Sonntagsradeln

Dank Fieselfux bin ich auf die Idee gekommen, heute das Fahrrad aus der Tiefgarage zu holen und mit dem Ehemann zum Fliegeberg zu fahren. Von zu Hause aus brauchen wir nicht mal eine halbe Stunde. Es war das erste Mal seit meinem Armbruch, dass ich mein Fahrrad wieder angefasst habe. Fahrrad gefahren bin ich dieses Jahr sonst schon, in Finnland. Leihweise. Bilder dazu kommen noch.

Wir haben die Fahrräder am Eingang vom Park gelassen und sind zu Fuß herum gegangen. Das Wetter war fantastisch, volle Sonne und schön warm, schon am frühen Morgen. Kaum Leute unterwegs, obwohl es schon nach zehn Uhr war. Der Ehemann hat erzählt, er war früher als Kleinkind häufig mit seinen Eltern hierher gekommen, als sie noch in der Nähe wohnten. Seitdem sie umgezogen sind, ist er nie wieder zurück gekommen. Es war schön für ihn, den Park mit mir neu zu entdecken. Hinter dem Wasserbecken sieht man den künstlichen Fliegeberg, den Otto Lilienthal für seine Flugversuche benutzt hatte.

Nach einer kurzen Umrundung des Teiches rechts vom Fliegeberg sind wir zu unserem nächsten Ziel geradelt. Die Sternfahrt. Mich hatte die Idee gelockt, mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren zu dürfen. Wie geil ist das denn? Leider wurde nichts daraus.

Nachdem wir uns dem Zug an einem U-Bahnhof angeschlossen haben, sind wir in Richtung Autobahnzufahrt Grenzallee mitgeradelt. Um dann eine Stunde dort zu verhaaren. Die Zufahrt war gesperrt, keiner kam durch. Wieso, wusste keiner. Wir haben uns eine Stelle im Schatten in einer Querstrasse gefunden und haben erstmals gewartet. Nun, nach einer Weile tat mein Ischias weh, und es war ziemlich langweilig. Ab und zu kam eine Welle Gedrängel, wo Leute mit ihren Fahrrädern einfach nach vorne gefahren sind, aber vorne ging es trotzdem nicht weiter. Irgendwann hat jemand durch ein Mikrofon die Leute dazu aufgerufen, stehen zu bleiben, was völlig ignoriert wurde, da, nachdem ein Krankenwagen sich den Weg durch die Menge gebannt hatte, viele Leute wieder gedrängelt haben. Irgendeine Information, warum wir da standen und wann es endlich los gehen würde, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist, ich mache beim nächsten Mal nicht mit.

Nach über einer Stunde hatte es uns gereicht. Wir sind umgedreht und stattdessen nach Tempelhof gefahren. Bei dem tollen Wetter an einem Sonntag war das Feld unglaublich menschenleer. Wir haben auf den Liegestühlen vom Biergarten entspannt. Einige Meter von uns entfernt, unter anderen Bäumen, saßen zwei Frauen mit einem Kleinkind, das vielleicht zwei Jahre alt war. Das Kind trug nur eine kurze Hose, die ihm doch bis zu den Knien reichte und zu groß war, da sie ihm beim Laufen unter dem Po gerutscht war. Ich glaube, er hat es nicht gemerkt. Irgendwann hat er sich die Hose komplett ausgezogen und ist ganz nackig und fröhlich durchs Grass mit der Hose in der Hand gelaufen. Herrlich. Zwei Männer haben vor den Tischen hinter uns Musik gespielt und gesungen, Country oder so, das hörte sich toll an. Ich habe gedacht, ich will gar nicht weg von Berlin, es lebt sich hier so schön. Tja…

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Am letzten Montag

Heute war der erste Arbeitstag des Jahres. Es war kalt und teilweise recht glatt auf den Gehwegen. Für mich jedenfalls. An Glätte werde ich mich wohl nie gewöhnen können.

Letzter Montag war besser. Ich habe den Ehemann zurück zum Flughafen in Nizza begleitet, und bin entlang der Prom‘ spazieren gegangen. Ich hatte mir mehr Urlaub genommen, um bei meinen Eltern länger zu bleiben. Vor allem bei meiner Mutter, die momentan eine schwere Zeit wegen eines schlimmen Bandscheibenvorfalls erlebt.

