Anstrengender Sonntag

Ich bin früh aufgestanden. Das ist nichts Ungewöhnliches. Ich kann morgens nicht lange im Bett bleiben. Wenn ich einmal wach werde, bleibe ich es meistens. Der Ehemann braucht deutlich mehr Schlaf. Ursprünglich war meine Idee, ganz früh um 08:00 zur Botschaft wählen zu gehen, um die Schlange von vor zwei Wochen zu vermeiden. Wir hatten aber Freunde zum Mittagessen, also der Ehemann hatte Freunde zum Brunch, eingeladen, und ich habe gekocht. Das tue ich ja gerne. Nun, bei der vermuteten Schlange vor der Botschaft würde ich wahrscheinlich nicht vor zehn wieder zu Hause sein, und das Kochen würde ich nicht mehr rechtzeitig hinkriegen.

Vor einigen Wochen bin ich zufällig in einer Buchhandlung am Savignyplatz auf das NOPI Kochbuch gestossen. Nachdem ich hier und da soviel darüber lesen konnte, habe ich es mir endlich geschenkt und beschlossen, für heute einige Rezepte daraus zu kochen. Entschieden habe ich mich für das Selleriepüree, allerdings ohne Blumenkohl, die getrüffelte Polentastäbchen mit Tomaten-Chutney, und die Zucchini-Manouri-Krapfen mit Sauerrahm-Limette-Dip, für die ich übrig gebliebene Ricotta statt Manouri benutzt habe, da ich uns am Freitag eins meiner Lieblingspastagericht zubereitet habe. Es war eine Menge Arbeit, aber vieles konnte ich schon gestern Nachmittag vorbereiten. Heute Morgen habe ich trotzdem vier Stunden in der Küche gestanden. Es hat sich mehr als gelohnt. Ein Volltreffer war das. Die Gäste waren hin und weg.

Nachmittags bin ich dann zur Botschaft mit dem Ehemann gefahren. Vor zwei Wochen durfte er noch mit mir rein und auf mich drin warten. Heute musste er wie ein Hund draußen bleiben. Zum Glück regnete es nicht, und die befürchtete Schlange ist ausgeblieben. Einerseits gut, weil ich nicht ewig stehen musste. Andererseits schlecht, weil es bedeutete, dass die Wahlbeteiligung viel niedriger als vor zwei Wochen war. Ich habe beim Einwerfen von meinem Briefumschlag nachgefragt: Tatsächlich sind viel weniger Franzosen in Berlin heute zur Wahl gekommen. Ob es am endlich schönen Wetter lag, oder an der Ablehnung beider Kandidaten, oder wegen der Schlange vom letzten Mal… Eines war klar: Die Le Pen ist hier nicht beliebt. Man muss ja beide Zettel zum kleinen Raum hinter dem Vorhang mitnehmen, und nur eines davon in den Briefumschlag stecken. Der Mülleimer war voll von Le Pen Zettel. Vor zwei Wochen haben ihr in Berlin gerade 2% ihre Stimme gegeben, schrieb noch der tip in seiner letzten Ausgabe. Es ging heute also schnell, in fünf Minuten war ich wieder raus.

Wir sind mit dem Ehemann spazieren gegangen, weil das Wetter so traumhaft war. Zum Gendarmenmarkt gegangen, und dann ein Bier in der Sonne getrunken. Ich bin da Zeugin einer unfassbaren Szene geworden, die mich recht entsetzt hat. Vor allem hat mich entsetzt, dass ich nicht wusste, ob und wie ich helfen könnte. In Konfliktsituationen bin ich nicht gut. An einen Nachbartisch hat sich eine junge Frau hingesessen. Es war an dem Zeitpunkt der einzige noch freie Tisch, und direkt nachdem sie Platz genommen hat, ist eine ältere Frau, etwas klein, pummelig und mit kurzen schwarzen Haaren, geschätzt um die 65, zu ihr gestürmt und hat ihr laut gesagt, sie wäre vorher da und die junge Frau müsste ihr den Tisch lassen. Was definitiv nicht stimmte, die junge Frau war vorher da. Diese konnte anscheinend kein Deutsch und hat auf Englisch gefragt, was die Frau wollte. Daraufhin kam der Mann der ältere Frau, der ein auffällig rotes Gesicht hatte, und hat die junge Frau wie ein Miststück behandelt, und nur laut gerufen, „You go out now!“ Die Frau war sichtlich schockiert von diesem Verhalten, hat aber wenigstens gefragt, „Could you at least be more polite?“ Worauf der Mann nur lauter anwortete, „Go out now please!“ Was wirklich keinen Sinn machte, da wir ohnehin schon draußen waren. Die Frau konnte nichts sagen — nicht, dass sie es nicht versucht hätte, aber das ältere Paar hat sie ständig beim Reden unterbrochen.

Zum Schluß ist die Frau zu ihrem Begleiter gegangen, der in der Schlange stand, um Getränke zu besorgen, und hat ihm die Situation geschildert, nehme ich an, da sie in der Schlange geblieben ist und dieser zum Tisch gekommen ist, wo das ältere Paar in aller Ruhe Platz genommen hatte. Er hat sich einfach zu dem Paar hingesessen. Der Mann konnte Deutsch, das Gespräch verlief aber nicht besser. Als er, ganz ruhig, eine Erklärung für das Verhalten des Paares seiner Frau gegenüber verlangte, sagte die Frau, sie wäre von der Jüngeren beleidigt gewesen. „Wie kommt sie denn drauf?“, habe ich mich gefragt. Weil sie vorher am Tisch saß? Oder weil sie deutlich jünger und hübscher war? Verbal und körperlich habe ich nur Aggression vom älteren Paar wahrgenommen, die Jüngere saß nur sprachlos da und konnte sich nicht wehren. Als der junge Mann nachfragte, inwieweit seine Begleiterin die Frau beleidigt hätte, hat diese dann nur geantwortet, „mit Ihnen will ich nicht mehr reden, gehen Sie weg“, und hat den Kopf gedreht. Er hat sich also dem Mann gewandt und versucht, mit ihm zu reden, aber die Frau, die nicht mehr reden wollte, hat sich ständig eingemischt. Zum Schluß ist ein anderer Tisch frei geworden, und das ältere Paar ist dorthin gegangen, ohne noch abfällige Bemerkungen über Berliner und ihrer Arroganz zu verlieren. Die haben vielleicht einen Knall! Vielleicht hatten sie aber auch einen Sonnenstich bekommen, ober waren schon betrunken, der Mann war so rot im Gesicht, das war nicht normal.

