Familienstress

Eigentlich wollte ich über das Wochenende schreiben. Wir haben eine sehr schöne Wanderung gemacht, das Wetter war toll, wir haben richtig vom Alltag abschalten können. Leider überschatten Ereignisse von gestern nachmittags alles, und die Erholung ist schon futsch.

Das S-Bahn-Chaos vom Wochenende war gestern das geringste Übel. Wie gefühlt jedes Wochenende fuhr so gut wie gar nichts durch die Stammstrecke. Wir sind von unserem Endpunkt der Wanderung mit der S7 zum Hauptbahnhof gefahren. Der Ehemann meinte, es gäbe Schienenersatzverkehr zwischen Donnersbergerbrücke und Pasing, aber ich habe damit sehr schlechte Erfahrung in München gemacht. Besser zum Hauptbahnhof fahren, und von dort die Regionalbahn nach Pasing zu nehmen. Die Regionalbahn war aber aufgrund des Ausfalls der S-Bahn überfüllt und ist so spät abgefahren, dass wir die S8 nach Herrsching verpasst haben. Die nächste S8 hatte natürlich Verspätung. Mit müden Beinen, schweren Rucksäcken und nach Schweiß stinkend war es kein Vergnügen, auf dem überfüllten Bahnsteig in der Hitze stehend zu warten. Vor allem, da in Pasing gerne in allerletzter Minute der Bahnsteig geändert wird, an dem die Bahn ankommt. Das ist uns gestern wenigstens erspart geblieben. Ich meinte von vorne rein, wir hätten die S7 in Harras schon verlassen sollen, mit der U-Bahn bis Martinsried fahren, und von dort mit dem Bus nach Hause. Es hätte länger gedauert, wäre aber wesentlich entspannter gewesen. Der Bus ist immer leer, und am Wochenende dürfte in Martinsried nichts los sein, da es an der Uni keine Vorlesung gibt. Der Ehemann wollte nicht Bus fahren. Beim nächsten Mal übernehme ich die Fahrtplanung.

Dadurch, dass wir so lange in Pasing auf die S8 warten mussten, habe ich meine Emails auf dem Handy gelesen. Dabei war eine Email von Bianca, die mir, meiner Mutter und meiner Schwester eine Email von meinem Vater weitergeleitet hatte. Der Inhalt seiner Email war eine bodenlose Frechheit. Wir hatten uns letztes Jahr geeinigt, dass Bianca weiterhin in dem Haus meines Bruders wohnen darf, das er gekauft hatte, um mit ihr zu leben. Ich höre es noch in meinem Kopf, wie mein Vater es für selbstverständlich erklärte. Wie er Bianca umarmt hatte und ihr gesagt hatte, sie wäre wie eine Tochter für ihn. Wir hatten Details mit Bianca beredet, und sie war einverstanden, die Laufkosten vom Haus zu übernehmen, und dafür ohne Miete im Haus zu wohnen. Es ist über ein Jahr her. Einen offiziellen Vertrag habe ich nie gesehen. Die Notarin hatte uns auch die endgültige Erbpapiere ziemlich verspätet geschickt und ich dachte, erst danach könnten wir einen solchen Vertrag machen. In seiner Email an Bianca, wo er sie nicht mehr duzt sondern siezt, schreibt mein Vater jetzt, er würde am nächsten Wochenende zu ihr kommen und sie soll ihm bitte schön die Schlüssel vom Haus händigen, sollte sie nicht bereit sein, das Haus von ihm abzukaufen. Eine solche Entscheidung hat er nicht alleine zu treffen! Das Haus gehört ihm nur zu einem Viertel, und wir sind drei weitere Mitbesitzerinnen dabei, die mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sind! Und überhaupt, einen alleinigen Anspruch auf das Haus hat mein Vater nicht! Nach Beratung mit meiner Mutter hat Bianca also meinem Vater geantwortet und gefragt, ob wir von seiner Anforderung informiert wurden, und uns so offiziell ins CC gesetzt. Nein, mit uns hat er natürlich nicht darüber geredet. Jetzt muss ich also antworten und widersprechen. Ich frage mich, ob es angebracht wäre, rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn mein Vater seinen Anteil am Haus an Bianca verkaufen will, gerne. Er hat uns allen aber nicht dazu zu zwingen, vor allem so hinterhältig ohne uns in Kenntnis zu setzen.

Ich war schon recht aufgewühlt, als ich meine Schwester anrief, um sie zu fragen, was sie nach der Email dachte zu tun. Die Email hatte sie noch nicht gesehen. Sie erzählte, sie wäre natürlich nicht einverstanden, Bianca aus dem Haus rauszuschmeißen. Andererseits steckt sie in finanziellen Schwierigkeiten, da sie nur Arbeitsverträge für wenige Monate kriegt, und auf Dauer wäre es für sie gut, wenn sie ihren Anteil vom Haus verkaufen könnte. Und überhaupt, an den Sommerferien habe sie vor, zu meiner Mami mit dem Neffen umzuziehen, um von Bertrand, dem Vater vom Neffen, zu fliehen. Weil sie ohne Festanstellung keine Wohnung kriegen würde. Verdammt. Dass es so schlecht zwischen ihnen ging, hatte ich keine Ahnung. Woher auch, wenn sie sonst nie was erzählt? Jetzt verstehe ich wenigstens, warum wir Bertrand bei unseren letzten Besuchen seit zwei Jahren nicht mehr gesehen haben. Von wegen, er ist auf Arbeit. Bertrand ist eigentlich ein Freund von unserem Bruder gewesen. Er hatte uns häufig erzählt, er wäre von seinem Vater als Kind regelmäßig geprügelt worden und würde deswegen niemals seinem Kind irgendwas antun. Dass er seiner Freundin, der Schwester von seinem Kumpel, Gewalt antun würde, hätte ich deswegen nicht gedacht. Vermutlich ist er wie mein Vater. Vor den Anderen macht er ein gutes Gesicht, heimlich ist er ein Tyrann. Ich mache mir jetzt Sorgen, ob meine Schwester rechtzeitig ihren Umzugsplan umsetzen kann. Und wenn sie es schafft, ob Bertrand sie bei meiner Mami abholen zu versuchen wird, und ob er dann allen Gewalt antun wird. Er wird schon wissen, wo sie ist, seine Schwester lebt im Dorf meiner Mami. Meiner Meinung nach ist kein von den drei mehr sicher. Ich habe meiner Schwester angeboten, erstmal zu uns zu kommen. Er kennt unsere Adresse nicht. Es ist ihr zu viel, mit Kind zu einem anderen Land umzuziehen. Obwohl sie gut Deutsch spricht und es in München eine französische Schule gibt. Sie möchte dem Neffen nicht zu viele Änderungen auf einmal zumuten.

