Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen

Bis Montag war ich mit dem Mini-Urlaub zufrieden. Wir haben Museen besucht. Das Dalí-Museum in Figueres, aber auch das Schloss von Púbol, wo Gala Dalí gelebt hatte und begraben wurde. Wir sind am frühen Sonntagmorgen zum Castell de Montgrí gewandert, was wegen des Zustandes vom Weg recht anstrengend war. Vor allem, um wieder runter zu kommen. Die starke Tramontane, die seit Freitag wehte, hat wenigstens dafür gesorgt, dass es uns nicht zu heiß wurde. Wir sind ein paar Male am Strand gewesen. Im Meer zu schwimmen war toll. In der Sonne haben wir nur wenig gelegen. Zum weiteren Abnehmen haben unsere Aktivitäten nicht gereicht, da es auch reichlich leckere Tapas gab. Ich habe uns eine Caponata gekocht, als Dankeschön für unsere Freundin, die uns so großzügig empfangen hat. Meinem Mann zuliebe habe ich die Sellerienstangen durch eine grüne Paprika ersetzt.

Ich bin in der kurzen Zeit von Mücken gefressen worden. Es ist noch schlimmer als bei der Dorffeier. Trotz Autan habe ich dreiunddreißig Stiche erst auf den Beinen gezählt. Nur wenige haben eine allergische Reaktion verursacht. Ich bin übrigens nicht sicher, dass alle Stiche von Mücken kommen. Auf der hinteren Seite vom linken Oberschenkel hatte der Ehemann am Freitag berichtet, dass in einem Bereich so groß wie seine Handfläche acht rote Punkte vorhanden waren (er war dabei, einen Stich auf einer Pobacke zu behandeln). Es waren nur Punkte, und sie hatten gar nicht gejuckt. Am nächsten Tag doch. Alle Punkte sind wie Mückenstiche geschwollen. Mücken stechen aber nicht so häufig auf einmal in einer so kleinen Hautgegend. Einige Stiche überlappen sich sogar. Zum Glück hatten wir Fenistil und den Stichbrenner[1] dabei. Die Stiche mussten zweimal am Tag behandelt werden, aber zwischendurch hatte ich Ruhe. Und ehrlich gesagt, verglichen mit den Ereignissen vom Wochenende, erschien es mir lächerlich, mich zu sehr über „ein paar“ Stiche zu beschweren.

Ich lächelte und war also froh, und es kam tatsächlich schlimmer. Wir sind am Montagabend vom Strand zurück gekommen. Wir wollten noch kurz duschen und mit unserer Freundin für den letzten Abend essen gehen. Dazu ist es nicht gekommen.

Es gibt im Garten eine kleine Treppe. Die Stufen bestehen aus breiten unebenen Steinen, sowie der Weg davor. Ich ging als letzte die Treppe hoch, und ich bin auf der zweiten Stufe gerutscht und rückwärts auf dem Weg gefallen. Es gab nichts, wo ich mich hätte festhalten können. Ich konnte nur warten, bis ich am Boden geprallt bin. Es kam mir sehr lang vor, wie beim Fahrradunfall. Dabei konnten mich mein Mann und unsere Freundin nur entsetzt schauen, weil es so schnell ging, dass sie nichts machen konnten. Mein linker Fuß hat sich beim Fall völlig verdreht, und ich habe einen Riss am Radiusköpfchen vom linken Unterarm bekommen.

Ein großes Glück war, dass ich meine Tasche und den Stoffbeutel mit den Handtüchern vom Strand in der linken Hand trug. Beim Fallen sind beide hinter meinen Rücken gekommen und haben den Fall am Gesäß und am Rücken völlig gedämpft. Gleichzeitig kann es sein, dass sie die Verletzung am Arm verursacht haben, da ich mich sonst nicht daran erinnern kann, mich mit der Hand am Boden gefangen zu haben. Ein zweites großes Glück war, dass ich mein Haargummi am Tag davor verloren hatte. Ich hätte mir sonst einen Pferdeschwanz gemacht. Stattdessen hatte ich meine lange Haare zu einem lockeren Knoten gebunden und diesen mit einer flachen Spange oben am Kopf festgehalten. Das war gut, weil mein Kopf zweimal am Boden geknallt ist und vom Knoten geschützt wurde. Mein Schädel ist noch heil. Es fühlt sich alles normal an. Kein Schwindelgefühl. Mit einem Pferdeschwanz hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.

