Ich brauche neue Brille

Heute hatten wir einen Termin beim Bürgeramt. Es ging darum, unsere Ehe endlich in Deutschland bei den Behörden anzumelden, denn bis heute waren wir noch nicht dazu gekommen.

Ich wollte es schon seit unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise gemacht haben. Ich habe den Ehemann darum gebeten, nachzuschauen, was wir dafür machen müssten. Als Deutscher sollte er es einfacher haben, das ganze Behördendeutsch auf den Seiten der Stadt zu verstehen. Er hat uns einen Termin beim Standesamt vereinbart. Als wir dort in Juli waren, wurde uns belehrt, dass wir eigentlich zum Bürgeramt gehen sollten.

Einen Termin habe ich uns selber ausgesucht. Es geht online ziemlich gut, wenn man weiß, welchen Service man braucht. Es war aus den Seiten der Stadt nicht klar, daher habe ich die Hotline angerufen und erfahren, dass wir ganz einfach einen Termin für eine Meldung beim Bürgeramt machen sollen. Den Termin habe ich Mitte Juli vereinbart. Da die Ämter in Berlin immer überlastet sind, war er erst für Mitte Oktober geplant.

Ich habe zwischendurch immer wieder geschaut, ob Termine vorher frei wurden. Es ist unglaublich, wie schnell verfügbare Termine auf dem Buchungssystem der Stadt kommen und gehen. Kaum ist ein freier Termin ausgewählt, dass er schon beim Bestätigen von jemandem anders gebucht wurde. Irgendwann hatte ich Glück, und habe den Termin auf heute verschieben können. Es ist egal, in welchem Bezirk man den Termin bekommt. Es wurde Lichtenrade. Ich kenne mich dort nicht aus.

Wir konnten uns beide von der Arbeit befreien. Nicht ganz. Der Ehemann ist morgens ganz früh zur Arbeit gefahren und mit dem Auto von dort direkt zum Bürgeramt gekommen. Ich habe zu Hause an meinem DFG-Antrag gearbeitet und wollte mit ÖPNV fahren. Es war nicht schwer, zuerst mit der Linie X11 zur S-Bahn Buckower Chaussee, und dann mit der S2 nach Lichtenrade.

Ich kam überpünktlich an der Haltestelle an. Die X11 war aber verspätet. Nicht so schlimm, ich hatte genug Umsteigezeit für die S-Bahn. Nach fünf Minuten Verspätung habe ich einen Doppeldecker aus der Entfernung kommen gesehen. Die Nummer sah wie X11 aus. Der Bus konnte nicht direkt vor der Haltestelle halten, weil davor Autos an der roten Ampel standen. Der Fahrer hat weiter weg angehalten und die Türe geöffnet. Ich bin eingestiegen.

An der Ampel hätten wir rechts abbiegen sollen. Wenn ich in der X11 eingestiegen wäre. Es war die 101, und es ist mir erst klar geworden, als ich mit einem sinkenden Gefühl im Magen gesehen habe, wie wir gerade aus gefahren sind. Mist, Mist und noch mal Mist. Ich habe aus der Ferne 101 für X11 gehalten, und nicht mehr geprüft, als ich eingestiegen bin. Bei der nächsten Haltestelle war ich fast zurück zu Hause. Mit der X11 zu fahren würde jetzt nicht mehr klappen. Ich hatte zum Glück geplant, zwanzig Minuten vor dem Termin anzukommen, also war ich noch entspannt. Ich habe beschlossen, bis Rathaus Steglitz zu fahren. Dafür musste ich die 101 verlassen und auf die M48 warten.

Und dann? Mit der S1 nach Schöneberg, und mit der Ringbahn nach Südkreuz, und mit der S2 nach Lichtenrade? Ich habe den DB-Navigator gefragt, und er meinte, am besten wäre es, mit einem anderen Bus zur S-Bahn Station Priesterweg zu fahren, wo ich in die S2 einsteigen könnte. Gut. Die Haltestellen um Rathaus Steglitz sind aber weit gestreut, und ich wusste nicht, wohin ich musste. Ich bin rum gerannt, nur um den Bus an mir vorbei fahren zu sehen. Die M48 war zu spät angekommen, die 170 war dafür pünktlich. Mist. Jetzt war ich wirklich zu spät.

Auf der anderen Seite der Straße war der Taxistand. Ich bin mit dem Taxi gefahren. Der Spaß hat 25€ gekostet, aber ich habe den lange genug geplanten Termin nicht verpasst.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Telekom Hotspot im ICE — Die volle Verarschung

Ich bin wieder mal richtig geärgert. Dazu braucht es nur, mit der Bahn zu fahren. Letzte Woche war schon kein Spaß.

Ich hätte eigentlich zur Tagung fliegen können. Die Bahnstrecke kostet mir zeitlich einen ganzen Arbeitstag. Es war günstiger, was die Finanzabteilung von meinem Arbeitgeber vor allem interessiert, aber das Fliegen wäre schneller gewesen und hätte vielleicht eine Übernachtung überflüssig machen können. Ich habe gedacht, die lange Reisezeit könnte dadurch kompensiert werden, dass ich im Zug am Tisch mit dem Laptop arbeiten kann und das HotSpot-Angebot der Telekom benutzen könnte.

Während es letzte Woche, bei meiner allerersten Benutzung von einem Telekom-HotSpot, halbwegs ging, war die aufgebrachte Leistung bei der Rückfahrt heute absolut katastrophal. Beim Losfahren habe ich einen Tagespass für 5€ erworben. Wie letzte Woche. Es ging gerade eine Stunde lang, danach wurde die Internetverbindung ständig abgebrochen und war nicht mehr zu benutzen.