Die junge Frau ist kurz danach mit Getränken zu ihrem Begleiter am Tisch zurück gekommen, und die beiden sind dort geblieben, bis die Sonne hinter einen der Doms verschwunden ist. Das ältere Paar hat übrigens ziemlich lange gewartet, dass jemand ihre Bestellung entgegen nimmt, bis sie verstanden haben, dass man sich an der Schlange anstellen muss. Das junge Paar hatte schon ausgetrunken, als der ältere Mann mit Getränken zu seiner Frau zurück gekommen ist. Was ich daraus ziehe ist, man sollte in Berlin touristische Ziele vermeiden, wenn man sein Bier in Ruhe trinken will.

Stressiger Traum

Ich befand mich in einem Raum mit vielen Menschen. Es war ein Hörsaal mit vielen Tischen, die in Reihen angeordnet waren. Leute saßen an den Tischen und schauten auf der Projektionsfläche vorne links an der Wand, neben den Fenstern vom Raum.

Vorne saß Winfried. Gerade lief ein Vortrag. Mein Vortrag. Aber statt vorne zu stehen, stand ich hinten. Ich erzählte und blätterte durch die Folien auf meinem Laptop. Mein Vortrag war teil einer viertägigen Veranstaltung, die ich organisiert hatte und die eine Weiterbildung für Wissenschaftler war. Sie sollten drin lernen, mein Programm#1 zu benutzen. Ich hatte einen Vortrag jetzt und einen am nächsten Tag zu halten. Direkt nach meinem zweiten Vortrag war ein praktischer Teil am Rechner vorgesehen[1].

Mein erster Vortrag stellte die Grundlagen einer Methode zum Auswerten von Daten vor. Ich habe ihn gut gehalten, aber es gab zwischendurch so viele Fragen, dass ich das Ende der Präsentation weg lassen musste, um im Zeitrahmen zu bleiben. Es hat mich geärgert. Danach war Kaffeepause.

Ich wollte raus gehen, als eine Teilnehmerin mich angesprochen hat. Sie sah wie meine chinesische Freundin Mei aus. Sie meinte, ein Mann würde sie belästigen. Ich bin mit ihr zu einem Flur unweit vom Veranstaltungsraum gegangen. Dort, auf einem kleinen Tisch, hatte jemand einen sogenannten Ghettoblaster hingestellt. Das Gerät war schwarz und ovalförmig. Daraus ertönte eine Musik, die man bis zum Hörsaal hören konnte. Der Belästiger von der Frau hatte ganz klar das Gerät mitgebracht. Ich habe auf die Stop-Taste gedrückt und die Kassette aus ihrem Fach geholt. Ich habe vorgeschlagen, das Band von der Kassette heraus zu ziehen und zu vernichten, aber der Mann war wieder auf dem Weg zum Tisch. Ich bin mit der Kassette zur nahgelegenen Toilette geflüchtet und die Frau ist zurück zur Veranstaltung gelaufen.

Ich saß also auf dem Klo mit der Kassette in der Hand. Da ich schon da war, habe ich uriniert. Meine Tür war geöffnet, und ich konnte sehen, wie der Mann am Musikgerät fummelte. Ein anderer Mann ist aus der Toilette auf der anderen Seite vom Flur raus gekommen. Ich habe meine Tür geschlossen.

Zurück im Veranstaltungsraum. Es musste der nächste Tag sein, weil ich den zweiten Vortrag über Programm#1 halten musste. Ich hatte eine halbe Stunde zur Verfügung, danach war Kaffeepause und dann Praxis am Rechner. Irgendwie hat es nicht geklappt und ich konnte nicht mal die Hälfte der Folien zeigen. Nach der Kaffeepause habe ich dann verstanden warum: Anstatt über Progamm#1 zu erzählen, hatte ich wieder die Präsentation vom Vortag erzählt, die viel länger dauerte! Und keiner hat es gemerkt, nicht mal Winfried. Was nun?

Die Teilnehmer kamen schon von der Kaffeepause zurück und starteten ihren Rechner, um an Daten zu arbeiten. Dabei konnten sie gar nicht wissen, wie Programm#1 zu benutzen war[2]. Ich habe Winfried das Problem geschildert und beschlossen, den Vortrag ganz schnell zu halten. Ich habe um Aufmerksamkeit gebeten. Zweimal. Die Leute waren alle am Diskutieren. Ich habe gesagt, dass ich versehentlich den Vortrag von gestern gezeigt hatte und nun ganz schnell über Programm#1 erzählen würde. „Oh, great, brilliant„, meinte begeistert ein Teilnehmer vorne. Die Veranstaltung fand auf Englisch statt. Ich bin zu meinem Laptop hinten gegangen. Ich hatte aber große Mühe, die Leute am Vortrag zu interessieren. Sie plauderten die ganze Zeit, gingen raus und wieder rein, und beachteten mich gar nicht.

Ich bin in Schweiß gebadet aufgewacht. Warum muss ich jetzt, immer noch im Urlaub bei meiner Mami, so einen Traum haben?

[1] Eine solche Veranstaltung habe ich tatsächlich kurz vor unserer Weihnachtsfeier organisiert. Sie war allerdings nur eintägig. Es gab nur Vorträge, keine Praxis. Es wäre bei der großen Anzahl von Teilnehmern unmöglich gewesen.

[2] Eigentlich ist die Benutzeroberfläche sehr intuitiv gestaltet. Wichtiger ist zu wissen, wie man die Ergebnisse interpretiert.

Weihnachtsfeier

Ich liebe die Weihnachtsfeier bei der Arbeit, aus einem guten Grund: Danach kann man endlich richtig entspannen.

Das Ende des Jahres war sehr stressig. Ich musste viele Beiträge für verschiedene Veranstaltungen vorbereiten, einige Vorträge halten und hatte keine Minute zur Ruhe gefunden. Ich bin kaum dazu gekommen, ein paar Zeilen hier in meinem Tagebuch zu schreiben. Zu Hause gibt es auch viel zu tun. Ich glaube, ich habe mir mit den Geschenken für die Mädels zu viel vorgenommen, obwohl ich dachte, lange genug im Voraus angefangen zu haben. Jetzt aufzugeben wäre echt blöd. Ich habe noch eine Woche, um anderthalb Ketten zu basteln, bevor wir zur Familie fahren. Das Wochenende wird hart. Diese Situation kommt mir bekannt vor  😀

Nun, gestern hatten wir unsere Weihnachtsfeier. Danach sind viele Kollegen im Urlaub, die Geräte werden ausgeschaltet, und die Arbeit wird weniger. Wir haben unter uns gefeiert, nachdem wir es bei meiner ersten Weihnachtsfeier in der Gruppe doch nicht so toll fanden, den Abend mit kaum bekannten Kollegen aus anderen Abteilungen zu verbringen.

