Dienstreise abgesagt

Ich hätte heute zu einer Tagung fahren sollen. Aber. Mir geht es immer noch nicht so gut, wie ich es erwartet hatte. Ich habe schon im Urlaub gemerkt, dass ich noch psychologisch ziemlich instabil bin. Ich kriege häufig einen Kloß im Hals und muss mich dann zusammen reißen, um nicht auf der Stelle in Tränen auszubrechen. Auch wenn ich abgelenkt bin. Wie soll ich da für ein paar Tage weit weg verreisen und einen Vortrag halten?

Zum Glück habe ich den besten Chef überhaupt, den man sich wünschen kann. Nicht nur, dass er mich während der Schwangerschaft so viel unterstützt hat, jetzt zeigt er nach der Fehlgeburt so viel Verständnis! Wenn ich nicht in der Lage bin, zur Tagung zu fahren, soll ich aus gesundheitlichen Gründen absagen. Punkt. Gemacht. Ein Nachgeschmack von Versagen ist trotzdem da. Die kleine Stimme flüstert mir ins Ohr, „Stell dich nicht so an, du Jammerlappen!“. Körperlich geht es mir ja gut. Die Stimme weiß nicht, wovon sie redet.

Ich brauche noch Zeit für mich, um mich besser zu fühlen. Ich habe mich heute um mich gekümmert. Statt zur Arbeit zu fahren, bin ich zuerst zum Fitnessstudio gegangen. Anderthalb Stunde Wassergymnastik, obwohl die Frauenärztin mich davon abgeraten hatte. Ich habe zwei Kurse hintereinander mitgemacht. In der Sauna war ich auch[1]. Danach habe ich zu Hause gearbeitet. Mein Hausarzt hatte mir angeboten, mir nach Bedarf nach dem Urlaub eine neue Krankschreibung zu geben. Das will ich zur Zeit nicht, weil ich zu Hause arbeiten kann.

Der Arzt hatte mir auch Antidepressiva verschrieben, weil ich Schlafprobleme hatte. Ich habe die Tabletten gekauft, aber noch nicht benutzt. Depressiv bin ich nicht. Ich will die ganze Zeit heulen, das ist doch das Gegenteil von einer Depression, wo man sich nur noch leer und antriebslos fühlt. Was sollen die Tabletten? Womöglich ändern sie mein Verhalten, und dann bin ich nicht mehr ich. Das fand ich schon furchtbar, als ich die Pille ausgesetzt hatte. Da ich keine Gefahr für mich selbst darstelle, sehe ich nicht ein, dass ich Antidepressiva schlucken sollte. Außerdem schlafe ich wieder gut, seit letzter Woche.

Ich bleibe also zu Hause, statt nach Skandinavien zu fliegen. Mit den Streiks an den Flughäfen hätte ich sowieso nicht fliegen können. Wie gut, dass ich mich immer noch nicht darum gekümmert hatte, Flug und Hotel zu buchen. Die Folien zu meinem Vortrag habe ich den Veranstaltern geschickt. Ein der Veranstalter ist eigentlich Uschi, unser ehemaliger Chef. Er kennt mein Thema und hat sich angeboten, um den Vortrag für mich zu halten. Ich habe dadurch weniger schlechtes Gewissen, nicht zur Tagung zu fahren. Theoretisch hätte ich auch von zu Hause aus mit Skype oder ähnliches den Vortrag halten können. Mir fehlt dafür die Ausstattung. Weder Mikrofon noch Kamera habe ich am Rechner angeschlossen. Ich habe sowas nie gebraucht.

[1] In der Dusche bin ich einem gut gebauten jungen schwarzen Mann begegnet, und ich war schockiert darüber, wie sehr ich mich plötzlich zu ihm angezogen gefühlt habe. Wilde Fantasien sind mir durch den Kopf gegangen. Das nach einer frischen Fehlgeburt, und obwohl ich doch so glücklich verheiratet bin! Ein Eisprung ist auch nicht so schnell zu erwarten, der solche Hormonschübe erklären würde. Ich habe schließlich immer noch Schmierblutungen. Ich habe mir die Haare schnell gewaschen und bin aus dem Wellnessbereich auch schnell weg gegangen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Das war’s

Nachdem ich heute beim Aufwachen Blutungen bemerkt habe, die eindeutig nicht normal waren, bin ich pünktlich zur Eröffnung bei der Praxis meiner Gynäkologin erschienen. Da der Ehemann bis heute Abend auf Dienstreise ist, hieß es eine Stunde Fahrt mit ÖPNV. Ich musste schon um 07:00 das Haus verlassen. Gut, dass ich den Wecker eine halbe Stunde davor gestellt hatte.