Ich habe die Kontrolleure darauf aufmerksam gemacht, dass der WLAN nicht mehr ging. Am Anfang haben sie versucht, ihre Router oder was auch immer neu zu starten. Danach meinte ein Kontrolleur, im Ruhebereich wäre der WLAN Signal nicht verstärkt, was zu Probleme führen würde. WLAN sollte man in anderen Wagen benutzen. Prompt war mein gegenüber sitzender Nachbar (der auch trotz offenen Sandalen stinkende Füße mitgebracht hatte) dabei, mit einem süffisanten Lächeln, dem Kontrolleur nach zu plappern und mir zu sagen, „Sie hätten bei der Reservierung besser aufpassen sollen“. Pure Schadensfreude (oder 100% Boche, wie mir immer in solchen Momenten durch den Kopf geht). Der Ehemann hat sich für mich von zu Hause aus schlau gemacht, das mit dem Ruhebereich stimmt gar nicht. Auf der Webseite der Bahn steht, dass WLAN überall zur Verfügung steht. Außerdem saß ich letzte Woche schon dort und hatte fast kein Problem — also, verglichen mit heute hatte ich doch kaum Gründe, mich zu beschweren.

Am Anfang war der Zug so voll, dass ich an meinem reservierten Platz im Ruhebereich bleiben musste. Danach habe ich einen freien Tischplatz außerhalb vom Ruhebereich gefunden. WLAN ging. Wenigstens konnte ich arbeiten, dachte ich. Ich habe einige Emails bearbeitet. Dafür musste ich die Sitzplatzreservierung aufgeben. Aber eine Stunde später ging das Internet wieder nicht mehr. Endgültig. Die darauf angesprochene Kontrolleurin war schon genervt und hat jede Schuld oder Verantwortung von der Bahn erstmal grundsätzlich zurück gewiesen. Die Telekom ist schuld. Die Telekom kann nicht wissen, dass wir eine andere Strecke als ursprünglich geplant fahren und kann dadurch ihre Leistung nicht bringen. Das war letzte Woche doch kein Problem, obwohl wir auch eine abweichende Strecke gefahren sind. Die Startseite vom ICE-Portal selbst sagt dabei die ganze Zeit: „Leider ist das ICE Portal im Augenblick nicht erreichbar. Wir bitten Sie um etwas Geduld.“ Wenn das schon mal nicht geht, geht gar nichts. Nach über sieben Stunden Fahrt ist meine Geduld definitiv aufgebrochen.

Ich werde mich bei beiden Gesellschaften schriftlich beschweren. Ich glaube nicht, dass ich eine Antwort bekommen werde. Sollte ich mich doch irren, teile ich die dadurch entstandene Erheiterung hier mit.

Dazu kommt noch, dass wir schon wieder fast aber nicht ganz eine Stunde Verspätung haben. Wie letzte Woche. Verständnis dafür kann ich nicht mehr aufbringen. Man muss wenigstens zugeben, die Deutsche Bahn kann eines richtig gut: Die Verspätungen konsistent so knapp unterhalb einer Stunde halten, dass man keinen Anspruch auf Entschädigung hat.


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Einige Stunden später…

Ich sitze noch im Zug. Gestartet sind wir heute Morgen mit einer Viertelstunde Verspätung. Grund dafür war eine technische Störung am Zug, oder Ähnliches. Einige Bahnhöfe später wurde sie zu einer halben Stunde. Es gab einen Polizeieinsatz, weil ein Fahrgast andere Passagiere belästigt hatte. Dann hieß es plötzlich, wir wären eine andere Strecke als geplant gefahren und hätten die Verspätung einigermaßen aufgeholt. Nur noch zehn Minuten Verspätung! Ein Zugbegleiter erzählte uns in einer fröhlichen Durchsage, dass wir sogar einen anderen Zug überholt hatten, den die Fahrgäste sonst verpasst hätten. Um direkt danach zu sagen, „es macht keinen Sinn, der ist sowieso überfüllt, man kommt nicht mehr rein“. Es hat mich an meinen Rückflug aus Israel erinnert, als eine Stewardess eine lange Durchsage gehalten hatte, für die, die gerade noch Hunger hatten, und vielleicht ein Sandwich möchten, leider leider gäbe es nichts mehr, alles wäre schon aufgegessen worden. Ich habe lachen müssen. Eine Station später mussten wir aus irgendeinem Grund lange am Gleis bleiben. Ich habe es nicht ganz mitgekriegt, ich hatte meine Kopfhörer an. Jetzt beträgt die Verspätung siebenundfünfzig Minuten[1]. Nachdem wir nach einem ziemlich brutalen Bremsen mitten im Nichts stehen geblieben sind. Bin ich froh, mir wenigstens eine direkte Verbindung ohne Umsteigen ausgesucht zu haben.

Seit Berlin sitze ich an einem Tisch. Am Nachbartisch saß ein nicht mehr so junger Mann, der ebenfalls mit seinem Laptop beschäftigt war. Er sah gar nicht schlecht aus, wobei ich es mir nur am Rande notiert hatte. Wir haben einige Banalitäten getauscht, aus Höflichkeit, das war’s. Ich hatte mich zwecks Privatsphäre am freien Sitzplatz am Fenster verschoben und schief dort gesessen, um den Bildschirm von neugierigen Blicken zu schützen. Ich mag es nicht, wenn Fremde zuschauen, was ich gerade am Rechner mache. Der Typ am Nachbartisch ist nach drei Stunden ausgestiegen, nachdem er sich verabschiedet hat. „Untypisch, diese Freundlichkeit“, habe ich noch gedacht. Und ihn aus meinen Gedanken gelöscht.