Schlafen konnte ich trotz langer Wanderung heute Nacht kaum.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Durcheinander

Ich fühle mich momentan recht müde. Am Montagabend hatte ich leichte Kopfschmerze. Gestern wurde es eine richtige Migräne. Ich bin früh ins Bett gegangen, schon um neun Uhr Abends. Um vier bin ich aufgewacht und dachte, ich hätte mich ausgeschlafen. Ich konnte doch wieder einschlafen.

Ich war in einem Hotelzimmer mit dem Ehemann. Wir mussten auschecken, aber ich war noch nicht angezogen. Ich bin in Unterwäschen mit dem Rest meiner Kleider in den Armen aus dem Zimmer gerannt. Ich war ein bisschen geniert, weil mein Höschen und mein BH farblich nicht zusammen passten.

Aus dem Hotel raus, sind wir zum Auto gegangen. Ich habe mich am Fahrersitz hingesessen, um mich weiter anzuziehen. Der Ehemann ist zum Beifahrersitz gegangen. Als ich mit meinen Klamotten noch am Kämpfen war, ist er los gefahren. Es war nicht praktisch. Ich musste auf die Pedalen drücken, während er steuerte.

Wir waren auf einer Autobahn. Ich war dabei, ein hellrosafarbene Strumpfhose über meine Beine hoch gleiten zu lassen, als ein Bus uns überholte. Der Bus blieb dann links neben uns, und die Fahrgäste glotzten mich aus den Fenstern beim Anziehen an. Ich sagte dem Ehemann, wir sollten vor der Autobahn runter fahren.

Wir sind zu einer Stadt angekommen. Es war regnerisch. Die Straße hatte eine Biegung nach rechts, um zu einem Hotel zu kommen. Der Ehemann hat mitten auf der Abbiegespur versucht anzuhalten, aber das Auto kam nicht zum Stehen, selbst mit der Handbremse. Wir sind mit dem Auto ins Hotel gekommen, entlang Flure an Konferenzzimmern vorbei gefahren, um vor einem leeren Schlafzimmer endlich zu halten. Ich bin rein gegangen und habe mich mit Mühe zu Ende angezogen. Als der Ehemann ins Zimmer kam, um zu fragen, ob ich fertig war, hielt ich jedoch die Strumpfhose in der Hand. Wir mussten schnell wieder raus.

Wir liefen auf der Straße. Meine Beine waren nackt. Ich hielt meine Strumpfhose immer noch in der Hand. Immerhin hatte ich den schwarzen Rock an. Ich sagte dem Ehemann, ich wäre momentan total verwirrt und könnte nicht mehr rational handeln. Ich hätte doch die Strumpfhose gerade angezogen gehabt, warum hätte ich sie wieder ausgezogen? Ich würde ständig Sachen vergessen oder nicht in der richtigen Reihenfolge machen. Es bereitete mir Sorgen um meine geistige Gesundheit.

Wir sind zu einer Art öffentlicher Dusche gegangen. Es wurde draußen dunkel. Drin waren Boden und Wände mit kleinen quadratischen gelben Fliesen bedeckt. Wir haben geduscht. Ich habe den Ehemann am Glied gepackt und ihn leidenschaftlich geküsst. Ich hatte Angst, er würde mich wegen meiner Verwirrung nicht mehr attraktiv finden. In dem Moment fiel mir ein, die Tür zur Straße war breit offen. Man konnte durch die Fenster in die Wohnungen gegenüber schauen, und umgekehrt konnten Leute uns sehen. Der Ehemann hat die Tür geschlossen. Es war aber die falsche Tür, man konnte immer noch die andere Seite der Straße sehen. Der Ehemann hat eine zweite Tür geschlossen. Diesmal ging sie wirklich zu. Ich habe den Ehemann gegen die Wand gedrückt, meine Beine beim Stehen um ihn geschlungen und ihn empfangen.

Beim Höhepunkt bin ich aufgewacht. Es war kurz vor halb sieben. Die Migräne war vorbei.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Harte Woche

Wir mussten diese Woche eine große Änderung in der Firmendatenbank[1] in Betrieb nehmen. Seit Monaten sitzen wir dran, wobei Arndt den größten Teil der konzeptuellen Arbeit gemacht hat, während Lukas und ich getestet und Bugs behoben haben – nebenbei, weil wir auch andere Pflichten als Programmierung haben. In jedem Team wurden Personen auserwählt, die eine Testversion der Datenbank bekommen haben und uns Rückmeldungen geben sollten, was nicht läuft und was anders gemacht werden sollte. Das war die Theorie. In der Praxis hat so gut wie niemand Zeit, neben der regulären Arbeit eine Software zu testen, wenn man ständig Ergebnisse an Kunden liefern muss.

Arndt wollte schon vor einem Monat zur neuen Datenbank wechseln. Es wäre eine Katastrophe geworden. Wenigstens hatte seine Ankündigung den Effekt, dass alle Teams Panik bekommen haben und doch angefangen haben, die Testversion zu prüfen. Da sowohl Arndt als auch Lukas kurz danach in den Urlaub wollten, hat die Chefin beschlossen, dass die Änderung erst nach ihrer Rückkehr gemacht werden soll. Ich habe weiterhin Bugs behoben, wenn sie mir gemeldet wurden, und bin meiner wissenschaftlichen Tätigkeit nachgegangen.

