Homepage – Weiterbildung – Einladung

Irgendwie sind die letzten Tage sehr schnell vergangen. Ich habe angefangen, an meiner persönlichen Homepage zu arbeiten. Zuerst offline, auf meinem Rechner. Ich kümmere mich später um den Provider und die Domain-Registrierung. Wie ich das mache: Kein besonderes Programm, „einfach“ .html Dateien in meinem Lieblingstexteditor bearbeiten, Emacs. Ich habe sogar ein Stylesheet in .css gemacht, zum allerersten Mal. Das hat also viel Zeit gekostet. Ich gehöre auch zu den Leuten, die nichts merken, wenn sie intensiv am Arbeiten sind. Das heißt, dass ich mich schon dazu gezwungen habe, ins Bett zu gehen, weil es schon über 01:00 morgens war. Aber es macht Spaß. Mein Design ist fertig, ich brauche nur noch den Inhalt zu schreiben. Warum ich das tue? Ich habe in mehreren Artikeln gelesen, dass man als Bewerber eine persönliche Homepage haben sollte. Also los. Ich konnte sogar ein der neuesten Bewerbungsfotos benutzen, die ich gestern bei meiner Fotografin abgeholt habe. Mein einziges Problem ist das Einfügen eines Kontaktformulars mit captcha in meiner Kontaktseite. Es gibt verschiedene Versionen im Internet, die man mit einem Link einbetten kann, aber damit gebe ich mich nicht zufrieden. Ich möchte lieber einen Stück Code haben, statt irgendein Link einzufügen, bei dem ich nicht weiß, wie lange es gültig bleibt. Und auch weil ich für jede Seite drei Versionen habe, auf Deutsch, Englisch und Französisch. Das Formular soll bitte schön in allen drei Sprachen gleich aussehen, nur mit übersetzten Feldern. Natürlich schaut man sich den Quelltext von professionellen Seiten an. Aber der Code ist auf so vielen Seiten verteilt… Ich gebe erstmal auf, ich versuche es am Schluss wieder. Mit JavaScript habe ich noch nie gearbeitet.

Gestern ist Mei zu Besuch gekommen. Da ich viel Caponata gekocht hatte, haben wir mittags bei mir gegessen. Sie ist mit Datensätzen gekommen und brauchte Hilfe bei deren Auswertung. Irgendwas stimmte nicht, wir haben das Problem noch nicht gelöst. Sie hat mir den letzten Klatsch vom Institut erzählt. Natürlich ging’s um Lars. Er hat anscheinend bei einer Lehrveranstaltung, die Mei besucht hat, einen großen Quatsch erzählt. Mei hat ihm zuerst geglaubt und in ihrem Institut das frisch Gelernte weiter erzählt. Eine Kollegin dort wusste aber besser und hat ihr bewiesen, dass es falsch war (was nicht schwierig ist). Damit steht das Institut ziemlich blöd rum. Nicht nur bei uns, auch Wissenschaftler in anderen Instituten wissen jetzt, was für einen Clown wir da auf Dauer eingestellt haben, und dass man keine zuverlässige Information von uns bekommen kann. Mir soll’s egal sein, ich arbeite nicht mehr dort. Aber meine Chancen auf einen neuen Job verringern sich, wenn das heruntergekommene Niveau von unseren Lehrveranstaltungen sich rum spricht.

Ich habe heute sonst weiter fleißig Bewerbungen geschickt. Mein Bearbeiter am Jobcenter hat mir eine Einladung geschickt, um mit ihm nächste Woche über die Weiterbildung in Qualitätsmanagement ab Juni zu diskutieren und den Bildungsgutschein zu bekommen. Ich muss ihn dabei definitiv fragen, ob ich dadurch weniger Geld vom Arbeitsamt bekomme. Ich hatte nicht daran gedacht, bis meine Mami mich am Telefon fragte, ob ich während der Weiterbildung weiterhin Geld bekommen würde. Und tatsächlich:

Die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes mindert sich während der geförderten Weiterbildung für jeweils zwei Tage des Bezuges nur um jeweils einen Tag. Eine Minderung der Anspruchsdauer unterbleibt ganz, wenn bereits zu Beginn der Weiterbildung die Anspruchsdauer 30 Tage oder weniger beträgt. Wird durch die Minderung während der Weiterbildung eine Anspruchsdauer von 30 Tagen erreicht, unterbleibt eine weitere Minderung der Anspruchsdauer. So ist sichergestellt, dass Sie nach Ende der Weiterbildung bei ggf. weiterhin vorliegender Arbeitslosigkeit noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld für mindestens 30 weitere Tage – wenn Sie zu Beginn der Weiterbildung nur noch einen Restanspruch von weniger als 30 Tagen hatten, höchstens diesen Restanspruch – geltend machen können.