Ich habe mich kurz danach auf Facebook eingeloggt, um meine Mami zu informieren, dass ich unterwegs war. Groß war meine Überraschung, als ich dort eine Freundschaftseinladung gesehen habe. Facebook nutze ich erstmal sehr selten und zweitens nur für enge Freunde und die Familie, die weit weg von mir wohnt. Nicht mal meine Kollegen lasse ich ran, und mein Profil ist so eingeschränkt wie es geht. Nicht suchbar, außer von Freunden. Dem Profilfoto nach zu beurteilen, stammte die Freundschaftseinladung vom Typ vorhin im Zug. Äußerst unangenehm. Namentlich vorgestellt hatte ich mich nicht, und ich hätte erwartet, dass man wenigstens um die Erlaubnis bittet, wenn man schon die ganze Zeit zusammen reist. Und überhaupt, wie war er an mein Profil gekommen? Ah ja… Meine Laptop-Tasche lag die ganze Zeit auf dem Sitzplatz neben mir, den ich am Gang reserviert hatte, weil der Zug angeblich voll war[2]. Ich habe schon so lange eine Visitenkarte in der dafür vorgesehenen Hülle der Tasche, dass ich gar nicht mehr daran denke. Die Tasche lag mit der Visitenkarte sichtbar. Und Facebook hat ja die Profiladresse so eingestellt, dass man mit vorname.nachname leicht zu finden ist. Daher hatte ich meine Adresse als vorname.nachname.nummer geändert. Echte Freunde sollten mich doch noch finden können. Tja. Hätte ich wenigstens meine Visitenkarten mit meinem Ehenamen aktualisieren lassen…

[1] Mehr als eine Stunde wird es nie. Sonst müssen sie deutlich mehr Geld zurück erstatten.

[2] Pustekuchen. So leer habe ich einen Zug selten erlebt. Schön. Es ist auch angenehm kühl hier drin. Die Internetverbindung vom HotSpot der Telekom ist leider nicht so stabil, wie man es sich für 5€ wünschen würde.


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Unterwegs

Ich bin für eine Woche auf Dienstreise. Es war schon lange geplant, obwohl ich nicht besonders Lust darauf hatte. Es war mal im Gespräch, dass Pawel und ich an dieser Konferenz teilnehmen. Am Ende bin ich die Einzige in der Gruppe, die hinfährt. Und diesmal halte ich nicht mal einen Vortrag. Nur ein Poster wurde angenommen. Ich bin enttäuscht. Es ist weniger Arbeitsaufwand, aber man verbreitet seine Ergebnisse nicht so effektiv. Vorträge sehe ich auch als Werbung für mich, wenn ich mich wegbewerben will. Ich nehme an, ich habe schon zu häufig über meine Arbeit bei Konferenzen geredet. Jetzt sind andere dran. Bei tausend Teilnehmern ist es klar, dass nicht jeder einen Vortrag bekommt. Kate hätte sich gefreut. Sie hasst es, Vorträge halten zu müssen.

Mein Mangel an Begeisterung für diese Konferenz hat dazu geführt, dass ich mich ziemlich spät um die Organisation meiner Reise gekümmert habe. Zug und Hotel erst am Montag gebucht. Ich hatte Glück und konnte noch ein preiswertes Hotel finden. Na ja, ziemlich teuer eigentlich, aber für das Land ist es preiswert. Die Finanzabteilung hat es genehmigt. Mit den Bahnkarten war es nicht optimal. Vor einigen Monaten hätte ich Fahrkarten für 25€ bekommen können. Jetzt nicht mehr, es ist trotzdem immer noch billiger als fliegen, also habe ich gebucht. Es dauert länger, ist aber umweltfreundlicher. Das hört man mindestens immer wieder. Der Zug ist direkt und der Bahnhof nah am Hotel. Direkt ist gut. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Verspätungen mit der Bahn gemacht. Ein oder zweimal im Jahr kann ich ja Bahn fahren. Die Sitzplatzreservierung habe ich nur gestern am sehr späten Abend gemacht. Fast hätte ich es vergessen. Sitzplätze am Tisch und am Fenster gab es nicht mehr. Ich habe einen am Tisch am Gang ergattert. Hauptsache am Tisch.

Heute Morgen hat mich der Ehemann zum Bahnhof begleitet. Ich musste nur zum Bahnhof Südkreuz, also nicht weit von zuhause. Wir sind trotzdem sehr früh angekommen. Ich will immer eine halbe Stunde vor Abreise am Bahnhof sein, wenn ich weit weg muss. Das war gut so. Als der Zug angekündigt wurde, hieß es, er wäre gestrichen. Das hat mich schon ganz schön genervt. Bei der Sitzplatzreservierung heute Nacht kurz vor eins war noch keine Rede davon. Wir sind zur Information der Bahn gegangen, und der Mann am Schalter sagte, wir sollten mit einem RE Zug, der zehn Minuten vor dem ursprünglich geplanten ICE fuhr, zum Hauptbahnhof und dort in den ICE einsteigen. Er würde auf den RE warten. Also los. Den Hauptbahnhof mag ich nicht. Er ist mir zu groß. Wir mussten heute von der tiefsten Ebene zu den Gleisen ganz nach oben gehen. Dort haben wir erfahren, dass der Zug eine Viertelstunde Verspätung hatte. So war es also. Der ICE hatte schon vor dem Start eine so lange Verspätung, dass der Halt in Südkreuz gestrichen wurde.

