Die verletzte Katze

Ich war mit meiner Mutter unterwegs. Wir wollten eine Freundin von ihr besuchen. Sie wohnte in einem Dorf mit sehr steilen Straßen. Die Häuser wirkten alt. Ihre Wände bestanden aus ungerelmäßig geformten dicken Steinen. Wir fuhren eine Straße hochwärts. An einigen Stellen hatte ich Bedenken, dass das Auto es nicht mehr schaffen würde und anfangen würde, rückwärts zu rutschen, aber angekommen sind wir doch. Meine Mutter hat das Auto mitten in einer engen steilen Straße geparkt und wir sind ausgestiegen.

Aus welchem Grund auch immer bin ich zuerst nicht ins Haus gegangen, sondern bin auf der Straße geblieben. Vielleicht, weil ich ein schlechtes Gefühl hatte, weil das Auto mir so nicht sicher geparkt vorkam. Und recht hatte ich, das Auto fing plötzlich an, von alleine die Straße runter zu rollen. An der nächsten Biegung konnte es natürlich nicht wenden. Das Auto ist gegen eine Hauswand geknallt. Chipie, meine Katze, ist aus dem Auto raus gekommen und hat sich auf dem Weg zum Haus der Freundin meiner Mutter gemacht. Ich bin ihr gefolgt. Sie sah gar nicht gut aus, nach dem Unfall. Blut befleckte ihr weißes Fell am Bauch. Sie hat versucht, sich zu lecken, und dabei habe ich gemerkt, dass ihr Bauch offen lag. Ein langer Schnitt war zu sehen.

Ich habe Panik bekommen und meine Mutter gesucht, damit sie einen Tierarzt anruft. Ich wusste nicht wo sie war. Auf meine Rufe hat sie nicht reagiert. Ich bin durch alle Räume der mir unbekanten Wohnung gegangen. Die Wohnung war groß. Es war dunkel. In einem großen Wohnzimmer habe ich sie gefunden. Meine Mutter und ihre Freundin schliefen auf einer langen Eckcouch, jede auf einer Seite der Couch, und waren in Decken kuschelig eingerollt.

Um halb vier bin ich aus dem Traum aufgewacht. Ich bin kurz aufgestanden, um die Toilette zu besuchen und ein Glas Milch zu trinken. Wieder einschlafen konnte ich gut. Ich habe geträumt, wie ich dem Ehemann meinen vorherigen Traum beschrieben habe. „Es war sooo steil!“ habe ich ihm erzählt, und es verdeutlicht, indem ich die linke Hand fast senkrecht gehoben habe.

Advertisements

Es war ja klar

Jetzt, wo der Gips weg ich, kann ich mich wieder ohne systematische Fehler wiegen. Und das Ergebnis auf der Waage ist bitter: Ich bin wieder da, wo ich vor einem Monat war. Dabei hatte ich es geschafft, wieder im grünen BMI-Bereich zu sein. Am Tag vom Abflug hatte mein BMI-Wert 24,9 erreicht.

Dass ich durch Urlaub zunehmen würde, war mir klar. Aber dass ich glatt drei Kilogramme zulegen würde… Moment mal, das hatte ich auch nach der Hochzeit und der abschließenden Reise durch Portugal in drei Wochen zugenommen. Und dort hatte ich wesentlich mehr als in Spanien gegessen. Dank Fettlogik überwinden weiß ich, dass es sich sehr wahrscheinlich um Wassereinlagerungen handeln könnte. Mal schauen, wie es sich in den nächsten Tagen entwickelt.

Wegen des Unfalls kann ich jetzt für eine Weile keinen Sport mehr treiben. Mein linker Fuß ist noch dick, das merke ich deutlich, wenn ich meine Schuhe anziehe. An der Außenseite schmerzt er. Dort hat sich ein beeindruckender Bluterguss gebildet. Vom Knöchel bis zum kleinen Zeh, dann senkrecht dazu bis zur Mitte vom Fuß. Dunkelviolett. Oben neigt der Fuß zu blauen und grünen Tönen. Ich verzichte lieber auf Bilder. Gehen ist mühsam und wegen der Schonhaltung beschwert sich mein linkes Knie. Joggen geht also erstmals gar nicht. Mit dem Arm kann ich Fahrradfahren auch zuerst vergessen. Außerdem fühle ich mich seit drei Tagen wieder schwindelig. Das leckere Essen muss also durch Kalorienreduktion wieder ausgeglichen werden, und das ist verdammt schwer, wenn man dazu den ganzen Tag alleine zu Hause sitzt. Der Ehemann war am Sonntag noch so lieb und hat uns eine Johannisbeerentarte gebacken. So wird es nichts. Vielleicht sollte ich abwarten, bis mein Körper wieder funktionsfähig ist.

