mussten.

Ich bin gespannt, was ich morgen erfahren werde.

Wasserschaden

Ein paar Überraschungen mit Wasser hat uns die Wohnung seit einem Jahr schon gemacht.

Es gab die Geschichte mit der Waschmaschine, aber das hat sich zum Glück schnell gelöst.

Immer noch in der Küche, haben wir eine feuchte Ecke gemerkt, zwischen Außenwand und Treppenhaus. Genau dort ist eine Lüftungsanlage nach draußen, für ein Rohr von der Abzugshaube. Beim Umzug war das Problem nicht zu sehen. Irgendwann im späten Frühling hat es heftig geregnet. Dann haben wir gelbe Feuchtigkeitsflecken auf der frisch weiß gestrichenen Wand gesehen. Und da wir es nicht sofort gemerkt haben, gab es schon einige schwarze Schimmelpunkte in der Ecke. Die Farbe ist teilweise geplatzt. Wir haben sie weg gekratzt. Wir haben gedacht, das Problem käme von der Lüftung. Die Außenlamellen hätten das Gewitter nicht ausgehalten. Jemand ist von der Hausverwaltung beauftragt geworden und hat die Lamellen getauscht. Wir haben mit einem Lufttrockner die Ecke von Feuchtigkeit befreit und frisch neu gestrichen. Kurz danach kam das Problem wieder, genau unterhalb von der Lüftung. Wir haben ein paar mal die Farbe entfernt, getrocknet und neu gestrichen, ohne Verbesserung. Wir haben die Wand bis unter dem Putz gekratzt, um die Stelle zu trocknen. Wasser kam wieder. Ein anderer Handwerker ist vor einem Monat gekommen und hat sich den Metalldach oberhalb von der Küche angeschaut. Eine Stelle war gerissen. Er hat sie zu gelötet. Seitdem ist das Problem gelöst. Unsere erste Vermutung war, dass die frühere Eigentümer das Problem schon hatten und die Feuchtigkeit nicht bemerkt haben, weil sie die Küche in einem (ekligen) orangen-gelben Farbton gestrichen hatten. Aber wenn es so wäre, hätten sie auch Schimmel gehabt. Das hätten wir beim Besuchen der Wohnung und beim Umzug gesehen.

Gestern früh hat die Nachbarin unter uns an der Tür geklingelt. Zehn Uhr morgens oder so. Martin war noch am Schlafen, ich war schon länger wach und beschäftigt. Sie meinte, bei ihr gäbe es an der Decke einen Wasserschaden. Es müsste von unserer Wohnung kommen. Ich bin ihr zu ihrer Wohnung gefolgt. Die Decke von ihrem Gästebadezimmer hat tatsächlich eine breite naße Fläche. Am Samstag war es noch schlimmer, meinte sie, es wäre auf ihrer Waschmaschine getropft, aber sie hatte zuerst gedacht, mit der Waschmaschine wäre etwas nicht in Ordnung (im Gegenteil zu uns hat sie da unten keine Dusche). Am Samstag hatten wir beide im Gästebadezimmer geduscht, gestern noch nicht, da Martin noch schlief. Wir haben beschlossen, in der Badewanne zu duschen, bis ein Handwerker die Stelle repariert. Anscheinend ist es schon bei den früheren Eigentümern vor vielen Jahren passiert. Martin hat es sich angeschaut und meint, unter der Dusche läuft das Wasser nicht direkt vom Rohr zur Entsorgungsleitung, sondern lagert sich zwischendurch in einer dafür vorgesehenen Betonwanne. Die anscheinend nicht mehr so dicht ist. Er meint, sowas sollte schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Neubauten benutzt werden. Ich habe davon keine Ahnung.