Als der Zug angezeigt wurde, war die erste Klasse bei den Abschnitten E-F angekündigt. Mein Wagen sollte im Abschnitt B sein. Wir haben dort gewartet. Es war angenehm, es waren nur sehr wenige Leute dort. Wahrscheinlich alle blauäugig wie ich, die den Durchsagen der Bahn blind vertrauen. Es kam genau andersrum. Die erste Klasse bei A-B, mein Wagen auf der ganz anderen Seite. Chaos auf dem Gleis, als die Reisenden quer durcheinander versuchten, zu ihren Wagen zu gelangen. Wir sind nur so lange gelaufen, bis die Menschendichte deutlich geringer wurde. Ich bin mitten im Zug eingestiegen. Sonst hätte es passieren können, dass ich bis zu meinem Wagen gegangen wäre, um den Zug ohne mich weg fahren zu sehen. Drin war es natürlich chaotisch. Stau in den engen Fluren. Ich habe den Ehemann noch neben dem Zug gesehen, als wir los gefahren sind. Ich hätte den Zug verpasst, wenn ich versucht hätte, am Gleis zu meinem Wagen zu kommen. Zehn Minuten nach Abfahrt bin ich zu meinem Sitzplatz angekommen. Der Wagen war fast leer. Alle Tische frei. Meine Reservierung war oberhalb von meinem Platz nicht vermerkt. Bei allen Sitzplätzen sind eigentlich bis kurz vom Ziel keine Reservierungen vermerkt. Vermutlich auch eine Panne.


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Unangenehmer Tag

Angefangen hat er gut. Ich habe die Nacht durchgeschlafen, auch wenn ich vor dem Wecker um halb sieben aufgewacht bin. Die Waage hat mich bis jetzt noch nicht enttäuscht und zeigt immer kleiner werdende Zahlen.

Ich habe zum Frühstück den Chiasamen-Pudding gegessen. Nicht mein Ding. Eine feste Gelee-Konsistenz hatte es doch nicht. Die Samen waren gestern einfach so geschwollen, dass sie eine kompakte Masse gebildet haben. Es war glibberig und hat mir nicht geschmeckt. Ich höre hier mit solchen Experimenten auf. Die mit Haselnussmilch über Nacht eingeweichten Haferflocken gefallen mir sehr gut, noch besser als mit Mandelmilch, ich bleibe dabei. Heute Mittag habe ich mit den Kollegen gegessen. Es gab Zanderfilet mit Kartoffeln und Möhren. Super gesund, dachte ich. Leider war alles in Öl ertränkt.

Ich war heute Morgen mit der Idee aufgestanden, nach der Arbeit zu joggen. Ich war die ganze Woche nicht sportlich. Gut, am Dienstag bin ich Fahrrad gefahren. Es war aber keine so lange Strecke wie zwischen Arbeit und zuhause. Am Montag und gestern kam es nicht in Frage, weil ich es wegen Schlafmangel für zu gefährlich gehalten habe.

Um besser zu joggen, wollte ich mir eine Pulsuhr besorgen. Daher habe ich um halb fünf die Arbeit verlassen. Es gibt ein Einkaufzentrum auf der S-Bahn-Strecke, das ein Sportladen hat. Es hat leider nicht geklappt. Als ich an der S-Bahn-Station angekommen bin, hieß es, aufgrund eines Feuerwehreinsatzes zwei Stationen weiter wäre der Zugverkehr unregelmäßig. Er war so unregelmäßig, dass gar kein Zug fuhr, wie wir wenig Zeit später erfahren haben.

Ich habe also beschlossen, mit dem Bus zu fahren. Wie viele andere. An den Kreuzungen kamen mir alle Ampelphasen extrem langsam vor. Den Bus habe ich verpasst. Der nächste kam zehn Minuten später. Voll. Ich bin bis zur U-Bahn gefahren. Dort war auch der Zugverkehr unregelmäßig. Wir haben ewig am Gleis gewartet. Aber wie es so schön auf der Seite der BVG hieß: „Derzeit fließt der Verkehr der BVG weitgehend ohne Störungen“. Als ich danach umgestiegen bin, war mein nächste Bus in zehn Minuten angekündigt. Es wurden fünfzehn Minuten. Weiter hinter mir haben zwei Typen angefangen, sich zu prügeln. Warum, keine Ahnung. Ich habe Schreie gehört und mich umgedreht. Ein Typ war am Boden, ein anderer über ihn gebeugt und hat ihn heftig getreten. Leute sind zum Glück schnell gekommen, um sie zu trennen.

Als mein Bus kam, waren zwei Busse der Linie hintereinander. Der erste war klein und voll, der zweite war ein Doppeldecker. Alle Leute sind zum ersten Bus gegangen. Ich bin in den zweiten eingestiegen. Die Fahrt war anstrengend. Irgendwann hat ein Baby unten minutenlang lauthals gebrüllt. Dann wurde es still. Ich nehme an, die Mutter hatte ihm etwas zu essen gegeben. Und was ich kurz danach gehört habe, hat mich völlig entsetzt: Der Busfahrer musste eine Durchsage machen, weil essen im Bus verboten ist. Es ist doch etwas ganz anderes, ob ein Baby die Flasche bekommt oder jemand ein Döner im Bus verspeist.

