Rosenbesucher

Die Wanze sehe ich zum ersten Mal. Die Spinne ist länger da. Sie war mir am Dienstag aufgefallen, als ich den Marienkäfer auf ein Blatt setzen wollte. Das Blatt war schon besetzt. Ich habe die Spinne erst im letzten Moment gemerkt, und es ist kein Wunder, bei ihrer Farbe. Ich habe den Marienkäfer zu einem anderen Blatt gebracht, um Zwietracht zu vermeiden. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Die Spinne schon. Sie scheint ihr Zuhause auf diesem Blatt eingerichtet zu haben. Ich mag Spinnen nicht, aber so lange sie da bleibt, ist es in Ordnung. Sie ist auch winzig.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ausgesaugt

Das Wochenende war mir zu viel.

Am Samstag vormittags bin ich gejoggt. Eine ganze Stunde. Alleine, der Ehemann hatte etwas anderes vor. Nachmittags haben wir den Geburtstag vom Schwiegervater gefeiert, und ich wollte im Voraus Energie verbrauchen, um ohne schlechtes Gewissen essen zu können. Ich bin sowieso vernünftig gewesen und habe nicht verfressen.

Am Abend sind wir zu Freunden aufs Land gefahren. Es gab dort eine Dorffeier. Ich hatte keine große Lust, dahin zu fahren. Aber sie ziehen bald um, und die Gegend an der Havel ist schön. Es war eine der letzten Gelegenheiten, sie dort zu besuchen. Und aufs Land wird es schon ruhig sein, oder?

Weit gefehlt. Die Feier fand auf einer großen Wiese gegenüber vom Haus unserer Freunde statt. Ich hatte etwas anderes erwartet. Es waren nur viele lange Tische mit Bänken, umgeben von einer Bühne, wo DJs Musik sehr laut spielen lassen haben, und Ess- und Trink-Wagen. Ich habe den Abend damit verbracht, Gespräche nicht zu verstehen, weil die Musik zu laut war. Ein Bier und ein alkoholfreies Cocktail genippt. Kinder beim Wettrennen zugeschaut. Die hatten ihren Spaß. Es war nicht wirklich kalt, aber ich war dicht gepackt, mit Lederjacke, langer Hose und Laufschuhen.

Wir haben die Feier relativ früh verlassen. Am Lagerfeuer im Garten diskutiert. Um zwei sind wir zum Gästezimmer gegangen. Und, so wie es auf dem Land ist, musste der Ehemann zuerst für mich sämtliche Spinnen im Raum entsorgen. Eine hing sogar auf der Wand oberhalb von den Kopfkissen. Brrr. Das ganze Haus ist von Spinnen besetzt. Ich habe mich wieder gefragt, warum ich zugesagt hatte, mitzukommen. Er hätte alleine hinfahren können.

Als wir sicher waren, dass keine Spinne mehr im Raum war, selbst unter dem Bett, haben wir uns hingelegt. Aber schlafen konnte man nicht. Die Musik war so laut, dass die Scheiben der doppelten Fenster mit jedem Schlag vibriert haben. Mir ist plötzlich eingefallen, dass ich in meinem Nécessaire immer Ohropax habe, und ich konnte doch irgendwann nach drei Uhr morgens einschlafen. Die Feier hat bis zur Dämmerung gedauert.

Wir sind früh aufgewacht und an der Havel entlang spazieren gegangen. Nach dem späten Frühstück mit den Freunden sind wir zurück nach Berlin gefahren. Ich war platt. Abends war noch geplant, dass wir bei einer Cousine vom Ehemann essen gehen. Ich habe abgesagt. Schade, aber dafür war ich heute Morgen mit meinem Körpergewicht zufrieden.

Beim Ausziehen habe ich gestern festgestellt, dass ich aufs Land noch buchstäblich ausgesaugt wurde. An die Knöchel und an der inneren Seite des linken Oberschenkels. Diese fiesen Viecher haben es geschafft, durch die dicken Klamotten zu stechen. Beim Stich am Oberschenkel habe ich eine allergische Reaktion bekommen. Der Stich ist jetzt Kreisförmig, mit einem Durchmesser von einer Daumlänge. Angeschwollen, ganz rot und sehr warm. Furchtbar. Es wird noch mehrere Tage nerven, bevor es verschwindet. Meistens dauert es eine Woche.


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Nicht meine Woche

Nee. Zuerst die Migräne. Montag Abend angefangen, erst heute Morgen los geworden. Ich musste auf mein geplantes Training verzichten, weil ich nicht mehr in der Lage war, Sport zu treiben. Wahrscheinlich liegt es am Wetterwechsel. Ich hatte früher immer massive Kreislaufprobleme, wenn ein Gewitter sich näherte. Teilweise musste ich mich sogar hinlegen, bis es ausgebrochen war. Seitdem ich vor einigen Jahren mit Sport angefangen habe, ist es viel besser geworden. Trotzdem kriege ich noch ab und zu heftige Kopfschmerze.