Wir haben den Abend in der Notaufnahme von einem Krankenhaus in der nächsten Stadt verbracht. Der Riss im Radiusköpchen ist röntgenographisch nachgewiesen worden. Der Knöchel ist nicht gebrochen und braucht nur ein paar Tage Ruhe. Der Fuß ist ganz dick geworden und hat sich dunkel gefärbt. Ich habe Gips um die Außenseite vom Arm bekommen, weil es so schmerzhaft war, wenn der Arm gedreht wurde. Ich kann ihn gar nicht mehr strecken. Der Unterarm ist nicht vollständig mit Gips gehüllt, und es ist gut, weil ich sonst gestern nicht zurück nach Deutschland hätte fliegen dürfen. Irgendwas mit Druck und Schwellung vom Arm. Es ist so trotz Halterung um den Nacken recht schwer zu tragen. Mit der ungewohnten Haltung tut mein Rücken weh. Der Oberarm auch. Oh, und der Ellbogen natürlich. Dagegen habe ich Ibuprofen bekommen. Ich frage mich manchmal, ob der Gips nicht mehr Schmerzen verursacht als er verhindert. Ich habe heute meinen Arzt besucht und er hat mich bis zum Ende nächster Woche krank geschrieben. Am Montag soll mein Arm befreit werden, um eine neue Röntgenaufnahme zu machen. Ich freue mich so drauf.

Eigentlich hatte ich vor gehabt, gestern nachmittags meinen Arzt zu besuchen. Wir hätten um drei in Tegel landen sollen und seine Praxis geht nachmittags um vier auf. Warum es nicht geklappt hat, ist eine sehr blöde Geschichte. Wir hatten unsere Flüge über Lufthansa gebucht. Hinflug über München, Rückflug direkt mit der Tochtergesellschaft Germanwings (obwohl sie seit einem guten halben Jahr Eurowings heißt). Als wir gestern zum Flughafen in Barcelona ankamen, hieß es, wir wären nicht auf der Passagierliste. Lange Anrufe bei der Lufthansa, die noch häufig einfach mitten drin abgebrochen wurden, haben uns am Ende gelehrt, dass Germanwings die Bezahlung von Lufthansa aus welchem Grund auch immer nicht akzeptiert hatte, uns das Geld zurück überwiesen und die Reservierung storniert hatte. Ohne uns in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Flug war inzwischen voll gebucht und es täte der Frau am Schalter von Germanwings sehr Leid, aber wir müssten neue Karten kaufen. Der Ehemann hat es beim rumtelefonieren geschafft, dass die Lufthansa uns als Entschädigung kostenlos auf eine Strecke über München bucht. Spät abends. Wir wären kurz vor Mitternacht angekommen, weil es vorher nicht ginge, alle Flüge wären ausgebucht. Die versprochene Bestätigungsemail für die Umbuchung ist nie angekommen. Irgendwann hat er am Schalter von Lufthansa gefragt, ob wir uns trotzdem einchecken könnten. Kein Problem, meinte die Frau, wir wären in der Passagierliste, aber wollen wir nicht früher fliegen? Klar, meinte er. Es ging doch problemlos.

Zwischendurch gab es mehr Ärger mit meinem Arm. Zum Beispiel, weil ich nach der Sicherheitskontrolle in Barcelona gedacht hatte, es wäre besser, mit dem Aufzug statt mit der Rolltreppe runter zu gehen. Leider ist die automatische Tür vom Aufzug viel zu schnell wieder zu gegangen. Ich war noch am reingehen, als sie mit Schwung gegen meinen eingegipsten Arm geknallt hat. Ich dachte naiv, es gäbe doch optische Sensoren im unteren Bereich der Tür, die so was verhindern würden. Habe ich heulen müssen.

