Taxi fahren in Berlin

Heute war in meiner Nachrichten-App, unter anderen, die Meldung, dass Cem Özdemir von Taxifahrern bedroht wird. In Berlin. Genauer gesagt von türkischstämmigen Taxifahrern mit nationalistischem Hauch, die seine politischen Ansichten nicht teilen.

Es überrascht mich nicht. Mit Taxifahrern habe ich auch unschöne Erfahrungen gemacht. Es sollte aber kein falscher Eindruck entstehen, nicht alle verhalten sich so schlecht, vom weitem.

Vor vielen Jahren, als ich Doktorandin war, hatte ich das Zusammenschreiben meiner Arbeit hauptsächlich nachts am Institut gemacht[1]. Tagsüber gab es zu viele Ablenkungen durch die Kollegen. Und häufig war ich gegen zwei oder drei Uhr morgens für die kurze Strecke mit dem Taxi nach Hause gefahren. Ich fühlte mich nicht genug in Sicherheit, um den zwanzigminütigen Fußweg zu machen. Eine Nacht stieg ich wie gewöhnlich ins Taxi ein. Der Fahrer, der, wie der Zufall es will, türkischstämmig war, fragte, was ich denn machen würde. Ich mag es nicht, wenn Taxifahrer persönliche Fragen stellen. Ich habe trotzdem geantwortet, dass ich Doktorandin in Physik war. Der Fahrer ist völlig ausgerastet und meinte, ich sollte als Frau keine Physik studieren. Ich sollte gefälligst heiraten und Kinder bekommen. Ich habe ihn gebeten zu halten und den Rest des Weges doch zu Fuß gemacht. Es war zum Glück ein Einzelfall.

Seitdem ich in Berlin lebe, haben sich blöde Erfahrungen mit Taxifahrern gehäuft. Ich will sie nicht alle erzählen. Ein Beispiel ist, als wir die letzte Weihnachtsfeier mit der Arbeitsgruppe in einem Restaurant in der Nähe vom Kottbusser Tor verbracht haben. Ich hatte an dem Abend nicht zu viel getrunken, wollte aber nicht mit ÖPNV nach Hause. Ich hätte eine gute Stunde gebraucht, und mit dem miesen Ruf vom Viertel kam es nicht in Frage, alleine zu fahren. Die Kollegen wollten noch woandershin trinken gehen, mir war es um elf schon recht spät. Beim Bezahlen habe ich nach einem Taxi gefragt, und es kam ziemlich schnell. Nachdem wir los gefahren sind, fragte der Fahrer, der wieder türkischstämmig war, ob ich Wein getrunken hätte. Komische Frage. Mit einem blöden Gefühl, habe ich bejaht. Die ganze Fahrt hat er mir deswegen Vorwürfe gemacht. Ich war nach dem dreistündigen Spaziergang am Nachmittag zu müde, aber eigentlich hätte ich aussteigen und mir einen anderen Taxi bestellen sollen. Schließlich hat er mich aus einem Restaurant geholt, und wir sind in Deutschland, was denkt er, was Leute abends trinken? Oder hat er mich für eine Türkin gehalten? Das glauben viele, vom Aussehen her. In Südfrankreich haben wir schon eine dunklere Haut, und mit der halb italienischen Familie hilft es nicht. Das gibt Taxifahrern längst keinen Recht, mich als Gästin so zu behandeln.

Ich sollte es mir zur Gewohnheit machen, die Nummer vom Taxi aufzuschreiben, um mich eventuell bei der Firma zu beschweren.

[1] Heute würde ich einfach von zu Hause aus arbeiten. Damals hatte ich zu Hause meinen allerersten Rechner mit Windows 98 und keine Internetverbindung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ich brauche neue Brille

Heute hatten wir einen Termin beim Bürgeramt. Es ging darum, unsere Ehe endlich in Deutschland bei den Behörden anzumelden, denn bis heute waren wir noch nicht dazu gekommen.