Mit Facebook habe ich Ärger bekommen. Eigentlich habe ich meine Einstellungen ausgewählt, um nicht suchbar zu sein. Ich gehöre anscheinend zu den ganz wenigen Leuten, die nur Verwandte oder gute Freunde als Kontakte bei Facebook haben. Trotzdem hat es jemand ohne gemeinsame Kontakte geschafft, mir eine „Freundschaft“-Einladung zu schicken. Die Person betreibt eine Seite von einem wissenschaftlichen Verein in meinem Arbeitsviertel. Eigentlich hätte sich der Verein eine Seite erstellen lassen, statt ein Profil. Aber ich habe schon mit diesen Leuten zu tun gehabt und habe gedacht, warum nicht. So weiß ich doch am besten Bescheid, wann sie Veranstaltungen organisieren. Der Hacken: Dadurch hätten sie Zugang zu allen meinen privaten Posts bekommen. Ich habe also angefangen, die Sichtbarkeit von alten Posts zu ändern. Dabei wurde ich wohl zu schnell, nach der Einschätzung von Facebook. Nach einiger Zeit habe ich angefangen, bei jeder Änderung ein Captcha lösen zu müssen, das auch noch sehr schwer zu erkennen war. Ich muss mich zu sehr vertippt haben, weil auf ein mal hieß es, ich wäre für die Benutzung einer Facebook-Funktion blockiert, weil ich sie missbraucht hätte. Das Einschränken von eigenen Post-Sichtbarkeiten darf man laut Facebook also nicht zu oft machen. Das hat mich richtig geärgert. Das bedeutet ja, dass man auf den eigenen Inhalten nicht frei verfügen darf. Tja, und dann habe ich festgestellt, dass man einige Kontakte in eine spezielle Liste stecken kann, damit sie nur Updates sehen können, die man öffentlich freigegeben hat. Problem gelöst. Es wäre viel sinnvoller gewesen, wenn die Facebook-Software meine Absicht erkannt hätte, und ein Hinweis auf die Liste angezeigt hätte. So schwer dürfte es nicht sein.

Der Clou war aber heute Mittag. Ich bin mit Kate zur Bio-Mensa gegangen, die ich erst vor kurzer Zeit durch einen neuen Kollegen kennen gelernt habe. Ursprünglich fand ich das Steak interessant, aber sie sahen alle so durch aus, dass ich mich für das vegetarische Menü entschieden habe. Ich wollte gerade mit dem Salat anfangen, als ich drin eine mittelgroße dickbeinige Spinne entdeckt habe. Sie war tot. Ich weiß nicht, wie die Mädels beim vorbereiten vom Teller sie übersehen konnten. Es war genug, um mir den Appetit zu verderben.


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Traum am frühen Sonntagmorgen

Ich bin kurz vor 06:00 aufgewacht. Da meinte meine Katze, ich müsste aufstehen und sie füttern, es war mir aber zu früh. Sie hat sich nach einiger Zeit im Bett neben mir quer gelegt, hat geschnurrt und ist eingeschlafen. Irgendwann hat sie im Schlaf ihren Unterkörper umgedreht, mit dem Bauch nach oben und eine hintere Pfote auf meiner Hüfte. Total süß 😀

Ich war in unserem früheren Familienhaus, meine Mami war in einem Nachbarzimmer. Ich lag im Bett, rechts von mir war keine Wand sondern eine Öffnung zu einem helleren Raum. An der Wand gegenüber von mir hing etwas komisches… Zwei Spinnen? Ich kreischte. Meine Mami fragte, was los war, und meinte dann, sie würde bald kommen, um die Spinnen zu entfernen. Beim genaueren Betrachten sahen sie eher wie zwei Kalamare aus, eine lag auf der anderen, wie beim Fortpflanzen (wobei ich eigentlich gar nicht weiß, wie Kalamare das anstellen). Als meine Mami kam war nichts mehr auf der Wand zu sehen. Die Öffnung rechts von mir war verschwunden, es war eine normale Wand. Sie fragte, wo die Spinnen waren, und ich sagte, es war bloss ein Traum gewesen. Ich war es mir sicher, weil der Raum im Traum nicht sein normales Aussehen hatte[1]. Meine Mami sagte, sie fände es gruselig, wenn Orte im Traum deformiert werden.

Ich war im Bahnhof mit meiner chinesischen Freundin Mei. Wir haben etwas zum essen dort gekauft und auf die Hand mitgenommen. Ich hatte einen Kartoffelauflauf mit ganz viel Käse drauf. Wir haben beim Gehen ein wenig gegessen, bis Mei einen Laden gesehen hat, wo man dieses Spiel wie auf dem Bend spielen kann, mit einer Kugel, die man auf einer steilen Bahn zu einem Loch werfen muss, um Kamele wie bei einem Rennen vorwärts zu bringen. Das wollte sie unbedingt spielen und hatte schon bei dem Mann an der Kasse bezahlt, bevor ich den Laden überhaupt merken konnte. Ich habe dann dem Mann gesagt, ich möchte das gleiche wie Mei kaufen, um mit zu spielen.

Hier habe ich ein Bild gefunden, falls ihr nicht wisst, was ich meine:

Das Spiel war komisch. Es gab keine Kamele, ich habe mich gefragt, was der Sinn des Spieles sein sollte. Die Löcher waren ganz anders als sonst, statt drei Reihen gab es oben rechts und links zwei kleine Löcher auf Hügelchen. Man bekam nicht eine Kugel, sondern ganz viele Perlen, die alle in die Löcher gebracht werden mussten. Ich habe versucht, sie zu werfen, aber sie rollten nicht so gut, sie waren zu leicht. Irgendwann habe ich es wie der Mann neben mir nachgemacht und zwei Hände voll mit Perlen auf den Hügelchen verteilt. Ich kam mir vor, als ob ich Brüste massieren würde. Das Spiel fand ich albern. Ab und zu habe ich bei meinem Nachbar einen Stück von seinem Kartoffelauflauf geklaut und gegessen, als er nicht aufpasste, obwohl ich noch meinen vollen Teller neben mir hatte.

[1] Hier sei erwähnt, dass in unserem früheren Haus dieser Raum auch gar nicht existierte.


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Längeres Wochenende

Dadurch, dass ich am Freitag mit einem früheren Zug gefahren bin und einen Liegeplatz im Nachtzug für die Nacht von Sonntag auf Montag reservieren konnte, konnte ich am Wochenende viel mehr machen als bei den letzten zwei.

