Wieder im Lande

Wir haben die Zeit nach Weihnachten bei meiner Familie verbracht. Am Sonntag geflogen, und gestern hieß es wieder, ab nach Hause.

Natürlich konnten wir in der kurzen Zeit nicht alle besuchen. Wir haben bei meiner Mutter übernachtet, haben einen ruhigen Silvesterabend verbracht, und sind danach zu meiner Schwester gefahren. Der Neffe konnte sich noch an uns erinnern. Lustig war, als wir die Ziegen und Hühner vom Nachbar besucht haben. Die Hühner haben mit ihren Krallen den Boden gekratzt, um nach Würmern zu suchen. Der Neffe hat es nachgemacht. Zuerst hat er mit den Füßen das Gras geschrubbt, dann hat er sich mit dem Gesicht ins Gras fallen lassen, um mit seiner Nase etwas zum Essen zu finden. Voll süß. Am Donnerstag waren wir wieder bei meiner Mutter, und gestern war der Bruder mit seiner Freundin kurz da, bevor wir abgefahren sind. Ein Scoop: Die Beiden wollen jetzt Eltern werden. Es klappt jedoch nicht. Da Fastschwägerin vierzig geworden ist, wird es sicherlich schwierig. Ich hoffe, ihr bleiben meine Erfahrungen erspart. Meine letzte Fehlgeburt liegt nun zwei Jahre her, als ich gerade vierzig war. Seitdem bin ich, glaube ich, nicht mehr schwanger geworden.

Gestern hat blöd angefangen. Kurz bevor wir zum Dorfmarkt aufgebrochen sind, hat mein unterer Rücken laut geknackt. Das macht er ab und zu, seitdem ich Ischiasprobleme hatte, unten links im Becken-Bereich. Meistens fühlt es sich gut an, wenn es knackt, als ob eine Blockade sich dadurch lösen würde. Gestern war das Knacken anders, und ich habe seitdem Schmerze bekommen. Ich kann wieder nicht mehr lange stehen bleiben. Mein Becken knackt leicht, wenn ich das linke Bein heben muss, und ich fühle mich blockiert. Es strahlt auch ein bisschen ins Po und der linke Fuß kribbelt. Der Ehemann musste gestern meinen Koffer und meine Laptop-Tasche tragen, zusätzlich zu seinen Sachen.

Wir sind viel früher als nötig abgefahren, weil ich eigentlich schon seit Wochen ahnte, dass wir nicht so leicht zurück zum Flughafen kommen würden. Ich war überrascht, dass wir ohne Problem zu meiner Mutter und meiner Schwester fahren konnten. Aber gestern war Samstag, das erste Wochenende im Jahr, und im Fernseher hieß es, dass die gelben Westen wieder zu Aktionen gerufen hatten. Die Einfahrt zur Autobahn in Le Muy war eingeschränkt und es staute am Kreisverkehr davor. Ich glaube, wir sind kurz zu Beginn der Autobahnsperrung angekommen. Ein Stückchen weiter warnte uns ein LED-Schirm über einen Stau sechs Kilometer weiter, und wir haben die nächste Ausfahrt in Puget-sur-Argens benutzt, um weiter auf kleinen Straßen zu fahren. Das war die beste Entscheidung überhaupt, denn in Fréjus war die Mautstelle komplett gesperrt. LKWs hatten sich vor jeder Schranke gestellt, wie wir von einer Brücke direkt oberhalb sehen konnten. Wer weiß, wann wir in Nizza angekommen wären, wären wir auf der Autobahn geblieben…

Um halb fünf waren wir bei der Autovermietung am Flughafen, und wir hatten noch viel Zeit, bis zu unserem Flug nach München um 19:35. Ich konnte zum Glück sitzen, während der Ehemann in der Schlange für die Gepäckabgabe gestanden hat. Mein Rücken tat richtig weh. Wir haben dann die Zeit am Restaurant auf der Etage nach der Sicherheitskontrolle verbracht. Das Restaurant hatte blöderweise nichts zum Essen, weil es Samstag war. So gut besucht ist der Flughafen wohl nicht. Wenigstens gab es Pastis. Kurz vor Boarding sind wir zu den anderen Reisenden in die Wartehalle gegangen. Das Restaurant hatte eh um 19:00 Feierabend (es ist schlimmer als in Bayern). Um 19:05 kam dann eine Durchsage: Unser Flug sollte über eine Stunde Verspätung haben. Keine weitere Information, und gar keine Mitarbeiter, um nachfragen zu können. Sowohl die App als auch die Webseite von Lufthansa zeigten noch den Flug als pünktlich an. Würden wir denn noch an dem Tag nach Hause fliegen können, oder sollten wir über eine zusätzliche Übernachtung nachdenken? Würden wir rechzeitig Bescheid bekommen? Mein Vielflieger von Ehemann hat die Hotline angerufen und ihm wurde erzählt, dass aufgrund von schwerem Schneefall in München alle Flüge verspätet oder gar annulliert wurden. Die Maschine nach Nizza wäre gerade erst abgeflogen, wir würden aber zurück fliegen können. Es hätte nur so viele Flugausfälle und Verspätungen gegeben, dass sie gar nicht mehr in der Lage gewesen wären, die Informationen auf der Webseite zu aktualisieren. Die LIMS-Programmiererin (also, ich) hat dafür kein Verständnis.

Um 21:00 fing das Boarding an, anderthalb Stunden später landeten wir in München. Es hat über eine halbe Stunde gedauert, bis wir unsere Koffer bekommen haben. Ich habe wieder zum Glück die ganze Zeit sitzen können, und es war gut, weil mein Rücken sich in der Zeit so gut erholen konnte, dass wir bis zur S-Bahn ein wenig laufen konnten. Nicht super schnell, aber schneller als beim Gehen. Die S8 nach Herrsching von 23:14 haben wir gerade noch erwischt, die Nächste wäre erst vierzig Minuten später abgefahren. Um zwanzig vor eins waren wir endlich zu Hause.

