Ich kann nicht schlafen

Ich liege im Bett und kann nicht einschlafen. Mir ist warm, trotz geöffnetes Fensters. Ich höre aus dem nächsten Zimmer, wie meine Mami mit sehr leisem Fernseher schläft. Normalerweise hilft es mir beim Einschlafen, nur heute nicht.

Morgen fliege ich nach Deutschland zurück. Wie immer ist der Urlaub zu kurz gewesen. Das Wetter war toll. Allerdings nur seit ich hier bin. Das Mittelmeer war für die Jahreszeit ungewöhnlich kalt, gerade 19°C. Ich habe es trotzdem genossen, drin zu schwimmen und am Strand zu liegen. Ich habe viele Spaziergänge gemacht. Ich bin wieder in der kurzen Zeit „unverschämt braun“ geworden, wie meine Freundin Astrid es mir mal gesagt hatte. Ich liebe das Gefühl, wenn man wie heute das Haus verlässt und plötzlich von der trockenen Hitze draußen erschlagen wird. Jedes Mal frage ich mich, warum ich diese Gegend verlassen habe. Dennoch freue ich mich, meine Katze bald wieder zu sehen. Und ich sehne mich nach leichtem Essen. Meine Eltern haben mich wie immer voll gestopft.

Von dem neuen Arbeitsvertrag in Berlin habe ich nichts mehr gehört. Er hätte heute fertig werden sollen. Ich rufe besser am Montag an und erkundige mich. Eine temporäre Wohnung für Juli konnte ich in der Nähe des Arbeitsortes finden. Ich wollte sonst eine Wohnung besichtigen und habe explizit in der Anfrage gesagt, dass ich erst ab Montag (17.06.) einen Termin wahrnehmen kann. Die haben mir am Dienstag (11.06.) eine Email für einen Termin am Mittwoch (12.06.) geschickt. Es wird wohl eine andere Wohnung sein.

Ich habe sonst einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch im Forschungszentrum in Karlsruhe am Dienstag bekommen. Da ich noch nichts Unterschriebenes von Berlin in der Hand habe, werde ich dahin fahren. Diesmal ist kein Vortrag vorgesehen. Ich werde zu Hause in meinen Unterlagen suchen müssen, ich weiß nicht mehr genau, worum es bei dieser Stelle ging, ich weiß nur noch, dass es gut zu meinem Profil passte.

Meine Mami hat den Fernseher ausgeschaltet und schläft wieder. Ich fühle mich nicht müde. Wir haben heute Abend in einem Lokal gegessen, und ich hatte einen „Deca“ bestellt. Hat mir die Frau stattdessen einen normalen Kaffee gebracht? Morgen werde ich total fertig sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ich glaube nicht daran

Ich sitze gerade im Zug aus Holland zurück und habe noch etwa zwei Stunden Zeit, bis ich kurz nach Mitternacht wieder zu Hause bin (und diesen Eintrag veröffentliche). Wenigstens ist das ältere Paar, das vor mir saß, endlich weg. Sie haben die ganze Zeit, wie soll ich sagen, schlechte Gerüche von sich raus gelassen. Es war immerhin gut überlegt, eine Zugverbindung mit möglichst langen Umsteigezeiten zu planen. Alle Züge hatten heute Morgen mindestens fünf Minuten Verspätung.

Mit dem Gespräch von heute Nachmittag bin ich nicht zufrieden. Wir haben vieles diskutiert, auf Englisch, und ich habe gezeigt, dass ich fachlich sehr gut für die Stelle passe, trotzdem denke ich, es wird ein Flop. Ich glaube langsam, mir fehlt bei Vorstellungsgesprächen einfach an Arroganz, um in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Es fällt mir schwer, zu behaupten, dass ich besser als andere Kandidaten bin, die ich nicht kenne, und das auch noch zu begründen, obwohl es offensichtlich von mir erwartet wird. Mann, wie ich diese blöden Fragen hasse, selbst wenn ich mir längst eine parate Antwort überlegt habe. Es ist für mich fast genauso schlimm wie die Frage, warum man sich bei einem bestimmten Unternehmen beworben hat. Dass man arbeitslos ist, nach Arbeit sucht und auf der Profilbeschreibung passt, darf man nicht sagen. Nein, man muss immer irgendwas erzählen, um glaubhaft zu machen, dass man in erster Linie eine große Vision hat und nicht daran interessiert ist, Geld zu verdienen. Hypokrisie pur. Ich habe etwas erzählt, das meiner Meinung nach für die Firma eine wichtige Entwicklung in der Software für Datenverarbeitung wäre (sie stellt analytische Instrumente in meiner Branche her). Es war ein kompliziertes Thema, aber der Gruppenleiter hat ja gesagt, dass er Physik studiert hat. Ich habe den Eindruck bekommen, er hat doch nicht verstanden, was ich ihm gesagt habe. Und hat deswegen eine Reaktion gehabt, die für mich blöde Situationen verspricht, falls ich dort arbeiten sollte: Er hat dann behauptet, es wäre wahrscheinlich gar nicht nötig, diesen Punkt zu verbessern. Obwohl er am Anfang noch gesagt hatte, ein Ziel wäre es, besser als eine andere bestimmte konkurrierende Firma zu sein, bei der ich weiß, dass genau dieser Punkt eine schwache Stelle ist. Eine Dank-Email muss nach einem Vorstellungsgespräch geschickt werden, ich glaube, ich hänge dran mein Poster der letzten Tagung als PDF, in dem ich das Problem genauer beschrieben habe. Tja, ich dürfte spätestens in zwei Wochen Bescheid wissen. Wenn ich nichts höre, brauche ich dann nicht länger zu warten.