Die Fahrt am Freitag ging schnell. Weil ich so müde war, dass ich fast nur geschlafen habe. Blöd nur, dass ich meine Wachskugel nicht mehr finden konnte. Wie sich später herausgestellt hat, waren sie ganz unten in meinem Rucksack statt in meiner Handtasche. Das Paar neben mir war ganz schön laut am Anfang. Einschlafen im Zug ist manchmal interessant. Man baut die verschiedenen Gespräche deformiert in den Halluzinationen vor dem Schlaf ein, es kann sehr irre werden. Ich hatte am Tisch reserviert, wie immer. Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Leute bei einer so überlasteten Verbindung einen Sitzplatz reservieren. Am Ostbahnhof geht es, da steigen ganz wenige Leute ein. Am Hauptbahnhof wird es plötzlich extrem hektisch, mit genervten Leuten, die sich immer beschweren, dass es so voll ist… Dabei ist die S-Bahn-Fahrt bis zum Ostbahnhof gar nicht so lang. Vielleicht denken die meisten Leute gar nicht daran, von einer Haltestelle aus früher zu starten; die Suche nach einem freien Platz wäre viel entspannter.

Ich möchte sonst noch meinen potentiellen Mitfahrern etwas für mich Wichtiges mitteilen, dass ich so häufig erlebt habe: Wenn ihr für die lange Reise etwas zum Essen packt, ist es ganz vernünftig. Aber muss es unbedingt Brot mit der billigen deutschen Salamisorte sein, die so fürchterlich im ganzen Wagen stinkt, oder mit Leberpastete? Was für ein Spaß, wenn die Dose mit dem Brot nach einigen Stunden Hitze geöffnet wird! Frischkäse tät’s genau so gut und wäre dabei nicht so fett. Dagegen riecht die italienische Salami sehr angenehm, sie liegt Welten von der deutschen entfernt. Allerdings gilt’s auch für Kollegen die im Büro essen (den Fall habe ich zum Glück bei meiner neuen Arbeit nicht gehabt, wir essen in der Mensa).

Am Freitagabend bin ich vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause gekommen. Meine Katze hat mir wieder Vorwürfe für die lange Abwesenheit gemacht. Meine Vermieterin meinte, sie hätte sich diese Woche schlecht gelaunt verhalten, als sie kam, um sie zu füttern. Es kann aber auch an der Hitze liegen, bei Außentemperaturen über 30°C liegt sie am Boden und meckert. Wir wohnen unter dem Dach. Das ist ein anderer Grund, warum ich die Dachwohnung mit der so hohen Maklerprovision lieber nicht nehmen möchte. Zur Not ist sie besser als nichts. Bei der schönen Erdgeschosswohnung habe ich noch nichts gehört, und die Frau wollte mir am Ende letzter Woche Bescheid gesagt haben. Es gab plötzlich einen anderen Kandidaten, als ich am Mittwoch angerufen habe. Am Montag sagte sie noch, ich würde den Zuschlag bekommen (was auch immer das bedeutet, ich hatte es als positiv gespeichert).

Ich bin früh ins Bett gegangen. Ich wollte vor dem Einschlafen ein bisschen lesen. Ich weiß noch, wie ich unter meinem Kopfkissen nach einem Buch gesucht habe (es gibt häufig ein oder zwei Bücher unter meinem Kopfkissen). Aber plötzlich war es ganz hell im Zimmer und es war kurz nach 07:00. Das Buch lag noch unter dem Kissen, die Nachtleuchte war noch an. Ich habe vom Einschlafen nichts gemerkt.

Das Wochenende habe ich fast nur mit Putzen verbracht. Staubgesaugt, Boden gewaschen, Kleider in die Waschmaschine, meine Sachen und kleine Möbel aus der kleineren Wohnung zur größeren gebracht… Beim Staubsaugen habe ich eine Spinne entdeckt. Eine echte Spinne, von dem Typ groß ekelhaft dick braun. Sie war in einer Ecke versteckt. Es kann sein, dass meine Vermieterin, die über meine Phobie informiert ist, versucht hat, sie zu entsorgen. Der Staubsauger lag nicht wie sonst. Vielleicht hat sie sie vor einer Besichtigung gesehen. Wo die Spinne war, sah es nicht sehr gemütlich aus. Es war so eng, zwischen Wand und Leiste am Boden, ich habe nur die Beine zusammengewinkelt gesehen, die raus ragten. Vielleicht war sie schon tot. Ich muss sagen, es ist sehr selten vorgekommen, dass ich in dieser Wohnung Spinnen getroffen habe.

Die Rückfahrt im Nachtzug war nicht so toll. Ich hatte meinen Wecker um 04:20 gestellt, weil ich so früh in Berlin ankommen sollte. Ich bin aufgestanden, habe mich frisch gemacht, habe den Rucksack auf dem Rücken gepackt, nach draußen geschaut, wir fuhren gerade an einem Bahnhof vorbei… Magdeburg. Mist. Zurück zur Liege. Schlafen konnte ich für die kurze Zeit schon nicht mehr. Wir hatten insgesamt anderthalb Stunde Verspätung. Ich hätte mich blind darauf verlassen sollen, dass die Kontrolleure einen kurz vor Anreise wecken. Wobei eine halbe Stunde davor schon zu viel ist. Aufstehen, aufs Klo gehen, Gepäck sammeln, dafür braucht man doch nicht so lange. Ich hatte ursprünglich vor gehabt, die Nacht im Büro auszuschlafen, aber bei der verspäteten Ankunft lohnt es sich schon nicht mehr. Bald kommt mein dritter Zimmerkollege an.


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Weberknechte

Ein Eintrag, wo mein Unwissen über diese Wesen bestimmt in eklatanter Weise ans Tageslicht kommen wird.