Letzte Woche waren wir an einem Punkt, an dem wir dachten, jetzt wäre es realistisch, zur neuen Datenbank zu wechseln. Die Chefin wollte, dass wir dies an einem Wochenende machen: Falls irgendwas schief gehen sollte, hätten wir genug Zeit, zurück zur alten Version zu wechseln. Arndt konnte die nächsten Wochenende nicht. Daher wurde beschlossen, die Änderung nachtsüber unter der Woche durchzuziehen. Ich war nicht begeistert aber im Home Office geht es noch.

Nach einem langen Tag Arbeit, den ich nicht frei nehmen konnte, weil ich virtuelle Terminen mit Kunden hatte, haben wir uns also zu dritt durch Videokonferenz getroffen. Und was Arndt wochenlang durchprobiert hatte, ist tatsächlich an dem Abend schief gelaufen. Vielleicht war es vorher schon schief gelaufen und er hatte es alleine nicht gemerkt. Andererseits hatte er sich genau an dem Tag mehr Änderungen ausgedacht, wie neue Fremdschlüsselbeziehungen zwischen Tabellen zu erzwingen, und das hat auch an dem Abend zu Fehlern geführt. Ich weiß nicht, wer kommt sonst auf die Idee, am Tag der Veröffentlichung einer Software neue Änderungen hinzuzufügen, nachdem man sie wochenlang getestet hat?

Der Abend hat bis vier Uhr morgens gedauert. Und am nächsten Tag mussten wir früh erreichbar sein, weil alle Kollegen mit der neuen Software arbeiten können mussten. Und nein, es lief nicht reibungsfrei. Module, die ich extra doppelt und dreimal geprüft hatte, gingen nicht mehr. Wegen der neuen Fremdschlüsselbeziehungen. Teilweise hatte Arndt sie falsch rum gebaut. Wir hatten schon vor einigen Wochen über Fremdschlüsselbeziehungen diskutiert und es wurde mir damals klar, es war ihm nicht klar, in welche Richtung man sie bauen muss. Scheinbar hat er es in der Zeit immer noch nicht verstanden. Dabei ist es keine Raketenwissenschaft, wenn TabelleA.Spalte1 einen Wert von TabelleB.Spalte2 referenziert, dann kann ich einen Eintrag aus TabelleA problemlos löschen, aber keinen Eintrag aus TabelleB, wenn es in TabelleA erwähnt wird. Daher macht es einen großen Unterschied, ob man TabelleA.Spalte1 → TabelleB.Spalte2 oder TabelleB.Spalte2 → TabelleA.Spalte1 schreibt. Am besten beide Richtungen, meint Arndt. So kann man aber gar nichts mehr löschen, wenn es sein muss.

Die lange Nacht hat mich erschöpft. Den Rest der Woche bin ich mit dumpfen Kopf aufgewacht, und ich konnte den Arbeitstag nur mit Ibuprofen[2] durchmachen – wie gut, dass ich das verschrieben bekommen habe, obwohl meine Schulter inzwischen wieder in Ordnung ist. Wir haben mit Hochdruck die meisten Probleme gelöst, jetzt können die Kollegen weiter arbeiten.

Heute ist der erste Tag, an dem ich nicht mit Kopfschmerzen aufgewacht bin.

[1] Das hat mich bis in den Traum verfolgt.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

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Der 112 Anruf

Ich war mit dem Ehemann, meiner Schwester, ihrem Sohn und meiner Mutter in einem Raum. Der Ehemann saß links, der Rest meiner Familie rechts an einem weißen Tisch. Der Neffe saß auf dem Tisch. Ich wollte ihn fragen, was er sich als Geschenk wünschen würde. Spiele schien er nicht so interessant zu finden.

Ich sprach kurz mit dem Ehemann. Als ich mich zurück zum Neffen drehte, hielt er plötzlich eine schwarze Pistole in der Hand und spielte damit. Er zielte in jede Richtung. Ich sagte meiner Schwester, es wäre sehr gefährlich, aber das war ihr egal. Sie redete weiter mit meiner Mutter als ob nichts wäre. Der Neffe hat die Pistole zum schwarzen Stuhl gerichtet, auf dem meine Oma mütterlicherseits auf einmal saß. Und schoß. Meine Oma sank zusammen. Ich fasste ihre Hand an. Sie war kalt und reagierte nicht auf meine Berührung. Aber meine Oma hatte immer kalte Hände gehabt.

Ich rief, wir müssen sofort 112 anrufen. Meine Mutter sagte, ja, machen wir gleich, und diskutierte weiter mit meiner Schwester. Ich nahm das Handy meiner Mutter, kam aber nicht klar damit. Wo war denn mein Handy? Nicht auf die Schnelle zu finden. Ich nahm das Handy vom Ehemann und rief selber an.

Ein Mann nahm den Anruf an. Wir redeten auf Deutsch. Ich sagte, was passiert war, wer verletzt war. Bei der Angabe, wo wir waren, sagte ich, bei meiner Oma in Nizza. Es kam mir komisch vor. Warum redete ich mit jemandem in Deutschland, wenn wir in Nizza waren? Der Mann am Telefon wollte die genaue Adresse haben. Ich musste feststellen, ich kannte sie nicht. Ich fragte meine Mutter, was sie antwortete ergab keinen Sinn. Ich fragte den Mann am Telefon, ob er das Handy orten könnte. Inzwischen kam meine Mutter mit einem Brief zu mir. Drauf wäre die Adresse meiner Oma, sagte sie. Sie war aber nicht im oberen Bereich vom Brief zu finden. Meine Mutter zeigte mir, die Adresse wäre in der Fußzeile, rechts. Ich versuchte sie zu lesen, konnte mir aber keinen Reim draus machen. Zahlen standen an ungewöhnlichen Stellen. Ich sagte dem Mann an der Leitung, ich würde jetzt die Adresse buchstabieren. Der Mann war aber verschwunden. Ich hörte ihn mit anderen Leuten reden. Ich rief mehrmals, „Hallo?“ Als der Mann wieder kam, fing ich an, ihm die Adresse zu buchstabieren. Es war sehr mühsam.

