Faul

Schuld ist das Wetter. Wer will schon bei dem Regen irgendwas unternehmen? Also, ich nicht. Starken Dauerregen schaue ich mir lieber zu Hause aus dem Fenster mit einer gemütlichen Tasse heißer Schokolade an.

Dabei war ich in letzter Zeit voll Energie und Motivation. Seitdem ich eines Morgens fast zwei Stunden zur Arbeit gebraucht habe, weil irgendwelche Deppen die S-Bahn-Verkabelung in Brand gesetzt haben, bin ich wieder regelmäßig aufs Rad gestiegen. Wenn ich am Tag hin und zurück radle, habe ich 42 Kilometer in den Beinen. Fast 1000 kcal, meint fddb. Das mit dem weiter Abnehmen klappt aber nicht. Weil ich seit Monaten keinen Bock mehr habe, alles einzutragen, was ich esse. Ich dachte, es ginge, ich hätte jetzt einen guten Überblick darüber, was ich essen sollte, aber mein Gewicht bleibt konstant. Immerhin.

Fahrrad will ich aber nicht bei jedem Wetter fahren. Erst recht nicht, wenn es regnet. Vor zwei Wochen bin ich kurz vor Ankommen auf Arbeit von einem Gewitter erwischt worden. Ich dachte, ich würde es noch rechtzeitig schaffen. Ich wollte zu den Fahrradständern vor unserem Gebäude langsam abbiegen. Weil es plötzlich angefangen hatte, so stark zu regnen, habe ich nicht gemerkt, dass die Räder schon total naß waren. Die Bremsen haben nur gequietscht. Ich war schon am Lenken und habe gespürt, wie die Reifen auf dem Asphalt keinen Halt mehr hatten und wie das Fahrrad seitlich gerutscht ist. Es war zum Glück kein Auto auf der Straße, als ich dort gelandet bin. Auf dem linken Ellbogen, der den Schock doch gut überstanden hat. Nur Schürfwunden, und ein großer blauer Fleck in der Innenseite vom linken Oberschenkel, wo der Sattel geknallt hat. Heute ist schon nichts mehr davon zu sehen.

Ich bin auch wieder regelmäßig zum Fitnessstudio gegangen. Ich war seit Mai ständig am Wochenende verreist und bin nur seit drei Wochen fleißig bei der Wassergymnastik am Samstagvormittag dabei. Die Kursleiterin, die vorher da war und einen schönen runden Bauch hatte, ist jetzt wahrscheinlich in Mutterschutz. Ich fand ihren Kurs gut, aber jetzt, wo ich ihre Vertretung kenne, will ich sie gar nicht mehr zurück haben! Die Vertreterin hat ein ganz anderes Programm, mit Übungen, die man wie beim Intervall-Training wiederholt, acht Mal zwanzig Sekunden, mit zehn Sekunden Pausen zwischendurch. Am Anfang fühlt sich die Übung ganz leicht an, aber nach der dritten Wiederholung wird es schon super anstrengend. Meine Lieblingsübung ist die, wo man sich am Beckenrand mit den Armen hoch hebt und langsam runten ins Wasser gleiten lässt. Einfach der Hammer. Vorher hatte ich kein Problem, zwei Kurse hintereinander zu machen. Jetzt bin ich schon mit dem Ersten völlig fertig und habe wirklich den Eindruck, etwas geleistet zu haben.

Nun, heute ist mir nicht danach. Schuld ist das Wetter, das mich diese Woche von Radeln abgehalten hat. Und dieser Wind! Ist Berlin immer so windig gewesen? Ich habe es anders in Erinnerung. Zum Fitnessstudio wollte ich bei dem Regen auch nicht, da man nur beim Rüberqueren der Straße schon durchnässt wird. Und mit der Periode, die gerade abklingt, wollte ich nicht ins Schwimmbad. Wir wollten eventuell dieses Wochenende eine Radtour nach Potsdam machen, aber da die Wettervorschau nur Regen angekündigt hat, bleiben wir zu Hause. Die Wohnung muss eh mal geputzt werden.