Ich wollte es schon seit unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise gemacht haben. Ich habe den Ehemann darum gebeten, nachzuschauen, was wir dafür machen müssten. Als Deutscher sollte er es einfacher haben, das ganze Behördendeutsch auf den Seiten der Stadt zu verstehen. Er hat uns einen Termin beim Standesamt vereinbart. Als wir dort in Juli waren, wurde uns belehrt, dass wir eigentlich zum Bürgeramt gehen sollten.

Einen Termin habe ich uns selber ausgesucht. Es geht online ziemlich gut, wenn man weiß, welchen Service man braucht. Es war aus den Seiten der Stadt nicht klar, daher habe ich die Hotline angerufen und erfahren, dass wir ganz einfach einen Termin für eine Meldung beim Bürgeramt machen sollen. Den Termin habe ich Mitte Juli vereinbart. Da die Ämter in Berlin immer überlastet sind, war er erst für Mitte Oktober geplant.

Ich habe zwischendurch immer wieder geschaut, ob Termine vorher frei wurden. Es ist unglaublich, wie schnell verfügbare Termine auf dem Buchungssystem der Stadt kommen und gehen. Kaum ist ein freier Termin ausgewählt, dass er schon beim Bestätigen von jemandem anders gebucht wurde. Irgendwann hatte ich Glück, und habe den Termin auf heute verschieben können. Es ist egal, in welchem Bezirk man den Termin bekommt. Es wurde Lichtenrade. Ich kenne mich dort nicht aus.

Wir konnten uns beide von der Arbeit befreien. Nicht ganz. Der Ehemann ist morgens ganz früh zur Arbeit gefahren und mit dem Auto von dort direkt zum Bürgeramt gekommen. Ich habe zu Hause an meinem DFG-Antrag gearbeitet und wollte mit ÖPNV fahren. Es war nicht schwer, zuerst mit der Linie X11 zur S-Bahn Buckower Chaussee, und dann mit der S2 nach Lichtenrade.

Ich kam überpünktlich an der Haltestelle an. Die X11 war aber verspätet. Nicht so schlimm, ich hatte genug Umsteigezeit für die S-Bahn. Nach fünf Minuten Verspätung habe ich einen Doppeldecker aus der Entfernung kommen gesehen. Die Nummer sah wie X11 aus. Der Bus konnte nicht direkt vor der Haltestelle halten, weil davor Autos an der roten Ampel standen. Der Fahrer hat weiter weg angehalten und die Türe geöffnet. Ich bin eingestiegen.

An der Ampel hätten wir rechts abbiegen sollen. Wenn ich in der X11 eingestiegen wäre. Es war die 101, und es ist mir erst klar geworden, als ich mit einem sinkenden Gefühl im Magen gesehen habe, wie wir gerade aus gefahren sind. Mist, Mist und noch mal Mist. Ich habe aus der Ferne 101 für X11 gehalten, und nicht mehr geprüft, als ich eingestiegen bin. Bei der nächsten Haltestelle war ich fast zurück zu Hause. Mit der X11 zu fahren würde jetzt nicht mehr klappen. Ich hatte zum Glück geplant, zwanzig Minuten vor dem Termin anzukommen, also war ich noch entspannt. Ich habe beschlossen, bis Rathaus Steglitz zu fahren. Dafür musste ich die 101 verlassen und auf die M48 warten.

Und dann? Mit der S1 nach Schöneberg, und mit der Ringbahn nach Südkreuz, und mit der S2 nach Lichtenrade? Ich habe den DB-Navigator gefragt, und er meinte, am besten wäre es, mit einem anderen Bus zur S-Bahn Station Priesterweg zu fahren, wo ich in die S2 einsteigen könnte. Gut. Die Haltestellen um Rathaus Steglitz sind aber weit gestreut, und ich wusste nicht, wohin ich musste. Ich bin rum gerannt, nur um den Bus an mir vorbei fahren zu sehen. Die M48 war zu spät angekommen, die 170 war dafür pünktlich. Mist. Jetzt war ich wirklich zu spät.