Als ich ausgestiegen bin, war es schon halb sieben. Ich habe zwei Stunden zwischen Feierabend und zu Hause gebraucht. Hätte ich doch das Fahrrad mitgenommen, statt joggen zu wollen… Andererseits waren auf der ganzen Fahrt unglaublich viele Feuerwehr- und Krankenwagen unterwegs. Wegen der Halbfinale? Es war vielleicht kein guter Tag, um Fahrrad zu fahren.

Ach, übrigens, ich freue mich, dass ich heute Nacht in Ruhe schlafen werde, ohne von Böllern und hupenden Autos gestört zu werden. Yeah!


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Endlich Urlaub

Erster Urlaubstag. Und ich habe nichts für die Arbeit zu tun. Frei. Ich konnte heute bis neun Uhr schlafen. Normalerweise, nicht mal am Wochenende schaffe ich das. Aufgewacht bin ich, weil ich einen stressigen Traum hatte.

Ich war in einem Flughafen. Ich stand in einer langen Schlange und unterhielt mich mit einem gerade kennengelernten jungen Mann. Ich weiß nicht mehr worüber, aber es war sehr interessant. Plötzlich habe ich an der Tafel gesehen, dass mein Flugzeug nach Tel’Aviv in fünf Minuten starten würde. Ich habe mich von jungen Mann verabschiedet, die Schlange verlassen und bin zur Sicherheitskontrolle gerannt. Dort habe ich meine Tasche ausgepackt, da ich mein Laptop hatte. Ich habe am anderen Ende des Röntgengerätes auf meine Sachen gewartet. Doch die Frau wollte mir meine Tasche erstmal nicht zurück geben. Drin hatte ich Flüssigkeit. Stimmt. Die Körperlotion. Wie dumm von mir, sie vor der Sicherheitskontrolle gekauft zu haben. Ich habe der Frau erklärt, dass meine Haut sehr empfindlich ist und nach dem Duschen manchmal stark brennt. Sie hat es eingesehen und mir erlaubt, die Lotion zu behalten. Aber das mit dem Wein wäre zu viel. In meiner Tasche war plötzlich noch eine kleine angebrochene Flasche Rotwein, und ich hielt in der Hand ein gefülltes Glas und nippte dran. Die Flasche hatte ich beim Kauf der Lotion geschenkt bekommen. Ob die Frau sie behalten möchte? Ich brauchte sie nicht. In dem Moment hat der Angestellte am anderen Röntgengerät hinter mir angefangen, mich am Kopf und Oberkörper anzufassen. Sanft, als ob er mit mir schmusen wollte. Ich habe mich umgedreht und zu ihm geschaut. Er machte weiter, mit dem Hinterkopf zu mir gerichtet, und war gleichzeitig mit seinen Passagieren beschäftigt. Ich habe mich um meine Tasche gekümmert und meine Sachen gepackt. Kate, die rechts neben mir erschien, sagte, dass wir zu spät waren, der Flugzeug wäre schon gestartet. Tomasz, links von mir, war entsetzt. „Was für eine Scheiße“, habe ich laut gerufen. Ich wollte nicht zu meinem Ziel über Jerusalem fliegen. Es wäre mir viel zu gefährlich. Der Mann (es war auf einmal keine Frau hinter dem Gerät) meinte, ich könnte um sieben Uhr abends nach Be’er Sheva fliegen.

Ich bin aufgewacht. Hinter mir schlief Martin. Seine Hand lag auf meinem Kopf.

Stresstraum. Nach Sylvester muss ich wirklich hin. Dienstlich. Ich bin eingeladen, um junge Wissenschaftler auszubilden und nebenbei Programm #1 vorzustellen. Diesmal habe ich nichts zu vorbereiten, denn es ist eine sehr ähnliche Veranstaltung wie letzte Woche. Ich kann die Präsentationen wieder benutzen und mich fürs Jahresende entspannen.

Letzte Woche war hart. Ich habe von Budapest nicht viel mitbekommen, außer dass es viele renovierungsbedürftige Gebäude gibt. Am Montagvormittag habe ich geprüft, dass die Software für meine Präsentationen alle richtig funktionieren. Ein Programm lief nicht, und da alle Rechner für die Teilnehmer schon geklont wurden, durfte ich ihn auf allen fünfzehn Rechnern kompilieren. Die Organisatoren waren sehr dankbar. Danach bin ich mit meiner dortigen Kollegin Beata zum Weihnachtsmarkt gegangen. Sehr schön. Die Schlemmerinsel in der Mitte vom Platz hat mir vor allem gefallen.
20151214_Weihnachtsmarkt
20151214_Glühwein
Die ganze Woche musste ich jeden Tag etwas vortragen, und es waren außer mir noch andere Dozenten auf verschiedenen Ländern eingeladen. Ich habe viele neue Leute kennengelernt. Am Dienstagabend haben wir einen langen Spaziergang an der Donau gemacht. Am Mittwochabend hat eine Migräne zugeschlagen und ich bin mit zwei Aspirin-Tabletten ganz früh ins Bett gegangen. Am Donnerstagabend hatten wir ein gemeinsames Abendessen. Deutlich besser als das Essen an der Mensa, das wir mittags bekommen hatten. Riesige Portionen, die der Koch hinter den Glasscheiben unappetitlich zwischen Löffel und Daum auf den Tellern geschaufelt hatte. Am Freitag hat mich Beata eingeladen, um nach der Veranstaltung einen Vortrag in ihrem Institut zu halten. Die Leute dort waren sehr interessiert. Vielleicht kommen einige nach Berlin, um Experimente zu machen.