Das Gewitter hat mich geweckt.

Ich habe gestern Abend mit meiner Schwester telefoniert. Wir wollen zum Geburtstag vom Neffen zu ihr fahren, wenn es dieses Jahr möglich ist, und ich habe sie gefragt, was der Neffe sich wünschen könnte. Er steckt immer noch in seiner Dinosaurierphase.

Wie meine Oma in den Traum gekommen ist, weiß ich nicht. Sie ist schon vor vielen Jahren gestorben, gerade, als ich als Postdoc zurück nach Deutschland gekommen war.

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Wasserstandmeldung

Ich bin erschöpft. Kaum zu glauben, dass der letzte Urlaub keine zwei Monate her liegt. Heute mittags habe ich mich im Spiegel angeschaut und einen Schreck bekommen. Solche dunkle Ringe unter den Augen sind mir neu.

Auf Arbeit gibt es immer mehr zu tun. Nicht ganz unerwartet, in meiner Branche, in Pandemie-Zeiten. Meinem Arbeitgeber geht’s richtig gut. Ich bin trotz Home Office platt. Seit dem Anfang des Jahres hat sich meine Überstunden-Situation nicht gebessert, und so lange wir keine Zeiterfassung haben, kriege ich nichts davon:

KW 39 40 41 42 43 44 45
Arbeitszeit 44:07:37 42:34:13 43:40:48 41:19:45 34:37:01 49:31:49 48:33:29
Überstunden 4:07:37 2:34:13 3:40:48 1:19:45 2:37:01 9:31:49 8:33:29

Kein Wunder, dass ich hier in letzter Zeit so wenig schreibe.

Dabei war ich in der 43ten Woche ein Tag krank. An dem Mittwochabend lag ich alleine im Wohnzimmer auf der Couch und las auf dem Handy, während der Ehemann oben im Arbeitszimmer war. Ich habe kurz den Kopf minimal zur Seite geneigt und auf einmal hat sich der ganze Raum gedreht. Ich dachte zuerst, es hört gleich auf, aber nein, im Gegenteil drehte sich der ganze Raum schneller und schneller. Ich könnte meine Umgebung gut scharf sehen, nur ruhig blieb sie nicht. Mit geschlossenen Augen ging es mir noch gut. Kein Schwindelgefühl, keine Übelkeit oder sonst was. Mit geöffneten Augen hatte ich den Eindruck, ich würde gleich von der Couch fallen. Panik. Ehemann gerufen, mehrmals, ich glaube, er hört langsam nicht mehr so gut. Das Handy konnte ich nicht benutzen, um ihn anzurufen, da ich nichts mehr fokussiert schauen konnte. Als er endlich die Treppe runter kam, hörte es auf, und ein Rauschen wurde plötzlich laut in meinem linken Ohr. Das Ohr vom Hörsturz, das sich inzwischen völlig erholt hatte, Corona und Home Office sei dank. Das Rauschen ging nach dem Schwindel schnell zu Ende. Übrig blieb die Angst, was denn gerade los war.

Am nächsten Tag bin ich nach einer schlechten Nacht gleich bei der Eröffnung zu meiner Arztpraxis gerannt. Genauer gesagt, der Ehemann hat mich hin gefahren, da ich Angst hatte, die Strecke alleine zu laufen. Man sollte eigentlich nicht mehr einfach so auftauchen, wegen Corona, mahnte mich die Sekretärin in der noch leeren Praxis, aber bleiben durfte ich doch. Nach der Untersuchung bin ich zum hiesigen HNO-Arzt überwiesen worden, worüber ich mich gefreut habe, da ich mit der Notlösung in der Nachbarstadt nicht richtig zufrieden war. Am Nachmittag wurde ich gleich untersucht. Mir wurde warme und kalte Luft in die Ohren geblasen, und anschließend die Augenbewegung gemessen. Beim ersten Versuch rechts habe ich mich ganz schwindelig gefühlt, bei den Anderen habe ich gar nichts gespürt. Ich dachte schon, ich hätte ein größeres Problem. Das Ergebnis: Nichts. Der Arzt konnte keine Ursache für den Schwindel feststellen. Seine Vermutung: Kleine Kristalle hätten sich gelöst und auf die Härchen im Innenohr gerieselt. Es scheint häufig zu passieren[1]. Dass ich beim ersten Versuch so stark reagiert habe, wäre ein Zeichen für Hypersensibilität, aber eigentlich hätte ich bei allen Messungen eine Reaktion gezeigt. Ich habe nichts davon gemerkt.

Am letzten Wochenende sind wir gewandert. Der Schwindel war schon Geschichte, aber an dem Tag ging es mir nicht gut. Unsere neuen Nachbarn in der kleinen Wohnung neben uns, die ich seit ihrem Einzug in März noch nie gesehen und kaum gehört habe, meinten wohl, am Freitagabend die Wohnung gründlich zu säubern. Bis zwei Uhr morgens haben sie völlig rücksichtslos Möbel verrückt und staubgesaugt. Der Ehemann schlief seelenruhig neben mir, als ich beschlossen habe, im Gästezimmer oben zu schlafen. Kurz danach haben die Nachbarn ihre Wohnung verlassen, und als ich die Jalousie am Fenster oben herunter gezogen habe, habe ich sie ins Auto einsteigen und verschwinden gesehen. Danke. Nicht. Ich habe in der Nacht kaum schlafen können, und das Wandern am nächsten Tag war hart, obwohl die Strecke diesmal richtig schön war. Ob die Nachbarn wieder ausziehen? Seitdem wir hier wohnen, sind sie schon der dritte Haushalt drin. Nein. Am nächsten Abend war Party. So kurz vor dem neuen Lockdown. Na toll, habe ich gedacht, es fehlt nur noch, dass die sich anstecken, und der Ehemann in Quarantäne muss, weil die Corona-Warn-App meint, wir wären mit den Nachbarn zusammen gewesen. Unser Schlafzimmer ist recht nah an die andere Wohnung. Jedenfalls konnte ich die zweite Nacht in Folge nicht gut schlafen, und am nächsten Tag hatte ich richtig schlimme Migräne. Diese Woche habe ich zu viel gearbeitet, und heute Nacht wurde es wieder laut in der Wohnung nebenan. Nicht so laut dass man sich beschweren könnte, aber laut genug, um mich am Einschlafen zu hindern. Bis um halb zwei die Wohnung verlassen wurde. Verdammt. Ich hoffe, es wiederholt sich nicht jedes Wochenende.

