Die BVG hat wieder zugeschlagen

Einmal zu viel. Etwas muss sich ändern. Ich will nicht mehr so abhängig vom ÖPNV sein, wenn es zu solchen Verspätungen und Chaos kommt. Entweder muss ich eine neue Arbeitstelle in der Nähe von der Wohnung finden, oder wir ziehen um, oder ich steige zum Auto um, was nebenbei meine Fahrzeit zur Arbeit mehr als halbieren würde, ich habe mal wieder die Schnauze voll. Jeden Tag die 42 Kilometer hin und zurück mit dem Fahrrad zu fahren ist nicht realistisch, da ich eine minimale Wohlfühltemperatur brauche, um es zu benutzen, und ein paar Tage im Monat geht es auch wirklich nicht, wenn ich so stark verblute, und auch nicht, wenn ich ganz früh morgens einen Termin habe, da das Unfallrisiko in Berlin doch recht groß ist…

Zweimal diese Woche habe ich über anderthalb Stunden gebraucht, um nach Hause zu fahren. Mit dem Fahrrad bin ich schneller. Besonders hat es mich gestern geärgert. Die Hinfahrt lief problemlos, was, zugegeben, recht beindruckend war, ein Tag nach dem Kabeldiebstahl, der die Bahn lahm gelegt hat. Die Nachricht hatte ich zum Glück vorgestern vom Bett aus im Radio gehört, und ich hatte mir gar nicht die Mühe gegeben, zur S-Bahn zu gehen. Stattdessem war ich Bus gefahren, was fast genau so lange wie mit dem Fahrrad dauert. Wir hatten uns mit dem Ehemann nach dem Feierabend in einer Brauerei verabredet, deswegen ich das Fahrrad nicht benutzt hatte. Das war der Grund, warum ich diese Woche nur zweimal so lange nach Hause gebraucht habe. Das andere Mal war am Montag.

Am Montag wollte ich auch ursprünglich zum Fitnessstudio, ich war sogar mit der Sporttasche zur Arbeit gekommen. Und wollte deswegen abends mit Bahn statt mit Bus fahren, um früher anzukommen. Zuerst hatte mich die Anzeige für die Tram in die Irre geführt. Eine Viertelstunde Wartezeit? Da bin ich schneller zu Fuß, um zur S-Bahn zu kommen. Ich war drei Minuten später noch nicht an der nächsten Tram-Haltestelle, da überholte mich die Tram. Von wegen eine Viertelstunde. Es hätte mir aber nichts gebracht, weil ich die S45 doch noch erwischen konnte, die früher hätte fahren sollen. Es hätte mir eine Warnung sein sollen. Einsteigen konnte ich, wie auch alle anderen Fahrgäste, die nach mir gekommen sind. Wenigstens habe ich einen Sitzplatz bekommen können, danach wurde es überfüllt und stickig, und die Bahn fuhr erstmals nicht weg. Keine Ahnung warum, die Durchsagen vom Fahrer waren unverständlich. Nach einer Weile konnten wir doch starten, um zwei Stationen weiter zu erfahren, dass wir alle aussteigen sollen. Der Zug war defekt. Ich bin also doch zum Bus umgestiegen. Das hätte ich von vorne rein machen sollen. Ich bin am Ende so spät angekommen, dass ich keine Lust mehr hatte, zum Fitnessstudio zu gehen. Anderthalb Stunden Training, duschen, nach Hause gehen, ich wäre nicht vor neun angekommen, und wir müssen diese Woche recht früh aufstehen. Stattdessen konnte ich den Ehemann überzeugen, joggen zu gehen. Das haben wir nur eine halbe Stunde durchgezogen, danach musste er aufhören. Achillessehne.

Gestern früh schien laut BVG-App alles wie gewöhnt zu laufen, und ich habe tatsächlich „nur“ eine Stunde zur Arbeit gebraucht. Es war ungewohnt früh, ich bin um sieben angekommen. Der Ehemann muss die ganze Woche ab sechs die Arbeit anfangen. Der Glückliche braucht jetzt nur zehn Minuten zur Arbeit und ist ÖPNV-unabhängig geworden. Ich musste gestern im Labor arbeiten, und habe mir gedacht, je früher ich anfange, desto besser. Danach könnte ich früh nach Hause fahren und zum Fitnessstudio gehen, bevor es zu voll wird. So viel zur Theorie.

Kurz vor vier habe ich mich von meiner Arbeit gerissen, um endlich mal einen frühen Feierabend genießen zu können. Ich hätte problemlos weiter arbeiten können, da ich gerade dabei bin, Programm#1 für Qt5 kompatibel zu machen (alles wegen Mac-Nutzer, weil Qt4 seit Sierra nicht mehr auf Mac zu benutzen ist, wie ich am eigenen Arbeitsrechner feststellen musste). Bewusst habe ich mich gezwungen, die Arbeit liegen zu lassen, und bin gegangen. Mit dem Bus? Ach nee, ich mache nicht ausnahmsweise so früh Feierabend, um eine Viertelstunde länger nach Hause zu fahren… Spoiler: Ich wäre doch schneller angekommen. Wenn ich der BVG in Rechnung stellen würde, wieviele Überstunden auf Arbeit ich hätte machen können, statt auf einem Gleis zu verharren, könnte ich das ganze Jahr kostenfrei fahren.

Angefangen hat es, als ich die S46 gerade verpasst habe. Von der Tram ausgestiegen, die Treppe hoch gelaufen, und ich konnte sie von hinten weg fahren sehen. Also Umweg über Treptower Park. In der Ringbahn habe ich dann auf der BVG-App erfahren, dass die S1 wegfallen würde. Das war nur sichtbar, wenn man sich die Details der Strecke anzeigen ließ, weil die Verbindung trotzdem vorgeschlagen wurde. Gut, ich kann eine Station weiter fahren und die Buslinie M48 benutzen, die ja scheinbar pünktlich ist… Ist die Frau denn nicht lernfähig? Die M48 ist doch nie pünktlich, ich hätte wissen sollen, dass es zu schön war, um wahr zu sein! Und tatsächlich, obwohl BVG-App und Webseite nichts ahnen ließen, war auf der Anzeige an der Haltestelle keine M48 in den nächsten zwanzig Minuten zu sehen. Dafür lief die Nachricht, dass sie zur Zeit unregelmäßig fährt. Also noch eine Station mit der nächsten Ringbahn gefahren, und ab in die U9. An der Endstation war es aber genau so blöd, da ich wieder vor der Wahl stand, S1 oder M48. Beide noch stark verspätet. Verflucht. Um zwanzig vor sechs war ich zu Hause, und so sauer, dass ich nicht mehr zum Sport wollte. Lieber hätte ich jemanden verprügelt. Ob ich beim Boxkurs vom Fitnessstudio doch schnuppern sollte? Mit einem Bier habe ich mich auf der Terrasse hingesessen und auf den Ehemann gewartet, der einen unglaublich langen Tag auf Arbeit machen musste.