Heute habe ich mich geschont. Ich hatte mich für die Nacht mit Voltaren eingecremt und es ging, beim Aufstehen. Ich spüre aber, dass es schlimmer werden könnte, wenn die Blockierung sich nicht löst. Mit einem Schal habe ich den Becken den ganzen Tag warm gehalten, und ich habe vor dem Abendessen schön warm gebadet. Trotzdem klemmt’s weiter. Ich fürchte, dass es morgen auf Arbeit schwierig werden könnte. Vielleicht sollte ich wieder Diclofenac einkaufen gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Auf in den Urlaub

Ich sitze in dem Zug nach Frankfurt, zur Familie vom Ehemann. Die BahnCard hat sich noch gelohnt. Wir sind kurz vor Neustadt an der Aisch und es schüttet wie aus Eimern. Ich fühle mich nicht besonders gut, was an den Sturm von heute Nacht liegt. Ständig bin ich aufgewacht, obwohl ich sehr müde und mit Migräne ins Bett gegangen war. Der Wind war so stark, dass ich dachte, ein Flugzeug würde übers Haus fliegen. Wir wohnen nicht weit vom Flughafen Oberpfaffenhofen, wobei man eigentlich kaum etwas fliegen hört. Aber nein, es war der Wind. Um halb sechs bin ich zuletzt aufgewacht, und ich konnte nicht mehr einschlafen. Zum Glück gab es keine Auswirkung auf meine Bahn-Strecke.

Wenigstens konnte ich noch die Jahresplaner fertig stellen, bevor ich die Wohnung heute morgen verlassen habe. Und ich habe daran gedacht, sie in den Koffer zu packen. Das wär’s noch gewesen. War das vielleicht ein Stress! Hätte ich gewusst, was für ein Aufwand das ist, hätte ich doch etwas anderes als Weihnachtsgeschenk gemacht. Für eine Person geht’s, aber nicht für vier. Der Ehemann ist zuversichtlich, dass es gut ankommen wird. Das will ich hoffen.

Der Ehemann ist auch mit der Bahn nach Frankfurt unterwegs, aber er ist vorher nach Berlin gefahren, um mit seinem Vater zu reisen. In seinem Alter traut er sich nicht mehr, mit Gepäck alleine zu reisen. Alles ist ihm umständlich geworden. Da der Ehemann arbeitslos ist, hat er Zeit. Bewerbungen hat er schon viele geschrieben, seit der Ankündigung seiner Entlassung vor fünf Wochen. Ein Vorstellungsgespräch gab es auch, letzte Woche. So richtig scheint es aber nicht zu passen. Nach Weihnachten tut sich wahrscheinlich mehr.

In Würzburg scheint jetzt die Sonne. Die Fahrt läuft sehr angenehm, was am Komfort der ersten Klasse liegt. Einmal erste Klasse gefahren, nie wieder zweite Klasse fahren, sage ich. Für unsere Verbindung wurde empfohlen, Sitzplätze zu reservieren, aber bei uns sind noch Sitzplätze frei. Der Reisebegleiter hat mir einen tollen Kaffee am Anfang der Fahrt gebracht. Internet funktioniert. Wir sind pünktlich. Ich weiß seit Kurzem, dass alles unter sechs Minuten Verspätung für die Deutsche Bahn als pünktlich gilt, aber wir sind wirklich wirklich pünktlich. Wir waren es zwischendurch nicht, jetzt doch wieder.

Am anderen Tisch neben mir sitzt eine junge amerikanische Familie mit Säugling, auf dem Weg zum Flughafen. Zufällig hat eine andere Amerikanerin den Sitzplatz ihnen gegenüber am Tisch gebucht, und seit München sind sie nur am quatschen. Ununterbrochen. Für mich als Sozialmuffel sehr bewunderswert. Ich kann es nicht, so lange über so viele Sachen diskutieren. Vielleicht kommt es, wenn man ständig ein Säugling an der Brust hängen hat und nichts anderes machen kann.

Ich freue mich auf die nächsten stressfreien Tage. Gut, so stressfrei ist es bei Weihnachtsbesuchen nie, aber endlich mal vom Job auszuschalten ist toll.


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Wochenende in Lindau

Eine Woche vor Adventsbeginn hat schon der Weihnachtsmarkt in Lindau angefangen. Ein guter Grund, endlich diese Stadt zu besuchen. Der Ehemann war in einem früherem Job nach Lindau geschickt worden und seitdem wollte er unbedingt ein Wochenende mit mir dort verbringen.

Am besten erreicht man Lindau mit dem Zug. Daher wollte der Ehemann, dass ich die Sache mit meiner BahnCard regle. Am Ende sind wir nicht mal mit der Deutschen Bahn gefahren, sondern mit Alex. Man fühlt sich wie in die Vergangenheit zurück geschickt. Ich erinnere mich, 2001 in so einem Zug gefahren zu sein, auf dem Weg nach Bayreuth. Alex hat die alten Züge der Deutschen Bahn übernommen, und man merkt, wie sie nicht mehr zeitgemäß sind. Zu klein für die Anzahl an Personen die mitreisen wollen. In München ging’s, aber der Zug ist schnell an seine Kapazitäten gestoßen. Bei dem lächerlich niedrigen Preis wundert es mich trotzdem, dass nicht mehr Leute mitgefahren sind. Vielleicht liegt es an der Unbequemlichkeit, es hat ziemlich gewackelt. Ich würde nicht unbedingt mit den Zügen nochmal fahren wollen.

Das Hotel lag praktischerweise direkt gegenüber vom Bahnhof, und da unser Zimmer bereit war, konnten wir unsere Taschen drin lassen, bevor wir in die Stadt spazieren gegangen sind. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Wir haben die westliche Seite der Insel besucht und sind durch Straßen östlich vom Bahnhof geschlendert, bevor wir bei Einbruch der Dunkelheit zum Weihnachtsmarkt gegangen sind. Flammlachs hatte ich noch nie gesehen, und natürlich musste ich probieren. Voll lecker! Es wurde uns kalt, und wir haben den Rest des Nachmittages im Spa-Bereich vom Hotel verbracht, bevor wir zum Restaurant gegangen sind. Ich hatte leider Kopfschmerze und konnte den Abend nicht so richtig genießen.

