Das Wochenende in Bildern

Das Wochenende hat mit einem Besuch beim Pasinger Viktualienmarkt angefangen, wie inzwischen jedes Wochenende. Zuerst ein leckeres Frühstück bei Banandi’s Deli. Fantastisch leckere Brotscheiben mit Avocado-Frischkäse-Aufstrich, ein Traum, der Tag kann kaum besser anfangen. Gefrühstückt haben wir draußen. Frisch und regnerisch, aber die Terrasse ist überdacht.

Nach dem Einkauf sind wir zurück nach Hause gefahren. Mit der S-Bahn, und ich habe mich darüber geärgert, dass es schön wieder am Wochenende Fahrplanänderungen wegen Bauarbeiten gibt. Die Stammstrecke war teilweise gesperrt. Zu Hause merkt man in den Abfahrzeiten keinen Unterschied, aber in Pasing fahren die Züge fünf Minuten früher als sonst (und von einem anderen Gleis aus), weil sie direkt danach in Westkreuz aus irgendeinem schleierhaften Grund fünf Minuten stehen bleiben. Sprich: Wir haben die S8 am Gleis weg fahren gesehen und durften ganze fünfundzwanzig Minuten auf die nächste S8 warten, weil die mit fünf Minuten Verspätung angekommen ist. Dieses eine Mal wo wir ausnahmsweise S-Bahn statt Auto zum Markt gefahren sind, weil es für die Strecke „zeitlich nichts bringt“, Auto zu fahren! Wir vergeuden viel zu viel Zeit im ÖPNV.

Das Wetter war den ganzen Tag sehr naß und wir sind zu Hause geblieben. Ich habe gebacken.

Heute bin ich viel zu früh aufgewacht. Kurz nach sechs. Ich habe mich am Rechner beschäftigt, bis der Ehemann aufgestanden ist. Das Frühstück war klasse, da wir gestern noch kurz beim orientalischen Pasinger Frischemarkt waren, und ich Rosenkonfitüre gekauft habe. In Berlin hatte ich vergeblich danach gesucht und ich war gestern überglücklich, welche gefunden zu haben. Auf Fladenbrot mit Salzbutter, hmm…

Da es immer noch geregnet hat, bin ich zurück zum Rechner gegangen. Ich habe mich in letzter Zeit mit vielen Online-Kursen beschäftigt. Unter anderen habe ich mir jetzt dank openHPI Kenntnisse in der Programmiersprache Ruby angeeignet. Ruby ist… Komisch. Man kann ganz schnell und kompakt Code schreiben, wofür man in anderen Sprachen mehrere Zeilen benötigen würde, aber die Denkweise liegt mir nicht. Meine Lieblingssprache wird es nicht. Ich habe heute die letzten Abschlußprüfungen geschrieben.

Nachmittags ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Obwohl es immer noch kalt und regnerisch war, bin ich für einen Spaziergang raus gegangen, während der Ehemann seine Unterlagen für unseren Steuerberater zusammen suchen musste. In Richtung Sankt Gilgen, an Feldern vorbei… Die Bauarbeiten an der Kreuzung am Bahnhof Neugilching dauern seit mindestens vier Monaten, und ich sehe seitdem überhaupt keinen Fortschritt. Der Ehemann ist der Meinung, dass viele Baustellen in der Gegend nicht voran kommen, weil es an Geld fehlt.

Den Spaziergang habe ich kurz gehalten, da ich feststellen musste, dass meine Regenjacke dringend neu imprägniert werden muss, und meine Hose schnell durchnässt und eisig wurde. Eigentlich hatte ich mir im Sommer einen Regenponcho für das Freiluftkino besorgt, warum bin ich nicht auf die Idee gekommen, ihn anzuziehen?

Abends habe ich wieder gekocht. Die Pastinaken-Suppe (ohne Speck), mit ein bisschen vom Schinken-Karotten-Cake von gestern. Beim Pürieren von der Suppe ist mir eine kochende Blase in dem Topf hochgekommen und hat so an der Oberfläche explodiert, dass ein Tropf auf meinem Daum gelandet ist. Das hat sau weh getan, und tut es immer noch. Jetzt habe ich eine dicke Blase.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Schneckencreme als Kosmetik für die Haut

Ich wollte mich darüber informieren, weil ich über Weihnachten bei meinem Vater eine Reportage im Fernseher darüber gesehen habe. Es war gerade nach der Tagesschau von mittags, also beim Kaffee trinken nach dem Mittagessen (na dann Prost… nee, eine Schneckenfresserin bin ich nicht, Froschschenkel will ich auch nicht probieren). Ich habe nur Teile der Reportage wieder gefunden (hier, und hier, nicht auf Deutsch).