Ich werde mich jetzt damit beschäftigen, den Flug zu meinen Eltern zu buchen. Ich muss noch morgen die ganzen Reisekosten dieser Woche beantragen, ein Blatt zur Arbeitsagentur für die Weiterbildung schicken, und eventuell mit Mei mittags essen gehen, falls sie das zwischendurch nicht vergessen hat und ich früh genug aufwachen kann. Ich bin jetzt wirklich müde. Gut, dass ich auf meinem Laptop einige meiner CDs kopiert habe. Eine gefällt mir sehr, die ich gerade höre: Flamenco arabe von Hossam Ramzy an der Tabla und Jose Luis Monton an der Gitarre. Einfach herrlich, diese beide Musiker zusammen. Gerne hätte ich eine Choreographie darüber gelernt, aber meine damalige Bauchtanzlehrerin wollte es nicht. Sie mag Hossam Ramzy nicht, sie findet seine Musik zu klassisch. Schade.


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Vorstellungsgespräch in Berlin

Das Kostüm für morgen ist gebügelt, das Butterbrot ist geschmiert. Ich wollte noch vor dem Gespräch von morgen in Holland über den Verlauf des gestrigen Tages berichten.

Das Institut lag gerade zehn Minuten vom Hotel entfernt. Als ich zum Gebäude ankam, habe ich einen jungen Mann mit schwarzem Anzug ankommen gesehen. Ich habe vermutet, dass er Mitkandidat #1 wäre, und hatte recht. Wir haben uns gegenseitig vorgestellt und auf den bequemen Sesseln im Eingang ein wenig diskutiert. Kurz danach kam mein zweiter Mitkandidat #2 an. Wir haben da gewartet, bis unsere Gesprächspartner angekommen sind. Sie sind zum Hörsaal für die Vorträge gegangen und wir konnten unsere Präsentationen auf dem Laptop kopieren.

Ich war von der Ausstattung vom Hörsaal enttäuscht. Es gab kein Pult, der Laptop wurde einfach auf einem Stuhl der ersten Reihe gestellt, und wir haben einen einfachen Laserpointer bekommen, der keine Fernbedienung fürs Laptop hatte. Irgendwie hat mich der starke Eindruck nicht verlassen, dass ich schon mal in dem Hörsaal gesessen hatte. Bei einer früheren Fachtagung? Es kann sehr gut sein, ich komme nur nicht mehr drauf. Kurz danach ist die dritte Mitkandidatin angekommen, sie sprach kein Deutsch und hatte sich auf dem Weg verlaufen. Hätte ich doch allen angeboten, zusammen am Abend vorher essen zu gehen, wie ich am Wochenende gedacht hatte, hätten wir gemeinsam zum Vorstellungsgespräch gehen können. Wir waren sowieso noch nicht so weit und wurden mehrfach so insistent über den Kaffeeraum im ersten Geschoss informiert, dass wir auch dorthin unseren „Prüfern“ gefolgt sind. Ein der beide Männer, #1, meinte, es wäre bestimmt dazu gedacht, damit wir uns vor den Vorträgen entspannen können, es war für ihn aber das allererste Vorstellungsgespräch, weil er gerade im Schreiben seiner Doktorarbeit steckt, und er meinte, er würde sich nicht trauen, noch irgendwas zu schlucken, das Frühstück war ihm schon schwierig genug gewesen. Gutmütig wie ich bin, habe ich auch noch versucht, ihn aufzumuntern. So eine blöde Kuh kann ich manchmal sein.

Die Vorträge selbst kamen mir danach sehr schnell vor. Ich war als zweite dran und war als Physikerin die einzige, die nichts mit Biologie zu tun hat. Wir teilen nur eine gemeinsame Messmethode. Ich habe den anderen zugehört und war dabei froh, wenn ich irgendwas von ihren Ergebnissen verstanden habe. Sie haben mir aber gesagt, bei meinem Vortrag ging es ihnen genauso. Und ich dachte, ich hätte extra versucht, didaktisch zu sein… Der Vorteil war, dass ich am Schluss gar keine fiese Frage bekommen habe. Bei meinen Mitkandidaten sind teilweise solche Fragen gestellt worden, bei denen ich dachte, es war offensichtlich, dass die „Prüfer“ sie durchbohren wollten. Bei Mitkandidat #1 waren die Fragen sogar auf einem solchen Grundniveau, dass ich es als beleidigend für ihn empfunden hatte. Aber offensichtlich konnte er mit der Frage nichts anfangen.