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Der Sonntag hat mit Nebel angefangen. Lange hat es nicht gedauert, und mir war es sogar in der Sonne am Hafen zu warm, in meinem Mantel. Wir haben den Rest der Insel besucht und sind zum Schluß zurück zum Weihnachtsmarkt gegangen. Der Glühwein hätte nicht sein müssen, ich habe direkt danach wieder Kopfschmerze bekommen. Die habe ich im Zug nach Hause versucht weg zu schlafen, was mir nicht ganz gelungen ist. Trotzdem war es ein schönes Wochenende.

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In Marseille — Le Panier

Mit Marseille bin ich immer noch nicht befreundet. Die Stadt ist dreckig und stinkt. Überall dicke Hundehaufen und Uringestank. Alte, heruntergekommene Gebäude. Autofahrer, die ohne Rücksicht auf Fußgänger am Hafen rasen, selbst wenn sie eigentlich rot haben. Wen interessiert’s? Die Fußgänger gehen nicht auf Grün los, sondern schauen erstmal um sich um und warten, bis alle Autos durch sind, bevor sie sich auf der Straße trauen. Etwas Anderes wäre Selbstmord.

Dazu kommt die allgegenwärtige sexuelle Belästigung. In Marseille kann man als Frau einfach nirgendwo Ruhe haben. Das habe ich in meiner Jugend mit Freundinnen festgestellt und am Wochenende aus der Ferne leider wieder beobachtet. Frau sitzt auf einer Bank und liest, Jugendlicher setzt sich dicht neben ihr und belästigt sie derart, dass die Frau aufsteht und den Platz verlässt. Obwohl ein anderer, unbeteiligter Mann auf der anderen Seite der Bank saß. Nichts hat er unternommen. Unterlassene Hilfeleistung ist in Frankreich weit verbreitet.

Aber zurück zur Stadt selbst. Der Ehemann wollte vor unserer Abreise eine Nacht in Marseille verbringen. Ich war nicht begeistert. Wir haben ein Apéro am Hafen getrunken. Ich wollte danach zurück zum Hotel. Es wurde schon dunkel.

Anstatt am Hafen lang zu gehen, nehmen wir die Rue de la République. Ein Schild zeigt den Weg zum Panier. Ich habe keine Ahnung, worum es geht, und beschließe, dem Schild zu folgen. Erstmal Treppen hoch. Wir entdecken ein entzückendes Viertel. Immer noch dreckig und stinkend, aber mit interessanten Graffiti und vielen, besser als am Hafen aussehenden gastronomischen Lokalen. Wir essen eine Kleinigkeit am „Panier Marseillais“. Fisch-Tapas.

Am Sonntag gehen wir wieder hin, zu einem anderen Lokal. Essen kann man in dem Viertel toll. Leider, und man glaubt es nicht, wenn man es nicht selber erlebt, sind die engen Straßen nicht für den motorisierten Verkehr gesperrt. Oder die Anwohner pfeifen drauf. Mofas fahren dicht an uns vorbei, als wir am Tisch mitten auf der Straße sitzen und essen. Ich meine, die Terrasse vom Lokal beanspruchte schon die Hälfte der Gasse. Gegenüber standen zwei Frauen aus einem Laden und diskutierten. Und da lang fahren Leute mit Mofas durch. Völlig rücksichtslos.

Am Sonntagabend war unser Rückflug nach München geplant. Über Frankfurt. Tja. Wegen Unwetter wurde der Flug gestrichen. Unmut bei den Passagieren und Chaos am Flughafen, als wir nur hin und her geschickt wurden. Wir sind dadurch eine extra Nacht in Marseille geblieben. Diesmal haben wir in einem besseren Hotel geschlafen. Ich war vom Golden Tulip enttäuscht. Die Lage war lange nicht so toll wie auf den Bewertungen gepriesen. Nicht mal Margaritas konnte der Barman richtig machen. Der Radisson Blu hat mir viel besser gefallen. Wir konnten sogar im Außenpool am späten Abend schwimmen. Leider mussten wir am Montag um vier aufstehen, um unseren Flug von 06:20 nach München zu kriegen. Wenigstens sind wir direkt geflogen und konnten halbwegs pünktlich auf Arbeit erscheinen. Ich fühle mich immer noch müde davon.


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Endlich mal Urlaub

Seit über einem Jahr hatte ich keinen längeren Urlaub mehr gehabt. Weihnachten zählt nicht. Erholsam ist die Zeit nicht, in der Familie vom Ehemann. Und da ich nahtlos von einem Job zum Nächsten gewechselt bin, nach einer Wohnung suchen und ein halbes Jahr zwischen München und Berlin pendeln musste, war die Zeit recht anstrengend. Endlich, endlich habe ich jetzt Urlaub.

Wir wollten mit dem Ehemann gemeinsam Urlaub machen. Da er erst im August seine neue Stelle angefangen hat, dachte ich, es wäre für ihn erstmal ausgeschlossen. Eine Woche hat er doch bekommen. Ich bin vorgefahren, er kommt am Wochenende hierher. Anlaß ist der kommende Geburtstag vom Neffe. Seit dem letzten Jahr hatte ich meine Familie nicht mehr gesehen, und es war nur ganz schnell übers Wochenende.

Der Flug lief ohne Problem. Ich habe mit der Lufthansa auch nie Schwierigkeiten gehabt. Direkt von München nach Marseille. Normalerweise fliege ich lieber nach Nizza, da es näher zu meiner Mutter liegt, aber wir wollen das letzte Wochenende bei meiner Schwester verbringen, die nah an Marseille wohnt.

Marseille… habe ich nie wirklich gemocht. Die Stadt habe ich als dreckig und häßlich in Erinnerung. Was viele meiner Bekannten aus Deutschland eher überrascht. Wenn man aber mit dem Bus vom Flughafen bis zur Stadt reist, sieht man, wie erbärmlich die HLMs aussehen. Dort möchte ich auf keinen Fall wohnen. Vielleicht spielen in meinem Vorurteil auch all die Berichte aus meiner Jugend im Fernseher über die ganzen Gewalttaten eine Rolle, die dort stattfinden. Klar, der Hafen, der Strand, all die Orte, wo die Touristen hin gehen, sind in Ordnung. Sonst mag ich den Rest von Marseille gar nicht.