Ach, was soll, dann fahre ich heute halt Fahrrad… Nicht. Um elf im Bett, um halb drei wach. Aus einem Traum erwacht. Ich saß am Rechner und bekam plötzlich die Meldung, dass meine Dateien verschlüsselt wurden. Um sie zu entschlüsseln, müsste ich eine bestimmte Geldsumme überweisen. Die Meldung erschien sogar auf der Klobrille. Ich bin ins Bett gegangen und habe dem Ehemann gebeichtet, dass ich Opfer einer Ransomware geworden war. Dabei hatte ich den Rechner heruntergefahren, was man in solchen Fällen gar nicht machen soll. Mit einer bestimmten Tastenkombination war es doch möglich, zu seinen Dateien wieder Zugriff zu bekommen… Das Schnarchen vom Ehemann hat mich geweckt. Seitdem kann ich nicht mehr schlafen, ich fühle mich aber nicht gut, und mit nicht mal vier Stunden Schlaf will ich nicht so lange mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich glaube, ich bleibe heute wegen Migräne zu Hause.

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Ein Nachmittag in Helsinki-Vantaa

Gestrandet bin ich. Für eine Dienstreise sollte ich heute nach Oulu in Finnland fliegen. Ich bin eingeladen worden, die Flugkarten habe ich vor einigen Wochen zugeschickt bekommen.

In Finnland war ich schon, vor zehn Jahren. Dort hatte ich im Sommer zwei Wochen alleine mit dem Rucksack verbracht und war von Jugendherberge zu Jugendherberge um die Seen gefahren. Ich hatte damals eine echt tolle Zeit hier verbracht. Dementsprechend groß war meine Freude, als die Einladung in meiner Mailbox herein flatterte.

Heute Morgen war ich pünktlich in Tegel angekommen. Leider war mein Flugzeug es nicht. Mit knapp einer Stunde Verspätung sind wir gestartet. Meinen Anschlussflug habe ich verpasst. Der nächste geplannte Flug war schon ausgebucht. Unsicherheit, ob ich heute ankomme, oder erst morgen weiter fahren kann. Ich war super glücklich, als die Frau am Schalter meinte, für den Flug um 18:35 wären noch Plätze frei. Das habe ich ihr auch gesagt. Sie sah ein bisschen gestresst aus, die Arme. Obwohl sie selber nichts dafür kann, wenn Leute wegen Verspätung ihren Anschluss verpassen, denke ich, dass viele ihren Frust bei ihr auslassen.

Ich habe den Nachmittag an den Tischen eines Imbisses verbracht. „Hei hei!“ höre ich immer wieder, als die Frauen hinter den Theken die Gäste begrüßen. Rye-Brot mit Käse gegessen, recht lecker. Ein 25€ Gutschein zum Essen habe ich als Entschuldigung für die Umstände bekommen. So konnte ich relativ bequem an meinem Vortrag arbeiten, den ich diese Woche halten muss, und dabei noch ein Bier genießen. „Lapin Kulta“ stand auf dem Glas, aber ich denke, es war ein anderes Bier. Zwei Frauen sind mit den selben Gläsern zu einem Nachbartisch gegangen, und sie hatten Fruchtsaft drin.

So sollte ich gegen neun im Hotel sein. Schade, dass ich von der Stadt heute nichts mitbekommen werde. Morgen bin ich schon mit den Veranstaltern der Tagung verabredet. Aber Gelegenheiten wird es in der Woche noch geben, da bin ich mir sicher.

Ein echt mieser Tag

Die Nachricht am Morgen hat mich umgehauen. Ich selbst war überrascht, weil ich ja immer gedacht hatte, mal schauen, ob es überhaupt gut läuft, erst nach drei Monaten kann ich mich auf die Schwangerschaft freuen. Ich wollte mir keine Hoffnung machen. Der Verlust macht mich trotzdem sehr traurig.

Die Frauenärztin hatte mir eine Einweisung zum Krankenhaus gegeben, mit dem Hinweis, ich sollte nichts essen und nichts trinken, falls ich eine Narkose am Tag bekommen sollte. Blöd, weil ich nur ein Keks auf die Schnelle gegessen hatte, bevor ich das Haus verlassen hatte, und ich schon Hunger spürte.

Nachdem ich vorher wieder zu Hause war, um mich umzuziehen und die Arbeitssachen auszupacken, habe ich mich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht. Das Krankenhaus, wo ich für die Bauchhöhlenschwangerschaft operiert wurde. Die Krankschreibung für meinen Arbeitgeber wollte ich noch ganz schnell zur Post bringen. Tja. Als ich ankam, standen zwei Männer an den Schaltern vorne, und nur eine Frau war da, um sie zu bedienen. Sie kam mir extrem langsam vor. Weil ich in Eile war, dachte ich. Ich sollte mich geduldig verhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen Leute bis zur Tür hinter mir, eine Frau beschwerte sich schon, und die zwei Männer waren immer noch an den Schaltern. Der eine wollte ein Paket schicken und hat es noch vor Ort gestaltet und zu geklebt. Als die Frau den Preis von 22€ angegeben hat, hat er sich beschwert und gefragt, ob es günstiger ginge. Hat ewig gebraucht, um endlich zu zahlen. Noch gefragt, ob er die Nummer zur Sendungsverfolgung haben könnte, obwohl er sie schon hatte. Als er endlich fertig war, wollte der andere Mann irgendwas schicken. Ich habe nicht aufgepasst, wegen Diskretion und so, aber die Frau hat ihn kaum verstanden, obwohl er deutlich gesprochen hatte, und musste quasi alles, Name, Adresse, buchstabiert bekommen. Danach war ich endlich mit meinem Brief dran. 0,70€, bezahlt, raus, keine Minute gebraucht, aber ewig gewartet. Briefmarken habe ich blöderweise nie zu Hause.