Nach den Vorträgen wurde es schon Zeit für die Mittagspause. Wir sind zu viert alleine geblieben und haben beschlossen, zur Mensa zu gehen – was uns nach ein bisschen Verlaufen tatsächlich gelungen ist. Nachmittags hatten wir individuelle Gespräche. In der ersten halben Stunde hatte ich frei, zusammen mit der anderen Mitkandidatin, und wir haben auf den Sesseln auf der zweiten Etage geplaudert. Sie sagte, sie wollte vor allem in Deutschland arbeiten, weil ihr Freund auch hier ist. Ich habe ihr über meine Erfahrungen in Deutschland erzählt. Sie hat mir gesagt, unsere zwei Mitkandidaten würden ihr Angst machen. Wahrscheinlich würden sie eher die Stelle bekommen. Ich fand es frech, dass sie mich nicht als ernste Mitkandidatin betrachtet hat. Danach habe ich eine Gruppenbesprechung gehabt, die meiner Meinung nach gar nicht schlecht lief, und nach der Besprechung sollte ich eine halbe Stunde mit dem aktuellen Inhaber der Stelle sprechen.

Wir haben einen Kaffee geholt und auf der Terrasse draußen diskutiert. Es wurde eine ganze Stunde. Mir ist danach aufgefallen, weil wir den Tagesablauf per Email bekommen hatten, dass es vorgesehen war, dass er nur mit mir spricht und nur eine halbe Stunde, meine Mitkandidaten waren mit anderen Mitarbeitern beschäftigt. Ein gutes Zeichen? Wir haben über vieles diskutiert. Ich fand ihn sehr sympathisch. Er hat auch eine Katze, die er leider nicht nach Berlin mitnehmen konnte. Berlin mag er sowieso nicht. Er hat mir erzählt, dass er es müde war, so viele befristete Verträge in der Wissenschaft durch zu machen, und dass er sich endlich mal niederlassen möchte. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass es als Wissenschaftler nicht möglich ist, und hat jetzt ein neues Studium fürs Lehramt begonnen. Diese verbitterte Erkenntnis ist mir leider allzu oft zu den Ohren gekommen. Wissenschaftler im öffentlichen Dienst in Deutschland haben es schwer. Und es ist kein Leben, ständig für einen zwei oder drei Jahren langen Vertrag umziehen zu müssen. Dabei kann man keine Pläne für die Zukunft machen. Kein Haus kaufen. Keine ernste Beziehung aufbauen, zum Beispiel, das habe ich bei jedem meiner Umzüge bis jetzt festgestellt. Es ist kein Zufall, wenn ich jetzt lieber ledig bleibe. Ich habe selber häufig genug feststellen müssen, dass es keinen Zweck hat. Genau das hat mir ein anderer Wissenschaftler aus meiner Uni letztes Jahr auch erzählt, der Mitte vierzig ist. Auf einen Punkt waren wir uns gestern einig: Es ist eine Schande, wie wenig Geld Wissenschaftler an Großforschungseinrichtungen in England verdienen. Zwischendurch haben wir uns auch daran erinnert, über die Stelle sachlich zu sprechen. Am Ende hat er mir angeboten, im Büro über die Webcam die wissenschaftlichen Geräte zu schauen. Genau dort haben wir Mitkandidatin #3 im Gespräch mit den anderen Mitarbeitern gefunden. Danach hat sie mir mehrmals gesagt, „Wow, du warst eine ganze Stunde mit ihm?“ Worauf ich geschlossen habe, dass es doch möglich ist, dass ich für diese Stelle tatsächlich in Frage komme, obwohl meine Biologiekenntnisse aus dem Gymnasium stammen. Wichtig für die Stelle ist ja, dass man gut programmieren kann, und ich konnte aus meinen Mitkandidaten nicht erkennen, dass sie jemals programmiert hätten.

Als wir alle durch waren, haben wir im Kaffeebereich gewartet, weil wir noch die Formulare für die Reisekosten bekommen sollten. Mitkandidat #1 hat erzählt, dass es ihm während des Gruppengespräches empfohlen wurde, sich auf eine andere Stelle bei denen zu bewerben. Es klang, als ob sie ihn nicht für diese Stelle haben wollten. Ich fand’s hart, dass er auf dieser Art bei einem ersten Vorstellungsgespräch inoffiziell aber direkt eine Absage am gleichen Tag bekommt. Die zwei anderen haben nichts Besonderes über ihr Gespräch erzählt. In meinem Gespräch haben sie mir ausdrücklich gesagt, was ich alles nachzuholen hätte, wobei ich geantwortet hatte, dass es mir bewusst ist, ich aber über eine schnelle und gute Auffassungsgabe verfüge und es als kein Problem betrachte. Ich bin es allerdings nicht gewöhnt, mich selbst so affirmativ zu loben, aber es stimmt, lernen kann ich gut und schnell, meine (wenige) neidische Kommilitonen haben es während meines Studiums hinterlistig häufig zum Ausdruck gebracht – haben mich deswegen gemobbt, was mir aber egal war, ich habe es nicht als eine schlechte Erfahrung eingestuft und hatte eher Mitleid für sie. Winfried, ein der drei „Prüfer“, mit dem ich bei der Tagung in März zuerst geredet hatte, hat mit mir gesprochen und sich mit mir so verhalten, als ob er mich schon als eine seiner Mitarbeiter betrachten würde. Aufgrund meiner vielen Pleiten nach Vorstellungsgesprächen will ich mir keine Hoffnung machen, aber irgendwie ist die Hoffnung doch da. Ich hoffe sehr, dass ich nicht wieder enttäuscht werde.