Bösartige Oma

Heute Morgen, auf dem Weg zur Radiologie-Praxis. Ich fahre mit dem Bus. Der ist ein bisschen verspätet angekommen, aber die Fahrt dauert nicht mal fünf Minuten.

Ich habe vorne links einen Platz gefunden. Ein Sitzplatz für Behinderte. Das bin ich momentan wohl. Ganz vorne sitzt eine Oma und hält sich mit der linken Hand an der Haltestange fest. Hinter mir, oder besser gesagt rechts von mir (der Sitzplatz ist mit dem Rücken zum Fenster gebaut) ist der Raum für Rollstühle und Kinderwagen. Ein Kinderwagen mit einem Kleinkind steht da, die Mutter sitzt direkt nebenan.

Wir sind gleich bei meiner Haltestelle. Einige Leute fangen schon an, aufzustehen. Die Mutter auch. Wir müssen nur noch über die Kreuzung. Die Kreuzung ist viel befahren. Wir fahren durch, und plötzlich muss der Fahrer mitten in der Kreuzung eine Vollbremse machen. Ich vermute, dass jemand die rote Ampel ignoriert hat. Von meinem Sitzplatz aus sehe ich nichts vom Verkehr. Die Vollbremse ist heftig. Und der Kinderwagen kippt. Die Mutter kann nicht so schnell reagieren, um den Wagen zu halten. Ich erst recht nicht. Erstens bin ich verletzt, zweitens passiert es zu weit weg von mir. Der Kinderwagen landet am Boden. Das Kind schlägt den Boden mit der linken Schläfe und fängt natürlich an, zu schreien.

Der Busfahrer hält mitten in der Kreuzung. Er steht auf und schaut nach dem Kind. Fragt die Mutter, ob sie Hilfe braucht. Der Kinderwagen wird wieder aufrecht gebracht. Das Kind hört auf zu weinen und hält sich ganz still die Schläfe. Kein gutes Zeichen.

Und die Oma vorne lacht. Sie freut sich darüber, dass die Mutter das Unglück nicht verhindern konnte. „Da hat die Mutter den Wagen nicht fest gehalten,“ sagt sie leise vor sich hin, und lacht nochmal.

Kann man wirklich so grausam sein, oder ist es ein Zeichen von Senilität?

Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen

Bis Montag war ich mit dem Mini-Urlaub zufrieden. Wir haben Museen besucht. Das Dalí-Museum in Figueres, aber auch das Schloss von Púbol, wo Gala Dalí gelebt hatte und begraben wurde. Wir sind am frühen Sonntagmorgen zum Castell de Montgrí gewandert, was wegen des Zustandes vom Weg recht anstrengend war. Vor allem, um wieder runter zu kommen. Die starke Tramontane, die seit Freitag wehte, hat wenigstens dafür gesorgt, dass es uns nicht zu heiß wurde. Wir sind ein paar Male am Strand gewesen. Im Meer zu schwimmen war toll. In der Sonne haben wir nur wenig gelegen. Zum weiteren Abnehmen haben unsere Aktivitäten nicht gereicht, da es auch reichlich leckere Tapas gab. Ich habe uns eine Caponata gekocht, als Dankeschön für unsere Freundin, die uns so großzügig empfangen hat. Meinem Mann zuliebe habe ich die Sellerienstangen durch eine grüne Paprika ersetzt.

Ich bin in der kurzen Zeit von Mücken gefressen worden. Es ist noch schlimmer als bei der Dorffeier. Trotz Autan habe ich dreiunddreißig Stiche erst auf den Beinen gezählt. Nur wenige haben eine allergische Reaktion verursacht. Ich bin übrigens nicht sicher, dass alle Stiche von Mücken kommen. Auf der hinteren Seite vom linken Oberschenkel hatte der Ehemann am Freitag berichtet, dass in einem Bereich so groß wie seine Handfläche acht rote Punkte vorhanden waren (er war dabei, einen Stich auf einer Pobacke zu behandeln). Es waren nur Punkte, und sie hatten gar nicht gejuckt. Am nächsten Tag doch. Alle Punkte sind wie Mückenstiche geschwollen. Mücken stechen aber nicht so häufig auf einmal in einer so kleinen Hautgegend. Einige Stiche überlappen sich sogar. Zum Glück hatten wir Fenistil und den Stichbrenner dabei. Die Stiche mussten zweimal am Tag behandelt werden, aber zwischendurch hatte ich Ruhe. Und ehrlich gesagt, verglichen mit den Ereignissen vom Wochenende, erschien es mir lächerlich, mich zu sehr über „ein paar“ Stiche zu beschweren.