Im Flug nach München saß ich direkt vor dem Notausgang. Hinter mir waren die Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit. Trotzdem musste die junge Frau hinter mir, die so groß gar nicht war, die Beine so weit strecken, dass ihr Fuß auf meiner Armlehne den Ellbogen berührt hat. Abgesehen davon, dass es völlig unverschämt ist, sich mit seinen Sitznachbarn derart zu verhalten, ging es mit meinem Arm überhaupt nicht. Da sie auf meine Bitte, ihren Fuß weg zu nehmen, gar nicht reagiert hat, habe ich ihn mit der anderen Hand weg geschubst. Sie ist dann völlig hysterisch geworden, weil ich sie beim Schlafen „geschlagen hätte“, und hat gegen meinen Sessel getrommelt. Der Ehemann hat sich schnell eingemischt und sie fertig gemacht, da er sich besser umdrehen konnte als ich, bis die Zicke wutschäumend von einer Stewardess zu einem anderen Sitzplatz gewechselt wurde. Tête à claques.

Um acht Uhr abends waren wir in Berlin. Zu spät für meinen Arzt.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Was ist los mit mir?

Ich habe es geschafft, mich auf der Arbeit beim Hochlaufen im Treppenhaus richtig hinzulegen. Sowas passiert mir eigentlich nie! Ich bin sonst immer so vorsichtig, wenn ich die Treppe benutze. Am Montag war ich ein bisschen schnell, bin gestolpert und voll mit den Knien gegen die Kante einer nächsten Stufe gelandet. Es hat sau weh getan. Dazu muss ich erklären, wie die Stufen in der Treppe aussehen:


Ich bin also mit voller Energie die Treppe hoch gegangen. Mein rechter Fuß ist ein bisschen zu sehr nach vorne gerutscht und in dem Raum unter der nächsten Stufe stecken geblieben. Durch das Momentum bin ich trotzdem weiter gestiegen und um den Fuß rotiert. Die Folge: Beide Knie haben die Kante einer höheren Stufe (aus Granit) erwischt. Ich habe mich dabei mit der rechten Hand am Handlauf fest gehalten, aber nicht stark genug, und mir den Mittelfinger leicht verdreht. Das linke Knie hat eine Schürfwunde bekommen, das ohnehin schon angeschlagene rechte Knie einen blauen Fleck.

Ich habe natürlich unsere Sicherheitsabteilung über den Unfall per Email informiert, wie unsere Vorschriften für Arbeitsunfälle lauten, und gefragt, ob ich einen Arzt besuchen sollte. Unsere Webseite war darüber nicht ganz klar. Eine Antwort habe ich bis jetzt nicht bekommen. Ich habe meine Wunden selbst mit unserem Erste-Hilfe-Kasten behandelt und weiter gearbeitet. Gestern habe ich den Betriebsarzt besucht. Er ist nicht jeden Tag bei uns, daher konnte ich ihn am Montag nicht sehen. Er hat mich untersucht und nichts gefunden, was eine spätere Komplikation verursachen könnte. Ich bin „sauber“ gefallen. Nebenbei hat er mir erklärt, dass ich eigentlich direkt nach dem Unfall einen Durchgangsarzt hätte besuchen sollen. Jetzt wäre es zu spät, weil die Ärzte mir unterstellen könnten, ich hätte den Unfall zu Hause und nicht bei der Arbeit gehabt. Das ist blöd, falls Komplikationen doch auftreten, weil dann meine Versicherung büßen müsste. Genau die Information hätte ich gerne von der Sicherheitsabteilung bekommen. Wenn sie auf meine Meldung reagiert hätte.

Und nicht genug: Heute Mittag wäre ich fast wieder beim Runtergehen in einer anderen Treppe gefallen. Ich war mit Kollegen zur Mittagspause unterwegs. Fast unten angekommen, habe ich plötzlich einen komischen Sprung gemacht und bin durch einen glücklichen Zufall gut auf eine untere Stufe gelandet. Ich glaube, ich spinne völlig. Keine Ahnung, warum ich da gesprungen bin. Vielleicht ein Zeichen von Erschöpfung.