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Sonntag 26.05.2013

Ich habe gerade meinen Vortrag für Dienstag fertig gemacht. So richtig anstrengend war’s nicht, ich musste nur aus früheren Vorträgen ein paar Folien kopieren und ggf. ins Englisch übersetzen. Ich brauche noch ein schönes Bild für eine der Folien in der Einleitung, und dann konvertiere ich den Vortrag als PDF, weil ich nicht sicher bin, dass dort Office zur Verfügung steht, sie scheinen vor allem mit Linux-ähnlichen Systemen zu arbeiten. Deswegen konnte ich das Programm doch nicht im Voraus testen, das für diese Stelle so wichtig ist, ich kann nur die Veröffentlichungen darüber lesen.

Mein Powerpoint verhält sich immer noch komisch mit der Miniaturansicht. Das macht das Einfügen von Folien ziemlich mühsam, zuerst auf die Folien in der Ansicht links klicken, um heraus zu finden, wo die gewünschte Folie zum Kopieren eigentlich liegt, weil die Miniaturanzeige stets die falschen Inhalte anzeigt, und mit zwei offenen Dateien werden die Inhalte in der Anzeige gemischt, dann das gleiche Spielchen in der anderen Präsentation, um die Folie am richtigen Ort einzufügen… So macht es kein Spaß. Was ist los mit meiner Installation von Office? Auf meinem früheren Rechner mit XP ging’s so gut, und ich habe die gleiche CD für den neuen Rechner mit Windows 7 benutzt. Word erkennt Fehler nicht richtig bei der Rechtschreibung, Powerpoint baut so ein Mist in der Anzeige… Nur mit Excel geht’s, ich benutze es ja die ganze Zeit, um den Stand meiner Bewerbungen für die Arbeitsagentur zu bearbeiten.

Gestern habe ich den ganzen Nachmittag in der Stadt verbracht. Ich bin gegen 14:30 weg gegangen und wollte mir ein neues Kostüm kaufen. Ich war überall, aber ich bin nicht fündig geworden. Ich wollte ein helles Kostüm. Dunkle habe ich schon genug. Mit meiner Psoriasis auf der Kopfhaut möchte ich die eventuelle Anwesenheit von Schuppen auf den Schultern durch die Farbe des Kostüms verstecken. Die wenigen hellen Kostüme, die ich gestern gesehen habe, gingen nicht. Entweder war genau meine Größe nicht mehr vorhanden, oder die Hose saß total blöd mit den Taschen auf der Seite. Ich hätte gerne ein Kostüm mit einem langen Rock gehabt. Ich habe einmal im Zug eine Frau mit einem sehr schönen Kostüm gesehen, schwarz-weiß kariert, und der Rock ging ihr fast bis zu den Knöcheln. Nirgendwo in der Stadt zu finden. Schade. Ich werde wohl mit Hautcreme für die Kopfhaut tricksen müssen, um die Abschuppung zu verhindern. Irgendwie haben die Salbe und der Shampoo, die mir die Dermatologin verschrieben hatte, nicht viel geholfen. Es juckt nur nicht mehr so stark, aber ich bekomme den Eindruck, dass sich die kranke Hautfläche verbreitet hat.

Zwischendurch bin ich gestern am Marktplatz vorbei gegangen. Es waren viele Leute da, weil ein Oldtimer-Rallye gerade dort endete. Ich habe mir die alten Autos eine Weile angeschaut, und bin weiter einkaufen gegangen. Ich konnte es nicht fassen, aber es war schon 19:30, als ich nach Hause kam. Kein Wunder, dass mein Ischias so stark schmerzte. Ich wollte heute zum Sport gehen, aber das lasse ich doch lieber sein.

Sonst ist heute Muttertag. In Frankreich findet es immer am letzten Sonntag von Mai statt. Vatertag ist bei uns ebenfalls ein Sonntag, zwei Wochen nach Muttertag. Ich wollte meine Mami anrufen, aber sie war gerade nicht zu Hause. Hoffentlich können meine Geschwister sie heute besuchen. Ich habe mich noch nicht um die Reise dort Anfang Juni gekümmert. Ich werde wahrscheinlich erst dazu kommen, wenn beide Vorstellungsgespräche diese Woche vorbei sind. Ach stimmt, ich sollte heute auch nicht vergessen, die Klausur vom Kurs über Datenmanagement mit SQL zu schreiben.


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Jubelstimmung

Denn ich gerade meine Emails abgerufen habe, und drin war eine neue Einladung für ein Vorstellungsgespräch. Nächste Woche Donnerstag nachmittags, in Holland. Zwischen vier und fünf Stunden Zug. Hin. Das ist noch in einem Tag zu schaffen.

Dann muss ich noch für das Vorstellungsgespräch nächste Woche Dienstag in Berlin einen Vortrag vorbereiten. Ich weiß, ich habe schon vor kurzem einen Vortrag halten müssen. Aber jetzt muss es auf Englisch sein, und die Leute, die es hören, sind keine Laien in meinem Gebiet wie beim letzten Mal. Ich muss also weniger über die Methoden und mehr über die Ergebnisse erzählen. Und nebenbei auch mir das Programm herunterladen und anschauen, das mit Python umprogrammiert werden soll. Das war, neben der Gerätebetreuung für Messgäste, die Haupttätigkeit, die ich mit den Anbietern der Stelle bei der Tagung in März diskutiert hatte. Problem: Das Programm ist für große biologische Strukturen gedacht, ich habe aber nur Erfahrung mit kleinen anorganischen Strukturen. Nun, das wissen sie, ein großes Hindernis kann es also nicht sein.