Ich lächelte und war also froh, und es kam tatsächlich schlimmer. Wir sind am Montagabend vom Strand zurück gekommen. Wir wollten noch kurz duschen und mit unserer Freundin für den letzten Abend essen gehen. Dazu ist es nicht gekommen.

Es gibt im Garten eine kleine Treppe. Die Stufen bestehen aus breiten unebenen Steinen, sowie der Weg davor. Ich ging als letzte die Treppe hoch, und ich bin auf der zweiten Stufe gerutscht und rückwärts auf dem Weg gefallen. Es gab nichts, wo ich mich hätte festhalten können. Ich konnte nur warten, bis ich am Boden geprallt bin. Es kam mir sehr lang vor, wie beim Fahrradunfall. Dabei konnten mich mein Mann und unsere Freundin nur entsetzt schauen, weil es so schnell ging, dass sie nichts machen konnten. Mein linker Fuß hat sich beim Fall völlig verdreht, und ich habe einen Riss am Radiusköpfchen vom linken Unterarm bekommen.

Ein großes Glück war, dass ich meine Tasche und den Stoffbeutel mit den Handtüchern vom Strand in der linken Hand trug. Beim Fallen sind beide hinter meinen Rücken gekommen und haben den Fall am Gesäß und am Rücken völlig gedämpft. Gleichzeitig kann es sein, dass sie die Verletzung am Arm verursacht haben, da ich mich sonst nicht daran erinnern kann, mich mit der Hand am Boden gefangen zu haben. Ein zweites großes Glück war, dass ich mein Haargummi am Tag davor verloren hatte. Ich hätte mir sonst einen Pferdeschwanz gemacht. Stattdessen hatte ich meine lange Haare zu einem lockeren Knoten gebunden und diesen mit einer flachen Spange oben am Kopf festgehalten. Das war gut, weil mein Kopf zweimal am Boden geknallt ist und vom Knoten geschützt wurde. Mein Schädel ist noch heil. Es fühlt sich alles normal an. Kein Schwindelgefühl. Mit einem Pferdeschwanz hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.

Wir haben den Abend in der Notaufnahme von einem Krankenhaus in der nächsten Stadt verbracht. Der Riss im Radiusköpchen ist röntgenographisch nachgewiesen worden. Der Knöchel ist nicht gebrochen und braucht nur ein paar Tage Ruhe. Der Fuß ist ganz dick geworden und hat sich dunkel gefärbt. Ich habe Gips um die Außenseite vom Arm bekommen, weil es so schmerzhaft war, wenn der Arm gedreht wurde. Ich kann ihn gar nicht mehr strecken. Der Unterarm ist nicht vollständig mit Gips gehüllt, und es ist gut, weil ich sonst gestern nicht zurück nach Deutschland hätte fliegen dürfen. Irgendwas mit Druck und Schwellung vom Arm. Es ist so trotz Halterung um den Nacken recht schwer zu tragen. Mit der ungewohnten Haltung tut mein Rücken weh. Der Oberarm auch. Oh, und der Ellbogen natürlich. Dagegen habe ich Ibuprofen bekommen. Ich frage mich manchmal, ob der Gips nicht mehr Schmerze verursacht als er verhindert. Ich habe heute meinen Arzt besucht und er hat mich bis zum Ende nächster Woche krank geschrieben. Am Montag soll mein Arm befreit werden, um eine neue Röntgenaufnahme zu machen. Ich freue mich so drauf.

Eigentlich hatte ich vor gehabt, gestern nachmittags meinen Arzt zu besuchen. Wir hätten um drei in Tegel landen sollen und seine Praxis geht nachmittags um vier auf. Warum es nicht geklappt hat, ist eine sehr blöde Geschichte. Wir hatten unsere Flüge über Lufthansa gebucht. Hinflug über München, Rückflug direkt mit der Tochtergesellschaft Germanwings (obwohl sie seit einem guten halben Jahr Eurowings heißt). Als wir gestern zum Flughafen in Barcelona ankamen, hieß es, wir wären nicht auf der Passagierliste. Lange Anrufe bei der Lufthansa, die noch häufig einfach mitten drin abgebrochen wurden, haben uns am Ende gelehrt, dass Germanwings die Bezahlung von Lufthansa aus welchem Grund auch immer nicht akzeptiert hatte, uns das Geld zurück überwiesen und die Reservierung storniert hatte. Ohne uns in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Flug war inzwischen voll gebucht und es täte der Frau am Schalter von Germanwings sehr Leid, aber wir müssten neue Karten kaufen. Der Ehemann hat es beim rumtelefonieren geschafft, dass die Lufthansa uns als Entschädigung kostenlos auf eine Strecke über München bucht. Spät abends. Wir wären kurz vor Mitternacht angekommen, weil es vorher nicht ginge, alle Flüge wären ausgebucht. Die versprochene Bestätigungsemail für die Umbuchung ist nie angekommen. Irgendwann hat er am Schalter von Lufthansa gefragt, ob wir uns trotzdem einchecken könnten. Kein Problem, meinte die Frau, wir wären in der Passagierliste, aber wollen wir nicht früher fliegen? Klar, meinte er. Es ging doch problemlos.