Wir hatten beschlossen, zu Fuß zu einem Restaurant zu gehen und dort zu wichteln. Das war schon unser Plan letztes Jahr. Vorher haben wir Glühwein getrunken. Wir brauchten gut drei Stunden, um das Restaurant zu erreichen. Das fand ich eine tolle Idee, weil man dadurch ganz viele Kalorien verbrennt und ohne Sorge danach lecker essen kann.

Der Weg ging bis zur Hälfte der Strecke sehr gut. Ich fühlte mich in Form, obwohl ich schon länger nicht mehr im Fitnessstudio war. Danach habe ich Bauchschmerze bekommen. Meine Blase war voll. Ich hatte es nicht so früh erwartet, da ich absichtlich die Toilette besucht hatte, bevor wir los gegangen sind. Ich habe versucht, das Problem zu ignorieren. Mit der Zeit wurde es schmerzhafter und ich habe Blähungen bekommen. Als wir an einem Café vorbei gegangen sind, habe ich die Gruppe darum gebeten, auf mich zu warten. Um dann auf der Toilette zu merken, dass ich nicht nur eine sehr volle Blase hatte, sondern auch Durchfall. Das hatte ich nicht nötig. Eine halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht, und ich musste nochmal zur Toilette. Unglaublich, wie schnell meine Blase sich wieder gefüllt hat. Und nochmal Durchfall.

Warum auf einmal? Weil der Stress endlich abgebaut wird? Wegen des Glühweins vor dem Gehen? Wegen der Kälte beim Gehen und der ungewöhnlichen körperlichen Anstrengung? Wegen der Periode? Wegen der neuen, engeren Hose, die ich mir zur Belohnung für die Abnahme geschenkt hatte? Sie ist doch sehr bequem, wie alle Hosen bei BiBA. Oder habe ich das Mittagessen nicht vertragen? Ein bisschen von allem? Der Rest vom Abend verlief zum Glück gut, aber seit dem Aufstehen habe ich heute wieder Bauchschmerze und Durchfall. Ich bleibe zu Hause. Wenn es morgen nicht besser wird, muss ich zum Arzt. Es wäre sehr blöd, so kurz vor dem Urlaub krank zu werden.

Ich bin völlig erschöpft

Ich weiß nicht warum. Ich meine, ich weiß, letzte Woche in England war anstrengend, aber diese Art von Dienstreisen mache ich nicht zum ersten Mal. Am Wochenende konnte ich richtig gut ausschalten.

Es hat sicherlich mit der Arbeit zu tun. Gestern hatte ich beim Aufstehen schon deutliche Anzeichen einer Erschöpfung. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich einen starken Druck um die Augen und in der Stirn gespürt, bis zur Nase, begleitet von einem Schwindelgefühl. So habe ich mich schon früher gefühlt, wenn ich extrem unter Druck stand oder etwas mich sehr geärgert hat. Wenn ich lange über etwas grüble oder wütend bin. Das passiert recht selten. Und momentan? So überlastet bin ich doch nicht. Ich treibe Sport, und es sollte doch Stress abbauen. Bis auf heute Nacht habe ich auch gut geschlafen, obwohl ich zur Zeit alleine bin. Der Ehemann ist seit Montag auf Dienstreise.

Geärgert hat mich in letzter Zeit die Geschichte mit meinem neuen Rechner sehr. Ich habe ihn am Anfang des Sommers bestellt, als ich zum neuen Büro umgezogen bin. Mein Testrechner war zu alt geworden und hatte zu viele Probleme verursacht. Der neue Rechner kam ziemlich schnell an, ist aber bei der IT-Abteilung in Empfang genommen worden. Zahlreiche Emails, um zu diskutieren, was genau drauf installiert werden soll. Kein Windows, Programm#1 ist nicht dafür vorgesehen. Dafür zwei verschiedene Linux-Distributionen, mit denen ich Programm#1 testen und weiterentwickeln soll. Ich habe gleich angeboten, mich um die Installationen zu kümmern, aber das wollten die Leute bei der IT-Abteilung ausdrücklich selber machen. „Weil interne Spähsoftware installiert werden,“ meinte ein Kollege. Keine Ahnung, ob es stimmt.

Danach habe ich gewartet und nichts mehr gehört. Eine höfliche aber deutlich ungeduldige Email habe ich noch geschickt, um mich zu erkundigen, ob jemand wüsste, was inzwischen aus dem Rechner geworden war. Keine Antwort. Letzte Woche bin ich dann informiert worden, dass er zur Abholung bereit stünde. Yeah! Keine Entschuldigung für die lange Wartezeit. Sofort den Rechner abgeholt, zu meinem Zimmer getragen, hochgefahren: Windows. Ich konnte es nicht fassen. Die Leute bei der IT-Abteilung haben in den vier Monaten, in denen der Rechner bei ihnen lag, gar nichts gemacht. Ich habe nachgefragt, da ich zuerst gutmütig dachte, den falschen Rechner bekommen zu haben: Nein, es war wirklich mein Rechner, der war halt schon mit Windows standardmäßig geliefert worden. „Warum die ganzen Emails, um die Installation der Betriebssysteme zu diskutieren?“ wollte ich wissen. Keine Antwort. Faule Säcke.

Mit der Installation der Betriebssysteme bin ich noch nicht fertig. Bei openSUSE ging es gut, für Ubuntu war es die Hölle. Das größte Problem lag in der Erstellung eines funktionierendes bootfähiges USB-Sticks unter Linux. Ich weiß nicht, wie vielen Anleitungen ich gefolgt bin, ohne Erfolg. Entweder wurde der Stick nicht erkannt, oder die Maschine meinte, es gäbe kein Betriebssystem auf dem Stick. Bei anderen Programmen zur Erstellung von bootfähigen Sticks gab es schon Fehlermeldungen beim Formattieren vom Stick. Am Ende hat nur Rufus unter Windows geholfen. Ich habe die Sticks zu Hause gemacht, weil ich Windows auf dem neuen Rechner schon mit openSUSE platt gemacht hatte. Ich hatte zwischendurch auch versucht, die CD von zu Hause zu benutzen, um Ubuntu zu installieren, und musste nach der erfolgreichen Installation feststellen, dass es jetzt zu spät war, um ein Update von 15.04 auf 16.04 zu machen. Pfff. Jetzt läuft Ubuntu 16.04 endlich, dank Rufus, openSUSE habe ich „verloren“. Ich muss schauen, wie ich sein GRUB wieder erstellen kann, weil der von Ubuntu die andere Partition mit openSUSE anscheinend nicht sieht, und ich nur noch Ubuntu starten kann.