Den Bus hatte ich natürlich gerade verpasst und ich musste fast zwanzig Minuten auf den nächsten warten. Ich bin zu Fuß zur nächsten Haltestelle gegangen, weil ich keine Lust hatte, unter dem Regen stehend zu warten. Ich habe dann doch lange warten müssen, weil der Bus verspätet war. Erst um halb eins war ich in der Notaufnahme, und die Warterei hat angefangen. Gut, es war mir schon klar, und ich sollte glücklich sein, warten zu müssen, da es hießt, ich habe keine akute lebensbedrohliche Beschwerde. Ich war bewaffnet und habe so viele Reihen am Schal vom Ehemann wie noch nie an einem Tag geschafft. Ätzend fand ich es im Wartezimmer von der Gynäkologie, weil eine ältere gehbehinderte Dame dort von Pflegern gebracht wurde und nicht mehr beachtet wurde. Sie hat sehr viel alleine gesprochen, wobei ich nur die Hälfte verstanden habe. Und ich dachte, Deutsch kann ich mittlerweile gut. Die Dame war anscheinend geistig verwirrt und sprach entweder mit nicht anwesenden Personen oder erzählte Dinge, die kaum Sinn ergaben.

Um halb vier war ich bei einer jungen Frauenärztin dran, die ich schon aus der Bauchhöhlenschwangerschaft kannte. Sie hat nochmal ein Ultraschall gemacht, um den Befund vom Vormittag zu bestätigen. Kein Herzschlag. Sie hat mir dann die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, und ich habe mich für eine Ausschabung entschieden. Sie wird am Freitag statt finden, weil ich an dem Zeitpunkt schon stark an Migräne leidete, die durch Hunger und Durst verursacht wurde, und ich hatte keine Lust, noch auf unbestimmte Zeit da zu warten. Ich habe zwei Tabletten bekommen, die ich mir morgen Abend in die Scheide rein schieben sollte, um den Muttermund weicher zu machen. Danach musste ich noch zur Anästhesie, um ein Vorbereitungsgespräch für Freitag durchzuführen. Die Ausschabung wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Um halb fünf war ich endlich aus dem Krankenhaus wieder raus, und ich freute mich schon riesig darauf, zu Hause etwas trinken und essen zu können. Ich habe unter strömendem Regen an der Haltestelle auf den Bus gewartet. Es ist die Endhaltestelle der Linie, man könnte meinen, dass die wenigstens dort pünktlich starten. Denkste. Der Bus fährt alle zwanzig Minuten. Ich war kurz vor Abfahrt da und habe über dreißig Minuten gewartet, bis ich beschlossen habe, dass es keinen Zweck hat und mit der U-Bahn gefahren bin. Es war natürlich ein Umweg, aber wenigstens war ich nicht mehr unter Regen. Danach musste ich sowieso auf einen anderen Bus warten, und oh Überraschung, der kam ebenfalls verspätet an. Aber nur acht Minuten. Inzwischen war es recht stürmisch geworden, mein Regenschirm hatte sich schon mal umgedreht, und die schnell fahrende Autos hatten meine Füße völlig durchnässt, weil das Wasser nicht mehr durch den Ablauf auf der Straße floss.

Erst um sechs war ich zu Hause. Theoretisch braucht man mit dem Bus vom Krankenhaus aus nur zwanzig Minuten. Ich war klatsch nass und durchgefroren und musste mich zuerst umziehen. Trinken, Aspirin (jetzt darf ich wieder), essen, schlafen. Es geht langsam besser, und der Ehemann ist auch gerade vom Flughafen angekommen.

Heute zu Hause

Es ist toll, wenn ich von zu Hause aus arbeiten darf. Ich spare mir gleich zwei Stunden Fahrt mit der ÖPNV. Wenn ich den Anfang der Woche betrachte, würde ich sogar drei Stunden sagen.

Am Montag lief es erstmal in Ordnung. Ich hatte keine Lust auf S-Bahn. Mit dem ersten Bus los, kurz in der U-Bahn, dann zur nächsten Bushaltestelle, um das letzte Stück zur Arbeit zu fahren. Um neun stand ich dort. Der Bus fährt im zwanzig-Minuten-Takt, zusammen mit einem anderen Bus, der einen Teil der Strecke fährt. Um zwanzig vor zehn, ziemlich durch gefroren, als die Anzahl der Fahrgäste sich schon bedrohlich auf dem Bürgersteig vermehrt hatte, bin ich in den anderen Bus eingestiegen und habe den Fahrer gefragt, ob er irgendwas über die andere Linie wüsste. Nein, aber die Nummer vom Kundendienst hat er mir gegeben: 030-19449. Dort habe ich erfahren, dass es auf der Autobahn einen Unfall gegeben hatte, und alle Fahrzeuge die Ausfahrt nehmen mussten, was einen Monsterstau verursacht hatte. Die Busse kamen einfach nicht durch. Ich bin bis zur letzten gemeinsamen Haltestelle mit dem Bus gefahren und habe den Rest zu Fuß gemacht. Fünfundzwanzig Minuten. Natürlich hat sich inzwischen der Stau aufgelöst, und der lang ersehnte Bus hat mich zwischen zwei Haltestellen überholt. Ich war aber bei der Kälte flott genug unterwegs, und habe ihn bei jeder roten Ampel wieder getroffen.

Gestern hatte der erste Bus schon eine Viertelstunde Verspätung, wie mir meine BVG-App nach fünf Minuten Ungeduld berichtet hat. Mit der App ist es so eine Sache. Verspätungen werden häufig gar nicht angezeigt, wie am Montag. Diesmal schon. Der Bus fährt im zehn-Minuten-Takt, also bin ich in den nächsten Bus eingestiegen. Zu meiner Enttäuschung war es wieder kein Doppeldecker, und nicht mal ein langer Bus, weil er nicht so weit wie der erste Bus fährt und dadurch weniger Gäste bekommt. Im Normalfall. Dadurch, dass der erste Bus de facto ausgefallen ist, war der entsprechend rappelvoll. Wir haben noch auf dem Weg zur U-Bahn im Stau gestanden und zehn Minuten Verspätung gesammelt. Als ich dann bei Rot an der Ampel stand, um zur letzten Bushaltestelle zu gehen, ist mir der Bus vor den Augen weg gefahren. Nochmal zwanzig Minuten in der Kälte warten.