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Migräne, schon wieder

Heute Morgen ging es mir gut. Ich bin eine Stunde früher als geplant aufgewacht. „Eigentlich könntest du laufen gehen“, habe ich gedacht. Meine Sportsachen hatte ich eingepackt. „Och nee, keine Lust“, habe ich mir beim Aufstehen geantwortet. Um dann meine Sportklamotten anzuziehen. Der Anblick im Spiegel hat mich motiviert. Die Frau sah voll sportlich aus.

Eine schöne Strecke am Fluß entlang hatte ich mir vor der Abreise ausgesucht. Tagsüber und abends ist es schlecht, weil es voll mit Menschen ist, und viele auch im Fluß schwimmen (das muss ich definitiv machen, bevor ich zurück nach Berlin fahre). Morgens um sieben ist keiner da. Und es ist nicht so heiß. Perfekter konnte es nicht sein. Die unerwarteten grauen Wolken haben mir Sorgen vorbereitet, aber es ist trocken geblieben. Ich bin Dreiviertelstunde gelaufen. Länger nicht, weil ich den ersten Vortrag des Tages nicht verpassen wollte. Außerdem wurde die Strecke immer häßlicher, je weiter weg ich vom Zentrum gelaufen bin.

Ein großes Problem war, dass ich vom Anfang an einen viel höheren Puls als sonst hatte. Fünfzehn Schläge mehr pro Minute. Bin ich schneller gelaufen, oder lag es daran, dass es so ungewohnt früh morgens war? Vermutlich letzteres. Laut Google Maps habe ich in der Zeit nur 5,2 Kilometer geschafft. Nicht besser, als wenn ich sonntags mit dem Ehemann jogge. Ich bin so eine Schnecke.

Vielleicht habe ich in den letzten Tagen nicht genug getrunken. Es war sehr heiß. Die Getränke in der Minibar sind kostenlos, hatte mir die Dame am Empfang gesagt, also habe ich alle Wasserflaschen geleert. Trotzdem ist meine Basaltemperatur deutlich gestiegen, seitdem ich hier bin. Es könnte den höheren Puls von heute Morgen erklären.

Zurück im Hotel habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr so viel Zeit hatte. Schnell geduscht und angezogen. Kein Frühstück. Ich habe vergessen zu trinken. Bei der Konferenz gab es noch keinen Kaffee. Der erste Vortrag war genau so toll, wie ich es mir von der Person erhofft hatte. Der Raum war leider überklimatisiert. Dreißig Grad draußen, und drin friert man. Obwohl das mit den dreißig Grad heute nicht stimmt. Es ist kühler geworden. Vor meiner Abreise hieß es, jeden Tag genau so heiß. Ich habe dementsprechend gepackt. Jetzt habe ich zu leichte Kleider für den Rest der Woche. Ich habe mich heute Abend gefreut, als ich zu meinem viel zu warmen Hotelzimmer zurück gekommen bin.

Im Laufe des Tages habe ich mich zunehmend schlecht gefühlt. Dass ich am frühen Nachmittag in einem überfüllten Raum eine Stunde lang hinten stehen musste, um Vorträge zu hören, hat nicht geholfen. Mein Ischias hat sehr geschmerzt. Ich habe es nach einer Stunde nicht mehr ausgehalten und bin auf einer Couch draußen im Expositionsraum kurz eingeschlafen, als meine Sitznachbarn sich über Qt und Windows unterhalten haben.

Das Essen hat mich enttäuscht. Gestern war es besser. Nur Croissants und Kaffee oder Tee zur Pause. Kein Obst, wie ich mich aus anderen Tagungen inzwischen gewöhnt habe. Mittags war das Essen nicht besser. Schupfnudel mit gegrilltem Gemüse und Salami. Alles in Öl badend. Würg. Nachmittags fetter Süßkram mit Kaffee. Keine Lust dazu. Ich habe gefragt, ob es Obst gäbe. Nein. Die Frau hat mich wie eine Außerirdische geguckt. Ich bin raus gegangen und habe mir Bananen aus dem Supermarkt geholt. Sonst kriege ich noch Krämpfe, nach dem morgendlichen Laufen. Als ich aus dem Konferenzgebäude raus gekommen bin, habe ich gehört, wie zwei Französinnen sich darüber beschwert haben, wie schlecht das Essen war. Ich war also kein Einzelfall.