Das Ganze hat mich jedenfalls sehr genervt. Vor allem, weil Kollegen aus der Arbeitsgruppe, die solche Sachen besser als ich wissen müssten, jegliche Hilfe verweigert haben, nach dem Motto „nicht mein Problem, ich habe anderes zu tun“ (so ausgedruckt war es nicht, aber so kam es deutlich rüber), und ich blöde Kuh bin immer für Anderen da, wenn sie Probleme haben. Mich nervt es, dass ich die Arbeit der IT-Abteilung erledige, und es dabei nicht schaffe, mich um viel wichtigere Angelegenheiten zu kümmern, wie zum Beispiel meinen DFG-Antrag fertig zu schreiben. Vielleicht ist das der Grund, warum ich in letzter Zeit kein Bock mehr auf Arbeit habe. Und das macht mich krank.

Gestern auf dem Weg zur Arbeit fühlte ich mich jedenfalls richtig mies. Dazu kam, dass eine Frau mit einer Katze in einem Transportkäfig unweit von mir saß, und sich ihre Katze lauthals darüber beklagte, transportiert zu werden. Ich musste an Chipie denken, und habe für den Rest der Fahrt nur noch gegen Tränen gekämpft. Die Arbeit ging, ohne große Begeisterung. Wenigstens läuft jetzt Ubuntu.

Am Abend bin ich mit Kate von der Arbeit aus shoppen gegangen, und ich habe gemerkt, wie die ganze Müdigkeit bei jeder Haltestelle in der S-Bahn geringer wurde. Beim Glühwein war der Druck völlig weg. Das Schwindelgefühl war noch da. Ich habe mir ein toll duftendes Schaumbad gekauft und gleich zu Hause ausprobiert. Es war schön, aber nicht entspannend genug. Ich habe mich danach hellwach bis mindestens halb fünf im Bett gewälzt. Trotz Erschöpfung.

So kann es nicht weiter gehen. Morgen muss ich früh zur Arbeit, ausnahmsweise an einem Samstag, und nächste Woche bin ich für Rufbereitschaft mal wieder dran. Da werde ich noch mehr unter Druck sein.

Und zurück

Bin ich müde. Gestern bin ich erst um elf Uhr abends vom Flughafen aus zu Hause angekommen. Heute Morgen konnte ich nach dem Wecker nicht aufstehen. Ich mache es mir gemütlich und werde erst nachmittags bei der Arbeit sein. Wie gut, dass ich keine feste Arbeitszeiten habe. Ich werde um eins los gehen, aber eigentlich… Ich will nicht. Den Gedanke habe ich immer häufiger, und das ist schade, weil meine Arbeit mich doch begeistert. Ich will nicht mehr. Nicht auf Dauer. Von der Frau bei der Verwaltung habe ich nach einem netten Telefongespräch nichts mehr gehört. Auf Nachfrage meinte sie, auf einen Termin von jemandem aus der Personalabteilung zu warten. Jetzt ist Funkstille. Wahrscheinlich wird nichts daraus.

Der Workshop selbst ist gut gelaufen. Die Teilnehmer waren zufrieden und haben vieles gelernt. Ziel erreicht. Der Veranstalter hat sich bei uns sehr bedankt und war froh, dass es so gut ging.

Gut, bei dem praktischen Teil lief es nicht ganz glatt, weil viele doch nicht dazu gekommen waren, die Programme zu installieren, die sie dafür benötigten. Bei den Download-Statistiken von Programm#1 konnte ich sehen, dass die meisten es erst im letzten Moment versucht haben, obwohl sie so lange im Voraus darum gebeten wurden. Nur wenige haben mich doch noch am Wochenende wegen Probleme kontaktiert. Teilweise für Programme der anderen Dozenten, die ich nicht entwickelt habe und bei denen ich keine Ahnung habe, was man machen sollte, wenn es bei der Installation nicht klappt. Dafür sind die anderen Dozenten doch da. Aber nein, die Email gründlich zu lesen, um heraus zu finden, an wen man sich wofür wenden soll, ist schon eine Herausforderung.

Die Installationsanweisungen für Programm#1 wurden häufig ignoriert. Ich weiß echt nicht weiter. Man entpackt das Programm in einem Verzeichnis, und merkt dabei nicht, dass eine der sehr wenigen Dateien README heißt? Die Webseite zum Herunterladen enthält auch Links zu den Installationsanweisungen, mit dem selben Inhalt wie README. Eigentlich nicht zu übersehen. Einige Teilnehmer hatten auch keinen blassen Schimmer, wie sie mit ihrem Laptop umgehen sollten, oder es war vom Chef geliehen, und/oder sie kannten das Admin-Passwort nicht, um Programme zu installieren. Und ich rede von Leuten, die ein wissenschaftliches Studium schon hinter sich haben! Die sich schon in der Promotion befinden, oder noch weiter! Wie gut, dass wir von Geert ein paar bootfähige Sticks mit Linux und allen Programmen parat hatten. Das sollte eigentlich bei solchen Veranstaltungen immer von vorne rein gemacht werden, wenn schon keine Rechner zur Verfügung gestellt werden, damit spart man sich eine Menge Zeit und Ärger.

Am Ende vom ersten Tag bin ich von einer Migräne erschlagen worden. Sie hatte sich eigentlich schon vor meiner Präsentation eingeschlichen. Die starke Klima-Anlage in dem Raum war schuld, denke ich. Es war kalt und hat ständig gezogen, außer an einer Stelle neben dem Pult, wo es sehr warm war. Vermutlich hat sich dort die Luft vom Beamer angestaut. Wenn genau dort die Temperatur zur Regulierung gemessen worden ist… Ich wollte am Ende vom Tag nur noch zum Hotel gehen und mich hinlegen, wenn es nicht den einen Teilnehmer gegeben hätte, der ein bisschen einsam war und mir ständig auf die Pelle gerückt ist, mich mit Fragen gebohrt hat und trotz deutliche Hinweise nicht los lassen wollte. Zum Glück hat sich heraus gestellt, dass Geert immer mit seinem Vorrat an Tabletten reist, was ich auch hätte machen sollen, und nach einer Stunde war ich wieder munter.