Heute habe ich mich also gefreut, zu Hause zu arbeiten. Dadurch entfällt die Fahrzeit, die ich momentan benutze, um einen Schal für den besten Ehemann der Welt zu häkeln, aber mehr dazu in einem anderen Beitrag. Heute wäre ich sowieso nicht dazu in der Lage gewesen. Schon beim Aufstehen wurde mir klar, ich bin so was von müde! In der Küche würde mir schwindelig, als ich das Radio bedienen wollte. Ich habe mich auf der Couch im Wohnzimmer unter der Decke gekuschelt und geschlafen, als der Ehemann sich für die Arbeit fertig gemacht hat. Nach einer Weile konnte ich mich aufraffen und habe zwei Stunden gearbeitet. Danach bin ich zum Arzt gegangen, um nach den Testergebnissen von letzter Woche zu fragen. Sie hatten mir gar nicht Bescheid gesagt, aber die Ergebnisse lagen schon länger da. Es gab eine kurze Besprechung mit dem Arzt, der meinte, solche tolle Blutwerte hätte er selten gesehen — danke Nadja! Vermutlich. Ich kannte meinte Werte auch nicht, bevor ich meine inzischen elf Kilogramme abgespeckt habe. Und Mängel gibt es keine. Ich habe noch mein bestelltes Buch Schwangerschaft für Dummies bei der Buchhandlung abgeholt und bin zurück nach Hause gefahren. Kurz gegessen. Und dann wurde mir bewusst, ich war unfähig zu arbeiten.

Migräne. Lichtempfindlichkeit. Müdigkeit. Lesen und am Rechner arbeiten unmöglich. Ich habe mich wieder auf der Couch unter der Decke mit herunter gezogenen Jalousien gepackt und versucht zu schlafen. Wie gestern, als ich nach Hause gekommen bin. Gestern nachmittag hatte mich genau beim Einschlafen das Klaviermassaker der Nachbarn den Schlaf geraubt. Seitdem wir hier wohnen, hat sich qualitativ am Musizieren der Nachbarn leider nichts geändert, wobei es in letzter Zeit nicht mehr so häufig zu hören ist. Für Elise ist inzwischen halb gelernt aufgegeben worden. Andere Stücke, die ich in meiner Jugend selber gespielt und geliebt hatte, werden dermaßen mishandelt, das ist echt schwer zu ertragen. Wie auch immer. Heute nachmittag konnte ich ohne Störung schlafen. Es hat aber nicht geholfen, weil die Migräne immer noch da war. Viel Wasser getrunken. Einen Apfel gegessen. Nochmal geschlafen. Übelkeit. Am Ende habe ich doch Paracetamol genommen. Es soll unbedenklich sein. Und nach dem ich wieder geschlafen habe, geht es mir endlich wieder besser. Ein mieser Tag war das.

Ich warte nun, dass der Ehemann auf dem Fitnessstudio zurück kommt. Weil er jetzt trainiert. Mit mir, in einem neuen Fitnessstudio. Aber dazu in einem anderen Beitrag.

Ich brauche neue Brille

Heute hatten wir einen Termin beim Bürgeramt. Es ging darum, unsere Ehe endlich in Deutschland bei den Behörden anzumelden, denn bis heute waren wir noch nicht dazu gekommen.

Ich wollte es schon seit unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise gemacht haben. Ich habe den Ehemann darum gebeten, nachzuschauen, was wir dafür machen müssten. Als Deutscher sollte er es einfacher haben, das ganze Behördendeutsch auf den Seiten der Stadt zu verstehen. Er hat uns einen Termin beim Standesamt vereinbart. Als wir dort in Juli waren, wurde uns belehrt, dass wir eigentlich zum Bürgeramt gehen sollten.

Einen Termin habe ich uns selber ausgesucht. Es geht online ziemlich gut, wenn man weiß, welchen Service man braucht. Es war aus den Seiten der Stadt nicht klar, daher habe ich die Hotline angerufen und erfahren, dass wir ganz einfach einen Termin für eine Meldung beim Bürgeramt machen sollen. Den Termin habe ich Mitte Juli vereinbart. Da die Ämter in Berlin immer überlastet sind, war er erst für Mitte Oktober geplant.

Ich habe zwischendurch immer wieder geschaut, ob Termine vorher frei wurden. Es ist unglaublich, wie schnell verfügbare Termine auf dem Buchungssystem der Stadt kommen und gehen. Kaum ist ein freier Termin ausgewählt, dass er schon beim Bestätigen von jemandem anders gebucht wurde. Irgendwann hatte ich Glück, und habe den Termin auf heute verschieben können. Es ist egal, in welchem Bezirk man den Termin bekommt. Es wurde Lichtenrade. Ich kenne mich dort nicht aus.

Wir konnten uns beide von der Arbeit befreien. Nicht ganz. Der Ehemann ist morgens ganz früh zur Arbeit gefahren und mit dem Auto von dort direkt zum Bürgeramt gekommen. Ich habe zu Hause an meinem DFG-Antrag gearbeitet und wollte mit ÖPNV fahren. Es war nicht schwer, zuerst mit der Linie X11 zur S-Bahn Buckower Chaussee, und dann mit der S2 nach Lichtenrade.

Ich kam überpünktlich an der Haltestelle an. Die X11 war aber verspätet. Nicht so schlimm, ich hatte genug Umsteigezeit für die S-Bahn. Nach fünf Minuten Verspätung habe ich einen Doppeldecker aus der Entfernung kommen gesehen. Die Nummer sah wie X11 aus. Der Bus konnte nicht direkt vor der Haltestelle halten, weil davor Autos an der roten Ampel standen. Der Fahrer hat weiter weg angehalten und die Türe geöffnet. Ich bin eingestiegen.