Was sich geändert hat, und wo ich zweieinhalb Stunden auf meinen Zug warten musste: Der Bahnhof Saint-Charles. Ich war zuletzt dort vor der Jahrtausendwende und habe in Erinnerung, wie man sich dort unsicher gefühlt hatte und Leute einen bis zum Geldautomat gestalkt hatten. Das ist vorbei. Vielleicht spielen alle bewaffneten Militären im Bahnhof eine Rolle, die dort mit in Richtung Boden gesenktem FAMAS ständig patrouillieren. In Frankreich herrscht immer noch Ausnahmezustand. Der Platz vor dem Bahnhof ist angenehmer, da der Autoverkehr reduziert wurde. Das Viertel soll sich geändert haben. Ich sehe immer noch häßliche Gebäude. Obwohl. Verglichen mit dem, was ich auf dem Weg vom Flughafen gesehen habe, wirken sie wie Paläste.

Ich habe die Zeit im Aufenthaltsraum vom Bahnhof verbracht und gelesen. Zweieinhalb Stunden. Als mein Zug endlich kam, ein TER (Regionalzug), habe ich einen Schock bekommen. Solche herunter gekommenen Züge! Damit musste ich fahren. An welchen Zustände sich die Anwohner in Marseille gewöhnen müssen! Bin ich froh, nicht mehr in Frankreich zu leben! Drin war der Zug wenigstens sauber und renoviert.

Ich weiß nicht, was am Sonntag los war, aber es war unglaublich, wie viele Reisende unterwegs waren. In Marseille, wo der Zug gestartet hat, wurde es schon voll. Drin waren sehr wenige Plätze für Koffer. Arg enge Flure. Ich konnte einen Platz finden, wo mein Koffer am wenigstens gestört hat. Danach sind immer mehr Leute eingestiegen, und wir haben an den Bahnhöfen ewig warten müssen, um weiter zu fahren. In Toulon gab es eine Durchsage im Zug: Wegen Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommens durften Leute, die nach Fréjus, Cannes oder Nizza wollten, ohne Aufpreis den TGV nutzen. Da mein Bahnhof nicht vom TGV bedient wurde, musste ich im TER bleiben. Beim (schwierigen) Aussteigen habe ich echt gestaunt. So viele Leute habe ich noch nie hier am Gleis gesehen. Normalerweise hält der Zug nur drei Minuten. Als ich nach einer Viertelstunde den Bahnhof verlassen habe, standen immer noch Leute am Gleis, die versuchten, sich da rein zu quetschen.

Gestern bin ich von einer Migräne gequält worden. Die erste Dosis Paracetamol hat nicht gewirkt. Das Nickerchen auf der Couch bei meiner Mutter auch nicht. Erst am Abend wurde es besser. Vermutlich eine Auswirkung vom Anreisetag.


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Samstag in London

Gemeint ist Samstag vor einer Woche. Der Ehemann ist auf langer Motorragtour und besucht bei der Gelegenheit einige Freunde, bevor unser Umzug statt findet. Daher haben wir uns am letzten Wochenende in England getroffen.

Ich bin am Freitagabend von München aus nach Stansted geflogen. Ich dachte, ich hätte mit Lufthansa gebucht, aber sie haben mir einen Flug mit Eurowings angedreht. Der kam eine Stunde später als geplant. Ich hatte schon nachmittags leichte Kopfschmerze im Büro gehabt. Im Flugzeug wurde es zu einer richtigen Migräne mit Übelkeit und allem. Zum Glück hatte die Stewardess Aspirin. Gepriesen sei diese Frau. Nochmal zum Glück hatte ich einen Sitzplatz in der allerletzten Reihe und keine Sitznachbarn, obwohl das Flugzeug recht voll war. Ich konnte mich hinlegen und schlafen. Beim Aussteigen ging es schon besser.

Die Freunde leben in Cambridge und ich bin mit dem Zug dahin gefahren. Wir haben in der Stadt bei einem Vietnamesen gegessen und sind dann schlafen gegangen. Es war spät. Am Samstag wollten wir den Tag in London verbringen.

Am Vormittag waren der Ehemann und ich alleine unterwegs. Nach ein bisschen Shopping sind wir in Richtung Carnaby Street gegangen. Der Ehemann wollte unbedingt hin. Auf dem Weg sind wir an NOPI vorbei gegangen. Schöne Fotos konnte ich nicht machen, weil sich davor viele Kontainer mit Müll von der Baustelle um die Ecke angereiht hatten. Egal, ich hatte uns einen Tisch für den Abend reserviert.

Wir sind durch die engen Straßen geschlendert und zum Kingly Court gekommen. Ein Hof voll mit Restaurants. Mich interessierte in dem Moment vor allem die Toiletten, und ich muss sagen, ich habe selten welche gesehen, die dreckiger waren als dort. Von vier waren zwei völlig unbenutzbar, und die dritte war besetzt. Was bringt Frauen dazu, sich so ekelhaft zu verhalten? Der Ehemann erlebt sowas nie.

Von Carnaby Street war der Ehemann enttäuscht. Die Straße hat viel von ihrem ursprünglichen Charakter verloren. Jetzt findet man nur noch mainstream Läden, wie überall. Die Schlange vor dem Cupcake Laden war beeindruckend. Ein Kunde in der Schlange trug sogar ein T-Shirt vom Laden. Hardcore Cupcake Fan. Auf den Fotos sind die Leute ohne erkennbare Gesichter, Datenschutz oblige.

Wir sind einfach so ohne Ziel gelaufen. Auf dem Weg zum Piccadilly Circus sind wir am italienischen Restaurant von Jamie Oliver vorbei gelatscht. Kurz danach haben wir die Demo zum „Exit From Brexit“ getroffen. Es waren sehr viele Leute da, ich schätze, noch mehr als beim March For Science letztes Jahr in Berlin.