Der Ehemann war am Wochenende wieder in Berlin. Der Schwiegervater ist seit März im Pflegeheim und wird zunehmend dement – mein Eindruck. Wir wissen, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich lange zu unterhalten, und nach keiner Stunde wieder anfängt, dasselbe zu erzählen, weil er vergessen hat, was er gesagt hat (abgesehen davon, dass er seit seinem Schlaganfall nur noch schwer reden kann). Jetzt vergisst er Verabredungen mit dem Ehemann, wie gestern. Er meint, seine Wohnung leeren zu müssen. Der Ehemann hilft ihm schon seit Monaten dabei und fährt zweimal im Monat hin, letztens mit dem Auto. Gestern war er mit seinem Vater im Heim verabredet, um zusammen zur Wohnung zu fahren. Das hat er ihm mehrmals am Telefon gesagt, und was war gestern? Der Schwiegervater ist alleine zur Wohnung gegangen und hat angefangen, selber schwere Gegenstände herum zu schleppen. Dafür ist er wirklich nicht mehr fit genug.

Der Ehemann ist heute am späten Nachmittag zurück gekommen. Es hat uns Crémant de Bourgogne zum Anstoßen mitgebracht. Mit meiner Müdigkeit war mir ein Glas schon zu viel.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

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Das zerstörte Auto

Wir waren mit dem Ehemann in einem Flugzeug nach Nizza. Der Flugzeug war gelandet, hatte eine Runde gedreht, aber nicht gehalten, und schon bereitete es sich für seinen nächsten Flug nach China vor, ohne dass Passagiere ausgestiegen wären.

Ich habe mich lauthals beschwert, dass wir hier aussteigen müssen. Meine Sitznachbarin, die wie meine Schwester aussah, meinte, ich sollte schnell zur Pilotenkabine gehen und Bescheid sagen. Man müsste nur an die Tür einen bestimmten Code klopfen, »Toc — Toc Toc«, und dann würde man herein gelassen. Als sie dies sagte, ging die Tür zur Pilotenkabine tatsächlich auf. Allerdings nicht vorne, sondern links, wo eine Wendeltreppe zu sehen war[1]. Ich ergriff die Gelegenheit und ging sofort rauf zu den Piloten. Von oben aus konnte ich sehen, dass wir schon das Gelände vom Flughafen[2] verlassen hatten und auf der Straße rollten. Der Himmel war bedeckt. Als ich den Piloten erklärte, dass wir nur bis Nizza fliegen wollten, sagte einer, dass er dann unser Gepäck in fünfzig Minuten raus lassen würde. Ich wurde aus dem Flugzeug heraus gelassen, während der Ehemann noch drin saß. Ich schrieb ihm eine Nachricht, dass er in fünfzig Minuten aussteigen sollte. Er hatte sowieso sein Fahrrad am Flughafen angeschlossen und würde damit weiter fahren.

Ich war in einer großen Einkaufshalle und suchte den Weg zum Flughafen. So viel Zeit hatte ich nicht, um mein Gepäck abzuholen. Hoffentlich würde ich den Ehemann wieder finden. Hoch an einer Wand eines langen Flures sah ich einen Wegweiser zum Flughafen. Ich lief und erreichte eine unübersichtliche Halle, wo von hinter mir Leute aus einer riesigen Rolltreppe herunter kamen. »Wie komme ich zum Gepäck?«, habe ich verzweifelt gerufen. Eine Frau rechts von mir sagte, vorne links durch die große Tür. Die einzige Tür vorne links führte zu einem Außenbereich mit dichter grüner Vegetation, mit einem kaum erkennbaren Weg entlang eines Zaunes[3].

Auf einem heruntergekommenen Parkplatz fand ich den Ehemann in unserem Auto. Er saß am Fahrersessel und wirkte schockiert. Mir schossen viele Fragen durch den Kopf, wie »Was machst du hier?«, »Wie konntest du schon das Flugzeug verlassen, wenn die fünfzig Minuten noch nicht durch sind?«, »Was ist mit deinem Fahrrad?«, »Wie ist unser Auto hierher gekommen?«, bis ich sein Fenster sah. Es wurde eingeschlagen. Am Boden unter meinen Schuhen lagen tausende Glassplitter.
»Was ist passiert?«, fragte ich schließlich den Ehemann.
»Drei Männer und eine Frau…«, fing er an, ohne weiter zu reden.
»Haben sie das Auto aufgebrochen?«, fragte ich.
»Nein, sie hatten darum gebeten, herein zu dürfen.«
»Wir müssen eine Anzeige erstatten, wie sahen sie aus?«
»Ganz normal, wie du und ich. Du hast auch nicht gesehen, was die Frau gemacht hat.« Er zeigte mit dem Daumen zur hinteren Sitzbank. Auf dem Leder war Flüßigkeit zu sehen, überall verteilt, ein Pappbecher lag drauf und ein Kaugummi klebte an der hinteren Scheibe rechts.
»Wir müssen eine Anzeige erstatten«, wiederholte ich.
»Och, es lohnt sich doch nicht«, sagte der Ehemann.
»Verdammt noch mal, es geht hier um Respekt!«, schrie ich ihn aufgewühlt an[4].

Wir sind auf dem Tarmac zur Gepäckabgabe gelaufen. Draußen. Dort waren die Laufbänder fürs Gepäck zu sehen, mit elektronischer Beschilderung, aber es war nicht zu erkennen, aus welchem Flugzeug wir ausgestiegen waren. Es befand sich auch gerade kein Gepäck auf den Laufbändern, und wir waren die einzigen Passagiere da.