Gestern ging es mit dem Kurs weiter. Die Migräne ist nicht zurück gekommen. Ich habe danach noch ein bisschen Zeit für Sehenswürdigkeit gefunden, und bin mit wiedergekehrten Ischias-Schmerzen zum Flughafen gefahren. Und wer hat dann bei der Gepäckkontrolle ihr Laptop im Rucksack vergessen? Die ganzen Aufladekabeln samt Kopfhörer hatte ich raus geholt, das höchst verdächtige Necessaire für die Hygiene, die Mini-Zahnpastatube und vor allem die Pinzette, die bei dem Hinflug der Sicherheitsangestellte schon große Sorgen bereitet hatte, separat im Kasten gelegt, hinter mir drängelte es, die Sicherheitsangestellte hinter dem Rollteppich auch, und der Laptop ist im Rucksack geblieben. Auf der anderen Seite vom Ganzkörperscan habe ich den Rucksack vermisst, und mich plötzlich an das Laptop erinnert. Au Mist. Das war mir noch nie passiert. Eine andere Sicherheitsangestellte hat meinen Rucksack gründlich kontrolliert, und sich in so einer autoritären Weise verhalten, dass ich sie glatt fragen wollte, ob sie Deutsch wäre. Und habe noch rechtzeitig die Klappe zugehalten, weil ich dann eventuell nicht mehr zum Flugzeug zugelassen worden wäre.

Der Flug selbst war gut. Neben mir saß eine ältere Dame aus Niedersachsen, die sich ganz lieb mit mir unterhalten hat, jetzt weiß ich alles über ihre Familie. Es passiert recht selten, dass ich so freundlich mit Fremden auf Reisen diskutiere (aber dann, ist es immer mit älteren Damen). Der Ehemann hat mich am Flughafen abgeholt, wir haben unterwegs was zum Essen geholt und waren um elf zu Hause. Wie es so ist, kommt die ganze Müdigkeit auf einmal, wenn der Stress weg ist, daher würde ich heute am liebsten zu Hause bleiben. Aber der Nebel ist jetzt weg, ich gehe los.

Automatische Abwesenheitsemail

Ich dachte, es wäre eine gute Idee, eine automatische Abwesenheitsnachricht für dieses Wochenende einzurichten. Ich hatte recht. Und wie.

Morgen muss ich nach England, um als eingeladene Dozentin an einem Workshop für fortgeschrittene Studenten teilzunehmen. Bei der dort gestiegenen Ausländerfeindlichkeit bin ich schon nicht so scharf drauf, hin zu fliegen. Ursprünglich hieß es, der Workshop würde in Irland statt finden, aber dann wurde der Ort verlegt. Schade. In Irland war ich nur einmal, vor langer langer Zeit, am Ende der Mittelstufe, ich wäre gerne wieder dort gewesen.

Der Workshop ist schon seit über einem Jahr geplant. „Geplant“ ist dabei übertrieben. Ich glaube, der Hauptveranstalter hat selber keine Ahnung gehabt, was er genau machen wollte, und sich Leute ausgesucht, die ihm das Programm zusammen basteln würden. Sein erster Entwurf war zeitlich völlig unrealistisch. Die Thematik war vom Anfang an klar, aber nicht, was die einzelnen Dozenten machen sollten. Am Ende hieß es, wir sollten in einem Tag Stoff vermitteln, das wir bei unserem Kurs hier innerhalb einer Woche verarbeiten. Einiges kann gekürzt werden, aber der wesentliche Inhalt kann nicht auf nur einen Tag reduziert werden. Vor allem, weil die Studenten am Ende vom Kurs selber kurze Präsentationen mit eigenen Beispielen liefern sollen. Wir haben einen zweiten Tag bekommen.

Ich sollte über Datenauswertung etwas erzählen, aber das mache ich natürlich nur, weil ich dabei Programm#1 vorstellen kann. Sonst würde mich Winfried nicht hinfahren lassen, ich könnte meine Zeit hier viel sinnvoller verbringen. Ich bin dem Hauptveranstalter von einem dortigen Konkurrenten, Colin, vorgeschlagen worden. Colin kenne ich aus anderen Konferenzen. Er hat einen anderen Programm zum selben Zweck wie Programm#1 geschrieben, mit jedoch anderen Ansätzen. Er wird auch am Workshop teilnehmen und sein Programm vorstellen. Das ist sinnvoll, weil die Studenten damit verschiedene Werkzeuge kennen lernen, die sie einsetzen können. Bei dem ursprünglich limitierten Zeitrahmen hatte ich mich damals allerdings gefragt, ob es so notwendig wäre, dass ich dort etwas beitrage.

In Programm#1 benutze ich intensiv ein anderes Programm#0, das man nur auf Kommandozeile bedienen kann. Mit riesigen Eingabe- und Ausgabedateien. Das ist für Anfänger und für die heutigen Studenten, die nur in der Lage sind, die Maus zum Klicken einzusetzen, nicht einfach. Programm#1 bietet eine graphische Oberfläche zu Programm#0 an, automatisiert bestimmte Entscheidungen und macht darüber hinaus zusätzliche Analysen zur Datenqualität. Ein Entwickler von Programm#0, Geert, wird auch nächste Woche anwesend sein. Wir haben schon gemeinsam an anderen Workshops dieser Art teilgenommen. Ursprünglich hatte aber der Hauptveranstalter geplant, Geert zusammen mit Colin über das andere Programm reden zu lassen, und ich sollte alleine Programm#0 und Programm#1 vorstellen. Das machte überhaupt keinen Sinn, und zeigt, wie wenig er über die Thematik Bescheid weiß.

Als zusätzliche Schwierigkeit kommt jetzt der Clou: Den Teilnehmern werden keine Rechner zur Verfügung gestellt. Sie sollten ihre eigene Laptops mitbringen und alle notwendige Programme selber installieren. Vor zwei Monaten ging eine Email raus, um sie darüber zu informieren. Ich hatte mich angeboten, um bei Installationsproblemen für Programm#1 zu helfen. Bis gestern habe ich genau eine Anfrage bekommen, und es ging darum, wie man das Programm von Colin installiert. Ich habe natürlich geantwortet, aber hingewiesen, dass Colin bestimmt besser helfen könnte, und seine Email-Adresse mitgeteilt.