Auf der anderen Seite der Straße war der Taxistand. Ich bin mit dem Taxi gefahren. Der Spaß hat 25€ gekostet, aber ich habe den lange genug geplanten Termin nicht verpasst.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

In Israel

Von vorne rein: Ich war nicht so scharf drauf, dahin fliegen zu müssen. Ich hatte Bedenken. Das Land ist nicht sicher. Winfried hat mich eingeredet, damit ich zusage. Wie bei der Reise vor Weihnachten bin ich als Ersatz für ihn eingeladen worden. Der Ort sei relativ sicher, meinte er, nicht wie in Jerusalem, und man kann nach Tel’Aviv fliegen, was er mir als völlig harmlos schilderte. Hinzu kam, dass die Veranstalter mich für die anderthalbstündige Fahrt vom und zum Flughafen von einem Taxi abholen lassen wollten. Eine entspannte Reise, dachte ich. Bis ich festgestellt habe, dass es in Israel auf der Autobahn völlig normal ist,

  • die Geschwindigkeitsgrenze nicht zu beachten,
  • bei 130 km/h mit linker Hand aufs Lenkrad und dem Kopf nach unten rechts geneigt ins Innere vom Auto zu schauen, weil man gerade eine SMS eintippen muss (wenn mein erster Taxi-Fahrer nicht mit seinem Handy beschäftigt war, musste er ständig linkshändig in der Nase bohren),
  • die Autos ganz dicht vor einem mit Lichthupe zur Seite zu bitten,
  • am Rand der Autobahn zu halten (ich sehe noch vor Augen die Frau, die direkt nach einer Autobahneinfahrt rechts aus dem Auto ausstieg, um einem Mädchen die Hose runter zu ziehen, damit es seine Blase entleeren kann).

Das war alles aber nichts, im Vergleich dazu, wie stressig es war, überhaupt zum Flugzeug zugelassen zu werden. Wenn ich nochmal gefragt werde, nach Israel zu reisen, sage ich gleich nein. NEIN. Es hat mir am Flughafen schon gereicht.

Hinflug ab Schönefeld. Ich gehe wie gewohnt mit meinem Koffer zum Check-in-Schalter. Die Schlange links für Ryanair ist voll. Für meinen Flug mit EL AL / UP ist es noch leer. Ich tue mein Gepäck aufs Band. Der junge Mann schaut es sich nicht an. Mich auch nicht. Er quatscht die ganze Zeit mit seiner Kollegin am Schalter rechts von ihm. Bis er meine Dokumente prüft. Ich bin nicht eingecheckt. Die Veranstalter haben den Flug für mich gebucht, inklusiv Sitzplatz. Von einer Möglichkeit zum Online-Check-in bin ich gar nicht informiert worden und in unseren Emails habe ich keinen Link dazu gefunden. Hätte ich doch machen sollen, erfahre ich, Check-in macht man bei EL AL / UP grundsätzlich nur noch online. Bestimmt noch so ein Billigflieger. Die 9€ irgendwas extra muss ich am Schalter fürs Check-in bezahlen. Die Veranstalter werden es mir zurück erstatten. Hätte ich aber den Online-Check-in vorher gemacht, dann hätte ich es gewusst, mit dem Sicherheitscheck vorm Einchecken. Und ich hätte es auch gemacht. Dem jungen Mann am Schalter ist es nicht aufgefallen, so beschäftigt er beim Flirten mit seiner Kollegin war. Nicht mal mein Tschüß hat er erwidert.

