Häusliche Quarantäne, Tag 3

Ich habe bis zehn Uhr morgens geschlafen. Ich war auch spät im Bett. Trotz Böllerverkaufsverbot ist eine beeindruckende Menge an Feuerwerken in der Nachbarschaft zu sehen gewesen. Wir haben uns ans Fenster vom Gästezimmer gestellt und zugeschaut.

Nach dem späten, leckeren Frühstück, das uns der Ehemann vorbereitet hat, habe ich in T-Shirt auf dem Balkon gelesen. Ich dachte, ich hätte einen leichten Sonnenbrand bekommen, aber meine Haut ist jetzt nicht mehr rötlich.

Beim Lesen ist mir etwas um den Kopf geflogen. Eine dunkle Biene. Ich habe gesehen, wie sie sich kurz auf die Mauer gesetzt hat. Sie war wunderschön, mit einem dicht behaarten Oberkörper, als ob sie einen schwarzen Pelzmantel tragen würde.

Den Nachmittag habe ich auf der Couch vor dem Fernseher verbracht. Warum muss das Wetter ausgerechnet jetzt, wo ich das Haus nicht verlassen darf, so verführerisch nach draußen einladen?

Tourte, mit Vollkornweizenmehl.

Zum Abendessen habe ich uns zwei kleinen Tourten mit einem Ragoût aus Karotten, Champignons, Speck und grünen Oliven zubereitet, ähnlich wie in diesem Rezept. Dazu einen leckeren, knackigen Eisbergsalat. Bin ich froh, dass mir Corona den Geschmackssinn nicht weg genommen hat!

Den Rest vom Abend werde ich vermutlich weiter auf der Couch verbringen. Ich fühle mich müde, obwohl ich mich den ganzen Tag kaum bewegt habe.

Wir warten sonst immer noch auf das Ergebnis vom PCR-Test vom Ehemann, den er gestern machen lassen hat. Bei mir ging es am Mittwochabend innerhalb von zwei Stunden.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Häusliche Quarantäne, Tag 2

Heute fühle ich mich müde. Meine Augen sind warm. Nachdenken ist schwer. Ich sitze auf der Couch und gucke Netflix[1]. Nachdem wir am Nachmittag diese idiotischen Videosendungen von SAT1[1] geguckt haben. Ich vermeide sie sonst. Kaum lustig, blöde Kommentare und der Timer geht mir auf den Keks. Heute genau richtig für meinen kranken Gehirn.

Schön war, dass wir bei dem Wetter auf dem Balkon frühstücken konnten. Ohne Pulli. Am Sylvester. Verrückt. So was kannte ich nur von Südfrankreich. Bei dem Wetter wäre ich so gerne nach Starnberg gefahren. Aber. Nicht nur Corona habe ich heute, sondern auch meine Periode dazu. Stark. Mein Bauch schmerzt.

Heute Abend freue ich mich aufs leckere Essen, das der Ehemann liebevoll zubereitet. Ohne Alkohol für mich, klar. Ich bin krank. Und ich freue mich über zwei Folgen SchleFaZ[1]. Wenn ich nicht einschlafe.

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Hütte – Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #39 von Roland Royusch

Ich mache zum ersten Mal bei der Fotochallenge mit. Diese Woche geht es um den Begriff „Hütte“. Ich habe durch meine Sammlung gesucht und wurde fündig.

Das Foto ist vor dreieinhalb Jahren während eines Spaziergangs in Herrsching am Ammersee entstanden. Die Hütte steht im Wasser an der Seepromenade. Schutz vor der Kälte findet man drin vielleicht nicht, ich vermute, die hintere Wand fehlt und der Boden ist nicht durchgängig, um das Ein- und Aussteigen aus einem Boot zu ermöglichen. Auf Google Maps[1] sieht man die Hütte aus einer anderen Perspektive.

Es war ein kalter, nebeliger Wintermorgen. Ich war damals gerade für den neuen Job in die Gegend umgezogen und der Ehemann hatte mich zum Wochenende besucht. Daher der Ausflug, anstatt bei dem Wetter schön kuschelig warm zu Hause zu bleiben. Na ja. So kuschelig war das neue Zuhause damals nicht, die ganzen Möbel waren noch beim Ehemann in Berlin.

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Unter Eis gefangen

Der Titel ist eine Übersetzung vom Titel dieses Liedes[1].

Es war ein grauer Tag im Winter. Wir, wer auch immer mit „wir“ gemeint ist, standen am Rande eines Sees. Das Wasser war gefroren und Charlotte, die älteste „Nichte“ vom Ehemann, hatte großen Spaß, drauf zu gleiten. Charlotte war allerdings nicht in ihrem erwachsenen Alter, sondern ein Kind, wie ich es nur aus Fotos kenne.

Ich schaute mit Sorge zu. Ganz fest war das Eis nicht, man konnte sehen, dass es an vielen Stellen schmolz. Die Kleine lief unbekümmert, und was passieren musste geschah: Sie fiel ins kalte Wasser. Wir sind hinein gesprungen, um sie zu retten, weil sie schnell unter eine Eisfläche geriet und sich nicht mehr selber befreien konnte. Ich fand persönlich das Wasser gar nicht so kalt, aber die Kleine war schon länger drin. Wir haben sie zurück zum Ufer gebracht.

Wir waren in einem Flugzeug auf dem Weg nach Hause. Ich fragte die Stewardess, ob sie eine heiße Schokolade für Charlotte machen könnte. Charlotte, jetzt mit erwachsenem Alter und extrem dünner Gestalt, wollte aber nichts Warmes trinken, obwohl ihre Hände und Stirn nach dem Aufenthalt im eisigen Wasser so kalt waren. Nicht mal warmes Wasser wollte sie haben.