Ich habe wegen beginnender Migräne einen Vortrag geschwänzt und mich kurz im Hotelzimmer erholt. Das Wetter war bedrückend. Dunkle Wolken. Kalt. Nur zweiundzwanzig Grad. Danach musste ich zurück zu meinem Poster. Die Migräne ist stärker geworden. Am Empfang hatten sie kein Aspirin. Ich habe mich geärgert, dass ich die Packungen zu Hause vergessen habe. Mein Poster wurde gut besucht. Leute sind gekommen, die sich es gezielt ausgesucht hatten. Keine Zufallsbesucher, wie ich es aus meiner Zeit in meinem früheren Institut kenne. Ich bin froh, die Forschungsrichtung gewechselt zu haben. Heute war es aber hart, und ich habe jedesmal gehofft, dass die Leute nicht zu viele Fragen stellen. Die Migräne wurde so stark, dass ich Übelkeit bekommen habe.

Um sieben war offizieller Schluß. Die waren alle noch am Quatschen. Ich habe mein Poster abgenommen und bin zum Hotel gegangen. Im Viertel habe ich keine Apotheke gesehen. Die Frau am Empfang meinte, am Bahnhof gäbe es eine. Viel zu weit weg, wenn man pochende Migräne hat. Ich bin zu einem Lokal in der Nähe essen gegangen. Flammkuchen mit crème fraîche, Speck, Zwiebel, Rucola, Parmaschinken und Parmesan. Eine Apfelschorle dazu. Ein bisschen viel, das stimmt. Aber hey, seitdem geht es mir viel besser. Die Migräne ist weg.

Sportlich und doch nicht fit

Die Migräne ist wieder da. Kein Wunder, bei dem Wetter.

Trotz der guten Nacht habe ich mich beim Aufwachen matschig gefühlt, und zwar bevor ich die Nachrichten im Radio gehört habe. Zum Frühstück gab es eine Banane und einen Kaffee. Martin ist früher zur Arbeit gefahren. Er hat sein Fahrrad mitgenommen, obwohl es kurz vorher noch geregnet hat. Ich wollte doch so gerne auch Fahrrad fahren. Das letzte Mal war am Montag. Laufen am Mittwoch ist wegen Migräne ausgefallen. Wenn ich abnehmen will, muss ich mehr tun. Aber diese blöde Migräne, die nicht los lässt! Und der Schwindel dazu! Wenigstens ist die Periode vorbei. Ich habe mich fürs Radeln angezogen und saubere Kleider in den Rucksack gepackt. Noch einen Kaffee getrunken. Dabei habe ich mich zwischendurch gefragt, ob ich mich nicht krank melden sollte, um zu Hause zu bleiben. Aber vielleicht wäre Bewegung genau das richtige, um mich besser zu fühlen?

Es hat tatsächlich geklappt. Mittags bin ich mit den Kollegen essen gegangen. Beim Kaffee danach ging es mir langsam aber merklich schlechter. Wieder Kopfschmerz und Schwindel. Ich habe arbeiten können. Um vier Feierabend. Auf dem Rückweg war das Radeln schwieriger. Eine gute halbe Stunde lang hat mein Kopf gepocht, wenn der Radweg nicht ganz eben war. Also, die ganze Zeit, mit den Berliner Radwegen. Dann gab es ein bisschen Regen. Windig war es ständig. Gegenwind natürlich. Ich würde sogar sagen, es war stürmisch. Echt kein Spaß. Dazu kam, dass so viele Leute den Radweg missachtet haben und drauf spazieren gegangen sind. Taube Leute, die auf meine laute Klingel nicht reagiert haben. Eine Frau mit Kinderwagen ist mir entgegen gekommen und hat mich auch noch trotzig angeschaut, bevor sie beschlossen hat, mitten im schon engen benutzungspflichtigen Radweg zu gehen. Der Bürgersteig war drei Meter entfernt und durch eine Wiese vom Radweg getrennt. All diese Leute heute sahen irgendwie südländisch aus, und ich habe mich gefragt, ob Flüchtlinge überhaupt erklärt bekommen, was ein Radweg ist. Den Eindruck habe ich nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich selber bei meiner Ankunft in Deutschland lernen musste, dass es Radwege auf dem Bürgersteig gibt. Das kannte ich damals nicht.