Jetzt habe ich also eine neue Wunde auf die Knien. Ich dachte, die Zeiten wären vorbei. Als Kind bin ich häufig gestolpert. Ich habe so viel im Garten rum getobt. Ein Mal bin ich die ganze Einfahrt bis zum Tor gerannt, weil der Postbote gerade gekommen war. Beim Zurückrennen bin ich auf Steine so übel gestolpert, dass die Haut unter beiden Knien weg gerissen wurde. Kein schöner Anblick für meine Mami. Ein anderes Mal hatte ich Spaß damit, von der Terrasse aus in den Garten zu springen. Die Terrasse war nicht sehr hoch, aber schon beeindruckend, wenn man acht Jahre alt ist. Ich bin in den Garten gesprungen, zurück zur Terrasse gerannt, bis zur höchsten Stelle, nochmal gesprungen… Dabei mit Schwung, mit den Beinen hoch gezogen, dann während des Falles die Beine wieder gestreckt, um im Garten zu landen. Tja, bei einem Sprung lief es nicht so glatt. An dem Moment, wo ich mit den Füßen hätte landen sollen, erinnere ich mich an ein kurzzeitiges Erstaunen darüber, noch in der Luft zu sein, bevor ich gemerkt habe, dass meine Beine noch hoch gewinkelt waren. Ich habe versucht, sie schnell zurück zu strecken, aber ich war nicht schnell genug. Die Knie haben den Boden vom Garten hart getroffen. Jetzt, quasi zweiunddreißig Jahre später, sind die Narben immer noch da.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Träume

Ich stand draußen in der Sonne und las ein Buch. Ich befand mich vor der Haustür meiner früheren Wohnung. Es war ganz schön warm, ich war völlig nackt. Niemand hat es am Anfang für komisch gehalten, ich auch nicht. Nach einiger Zeit haben Passanten mich angestarrt. Eine Frau mit Kindern meinte, sie würde die Polizei rufen. Ich habe nicht gewartet, dass die Polizei kommt, und bin die Treppe hoch zu meiner Wohnung unter dem Dach gelaufen. Die Treppe hat sich wie häufig in meinen Träumen nicht normal verhalten: Ich bin zur blanken Wand angekommen, der Gang mit der Tür zu meiner Wohnung hing hinter mir in der Luft. Und wie häufig in meinen Träumen musste ich über die Rampe der Treppe springen, um zu meinem Gang zu kommen. In der Wohnung habe ich meine Reflexion im Spiegel beobachtet und mich geschämt, so nackt draußen gestanden zu haben.

Szenenwechsel. Es war nachts, ich ging an einer ruhigen Straße entlang. Auf einer Bank unter einer Laterne saß Nathalie, eine ehemalige Schulfreundin, die ich seit dem Kindergarten kenne, mit jüngeren Leuten. Als ich vorbei ging, merkte ich Tränen auf ihrem Gesicht, obwohl sie gleichzeitig am Lächeln war. Ich habe sie gefragt, was los war, und sie hat mir ihren Fuß mit einem voll blutigen Pflaster an die große Zehe gezeigt. Ich habe ihr gesagt, so könnte sie hier nicht bleiben, sie sollte zu mir kommen, ihre Wunde waschen und ein neues Pflaster bekommen. Als ich sie fragte, wie sie die Wunde bekommen hatte, meinte sie, ihre Mutter hätte ihr gesagt, auf dieser Weise könnte man totgeborene Kinder wieder lebendig bekommen, und hat dabei ihren Bauch sanft gestreichelt. Ich habe die Wunde genauer betrachtet und habe gesehen, dass es ein sehr sauberer Schnitt um den Nagel herum war. Ich habe mich innerlich geärgert, dass sie einem solchen Unsinn Glauben schenkt und sich selber diese Wunde absichtlich gemacht hatte.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.