Seit gestern kriege ich plötzlich Anfragen von den Kursteilnehmern. Gestern tagsüber nur zwei, aber da wir mit Studenten zu tun haben, die bekanntlich alles auf dem letzten Drücker machen, hatte ich schon Böses geahnt und die automatische Abwesenheitsemail ab gestern Abend eingerichtet. Zeit gab es seit zwei Monaten genug, um Programm#1 zu installieren. Ich opfere jetzt nicht mein Wochenende, um bei allen nach der Ursache für Installationsprobleme zu suchen. Selber Schuld. Ich werde jetzt die Wohnung putzen, zum Sport gehen, mich frisch machen, meine Präsentation für Montag fertig kürzen und zum Restaurant mit dem Ehemann gehen, wie wir schon länger geplant haben. Morgen früh muss ich zum Flughafen. Für alle Fälle hat Geert sowieso einige bootfähige USB-Sticks mit allen Programmen vorbereitet.

Radiologie-Termin am Montag

Ich freue mich so drauf. Am Montag wird mein Ellbogen wieder geröntgt, und dafür muss der Gips weg. Au ja!

Seit vier Tagen trage ich den schon. Gestern hat der Arm angefangen, richtig anfällig für Juckreiz zu werden. Zum Glück haben sich die zwei Mückenstiche auf dem Arm nicht mehr gemeldet. Ich glaube, die Nesselsucht schon. Meine Finger werden dick und taub. Ich denke daran, sie ab und zu zu bewegen. Die Hygiene leidet. Keine Dusche ist möglich, der Gips soll trocken bleiben. Ich kann mich nur mit dem Lappen waschen. Egal, wie häufig und gründlich ich das tue, habe ich immer den Geruch von Schweiß in der Nase. Haare waschen geht erst recht nicht. Sowie Haare binden. Mich umziehen kann ich nicht alleine. Und das war bis gestern Abend blöd, weil der Ehemann die letzten zwei Tage schon wieder auf Dienstreise war.

Vorgestern war ich bei meinem Hausarzt. Wegen der Krankschreibung, aber auch um zu wissen, wo ich die neue Untersuchung machen lasse. Eine Überweisung für die Radiologiepraxis wollte er mir vorbereiten. Zuerst die Krankschreibung. Dabei hat er meinen Namen laut gesagt, und es stimmte gar nicht. Die Sekretärin hatte ihm meine Mappe nicht gebracht, und er hatte in der Mappe der vorherigen Patientin, die noch auf seinem Schreibtisch lag, alles geschrieben. Das hat ihn sauer gemacht. Die Sekretärin ist als Urlaubsvertretung für die übliche junge Frau da, und ist anscheinend mit ihren Aufgaben überfordert. Es war mir vorher im Warteraum aufgefallen, wie der Arzt nach jedem Patienten mit ihr gestritten hatte und sie mit lauten Gegenvorwürfen geantwortet hatte. Bei mir hatte es schon ewig gedauert, bis sie meine Karte genommen hatte, als ich die Praxis betreten hatte. Nicht, weil sie viel zu tun hatte, sondern weil sie sich sehr viel Zeit genommen hatte. Ich habe gedacht, sie lernt noch. Mit Gips um den Arm und schmerzendem Knöchel war ich selber irritiert, dass sie mich so lange stehen lassen hat. Ich kann den Ärger vom Arzt verstehen, es ist ziemlich blöd, Zeit für die Patienten über Sachen zu verschwenden, die sonst immer glatt laufen. Er hat alles in meiner Mappe neu geschrieben und meine Krankschreibung fertig gemacht. Die habe ich gleich per Post zu meinem Arbeitgeber geschickt.

Gestern habe ich während der Öffnungszeit der Radiologiepraxis für eine Terminvereinbarung angerufen. Die Frau am Telefon wollte irgendwas aus meiner Überweisung wissen. Überweisung? Stimmt, ich hatte am Ende gar keine bekommen! Ich habe gesagt, ich rufe nochmal an. Da mein Hausarzt keine Internetseite hat, habe ich seine Öffnungszeiten gegoogelt und auf Jameda gefunden. Um vier Uhr nachmittags stand ich unten vor seiner Tür, wie fünf andere Personen. Ich war nicht begeistert, nochmal hin gehen zu müssen, da ich in der Abwesenheit vom Ehemann die Kleider vom Vortag noch an hatte, in denen ich geschlafen hatte. Meine Haare waren eine echte Katastrophe. In meiner Vorstellung hätte ich den ganzen Tag zu Hause verbracht. Tja. Die Praxis war für den Rest des Tages geschlossen, das Schild an der Tür kündigte andere Öffnungszeiten als Jameda an. Wir sind alle weg gegangen.

Was nun? Ich war von meinem letzten Besuch bei der Orthopädiepraxis so genervt, dass ich inzwischen beschlossen hatte, nie wieder hin zu gehen. Aber es war ein Notfall. Ich habe bei der Praxis angerufen, da sie noch auf hatte. Ich hätte es mir sparen können. Die Sekretärin meinte, ich würde keine Überweisung für die Radiologie bekommen und sollte zu meinem Hausarzt gehen. Ob es an meinem französischen Akzent liegt? Ich bin nur dort Patientin geworden, weil der Ehemann es mir empfohlen hatte. „Ein Freund von einem Freund“ arbeitet dort als Arzt. Den habe ich nie zu Gesicht bekommen. Der Ehemann ist jetzt richtig entsetzt, da er mitbekommt, was ich für Erfahrungen dort mache. Er selber wird in der Praxis ganz anders behandelt, und er ist nicht mal Privatpatient.

Heute Morgen bin ich wieder zum Hausarzt gegangen. Ich habe nur mit der Ersatz-Sekretärin geredet und ihr gesagt, dass ich die Überweisung zur Radiologie vermisse. Sie hat überrascht geguckt und sie dann gedruckt. Sie hat sie am Mittwoch wahrscheinlich übersehen. Die Überweisung trägt jetzt das heutige Datum. Zu Hause angekommen, habe ich also nochmal bei der Radiologie angerufen. Eine andere Frau als gestern war dran, die mir den Termin für Montag gemacht hat. Keine Rede von einer Überweisung. Der ganze Stress war umsonst.