Zwischendurch gab es mehr Ärger mit meinem Arm. Zum Beispiel, weil ich nach der Sicherheitskontrolle in Barcelona gedacht hatte, es wäre besser, mit dem Aufzug statt mit der Rolltreppe runter zu gehen. Leider ist die automatische Tür vom Aufzug viel zu schnell wieder zu gegangen. Ich war noch am reingehen, als sie mit Schwung gegen meinen eingegipsten Arm geknallt hat. Ich dachte naiv, es gäbe doch optische Sensoren im unteren Bereich der Tür, die so was verhindern würden. Habe ich heulen müssen.

Im Flug nach München saß ich direkt vor dem Notausgang. Hinter mir waren die Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit. Trotzdem musste die junge Frau hinter mir, die so groß gar nicht war, die Beine so weit strecken, dass ihr Fuß auf meiner Armlehne den Ellbogen berührt hat. Abgesehen davon, dass es völlig unverschämt ist, sich mit seinen Sitznachbarn derart zu verhalten, ging es mit meinem Arm überhaupt nicht. Da sie auf meine Bitte, ihren Fuß weg zu nehmen, gar nicht reagiert hat, habe ich ihn mit der anderen Hand weg geschubst. Sie ist dann völlig hysterisch geworden, weil ich sie beim Schlafen „geschlagen hätte“, und hat gegen meinen Sessel getrommelt. Der Ehemann hat sich schnell eingemischt und sie fertig gemacht, da er sich besser umdrehen konnte als ich, bis die Zicke wutschäumend zu einem anderen Sitzplatz gewechselt ist. Tête à claques.

Um acht Uhr abends waren wir in Berlin. Zu spät für meinen Arzt.

Was ist los mit mir?

Ich habe es geschafft, mich auf der Arbeit beim Hochlaufen im Treppenhaus richtig hinzulegen. Sowas passiert mir eigentlich nie! Ich bin sonst immer so vorsichtig, wenn ich die Treppe benutze. Am Montag war ich ein bisschen schnell, bin gestolpert und voll mit den Knien gegen die Kante einer nächsten Stufe gelandet. Es hat sau weh getan. Dazu muss ich erklären, wie die Stufen in der Treppe aussehen:


Ich bin also mit voller Energie die Treppe hoch gegangen. Mein rechter Fuß ist ein bisschen zu sehr nach vorne gerutscht und in dem Raum unter der nächsten Stufe stecken geblieben. Durch das Momentum bin ich trotzdem weiter gestiegen und um den Fuß rotiert. Die Folge: Beide Knie haben die Kante einer höheren Stufe (aus Granit) erwischt. Ich habe mich dabei mit der rechten Hand am Handlauf fest gehalten, aber nicht stark genug, und mir den Mittelfinger leicht verdreht. Das linke Knie hat eine Schürfwunde bekommen, das ohnehin schon angeschlagene rechte Knie einen blauen Fleck.

Ich habe natürlich unsere Sicherheitsabteilung über den Unfall per Email informiert, wie unsere Vorschriften für Arbeitsunfälle lauten, und gefragt, ob ich einen Arzt besuchen sollte. Unsere Webseite war darüber nicht ganz klar. Eine Antwort habe ich bis jetzt nicht bekommen. Ich habe meine Wunden selbst mit unserem Erste-Hilfe-Kasten behandelt und weiter gearbeitet. Gestern habe ich den Betriebsarzt besucht. Er ist nicht jeden Tag bei uns, daher konnte ich ihn am Montag nicht sehen. Er hat mich untersucht und nichts gefunden, was eine spätere Komplikation verursachen könnte. Ich bin „sauber“ gefallen. Nebenbei hat er mir erklärt, dass ich eigentlich direkt nach dem Unfall einen Durchgangsarzt hätte besuchen sollen. Jetzt wäre es zu spät, weil die Ärzte mir unterstellen könnten, ich hätte den Unfall zu Hause und nicht bei der Arbeit gehabt. Das ist blöd, falls Komplikationen doch auftreten, weil dann meine Versicherung büßen müsste. Genau die Information hätte ich gerne von der Sicherheitsabteilung bekommen. Wenn sie auf meine Meldung reagiert hätte.