Ich bin aufgewacht.

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Schniesel

Gestern hat es leicht geschneit. Zu wenig, um zu sagen, „es schneit“, dachte ich. Die Flocken waren so klein, es kam mir übertrieben vor. Regen war es aber nicht, man merkte schon, es war etwas Gefrorenes.

Im Aachener Raum, wo ich Deutsch gelernt habe, gab es häufig eine Niederschlagart, die ich aus meiner Heimat-Provence nicht kannte: Niesel. Wenn man nicht weiß, ob es sich um leichten Regen oder dicken Nebel handelt. „Es nieselt“, sagten meine Kollegen.

Also habe ich gestern dem Ehemann gesagt, „es schnieselt“. Ein Mischmasch zwischen „Schnee“ und „nieseln“. Ich fand es lustig und kam mir so schlau vor, Wörter einfach so zu erfinden. Hach! Das Wort gibt’s doch schon. Wenigstens Wiktionary kennt es.

Der Ehemann meinte dann, es würde für ihn nicht „schnieseln“. „Schnieseln“ klinge süß. Er würde eher „grieseln“ sagen. Die kleinen Flocken hätten keine schöne Form. Nach dem näheren Betrachten von der Außenfensterbank vom Wohnzimmer musste ich ihm Unrecht geben, wie die Fotos unten versuchen zu beweisen. Doof, dass die Fensterbank weiß ist. Ich hätte zum Balkon gehen können, da dort die Umrandung der Blumenkasten dunkelgrau ist. Aber ich hätte dafür raus gehen müssen, und es war kalt.

Das Foto links ist das Originalbild durch das Fenster. Rechts habe ich durch Bildbearbeitung versucht, die Konturen von den Flocken sichtbarer zu machen. Von den sechszähligen Sternen gibt es nicht viel zu sehen, aber sie sind definitiv ganz süß! Wie kleine Rädchen sehen sie aus.


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Ab nach Frankfurt

Wie mittlerweile jedes Jahr.

Der Ehemann ist schon gestern abgereist. Nach Berlin. Sein Vater traut sich nicht mehr, eine lange Reise mit Gepäck alleine zu unternehmen. Ihm geht’s mit dem Alter nicht mehr so gut. Der Ehemann holt ihn also ab. Die Beiden fahren mit der Bahn zusammen nach Frankfurt.

Ich habe mich heute recht früh auf den Weg zum Münchner Hauptbahnhof gemacht. Mein ursprünglicher Plan war, die Zeit in der DB-Lounge zu verbringen, bis der Zug los fährt. Ich habe viel Wartezeit eingeplant, weil man nie weiß, was mit der S-Bahn alles schief gehen kann. Wie Ute mir erzählte, selbst mit einer Stunde Puffer ist es hier möglich, seinen Anschluss zu verpassen. Es ist ihr mal auf dem Weg in den Urlaub passiert. Die S-Bahn blieb einfach so zwischen zwei Bahnhöfen stehen und nichts mehr ging.

Am Eingang der Lounge bin ich darüber informiert worden, dass ich mit meiner Sparpreisfahrkarte für die erste Klasse nicht mehr rein darf. Dass es bei Supersparpreis der Fall ist, wusste ich schon. Diese weitere Einschränkung ist mir neu. „Es ist aber schon seit September bekannt“, sagt mir die Frau, immerhin freundlich, als sie mir den Zettel mit den geänderten Nutzungsbedingungen der Lounge reicht. Drin steht, seit dem 15. Dezember ist es so. „Es steht ganz dick draußen“, fügt sie hinzu. Bei meinem letzten Besuch Anfang November war es mir nicht aufgefallen. Dem Ehemann auch nicht. Weil ich ihn nach dem Verlassen der Lounge informiert habe, und er genau so überrascht reagiert hat. Daran merkt man, Plakate sind als Informationsmaterial längst nicht mehr effektiv. Es gibt viel zu viel Werbung überall, man nimmt nichts mehr wahr.

Die Frau wollte mich aus Kulanz trotzdem in die Lounge rein lassen, aber ich konnte von oben sehen, dass mein Zug schon am Gleis stand, und bin dahin gelatscht. Und gelatscht. Und gelatscht. Die Fahrkarte hatte mir der Ehemann schon vor einigen Wochen besorgt. Drauf stand meine Reservierung. Wagen 28. Ich schaue auf dem Plan am Bahnsteig: Abschnitt G oder H. Ganz weit vorne. Ich habe Zeit und laufe hin. Es sind zwei Zugteile. Ganz vorne trägt der Zugteil meine ICE Nummer. So weit so gut. Ich laufe bis zum allerersten Wagen und finde den Wagen 28 nicht. Die einzigen Wagen der ersten Klasse sind 38 und 39. Menno. Ich prüfe meine Fahrkarte: Immer noch Wagen 28. Ich laufe zurück, aber der zweite Zugteil trägt eine ganz andere Nummer. Ich laufe wieder nach vorne und entdecke einen getarnten DB-Mitarbeiter. Unter seiner Jacke habe ich das DB-Logo gesehen. Ich frage ihn, und er zeigt mir den Weg ganz vorne, wo ich ursprünglich war. „Aber dort stand 38“, sage ich ihm. Ich laufe trotzdem zurück und sehe, die Nummer wurden geändert. Jetzt ist mein Wagen da. Nach fünf Minuten Wartezeit werden die Türe entriegelt, und ich steige ein, eine Viertelstunde vor Abfahrzeit. Gemütlich.

Wir erreichen Frankfurt pünktlich und ohne Unannehmlichkeit.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.