Ich bin um halb neun zurück gelandet. Martin hat mich abgeholt und wir haben bei einem Italiener gegessen. Erstaunlicherweise habe ich mich top fit gefühlt.


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BVG-Chaos

Kaum lasse ich das Fahrrad zu Hause stehen, dass es Störungen im ÖPNV gibt.

Im Radio kam die Meldung, dass wegen eines Feuerwehreinsatzes keine S-Bahn zwischen Ostkreuz und Baumschulenweg fuhr. Mir egal, ich muss nicht zur Arbeit. Martin schon. Wir waren heute Nacht bei ihm. Er hat sein Fahrrad genommen, weil wir heute Abend eine Radtour machen wollten. Für den Weg zur Arbeit wollte er die Bahn benutzen. Die übliche Linie, die S46, sollte nach Plan fahren, laut seiner BVG-App. Es wäre auch meine Richtung gewesen, um nach Hause zu fahren.

In Westend angekommen, waren die Anzeigen verwirrend. Die S46 war für den anderen Gleis angezeigt, wo die Züge normalerweise in die andere Richtung fahren, zeitgleich mit der S41. Ein Zug stand leer da. Wir sind zu den Leuten am Gleis gegangen und haben gewartet. Zuerst wurde die S41 angekündigt, die gleich weg fahren sollte. Doch hat die Anzeige ständig gewechselt, zwischen S41 und S46. Keiner wusste, welcher Zug da stand und wegfahren würde, und natürlich war kein Mitarbeiter der BVG in Sichtweite, um die Lage zu klären. Dann kam eine Durchsage: Der Zug nach Westend würde gleich fahren. Wir waren doch in Westend. Eine Frau meinte, es wurde vorher gesagt, dass dieser Zug am Gleis zu einer Endposition gebracht werden sollte. Keiner ist eingestiegen. Es war die S46.

Genervt, hat Martin beschlossen, die nächste S42 mit dem Fahrrad zu nehmen. Ich habe ihm gesagt, er könnte gleich zur Arbeit radeln, da er bei normalem BVG-Betrieb sowieso schneller als mit der Bahn unterwegs ist. Selbst ich schaffe es, schneller als die Bahn mit dem Fahrrad zu fahren. Da die S42 in Richtung Ostkreuz schon aus einem anderen Grund unterbrochen war und Ersatzverkehr mit Bus vorgesehen war, mit dem üblichen verbundenen Chaos, habe ich beschlossen, in die andere Richtung mit der Ringbahn nach Ostkreuz zu fahren, und einen Umweg mit der S3 zu machen. Die S41 war voll. Übervoll. Ich hasse Menschengedrängel. Ich habe mich gegen die Wand vom Wagen angelehnt und mich für eine lange, harte Fahrt vorbereitet. Zum Glück ist eine Frau bei der nächsten Haltestelle ausgestiegen und ich konnte ihren Sitzplatz ergattern. Ich habe mein Tauchbuch weiter gelesen.

Jetzt weiß ich, dass die Bahn-Störung mindestens bis zum Wochenende dauern wird. Kein Suizid, wie ich vermutet hatte, sondern eine Brandstiftung heute Nacht. Ich werde wieder das Fahrrad benutzen müssen. Wenn es mir gut genug geht. Seit gestern Abend merke ich zusätzlich eine konstante leichte Übelkeit, und ich fühle mich ständig satt. Ich muss mich zwingen, um etwas zu essen. Auf Kaffee habe ich plötzlich keine Lust mehr. Angeblich sind die Schwangerschaftstests erst nach der ersten verpassten Periode zuverlässig. Aber vielleicht handelt es sich nur um eine Infektion.


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Termin

Laut Wikipedia ist ein Termin

ein festgelegter Zeitpunkt im allgemeinen Zeitverlauf und wird durch ein Kalenderdatum und eine Uhrzeit bezeichnet. Termine kommen meist in einem geschäftlichen Kontext vor, wo sie der zeitlichen Festlegung sowohl von Besprechungen als auch von Zahlungen, Leistungen oder Lieferungen dienen […]

Heute Morgen hatte ich einen Termin bei dem Dermatologen, den ich zuletzt besucht hatte. Um 08:50, da ich bei der Terminvereinbarung explizit gefragt hatte, möglichst früh dran zu kommen, um pünktlich bei der Arbeit zu sein. Das letzte Mal hatte ich in der Mittagspause schon lange genug warten müssen, aber morgens direkt nach der Eröffnung der Praxis sollte es schnell gehen. Da ich zur Zeit eine intensive Lehrveranstaltung betreue und die Studenten bei ihren praktischen Arbeit unterstütze, kann ich es mir schlecht erlauben, unterwegs zu sein. Um die Zeit zu überbrücken, hatte ich einen Kollegen gefragt, seinen Vorlesungsteil zur ersten Stunde zu verschieben, damit meine Abwesenheit keine schlechte Auswirkung hat.