Es gibt Sachen, die ich mir nicht erklären kann. Weberknechte sind laut Leute, die es besser als ich wissen, keine Spinnen. Daher ist der Tag dieses Eintrages schon mal falsch, ich weiß. Sie besitzen weder Spinndrüsen noch Gift. Trotzdem gerate ich in der gleichen Panik in Anwesenheit von Weberknechten wie bei anderen Spinnen. Nun…

  • Andere (echte) Spinnen habe ich in meiner temporären Wohnung gar nicht gesehen. Woher kommen dann die ganzen Netze? Oder der Name? Weberknechte…
  • Selbst wenn sie keinen Gift besitzen, kann ich allergisch auf ihre Stiche reagieren.

Ich bin heute Abend doch zur Wohnung gefahren. Ich wollte duschen, die einzige Dusche bei der Arbeit ist im Erdgeschoss, ich müsste an der Wache an der Tür vorbei gehen, und das möchte ich nicht unbedingt. Außerdem bin ich froh über diese Fahrradtour, die mich in Bewegung bringt. Und heute soll der Hausmeiter in allen Wohnungen für den Filter in der Küche gekommen sein, und ich habe gestern das Versprechen bekommen, dass er die kaputten Glühbirnen bei mir noch wechselt, sowie den Kopf der Dusche. Das alles hat er tatsächlich gemacht. Er hat sogar einen Spinnennetz im Flur entfernt, ich konnte es nicht fassen. Die Spinnen sind aber noch da.

Wie viele sollte es noch sein? Ich hatte zuletzt zwei im Schlafzimmer. Die große, die vom Anfang an da war, und die kleinere, die auf einmal im Flur war und zum Schlafzimmer gegangen ist. Diese liegt jetzt in einer Ecke des Schlafzimmers und ruht für immer, die andere hatte sich unter meinem Bett versteckt, deswegen ich aus der Wohnung abgehauen bin und jetzt bei der Arbeit übernachte. Im Badezimmer waren es ursprünglich zwei, dann drei, jetzt sind es wieder nur zwei, eine kleine und eine große. Heute war eine große oberhalb von der Tür des Schlafzimmers. Mir egal, ich gehe nicht mehr rein. Aber ist es jetzt die, die unter meinem Bett war, oder die dritte aus dem Badezimmer, die wieder aufgetaucht ist?

Über das Verschwinden dieser dritten nicht wirklich Spinne könnte ich eine Idee haben, wenn ich besser über das sexuelle Leben von Weberknechten Bescheid wüsste. Es gibt ja die große Spinne, die an der Decke neben der Dusche hängt. Sie hat sich so lange nicht bewegt, dass ich sie fast für tot gehalten hätte. Seit einigen Tagen habe ich morgens im Waschbecken abgetrennte Spinnenbeine gefunden. Ich dachte, die zerfällt langsam auseinander, aber sie sah immer noch heil aus. Als ich heute duschen wollte, war sie nicht nur immer noch ganz, sondern bewegte sie sich auch noch. Und es gab viele kleine Punkte neben ihr… Nachwuchs. Gut fünfzehn Stücke. Hat sie ihren Paarungspartner gefressen? Tja, ich habe zu viel Angst, auf Bildern zu stolpern, um eine Google-Suche darüber zu machen.

Jetzt möchte ich endlich schlafen. Eine Studentin, die bei mir im Büro sitzt, ist aber gegen 21:30 zurück gekommen und hantiert jetzt im Labor. Ihre Taschen sind noch hier. Mist, wie lange wird sie noch brauchen?


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Spinnen 1, Shaarazad 0

Es hat mir gereicht.

Nachdem ich heute Abend in einem italienischen Restaurant gegessen hatte, bin ich gegen 21:00 mit dem Fahrrad zu meiner temporären Wohnung gefahren. Da ein zweites Licht im Flur diese Woche auch ausgegangen ist, hatte ich meine kleine Taschenlampe dabei, die ich mir gestern besorgt hatte. Und als ich zum Schlafzimmer ging, sah ich die große Spinne, die seit einigen Tagen hinter dem Schrank war, unter meinem Bett verschwinden.

Mein Rucksack lag auf dem zweiten Bett. Ich habe den Schrank geleert und meine Sachen drin gepackt. Es hat gerade gepasst. Den Rest aus der Wohnung habe ich in den Fahrradkorb getan. Ich habe noch kurz geduscht, mich wieder angezogen, das Licht auf meinem Helm angeschaltet, den Helm angezogen, den Rucksack auf dem Rücken genommen, und die Wohnung endgültig verlassen. Es war eine harte Fahrt auf dem Fahrrad, mit dem schweren Rucksack, aber ich bin heil zur Arbeit angekommen. Da wir dort vierundzwanzig Stunden Nutzerbetrieb haben, ist es nichts ungewöhnliches, wenn Leute so spät abends ankommen. Ich kann im Büro schlafen. Eine Dusche haben wir auch. Ab heute bleibe ich hier. Wenn ich meinen Rucksack in meinem Schrank tagsüber lasse, wird keiner merken, dass ich hier übernachte.

Die Frau aus dem internationalen Begegnungszentrum hat mir heute noch versichert, dass meine Wohnung am Tag vor meiner Anreise gründlich gereinigt wurde und die Spinnennetze entfernt wurden. Ich habe da meine Zweifeln. Ich hoffe sehr, dass es mit der Wohnung neben der S-Bahn klappt. Ich habe bei der Immobilienfirma heute angerufen. Die Frau sagte, meine Bewerbung würde ihr sehr gut gefallen, aber es gäbe einen anderen Kandidaten, und ich werde erst am Ende der Woche Bescheid wissen.