Ich bin also nach dem Check-in mit meiner Bordkarte zur Sicherheitskontrolle gegangen. Rucksack aufs Band, Laptop raus, Jacken und Schuhe aus, ich bin ja dran gewöhnt. Es ging schnell. Ich habe inzwischen herausgefunden, welche BHs ich am besten kaufe, um nicht zu piepsen. Danach zur Passkontrolle. Gehe ich zur Frau oder zum Mann? Ich gebe meinen Pass dem Mann. Ich lächle nicht. Ich habe häufig genug gehört, man sollte es nicht tun. In manchen Fällen hat man es mir sogar sehr ausdrücklich befehligt. In Deutschland. Weil man einen ähnlichen Gesichtsausdruck wie eine Gefängnistür auf dem Foto haben soll. Der Mann verhält sich aber freundlich mit mir. Außergewöhnlich. Er lächelt sogar und wirkt erstmal irritiert, dass ich es nicht erwidere. Und redet dann akzentfrei auf Französisch mit mir. Ach so. Deswegen. „Was treibt der denn hier?“, frage ich mich. Ich gehe weiter zum Aufenthaltsraum. Denke ich. Was mich erwartet ist wieder eine Personen- und Handgepäck-Kontrolle. Wieder Jacken und Schuhe ausziehen. Durch den Ganzkörper-Scan. Das bringt doch nichts, wenn die Frau hinter dem Gerät mich trotzdem überall abtastet und sogar meine Brust voll in die Hand presst. Am Ende darf ich gehen. Um noch eine Schlange für eine Passkontrolle zu entdecken. Direkt hinter dem Mann sehe ich den Aufenthaltsraum mit den Sitzplätzen. Ich habe noch Zeit und denke, ich könnte an meine Präsentation arbeiten.

Pustekuchen. Der Mann bei der Passkontrolle begrüßt mich mit „Shalom“ und sagt irgendwas, was ich nicht verstehe. Ich sage nur „guten Tag“. Ab hier wird aber schon nicht mehr Deutsch gesprochen. Er schaut sich meinen Pass an und fragt mich auf Englisch, wo der Zettel für mein Gepäck denn wäre. Ich zeige ihm den Zettel vom Check-in, aber das meinte er nicht. Dann fragt er, ob das mein einziger Pass wäre. „Yes„, sage ich, schon leicht verwirrt. Er sagt, ich hätte mein Gepäck nicht prüfen lassen. Davon hat mir keiner was gesagt. Der Trottel vom Check-in war nur mit seiner Kollegin beschäftigt. Ich muss also zurück gehen und mich bei der Sicherheit melden. Vor der Scan-Kontrolle wartet schon eine Frau auf mich. Sie bringt mich zum Flur vor der ersten Passkontrolle. Unter den Fenstern sind Sitzplätze angereiht. Sie sagt, ich sollte dort warten. Ich warte. Und warte.

Der Mann von der zweiten Passkontrolle kommt zu mir und fängt an, mir Fragen zu stellen. Kenne ich Israeli persönlich? Habe ich eine Krankenversicherung? Er will meine Karte sehen. Wo will ich übernachten? Warum reise ich nach Israel? Ein der Veranstalter hatte mir einen offiziellen Brief mit einer Einladung für die Sicherheitskontrolle geschickt. Ich bin froh, diesen Brief dabei gehabt zu haben. Dann wollte der Mann mehr wissen. Meine Emails wollte er lesen. Die, in der ich eingeladen wurde. Die kann ich vom Handy aus abrufen. Dabei frage ich mich, ob er überhaupt dazu berechtigt ist, sowas zu verlangen. Wann genau muss ich Präsentationen halten? Am Montag. Warum fliege ich dann nicht schon direkt danach zurück nach Deutschland? („Shalom and welcome„, höre ich später wenig belustigt im Flugzeug) Wer sind die anderen Leute, die an der Veranstaltung teilnehmen? Worüber werde ich reden? Ich schlage vor, ihm den Vortrag auf dem Laptop zu zeigen, aber er will nur eine grobe Idee haben. Ich beschreibe das Thema, und denke dabei daran, bestimmte Stichwörter zu vermeiden. Es scheint ihn zu überzeugen. Meinen Rucksack will er aber noch prüfen lassen. Er nimmt ihn zu einem geschlossenen Raum, während ich im Flur zu warten habe.

„Was ist, wenn ich doch nicht fliegen darf?“, frage ich mich. Ich spiele mit dem Gedanke, die Veranstalter zu fragen, ob sie bis zum nächsten Tag eine Skype-Verbindung vorbereiten können, damit ich den Vortrag von zu Hause aus halten kann. Skype habe ich selber noch nie benutzt. Für den praktischen Teil hatte ich geschriebene Anweisungen vorbereitet, das könnte im Notfall ohne mich gehen. Es wäre nicht tragisch. Vor allem nach den jüngsten Ereignissen in Tel’Aviv. Doch nicht nötig. Am Ende kriege ich meinen Rucksack mit einem Aufkleber zurück und darf durch die drei letzten Kontrollpunkte noch mal durch. Vorher prüfe ich, dass nichts im Rucksack fehlt. Inzwischen ist so viel Zeit vergangen, dass ich eigentlich den Flieger verpasst hätte. Aber der hat auch Verspätung. Wegen mir? Ich sehe andere Leute mit einem Aufkleber aufs Handgepäck nach mir in den Warteraum kommen. Ich bin nicht die Einzige.