An der Ampel hätten wir rechts abbiegen sollen. Wenn ich in der X11 eingestiegen wäre. Es war die 101, und es ist mir erst klar geworden, als ich mit einem sinkenden Gefühl im Magen gesehen habe, wie wir gerade aus gefahren sind. Mist, Mist und noch mal Mist. Ich habe aus der Ferne 101 für X11 gehalten, und nicht mehr geprüft, als ich eingestiegen bin. Bei der nächsten Haltestelle war ich fast zurück zu Hause. Mit der X11 zu fahren würde jetzt nicht mehr klappen. Ich hatte zum Glück geplant, zwanzig Minuten vor dem Termin anzukommen, also war ich noch entspannt. Ich habe beschlossen, bis Rathaus Steglitz zu fahren. Dafür musste ich die 101 verlassen und auf die M48 warten.

Und dann? Mit der S1 nach Schöneberg, und mit der Ringbahn nach Südkreuz, und mit der S2 nach Lichtenrade? Ich habe den DB-Navigator gefragt, und er meinte, am besten wäre es, mit einem anderen Bus zur S-Bahn Station Priesterweg zu fahren, wo ich in die S2 einsteigen könnte. Gut. Die Haltestellen um Rathaus Steglitz sind aber weit gestreut, und ich wusste nicht, wohin ich musste. Ich bin rum gerannt, nur um den Bus an mir vorbei fahren zu sehen. Die M48 war zu spät angekommen, die 170 war dafür pünktlich. Mist. Jetzt war ich wirklich zu spät.

Auf der anderen Seite der Straße war der Taxistand. Ich bin mit dem Taxi gefahren. Der Spaß hat 25€ gekostet, aber ich habe den lange genug geplanten Termin nicht verpasst.

Telekom Hotspot im ICE — Die volle Verarschung

Ich bin wieder mal richtig geärgert. Dazu braucht es nur, mit der Bahn zu fahren. Letzte Woche war schon kein Spaß.

Ich hätte eigentlich zur Tagung fliegen können. Die Bahnstrecke kostet mir zeitlich einen ganzen Arbeitstag. Es war günstiger, was die Finanzabteilung von meinem Arbeitgeber vor allem interessiert, aber das Fliegen wäre schneller gewesen und hätte vielleicht eine Übernachtung überflüssig machen können. Ich habe gedacht, die lange Reisezeit könnte dadurch kompensiert werden, dass ich im Zug am Tisch mit dem Laptop arbeiten kann und das HotSpot-Angebot der Telekom benutzen könnte.

Während es letzte Woche, bei meiner allerersten Benutzung von einem Telekom-HotSpot, halbwegs ging, war die aufgebrachte Leistung bei der Rückfahrt heute absolut katastrophal. Beim Losfahren habe ich einen Tagespass für 5€ erworben. Wie letzte Woche. Es ging gerade eine Stunde lang, danach wurde die Internetverbindung ständig abgebrochen und war nicht mehr zu benutzen.

Ich habe die Kontrolleure darauf aufmerksam gemacht, dass der WLAN nicht mehr ging. Am Anfang haben sie versucht, ihre Router oder was auch immer neu zu starten. Danach meinte ein Kontrolleur, im Ruhebereich wäre der WLAN Signal nicht verstärkt, was zu Probleme führen würde. WLAN sollte man in anderen Wagen benutzen. Prompt war mein gegenüber sitzender Nachbar (der auch trotz offenen Sandalen stinkende Füße mitgebracht hatte) dabei, mit einem süffisanten Lächeln, dem Kontrolleur nach zu plappern und mir zu sagen, „Sie hätten bei der Reservierung besser aufpassen sollen“. Pure Schadensfreude (oder 100% Boche, wie mir immer in solchen Momenten durch den Kopf geht). Der Ehemann hat sich für mich von zu Hause aus schlau gemacht, das mit dem Ruhebereich stimmt gar nicht. Auf der Webseite der Bahn steht, dass WLAN überall zur Verfügung steht. Außerdem saß ich letzte Woche schon dort und hatte fast kein Problem — also, verglichen mit heute hatte ich doch kaum Gründe, mich zu beschweren.

Am Anfang war der Zug so voll, dass ich an meinem reservierten Platz im Ruhebereich bleiben musste. Danach habe ich einen freien Tischplatz außerhalb vom Ruhebereich gefunden. WLAN ging. Wenigstens konnte ich arbeiten, dachte ich. Ich habe einige Emails bearbeitet. Dafür musste ich die Sitzplatzreservierung aufgeben. Aber eine Stunde später ging das Internet wieder nicht mehr. Entgültig. Die darauf angesprochene Kontrolleurin war schon genervt und hat jede Schuld oder Verantwortung von der Bahn erstmals grundsätzlich zurück gewiesen. Die Telekom ist schuld. Die Telekom kann nicht wissen, dass wir eine andere Strecke als ursprünglich geplant fahren und kann dadurch ihre Leistung nicht bringen. Das war letzte Woche doch kein Problem, obwohl wir auch eine abweichende Strecke gefahren sind. Die Startseite vom ICE-Portal selbst sagt dabei die ganze Zeit: „Leider ist das ICE Portal im Augenblick nicht erreichbar. Wir bitten Sie um etwas Geduld.“ Wenn das schon mal nicht geht, geht gar nichts. Nach über sieben Stunden Fahrt ist meine Geduld definitiv aufgebrochen.

Ich werde mich bei beiden Gesellschaften schriftlich beschweren. Ich glaube nicht, dass ich eine Antwort bekommen werde. Sollte ich mich doch irren, teile ich die dadurch entstandene Erheiterung hier mit.

Dazu kommt noch, dass wir schon wieder fast aber nicht ganz eine Stunde Verspätung haben. Wie letzte Woche. Verständnis dafür kann ich nicht mehr aufbringen. Man muss wenigstens zugeben, die Deutsche Bahn kann eines richtig gut: Die Verspätungen konsistent so knapp unterhalb einer Stunde halten, dass man keinen Anspruch auf Entschädigung hat.