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Das Wochenende geht zu Ende

Nur einige Stunden, und dann muss ich mit dem Zug nach Berlin. Dahin fliegen ist momentan viel zu teuer. Es wird schon wieder eine sehr lange Fahrt, ich werde kurz vor zwölf in der Wohnung ankommen. Ich denke, ich werde heute Abend beim Ankommen das Fahrrad bei der Arbeit lassen und mit dem Bus fahren. Sonst dauert es noch länger, und morgen muss ich arbeiten. Mit der Bahncard kann ich ja anschließend mit Bus fahren. Und wie üblich werde ich zuerst „meine“ Spinnen durchzählen, bzw. ihre neuen Lagen herausfinden. Die drei an der Decke im Badezimmer verhalten sich schon lustig. Eine große ist seit zwei Wochen immer am gleichen Ort zwischen Dusche und Waschbecken geblieben. Die zwei anderen waren am Anfang oberhalb von der Tür. Letzte Woche ist die kleinere von den zwei zur Lüftung oberhalb von der Dusche gewandert. Am Freitag kam sie mir plötzlich sehr groß vor. Sie hatte aber einfach ihren Platz mit der größeren exakt getauscht. Die Spinne im Schlafzimmer war letzte Woche wirklich zwischen Schrank und Wand gegangen und ist bis Freitag dort geblieben.

Ich werde im Zug ein wenig schlafen. Ich habe noch Ohropax in meiner Tasche. Es war am Freitag sehr praktisch. Ich hatte einen Sitzplatz umgeben von Familien mit Kleinkindern reserviert bekommen. Geheul, Geschrei… Ich war froh, die Wachskugeln dabei zu haben. Ich trage sie sehr ungern, aber es ist mir noch lieber als Kopfschmerze. Die kleine Familie, die an meinem Tisch reserviert hatte, ging noch. Der Junge war geschätzt zwölf und las ein Buch. Sein Vater kam mir komisch vor, wie er sich mit ihm wegen Kleinigkeiten gestritten hatte und ihn ein wenig gehänselt hatte. Es hat zum Glück nicht zu lange gedauert, aber immer wieder im Laufe der langen Fahrt. Die Mutter war hochschwanger und las ganz ruhig neben mir. Ich war ihnen innerlich dankbar, dass sie das ältere Paar vertrieben haben, das sich zuerst gegenüber von mir hingesessen hatte. Der Mann war mir von hinten angekommen und hatte mit Schwung seine Rolltasche knapp über meinen Kopf zum Fach oben geworfen, mit der gleichzeitigen Warnung „Vorsicht, Kopf weg!“ Was sind das denn für Manieren? Er hat sich stark aufgeregt, als die Familie angekommen ist, weil keine der Plätze als reserviert markiert war. Weg mussten sie trotzdem. Mein Sitzplatz war auch nicht markiert. Die Deutsche Bahn ist nicht in der Lage, reservierte Sitzplätze in außerplanmäßigen Zügen als solche kennzuzeichnen. Ich war müde und konnte ein bisschen schlafen. Es war nicht so erholsam, weil mein Ischias schmerzte und ich häufig meine Position wechseln musste. Ich hätte gehofft, heute Nacht eine Liege im City Night Line reservieren zu können, aber es war schon wieder ausgebucht, und ich musste eine frühere Verbindung nehmen. Ich werde schon wieder einen schönen sonnigen Sonntagnachmittag im Zug verbringen müssen.

Es gab am Freitag aber auch sonst eine schöne Überraschung. Als ich für meinen Anschlusszug in Düsseldorf umgestiegen bin, habe ich auf dem Gleis Lutz, einen ehemaligen Studenten, getroffen, den ich für eine Bachelorarbeit am Institut betreut hatte. Wir haben uns während der ganzen Restfahrt unterhalten. Ach ja, Studenten… Einzel genommen geht’s gut, aber ich habe keine Lust mehr auf frontale Lehrveranstaltungen. Ich bin froh, dass ich das in meiner neuen Arbeit nicht mehr machen muss. Höchstens werde ich bei Praktika die Betreuung an den Geräten übernehmen. Die werde ich noch diese Woche kennen lernen. Vorher brauchte ich eine Sicherheitsgenehmigung, die ich erst am Freitag bekommen habe. Ab morgen wird die Arbeit richtig spannend.

Heute Morgen ist meine Vermieterin gekommen und hat erzählt, dass sie einen sehr interessierten Bewerber für die Wohnung auf der Straßenseite hat. Er will ab August einziehen, die Verbindungstür zwischen beiden Wohnungen wird wieder zu gemacht. Ich muss bis dahin alle meine Sachen zur hinteren Wohnung bringen. Den kleinen Tisch und die Kommode hatte ich von dort hin gebracht, es ist also kein Problem, aber für die Couch muss ich sehen, wie es klappt. Die Pflanzen und viele Kleider habe ich schon genommen. Ich hatte erst für Oktober gekündigt, aber wenn jemand die kleinere Wohnung früher haben will, kann ich wieder weniger Miete bezahlen. Selbst mit der Bahncard ist das Pendeln am Wochenende sehr teuer.


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Zurück zu Hause

Die erste Arbeitswoche ist vorbei, ich fahre zurück zu meiner Katze. Ich lasse hinter mir die mit Spinnen infizierte Wohnung. Ich glaube, eine hat mich über Nacht gestochen. Ich habe diese Woche viele Mückenstiche bekommen, auch am Hals, aber ich habe in der Wohnung selbst gar keine Mücke wahr genommen, und der Stich hat, im Gegenteil zu den anderen herum, eine starke allergische Reaktion verursacht. Könnte es schlimmer in dieser Wohnung werden? Ja, wenn die Glühbirnen ausfallen. Ich bin nicht mal eine Woche da gewesen, und schon zwei sind kaputt gegangen. Die Hauptbirne im Schlafzimmer und eine der drei Birnen im Eingangsflur. Beide beim Einschalten des Lichtes. Jetzt lasse ich die anderen Lichter ständig an. Sonst geht auch noch eine andere kaputt, und ich will nicht im Dunkel mit den Spinnen sein.