Unangenehmer Tag

Angefangen hat er gut. Ich habe die Nacht durchgeschlafen, auch wenn ich vor dem Wecker um halb sieben aufgewacht bin. Die Waage hat mich bis jetzt noch nicht enttäuscht und zeigt immer kleiner werdende Zahlen.

Ich habe zum Frühstück den Chiasamen-Pudding gegessen. Nicht mein Ding. Eine feste Gelee-Konsistenz hatte es doch nicht. Die Samen waren gestern einfach so geschwollen, dass sie eine kompakte Masse gebildet haben. Es war glibberig und hat mir nicht geschmeckt. Ich höre hier mit solchen Experimenten auf. Die mit Haselnussmilch über Nacht eingeweichten Haferflocken gefallen mir sehr gut, noch besser als mit Mandelmilch, ich bleibe dabei. Heute Mittag habe ich mit den Kollegen gegessen. Es gab Zanderfilet mit Kartoffeln und Möhren. Super gesund, dachte ich. Leider war alles in Öl ertränkt.

Ich war heute Morgen mit der Idee aufgestanden, nach der Arbeit zu joggen. Ich war die ganze Woche nicht sportlich. Gut, am Dienstag bin ich Fahrrad gefahren. Es war aber keine so lange Strecke wie zwischen Arbeit und zuhause. Am Montag und gestern kam es nicht in Frage, weil ich es wegen Schlafmangel für zu gefährlich gehalten habe.

Um besser zu joggen, wollte ich mir eine Pulsuhr besorgen. Daher habe ich um halb fünf die Arbeit verlassen. Es gibt ein Einkaufzentrum auf der S-Bahn-Strecke, das ein Sportladen hat. Es hat leider nicht geklappt. Als ich an der S-Bahn-Station angekommen bin, hieß es, aufgrund eines Feuerwehreinsatzes zwei Stationen weiter wäre der Zugverkehr unregelmäßig. Er war so unregelmäßig, dass gar kein Zug fuhr, wie wir wenig Zeit später erfahren haben.

Ich habe also beschlossen, mit dem Bus zu fahren. Wie viele andere. An den Kreuzungen kamen mir alle Ampelphasen extrem langsam vor. Den Bus habe ich verpasst. Der nächste kam zehn Minuten später. Voll. Ich bin bis zur U-Bahn gefahren. Dort war auch der Zugverkehr unregelmäßig. Wir haben ewig am Gleis gewartet. Aber wie es so schön auf der Seite der BVG hieß: „Derzeit fließt der Verkehr der BVG weitgehend ohne Störungen“. Als ich danach umgestiegen bin, war mein nächste Bus in zehn Minuten angekündigt. Es wurden fünfzehn Minuten. Weiter hinter mir haben zwei Typen angefangen, sich zu prügeln. Warum, keine Ahnung. Ich habe Schreie gehört und mich umgedreht. Ein Typ war am Boden, ein anderer über ihn gebeugt und hat ihn heftig getreten. Leute sind zum Glück schnell gekommen, um sie zu trennen.

Als mein Bus kam, waren zwei Busse der Linie hintereinander. Der erste war klein und voll, der zweite war ein Doppeldecker. Alle Leute sind zum ersten Bus gegangen. Ich bin in den zweiten eingestiegen. Die Fahrt war anstrengend. Irgendwann hat ein Baby unten minutenlang lauthals gebrüllt. Dann wurde es still. Ich nehme an, die Mutter hatte ihm etwas zu essen gegeben. Und was ich kurz danach gehört habe, hat mich völlig entsetzt: Der Busfahrer musste eine Durchsage machen, weil essen im Bus verboten ist. Es ist doch etwas ganz anderes, ob ein Baby die Flasche bekommt oder jemand ein Döner im Bus verspeist.

Als ich ausgestiegen bin, war es schon halb sieben. Ich habe zwei Stunden zwischen Feierabend und zu Hause gebraucht. Hätte ich doch das Fahrrad mitgenommen, statt joggen zu wollen… Andererseits waren auf der ganzen Fahrt unglaublich viele Feuerwehr- und Krankenwagen unterwegs. Wegen der Halbfinale? Es war vielleicht kein guter Tag, um Fahrrad zu fahren.

Ach, übrigens, ich freue mich, dass ich heute Nacht in Ruhe schlafen werde, ohne von Böllern und hupenden Autos gestört zu werden. Yeah!

Montag

Die Woche hat ganz schön hart angefangen. Ich war heute um acht bei der Arbeit. Ich hätte also um sieben das Haus verlassen müssen, aber da mein Mann für eine Dienstreise zum Flughafen musste, hat er mich auf dem Weg dahin mit dem Auto gefahren. Ich konnte eine halbe Stunde länger schlafen.

Ganz unerwartet war der Stress heute nicht, da wie jedes Semester unser gemeinsame Kurs mit der Uni statt findet. Ich organisiere unseren Teil, vorbereite die Lehrmaterialien, kontaktiere die Studenten, melde sie für die Experimente an (seit dem Versäumnis vom letzten Jahr habe ich die Verantwortung dafür übernommen), und halte auch Vorlesungen. Ich mache es zum siebten Mal und es läuft wie geschmiert. Ich habe für heute nicht mal meine Präsentation vorher durchlesen müssen.

Dasselbe kann ich für Mr Keen nicht behaupten. Er hat eine Vorlesung von Uschi geerbt, die er heute zum zweiten Mal gehalten hat. Eigentlich hätte ich seine Präsentation damals übernehmen können, ich hatte sie schon bei mehreren Veranstaltungen vorgetragen und es hätte mir nicht viel Aufwand gekostet. Uschi meinte aber, ich sollte mich für den Kurs nicht überanstrengen, und Mr Keen würde sich bestimmt freuen, selber eine Vorlesung halten zu dürfen.

Tja. Wie es bei Mr Keen so ist, sagt er den Chefs immer „ja, mache ich gerne“, aber dahinter steckt nichts. Kein Bock, das war bei ihm in den letzten Wochen schon anzumerken. Und null Vorbereitung, so viel war heute wieder klar. Winfried war diesmal dabei, weil Mr Keen nächste Woche eine ähnliche Präsentation bei einer anderen wichtigeren Veranstaltung halten sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit seiner Leistung zufrieden sein konnte. Begriffe verwechselt, ständig versprochen (seine Sprachstörung kommt noch dazu), ich habe teilweise eingreifen müssen, damit die Studenten verstehen, was er so mühsam nicht richtig erklären konnte.