Am alten War Office konnte man das London Eye sehen und ich habe vorgeschlagen, dahin zu gehen. Auf dem Weg ging’s durch die Whitehall Gardens (klein). Die Themse haben wir über die Golden Jubilee Bridges überquert. Auf der anderen Seite der Brücke war viel los. Hier ist die Touris-Ecke. Die Schlange zum Riesenrad war auch riesig, und ich habe beschlossen, dass es doch nicht so spannend sein kann. Es war sowieso wolkig, die Aussicht konnte nicht so toll sein. Dazu kommt die Umweltverschmutzung, die in London beachtlich ist und die Luft noch trüber macht.

Wir haben uns auf den Weg zum Hyde Park gemacht, wo wir uns mit den Freunden vom Ehemann treffen wollten. In dem Park leben viele Tiere. Die Eichhörnchen fand ich süß. Die bunten Sittiche hatte ich nicht erwartet. Auf der Arche von Henry Moore ist ein Reiher gelandet.

Beim überqueren der Serpentine ist uns das letzte Werk von Christo aufgefallen, eine schwebende ‚Mastaba‘, die aus über 7000 Ölfässern besteht. Auf der anderen Seite der Brücke sind wir zum Diana Memorial gekommen. Der Anblick von den Kindern, die bei der Hitze im Wasser gespielt haben, war zu verlockend. Ich habe die Ballerinas ausgezogen und bin auch im Wasser geplatscht.

Wir haben anschließend ein Glas in einem Kneipengarten getrunken. Es gab viele Familien von Enten, Schwänen und Blässhühnern mit putzigen Kindern unterwegs. Die Kastanien waren am blühen. Ziemlich spät. Ich erinnere mich, dass wir mal im Biergarten am chinesischen Turm Ende April waren, als die Kastanien in München geblüht hatten.

Endlich war es Zeit, essen zu gehen… Auf dem Weg haben wir uns das Albert Memorial angeschaut. Um das Memorial befinden sich vier Gruppen von Statuen, eine pro Kontinent. Äh. Kurze Pause. Ich hatte doch in der Schule von fünf Kontinenten erzählt bekommen… Ach so. Nicht mal Wikipedia ist sich einig, wie viele es gibt.

Als ich vor Europa stand, kam eine kleine Gruppe von Jugendlichen vorbei. „Also, mit Europa hat das nichts zu tun“, meinte einer autoritativ auf Englisch, der offensichtlich noch nie was von griechischer Mythologie gehört hat.

Zum Schluß, das, worauf ich mich die ganze Zeit gefreut hatte: Abendessen bei NOPI! Es war nicht so voll. Ich hatte spät gebucht, aber ich hätte mehr Gäste erwartet. Vielleicht sind sie jetzt alle beim ROVI. Ich war schon mal hier essen, in November mit Kate, aber damals hatte mich der Akku von meinem Handy im Stich gelassen. Diesmal hatte ich die Kamera dabei. Für Aufnahmen bei schwachem Licht ist sie leider nicht gut. Ich wollte auch nicht mit Blitz Fotos machen, wir waren primär zum essen da und die anderen Gäste wollte ich nicht stören.

Nach einem Aperitiv (Jasmine & Edelflower „tea“ für mich), sind wir nach unten gegangen. „Downstairs“ ist die Karte nicht so ausführlich wie „Upstairs“, dafür hat man den Blick zur Küche. Man sitzt an großen Tischen mit anderen Gästen zusammen.

Wir haben uns viele Vorspeisen zum Teilen bestellt, die nicht alle fotografiert wurden. Auf den Kohlrabi-Apfel-Salat war ich sehr gespannt und ich war begeistert! Die getrüffelte Polenta-Stäbchen wollte der Ehemann haben. Die hatte ich schon zu Hause gemacht. Als Nachtisch habe ich die Financiers bestellt. Eigentlich konnte ich nicht mehr. Aber es musste probiert werden. Wir haben sie uns geteilt.

Zum Schluß ein Besuch der Toiletten mit den vielen Spiegeln, viel erfreulicher als am Vormittag in Kingly Court (und ja, das bin ich):

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Im Médoc

Endlich sind wir im Urlaub. In Frankreich. Ich habe mich darauf gefreut. Auf den Urlaub. Nicht so sehr auf Frankreich. Urlaub in Frankreich, ohne meine Eltern zu besuchen, fühlt sich komisch an.

Wir sind zuerst im Médoc angekommen. Über Amsterdam nach Bordeaux geflogen. Der Ehemann hatte ein Auto bei Europcar gemietet. Das war vielleicht ein Fehler! Wir sind wegen Verspätung kurz vor fünf Uhr nachmittags gelandet. Nachdem wir das Gepäck geholt haben, hat sich der Ehemann auf dem Weg zu den Mietwagenläden gemacht. Ich habe draußen warten wollen. Die Sonne schien, ich habe sie in Berlin lange genug vermisst. Kurz danach ist der Ehemann zu mir gekommen. Er hatte eine Nummer gezogen, es waren fünfzig Nummer vor ihm und gerade drei Personen waren da, um die Kunden zu empfangen. Wir haben zwei Stunden warten müssen, bis unsere Nummer am Schalter dran kam. Was für eine Unverschämtheit! Wir haben das Auto schon über ein Monat her gebucht, und die anderen Kunden kamen sicherlich auch nicht unangekündigt, wieso konnten die Leute bei Europcar nicht den Ansturm von Kunden planen und sicher stellen, dass genug Angestellte zur Verfügung stehen? Oder dass die gebuchte Wagen tatsächlich vorhanden sind? Wir haben — schon wieder — ein größeres Auto als geplant bekommen, weil unser Wunschmodell nicht mehr da war. Ich freue mich nicht darüber. Der Ehemann hätte auch lieber ein kleineres Modell zu fahren gehabt — wie halt gebucht. Nee. Ob das an Europcar liegt, oder eher daran, dass man in Frankreich nichts gebacken kriegt, frage ich mich. Wir hatten ja gerade auf Arbeit viel Ärger mit einer französischen Firma, die es zum zweiten Mal nicht geschafft hat, uns die versprochene Leistung zu liefern.