Zu Hause angekommen, habe ich geduscht und viel Wasser getrunken. Martin ist kurz nach mir gekommen, ebenfalls mit dem Fahrrad. Ein Aspirin musste noch her. Ich habe großen Hunger bekommen. Die Suppe mittags war schon längst verbraucht, sowie der Grießpudding. Martin hat uns ein Pizza geholt. Ich habe mich überreden lassen, obwohl ich dagegen war. Er unterstützt mich beim Abnehmen wirklich nicht. Er hat meine Lieblingssorte gebracht, mit Kochschinken und Champignons. Ich habe meine Hälfte verschlungen. Pizza und Abnehmen passen bekanntlich nicht gut zusammen. Die heutigen 44 Kilometer Fahrrad machen es wieder gut, sicherlich.

Von Abnehmen kann momentan keine Rede sein. Ich nehme seit einer Woche langsam aber stets wieder zu. Ich versuche, darauf zu achten, was ich esse, wirklich. Keine Zwischenmahlzeit, obwohl es diese Woche beim ständigen Hunger nachmittags nicht einfach war. Ich weiß, dass ich zu viel rein stopfen muss, wenn ich zunehme. Kalorienzählen geht leider nicht, wenn ich mittags mit den Kollegen esse. Ab und zu nehme ich mir etwas mit, das isoliert mich aber von der Gruppe. Ich bin schon zu einem anderen Gebäude umgezogen und habe dadurch viel weniger Kontakt mit den Kollegen. Mein mitgebrachtes Mittagessen im Lokal zu essen würde bei den Betreibern nicht gut ankommen. Also nehme ich zu. Das lustige dabei ist, dass meine Kleider zu breit werden. Ich habe mich heute gefragt, ob meine Hose mir nicht runter fallen könnte. Sie hält sich noch fest, aber es ist deutlich, dass sie früher enger saß. Ich habe am Po-Bereich viel an Fett verloren. Wenn die Figur sich ändert, ist es doch ein gutes Zeichen.

Aus dem Laufen wird heute nichts

Ich bin fix und fertig.

Heute Morgen habe ich mich noch gefreut, nach der Arbeit zu joggen. Ich habe mir für die Mittagspause eine Packung Schinken mit einem Brötchen geholt. Und einen mageren Naturjoghurt, eine Banane und einen Apfel. Das ist nicht wenig, aber ich wollte ja joggen gehen.

Dann kam der Nachmittag. Ich habe intensiv an meinem Programm #1 gearbeitet und eine Methode verbessert, um Daten zu laden. Ich war nicht so gut konzentriert. Ich habe mich müde gefühlt und leichte Kopfschmerze bekommen. Das Programmieren war mühsam. Ich habe mein Ziel erreicht, um nach anderen Tests festzustellen, dass jetzt etwas anderes nicht mehr läuft. Das Problem habe ich auf morgen verschoben. Ich habe dadurch später als geplant Feierabend gemacht.

Da ich nicht zu spät zu Hause ankommen wollte, um mit Martin zu joggen, bin ich mit der S-Bahn gefahren. Auf dem Weg dahin wurde mir schwindelig. Mir ging’s doch gar nicht gut genug, um sportlich tätig zu sein. Vielleicht hat es mit meiner Periode zu tun. Ich verliere momentan viel Blut, und hatte gestern Abend starke Bauchschmerzen. Oder es kommt vom Wetter. Der Himmel war so dunkel und bedrückend. Gerade ist das Gewitter ausgebrochen. Wir wären eh nicht bei dem Wetter gelaufen. Sehr wahrscheinlich ist es der Grund für die Migräne, die sich während der Fahrt in meinem Schädel breit gemacht hat. Es geht gerade so, aber ich kann nicht viel machen. Und ich habe tiefe Ringe unten den Augen, obwohl ich heute Nacht doch so gut geschlafen habe. Schmerzmittel bringen bei mir selten etwas, wenn die Migräne noch nicht richtig explodiert hat.