Das Wetter war traumhaft. Strahlende Sonne, blauer Himmel, und über 15 Grad. Man sieht, dass es Winter ist, weil der großer Weihnachtsmann gegenüber vom Hopital Lenval steht – ein Kinderkrankenhaus. Die Einheimischen waren alle mit dicken Daunenjacken unterwegs. Nur die gelegentlichen Sportler trugen leichte Bekleidung. Angefangen habe ich mit Mantel, leichter Strickjacke, Bluse und Spaghetti-Top. Mir wurde beim Gehen immer wärmer, und am Ende hatte ich nur den Spaghetti-Top an behalten. Auf dem Schattenbild auf der Place Masséna mit frischer neuer Frisur, vorne kürzer und wilder. Früher, als ich noch hier wohnte, hätte ich nie daran gedacht, im Winter mit nackigen Armen zu spazieren. Ich habe mich an die Kälte gewöhnt.

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Eine positive Entwicklung in Nizza ist, dass es viel mehr Radwege gibt. An der Prom‘. Ich glaube, weiter nördlich dürfte es immer noch so umständlich sein. Obwohl, in vielen Straßen kann man nicht mehr rechts und links am Rand parken. Das Risiko, von unaufmerksamen Autopassagieren eine Tür ins Fahrrad geknallt zu bekommen ist gesunken. Die Stadt will weniger Autos fahren sehen. Seit der Einführung der Tram gibt es sogar große Parkplätze, wo man für 2€ am Tag parken kann und mit dem Ticket überall mit ÖPNV fahren darf. Und Stationen mit blauen Leihfahrrädern sieht man recht häufig. Die Fahrräder sind leider leicht zu klauen, weil mein Bruder meinte, ein LKW auf dem Weg nach Nordafrika wäre vor Kurzem mit einer voller Ladung davon noch rechtzeitig entdeckt.

Wie immer wenn ich zurück in der Heimat bin, spiele ich mit dem Gedanke, mich wieder hier niederzulassen. Aber. Das Leben in Frankreich ist teuer. Umso mehr in Südfrankreich. Wohnungen kann man sich kaum leisten. Und dreckig ist es. Überall Hundekacke. Selbst in der Unterführung zu den weiteren Gleisen am Hauptbahnhof von Nizza. Im Sommer ist der Gestank furchtbar. Und die Leute fahren Auto wie Bescheuerte. Kaum waren wir bei unserer Ankunft aus dem Flughafen raus und auf der Autobahn, dass wir fast in einem Unfall verwickelt worden wären. Rechts von einem rasenden Auto überholt, das sich dann ganz links eingeordnet hat, um plötzlich hinter einem normal fahrenden Auto eine Vollbremse zu machen. Hinter ihm kann noch so ein Raser, der auch voll bremsen musste. Stresslevel 100%.

Aber die Leute sind sonst super freundlich, das fehlt mir in Deutschland. Sie gehen auf Fremden zu und reden gerne mit ihnen. So habe ich zum Beispiel meine Sitznachbarin im Flugzeug am Samstag kennen gelernt. Sie wusste nicht wohin sie gehen sollte, nach dem Sicherheitscheck. Der Flughafen ist vor Kurzem völlig umstrukturiert worden. Nachdem ich ihr den Weg geschildert habe, haben wir ganz natürlich weiter geredet. Da wir beide zu früh waren, haben wir einen Kaffee zusammen getrunken. Über unsere Reiseziele diskutiert. Sie wollte nach Málaga in den Urlaub fliegen. Über Zürich, wie ich. Der Mann am Tisch hinter uns, auch ein Franzoser, ist dann zu uns gekommen, weil er sich in Málaga eine Wohnung gekauft hat. Es ist ja „so kalt“ im Winter in Südfrankreich, da muss man in den Süden 😀 Er hat uns viele interessante Sachen über die Stadt erzählt. Solche Begegnungen macht man in Frankreich häufig. Am Tag davor im Zug habe ich mich mit meiner Nachbarin auch sehr freundlich unterhalten. In Deutschland wirken die Leute eher misstrauisch, wenn man als Fremder mit ihnen redet.

Spätsommerlicher Sonntag

Der Tag war großartig. Warm, sonnig, und Sonntag, was will man mehr?

Wir haben beschlossen, den vermutlich letzten sommerlichen Sonntag des Jahres auf dem Wasser zu genießen. Die lieben Kollegen hatten uns ja zur Hochzeit einen Gutschein für eine Fahrt auf der Dahme geschenkt. Auf dem Bild sieht man den Solarbootladen in Köpenick. Das berühmte Rathaus, das hinter dem Haus hinter dem Baum mittig rechts vom Bild steht, sieht man hier leider nicht.