Als wir nach einer Stunde Fahrt zu unserem Hotel angekommen sind (wie schnell die Leute hier unterwegs sind! Wir sind auf einer 110 km/h Straße von Autos überholt worden, die bestimmt bei 150 km/h fuhren), war es schon halb neun. Wir konnten noch gerade einen Tisch im Restaurant bekommen. Die Küche machte um neun schon zu. Das Essen war hervorragend, der Kir Médocain (Brombeerlikör mit Rotwein) hat mich sehr angenehm überrascht, aber entspannen konnten wir wegen der blöden Warterei auf den Mietwagen am Flughafen nicht wirklich. Süß fand ich den Hase, der auf der Wiese in aller Ruhe das Gras fraß, und das Kätzchen, das den Hase weg gejagt hat, wenn die Gäste dem Hase zu viel Aufmerksamkeit geschenkt haben, um sich dann gegen ihre Beine zu reiben.

Geschlafen haben wir gut, aufwachen war trotzdem schwer. Wir sind heute nach La Rochelle gefahren. Ich war den ganzen Tag müde und mir ging es erst besser, als wir auf der Insel Oléron eine kurze Pause am Strand gemacht haben. Kaffee getrunken, obwohl es schon nach vier Uhr nachmittags war, und im Ozean geschwommen. Der Ehemann ist lieber am Strand geblieben. In La Rochelle sind wir am frühen Abend angekommen. Apéritif auf einem Schiff getrunken, Muscheln mit Roquefort in einem Restaurant am Hafen gegessen. Früh zum Hotel (Mercure) gekommen. Der Ehemann hatte sich, wie auch immer, einen Sonnenbrand geholt. Es war doch den ganzen Tag bedeckt.

Wir waren relativ früh im Bett. Der Ehemann schläft jetzt seelisch. Ich kann nicht, obwohl ich den ganzen Tag so müde war. Ich frage mich, ob ich abends am Restaurant wirklich ein Déca bekommen habe. Mein Buch kann ich nicht lesen, weil das Licht den Ehemann beim Schlafen stören würde. Viel auf Internet lesen leider auch nicht, weil die Internetverbindung vom Hotel ziemlich miserabel ist. Ständig wird sie unterbrochen. Ich hasse es, im Bett zu liegen und nicht schlafen zu können.


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Wochenende in der Sächsischen Schweiz

Zum verlängerten Wochenende haben wir uns einen kurzen Urlaub zu zweit im Elbsandsteingebirge gegönnt. Ich war einmal dort, ganz flüchtig, als wir mit Kollegen auf der Durchreise zu einer Tagung unterwegs waren. An dem Tag hatte ich gedacht, wenn ich lebendig aus dieser Reise zurück komme (mit Pawel als Fahrer war es nicht selbstverständlich), will ich mit dem Liebster nochmal hin, und ihn dort einen Heiratsantrag stellen. Weil der Ort so zauberhaft war. Er hat mich vorher gefragt. Trotzdem wollte ich immer mal mit ihm dahin.

Wir haben die Gelegenheit genutzt, dass heute Feiertag ist, und gleichzeitig gefeiert, dass er morgen bei seiner neuen Arbeitsstelle anfängt. Das war für mich auch eine Art Ersatz für unseren ersten Hochzeitstag, da ich blöderweise genau dann eine Dienstreise habe. Ich wurde als Dozentin für eine Weiterbildung eingeladen. Ich könnte schwören, dass die Veranstaltung ursprünglich zwei Wochen später geplant war. Ich hatte echt aufgepasst, bevor ich zugesagt habe. Es war vor einem halben Jahr. Die Veranstalter müssen inzwischen das Datum geändert haben, ohne mich zu informieren. Ich habe es erst vor zwei Monaten gemerkt, als eine Sekretärin mir die Flugtickets zugeschickt hat. Es war schon zu spät, um doch abzusagen. Ein Glück, dass wir aufgrund des Arbeitswechsels vom Ehemann keine kurze Urlaubsreise für den Hochzeitstag geplant hatten.

Wir haben uns fürs Wochenende vor einigen Wochen ein Zimmer für drei Nächte in Rathen reserviert und sind am Freitag los gefahren. Es war spät, nach der Arbeit, und wir sind kurz vor zehn Uhr abends angekommen. Zu spät fürs Restaurant, der schon um neun keine Gäste mehr annimmt, aber wir hatten unterwegs gegessen. Das Auto konnte man auf einem großen Parkplatz lassen, um mit der Fähre die Elbe zu überqueren. Direkt auf der anderen Seite liegt das Hotel.

Am nächsten Morgen haben wir das Dörfchen bei Tageslicht entdeckt. Ganz entzückend. Wir sind mit der Bahn nach Pirna gefahren und haben die Altstadt zu Fuß besucht. Am Rathaus hatte gerade eine Hochzeit statt gefunden. In der Nähe der Gedenkstätte haben wir in einem Café gesessen, wo zufällig andere Gäste vom Hotel am Nachbartisch saßen. Zurück zur Anlegestelle, sind wir dann mit einem alten Dampfschiff bis Bad Schandau die Elbe hoch gefahren. Es wurde leider kalt und windig, so dass wir ab Rathen das Deck verlassen mussten, um uns mit einer Soljanka zu erwärmen. Ich mag Gulasch viel lieber, aber das gab es auf der Karte nicht. In Bad Schandau haben wir beschlossen, sofort zum Hotel zu fahren, um in die Sauna zu gehen. Mir war es zu kalt, um noch spazieren zu gehen. Das Abendessen im Restaurant vom Hotel war hervorragend. Insbesondere das Sorbet-Duett, mit Wassermelone und Zitrone-Basilikum, ein Traum.