Und nicht genug: Heute Mittag wäre ich fast wieder beim Runtergehen in einer anderen Treppe gefallen. Ich war mit Kollegen zur Mittagspause unterwegs. Fast unten angekommen, habe ich plötzlich einen komischen Sprung gemacht und bin durch einen glücklichen Zufall gut auf eine untere Stufe gelandet. Ich glaube, ich spinne völlig. Keine Ahnung, warum ich da gesprungen bin. Vielleicht ein Zeichen von Erschöpfung.

Jetzt habe ich also eine neue Wunde auf die Knien. Ich dachte, die Zeiten wären vorbei. Als Kind bin ich häufig gestolpert. Ich habe so viel im Garten rum getobt. Ein Mal bin ich die ganze Einfahrt bis zum Tor gerannt, weil der Postbote gerade gekommen war. Beim Zurückrennen bin ich auf Steine so übel gestolpert, dass die Haut unter beiden Knien weg gerissen wurde. Kein schöner Anblick für meine Mami. Ein anderes Mal hatte ich Spaß damit, von der Terrasse aus in den Garten zu springen. Die Terrasse war nicht sehr hoch, aber schon beeindruckend, wenn man acht Jahre alt ist. Ich bin in den Garten gesprungen, zurück zur Terrasse gerannt, bis zur höchsten Stelle, nochmal gesprungen… Dabei mit Schwung, mit den Beinen hoch gezogen, dann während des Falles die Beine wieder gestreckt, um im Garten zu landen. Tja, bei einem Sprung lief es nicht so glatt. An dem Moment, wo ich mit den Füßen hätte landen sollen, erinnere ich mich an ein kurzzeitiges Erstaunen darüber, noch in der Luft zu sein, bevor ich gemerkt habe, dass meine Beine noch hoch gewinkelt waren. Ich habe versucht, sie schnell zurück zu strecken, aber ich war nicht schnell genug. Die Knie haben den Boden vom Garten hart getroffen. Jetzt, quasi zweiunddreißig Jahre später, sind die Narben immer noch da.

Blöde Straßenbahn

Die Geschichte hatte ich schon erzählt bekommen. Deswegen bin ich immer sehr vorsichtig, wenn ich mit dem Fahrrad über Straßenbahnschienen fahren muss, und versuche, die Räder dabei möglichst senkrecht zu den Schienen zu lenken. Es ist mir trotzdem passiert.

Am Montagabend wollte ich nach der Arbeit einkaufen gehen. Ich habe meine Küche am Wochenende bekommen und kann endlich zu Hause kochen. Es regnete stark, als ich aus dem Supermarkt raus ging. Bei der Hälfte der Strecke nach Hause gibt es eine Stelle, wo die Fahrradspur die Straßenbahnschienen überkreuzt. Normalerweise ist es kein Problem. Mit nassen Rädern und vollem schwerem Fahrradkorb doch nicht. Ich bin einfach in die Schiene runter gerutscht und konnte nichts mehr machen, außer zu warten und zu fallen. Zum Glück fuhr ich nicht schnell und kein Auto kam in dem Moment. Das Rutschen auf der Straße schien mir ewig lange zu dauern, aber ich denke, es liegt daran, dass ich wirklich nichts mehr machen konnte. Ich bin danach schnell aufgestanden und habe meine verstreuten Einkäufe auf der Straße wieder gesammelt.

Ich habe so gut wie keinen Kratzer bekommen. Meine lange Wolljacke ist völlig heil geblieben, meine schwarze Hose auch. Auf dem Bein habe ich jetzt einen riesen blauen Fleck. Die vordere Lampe hing gerade noch. Ich habe sie vollständig vom Rad getrennt, ehe sie als wildes Müll landet, und bin zum Fahrradladen bei mir um die Ecke gegangen, es war noch nicht so spät. Der Mann sagte, die Räder würden ein bisschen eiern, aber bei dem Fall wäre es erstaunlich, wie wenig Schaden verursacht wurde. Als ich nach Hause kam und meine Einkäufe aufgeräumt habe, waren sogar noch alle Eier in ihrer Packung in Ordnung. Am nächsten Tag habe ich gemerkt, wie stark ich mich bei dem Fall verkrampft haben muss, weil ich im linken Oberarm total Muskelkater habe. Heute immer noch.