Ich glaube, in meinem Fall gäbe es keine Änderung, denn ich seit Oktober arbeitslos bin. Hmm, vielleicht doch. Ich frage trotzdem lieber nach.

Und, tadaaa! Ich habe heute einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch Ende Mai bekommen. Eine der Stellen, die sich bei der Tagung in März ergeben haben, bei der ich aber dachte, dass ein der beiden Chefs von mir nicht begeistert wäre. Er hat eine Rundmail an allen Kandidaten geschickt. Wir machen an dem Tag anscheinend eine Art Gruppenvorstellungsgespräch. Außer mir sind noch drei anderen Personen eingeladen. Wenn es klappt muss ich Python lernen. Es geht um Programmierung (mit wissenschaftlichem Bezug). Ich hätte Informatik statt Physik studieren sollen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Geschichte einer Homepage

Dass die Homepage mal aufgefrischt werden sollte, wussten wir am Institut schon lange. Sie wurde vor etwa fünfzehn Jahren erstellt und viele Informationen drin sind längst nicht mehr aktuell. Damals hatten sich zwei Studenten, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und unsere Sekretärin um das neue Design gekümmert, es war die Zeit, als es so cool war, Frames zu benutzen – heute wirkt es wie die Vorgeschichte von Internetseiten. Für die Aktualisierung des Inhaltes ist unsere Sekretärin zuständig. Ankündigungen für Vorträge waren immer aktuell, wir haben aber jede Menge Lehrveranstaltungen für Studenten noch drin behalten, die wir längst nicht mehr anbieten, oder bei denen die zuständigen Dozenten entweder nicht mehr bei uns arbeiten, oder sogar in einem Fall seit einigen Jahren gestorben ist. Und das obwohl wir es bei unserer Sekretärin mehrmals bemängelt haben.

Vor einigen Jahren hat unsere Universität ein neues Design für ihren Internetauftritt bekommen. Es hieß, man sollte sich dem „Corporate Design“ anpassen und Institute wurden dazu eingeladen (aber nicht gezwungen), mit Hilfe des neu entwickelten CMS und des Webteams ihre Webseiten neu zu gestalten. Wir hatten uns damals also an das Webteam gewandt und uns wurde versichert, dass sie eine neue Webseitenstruktur für uns sobald wie möglich bereit stellen würden, bei der wir uns nur noch um den Inhalt kümmern sollten. Jahre vergingen. Mit meinen Lehrpflichten und Forschungsarbeit hatte ich die Folgen dieses Treffen mit dem Webteam nicht mitbekommen. Es war auch nicht meine Aufgabe und ich hatte gedacht, wenn sich etwas tut, würde sich unsere Sekretärin melden. Ich hätte auch jeden Fall mitgemacht, um neue IT-Kompetenzen zu erwerben und mich bei späteren Bewerbungen besser zu verkaufen. Ich habe ab und zu nachgefragt, ob vom Webteam etwas Neues zu hören gewesen war und habe vorgeschlagen, sich dort zu informieren, wie der Stand war – das wollte unsere Sekretärin aber nicht machen, da sie uns schon gesagt hatten, dass sie an unsere Homepage arbeiten würden. Zwischendurch habe ich neben meiner Tätigkeit eine beratende Funktion an der Uni angenommen und habe selber dafür eine Homepage mit dem gleichen CMS gestaltet. Als ich nach dieser Tätigkeit wieder Vollzeit zum Institut kam, waren schon zwei Jahre vergangen. Da sich für unsere Homepage nichts geändert hatte, habe ich selber die Initiative ergriffen und eine Email an unseren damaligen Gesprächspartner beim Webteam geschrieben, mit dem Leiter des Teams im CC, wo ich fragte, wie weit sie seit den mehr als zwei Jahren mit unserer Homepage fortgeschritten waren. Da kam die Antwort, dass sie bedauerlicherweise unseren Fall völlig vergessen hatten und sich entschuldigten. Wir haben zu viert, die Sekretärin, die adipöse Assistentin, ein Doktorand und ich, einen neuen Termin mit einer frisch diplomierten Frau beim Webteam vereinbart. Die Struktur für die Homepage wurde dann schnell bereit gestellt und wir konnten daran offline arbeiten.