Das Wetter macht übrigens die Leute verrückt, wie es aussieht. Als ich in der S-Bahn eingestiegen war und einen Sitzplatz gefunden hatte, habe ich plötzlich eine ganz laute Techno-Musik gehört. „Ach nee, nicht das auch noch“, habe ich gedacht, und mir überlegt, ob ich nicht zu einem anderen überfüllten Wagen wechseln sollte. Die Türe sind zu gegangen, und die Musik wurde schwächer. Gut, es war nur am Gleis. Ich habe kurz dort geschaut, als der Zug weg gefahren ist. Ein langer, dürrer, voll tätowierter Mann war dabei, auf der Rücklehne einer Sitzbank zu springen und hat in dem Moment einen gewaltigen Kick nach vorne gemacht, und einen anderen Mann am Kopf getroffen, der direkt zum Boden geschleudert wurde. Die Leute im Zug haben entsetzt geschrien. „Die stehen voll unter Droge“, meinte ein Mann. Es stimmt, dass die Beide ähnlich asozial ausgesehen haben und man leicht den Eindruck gewinnen konnte. „Ob wir die Polizei anrufen sollten?“ frage eine Frau, als der Zug schon den Bahnhof verlassen hatte. Ich glaube, das haben bestimmt die anderen Reisenden am Gleis gemacht.

Schockiert war ich. Es ist mein Bahnhof, wo ich täglich für die Arbeit ein- uns aussteige, wenn ich nicht mit dem Bus fahre. Ich hatte doch vor wenigen Sekunden an dem Ort gestanden, wo der Mann geschlagen wurde. Ich kann es nicht fassen, dass ich seit einer Woche auf Arbeitswege in so kurzer Zeit so viele Menschen sich prügeln sehe, wenn die letzten drei Jahren seitdem ich in Berlin wohne so ruhig gelaufen sind.

Heute soll es stürmisch werden

Sturmböen bis zu 88 km/h sind laut wetter.de zu erwarten. Ich werde wohl das Fahrrad zu Hause lassen.

Und weiter auf der Seite steht ein Link zum Artikel „Der Sommer war früher doch besser“, untertitelt „Knapp Zwei Drittel der Deutschen finden, dass diese Aussage richtig ist“. So viel zur Objektivität. Wenn man wissen will, wie das Wetter früher wirklich war, sollte man sich gemessene Daten anschauen. Aus dem subjektiven Empfinden von befragten Leuten zieht sich doch kein ernster Meteorologe (m/w) wissenschaftliche Schlussfolgerungen.

Es ist kühler geworden

Vor einer Stunde hatten wir noch knapp 37°C auf der Terrasse…

Temperatur

Alle Fenster sind tagsüber geschlossen. Im Treppenhaus fühlt es sich wie in einem Offen an. Ich gehe nicht raus.

Wir waren gestern Abend am Nikolassee. Es war überfüllt mit Menschen, aber es gab auch Enten und Blässhühner. Letztere wurden sogar noch von süßen kleinen Küken gefolgt. Ich konnte gut im Wasser abkühlen, der Rest des Abends war angenehm. In der kurzen Zeit am Wasser bin ich natürlich auch von kleinen Viechern gefressen worden…

Heute fällt mir das wöchentliche Putzen recht schwer. Staubsaugen ist erledigt, der Boden muss noch gewischt werden. Lieber sitzen bleiben. Gleich kommt ein Gewitter.

Wind

Ich hasse es. Seit gestern weht es aus dem Westen durch Berlin in starken Böen. Ich kriege massiven Gegenwind auf dem Weg nach Hause. Ich merke, wie schnell meine Geschwindigkeit sinkt, wenn ich kurz nicht mehr trete. Heute Abend an der Ampel hätte mir der Wind fast den Lenker auf den Händen gedreht. Und die Leute sind gereizt.

Heute morgen wäre ich kurz vor Lichterfelde West von einem abbiegenden weißen Transporter aus der anderen Richtung überfahren worden, wenn er nicht im letzten Moment mitten auf der Kreuzung notgebremst hätte. Es war merkwürdig. Ich bin an der Kreuzung bei Gelb gefahren. Die Ampel ist gerade gelb geworden, als ich (rechts von einem Auto) noch ziemlich schnell auf dem Radweg vorbei gefahren bin. Kein Grund, plötzlich zu bremsen, es wäre eher gefährlich gewesen. Die Kreuzung ist aber lang, und ich bin langsamer als das Auto links von mir gefahren. Ich vermute, es wurde hinter mir rot, als der Transporter nach dem Auto mit vollem Schwung angefangen hat, abzubiegen, und mich (absichtlich?) „übersehen“ hat. Obwohl es kein Fehler war, bei Gelb nicht zu halten, weil es so kurzfristig gewechselt hatte, habe ich mich geärgert. Und noch mehr, als der Transporter-Fahrer angefangen hat zu brüllen, weil er offensichtlich dachte, ich wäre bei rot gefahren. Vielleicht sollte man anregen, an der Kreuzung eine separate Ampel für Radfahrer anzubringen, die früher rot wird.