Meine Gynäkologin war nicht da, aber ich konnte bei einer ihrer Kolleginnen untersucht werden. So wie es aussieht, hat sich das Embryo seit einer Woche nicht weiter entwickelt. Das Herz schlägt nicht mehr, und die Eihülle (oder heißt es Eischale?) hat schon angefangen, sich zu lösen. Wahrscheinlich die Ursache für die Kontraktion am Montag.

Mein Plan war ursprünglich, nach der Untersuchung ins Büro zu gehen, da es nur zehn Minuten zu Fuß von der Praxis liegt. Das kann ich vergessen. Eine Woche bin ich jetzt krank geschrieben, um den fetalen Tod zu verdauen.

Ich habe eine Einweisung fürs Krankenhaus bekommen und fahre auch gleich hin, wenn ich bequemere Kleider angezogen habe. Ich wünsche, ich würde nicht alleine hin fahren.


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Schon wieder ein sinnloser Akt

Wir lesen ständig solche schreckliche Nachrichten. Diese trifft mich besonders, da ich von dort komme. Quasi. Meine Eltern haben sich in Nizza kennen gelernt. Sie sind als Kinder im gleichen Hochhaus groß geworden. Viele meiner Verwandte leben dort. Und ich habe dort studiert.

Hier ist ein friedlicheres Bild der Prom‘. Mit den blauen Stühlen.

La_Prom

Ich bin wenigstens erleichtert, meine Familie in Nizza wohlauf zu wissen.


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Ich träume noch von ihr

Kurz nach ihrem Tod habe ich geträumt, dass ich meine Katze zufällig getroffen habe. Wir haben uns unterhalten. Ich habe sie gefragt, wie es ihr jetzt geht und was sie so macht. „Och, es geht“, meinte sie. „Was mich aber stört ist, dass jetzt alle so sind“, fügte sie hinzu, und rollte die Augen nach oben, so dass nur das Weiße noch zu sehen war. Selbst ich erschien ihr so. „Tja, das ist normal, wenn man tot ist“, habe ich ihr erklärt. „Ach so, ich bin tot?“ Sie hatte es nicht gemerkt. Sie wurde nachdenklich, und ist dann weg gegangen. Ich bin kurz danach aufgewacht.

Ein anderes Mal habe ich geträumt, dass jemand es geschafft hatte, sie wieder lebendig zu machen. Sie stand vor mir. Ich habe mich zuerst gefreut, aber dann doch gemerkt, dass ihr Fell ganz anders als vorher aussah. Die Farbe stimmte nicht, und die Haare waren nicht so lang. „Das ist nicht meine Katze“, habe ich gesagt.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mit Martin vor ihrem leblosen Körper stand. Martin hat sich gefreut, sie wieder zu sehen, und hat angefangen, sie unter dem Kinn zu streicheln. Sie hat aber natürlich gar nicht darauf reagiert, außer dass ihr Kopf durch die Bewegung auf der andere Seite eingesackt ist. „Martin, hör auf, sie ist tot“, habe ich ihm gesagt. Das hat ihn erschüttert. Er hat angefangen zu zittern und zu weinen. Ich habe ihn in meine Armen getröstet.


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Osterwochenende vorbei

Es war noch länger, weil ich am Donnerstag Freizeitausgleich hatte. Es war als Erholung vom Sonntag vor zwei Wochen gedacht, als ich den ganzen Tag bei der Arbeit verbracht hatte. Ich konnte mich am letzten Wochenende schon halbwegs erholen, aber durch den Tod meiner Katze war dieser zusätzliche freie Tag dringend nötig. Mir ging’s echt mies. Vielleicht hat es damit zu tun, aber ich habe auf einmal keine Lust mehr, in meiner aktuellen Stelle zu bleiben. Ich sehne mich nach einer ganz normalen Arbeit, mit ganz normalen Arbeitszeiten, wo es nicht von einem erwartet wird, dass man sich am Wochenende kaputt arbeitet, wo man stattdessen spontan Wochenendausflüge machen kann, und wo man nicht alle vier Wochen Rufbereitschaft machen muss, um nachtsüber telefonisch erreichbar zu sein… Kurz gefasst: Ich habe wieder angefangen, mich zu bewerben. Und wenn sich etwas ergibt, bin ich weg. Möglichst nicht mehr in der Forschung.