Es ist kurz nach drei Uhr morgens als ich aufwache. Mein Kopf pocht immer noch rechts am Schädel. Ich habe mich gestern auf der Bergwanderung richtig überanstrengt. (Der Beitrag kommt demnächst.)

[1] Wie in einem Berliner Doppeldeckerbus.

[2] Der Flughafen sah ganz anders als der Flughafen in Nizza aus.

[3] Eine ähnliche Situation wie während der Fortsetzung unserer Isar-Wanderung letzter Woche.

[4] Das ist so typisch für den Ehemann. Zuletzt letztes Jahr, während ich auf Dienstreise war, ist er von einem Reisebus zum Bürgersteig geschleudert worden, als er mit dem Fahrrad nach Hause fuhr und vom Bus überholt wurde. Er hat den Busfahrer aufholen können, ihn zur Rede gestellt, aber der Busfahrer hat ihn geschimpft und ihm den mittleren Finger gestreckt, als der Ehemann ihn fotografiert hat, weil er sich weigerte, sich auszuweisen. Als es nach den ersten Verhandlungen hieß, es gäbe mangels Zeugen als Last gegen den Fahrer nur die Beleidigung, und der Fahrer hätte sich „entschuldigt“, hat der Ehemann die Anzeige zurück gezogen. Seine Begründung: Der Busfahrer wäre jetzt bestimmt bestraft genug, überhaupt einen Prozess durchgemacht zu haben, würde sicherlich nicht viel verdienen und hätte bestimmt sein Job verloren, oder wenigstens Ärger im Job bekommen. Alles Vermutungen. Diese Meinung vom Ehemann vertrete ich überhaupt nicht, und ich hätte den Busfahrer blechen lassen, weil es verdammt noch mal um Respekt geht. Und um verantwortungsvolles Fahrverhalten, ohne das Leben von schwächeren Verkehrsteilnehmern zu gefährden. Wenn die Leute im erwachsenen Alter noch erzogen werden müssen, dann klappt es nur, wenn es dem Geldbeutel weh tut, weil Arschloch Arschloch bleibt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Der Bus, der nie kam

Ich ging eine Landstraße entlang mit schweren Einkaufstüten in den Händen. Es war ein bedeckter Nachmittag, ich war alleine unterwegs. Ich ging, bis ich zu einer Bushaltestelle bei einer viel befahrenen Straße ankam. Die Straße sah eher wie eine Autobahn aus. Ein junger dunkelhäutiger Mann stand schon da. Ich fing an, mit ihm auf den Bus zu warten.

Auf einmal waren viele Leute an der Haltestelle, und die elektronische Anzeigetafel zeigte den Bus in -1 Minute an. Er war aber noch nicht gekommen, also sollte er jetzt jeder Zeit auftauchen.

Nach einer längeren Wartezeit beschlossen die Leute um mich herum, zu Fuß zur S-Bahn-Station zu laufen. Der dunkelhäutige Mann fragte mich, ob ich mitkommen wollte. Ich zeigte ihm meine schwere Einkaufstüten und sagte, ich warte besser auf den Bus. Er beschloss, mit mir hier zu warten.

Kurz danach kam tatsächlich der Bus. Er raste davon auf der Spur ganz links, am weitesten von der Haltestelle. Ich winkte frenetisch, der Fahrer winkte zurück, ohne jedoch anzuhalten. Und weg war er.

Der Ehemann, der plötzlich auch da war, meinte, na dann, warten wir auf den nächsten Bus. Der sollte in eine Stunde kommen. Wir warteten also, und machten es uns gemütlich im Häuschen der Haltestelle.

Inzwischen wurde es dunkel, als der Ehemann plötzlich ankündigt, der Bus würde gleich kommen. Ich packe schnell meine Sachen zusammen, während der Ehemann in einem Schneckentempo seine Schuhe anzieht. Seine ganzen Sachen muss er noch in seinem Rucksack packen. Es macht mich wahnsinnig, wie langsam er sich bewegt. Ich gehe nach draußen und halte nach dem Bus Ausschau. Kein Bus in Sicht. Doch, aber die falsche Nummer. Es ist nicht die 852. Doch, sie soll gleich kommen, sagt der Ehemann.

Ich wache auf. Halb zwei. Der Ehemann schnarcht gerade sehr laut. Deswegen bin ich also aufgewacht.


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Nicht erholt

Zwei Wochen Urlaub sind um. Ich fühle mich gar nicht erholt.

Ich war am Ende des Jahres auf Arbeit völlig ausgelastet. Arndt hatte mich darum gebetet, für ein bestimmtes Projekt meine Arbeitszeit zu erfassen. Ich habe mir dafür eine App[1] auf den Rechnern installiert und protokolliere jetzt alles, was ich mache, nicht nur das eine Projekt. Das war Mitte November. Seitdem ist mir bewusst, wie viele Überstunden ich tatsächlich leiste. Jede Woche deutlich über vierzig Stunden, und das ist die reine Arbeitszeit am Schreibtisch, ohne Pausen. Dafür hat sich mein Gehalt seit meinem Einstieg in der Firma vor zwei Jahren nicht geändert, obwohl ich mehr Aufgaben bekommen habe. Wir haben keine Arbeitszeiterfassung, so dass ich nur auf den guten Willen meines Arbeitgebers angewiesen bin, um Überstunden geltend zu machen, die ich laut Vertrag machen muss, wenn es sein muss. Am zweiten Wochenende Dezember waren wir mit dem Ehemann in Berlin. Ich hatte mir den Montag dafür frei genommen. Am Ende habe ich die ganze Zeit im Zug am Laptop weiter gearbeitet, um ein Projekt für einen Kunden fertig zu kriegen. Hin und zurück. Ich konnte den freien Tag zurück bekommen und mit dem letzten Freitag vor meinem Urlaub tauschen. Ich musste doch an dem Tag einige Sachen von zu Hause aus fertig machen, da ich am Donnerstag davor nach fast zehn Stunden Arbeit nicht mehr funktionsfähig war. Neujahrsvorsatz #1: Auf die Bremse treten und lernen, nein zu sagen. Sonst kippe ich um.