Ich hoffe sehr, bald eine Wohnung zu finden, um umzuziehen und nicht mehr so lange hin und her mit dem Zug zu fahren. Die letzte Wohnung, die ich diese Woche besichtigt habe, gefällt mir sehr. Sie ist groß genug, ruhig gelegen, und bietet auch im Erdgeschoss Zugang zu einem gechlossenen Innenhof, so dass meine Katze ins Grüne gehen könnte und trotzdem von den Gefahren der Straße geschützt bleibt. Ich habe schon einige der verlangten Nachweise zum Makler geschickt und hoffe auf eine positive Rückmeldung. Selbst wenn ich am Anfang nur ein Bett habe, ziehe ich sofort hin. Und obwohl ich für diese Wohnung eine Maklerprovision bezahlen müsste, wäre die Wohnung auf zwei Jahre gerechnet immer noch billiger, als die erste, die ich am Dienstag besucht habe. Diese war dunkel, hatte so hohe Decken, dass ich viel heizen müsste, hatte auf der Anzeige mit einem Balkon geworben, den ich eher als Fensterdekoration bezeichnen würde, so klein und unbenutzbar ist er, und die Einbauküche war in einem sehr schlechten Zustand, ich hätte sie sowieso entfernt und eine neue eingebaut.

Diese Zugreise kommt mir jetzt wie eine Ewigkeit vor. Wir sind mit Verspätung aus Berlin los gefahren, so dass ich meinen Anschlusszug schon mal nicht erreichen werde. Ich habe es aber geahnt, deswegen habe ich die Arbeit heute Nachmittag früh verlassen, um eventuell noch einen späteren Anschlusszug zu bekommen. Die Antwort meines Chefs, als ich fragte, ob es ging: „Klar, kein Problem“. Cool. Ich habe Fachliteratur im Rucksack eingepackt, aber nach einigen Stunden ist Schluss mit Lesen.

Gegenüber von mir am Tisch sitzt ein junger ausländisch aussehender Mann, ein Spanier, glaube ich, der irgendwie komisch wirkt. Nicht nur, dass er die Nutzung eines Taschentuches anscheinend nicht kennt und die ganze Zeit geschnieft und ungeniert in seiner Nase gebohrt hat. Seit einiger Zeit hantiert er nur noch mit seinen Handys. Ich habe schon ausgeflippt, als er anfing, einen elektrischen Kabel aus einem Aufladegerät nackt zu legen und beide Kupferdrähte schön zu vorbereiten und gerade zu drehen. Als er ein Handy genommen hat und die Batterie raus geholt hat, ging’s mir ganz schlecht, mein Herz schlug ganz wild, und ich musste ihn fragen, was er da trieb. Auf Englisch, weil er kein Deutsch spricht. Worauf er antwortete, dass er seine Batterie aufladen wollte, da er nicht das richtige Gerät dabei hätte. Es scheint auch zu stimmen, wie er dann beide Drähte an der Batterie mit seinem Daum fest gehalten hat und keine weitere Sachen damit verbunden hat, aber irgendwie habe ich Geschichte im Kopf von Terroranschlägen, die mit Batterien von Handys gestartet wurden. Wobei, jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte ich eigentlich keinen konkreten Beispiel nennen. Trotzdem werde ich sehr froh sein, wenn ich endlich aus diesem Zug aussteige. Dadurch, dass ich den jungen Mann angesprochen habe, hat er mich auch Fragen gestellt, und sehr schnell, ob ich verheiratet oder Single wäre. Ich hasse es, wenn fremde Männer sich erlauben, solche persönliche Fragen zu stellen. Ich habe die Frage ausgeweicht, bin aber noch freundlich geblieben, falls er doch vor hätte, den Wagen in die Luft zu sprengen. Ha, ich mache mir bestimmt Sorgen umsonst. Ich habe den Laptop aus der Tasche geholt und angefangen zu tippen, dabei glotzt er mich so ab und zu, als ob er noch das Gespräch suchen möchte, was ich schon nicht mehr will. Das mit dem Anbaggern hat er aber gelassen, als ich ihm nebenbei mein Alter gesagt habe. Ich sehe halt nicht so alt aus. Ich glaube, er steigt in Duisburg aus, dann bin ich alleine am Tisch.

[…] Tja, jetzt, wo er ausgestiegen ist, habe ich mir wirklich umsonst Sorgen gemacht. Wir haben doch weiter gesprochen, er hat erzählt, er ist unterwegs, um einen Freund zu besuchen. Irgendwann hat er seine Handys wieder eingesteckt. Er hat die ganze Zeit versucht, seinen Freund anzurufen, hat aber anscheinend nicht die richtige Nummer gehabt, obwohl der Freund ihn vorher angerufen hatte. Ich denke, weil sein Handy nicht deutsch ist. Meine Mami hatte auch früher das Problem, dass sie meine Nummer nie vollständig auf ihrem Display gesehen hatte, wenn ich sie aus dem Ausland angerufen hatte. Wir haben mit meinem Handy probiert, seinen Freund anzurufen, und es ging nicht. Er hat erzählt, dass er diesen Freund erst morgen besuchen wollte und für gerade 30€, die er noch in der Tasche hatte, irgendwo übernachten wollte. Ich habe ihm viel Glück gewünscht, weil ich nicht weiß, wo man so billig schlafen kann. Ich habe ihm vorgeschlagen, nach Jugendherbergen zu suchen. Ich kenne mich in Duisburg aber gar nicht aus.

