Ich hatte es geahnt

Meine Zweifel haben sich bestätigt. Nicht über uns als Paar, selbst wenn ich mir weiterhin gerne mehr Zeit für mich alleine wünschen würde. Wir verstehen uns gut, auch wenn wir uns nicht immer einig sind. Er neigt aber dazu, zu viel Geld ausgeben zu wollen und über seine Verhältnisse zu leben, und es macht mir Sorgen. Ich kann es aber nicht richtig schätzen, vielleicht bilde ich es mir nur ein. Ich weiß nicht mal, wie viel er im Monat verdient, nur, dass er eine niedrigere Einstufung als ich hat. Der Sex ist weiterhin wunderbar.

Ich meine eher sein berufliches Engagement. Letzte Woche hat Winfried mit ihm gesprochen. Er hat zu wenige Ergebnisse bekommen, um eine Doktorarbeit noch rechtzeitig zu schaffen, er sollte sich ab jetzt auf seine Stärke konzentrieren. Es war mir schon lange klar, aber ich habe mich nicht in der Lage gesehen, es ihm zu sagen. Es ist die Aufgabe von Uschi und Winfried, nicht meine. Hinweise habe ich ihm gegeben, es hat nicht geholfen. Selbst bei seinen späteren Messungen hat er sich nicht genug Zeit genommen. Es hat es letztens verpennt, seine Daten rechtzeitig auszuwerten, mit dem Ergebnis, dass sie aus unserem Server gelöscht wurden. Archiviert hatte er sie nicht. Das Thema hat ihn einfach nicht genug interessiert. Er hat es angenommen, weil es ihm angeboten wurde, aber ohne Begeisterung. Es gab noch gestern ein Treffen mit Uschi. Das Thema Doktorarbeit ist nun aus. Sein Arbeitsvertrag wird nächstes Jahr nicht verlängert. Ich habe ihm gesagt, er soll sich jetzt schon auf Stellen bewerben.

Klar, wenn er sich in seinem Thema vertieft hätte, hätte er zwangsweise Überstunden gemacht. Das ist nicht gut, wenn die Arbeitszeit geprüft wird. Man wird nach zu vielen Überstunden gemahnt. Mit seinem vollzeitigen Arbeitsvertrag hätte er es sehr schwer gehabt, nebenbei eine Doktorarbeit zu machen. Er hätte auch weniger Zeit gefunden, um mit mir zu sein, und ich bin froh, dass wir viel Zeit für einander haben. Ich habe mich schon gefragt, wie Uschi und Winfried es je für realistisch halten konnten, dass man in zwei Jahren neben einem normalen Job genug Ergebnisse bekommt, um erfolgreich zu promovieren. Was haben sie sich denn gedacht? Ich habe selber fast vier Jahren gebraucht, als ich zwanzig Jahre jünger als er jetzt und so fit war, und meine Stelle war aus Drittmitteln nur für meine Doktorarbeit finanziert, ein Luxus. Andererseits ist es mir manchmal nervig zu sehen, wie langsam er seine Aufgaben erledigt. Ich denke, mit einer besseren Planung seiner Arbeitszeit hätte er sicherlich mehr schaffen können. Ich denke aber nicht, dass er wirklich in der Lage dazu gewesen wäre. Sonst hätte er sein Physikstudium fertig gebracht. Und mit Mitte vierzig frage ich mich, welchen Vorteil ein frisch erworbener Doktortitel noch bringen kann.

Es hat ihn auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Er stellt sich selber in Frage und wundert sich, ob er geeignet für eine Doktorarbeit war, oder von vorne rein zum scheitern verurteilt war. Ich weiß nicht. Als er das Angebot bekommen hat, kannten ihn Winfried und Uschi kaum. Vielleicht meinten sie ernsthaft, es würde klappen. Ich habe aber bei unseren Gruppen-Meetings früh im Sommer gemerkt, dass Uschi nicht ganz mit seiner Art zufrieden ist und ihm mit Mühe zuhört. Er ist häufig ungeduldig mit ihm gewesen, weil er seine Arbeit nicht schnell genug macht. Dafür hat er ihm nicht viel Hilfestellung gegeben, kaum Anweisungen erteilt, und das würde man aus einem Doktorvater, den man täglich sehen kann, schon erwarten. Aber vielleicht bin ich in meinem früheren Institut zu verwöhnt gewesen.

Mir gegenüber verhält er sich gut. Er ist besorgt, aber eine Doktorarbeit wollte er nicht unbedingt machen. Es war nur für ihn gut, weil er dadurch eventuell in der Gruppe auf eine Stelle kommen könnte, um ein Gerät wissenschaftlich zu betreuen. Es könnte daraus eine unbefristete Stelle werden, so hat er es erzählt bekommen. Außerdem meinte er, sich in der Industrie mit einem Doktortitel auf bessere Stellen bewerben zu können. Ich habe ihm nicht erzählt, dass Uschi und Winfried mir angeboten haben, genau das gleiche Gerät zu übernehmen, wenn ich im kommenden Sommer den Arbeitgeber wechsle und in der Gruppe integriert werde. Ich hatte damals schon den unangenehmen Eindruck, dass sie mich als Ersatz für ihn gesehen haben. Dass es eine unbefristete Stelle geben soll, habe ich allerdings nicht von ihnen gehört. Ich denke, das hat er sich selber eingeredet.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Wie man ein Vorstellungsgespräch zum Scheitern bringt

Es gibt bestimmt viele Möglichkeiten. Diese kannte ich noch nicht. Uschi hatte es uns erzählt, aber ich hatte noch nicht darüber geschrieben.