Ich habe noch zu Hause geputzt und eingekauft. Martin ist von Freitag auf Samstag bei Freunden für ein Osterfeuer unterwegs, wie jedes Jahr. Mir war es diesmal nicht danach. Stattdessen habe ich mich erholt. Und vor der Glotze gesessen. Das mache ich sonst nie! Nur Martin schaltet den Fernseher an. Mir ist es zu aufwendig. Drei Steckdosen muss man anschalten, eine Festplatte, die Playstation, warum auch immer, und so viele Fernbedienungen… In meiner Jugend war’s viel einfacher. Knopf drücken, das war’s. Man konnte sogar direkt am Fernseher das Rad drehen, um das Programm zu wechseln, ohne eine Fernbedienung zu brauchen (die war eh nur was für faule Säcke). Jetzt nicht mehr. Es hat sich einiges geändert, in meinem langjährigen Leben ohne Fernsehen, seidem ich fürs Studium umgezogen bin.

Am Samstag war es mir zu schwindelig, um etwas zu unternehmen. Ich dachte schon, ich wäre schwanger (das hat seit der Bauchhöhlenschwangerschaft nicht mehr geklappt), aber nein, meine Periode ist heute wieder da. Gestern ging es mir besser, und ich habe uns ein tolles Osteressen gemacht, wie meine Mami es früher immer gemacht hatte. Lammrücken im Backofen mit ganzen Knoblauchzehen im Fleisch gedrückt, Thymian und Rosmarin, Kartoffeln und Flageolets… Obwohl ich es selber gemacht habe, muss ich sagen, es war so was von lecker! Der Schwiegervater in spe war auch eingeladen. Es war ein gemütliches Mittagessen, wir haben das schöne Wetter genoßen und auf der Terrasse gegessen.

Heute morgen war das Wetter toll. Wir haben offiziell die Fahrrad-Saison eröffnet und sind zum botanischen Garten gefahren. Danach habe ich mir Vorlesungen von meinem aktuellen MOOC angehört. Ich habe die letzten zwei Wochen verpennt, jetzt gab es viel nachzuholen. Es geht um Statistik mit R. Der Kurs ist auf Französisch und endet diese Woche. Die Prüfungen sind aber nicht jede Woche zu liefern, wie beim openHPI, sondern nur bis zum Ende vom Kurs. Die sind viel flexibler, also kann ich es noch schaffen und eine Urkunde bekommen. Vielleicht hilft es bei meiner Jobsuche. Vielleicht auch nicht.


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Es geht nicht weiter

Chipie

So schnell ging das. Ich habe heute ganz früh die Arbeit verlassen. Zu Hause angekommen, habe ich die Mieze in ihre Tasche gepackt. Sie war zu schwach und hat keinen Widerstand geleistet. Gegessen hatte sie gar nichts. Sie musste für die Untersuchung nüchtern sein, weil sie wieder eine Narkose bekommen musste. Ich dachte, wir würden länger brauchen, um fertig zu sein.

Da es zu früh war, sind wir zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle gegangen. Also, ich bin gegangen und habe ihre Tasche getragen, sie hat durch die Löcher der Tasche um sich herum geschaut und die Luft geschuppert. So schön war es nicht, weil wir entlang einer viel befahrenen Straße gegangen sind. Die laute Autos haben sie erschreckt. Im Nachhinein denke ich, ich hätte besser den ruhigen Weg hinter dem Haus entlang gehen sollen, und mit der S-Bahn statt mit dem Bus fahren sollen. Wir sind wieder von einem älteren Paar an der Haltestelle angequatscht worden, und mir war es echt nicht danach, Small-Talk zu leisten. Die Ergebnisse von gestern waren nicht gut.

Wir waren noch zu früh bei der Praxis. Die Tierärztin, die die Ultraschall-Untersuchung machen musste, war verspätet. Die Mieze war genervt, wieder so lange in ihrer Tasche bleiben zu müssen. Wir sind eine Stunde im Warteraum geblieben. Sie hat ihre Narkose bekommen, und wir haben sie zu einem anderen Behandlungsraum gebracht. Wir haben nicht so lange gewartet wie gestern, und sie hat noch gefaucht und gegrollt, als sie aus ihrer Tasche geholt wurde. Aber sonst konnte sie sich nicht mehr wehren, die Assistentin hat ihre dicke Schutzhandschuhe doch nicht gebraucht.