Ich habe morgen Vormittag einen Termin bei einer der drei Firmen, die die Qualitätsmanagement-Weiterbildung anbieten. Ich habe zuerst diese ausgewählt, weil sie am einfachsten von zu Hause aus mit dem Bus zu erreichen ist, es gibt viele Buslinien, die ohne Umstieg dahin fahren. Sonst sind sie alle vom Programm aus ziemlich gleich.

Sollte es mit der Weiterbildung klappen, und sollte ich nichts Besonderes von den beiden Stellen hören, werde ich Anfang Juni zu meinen Eltern fliegen. Sonst hätte ich bis Ende September keine Gelegenheit mehr dazu. Und es wäre gar nicht so schlecht, ausnahmsweise im Mittelmeer schwimmen zu können, bevor die ganze Touristenmeute auftaucht und ihren Dreck am Strand hinterlässt. Das habe ich während meines Studiums häufig gemerkt. Ich hatte im Frühling am Wochenende gerne mit einer Freundin vormittags am Kiesel-Strand gelernt (Sand haben wir dort nicht), gerade 40mn zu Fuß vom Campus entfernt. Um 08:00 ist keiner auf der Prom‘ außer die Jogger, man kann wunderbar den Tag mit ein bisschen Brustschwimmen beginnen, und man muss beim Lernen nur darauf aufpassen, dass der Wind die handgeschriebenen Notizen nicht weg reißt. Die Qualität vom Meereswasser ist im Mai-Juni wirklich nicht mit der Hochsaison in Juli-August zu vergleichen. Ob Meereswasser gegen Psoriasis hilft…


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Interview in den USA

Ich war zu einem Vorstellungsgespräch in den USA eingeladen worden[1]. Voller Freude habe ich meinen Flug gebucht und habe auf den Tag der Abreise gewartet.

Ein Tag vor meinem Flug habe ich festgestellt, dass ich gar keinen Pass habe[2]. Ich bin trotzdem zum Flughafen gefahren. Es war nachts. Als ich zur Kontrolle kam, habe ich dem Mann gesagt, dass ich leider nur den Personalausweis dabei hatte. Er hat ihn sich angeschaut, mein altes Bewerbungsfoto was drauf. Er meinte, er würde mich auf dem Foto nicht erkennen können, weil ich auf dem Foto kürzere Haare hatte. Ich habe ihm gesagt, dass ich es wirklich war, und habe irgendwas mit meinen Haaren gemacht, um es ihm zu beweisen. Es muss funktioniert haben, denn er sagte, es wäre in Ordnung, und ich durfte ins Flugzeug einsteigen – mit der Ungewissheit, ob ich bei meiner Ankunft dort bleiben dürfe. An dem Flug selbst habe ich keine Erinnerung behalten. Ich bin doch abends zu meinem Hotel angekommen und habe mich ins Bett gelegt.

Beim Aufwachen am nächsten Morgen war ich sehr müde, was zum Jetlag zurück zu führen war[3]. Das Wetter war schön, mindestens konnte ich den blauen Himmel aus meinem Fenster sehen. Es gab auch Gebirge, die mich an den Voralpen von zu Hause erinnert haben. Ich habe Hausschuhe angezogen und wollte damit zum Frühstücksraum gehen. Die Hausschuhe waren einfache Sandale mit farbigen Kordeln aus Kunststoff, die auch um den Knöchel gingen. Ich fand die Kordel so schön, dass ich auf jedem Fuß zwei Sandalen tragen wollte, um die Farben zu mischen. Der Besitzer vom Hotel ist ins Zimmer gekommen, er wollte mich etwas fragen. Der Traum hat sich da aufgelöst.

[1] Ich habe tatsächlich eine Bewerbung für eine große Chemiefirma dort geschickt, aber ich zweifle daran, dass sie mich einladen würden, wenn sie dort gut geeignete Kandidaten finden können, es wäre sicherlich zu teuer.

[2] Ich müsste dafür zum Konsulat, der nächstgelegenen liegt in einer Stadt zwei Stunden entfernt von hier mit dem Zug, ich habe mich deshalb nie darum gekümmert.

[3] Ich habe mir etwas Unsinniges mit Uhrzeiten erzählt, ich kann es nicht mehr nachvollziehen.