Wir hatten vor einiger Zeit für mehrere Stellen in der Arbeitsgruppe eine Reihe von Kandidaten zu Besuch. Dabei hatte mir eine Kandidatin für die zweite Stelle einen guten Eindruck gemacht. Sie wirkte kompetent, hatte einen verständlichen Vortrag geliefert, was bei mir als Laie immer gut ankommt, und die Fragen danach gut behandelt. Beim Gruppengespräch fand ich sie sympathisch. Am Ende des Tages hatten wir mit Uschi über alle Kandidaten diskutiert. Er konnte sich nicht richtig entscheiden, mit einer kleinen Präferenz für diese Kandidatin. Ich dachte, sie hätte es geschafft.

Einige Tage später kam Uschi zu uns und meinte, er hätte sich für eine andere Person entschieden. Der Grund gegen die Kandidatin lag in ihrer Reisekostenabrechnung. Sie kam aus einem deutschsprachigen Nachbarland und war schon ein paar Tage vorher hierher geflogen. Mit ihrem Freund. Sie wollte die Gelegenheit nutzen, um mit ihm die Stadt zu besuchen. Beim Gruppengespräch hatten wir unter anderem über Sehenswürdigkeiten diskutiert. Ihr Hotel lag nicht weit weg vom Institut. Am Tag des Vorstellungsgespräches war sie aber mit Taxi gekommen und weggefahren, und hatte uns die Abrechnung dafür geschickt. Obwohl sie sehr gut Deutsch kann und mit öffentlichen Verkehrsmitteln hätte fahren können. Obwohl die Vorträge vormittags um 10:00 angefangen hatten, und sie locker Zeit gehabt hätte, um mit Bus und Bahn zu kommen. Das hat Uschi gar nicht gefallen. Er fand es unverschämt. Wir sind im öffentlichen Dienst, wir schwimmen nicht im Geld. Er meinte, sie würde uns zu Narren halten, wenn wir sie einstellen. Die Reisekosten haben wir bezahlt, und sie hat eine Absage bekommen. So einfach kann es also gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Kernel panic

Es fing damit an, dass Uschi mich vorgestern gefragt hatte, openVPN auf meinem Rechner zu installieren, damit ich von meinem Rechner aus mein Programm auf seinem Mac laufen lassen kann. Ich hatte bis gestern noch keine Zeit gehabt, als er mich fragte, ob die Installation erfolgreich war. Gegen 18:00 habe ich also angefangen, mich darum zu kümmern, und habe festgestellt, dass seit mein Vorgänger die Arbeitsgruppe verlassen hat, kein Update gemacht wurde. Kann ich gleich machen, dachte ich. Als root mit su - einloggen, dann yum -y update. Es waren 144 davon in der Liste. Eine Meldung zum Entfernen und zur Neuinstallierung von Kernel wurde auch angegeben. Wenn yum das vorschlägt, kann es wohl nicht schaden, dachte ich mir naiv. Danach habe ich openVPN installiert und es irgendwie nach gegoogelten Anleitungen konfiguriert. Es war schon fast 20:00 und ich war mit Martin verabredet, daher habe ich mich ausgeloggt und Feierabend gemacht.

Heute Morgen angekommen, eingeloggt… Geht nicht. Ich dachte zuerst, ich hätte mich beim Eintippen vom Passwort vertippt, aber nach dem vierten Mal kann es nicht sein. Capslock war aus. Auf meinem Testrechner habe ich mit dem gleichen Passwort kein Problem gehabt. Und mit ssh konnte ich mich auf meinem Rechner einloggen. Merkwürdig. Vielleicht sollte ich den Rechner nach den vielen Updates von gestern neu starten? Tja, beim Hochfahren kam die Meldung:

Kernel panic - not syncing: Attempted to kill init!
Pid: 1, comm: init Not tainted 2.6.32-431.1.2.el6.i686 #1
Call Trace:
[] ? panic+0x6e/0x122
[] ? do_exit+0x741/0x750
[] ? do_group_exit+0x3c/0xa0
[] ? sys_exit_group+0x11/0x20
[] ? sysenter_do_call+0x12/0x28

Nicht nur der Kernel hat Panik bekommen. Mein IT-Kollege war schon um 08:30 mit anderen Aufgaben überlastet und hatte keine Zeit. Wie üblich.

Nach mehreren gezwungenen Neustarten habe ich gemerkt, dass ich mit ESC zum Boot-Menü gehen konnte, und dort waren drei Versionen von Scientific Linux vorhanden. Die erste führte zum Kernel panic. Mit der zweiten konnte ich meine Login-Daten angeben, aber nach einem scheinbaren Start meiner Session kam das Login-Fenster wieder. Mit der dritten und ältesten Version bekam ich nur einen schwarzen Bildschirm mit einem blinkenden Kursor. Nur mit der zweiten konnte ich mich von meinem Testrechner aus durch ssh einloggen.

Mit yum history undo xxx dachte ich, die Lösung gefunden zu haben. Aber jetzt sieht es so aus:

Kernel panic - not syncing: VFS: Unable to mount fs on unknown-block(0,0)

Ich kann mich nun gar nicht mehr ins Rechner anmelden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.