Um meinen Schlafmangel auszugleichen, habe ich heute länger geschlafen und bin ohne Frühstück zum Termin gefahren. Mit dem Regen hatte ich gestern mein Fahrrad bei der Arbeit gelassen und musste daher die Tram benutzen. An der Haltestelle kam gerade eine Tram an, als ich zweihundert Meter entfernt an der Ampel wartete. Um diese blöde Kreuzung zu überqueren braucht man immer ewig. Ich bin beim Grün in Richtung Haltestelle gesprintet. Die Nummer von der Tram habe ich bei der Entfernung nicht gut lesen können. Die Anzeige war nicht beleuchtet und die Scheibe war schmutzig. Es sah aber sehr wie meine Tram-Nummer aus. Der Fahrer hat mich kommen gesehen und hat ausnahmsweise gewartet, unglaublich. Andere Fahrer sind schon an mir vorbei los gefahren, nachdem sie mich kaum zehn Meter vor ihnen noch wahrgenommen haben. Es hat mich gerührt. Leider war es doch nicht meine Tram. Als ich näher kam, habe ich gemerkt, dass es eine 8 statt eine 0 gab. Der Fahrer hat umsonst auf mich gewartet. Die nächste Tram, die kam, war auch nicht meine, aber sie war neuer. Sie hatte eine LED-Anzeige und man konnte sie wunderbar von weitem erkennen. Es wird Zeit, dass die alten Fahrzeugen der BVG erneuert werden. Wie auch immer. Zum Termin bin ich pünktlich angekommen.

Am Empfang habe ich zuerst meine Krankenkassenkarte an der Theke gelassen und meine Jacke im Warteraum gelassen, da die Frau am Telefon war. Als sie fertig war, habe ich ihr die Karte gereicht und gesagt, ich hätte gleich einen Termin. Sie hat die Karte eingelesen, sie mir ohne Wort zurück gegeben, und ich habe mich hingesessen. Nach zwanzig Minuten habe ich bei der Frau gefragt, ob mein Termin wirklich um 08:50 war. Den Zettel vom letzten Mal hatte ich dabei, aber ich wollte prüfen, ob sie den gleichen Termin gespeichert hatte, um ein Missverständnis wie bei der letzten Praxis zu vermeiden. Mein Termin war wirklich um 08:50, aber erst als ich nachfragte, gab sie mir zu, dass der Arzt heute schon eine Verspätung von dreißig Minuten hatte. Ich sollte doch noch zehn Minuten geduldig bleiben. Das hätte sie mir gleich bei meiner Ankunft sagen können. Da ich bei der Arbeit unter Zeitdruck war, habe ich gereizt reagiert. Nach den zehn weiteren Minuten bin ich immer noch nicht gerufen worden. Dafür wurde ein Mann zum Besprechungsraum gebeten. Es hat mir gereicht. Es ist unverschämt, wie mit der Zeit von Patienten umgegangen wird. Ich habe den Zimmer verlassen und bin zur Arbeit gegangen. Ich kann mir wieder eine andere Praxis aussuchen.


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Unwetter

Ich könnte gerade meine Meinung über easyJet ändern.

Ich habe gestern meine Mami zum Flughafen begleitet. Da ich sie über Internet schon eingecheckt hatte, mussten wir nicht so früh da sein. Sie hatte diesmal wirklich nur ein Handgepäck dabei, weil sie viele Sachen bei mir fürs nächste Mal gelassen hat. Sie ist sofort zur Sicherheitskontrolle gegangen, und ich habe mich auf dem Weg zur Stadt gemacht, um ein bisschen vor meinem Date zu shoppen. Ich war noch in der S-Bahn, als meine Mami mich anrief und sagte, ihr Flug würde sich verspäten. Genaueres konnte sie mir nicht erzählen. Als ich bei Dussmann vor den CDs stand, rief sie mich erneut an. Es gab anscheinend Unwetter in Nizza, deswegen würde sie erst nach 22:00 fliegen können. Der Var ist aus seinem Bett übergelaufen. Die Fluggesellschaft hat allen Passagieren Gutscheine fürs Abendessen gegeben. Ich habe ihr gesagt, sie soll mir sofort Bescheid sagen, falls sie doch nicht an dem Tag fliegt. Eine Stunde später bekam ich zwei SMS von easyJet, die mich über die Verspätung informierten. Am Abend habe ich Martin davon erzählt, als wir im Restaurant saßen. Er fragte, ob ich jetzt eine neue Nachricht bekommen hätte. Ich hatte nichts gehört, aber auf meinem Handy gab es tatsächlich eine weitere SMS von easyJet. Der Flug war für Sonntag früh umgeplant. Keine Nachricht von meiner Mami. Ich habe sie angerufen. Sie meinte, sie wäre gerade zum Hotelzimmer angekommen, easyJet hat die Kosten übernommen. Ich bin beeindruckt.

2009 habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht, als ich für Weihnachten zu meinen Eltern fahren wollte. Ich hatte mich bei Germanwings umgeschaut und musste feststellen, dass die Uhrzeiten für die Flüge von Köln nach Nizza sehr ungewöhnlich waren. Ich hätte ganz früh morgens fliegen sollen, und da ich vorher mit dem Zug zum Flughafen fahren musste, hätte ich am Tag vorher dort sein sollen. Ich habe deswegen zum ersten Mal bei Air Berlin gebucht. Ich bin an einem Sonntagmorgen zum Flughafen Düsseldorf angekommen. Ich glaube, mein Flug war um 10:30 geplant. Als ich ankam, gab’s ein bisschen Schnee. Alle Flüge waren schon als verspätet angekündigt. Ich habe den ganzen Tag im Warteraum verbracht. Jede Stunde sagte uns die Frau, dass unserer Flug sich um eine Stunde verspäten würde. Um 23:30 sagte sie uns endlich offiziell, dass der Flugzeug nicht mehr starten würde. Der Flug wurde nicht am nächsten Tag verschoben, sondern einfach annulliert. Wir waren somit die allerletzten Passagiere im ganzen Flughafen, die von ihrer Fluggesellschaft darüber informiert wurden. Alle anderen wurden schon früher für die Nacht entweder im Hotel unterbracht oder nach Hause geschickt worden. Wir mussten selber gucken, wie wir die Nacht verbringen sollten. Und das am Flughafen von Düsseldorf, der mitten im Nichts steht. Mit dem angesammelten Schnee fuhr inzwischen kein Zug mehr, und an Taxis war aus dem selben Grund nicht mehr zu denken. Ich habe die Nacht auf irgendeiner freien Fläche mit einem allein reisenden jungen Mädchen aus dem gleichen Flug verbracht, damit es sich sicherer fühlt. Der nächste Flug nach Nizza wäre fast eine Woche später gewesen, nach Weihnachten, aber das war alles, was Air Berlin uns anbieten wollte. Sonst konnten wir am nächsten Tag nach Paris umgebucht werden, und selber die weitere Reise organisieren. Das habe ich gemacht, mir blieb keine Wahl (natürlich gab’s die üblichen jahreszeitlichen Streiks im RER, und Schneechaos mit der Bahn…). Ich habe mir geschwört, nie wieder mit Air Berlin zu fliegen. Nicht mal Wasser haben wir an dem Tag von ihnen bekommen.