Ihr Bauch ist rasiert worden. Ein beeindruckender Anblick, bei ihrer Haarlänge. Sie hat einen Gel auf der Haut bekommen, sich leicht darüber beschwert, und die Tierärztin hat die Untersuchung begonnen. Ich habe auf ihrem Bildschirm geschaut, aber ich konnte gar nichts davon verstehen. Am Ende hat sie mir gesagt, dass es sich um einen Tumor handelte. Ein enormer Tumor, knapp 5 mal 8 cm groß, am Anfang vom Darm, und in Kontakt mit anderen vitalen Organen. Operieren oder irgendwie sonst handeln konnte man den schon nicht mehr.

Ich hatte es geahnt, aber gehofft, dass es doch nicht so schlimm wäre. Die Masse auf dem Röntgenbild gestern war doch riesig, und die Ärztin hat nur bestätigt, was ich befürchtet hatte. Und so richtig gut vorbereitet war ich doch nicht, weil ich zusammengebrochen bin. Die Tierärztin und ihre Assistentin haben mich zum Warteraum mit meiner Mieze geschickt, bis der Tierarzt von gestern mit mir sprechen konnte. Der Tumor muss schon lange da gewesen sein. Sie hat sich nichts anmerken lassen, und als die Symptome erschienen sind, war es schon zu spät.

Es war klar, dass ihr Krebs so fortgeschritten war, dass nichts mehr zu machen ist. Es war klar, dass es ihr nur noch schlechter gehen könnte. Nur zuzuschauen, wie sie vor sich hin leidet, wäre einfach blöd gewesen. Als sie gestern Abend auf ihrem Lieblichsteppich ruhig lag, hat sie immer wieder kleine Miau von sich gegeben. Ich bin geblieben, als er ihr die letale Injektion verabreicht hat. Sie war noch unter Narkose und hat nichts mitbekommen, hoffe ich. Ich habe gesehen, wie ihr kleiner Kopf zwischen ihren Pfoten gesackt ist. Es ging so schnell.

Ihr Körper bleibt erstmal in der Praxis. Ich muss überlegen, was aus ihr wird. Gläubig bin ich nicht, dass ich viel Wert auf eine Beerdigung lege, aber die Vorstellung, sie einfach lieblos zu entsorgen, ist mir zu grausam. Ich bin zurück nach Hause mit ihrer leeren Tasche und ihrer Plüschente gegangen. Sehr langsam. Die kleine Plüschente hatte ihr meine Mami als Spielzeug geschenkt, als sie noch ein Kätzchen war, und sie hat sie immer noch so gerne überall mit sich herum geschleppt.

Als ich unten die Haustür geöffnet habe, habe ich mich dabei ertappt, wie ich gelauscht habe, ob sie dabei war, an die Wohnungstür ganz oben zu kratzen. Ich habe ihre Tasche im Flur gelassen. Ihre Ente ist noch drin. In der Küche ist ihr leerer Napf am Boden neben dem Kühlschrank. Ihr Lieblingsteppich ist noch voller Haare, aber ich habe ihn nicht staubsaugen wollen. In einer Ecke steht ihr neuer Transportkäfig, den wir am Samstagnachmittag besorgt haben, weil die Tierärztin meinte, es wäre viel besser als die Tasche, aus der sie entkommen könnte (was ich nicht für möglich gehalten habe). Ich habe die Tasche weiter benutzt, weil sie Zeit braucht, um sich an neue Gegenstände zu gewöhnen. Sie ist noch nicht mal drin gewesen.

Die Wohnung ist verdammt leer. Martin kommt erst morgen Abend zurück.


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Samstag

Wir waren gestern Abend im Kino. Steve Jobs haben wir gesehen. Es hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je bei einem Film so schnell das Verlangen danach hatte, den Raum wieder zu verlassen. Doch. The Social Network hat es geschafft. In fünf Minuten hatte man gesehen, wie Mark Zuckerberg von seiner Freundin verlassen wird und anfängt, irgendeine Webseite zu bauen, um ihr Image zu schädigen. Es ging viel zu schnell, die Dialogen waren kaum zu verstehen, der Typ wirkte unsympathisch, und es hat mir gleich gereicht. Es kann auch an die Übersetzung ins Deutsche gelegen haben. Damals waren wir aber im Wohnzimmer. Ich habe beschlossen, dass ich mich besser beschäftigen könnte und bin zu meinem Arbeitszimmer gegangen. Gestern ging’s mir ähnlich. Da Martin mich eingeladen hatte, bin ich eingepennt, während er den Rest des Filmes geschaut hat.