Im Flugzeug fand ich die Flugbesatzung merkwürdig. Ich bin dran gewöhnt, dass das Personal alle Gäste beim Einsteigen begrüßt. Das haben sie auch bei den Gästen vor und nach mir gemacht. Nicht bei mir. Die waren plötzlich anderweitig beschäftigt. Das kann passieren. Ich habe es als besonders seltsam empfunden, als die Stewardessen mehrmals den Gang rauf und runter beim Service gegangen sind und niemals in meine Richtung geschaut haben. Echt niemals. Nicht mal ein Glas Wasser haben sie mir gegeben, was die anderen Gäste sonst am Anfang vom Flug angeboten bekommen haben. Meine Sitznachbarn haben auch ein bekommen. Dabei hat die Stewardess keinen Blickkontakt mit mir gemacht. Ob es daran liegt, dass ich Französin bin? Oder hat es mit der zusätzlichen Sicherheitskontrolle zu tun? Woher sollen sie das wissen? Ich habe eine solche offensichtliche Missachtung in einem Flugzeug noch nie erlebt. Ich habe beschlossen, kein Geld bei dieser Gesellschaft auszugeben. Selbst wenn es heißt, vier Stunden lang nichts zu essen oder zu trinken. Beim Verlassen des Flugzeuges hat sich das Personal auch nicht bei mir verabschiedet.

In Tel’Aviv habe ich mich noch zwanzig Minuten in eine Schlange anstellen müssen, um meinen Pass wieder kontrollieren zu lassen. Ich bin nochmal gefragt worden, was mich nach Israel treibt. Als ich endlich raus war und meinen Koffer wieder hatte, war mein Taxi-Fahrer zum Glück noch da, mit einem A4-Blatt in der Hand, auf dem mein Name handschriftlich geschrieben wurde. Er hat fast eine Stunde auf mich warten müssen.

Bei der Rückreise habe ich gehofft, es würde besser klappen. Ich habe den Check-in vorher auf deren Webseite gemacht. Ich bin mit meinem Koffer zur ersten Sicherheitskontrolle gegangen. Dabei ist mein Koffer gar nicht geprüft worden. Ich bin nur Fragen gestellt worden, bevor ich einen Aufkleber auf dem Koffer bekommen habe und zum Schalter gehen durfte. Danach bin ich zur Personen- und Handgepäck-Kontrolle gegangen. Es war aber nicht ganz klar, wo ich hin gehen musste. „Links“, meinte der Mann am Eingang der Kontrolle. Ich bin zur Schlange am linksten gegangen. Es war falsch. Als ich dran kam, hat eine Frau auf meine Bordkarte geschaut und mich woandershin geführt. Dort hat ein Mann entschieden, eine Gruppe von Leuten zu einer neuen Schlange zu führen. Ich musste mit, meinte er. Die Schlange wurde für uns geöffnet. Wir waren vielleicht zehn Personen, ich war die letzte. Wir haben eine gute Viertelstunde da gestanden und gewartet. Leute sind hinter mir zur Schlange gekommen. Es gab Angestellte, die an den Röntgengeräten saßen, und andere, die hinter den Personendetektoren standen. Sie haben ausgesehen, als ob sie beschäftigt wären. Was die wirklich getrieben haben, keine Ahnung. In der Zeit ist keiner der Reisende durch die Kontrolle gekommen. Danach ging’s. Sehr langsam. Bei jeder Person wurde der Inhalt vom Handgepäck genau geprüft. Ständig hat ein Mann die Bordkarten der Leute in der Schlange geprüft und diejenige zum Anfang der Schlange gebracht, die sonst zu spät zum Flieger kommen würden. Solange konnte ich nicht gut stehen. Mein Ischias hat sich gemeldet und ich habe mich in der Schlange wo ich konnte hingesessen. Es hat fast eine Stunde gedauert, bis ich durch war. Wir sind noch mit einer Stunde Verspätung abgeflogen. War ich froh, als ich endlich aus dem Flughafen in Schönefeld rausgegangen bin!