Ich wüsste gerne, wie Germanwings die gestrige Lage behandelt hat. Meine Google-Suche hat keine Ergebnisse darüber geliefert.


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Endlich eine Wohnung

Es gibt gute Nachrichten, ich habe endlich eine Wohnung gefunden.

Nicht die, die ganz nah an der Straßenbahn liegt. Die wäre toll gewesen, weil ich gerade 15mn zu Fuß zur Arbeit gebraucht hätte. Ich war wieder dort letzte Woche, ich habe in einem asiatischen Restaurant direkt gegenüber abends gegessen, und es ist doch laut, wenn die Bahn fährt. Die Frau der Immobilienagentur hat mich angerufen. Sie hat nicht herausgefunden, wie sie bei der SCHUFA nach meinen Daten fragen kann, weil ich keinen deutschen Pass habe. Das ist genau das, was ich ihr vom Anfang an gesagt hatte. Sie hat mir gesagt, da die SCHUFA-Auskunft erforderlich ist, könnte ich die Wohnung nicht bekommen. Es wäre gut, nur aus Prinzip gegen die zu klagen, da dadurch Ausländer auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden. Ich habe aber besseres mit meiner Zeit zu tun. Die Firma sitzt übrigens in Jena. Meine ehemalige koreanische Kollegin war vor zwei Jahren dort zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Sie war mit ihrem Mann und beiden Kindern hingefahren, sie hatten abends in einem Restaurant gegessen. Sie hat mir danach erzählt, wie sie sich dabei sehr unwohl gefühlt hatte, weil alle anderen Gäste sie die ganze Zeit unfreundlich angestarrt hatten. Sie meinte, die Leute dort müssten wohl noch nie im Leben asiatische Ausländer gesehen haben.

Ich habe zum Glück am Mittwoch eine Zusage für die Wohnung bekommen, die ich die Woche davor besichtigt hatte. Sie ist sehr ruhig gelegen, es gibt keine Straße direkt ums Haus, die nächste Straße ist gut 50m entfernt und ist noch sehr klein. Und schön, drei Zimmer mit Balkon, und deutlich günstiger als meine aktuelle Wohnung. Auch noch günstiger als die Wohnung neben der S-Bahn. Alles was fehlt, ist der endgültige Mietvertrag. Er wird mir diese Woche per Post geschickt. Die elektronische Version habe ich schon per Email bekommen. Ich freue mich riesig. So bald ich einziehen kann, kaufe ich ein paar Kratzbäume, ein pro Zimmer, dann noch ein Katzenklo, und nehme meine Katze endlich mit. Ihr geht’s momentan gar nicht gut. Es ist für sie zu viel Stress, dass ich jede Woche weg bin und nur am Wochenende nach Hause fahre. Letztes Wochenende hatte sie sich am Samstag ganz früh morgens übergeben, vorgestern auch. Meine Vermieterin sagte, das würde sie in der Woche sonst nicht machen. Und ich werde nicht traurig sein, nicht mehr am Wochenende mit dem Zug zu pendeln. Jedes Mal acht Stunden theoretisch, eigentlich mehr in der Praxis, weil es immer Verspätungen gibt, am Freitag war es besonders übel, alle Züge konnten über anderthalb Stunde von Köln nicht wegfahren. Zum Glück war die Klimaanlage in meinem Zug in Ordnung (eigentlich hätte ich einen anderen ICE nehmen sollen, aber er war ausgefallen, und ich hätte den eh nicht erreicht, weil mein ICE aus Berlin schon über 40mn Verspätung hatte).

Ich hätte damit gerechnet, erstmal keine Sorge mehr zu haben. Arbeit, Wohnung, alles in Ordnung. Tja. Es gibt da diesen Kollegen, mit dem ich so unheimlich gerne zusammen bin… Ach nee, ich kann mich doch nicht in so einer kurzen Zeit verlieben! Oder doch? Ich kenne ihn kaum. Nun, ich fühle mich ganz schön zu ihm angezogen. Die Alarmglocke hat bei mir geschlagen, als ich bei der Arbeit eines Morgens neben ihm stehen musste, und er von seinem morgendlichen Fahrradfahren noch verschwitzt war, und anstatt, dass der Geruch mich störte, wie zu erwarten gewesen wäre, habe ich plötzlich einen Hormonenüberschuss bekommen und den Drang gespürt, ihn anzufassen. Schlimm. Für die nächsten Wochen sollte er in den Urlaub fahren. Zeit genug, um mich zusammen zu reißen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.