Ich bin sonst diese Woche nach einigen Wochen Stille wieder von Hülya angerufen worden. Diesmal hatte sie ihre Nummer nicht versteckt, was mich verunsichert hat. Ich hatte sie auf dem Handy nicht mehr gespeichert gehabt, er waren zu viele Jahre her, als sie sich jedes Wochenende bei mir eingeladen hatte. Ich dachte, es wäre jemand, der für eine Wohnungsbesichtigung anruft, und habe nach dem verpassten Anruf zurück gerufen. So ein Mist, sie war’s. Da ich abends in der Stadt unterwegs war und gerade viel Verkehr vorhanden war, habe ich so getan, als ob ich nicht hören könnte, wer dran war. Nach mehrmaligen „Allo?“ und „Ich höre Sie ganz schlecht“ habe ich wieder aufgelegt. Sie hat mich seitdem drei/vier Male am Tag versucht, anzurufen, aber jetzt, wo ich ihre Nummer kenne, gehe ich nicht mehr dran, das Handy habe ich auf leise gestellt. Sobald ich eine Wohnung in Berlin habe, ändere ich meine Handynummer. Vorher kann ich nicht, da ich diese Nummer für Wohnungsbesichtigungen angegeben habe. Sie hatte damals eine Freundin erwähnt, die bei O2 arbeitet. Ich lasse mich zwar nie in Telefonbüchern eintragen, aber vielleicht sollte ich sogar den Anbieter wechseln, falls sie auf die Idee kommt, diese Freundin nach meiner Nummer zu fragen.

[…] Endlich zu Hause. Die Glühbirne im Flur hat sich hier auch beim Einschalten verabschiedet, es ist wirklich nicht meine Woche mit Lampen. Rucksack auf dem Boden, Katze in den Armen, sie hat sich wieder über meine längere Abwesenheit beschwert, die Arme, ich habe sie auch vermisst, dann konnte ich nicht länger warten, ich bin trotz später Stunde in die Dusche gegangen und habe meine Haare gewaschen. Nächste Woche sind meine Tage vorbei, ich werde dann dafür zu einem Schwimmbad in der Nähe der Arbeit gehen – und dabei noch Sport treiben.


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Erster Tag in Berlin

Ich bin am Montag früh angekommen. Dadurch, dass ich eine Liege im Nachtzug reserviert hatte, konnte ich deutlich besser als letzte Woche im ICE schlafen. Ich habe mein Fahrrad mitgenommen, es wird bei den Wohnungsbesichtigungen viel helfen. In Frankfurt musste ich zweieinhalb Stunden auf den Nachtzug warten – ich war absichtlich zu früh weg gefahren, weil ich noch nie mit Fahrrad und Bahn unterwegs war. Als ich auf einer Bank am Gleis lag und las (Oliver Twist), gut versteckt durch den riesen Rucksack, ist ein Mann mit weißem Shirt und Jeans zu meiner Höhe – und zur Höhe des Fahrrads neben mir – gekommen. Als er gesehen hat, dass ich nicht schlief, sondern lies, hat er sich plötzlich umgedreht und ist schnell vom Gleis wieder verschwunden. Übrigens: In Frankfurt Süd sind weder ein Aufzug noch eine Rolltreppe vorhanden, um zum Gleis für den Nachtzug zu kommen. So begeistert war ich davon nicht, meine Beine tragen noch deutliche Spuren vom Fahrrad. Es ging in der S-Bahn viel besser als befürchtet. Ich bin am Südkreuz statt am Hauptbahnhof wie geplant ausgestiegen, weil die S-Bahn-Verbindungen von dort aus doch besser waren, und es gab jedes Mal sehr wenige Leute, ich konnte problemlos mit dem Fahrrad ein und aussteigen.

Mein erster Arbeitstag verlief ziemlich ruhig. Wir haben einige Formalitäten machen müssen. Ich bin ein wenig frustriert, dass eine wichtige Sache bei der Arbeitssicherheit ziemlich lange dauern wird, weil ich dadurch nicht so schnell alle vorgesehenen Tätigkeiten durchführen kann. Als ich letzte Woche den Arbeitsvertrag unterschrieben habe, hieß es, ich könnte mich nicht vor dem ersten Arbeitstag darum kümmern. Das blöde ist, dass ich gestern die dafür zuständige Person nicht erreichen konnte. Ans Telefon ging sie nicht. Ihre Email-Adresse war nicht zu finden. Ich habe die Email zur Personalabteilung geschickt, mit der Bitte, sie an die richtige Person weiterzuleiten, aber eine Antwort habe ich nicht bekommen. Allerdings aus meiner privaten Email-Adresse, eine berufliche Adresse habe ich noch nicht bekommen. Einen eigenen Arbeitsplatz auch nicht. Nachmittags hatten wir ein Treffen der Arbeitsgruppe. Es hat nicht lange gedauert, weil viele Kollegen zurzeit im Urlaub sind. Es hat mir schon einen guten Einblick in der Arbeitsorganisation gegeben.

Ich habe den Schlüssel zu meiner temporären Erdgeschoss-Wohnung beim internationalen Begegnungszentrum abgeholt. Der Weg mit dem Fahrrad dahin war toll, aber obwohl die Strecke schön flach ist, war es mit dem schweren Rucksack mühsam. Als ich das Haus entdeckt habe, habe ich Bedenken bekommen. Die Außenwände sind mit grünem Zeug voll bedeckt, das zieht bestimmt alle Insekten wie verrückt an. Die Lage der Wohnung selbst ist idyllisch. Direkt am Dahme (oder heißt es hier schon Spree?), und der Blick aus dem Wohnzimmer geht zum Garten und zum Wasser, wo so viele Leute mit kleinen Booten hingehen. Dagegen sieht die Wohnung von der Seite der Küche und des Schlafzimmers fast wie ein Keller aus, der Fußweg zum Wasser liegt auf der gleichen Höhe wie die Fenster.