Aber sonst war mein Aufenthalt dort toll. Die Veranstalter haben uns ziemlich das beste Hotel der Stadt gebucht, die Temperaturen waren sehr angenehm, auch wenn es meistens regnerisch war (die Leute dort haben sich bei 15°C beschwert, wie kalt es dieser Winter ist), das Essen war fantastisch, und ich habe bei der Veranstaltung sehr gute Beiträge geliefert, die Teilnehmer waren begeistert. Ich habe neue Leute kennen gelernt. Eine Teilnehmerin hat mich um Hilfe gefragt, um ihren durchaus komplizierten Datensatz auszuwerten. Es hat etwas gebracht. Und ich bin heil zurück gekommen. Ich muss aber echt nicht nochmal hin.


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Abzocke im Taxi

Letztes Jahr hatten alle berliner Zeitungen über Talip M. berichtet, der wegen extravaganten Rechnungen an Reisenden vom Flughafen Tegel ab in 22 Fällen angezeigt wurde und dafür zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Damit war aber nicht Schluss. Betrügerische Taxifahrer in Berlin gibt es immer noch.

Wir hatten letzte Woche einen Wissenschaftler aus einer ausländischen Universität für eine Veranstaltung eingeladen. Ein alter Herr, der längst in Rente hätte gehen können, wenn die Begeisterung für seine Forschungsarbeit nicht wäre. In Tegel gelandet, hat er ein Taxi genommen, um zum Hotel zu fahren. Die S-Bahn streikt ja gerade. Die Rechnung: 160€. Das Vierfache vom maximalen Normaltarif.

Wie der Betrug erkannt wurde, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, als er seine Rechnung zu unserer Verwaltung gebracht hat, um die Rückerstattung seiner Reisekosten zu beantragen. Ich weiß nicht, ob er sein Geld jemals wieder sehen wird. Unsere Verwaltung ist der Meinung, dass er hätte wissen sollen, wie viel die Taxifahrt kostet, weil die Information auf unserer Webseite steht. Wenn man weiß, wo man suchen soll, die Seite ist selbst für mich nicht leicht zu finden. Andererseits ist er direkt zum Hotel gefahren, und wenn man von vornherein plant, mit dem Taxi zu fahren, sucht man nicht, wie man zu einem bestimmten Ort ankommt.

Es gab eine Anzeige bei der Polizei, die nicht viel gebracht hat. Nur die Rechnung hatte unser Gast dabei. Ohne Angabe vom Autokennzeichen und von einer anderen Nummer des Taxis, die man drin vorne sehen sollte, kann die Polizei nichts machen. Unser Gast hat sich natürlich nichts davon notiert. Wer macht das schon? Eigentlich sollten wir uns alle diese ganzen  Nummer aufschreiben, jedesmal, wenn wir in ein Taxi einsteigen. Die Erklärung der Polizei: Angeblich kann die Taxifirma nicht nachvollziehen, wer von ihren Angestellten von A nach B um einer bestimmten Uhrzeit gefahren sein kann. Jetzt, wo alle Taxis mit Navis usw. ausgestattet sind?

Den gleichen Unsinn hatte ich übrigens schon von der ASEAG erklärt bekommen, als ich vor einigen Jahren mit meiner Fahrkarte eine Beschwerde einreichen wollte. Seitdem merke ich mir immer die Nummer vom Bus, wenn etwas nicht in Ordnung läuft. Und habe dabei festgestellt, dass bei der ASEAG diese Nummer immer auf der Fahrkarte steht, die man im Bus kauft. Ich habe gedacht, die Angestellte dort müssen die Anweisung haben, möglichst wenige Beschwerde zu bearbeiten.


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