Gestern sind wir früh aufgestanden und zur Bastei hoch gewandert. Das Wetter war viel besser als am Samstag. Kurz vor der Brücke haben wir den Rundgang gemacht. Habe ich erwähnt, dass ich Höhenangst habe? Es war deswegen teilweise schwierig, aber mit dem Ehemann ging es doch. Es hat sich gelohnt, er war begeistert. Blöderweise waren wir ein bisschen zu spät, weil wir noch auf dem Rundgang waren, als die erste Ladung von Touristen mit den Bussen hochgefahren wurde. Nichts mehr mit dem romantischen Spaziergang. Dafür jede Menge lauter, stinkender Menschen, die am frühen Morgen schon voll verschwitzt rochen und nach Alkohol dufteten. Wir haben beschlossen, unsere Wanderung durch die Schwedenlöcher fortzusetzen. Es ging am Anfang gut, bis wir wieder Meuten mit Kindern begegnet sind. Unfassbar, wie laut es in diesem Stück Wald war. Der Natur konnte man unmöglich lauschen. Dafür quengelnde Kinder um jede Ecke. Schreiende Eltern. Stau in Engpässen. Man konnte nirgendwo hin gehen, ohne ins Gedrängel zu kommen. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber ich habe es geschafft, durch eine Wanderung im Wald Kopfschmerze zu bekommen. Es war die Hölle. Erst als wir den Weg Richtung Hockstein gegangen sind, nach dem wir den kleinen Fluss überquert haben, wurde es erträglicher. Zum Schluß sind wir bis Hohnstein hoch gegangen, nach einer wohl verdienten Bierpause, und haben die Burg besucht. Da wir nicht so spät zurück zum Hotel wollten, um vor dem Abendessen in der Sauna zu entspannen, sind wir mit einem Taxi nach Rathen gefahren. Insgesamt sind wir 11,5 Kilometer gewandert.

Trotz der Menschenmenge war es sonst ein toller Tag. Hätte ich es besser gewusst, wären wir viel früher aufgestanden, um den Sonnenaufgang auf der Bastei zu erleben. Dann wären wir danach viel entspannter weiter gewandert, und hätten noch Zeit gehabt, das letzte Stück nach Rathen zu Fuß zu machen — was aber noch mehr Muskelkater verursacht hätte.

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Der Urlaub ist vorbei

Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Schnee und ich passen nicht zusammen. Ich weiß, ich war schon mal in verschneiten Bergen. Es war damals nur für ein Wochenende. Und wir waren damals auch nur zu zweit, was viel entspannter als letzte Woche war. Denn wir waren mit einem Teil seiner Familie im gleichen Urlaubsort. Nicht in der gleichen Unterkunft, aber täglich zusammen. Und obwohl wir uns gut vertragen, es ist für mich nicht so schön wie wenn wir alleine zu zweit Urlaub machen. Ich bin nur dazu gekommen, weil der Ehemann so darauf bestanden hatte. Ich war noch nie dort. Er hätte von mir aus alleine mit seiner Familie die Woche dort verbringen können, wie er es sonst immer gemacht hat.

Das Hauptproblem war der Schnee. Sagen wir so, Gleitsportarten sind nicht meine Stärke. Wenn es in Berlin ein bisschen glatt ist, breche ich schon in Panik aus und bewege mich nur noch sehr langsam vorwärts, auch wenn ich Spikes trage. Ich nutze jede Gelegenheit aus, um mich an Gegenständen fest zu halten. Am besten ist es, wenn der Ehemann mir zur Seite steht und ich mich verkrampft an seinem Arm fest klammern kann. Wie die ganze Zeit letzte Woche. Während die Familie tagsüber die Zeit auf den Skiern verbracht hat, bin ich mit Schneeschuhen gewandert. Das Einzige, was mir im Schnee Spaß macht. Damit ist man am Boden fest verankert und läuft keine Gefahr, weg zu rutschen. Und wenn ich nicht am Wandern war, war ich im Spa zu finden. Das war toll. Fast so toll wie die Carolus Thermen in Aachen. Nur viel teurer.

Nicht nur mit Schnee habe ich Probleme. Sobald ich den Boden nicht fest unter meinen Füßen spüre, stehe ich (oder liege ich) völlig hilflos da. Das fing schon in der Grundschule an, als wir in der zweiten Klasse im Sportunterricht Rollschuhe tragen mussten. Die Sorte mit zwei Rädern vorne und zwei Rädern hinten. Ich glaube, in der Vorstellung der Lehrerin war es so, dass man Kinder nur in Rollschuhe packen muss, und alles von selbst läuft. Kinder lernen schnell. Nicht bei mir. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, auf dem Po zu fallen, oder gegen die Wand am Ende vom Hof zu klatschen, bis sie eingesehen hat, dass es bei mir keinen Zweck hat. Ich durfte danach nur noch bei den anderen Schülern zu gucken, obwohl ich mich an frustrierende Übungsversuche im Garten zu Hause erinnern kann. Einige Jahre später hatte eine Freundin ein Skateboard bekommen, weil es so cool war, und es hatte keine Sekunde gedauert, bis ich schmerzhaft auf dem Steißbein gefallen war. Inline-Skates habe ich gar nicht ausprobiert. Ski fahren habe ich nie lernen wollen, obwohl ein zweiwöchiger Aufenthalt in den Alpen zu diesem Zweck ebenfalls in der Grundschule geplant war. Ich habe stattdessen die zwei Wochen in einem anderen Klassenzimmer ausgesessen. Im Gymnasium hatten wir einen Tag in der Eishalle in Nizza verbracht, und es ging, so lange ich mich am Rand festhalten konnte. Versuche auf der Mitte der Eisfläche sind auf dem Hinten abgebrochen worden, wobei ich das Pulli von einem guten Freund ziemlich gezerrt habe. Es ist ein Wunder, dass ich Fahrrad fahren kann. Vielleicht hilft, dass ich dabei die Arme auf dem Lenker benutzen kann, um die Balance zu halten.