Einige Stunden später…

Ich sitze noch im Zug. Gestartet sind wir heute Morgen mit einer Viertelstunde Verspätung. Grund dafür war eine technische Störung am Zug, oder Ähnliches. Einige Bahnhöfe später wurde sie zu einer halben Stunde. Es gab einen Polizeieinsatz, weil ein Fahrgast andere Passagiere belästigt hatte. Dann hieß es plötzlich, wir wären eine andere Strecke als geplant gefahren und hätten die Verspätung einigermaßen aufgeholt. Nur noch zehn Minuten Verspätung! Ein Zugbegleiter erzählte uns in einer fröhlichen Durchsage, dass wir sogar einen anderen Zug überholt hatten, den die Fahrgäste sonst verpasst hätten. Um direkt danach zu sagen, „es macht keinen Sinn, der ist sowieso überfüllt, man kommt nicht mehr rein“. Es hat mich an meinen Rückflug aus Israel erinnert, als eine Stewardess eine lange Durchsage gehalten hatte, für die, die gerade noch Hunger hatten, und vielleicht ein Sandwich möchten, leider leider gäbe es nichts mehr, alles wäre schon aufgegessen worden. Ich habe lachen müssen. Eine Station später mussten wir aus irgendeinem Grund lange am Gleis bleiben. Ich habe es nicht ganz mitgekriegt, ich hatte meine Kopfhörer an. Jetzt beträgt die Verspätung siebenundfünfzig Minuten[1]. Nachdem wir nach einem ziemlich brutalen Bremsen mitten im Nichts stehen geblieben sind. Bin ich froh, mir wenigstens eine direkte Verbindung ohne Umsteigen ausgesucht zu haben.

Seit Berlin sitze ich an einem Tisch. Am Nachbartisch saß ein nicht mehr so junger Mann, der ebenfalls mit seinem Laptop beschäftigt war. Er sah gar nicht schlecht aus, wobei ich es mir nur am Rande notiert hatte. Wir haben einige Banalitäten getauscht, aus Höfflichkeit, das war’s. Ich hatte mich zwecks Privatsphäre am freien Sitzplatz am Fenster verschoben und schief dort gesessen, um den Bildschirm von neugierigen Blicken zu schützen. Ich mag es nicht, wenn Fremde zuschauen, was ich gerade am Rechner mache. Der Typ am Nachbartisch ist nach drei Stunden ausgestiegen, nachdem er sich verabschiedet hat. „Untypisch, diese Freundlichkeit“, habe ich noch gedacht. Und ihn aus meinen Gedanken gelöscht.

Ich habe mich kurz danach auf Facebook eingeloggt, um meine Mami zu informieren, dass ich unterwegs war. Groß war meine Überraschung, als ich dort eine Freundschaftseinladung gesehen habe. Facebook nutze ich erstmals sehr selten und zweitens nur für enge Freunde und die Familie, die weit weg von mir wohnt. Nicht mal meine Kollegen lasse ich ran, und mein Profil ist so eingeschränkt wie es geht. Nicht suchbar, außer von Freunden. Dem Profilfoto nach zu beurteilen, stammte die Freundschafteinladung vom Typ vorhin im Zug. Äußerst unangenehm. Namentlich vorgestellt hatte ich mich nicht, und ich hätte erwartet, dass man wenigstens um die Erlaubnis bittet, wenn man schon die ganze Zeit zusammen reist. Und überhaupt, wie war er an mein Profil gekommen? Ah ja… Meine Laptop-Tasche lag die ganze Zeit auf dem Sitzplatz neben mir, den ich am Gang reserviert hatte, weil der Zug angeblich voll war[2]. Ich habe schon so lange eine Visitenkarte in der dafür vorgesehenen Hülle der Tasche, dass ich gar nicht mehr daran denke. Die Tasche lag mit der Visitenkarte sichtbar. Und Facebook hat ja die Profiladresse so eingestellt, dass man mit vorname.nachname leicht zu finden ist. Daher hatte ich meine Adresse als vorname.nachname.nummer geändert. Echte Freunde sollten mich doch noch finden können. Tja. Hätte ich wenigstens meine Visitenkarten mit meinem Ehenamen aktualisieren lassen…

[1] Mehr als eine Stunde wird es nie. Sonst müssen sie deutlich mehr Geld zurück erstatten.

[2] Pustekuchen. So leer habe ich einen Zug selten erlebt. Schön. Es ist auch angenehm kühl hier drin. Die Internetverbindung vom HotSpot der Telekom ist leider nicht so stabil, wie man es sich für 5€ wünschen würde.

Unterwegs

Ich bin für eine Woche auf Dienstreise. Es war schon lange geplant, obwohl ich nicht besonders Lust darauf hatte. Es war mal im Gespräch, dass Pawel und ich an dieser Konferenz teilnehmen. Am Ende bin ich die Einzige in der Gruppe, die hinfährt. Und diesmal halte ich nicht mal einen Vortrag. Nur ein Poster wurde angenommen. Ich bin enttäuscht. Es ist weniger Arbeitsaufwand, aber man verbreitet seine Ergebnisse nicht so effektiv. Vorträge sehe ich auch als Werbung für mich, wenn ich mich wegbewerben will. Ich nehme an, ich habe schon zu häufig über meine Arbeit bei Konferenzen geredet. Jetzt sind andere dran. Bei tausend Teilnehmern ist es klar, dass nicht jeder einen Vortrag bekommt. Kate hätte sich gefreut. Sie hasst es, Vorträge halten zu müssen.

Mein Mangel an Begeisterung für diese Konferenz hat dazu geführt, dass ich mich ziemlich spät um die Organisation meiner Reise gekümmert habe. Zug und Hotel erst am Montag gebucht. Ich hatte Glück und konnte noch ein preiswertes Hotel finden. Na ja, ziemlich teuer eigentlich, aber für das Land ist es preiswert. Die Finanzabteilung hat es genehmigt. Mit den Bahnkarten war es nicht optimal. Vor einigen Monaten hätte ich Fahrkarten für 25€ bekommen können. Jetzt nicht mehr, es ist trotzdem immer noch billiger als fliegen, also habe ich gebucht. Es dauert länger, ist aber umweltfreundlicher. Das hört man mindestens immer wieder. Der Zug ist direkt und der Bahnhof nah am Hotel. Direkt ist gut. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Verspätungen mit der Bahn gemacht. Ein oder zweimal im Jahr kann ich ja Bahn fahren. Die Sitzplatzreservierung habe ich nur gestern am sehr späten Abend gemacht. Fast hätte ich es vergessen. Sitzplätze am Tisch und am Fenster gab es nicht mehr. Ich habe einen am Tisch am Gang ergattert. Hauptsache am Tisch.