Später bin ich wie immer am Lidl in der Gutschmidtstraße vorbei gefahren. Es war noch früh. Sehr wenige Leute waren unterwegs. Kein Mensch auf dem Parkplatz rechts von mir, keine Fußgänger auf dem geteilten Rad- & Gehweg. Ich konnte gut fahren. Plötzlich habe ich aus der hinteren Ecke vom Parkplatz einen beeindruckenden Staubwirbel mit Blättern wahrgenommen, der sich schnell zu mir bewegte. Ein Zusammentreffen schien unvermeidlich. Ich habe den Kopf leicht nach links gedreht und die Augen gekneift, um nichts davon zu bekommen. Meine Augen sind mit dem Wind zur Zeit genug gereizt. In dem Moment ist ein Auto von der Straße aus zum Lidl abgebogen. Ich war im Weg, der Fahrer musste warten, dass ich vorbei fahre. Es schien Grund genug zu sein, um ihn aufzuregen. Weil irgendwas angemeckert werden musste, aber doch nicht, dass ich auf dem Radweg war, wie es sich gehört, meinte er durch sein Fenster, ich sollte rechts und nicht links beim fahren schauen. Äh? Rechts war Funkstille. Stimmt. Kate hatte mir erzählt, die Berliner müssen einen immer belehren, selbst wo kein Bedarf / Anlass besteht. Kann ich nur bestätigen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich eine Frau bin, oder dass ich offensichtlich nicht deutscher Abstammung bin, oder was weiß ich. Der Berliner hält sich häufig für überlegen. Ich habe ihn reden lassen und bin weiter gefahren.

Heute Abend habe ich auf dem Rückweg gesehen, wie ein Radfahrer und ein (schon wieder) weißer Transporter sich gerade verpasst haben. Beide haben sich so unverschämt stur verhalten, es hätte krachen sollen, nur, um ihnen eine Lehre zu sein. Doch nicht. Es hätte für den Radfahrer ganz schlimm im Krankenhaus geendet. Ich stand an der roten Ampel, vor der Paul-Schneider-Straße. Links von der Kreuzung standen auch viele Autos. Es war gerade der Moment, wo niemand fuhr. Die Fußgänger-Ampel von links nach rechts vor mir war grün. Der Radfahrer ist wie ein Pfeil geschossen über die Zebrastreifen gekommen. In dem Moment ist der Transporter-Fahrer aus meiner rechten Seite über die Kreuzung gerast, um links abzubiegen. Keiner hat gebremst. Der Transporter-Fahrer hat sich böse umgeschaut, der Radfahrer hat geschimpft. Die sind mir beide aber echt bescheuert vorgekommen.

Migränewetter

Ich sollte an diese Hitze gewöhnt sein. In meiner Heimat ist es im Sommer meistens sehr heiß. Und vor Kurzem in Spanien hatten wir sogar 39°C. Mir geht’s schlecht.

Es kann sein, dass ich in letzter Zeit übertrieben habe. Ich war schon froh, bei meiner Rückkehr aus dem Urlaub festzustellen, dass ich gar nicht zugenommen hatte. Tapas und den leckeren frischen Fisch habe ich in Spanien reichlich genossen. Vermutlich liegt es daran, dass wir so viel zu Fuß unterwegs waren. Da das Wetter hier so schön wurde, habe ich beschlossen, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren. Seit letzter Woche habe ich jeden Tag 25km geschafft. Am Samstag sind wir zum Strandbad Wannsee gefahren. Ich hatte die Idee, danach zu mir zu fahren, und damit am Tag 60km zurück zu legen, aber bei der Hitze war es völlig unrealistisch. Wir sind von dort aus mit der Bahn gefahren. Gestern wurde die geplante Spazierfahrt aufgrund der Hitze auch verkürzt. Wir haben Pause in einem Biergarten im Schatten gemacht und ich habe einen Liter Fassbrause getrunken.