Auf dem Weg nach Hause habe ich dann im Bus die Nachrichten auf dem Handy gesehen, und konnte es nicht fassen. Wir haben im Wohnzimmer eine gute Stunde lang die Nachrichten im Fernseher geschaut, bevor wir ins Bett gegangen sind. Einschlafen war verdammt schwer. Sex kam irgendwie auch nicht in Frage. Ich war zu schockiert. Ich habe es nicht mal geschafft, meine Gefühle und Gedanke richtig darzustellen. Es muss total verwirrt gewirkt haben. Martin ist vor mir eingeschlafen.

Heute morgen bin ich kurz nach acht aufgewacht und konnte nur an die gestrigen Ereignisse denken. Die neuen Opferzahlen waren noch schlimmer. Ablenkung war nötig. Martin hat bis zehn geschlafen. Als er dann unter der Dusche war, hat es bei uns geklingelt. Ein Lieferant von Hermes, der mir eine Packung gebracht hat. Das Geburtstagsgeschenk für Martin. Es ist ziemlich früh im Voraus, aber ich wusste nicht, wie lange die Bestellung dauern könnte. Ich bin gespannt, ob es ihm gefällt. Sehr wahrscheinlich schon. Wir sind danach einkaufen gegangen. Beim KaDeWe Kaffee geholt und dort mittags eine tolle Bouillabaisse gegessen. Die Zeit ging schnell vorbei, um vier waren wir erst wieder zu Hause. Ich habe uns ein tian de courgettes zum Abendessen vorbereitet. Es hat mich gefreut, wie sehr es ihm geschmeckt hat. Es wird trotzdem noch für morgen reichen. So war’s auch geplant. Das Rezept kommt in Kürze.


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Unter Schock

Wie letztes Jahr bei Charlie Hebdo. Ich bin wütend, fühle mich machtlos und desillusioniert. Und ich frage mich immer wieder, warum ist hier in Berlin noch nichts passiert? Bis jetzt hatten wir großes Glück. Das sollten wir schätzen, aber nicht glauben, dass wir in Sicherheit sind. Das kann überall passieren.

Ich hoffe, sie kriegen es zurück bezahlt.


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Eine Andere

Die Freundin von Martin war zurückgekommen. Ich wusste bisher nichts von ihr, musste aber sofort aus unserem gemeinsamen Schlafzimmer ausziehen[1]. Die Frau sah nicht besonders attraktiv aus, klein, mit kurzen schwarzen glatten Haaren und einem langweiligen Gesicht. Sie hat sich in der Wohnung breit gemacht. Meine Sachen habe ich zu einem anderen Zimmer gebracht. Ich habe mich richtig mies gefühlt, vor allem bei dem Gedanke, dass sie ab jetzt mit Martin schlafen würde und ich nicht mehr. Ich konnte es nicht verkraften und habe Martin gesucht, um ihm zu sagen, dass ich mit der neuen Situation nicht zufrieden war. Er war nirgendwo zu finden. Ich habe mich auf meinem Bett geschmissen, wo mein ganzer Kram, noch nicht aufgeräumt, verteilt war. Unter anderen, die aufgebrochene rote Packung Kondome[2]. In dem Moment ist mein Vorgänger ins Zimmer gekommen. Er hat mir erzählt, dass Martin in seiner Diplomarbeit beim Parallelprogrammieren mit Pools gearbeitet hatte. Ich war entsetzt, dass Martin mir bei meinem Projekt nicht geholfen hatte, da ich die ganze Zeit versucht hatte, mit Queues zu arbeiten, womit ich es natürlich nicht schaffen konnte, um parallele Jobs zu starten. Ich wollte noch mal zu ihm und konnte ihn nicht finden.

In dem Moment ist die Katze ins Bett gekommen und hat angefangen, laut zu schnurren und das Kopfkissen zu kneten. Wieder gegen 06:00. Ich habe die Katze gehoben, um sie zum Boden zu bringen. Sie hat sich mit ihren Krallen am Kopfkissen fest gehalten. Ich habe sie stärker gehoben. Dabei hat mein Kopf nicht mehr so stark aufs Kopfkissen gedrückt. Der Impuls wurde zu groß. Die Katze ist samt Kopfkissen geflogen und auf dem Boden am Fuß des Bettes gelandet. Ich habe das Kopfkissen wieder geholt. Spürbar beleidigt, hat die Katze mit einem dezidierten Schritt das Schlafzimmer verlassen.

[1] Die Wohnung hatte übrigens, wie häufig im Traum, nichts mit der Realität zu tun.

[2] Die wir nicht mehr benutzen.


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