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Solarboot war ich noch nie gefahren. Es war nett, aber sehr langsam und irgendwie doch langweilig. Immerhin konnten wir uns sonnen. Ich glaube, paddeln mag ich viel lieber. Wenigstens tut man was. Nach der Tour waren wir beide ziemlich müde. Es lag bestimmt an der Sonne und an der Inaktivität. Entspannend war es auf jeden Fall.

Auf dem Weg zurück zum Solarbootverleih haben wir eine Badestelle an der Gartenstraße entdeckt, die sehr einladend wirkte. Wir haben sie gleich danach besucht. Es ist eine private Badestelle, der Eintritt kostet 3€ pro Person, aber der Strand ist dafür sehr sauber. Viele Familien mit Kleinkindern waren da. Ich bin eine Viertelstunde geschwommen. Brustschwimmen. Das Einzige, was ich wirklich kann. Ich denke, es hat meinem Arm gut getan. Diese Woche fängt die zweite Staffel Krankengymnastik an.

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Nach einer Stunde auf dem Sand sind wir zurück nach Hause gefahren und haben uns ein tolles Abendessen vorbereitet. Gemüse im Backofen mit gegrillten Merguez. Zum Schluss gab es ein Stück Mirabellentarte, die mein Mann uns heute Morgen liebevoll gebacken hatte. Ich habe dafür nicht mal mein tägliches Kalorienkonto gesprengt.

Festival – Tag 1

Auszug aus meinem Reisetagesbuch. Warnung: Für empfindlichen Seelen nicht geeignet.

Gegen 07:00 sind wir aufgewacht. Die Sonne schien und unser Zelt wurde schnell zur Sauna. Außerdem wurden unsere Nachbarn schon wach und laut. Ich habe mich angezogen und auf dem Weg zu den Toiletten gemacht. Ich hatte sie gestern nicht besucht, aber Martin meinte, sie wären nicht weit von unserem Zelt entfernt. Die Reihen von Dixi-Klos waren in der Tat nicht zu übersehen.

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Nichts ahnend, habe ich mich in der Schlange hingestellt und gewartet, bis ein Klo frei wurde. Das Entsetzen war groß. Der herrschende Geruch war schon beim ersten Tag überwältigend. Fäkalienreste klebten direkt oben am inneren Rand vom riesigen Loch, das als Kloschüssel galt. Es gab keine Spüle. Nur eine dunkel blaue Flüssigkeit in der Tiefe vom Loch, die als Desinfizierungsmittel gedacht war und in der, unter anderen, Spritzen an der Oberfläche zu sehen waren. Ich habe meine Blase schnell entleert, ohne in Berührung mit dem Klo zu kommen, und habe beschlossen, nie wieder solche Anlagen zu benutzen. Mein Mitleid geht an allen Bauarbeitern, die keine andere Möglichkeit haben und das schon ewig erleben dürfen. Ich habe danach meine Hände an den Becken waschen wollen. Auch ekelhaft. Drin waren noch Kotzreste mit Nudeln, vermutlich vom Abend. An einem Hahn hing eine lange farblose schleimartige Masse. Meine Zähne dort zu putzen habe ich ausgeschlossen.

Ich bin zurück zum Zelt gegangen. Nach einer Erholungszeit haben wir an den Tischen vor den Klos gefrühstückt (es gab sonst keine andere Tische, und die Camping-Shops mit Bäckerei und Kaffee waren auch dort). Nur Kaffee haben wir gekauft (eine Marke, 2,50€), sonst hatten wir unsere Einkäufe vom Carrefour. Ich habe die Becher behalten, um mir mit Evian hinter dem Zelt die Zähne zu putzen. Gegen 08:00 wurde der Duschenbereich zwischen Shops und Klos eröffnet. Die spontane Schlange war sehr lang. Ich habe Martin vorgeschlagen, den Tag sportlich zu beginnen, indem wir mit dem Bus nach Leuven fahren und das lokale Schwimmbad besuchen. Schwimmhose und Bikini hatten wir ja für die Reise nach Spanien nach dem Festival eingepackt. Eine tolle Idee, auch wenn die Suche nach der Sportoase am Anfang schwierig war (nicht mal eine Touristeninformation haben wir gefunden). Der Eingang kostet 5,50€, das Doppelte vom Preis einer Dusche am Camping (auch eine Marke). Dafür kriegt man noch Sauna und jede Menge Spaß. Ich habe mich gefreut, meine Haare richtig waschen zu können. Komisch, dass so wenige Leute auf diese Idee gekommen sind. Der Schwimmbad war nicht überfüllt.