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Homepage – Weiterbildung – Einladung

Irgendwie sind die letzten Tage sehr schnell vergangen. Ich habe angefangen, an meiner persönlichen Homepage zu arbeiten. Zuerst offline, auf meinem Rechner. Ich kümmere mich später um den Provider und die Domain-Registrierung. Wie ich das mache: Kein besonderes Programm, „einfach“ .html Dateien in meinem Lieblingstexteditor bearbeiten, Emacs. Ich habe sogar ein Stylesheet in .css gemacht, zum allerersten Mal. Das hat also viel Zeit gekostet. Ich gehöre auch zu den Leuten, die nichts merken, wenn sie intensiv am Arbeiten sind. Das heißt, dass ich mich schon dazu gezwungen habe, ins Bett zu gehen, weil es schon über 01:00 morgens war. Aber es macht Spaß. Mein Design ist fertig, ich brauche nur noch den Inhalt zu schreiben. Warum ich das tue? Ich habe in mehreren Artikeln gelesen, dass man als Bewerber eine persönliche Homepage haben sollte. Also los. Ich konnte sogar ein der neuesten Bewerbungsfotos benutzen, die ich gestern bei meiner Fotografin abgeholt habe. Mein einziges Problem ist das Einfügen eines Kontaktformulars mit captcha in meiner Kontaktseite. Es gibt verschiedene Versionen im Internet, die man mit einem Link einbetten kann, aber damit gebe ich mich nicht zufrieden. Ich möchte lieber einen Stück Code haben, statt irgendein Link einzufügen, bei dem ich nicht weiß, wie lange es gültig bleibt. Und auch weil ich für jede Seite drei Versionen habe, auf Deutsch, Englisch und Französisch. Das Formular soll bitte schön in allen drei Sprachen gleich aussehen, nur mit übersetzten Feldern. Natürlich schaut man sich den Quelltext von professionellen Seiten an. Aber der Code ist auf so vielen Seiten verteilt… Ich gebe erstmal auf, ich versuche es am Schluss wieder. Mit JavaScript habe ich noch nie gearbeitet.

Gestern ist Mei zu Besuch gekommen. Da ich viel Caponata gekocht hatte, haben wir mittags bei mir gegessen. Sie ist mit Datensätzen gekommen und brauchte Hilfe bei deren Auswertung. Irgendwas stimmte nicht, wir haben das Problem noch nicht gelöst. Sie hat mir den letzten Klatsch vom Institut erzählt. Natürlich ging’s um Lars. Er hat anscheinend bei einer Lehrveranstaltung, die Mei besucht hat, einen großen Quatsch erzählt. Mei hat ihm zuerst geglaubt und in ihrem Institut das frisch Gelernte weiter erzählt. Eine Kollegin dort wusste aber besser und hat ihr bewiesen, dass es falsch war (was nicht schwierig ist). Damit steht das Institut ziemlich blöd rum. Nicht nur bei uns, auch Wissenschaftler in anderen Instituten wissen jetzt, was für einen Clown wir da auf Dauer eingestellt haben, und dass man keine zuverlässige Information von uns bekommen kann. Mir soll’s egal sein, ich arbeite nicht mehr dort. Aber meine Chancen auf einen neuen Job verringern sich, wenn das heruntergekommene Niveau von unseren Lehrveranstaltungen sich rum spricht.

Ich habe heute sonst weiter fleißig Bewerbungen geschickt. Mein Bearbeiter am Jobcenter hat mir eine Einladung geschickt, um mit ihm nächste Woche über die Weiterbildung in Qualitätsmanagement ab Juni zu diskutieren und den Bildungsgutschein zu bekommen. Ich muss ihn dabei definitiv fragen, ob ich dadurch weniger Geld vom Arbeitsamt bekomme. Ich hatte nicht daran gedacht, bis meine Mami mich am Telefon fragte, ob ich während der Weiterbildung weiterhin Geld bekommen würde. Und tatsächlich:

Die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes mindert sich während der geförderten Weiterbildung für jeweils zwei Tage des Bezuges nur um jeweils einen Tag. Eine Minderung der Anspruchsdauer unterbleibt ganz, wenn bereits zu Beginn der Weiterbildung die Anspruchsdauer 30 Tage oder weniger beträgt. Wird durch die Minderung während der Weiterbildung eine Anspruchsdauer von 30 Tagen erreicht, unterbleibt eine weitere Minderung der Anspruchsdauer. So ist sichergestellt, dass Sie nach Ende der Weiterbildung bei ggf. weiterhin vorliegender Arbeitslosigkeit noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld für mindestens 30 weitere Tage – wenn Sie zu Beginn der Weiterbildung nur noch einen Restanspruch von weniger als 30 Tagen hatten, höchstens diesen Restanspruch – geltend machen können.

Ich glaube, in meinem Fall gäbe es keine Änderung, denn ich seit Oktober arbeitslos bin. Hmm, vielleicht doch. Ich frage trotzdem lieber nach.

Und, tadaaa! Ich habe heute einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch Ende Mai bekommen. Eine der Stellen, die sich bei der Tagung in März ergeben haben, bei der ich aber dachte, dass ein der beiden Chefs von mir nicht begeistert wäre. Er hat eine Rundmail an allen Kandidaten geschickt. Wir machen an dem Tag anscheinend eine Art Gruppenvorstellungsgespräch. Außer mir sind noch drei anderen Personen eingeladen. Wenn es klappt muss ich Python lernen. Es geht um Programmierung (mit wissenschaftlichem Bezug). Ich hätte Informatik statt Physik studieren sollen.