Wir haben uns also zu viert die Arbeit geteilt. Mein Teil wurde schnell erledigt, der vom Doktoranden auch. Bei den zwei anderen haben wir sehr lange gewartet. Als sich nach ein paar Monaten nichts geändert hatte und ich arbeitslos wurde, habe ich selber den Teil der Sekretärin und der Assistentin übernommen. Die Assistentin: „Mir war nicht klar, dass ich etwas machen musste“, ich denke, sie hat sich vom Institut aus noch nie ins CMS eingeloggt. Die Sekretärin: „Toll, dass du die ganze Arbeit gemacht hast“. Immerhin. Ich habe dann alle darum gebeten, dass sie den Inhalt genau prüfen und gegeben falls korrigieren. Ich weiß, dass ich den Teil über die Geschichte des Instituts aktualisiert hatte, und mich genervt nicht nett gegenüber unserer Fakultät geäußert hatte, weil sie uns vor kurzem eine Professur weg genommen hatten, als der Institutsleiter in Rente ging, und noch vor hatten, andere Stellen bei uns abzukassieren. Bearbeitungsbedarf im Text war also da. Nachdem alle letzten Korrekturen gemacht wurden, habe ich mich im Dezember an das Webteam erneut gewandt und geschrieben, dass sie die Homepage online umschalten konnten, nachdem einige Probleme beseitigt wären – z.B. Zugriffsverweigerung auf Beispielseiten, die die Frau für uns erstellt hatte, bei denen sie aber die Rechte nicht richtig gesetzt hatte, oder die Veröffentlichungsliste, die doch eine andere Struktur bekommen sollte.

Ich habe gewartet, vielleicht war die Frau schon im Urlaub, und habe mich weiter um meine Bewerbungen gekümmert. Einen Beitrag für eine Fachtagung wollte ich auch vorbereiten, um den Kontakt mit anderen Kollegen wieder aufzufrischen. Es hat sich auch gelohnt, ich habe spontan durch einen früheren Kollegen ein Vorstellungsgespräch bei der Tagung gemacht, wobei ich mich frage, ob es wirklich etwas bringen wird. Der erste Verantwortlicher für die Stelle wirkte sehr interessiert, aber ich fand den zweiten Mann sehr hochnäsig und unangenehm – wie er sich verhalten hat, immer stur geradeaus über meinem Kopf zu schauen (so groß ist er) und zu reden, ohne mich überhaupt anzuschauen, habe ich eher den Eindruck bekommen, dass er eine spontane starke Antipathie gegen mich entwickelt hat. Ich habe meinen Lebenslauf trotzdem geschickt, aber ich erwarte da nichts. Nach der Tagung habe ich mich gefragt, wie es mit der Homepage ging, es waren schon über drei Monate vergangen. Da die Frau an meiner Email gar nicht geantwortet hatte, habe ich sie angerufen. Mit der Frage, ob sie meine Email bearbeitet hatte. „Welche Email?“ „Die vom 6. Dezember.“ „Ach so, am Nikolaustag! Nein, ich habe an dem Tag keine Email von Ihnen bekommen.“ Wie konnte sie das so schnell sagen, ohne sich die Zeit zu nehmen, in ihrem Postfach zu schauen? Es riecht nach verschlampter Arbeit. Ich habe ihr also noch mal den Inhalt der Email erläutert, die ich vor den Augen hatte. Sie sagte, sie würde es gerne machen, aber die Uni würde in Kürze ein neues CMS anbieten, für die paar Monate würde es sich nicht mehr lohnen. Nachdem ich sie daran erinnert hatte, dass wir nun schon über drei Jahren den Antrag auf die neue Homepage gestellt hatten und sie frech implizierte, dass wir schuld daran gewesen wären, so lange gewartet zu haben, hat sie doch zugestimmt, die Homepage online bereit zu stellen. Dabei ist sie auf Kleinigkeiten gestoßen und hat mich darum gebeten, die Probleme zu beseitigen – ich wiederhole, ich bin arbeitslos und mache das nur noch ehrenamtlich, weil ich bei Vorstellungsgesprächen in der Lage sein will zu sagen, dass ich an der Homepage gearbeitet habe. Ich habe nach der Bearbeitung der Kleinigkeiten der Frau gesagt, dass sie meine Email-Adresse am Institut nicht mehr benutzen soll, da ich dort nicht mehr arbeite, sondern die webmaster@…, die wir extra für die Homepage eingerichtet haben und die auf jeder Seite in der Fußzeile steht. Tja, heute hat sie mich wieder persönlich angeschrieben, weil sie nicht mehr wusste, wie die Veröffentlichungsliste behandelt werden sollte. Allerdings knapp und so formuliert, als ob es mein Fehler gewesen wäre: „ich habe gerade gesehen, dass die Publikationen noch doppelt vorhanden sind“, und das war’s schon. Ja, blöde Kuh, die zweite Seite mit der neuen Struktur hat sie doch selber angelegt, damit ich den Inhalt der alten Seite drauf kopieren kann bevor sie sie löscht. Sie hat anscheinend große Schwierigkeiten damit, sich den Inhalt von Telefongesprächen zu merken. Ich bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis die neue Homepage endlich online zugänglich ist.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.