Vor der Wohnung

Ich wollte schon die Tür zum Garten öffnen, aber in diesem Moment ist mir die erste Spinne aufgefallen. Beim nach oben Schauen habe ich eine zweite schnell entdeckt. Ich habe das Licht angemacht. Oberhalb vom Fernseher, zwischen Wand und Decke, waren drei weitere Weberknechte zusammen geschmust. Ich habe meine Sachen vorsichtig aus dem Wohnzimmer zurück geholt, habe beschlossen, dass ich es eigentlich nicht nötig habe, in diesem Zimmer zu sein, und habe die Tür geschlossen. Ich habe zu Hause keinen Fernseher, ich kann hier also weiterhin sehr gut keinen Fernseher schauen. Außerdem sind in dieser kurzen Zeit draußen seltsame Ereignisse vor der Tür geschehen. Als ich nach der Entdeckung der ersten Spinne zum zweiten Mal aus der Tür geschaut hatte, lag plötzlich eine weiße Maus am Boden, wirklich direkt vor meiner Gartentür. Kein Tier, sondern Computerzubehör. Mit Kabel. Als ich meinen Rucksack genommen habe, den ich auf der Couch beim Reinkommen geschmissen hatte, fiel aus einer höheren Etage eine schwarze Haarbürste und landete im Garten neben der Maus. Ein bisschen Geschrei gab es auch. Ab und zu, bis etwa 23:00. Irgendwie hörte es sich aber nicht wie Streit an. Als das heftige Gewitter ausgebrochen ist, wurde es ruhig im Haus.

Dass ich unter Arachnophobie leide, ist mein eigenes Problem. Jemand, dem es nicht stört, könnte wunderbar hier wohnen. Ich will schon nur noch möglichst schnell wieder weg. Egal, ob ich dadurch diesen Monat drei Mieten zahlen muss: Die erste Wohnung, die passt, wird genommen. Heute Nachmittag habe ich schon einen Termin für eine Besichtigung. Die Wohnung hier ist übrigens schon teuer: Fast 800€ für nicht ganz 60m2, und hinzu kommen 50€ für die Endreinigung, wenn ich wieder raus bin. Ich zahle das gleiche in meiner aktuellen Wohnung, aber dafür habe ich 100m2, und dort gehört zur Wohnung immerhin eine Waschmaschine, hier nicht. Und für ein Zentrum, das in der Unterkunft von Wissenschaftlern spezialisiert ist, ist es für mich sehr enttäuschend, dass nicht mal Eduroam vorhanden ist.

Ich frage mich allerdings, was mit „Endreinigung“ gemeint wird. Und wann wurde hier zum letzten Mal gereinigt? Ich hätte nicht so viele Spinnen erwartet, wenn es gründlich vor kurzem geputzt worden wäre. Allein im Wohnzimmer sind fünf Weberknechte. Ich habe nicht in jeder Ecke geschaut, nur die gut sichtbaren habe ich gemerkt. Deutliche Spinnennetze hängen von der Decke in den Ecken. In der Küche waren zwei weitere Spinnen, so wie im Badezimmer – wo es auch noch schlecht aus der Kanalisation riecht und eine deutliche Staubschicht auf der Ablage hinter dem Klo lag. Stimmt, an der gekachelten Wand hinter dem Klo klebte noch etwas, was wie Schamhaar aussah. Im Schlafzimmer hängt eine Spinne an der Decke neben dem Fenster (ja, den Spruch kenne ich). Sie ist noch weit weg vom Bett (der selbst mir viel zu weich ist und bei jeder Bewegung quietscht). Ein großer, aber leerer Netz, ist zwischen Nachttisch und Wand gespannt und mit Staub geschmückt. Beim Gehen klebte der Boden an meinen Schuhen. Außerdem hängt überall ganz leicht herum der charakteristische süßliche Geruch von Cannabis. Das einzige, was wirklich sauber aussieht, ist der Kleiderschrank im Schlafzimmer. Kein Staub drin, und gut gewaschene Bettwäsche und Handtücher, wie im Hotel. Auf dem ersten Blick. An den Bettwäschen hingen Haare und es klebt an einem Ende etwas schwarzes, keine Ahnung, was es sein könnte. Es sieht aus, als ob es beim Waschen nicht weg gegangen ist.

Ich habe abends geduscht, um den Schweiß des ganzen Tages und des Vortages endlich los zu werden. Meine Haut hat danach gejuckt. Die Dusche ist wirklich in einem schlechten Zustand. Die Dichtung des Brausekopfes ist zerbröselt, Wasser fließt aus unerwarteten Stellen, und es kommt so wenig Druck raus, dass ich mich frage, ob ich mir die Haare vernünftig waschen kann. Es würde beim Spülen so lange dauern, dass ich dadurch den Boden komplett unter Wasser setzen würde. Der Rand von der Dusche ist sehr niedrig und bei den schon vielen entdeckten Spinnen traue ich mich nicht, den Vorhang zu schließen. Vielleicht ist bei der Arbeit eine Dusche vorhanden, wie in meinem früheren Institut. Dann könnte ich mir dort die Haare waschen.

Ich bin heute Morgen gegen 03:30 aufgewacht. Das Bett ist mir wirklich zu weich. Mein Rücken schmerzt. Ich wollte wieder einschlafen, aber es hat nicht geklappt. Als ich zum Badezimmer gegangen bin, habe ich gesehen, dass alle drei Spinnen, mit denen ich mir den nicht gesperrten Teil der Wohnung noch teile, ganz brav an ihren Stellen geblieben sind. Vielleicht ist eine friedliche Kohabitation doch möglich. Ich fühle mich trotzdem unwohl und flippe gleich aus, sobald ein aus meinem Zopf entlaufenes Haar meine Haut berührt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.