Heute Morgen hat mich der Ehemann zum Bahnhof begleitet. Ich musste nur zum Bahnhof Südkreuz, also nicht weit von zuhause. Wir sind trotzdem sehr früh angekommen. Ich will immer eine halbe Stunde vor Abreise am Bahnhof sein, wenn ich weit weg muss. Das war gut so. Als der Zug angekündigt wurde, hieß es, er wäre gestrichen. Das hat mich schon ganz schön genervt. Bei der Sitzplatzreservierung heute Nacht kurz vor eins war noch keine Rede davon. Wir sind zur Information der Bahn gegangen, und der Mann am Schalter sagte, wir sollten mit einem RE Zug, der zehn Minuten vor dem ursprünglich geplanten ICE fuhr, zum Hauptbahnhof und dort in den ICE einsteigen. Er würde auf den RE warten. Also los. Den Hauptbahnhof mag ich nicht. Er ist mir zu groß. Wir mussten heute von der tiefsten Ebene zu den Gleisen ganz nach oben gehen. Dort haben wir erfahren, dass der Zug eine Viertelstunde Verspätung hatte. So war es also. Der ICE hatte schon vor dem Start eine so lange Verspätung, dass der Halt in Südkreuz gestrichen wurde.

Als der Zug angezeigt wurde, war die erste Klasse bei den Abschnitten E-F angekündigt. Mein Wagen sollte im Abschnitt B sein. Wir haben dort gewartet. Es war angenehm, es waren nur sehr wenige Leute dort. Wahrscheinlich alle blauäugig wie ich, die den Durchsagen der Bahn blind vertrauen. Es kam genau andersrum. Die erste Klasse bei A-B, mein Wagen auf der ganz anderen Seite. Chaos auf dem Gleis, als die Reisenden quer durcheinander versuchten, zu ihren Wagen zu gelangen. Wir sind nur so lange gelaufen, bis die Menschendichte deutlich geringer wurde. Ich bin mitten im Zug eingestiegen. Sonst hätte es passieren können, dass ich bis zu meinem Wagen gegangen wäre, um den Zug ohne mich weg fahren zu sehen. Drin war es natürlich chaotisch. Stau in den engen Fluren. Ich habe den Ehemann noch neben dem Zug gesehen, als wir los gefahren sind. Ich hätte den Zug verpasst, wenn ich versucht hätte, am Gleis zu meinem Wagen zu kommen. Zehn Minuten nach Abfahrt bin ich zu meinem Sitzplatz angekommen. Der Wagen war fast leer. Alle Tische frei. Meine Reservierung war oberhalb von meinem Platz nicht vermerkt. Bei allen Sitzplätzen sind eigentlich bis kurz vom Ziel keine Reservierungen vermerkt. Vermutlich auch eine Panne.

Unangenehmer Tag

Angefangen hat er gut. Ich habe die Nacht durchgeschlafen, auch wenn ich vor dem Wecker um halb sieben aufgewacht bin. Die Waage hat mich bis jetzt noch nicht enttäuscht und zeigt immer kleiner werdende Zahlen.

Ich habe zum Frühstück den Chiasamen-Pudding gegessen. Nicht mein Ding. Eine feste Gelee-Konsistenz hatte es doch nicht. Die Samen waren gestern einfach so geschwollen, dass sie eine kompakte Masse gebildet haben. Es war glibberig und hat mir nicht geschmeckt. Ich höre hier mit solchen Experimenten auf. Die mit Haselnussmilch über Nacht eingeweichten Haferflocken gefallen mir sehr gut, noch besser als mit Mandelmilch, ich bleibe dabei. Heute Mittag habe ich mit den Kollegen gegessen. Es gab Zanderfilet mit Kartoffeln und Möhren. Super gesund, dachte ich. Leider war alles in Öl ertränkt.

Ich war heute Morgen mit der Idee aufgestanden, nach der Arbeit zu joggen. Ich war die ganze Woche nicht sportlich. Gut, am Dienstag bin ich Fahrrad gefahren. Es war aber keine so lange Strecke wie zwischen Arbeit und zuhause. Am Montag und gestern kam es nicht in Frage, weil ich es wegen Schlafmangel für zu gefährlich gehalten habe.

Um besser zu joggen, wollte ich mir eine Pulsuhr besorgen. Daher habe ich um halb fünf die Arbeit verlassen. Es gibt ein Einkaufzentrum auf der S-Bahn-Strecke, das ein Sportladen hat. Es hat leider nicht geklappt. Als ich an der S-Bahn-Station angekommen bin, hieß es, aufgrund eines Feuerwehreinsatzes zwei Stationen weiter wäre der Zugverkehr unregelmäßig. Er war so unregelmäßig, dass gar kein Zug fuhr, wie wir wenig Zeit später erfahren haben.

Ich habe also beschlossen, mit dem Bus zu fahren. Wie viele andere. An den Kreuzungen kamen mir alle Ampelphasen extrem langsam vor. Den Bus habe ich verpasst. Der nächste kam zehn Minuten später. Voll. Ich bin bis zur U-Bahn gefahren. Dort war auch der Zugverkehr unregelmäßig. Wir haben ewig am Gleis gewartet. Aber wie es so schön auf der Seite der BVG hieß: „Derzeit fließt der Verkehr der BVG weitgehend ohne Störungen“. Als ich danach umgestiegen bin, war mein nächste Bus in zehn Minuten angekündigt. Es wurden fünfzehn Minuten. Weiter hinter mir haben zwei Typen angefangen, sich zu prügeln. Warum, keine Ahnung. Ich habe Schreie gehört und mich umgedreht. Ein Typ war am Boden, ein anderer über ihn gebeugt und hat ihn heftig getreten. Leute sind zum Glück schnell gekommen, um sie zu trennen.