Ich bin also froh, wieder in Berlin zu sein. Nicht nur wegen des Schnees. Im Urlaub war alles teurer. Berlin ist fürs essen gehen schon ziemlich günstig in Deutschland, ich habe schlimmeres gesehen. Frankreich ist teurer, und so ein erhobenes Skiressort in den Alpen umso mehr. Für eine Portion Pommes kann man locker 10€ ausgeben. Knapp 20€ für ein Teller Spaghetti Carbonara. Und ich habe noch nicht die Flasche Champagne à 9500€ erwähnt, die von Russen an Nachbartischen tatsächlich bestellt wurde. Bescheuert. Natürlich musste ich viele Sachen essen, die ich in Berlin nicht täglich sehe. Bavette à l’échalote (ich durfte während der Schwangerschaft gar kein blutiges Fleisch genießen, was ich doch so liebe), magrets de canard à la framboise (Entenbrust mit Himbeersauce)… Alles sehr lecker, das hat sich gelohnt. Wir haben viel ausgegeben, und ich habe es noch nicht gewagt, mich auf der Waage zu stellen. Ich fürchte, ich könnte über die 70 Kilogramme zurück gekommen sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Und wieder unterwegs

Kaum bin ich nicht mehr krank geschrieben, bin ich auf Dienstreise. Gut, es ist nur halb so schlimm. Wir hatten schon länger Urlaub geplant, und es hatte sich zufällig ergeben, dass ich mit anderen Wissenschaftlern in der Nähe vom Urlaubsort etwas bearbeiten wollte. Die einen haben Verbesserungsvorschläge für Programm #1, die anderen wollen Programm #2 testen. Ich hatte die Idee, dass ich einen Tag früher verreisen könnte und habe Termine für Besprechungen vereinbart. Also morgen. So war es mir nicht zu stressig, und ich musste nicht als Schwangere mehrmals zum gleichen Ziel hinfliegen. Schwanger bin ich nun leider nicht mehr, aber es ist mir immer noch angenehmer, Urlaub und Dienstreise so zu kombinieren. Es wird mich auf jeden Fall ablenken. Und es ist mir egal, dass ich dabei morgen zur Besprechung unter anderen zufällig mit einem Ex-Freund verabredet bin. Es ist so lange her, es spielt keine Rolle mehr. Ach so, aber erwähnen tue ich es trotzdem, was?

Wo ich bin? Eine Wissenschaftsstadt in der Nähe von Bergen. In der Heimat. In den Bergen wollen wir Urlaub machen. Der Ehemann kommt morgen nach. Wir haben uns heute kurz am Flughafen getroffen, da er aus seiner Dienstreise gerade zurück kam und ich zu meiner weg musste. Er hatte übrigens nachmittags einen Vorstellungsgespräch, und es hat so gut geklappt, dass er in Kürze den neuen Arbeitsvertrag in den Händen halten darf. Es freut mich so sehr für ihn. Der Job klingt viel interessanter, er wird nicht mehr so häufig verreisen müssen, und das Gehalt stimmt viel besser als momentan. Sein jetziger Chef wird blöd gucken. Morgen Abend stoßen wir an. Ich darf ja wieder.

Blöd war heute das Fliegen. Ich hatte keinen direkten Flug, sondern musste in Frankfurt umsteigen. Der erste Flug ist mit einer halben Stunde Verspätung aus Berlin gestartet, weil es Probleme mit einer Sitzplatzreservierung gab. Ich glaube, der Platz wurde zwei Mal vergeben. Es gab aber noch freie Plätze. Als wir in Frankfurt gelandet sind, war es so spät, dass das Boarding für meinen nächsten Flug schon angefangen hatte, als ich noch im Gang stand und darauf wartete, das Flugzeug endlich verlassen zu können. Ich bin gerannt, ich war den langen Flur entlang sogar schneller als die Leute, die aufs Laufband gingen, der Flughafen in Frankfurt ist ja riesig, und ich bin völlig außer Atem gerade noch mit den letzten Reisenden durch gekommen. Es hätte mir klar sein sollen: Das Gepäck war nicht so schnell wie ich. Beim Ankommen fehlte mein Koffer.

Ich habe Formulare gefüllt und mir wurde erklärt, dass der Koffer mit dem letzten Flugzeug aus Frankfurt um halb elf kommen soll. Ich musste aber noch eine Stunde Bus bis zu meinem Ziel fahren, und ich hatte schon Migräne. Der Koffer wird mir morgen zugeschickt. Ich bin mit einer Notfallsmappe von Star Alliance, explizit für Frauen, für die Nacht entschädigt worden. Beim Ankommen im Gästehaus vom Forschungszentrum habe ich die Mappe geöffnet. Zahnbürste und Zahnpasta, eine Haarbürste, die mit meinen dicken lockigen Haaren recht nutzlos ist, Shampoo und Vaseline sind drin. Auch ein Shirt, riesig, aber keine Unterwäsche und nicht mal Binden. Tampons sind in einer Plastiktüte vorhanden, aber die ist echt schwer zu öffnen, vor allem, wenn man nur mit Handgepäck ankommt und keine Schere drin haben darf. Morgen werde ich mit nicht frischen Unterwäschen zu den Terminen laufen müssen, weil das Zimmer so kalt ist, dass ich sie nicht waschen will. Sie würden nie trocknen. Es ist mir recht unangenehm, auch wenn es durch die Nutzung von Binden, die ich im Handgepäck habe, nicht so schlimm ist.

Eine lustige Geschichte gab es noch, beim Aussteigen aus dem Bus. Na ja, nicht alle haben es lustig gefunden, denke ich. Ich bin bei einer Haltestelle in der Nähe vom Forschungszentrum ausgestiegen, sowie ein anderer Mann. Der Mann kam mir schon bekannt vor, als wir am Flughafen eingestiegen waren, aber ich könnte nicht sagen, woher. Eins wusste ich, ein Wissenschaftler ist er. Ich wollte ihm also beim Aussteigen folgen, weil er bestimmt zum Gästehaus gehen würde. Er hat im Gepäckfach nach seinem Koffer gesucht, der Fahrer hat dann die Außentür zu gemacht und ist zurück in den Bus gegangen. Ich folgte gerade seit ein paar Schritten dem Mann, als er plötzlich zum Koffer runter schaute und entsetzt laut „Oh Gott!“ rief, worauf mir klar wurde, dass er 1) Deutsch sein musste und 2) den falschen Koffer mitgenommen hatte, und er ist zurück zum Bus gelaufen. Der Fahrer hat ihn aber trotz Brüllens nicht gemerkt und ist weiter gefahren, mit dem Mann, der ihm hinterher auf der Straße gerannt ist. Vermutlich ist er bis zur Endhaltestelle weiter so gerannt, zehn Minuten mit dem Bus noch entfernt. Ich habe ihn nicht mehr gesehen und musste den Weg zum Forschungszentrum selber finden, was mir nach einiger Verwirrung doch gelungen ist.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.