Heute Morgen hatte ich seit letzter Woche keinen Gramm abgespeckt. Irgendwie frustrierend. Laut BMI bin ich nicht im Übergewicht, immer noch im grünen Bereich, aber ich sollte mich in Acht nehmen, die obere Grenze ist nicht so weit.

Vielleicht habe ich mich mit dem vielen Fahrradfahren überanstrengt. Oder das Wetter ist Schuld. Heute war es wieder zu warm im Büro. Ich bin mehrmals zur Toilette gegangen, um mir den Kopf naß zu machen. Der Ventilator war im Einsatz. Am Ende des Tages musste ich Testmessungen an den Geräten im klimatisierten Raum durchführen, der gut zehn Grad kühler als mein Büro ist. Als ich zurück zu meinem Schreibtisch kam, habe ich mich schlecht gefühlt. Schwindelig. Mein Bauch hat geschmerzt, und eine Migräne hat sich bemerkbar gemacht. Draußen sammelten sich graue Wolken. Mir ging’s früher immer sehr schlecht kurz vor einem Gewitter, ich musste mich sogar häufig auf dem Boden hinlegen, aber es hatte nachgelassen, seitdem ich mit Sport angefangen hatte. Heute hat es mich umgehauen, und es gab zum Schluß doch nicht mal richtig Gewitter, was vorher bei diesem Zustand für mich immer wie eine Befreiung gewirkt hatte.

Ich habe Paracetamol eingenommen, ohne nennenswerte Wirkung. Kurz danach habe ich beschlossen, Feierabend zu machen. Es war schon 18:30. Ich habe das Fahrrad bei der Arbeit gelassen. Ich wollte bei Kaufland einige Sachen besorgen. Dabei hatte ich im Supermarkt ständig das Gefühl, dass ich gleich umkippen würde. Ich war alleine, Martin war noch bei der Arbeit beschäftigt. Ich bin mit der Tram nach Hause gefahren und habe eine Packung Pringles gefressen (ich hatte im Kaufland plötzlich Lust drauf). Kalten Grüntee getrunken, den ich gestern vorbereitet hatte. Die Migräne hat langsam nachgelassen. Jetzt bin ich nur noch sehr müde. Gut, dass ich diese Woche ab morgen noch drei Tage frei genommen habe. Ich muss meinen Resturlaub los werden, da ich demnächst den Arbeitgeber wechseln werde. Ich habe noch drei Wochen in August geplant. Anders ausgedrückt, ich habe bis jetzt einfach zu wenig Anspruch auf meinen Urlaub genommen.

Kalter Montag

Die Glätte hat mich völlig überrascht. Ich hatte die Wettervorschau nicht beachtet. Es gab am Wochenende Besseres zu tun.

Am Samstag habe ich es doch nicht geschafft, zum Sport zu gehen. Ich habe mich um meine Wohnung gekümmert. Mir ist aufgefallen, dass Brüderchen schon am kommenden Wochenende mit seiner Freundin zu Besuch kommt, und ich wollte den Wohnzimmerbereich bequemer gestalten. Ich bin noch nicht fertig. Am frühen Abend habe ich die Katze reichlich versorgt und mich fürs Wochenende auf dem Weg zu Martin gemacht. Über eine Stunde Fahrt mit ÖPNV. Als wir uns umarmt haben, ist mein Stress von Freitag auf einmal verschwunden. Wir sind noch essen gegangen, bevor wir uns im Schlafzimmer vergnügt haben. Er fühlte sich trotz OP ziemlich gut. Da ich ihn schonen wollte, habe ich beschlossen, in die Reitstellung zu gehen. Und muss heute peinlich feststellen, dass ich unbedingt meinen Trainingplan ändern muss. Solche Muskelkater hatte ich lange nicht mehr gehabt. Aber seiner Reaktion nach zu beurteilen, hat es sich sehr gelohnt. Wir haben auch schon Urlaubspläne für den Sommer diskutiert. Wenn das nicht ernst ist.