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Mittwoch 24.04.2013

Heute ist das Wetter wunderbar. Beim Aufwachen gegen 07:30 dachte ich, es wäre schön, mir einen Tag in den Thermen zu gönnen, so voll wie beim letzten Mal kann es nicht werden, heute ist kein Rabatt-Tag. Beim Aufstehen habe ich gemerkt, dass meine Wunde auf dem linken inneren Schenkel wieder entzündet war – ich hatte letzte Woche bei der Dermatologin auch Fibrome entfernen lassen. Der Grund für die Entzündung: Die Kruste hatte sich über Nacht von der Haut gelöst. Also Dusche, Desinfizierungsmittel drauf, und ich verzichte heute doch lieber auf die Thermen. Schade, meine linke obere Schulter und der Nacken fühlen sich sehr schmerzhaft an. Das hat man davon, wenn man den ganzen Tag so deprimiert ist, dass man sich kaum noch bewegt. Ich weiß nicht, das mit der neuen erfolglosen Bewerbung hat mich so umgehauen, dass ich nach der Dusche erstmal eine Stunde lang den Handtuch auf dem nassen Kopf behalten hatte, ich konnte mich nicht mal aufraffen, mich fertig zu trocknen und anzuziehen – oder zu essen und zu trinken überhaupt. Das muss eher der Grund für den verspannten Nacken sein, auch wenn ich mich heute Morgen psychologisch schon besser gefühlt habe, das Schreiben hilft tatsächlich. Und die Sonne.

Also, statt meine Tasche mit Badesachen zu füllen, habe ich, wie sonst jeden Tag, Bewerbungen geschrieben. Ich habe noch vier offene Tabs mit Stellenausschreibungen, und die automatische Emails von heute noch nicht durchgesucht, ich muss meine Verspätung von gestern nachholen. Eine Stelle in England klingt interessant, wenigstens die muss ich heute schaffen. Da sie die Quarantäne-Dauer für eingereiste Haustiere deutlich reduziert haben, kann ich wieder daran denken, dort arbeiten zu gehen. Ohne meine Katze ging‘s gar nicht. Sie ist so süß, wenn sie merkt, dass es mir nicht gut geht, eine bessere Unterstützung könnte ich nicht finden. Dagegen höre ich keinen Ton von meinen Bekannten, die über die letzten Geschehnisse bei meinen Bewerbungen doch sehr wohl informiert sind – einige sogar noch bevor ich die Absage bekommen habe, durch Yong Jin, und das haben sie mir nicht mal gesagt. Nicht, dass es mich freuen würde, eigentlich, wenn jemand sich melden würde. Mitleid? Ich bekomme das Gefühl nie los, dass es nicht gemeint ist, und es ändert nichts an der Tatsache. Aufmunterung? Dann denke ich, die haben einen Knall, sollen die doch erstmal in meiner Lage sein, bevor sie „Kopf hoch“ sagen, oder mir belehren wollen, wie ich mich zu bewerben habe, wenn sie selbst damals nie nach einer Stelle suchen mussten. Ja, ich bin heute im Zickenmodus. Schlecht gelaunt, aber wenigstens kann ich wieder Bewerbungen schreiben. Zornpower halt. Lars bleibt trotzdem definitiv ein Arsch. Ich war ehrlich gesagt nicht sehr angenehm überrascht, als er vor einigen Monaten meinen Profil auf Facebook entdeckt und mir eine Einladung geschickt hatte. Weil wir gemeinsame Kontakte haben, sonst ist der Profil nicht suchbar, weder bei Google noch bei Facebook. Angenommen aus „Höflichkeit“. Aber ich kann mich nicht hier über ihn so sehr beschweren und ihn gleichzeitig in meiner Kontaktliste behalten. Raus ist er geflogen.

Die letzte nicht so tolle Nachricht: Ich habe mir den Zustand meines Bankkontos genauer angeschaut. Die Ersparnisse gehen schneller als gedacht nach unten. Ich habe auch nicht besonders aufgepasst. Bei normalen Monaten bleibe ich im grünen Bereich, ich gebe ungefähr genau so viel aus, wie ich vom Arbeitsamt bekomme. Aber so viele normale Monate sind es nicht gewesen. Es gab schon in Dezember das Problem mit meinem Rechner, der mich im Stich gelassen hat. Da musste schnell einen neuen besorgt werden. Ich musste neue Kleider kaufen, weil ich mir sonst nie Zeit dazu genommen hatte, es wird aber langsam nötig. Dann bin ich zu meinen Eltern geflogen. Das kompensiert sich – nicht ganz – damit, dass ich für die Dauer meines Aufenthaltes nicht viel ausgeben musste. Dann gab’s die Fachtagung in März, die völlig auf meine Kosten geblieben ist, da ich nicht mehr arbeite und das Institut nicht verpflichtet ist, die Kosten zu übernehmen – Teilnahmegebühre und Fahrtkosten. Zum Glück habe ich einen Freund, Horst, der dort arbeitet, und ich konnte bei ihm die ganze Woche übernachten. Und dann gibt’s die Reisekosten für Vorstellungsgespräche, die immer ziemlich spät zurück bezahlt werden. Der Rekord liegt bei Osram, ich war dort Ende November und habe trotz Versprechen immer noch keine Rückzahlung bekommen. Die Belege sind aber weg, so dass ich es bei der Steuererklärung nicht angeben könnte. Da sieht man, wie unterschiedlich die verschiedenen Firmen drauf sind. Bei ThyssenKrupp hatten sie nicht mal auf meine Fahrtkarten gewartet, dass sie mir schon das Geld überwiesen hatten. Mein erster Schritt zum vernünftig sparen wird es sein, nicht mehr so häufig mit Freunden mittags essen zu gehen. Gleichzeitig ist dieser Kontocheck gut gewesen, weil ich in letzter Zeit in Versuchung komme, wieder zu rauchen. Das sollte ich wirklich besser sein lassen, selbst wenn ich mich so nervös fühle. Dann doch lieber für eine oder zwei Stunden den Frust im Fitness-Studio lassen.