Als mein Bus kam, waren zwei Busse der Linie hintereinander. Der erste war klein und voll, der zweite war ein Doppeldecker. Alle Leute sind zum ersten Bus gegangen. Ich bin in den zweiten eingestiegen. Die Fahrt war anstrengend. Irgendwann hat ein Baby unten minutenlang lauthals gebrüllt. Dann wurde es still. Ich nehme an, die Mutter hatte ihm etwas zu essen gegeben. Und was ich kurz danach gehört habe, hat mich völlig entsetzt: Der Busfahrer musste eine Durchsage machen, weil essen im Bus verboten ist. Es ist doch etwas ganz anderes, ob ein Baby die Flasche bekommt oder jemand ein Döner im Bus verspeist.

Als ich ausgestiegen bin, war es schon halb sieben. Ich habe zwei Stunden zwischen Feierabend und zu Hause gebraucht. Hätte ich doch das Fahrrad mitgenommen, statt joggen zu wollen… Andererseits waren auf der ganzen Fahrt unglaublich viele Feuerwehr- und Krankenwagen unterwegs. Wegen der Halbfinale? Es war vielleicht kein guter Tag, um Fahrrad zu fahren.

Ach, übrigens, ich freue mich, dass ich heute Nacht in Ruhe schlafen werde, ohne von Böllern und hupenden Autos gestört zu werden. Yeah!

Endlich Urlaub

Erster Urlaubstag. Und ich habe nichts für die Arbeit zu tun. Frei. Ich konnte heute bis neun Uhr schlafen. Normalerweise, nicht mal am Wochenende schaffe ich das. Aufgewacht bin ich, weil ich einen stressigen Traum hatte.

Ich war in einem Flughafen. Ich stand in einer langen Schlange und unterhielt mich mit einem gerade kennengelernten jungen Mann. Ich weiß nicht mehr worüber, aber es war sehr interessant. Plötzlich habe ich an der Tafel gesehen, dass mein Flugzeug nach Tel’Aviv in fünf Minuten starten würde. Ich habe mich von jungen Mann verabschiedet, die Schlange verlassen und bin zur Sicherheitskontrolle gerannt. Dort habe ich meine Tasche ausgepackt, da ich mein Laptop hatte. Ich habe am anderen Ende des Röntgengerätes auf meine Sachen gewartet. Doch die Frau wollte mir meine Tasche erstmal nicht zurück geben. Drin hatte ich Flüssigkeit. Stimmt. Die Körperlotion. Wie dumm von mir, sie vor der Sicherheitskontrolle gekauft zu haben. Ich habe der Frau erklärt, dass meine Haut sehr empfindlich ist und nach dem Duschen manchmal stark brennt. Sie hat es eingesehen und mir erlaubt, die Lotion zu behalten. Aber das mit dem Wein wäre zu viel. In meiner Tasche war plötzich noch eine kleine angebrochene Flasche Rotwein, und ich hielt in der Hand ein gefülltes Glas und nippte dran. Die Flasche hatte ich beim Kauf der Lotion geschenkt bekommen. Ob die Frau sie behalten möchte? Ich brauchte sie nicht. In dem Moment hat der Angestellte am anderen Röntgengerät hinter mir angefangen, mich am Kopf und Oberkörper anzufassen. Sanft, als ob er mit mir schmusen wollte. Ich habe mich umgedreht und zu ihm geschaut. Er machte weiter, mit dem Hinterkopf zu mir gerichtet, und war gleichzeitig mit seinen Passagieren beschäftigt. Ich habe mich um meine Tasche gekümmert und meine Sachen gepackt. Kate, die rechts neben mir erschien, sagte, dass wir zu spät waren, der Flugzeug wäre schon gestartet. Tomasz, links von mir, war entsetzt. „Was für eine Scheiße“, habe ich laut gerufen. Ich wollte nicht zu meinem Ziel über Jerusalem fliegen. Es wäre mir viel zu gefährlich. Der Mann (es war auf einmal keine Frau hinter dem Gerät) meinte, ich könnte um sieben Uhr abends nach Be’er Sheva fliegen.

Ich bin aufgewacht. Hinter mir schlief Martin. Seine Hand lag auf meinem Kopf.

Stresstraum. Nach Sylvester muss ich wirklich hin. Dienstlich. Ich bin eingeladen, um junge Wissenschaftler auszubilden und nebenbei Programm #1 vorzustellen. Diesmal habe ich nichts zu vorbereiten, denn es ist eine sehr ähnliche Veranstaltung wie letzte Woche. Ich kann die Präsentationen wieder benutzen und mich fürs Jahresende entspannen.

Letzte Woche war hart. Ich habe von der Stadt nicht viel mitbekommen, außer dass es viele renovierungsbedürftige Gebäude gibt. Am Montag vormittag habe ich geprüft, dass die Software für meine Präsentationen alle richtig funktionieren. Ein Programm lief nicht, und da alle Rechner für die Teilnehmer schon geklont wurden, durfte ich ihn auf allen fünfzehn Rechnern kompilieren. Die Organisatoren waren sehr dankbar. Danach bin ich mit meiner dortigen Kollegin Beata zum Weihnachtsmarkt gegangen. Sehr schön. Die Schlemmerinsel in der Mitte vom Platz hat mir vor allem gefallen.
20151214_Weihnachtsmarkt
20151214_Glühwein
Die ganze Woche musste ich jeden Tag etwas vortragen, und es waren außer mir noch andere Dozenten auf verschiedenen Ländern eingeladen. Ich habe viele neue Leute kennengelernt. Am Dienstagabend haben wir einen langen Spaziergang an der Donau gemacht. Am Mittwochabend hat eine Migräne zugeschlagen und ich bin mit zwei Aspirin-Tabletten ganz früh ins Bett gegangen. Am Donnerstagabend hatten wir ein gemeinsames Abendessen. Deutlich besser als das Essen an der Mensa, das wir mittags bekommen hatten. Riesige Portionen, die der Koch hinter den Glasscheiben unappetitlich zwischen Löffel und Daum auf den Tellern geschaufelt hatte. Am Freitag hat mich Beata eingeladen, um nach der Veranstaltung einen Vortrag in ihrem Institut zu halten. Die Leute dort waren sehr interessiert. Vielleicht kommen einige nach Berlin, um Experimente zu machen. Ich bin um halb neun zurück gelandet. Martin hat mich abgeholt und wir haben bei einem Italiener gegessen. Erstaunlicherweise habe ich mich top fit gefühlt.