Nach einer erholsamen Nacht bei mir habe ich mich heute Morgen kurz nach acht auf dem Weg zur Arbeit gemacht. Normalerweise brauche ich zu Fuß eine Viertelstunde bis zur Haltestelle. Nicht so heute. Die Hälfte meiner Strecke ist bis zur Hauptstraße des Viertels mit Kopfsteinpflastern bedeckt — sowohl Bürgersteig als auch Straße. Mit der Glätte von heute Morgen war es der reine Horror. Aus dem Kiez raus war es kaum besser, da es noch nirgendwo bestreut wurde und ich über eine Brücke gehen musste. Kurz davor stand ich still und überlegte, wie ich weiter gehen sollte, als der Wind plötzlich stark wehte und mich fast zum Fall gebracht hätte. Als ich endlich heil die Haltestelle erreichte, war es schon 08:45. Der Weg von der Straßenbahn bis zu meinem Gebäude war genau so mühsam langsam. Und ich hatte meine Winterschuhen an. Ich muss mir unbedingt Spikes besorgen.

Die Arbeit verlief heute super. Mein IT-Kollege hat eine Beschreibung gefunden, wie man PyQt4 auf Maverick installieren kann. Ich habe sie gleich auf Uschi’s Mac ausprobiert und war begeistert, als es endlich lief. Man musste nur homebrew installieren, und danach brew install qt, brew install sip, brew install pyqt. Einfacher geht’s nicht. Qwt5 musste noch her, dann ist alles reibungslos gelaufen. Was für eine Erleichterung. Damit konnte ich bei unserer Besprechung positive Ergebnisse zeigen. Das Problem mit openSUSE scheint doch nicht so wichtig zu sein. Ich kann mich jetzt darauf konzentrieren, das Programm zu veröffentlichen. Wir hatten letzte Woche schon die Arbeitseinteilung bei den Geräten für diese Woche diskutiert, aber Uschi meinte, es könnte sein, dass jemand für Martin einspringen sollte, falls er noch nicht zurück kommt — wahrscheinlich er oder Winfried. Dabei hat er mich die ganze Zeit angeschaut. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er schon Bescheid weiß. Wie auch immer.

Wir haben mit Martin noch nicht darüber diskutiert, ob wir uns als Paar outen oder nicht. Ich finde die Situation unangenehm. Es wäre mir lieber, nichts zu verheimlichen. Meine Kollegin Mieke hat mich heute erneut mit Fragen gebohrt. Und ich bekomme wieder das Gefühl, dass sie sich ihn vielleicht schnappen wollte. Dabei hat sie am Mittwoch darüber gelacht, ob wir denn „schon wieder“ ein Date hätten, als ich offensichtlich nach meiner Präsentation auf ihn wartete, um zusammen Feierabend zu machen. Martin hatte einfach ja geantwortet. Heute fragte sie mich, ob jemand etwas wüsste, wie es ihm nach der OP ging. Mit „jemand“ meinte sie mich. Da wir zu zweit waren, habe ich ihr kurz erzählt, dass er wahrscheinlich die ganze Woche noch abwesend wäre und heute zurück zum Arzt musste. Sie hat mich scherzend gefragt, ob ich ihn besucht hätte, was ich lächelnd bejaht habe. Ich habe gemerkt, dass es ihr danach nicht mehr gelungen ist, ganz locker zu wirken. Es kann sein, dass ich völlig falsch liege, aber mein Bauchgefühl sagt mir das Gegenteil. Sie erinnert mich an Hülya, und wie sie mir einmal erzählt hatte, sie wäre dumm genug gewesen, um Olivier in die Arme einer anderen Frau gesteckt zu haben, weil sie ihm gesagt hatte, die Frau möchte mit ihm Sex haben — sie wollte dadurch nur seine Reaktion prüfen, aber er hat sich tatsächlich darüber gefreut und ist zur anderen Frau gegangen. Ich denke manchmal, Mieke verhält sich mit Martin genau so.

Der Weg nach Hause sah heute Abend genau so schlimm wie am Morgen aus. Ich habe kurz eingekauft und ein Taxi bestellt. Das werde ich morgen auch machen, weil ich so früh bei der Arbeit sein muss. Danach schaue ich, ob ich Spikes kaufen kann. Es soll diese Woche nur noch kälter werden.