Ich habe am Anfang der Reportage nicht wirklich aufgepasst. Ein Mann wurde interviewt, anscheinend ein Arzt in einer Klinik in Südamerika (Chile), der Leute mit verbrannter Haut behandelte. Er hatte diese Creme aus dem Schleim von Schnecken entwickelt – Achtung, nur eine bestimmte Schneckensorte aus Südamerika – mit deren Hilfe er den Zustand der Haut behauptete zu verbessern, das heißt, nach Anwendung der Creme würde man eine deutliche Reduktion der Narben auf verbrannten Hautteilen feststellen, das Ergebnis könnte man mit anderen Methoden gar nicht so gut bekommen. Der Journalist fragte, ob er diese spektakulären Ergebnisse veröffentlicht hatte. Als eher neutrale Zuschauerin habe ich dann gemerkt, wie der Arzt anfing ein wenig zu stottern und seine Stimme leiser wurde, als er sagte, ja, ein Paper gäbe es, die Ergebnisse waren nicht signifikant. Aha. Was bedeutet „nicht signifikant“? Man kann mit den Ergebnissen nicht beweisen, dass die Creme wirkt. Aber der Preis der Creme pro Kilo war sehr hoch, immerhin ist 1kg Schneckenschleim aus Chile 1000€ Wert, und das Produkt lässt sich super im Ausland exportieren, und da war unser Arzt wieder ganz stolz beim Erzählen, als er das gefährliche Thema sehr schnell begraben hatte.

Tut mir nicht Leid, ich glaube nicht einfach blind, was man im Fernsehen alles erzählt bekommt. Hoffe ich mindestens (na ja, dafür müsste ich zuerst selber einen Fernseher besitzen, was ich aber nicht will). Nicht signifikante Ergebnisse, aber trotzdem eine Creme teuer verkaufen? Für mich grenzt es an Betrug. Natürlich macht man da mindestens eine Suche auf Internet. Bei meiner Suche nach „Helix Aspersa Müller“, laut Elicina der Wunderwirkstoff dieser Creme, bin ich auf diesen Artikel von 2009 gestolpert, The efficacy of Helix aspersa Müller extract in the healing of partial thickness burns: a novel treatment for open burn management protocols, von den griechischen Wissenschaftlern D. Tsoutsos, D. Kakagia und K. Tamparopoulos. Man braucht keinen Zugang zum Artikel, denn die wesentlichen Ergebnisse sind im Abstract angegeben. Eine Gruppe A, die 27 Erwachsenen mit Gesichtsverbrennungen enthält, wurde mit einer Schneckencreme behandelt. Eine Kontrollgruppe B, mit 16 anderen Patienten, wurde mit einer konventionelleren Methode behandelt. Verglichen wurde die Heilungszeit der Haut, die ich mit Z abkürze (genauer gesagt, ab wann die Kruste der Wunde von der Haut runterfällt). Mit bestem Willen sehe ich keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen. In Gruppe A beträgt Z 9+/-2 Tage, in Gruppe B 11+/-2 Tage. Wie es in der Reportage hieß, sind diese Ergebnisse nicht signifikant. Bitte die Standardabweichungen (kurz σ) betrachten! 9+/-2 bedeutet zwischen 7 und 11, 11+/-2 bedeutet zwischen 9 und 13 (es ist grob vereinfacht dargestellt und ist in Wirklichkeit komplizierter). In meiner Branche betrachten wir zwei Werte Z1 und Z2 als signifikant unterschiedlich, wenn sie sich innerhalb von 3σ unterscheiden, das heißt, dass die Bereiche Z1+/-3σ1 und Z2+/-3σ2 sich nicht decken. In dieser Studie sind die Heilungszeiten aber innerhalb von 1σ schon gleich. Wer noch behauptet, in Gruppe A wären bessere Ergebnisse nachgewiesen, hat keine Ahnung von Statistik. Außerdem wissen wir nicht, ob die Wunden in beiden Gruppen gleich groß sind, da müsste man den Artikel lesen, um zu sehen, ob die Fläche der Wunden berücksichtigt wurde. Das könnte das Ergebnis auch total verfälschen. Dass die Schneckencreme besser als andere Mittel funktioniert, kann man also nicht behaupten. Für bessere Ergebnisse, das heißt, um kleinere Standardabweichungen zu bekommen, müsste man die Größe der Gruppen in der Studie stark erhöhen. Das einzige, was die Studie eindeutig zu zeigen scheint, ist, dass die Schmerze bei Gruppe A nicht so stark sind (wenn ich pain scores richtig übersetzt habe). Der Argument würde wiederum für mich sofort für die Schneckencreme sprechen – vorausgesetzt, man hat nicht „aufs Versehen“ alle Patienten mit kleineren Wunden in Gruppe A gesteckt. Und merken wir auch noch, dass die Studie sich nur mit dem Heilungsprozess beschäftigt, nicht mit der Reduzierung von Narben.