Der Urlaub selbst war nicht erholsam. Wie könnte es anders sein, bei der Reiserei? Weihnachten in der Familie vom Ehemann, Sylvester bei meiner Mutter, inklusiv Besuch der Schwester mit ihrem dreijährigen Sohn, die wenigsten dieses Jahr zu meiner Mutter gekommen sind, um uns eine längere Fahrzeit zu ersparen. In den zwei Wochen gab es viel Lärm, viel Essen und viel Trinken. Neujahrsvorsatz #2, wie letztes Jahr: Mich mehr bewegen. Diesmal aber wirklich. Es wird klappen, wenn ich Vorsatz #1 durchsetze.

Küste vor dem Massif de l’Esterel.

Nachdem wir am Montag den Flieger nach Nizza doch gekriegt haben, sind wir mit dem Mietwagen an der Küste entlang gefahren, statt die Autobahn zu benutzen. Das Wetter war fantastisch. Wir haben Pause bei einer Calanque gemacht. Wie ich diese Strecke zwischen Fréjus und Théoule mit dem Zug geliebt habe, als ich Studentin war, mit den roten Gesteinen, die ins blaue Wasser versinken! Schwimmen kann man dort schlecht, da es wenige Strände gibt, aber der Massif de l’Esterel ist jedenfalls ein Besuch wert. Wir sind mit dem Ehemann dort ein paar Male gewandert. Ich wundere mich, dass ich nichts davon hier festgehalten habe.

Das Wetter ist die ganze Woche schön geblieben. Wir sind spazieren gegangen. Unten links, Promenade am Ufer vom Lac de Sainte-Croix bei Les Salles-sur-Verdon, wo ich als Kind häufig gebadet hatte. Traumhaft glattes Wasser. Wir haben Kiesel übers Wasser hüpfen lassen. Unten rechts, Höhle und Wasserfall in Villecroze, wo sich der Neffe vor allem für den Spielplatz interessiert hat. Die Höhle ist leider seit den letzten Überschwemmungen vom November gesperrt, da es jetzt ein erhöhtes Risiko für Steinschlag gibt.

Am Freitag erreichte uns die Nachricht, dass es dem Schwiegervater nicht gut ging. Nachbarn haben einen Notarzt gerufen, der Schwiegervater liegt seitdem im Krankenhaus. Anstatt also dass wir gestern Abend zusammen zurück nach Hause geflogen sind, hat der Ehemann für sich nach Berlin umgebucht. Ich habe dadurch den ganzen Tag in Nizza verbracht und bin nach dem Shoppen zu Fuß zum Flughafen gelatscht. Sieben Kilometer. Ich hatte viel Zeit, und Vorsatz #2. Der Koffer war schwer. Ich musste einige Pausen einlegen, nicht zuletzt um den pan bagnat zu essen, den ich am noch geöffneten Weihnachtsmarkt auf der Place Masséna geholt hatte. Er hat leider geschmacklich meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich habe den Verdacht, dass etwas anderes als Olivenöl benutzt wurde. Bei den Temperaturen konnte ich im T-Shirt laufen, wie das letzte Mal vor vier Jahren. Ab drei Uhr nachmittags wurde es windig und ich habe den Pulli wieder angezogen.

Um elf Uhr abends gestern zu Hause angekommen. Ich habe trotz der späten Stunde ein Bad genommen. Meine Beine waren durch den langen Fußweg zum Flughafen richtig müde.

Nicht erholt fühle ich mich vielleicht deswegen auch, weil ich mich seit heute früh erkältet fühle. Die ganze Woche war der Ehemann nur am Niesen, und nachtsüber am Schnarchen, was die Erholung zusätzlich beeinträchtigt hat. Ich dachte bis gestern naiv, mich hätte die Erkältung nicht erwischt. Falsch.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Vielleicht doch keine so gute Idee

Ich habe noch nicht mit dem neuen Job angefangen, und schon bereue ich meine Entscheidung. Eine Wohnung in München zu finden scheint mir unmöglich zu sein. Vor allem, wenn man 600 Kilometer entfernt wohnt und noch berufstätig ist. Mein letzter Arbeitstag ist nächste Woche, und ich soll ab Januar bei München arbeiten. Wie soll das gehen? Ich bin heute um drei aufgewacht, und der Stress, immer noch nicht zu wissen, wo ich in drei Wochen wohnen werde, hält mich vom Schlafen ab. Selbst mit der neuen schnellen Strecke zwischen Berlin und München kann ich nicht einfach so zu einem Besichtigungstermin fahren.

Nicht, dass ich einen Vorschlag für einen Termin bekommen hätte. Die Antworte auf meine bisherigen Kontaktanfragen auf Immobilienscout24: Keine. Ein Angebot wurde gelöscht, ohne dass ich informiert wurde. Nur beim Besuchen vom Link aus der Email, die ich bei der Kontaktanfrage automatisch bekommen habe, habe ich es erfahren. Vielleicht sollte ich mir doch ein Konto erstellen. Bei den anderen Anzeigen sind die Objekte noch vorhanden, aber keiner scheint es nötig zu haben, mir eine Antwort zu schicken. Dabei musste ich unheimlich viele persönliche Daten hinterlassen. Eine Maklerfirma habe ich sogar für eine Wohnung kontaktiert, die praktisch nahe an der Arbeit liegt. Sie haben mir mehr Informationen geschickt, aber seit meiner Frage nach einem Besichtigungstermin ist Funkstille. Vermutlich gab es schnellere Interessierte.