Was mich noch irritiert hat, ist, wie er mir heute sagte, ich müsste nicht so viel alleine für den Kurs machen, er würde gerne helfen. Das hört man von ihm häufig. Er hilft gerne, wirklich, man muss nur fragen. Wenn man es mal versucht, stöhnt er, hat dann doch etwas ganz anderes und wichtigeres zu tun und überhaupt keine Zeit, aber sonst „gerne“, jederzeit, nur jetzt nicht. Und wenn es eh dazu kommt, dass er alles wie seine Präsentation heute verschlampt, dann kommt es definitiv nicht in Frage, dass ich ihn etwas anderes für den Kurs machen lasse. Ich glaube, ihm geht es vor allem darum, sich als hilfsbereit zu zeigen und Verantwortung an sich zu reißen, um sich wichtiger erscheinen zu lassen. Aber bitte ohne zusätzliche Arbeit.

Es wird Zeit, dass Florian, unser neuer Mitarbeiter, bei uns anfängt. Noch zwei Wochen. Es wird einiges in der Gruppe ändern. Mr Keen war beim ganzen Bewerbungsprozess stark gegen ihn. Hat ihm immer vorgeworfen, mehr Schein als Sein zu zeigen. Die Beschreibung trifft eher auf Mr Keen zu. Ich glaube, er sieht Florian als ernsthafter Gegner. Mit Recht. Florian ist jung, sympathisch, dynamisch, motiviert und produktiv. Hat schon viele wissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Und sieht auch noch gut aus. Das Gegenteil von Mr Keen, wirklich. Kein Wunder, dass er sich von ihm so bedroht fühlt. Ich kannte Florian schon, bevor er sich bei uns beworben hat, und hatte die ganze Zeit die Hoffnung, dass die Entscheidung auf ihn fallen würde. Es freut mich, ihn demnächst als Kollegen zu haben.

Das Kleid ist noch nicht fertig

Ich war fest davon überzeugt, am Sonntagabend fertig zu werden. Es ist jetzt „fast“ fertig. Ich muss es bis Mittwoch schaffen. Wir fliegen am Donnerstag zu meinen Eltern. Ich hatte bei der Arbeit schon angekündigt, dass ich eventuell mehr Urlaubstage brauchen würde. Ich habe mir heute und Mittwoch frei genommen. Ich bin sehr froh, dass Winfried sich dabei so verständnisvoll gezeigt hat.

Die ganze Arbeit an der Nähmaschine ist seit heute endlich vorbei. Ich habe so viele Kreise aus Stoff gefaltet und zusammen in Reihen genäht. Mit mehr Übung habe ich für die Reihen am Rücken, die am längsten sind, nur noch anderthalb Stunde pro Reihe gebraucht. Die Reihen habe ich ans Kleid mit der Maschine grob angebracht. Jetzt muss ich sie ganz eng am Kleid nähen. Ich habe schon über die Hälfte geschafft. Es dauert aber lange, weil es nur noch händisch geht. Mit der Maschine komme ich gar nicht ran.

Ich habe nicht gezählt, wie häufig ich mir die Nadel in die Finger gesteckt habe. Ich habe es irgendwie geschafft, keinen Blutfleck am Kleid zu hinterlassen. Die Hände sind sehr trocken geworden und reiben manchmal am Stoff. Ich kann sie nur abends eincremen. Sonst kann ich die Nadel durch die mehreren Stofflagen gar nicht mehr ziehen. Die Schere ist auch nicht ohne. Sie ist vorne unglaublich spitz. Ich habe sie einmal zur Seite neben mir legen wollen, und mir dabei versehentlich am inneren Unterarm gestreift. Jetzt habe ich eine hässliche Narbe.

Zum Glück hat mir der Bräutigam sehr geholfen, und ganz viele Kreise für mich geschnitten (und sich gelegentlich auch den Daum). Das hat mir so viel Zeit gespart. Es hat tolle Ideen gehabt, wie ich Sachen besser machen könnte. Zum Beispiel, Sicherheitsnadeln statt Stecknadeln zu benutzen, um die Position der Reihen auf dem Stoff fest zu halten, bis ich sie nähen kann. Die Stecknadeln waren mir beim Ausziehen häufig weg gerutscht. Oder wie ich ohne seine Hilfe mir die Reihen selbst im Rücken gut anbringen kann. Das ist jetzt echt toll, weil er schon wieder für die Arbeit unterwegs ist und erst am Mittwochabend zurück kommt. Natürlich wäre es mit einer Schneiderpuppe viel einfacher gewesen. Und mit einem Spiegel. Ich habe mir bis jetzt das Ergebnis mit der Glasscheibe einer Tür dicht neben einem schwarzen Schrank im Flur angeschaut. Nicht ideal.

Ich habe noch drastische Änderungen am Kleid durchgeführt. Nicht nur, dass ich das Design vor drei Wochen komplett geändert habe. Mit der Idee einer Schleppe musste ich Schluss machen. Es wäre sonst viel zu viel Arbeit gewesen. Jetzt ist das Kleid kurz. Vorne gut oberhalb von den Knien, hinten genau bis zu den Knien. Den Stoff der Schleppe habe ich schon in Kreisen verarbeitet. Träger mussten zusätzlich gemacht werden, weil das Kleid durch die Reihen so schwer geworden ist, dass es mir sonst nach einigen Schritten runter fällt. Die Träger habe ich gestern gemacht und heute am Kleid befestigt. So gesehen ist es gut, dass die Schleppe weg ist.

Das Ergebnis sieht… Na ja. In guten Momenten bin ich mit dem Kleid zufrieden. In schlechten Momenten denke ich, es wirkt schlecht. Aber der Bräutigam ist begeistert. Wenn es ihm gefällt, gefällt es mir auch. Gestern Abend im Bett sagte er, er wäre stolz auf meine geleistete Arbeit. Dabei meinte er vor drei Wochen, es wäre völlig unmöglich, mein Vorhaben rechtzeitig zu beenden. Ich war sauer. Gestern meinte er, das Kleid sähe toll aus. Die Leute, die Fotos vom halb fertigen Kleid gesehen haben, haben sich auch nicht schlecht geäussert. Ich werde es mit guten Gefühl tragen können.

Trotzdem, es war eine bescheuerte Idee. Das hatte ich Winfried auch in einem Augenblick von Luzidität gesagt, als er mich fragte, ob ich denn so gut nähen könnte. Ich habe mir nur einmal vor Jahren ein Kleid für einen Tanzauftritt genäht. Erfahrung quasi gleich null. Ich hätte mir das Kleid kaufen sollen.