Die Reportage ging weiter. Ein Verkäufer wurde gefilmt, als er in einer Apotheke versuchte, die Schneckencreme zu verkaufen. Die Vorteile der Creme wurden ausführlich dargestellt. Als der Inhaber der Apotheke, halb interessiert, fragte, wie er Frau X. aus der Nachbarschaft dazu bewegen könnte, die Creme zu kaufen, meinte der Referent: „Einfach! Wissen Sie, wie schnell Schnecken ihre Schale reparieren, wenn man drauf tritt? Man könnte meinen, die sterben gleich, aber nein, die reparieren die Schale und leben weiter. Das alles dank dem Schleim, der in dieser Creme enthalten ist!“ Ich habe gelacht und gedacht, „Gut, wenn ich mal eine Schale bilden soll, weiß ich, wie ich sie reparieren kann, bis dahin brauche ich den Zeug nicht“. Die Reaktion vom Inhaber war aber gleich, „Tja, Schade, dass wir keine Schnecke sind“. Und ich habe mich als gute Wikipedianerin auch sofort gefragt, ob die Geschichte mit der Schale wirklich stimmt (ich hatte ein dickes {{refnec}} im Kopf). Hat der Inhaber der Apotheke die Creme anschließend gekauft? Ich weiß es nicht mehr. Im Laufe der Reportage hatte ich den Eindruck, der Journalist hätte Spaß daran gehabt, die ganzen Unstimmigkeiten über das Produkt zu zeigen, um sich darüber lustig zu machen. Es war für mich so enorm, dass ich dachte, keiner kann rein fallen, der die Reportage sieht. Seufz. Mein Vater, der ebenfalls die Reportage neben mir gesehen hat, war am Ende bereit, selber für das Produkt zu werben.

Gibt es noch etwas zu erzählen, um das Thema zu ergänzen? Eigentlich ja, und sicherlich nicht wie ihr jetzt denkt. Aus meiner eigenen Erfahrung (igitt). Ich hatte vor vielen Jahren mit meinen Kollegen an einen Betriebsausflug teilgenommen. Es war Ende Frühling, wir hatten auf der Wiese Frisbee gespielt. Mir war’s richtig warm. Ich habe meine Schuhe beim Spielen ausgezogen. Und ja, wenn ihr bis hier durchgelesen habt, vermutet ihr schon, was mir passierte: Ich bin auf eine dicke Nacktschnecke getreten. Richtig igitt. Ich habe sofort mit einem Taschentuch das ganze zwischen meinen Zehen gewischt, habe den Spaß am Spielen verloren und habe nur noch die anderen zugeschaut. Mit Wasser konnte ich nicht sofort spülen, erst später zu Hause habe ich es gemacht. Und ich habe mehrere Tage lang eine unglaublich zarte Haut auf dem Fuß gehabt, so schön weich, das hatte ich noch nie erlebt.

Die Moral von der Geschichte: Ach, es könnte was dran geben. Nur nicht alles mischen. Zarte Haut und reduzierte Narben sind ganz andere Sachen. Solange es keine referierte wissenschaftliche Veröffentlichung gibt, die die Wirkung der Creme beweist, traue ich diesem ganzen Kosmetik-Geschäft nicht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.