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Noch eine Woche

Dann weiß ich Bescheid, ob es mit dem Vorstellungsgespräch am Donnerstag geklappt hat. Ich hoffe sehr. Besser könnte ich auf keine andere Stelle vom Profil passen.

Das hatte ich eigentlich schon vor anderthalb Jahren erlebt. Eine sehr ähnliche Jobbeschreibung, im gleichen Forschungszentrum sogar wie jetzt, nur in einem anderen Institut, ein Profil für den Wunschkandidaten, der wie für mich geschrieben aussah… Ich war zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden, hatte meinen Vortrag gehalten, dann mit allen Mitarbeitern gesprochen, es hatte den ganzen Tag gedauert. Ich hatte den Namen der zwei anderen Kandidaten erfahren können, die ebenfalls eingeladen wurden, und wusste daher dank Google, dass ich mit meiner Erfahrung am besten für den Job geeignet war. Ich befand mich mitten im Gespräch mit einem Wissenschaftler, als er eine Email bekam, die er gleich lesen wollte… Der Chef vom Institut hatte gerade eine neue Bewerbung für diese Stelle weitergeleitet und meinte, die Person müsste unbedingt eingeladen werden. Sie hat anschließend auch die Stelle bekommen[1].

Also hoffe ich sehr stark, dass es diesmal mit der Stelle klappt, will mir nur noch keine zu große Hoffnung machen. So schön wär’s… Dann würde ich auf die Stelle meine Wohnung kündigen. Ich halte meine Nachbarn aus dem Stadttheater nicht mehr aus. Die sind seit einer Woche gerade aus einer langen Pause zurück gekommen. Wenn ich im Bett liege und sie sich einfach unterhalten, hört es sich fast so an, als ob sie direkt neben mir stehen würden. Leider ist es selten, dass sie sich normal unterhalten. Meistens gibt es plötzliche Lachanfälle oder Schreie, gerade wenn ich beim Einschlafen bin. Ein paar Mal hintereinander… Dann ist es erstmal vorbei mit dem Einschlafen. Wie heute Nacht, als ich mich erst um zwei Uhr morgens entspannen konnte, nach dem der endlich ins Bett gegangen ist, der schon vom Anfang an in der Wohnung gewesen ist, seit dem ich eingezogen bin (der „Pinkelsimulant“). Ich würde es wirklich nicht durchhalten, wenn ich den Job kriegen würde, da ich mit einer Stunde Bus rechnen müsste und dafür super früh morgens aufstehen müsste. Außerdem scheinen die Studenten unter mir einen Gefallen am Kiffen gefunden zu haben, und ich bekomme jedes Mal den vollen Geruch in der Wohnung. Selbst jetzt, wo ich mir deswegen Zugluftstopper gebastelt habe. Da der Sommer naht und ich gerne mit geöffneten Fenstern schlafen möchte, kann es sehr unangenehm werden. Im Grunde könnte ich jetzt schon umziehen. Aber ohne zu wissen, wo ich danach für den nächsten Job hinziehen müsste, wäre es echt blöd.

[1] Ich kenne sie persönlich, sie ist wirklich sehr gut, aber warum musste sie sich so spät und genau während meines Gespräches bewerben? Verflucht.


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Und das war’s

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten. Wär schön, wenn es endlich mal klappen würde. Zuerst müssen die anderen Mitbewerber dran sein.

Kaum bin ich angekommen, dass ich schon den Vortrag halten musste, es ging so schnell, dann die Fragen, so viele waren es nicht und sie waren vor allem grundlegender Natur, obwohl ich mich bemüht hatte, möglichst didaktisch für Fachfremde zu bleiben, dann das Gespräch unter sechs Augen, dann die Tour durch die ganzen Labors, und zurück zum Bus… Wenigstens ist die Vergütungsfrage geklärt, und ich wäre damit zufrieden. Viel Grübeln um nichts, es war nur aus der Ausschreibung nicht zu erkennen.

Sollte es klappen, muss ich unbedingt ausziehen. So weit weg ist es nicht, aber mir ging’s nach einer Stunde Bus echt schlecht. Der Fahrer war auch nicht gerade der sanfteste, den ich je erlebt habe. Und der Bus für die Rückfahrt war so voll, dass ich die ganze Zeit stehen musste, meinem Ischias hat es nicht gefallen.

Gerade aus dem Bus ausgestiegen, wollte ich mich zu Hause erholen. Just in dem Moment rief meine Freundin Mei an und wollte in die Stadt ein bisschen shoppen. Gute Idee. Dann leckere Spaghetti con olio, aglio e peperoncini, die beste Art überhaupt, Spaghetti zu vorbereiten. Das Eis danach in der Stadt war vielleicht keine so gute Idee, mein Magen beschwert sich. Ich hatte den ganzen Tag von lauter Aufregung kaum was essen können. Jetzt rächt es sich.


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