Natürlich kommt dazu der Schock von den Mietpreisen. Man weiß es ja, München ist extrem teuer. Bei vielen Portalen findet man keine Ergebnisse, wenn man mindestens 50 Quadratmeter unter 700 € Kaltmiete sucht. Ich habe schon Einzimmerwohnungen in Betracht gezogen, aber der Ehemann will es bequem haben, wenn er mich besucht. Ich frage mich, wo wohnen die normalen Menschen, die in München arbeiten? Und die Studenten? Die interessante Angebote, die ich vor einem halben Jahr gesehen hatte, in Fahrrad-Entfernung von der Arbeit, scheinen aus dem Markt verschwunden zu sein. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit. Wenn ich die Preise für Wohnungen sehe, und ich suche im Radius außerhalb der U-Bahn Strecke, also gar nicht mal in der Innenstadt, dann merke ich, es wäre sogar günstiger, auf Dauer im Hotel zu wohnen. Dafür würde auch noch jemand für mich täglich putzen. Eine erste Anfrage bei einer Pension habe ich für Januar geschickt. Sie werben damit, dass sie Zimmer ab 600 € pro Monat anbieten können. WLAN und Nebenkosten inklusiv. Wohngemeinschaft? Vergiss es. Meine Privatsphäre ist mir zu wichtig. Und günstiger ist es eh nicht!

Die teure Miete in München ist nicht alles, was auf mich zu kommt. Es gibt die Pendlerei nach Berlin. Wenn wir uns mit dem Ehemann am Wochenende sehen wollen, macht das jedes Mal 120 € Fahrtkosten mit der Bahn. Es ist besser, ich fahre hin, als er kommt, wenn ich in Pension lebe, sonst macht es noch mehr Kosten. Alles in allem, wenn es mit der Pension auf 700 € hoch kommt, werde ich trotz üppiger Gehaltserhöhung monatlich netto 600 € weniger haben als mit meiner jetzigen Arbeit. Die Wohnung hier will noch finanziert werden. Ich hätte mehr Gehalt handeln sollen. Mit der Gefahr, zu viel zu verlangen und doch keinen Arbeitsvertrag zu bekommen…

Bis der Ehemann eine neue Stelle in München findet, könnte ich in Pension wohnen. Dann müssen wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen, die kleiner als die Jetzige ist, den Umzug organisieren, und die Wohnung in Berlin mieten. Klar, vieles kann man bei der Steuererklärung absetzen. Bis wir was vom Geld wieder sehen, dauert es anderthalb Jahre. Vielleicht kommen wir sowieso nach zwei oder drei Jahren zurück nach Berlin. Mit meiner allerersten Erfahrung außerhalb der öffentlichen Forschung könnte ich sicherlich einfacher eine Arbeit finden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Unwohl

Heute bin ich zu Hause geblieben. Es gibt genug Überstunden, die ich abbauen kann. Das Wochenende war hart, ich war nach dem Horror-Samstag zum letzten Mal um drei Uhr morgens von den Nutzern angerufen und aus dem Schlaf gerissen worden. Natürlich konnte ich danach nicht so schnell wieder einschlafen und war am Sonntag platt. Damit war der Tag im Eimer, auch für den Ehemann, und wir haben nichts unternommen.

Gestern war ich auf Arbeit, wenn nur, um das Rufbereitschaftshandy los zu werden. Befriedigend war das nicht. Bis zum Ende des Jahres haben wir ab dieser Woche keinen Nutzerbetrieb mehr. Die Kollegen dürfen ab jetzt einfach für die Rufbereitschaft bezahlt werden, ohne dass sie dafür wirklich etwas leisten, denn automatische Anrufe aus unserer Alarmanlage sollte es kaum geben. Na ja, das gab es auch vor Kurzem, dass es ernsthafte technische Probleme gab, und ich war auch dran, und dazu noch an einem Wochenende… Selbst wenn ich es unerwähnt ließ, trug es obendrauf zu meiner Unmut bei. Irgendwie muss ich Pech anziehen.

Gestern Abend habe ich mich jedenfalls körperlich sehr schlecht gefühlt. Vielleicht hat es mit dem ganzen Stress zu tun. Ich hatte starke Bauchschmerze und Rückenschmerze, als ob ich meine Periode bekommen würde. Die hatte ich zuletzt vor zweieinhalb Wochen. Sie war plötzlich ganz heftig gekommen, und schon dermaßen verspätet, dass ich dachte, wieder schwanger zu sein. Vor allem, weil ich eines Abends dachte, meine Brust wäre dicker geworden. Nein. Alle Tests sind negativ ausgefallen. Dass meine Temperatur leicht erhöht war, lag vermutlich an die Blasenentzündung.

Und jetzt, die kriege ich wirklich wieder, die Periode! Heute mit extra Portion Schwindelgefühl. Morgen habe ich meinen Termin beim neuen Arzt für den Gesundheitscheck, ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist. Die Urinprobe kann ich schon mal nicht liefern. Das konnte ich letzte Woche auch nicht, als ich zur Blutabnahme hin gegangen bin. Ich war noch dabei, meine Mykose, die als Folge der Breitbandantibiotika gegen die Blasenentzündung gekommen ist, zu behandeln. Das hatte ich schon mal wegen der letzten Periode abbrechen müssen. Und jetzt auch wieder. Ob ich diese Mykose jemals los werde? Seit der Blasenentzündung verzichten wir auf Geschlechtsverkehr, das reicht jetzt langsam!

Das mit dem Stress wird jedenfalls länger dauern. Am Wochenende muss ich zu einer Tagung nach England fliegen, und am Tag meiner Rückkehr geht es gleich weiter nach München zum Vorstellungsgespräch. Wofür ich noch eine Präsentation vorbereiten muss. Bezahlbare Flüge zwischen Berlin und München gibt es schon nicht mehr, ich muss mit der Bahn fahren. Es wird knapp, von Schönefeld zum Hauptbahnhof zu fahren. Das heißt, ich werde gar nicht dazu kommen, zwischendurch den Ehemann zu sehen.

Wenigstens was Schönes: Kate nimmt auch an der Tagung teil. Einen Tisch bei NOPI[1] habe ich uns schon für den letzten Abend gebucht. Darauf freue ich mich riesig!

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.