Wir wollten nach einem leckeren Mittagessen am frühen Nachmittag zum Camping-Gelände zurück fahren. Blöderweise haben wir den Bus zum Festival benutzt, statt den zum Camping. Die Haltestelle war 2,5km vom Festival-Eingang entfernt, und 3km vom Campingplatz. The Hive war am teuersten von allen Campings, und den Grund dafür haben wir nicht wirklich verstanden, weil der Camping auch am weitesten vom Festival entfernt war. Wir mussten die ganze Zeit sehr lange Strecken zu Fuß machen. Nicht gut, weil Martin so viele Probleme mit seinen Sehnen hat. Zum Glück war das Wetter toll. Ich habe mich eingecremt und trotzdem einen leichten Sonnenbrand bekommen.

Am Eingang vom Festival haben wir wieder Schlange gestanden. Diesmal um den mit Chip versehenen Eintrittsarmband zum Festival-Gelände zu bekommen. Wir haben uns dem Publikum an der großen Bühne hinzugefügt und gewartet. Drauf spielten die White Lies, eine mir unbekannte Gruppe. Danach waren Placebo dran. Den Konzert haben wir uns auch angeschaut und dabei die ganze Zeit versucht, uns nach vorne zu bewegen. Es ging relativ gut, die Publikumsdichte war noch nicht so groß. Am Ende vom Konzert waren wir so weit, dass wir zwei Reihen vor einer Sperre angekommen sind. Es gab danach gut drei Meter Raum, in dem Sicherheitskräfte standen, bevor die nächte eingezaunte Publikumsmasse anfing. Keine Ahnung, wie man dorthin gelangen konnte. Andererseits fand ich den Abstand zur Hauptbühne schon kurz genug. Ich habe mich hingesessen, da wir schon so lange gestanden hatten, während Martin uns Biere geholt hat. Der Boden, kein Rasen sondern eine Kunststoff-Fläche, klebte schon von den vielen gekippten Bieren. Die Sonne knallte weiterhin. Immer mehr Menschen sind angekommen. Wir haben es geschafft, unseren hart erkämpften Platz zu behalten. Vor allem dank mir, weil Martin sonst von allen überholt geworden wäre. Ich hasse Menschendrang, ich hasse warten, ich hasse lange stehen, aber für Metallica kann ich das alles tun.

Sie waren natürlich nicht pünktlich. Als ich sie genau hier vor elf Jahren gesehen hatte, hatten sie gewartet, bis die Dunkelheit ausgebrochen war. Diesmal war es noch ganz hell, als sie aufgetaucht sind. Gleich am Anfang hat ein junger Mann hinter uns Crowdsurfing ausprobiert und ist von den Sicherheitskräften empfangen und rausgeschmissen worden. Es stand groß am Eingang, dass dieses Verhalten verboten war – inmitten einer so langen Liste von anderen verbotenen Sachen, dass ich bestimmt zu den Wenigen zähle, die alles ausgelesen haben. Auf jeder Seite der Bühne standen Gruppen von Fans, die die Band während des ganzen Konzertes hautnah erleben durften. Einige haben teilweise sogar selbst die Songs angekündigt, wobei der zweite junge Mann ziemlich blöd wirkte. Der Konzert selbst war großartig. Keine spezielle Effekte auf der Bühne, aber eine tolle Stimmung. Die Teilnahme der Zuschauer war in keinem Verhältnis zu den zwei vorherigen Konzerten. Meine Stimme hat mehrmals versagt. Trotz meiner Begeisterung bin ich am Ende sehr müde geworden und musste ständig gähnen. Meine Füße taten furchtbar weh (ich trug meine üblichen bequemen flachen Schuhen). Obwohl eine andere Gruppe danach spielen sollte, sind wir nicht geblieben. Ich war sowieso nur für Metallica zum Festival gekommen und hätte gleich am nächsten Tag zurück nach Berlin fliegen können, aber Martin hatte darauf bestanden, bis Sonntag zu bleiben, weil es sich für ihn sonst nicht lohnen würde. Was für ein Quatsch.

Die Umgebung im Camping war wieder total laut. Ich habe die von Martin mitgebrachten Ohrstöpsel ausprobiert, habe es leider nicht geschafft, sie in meine Ohren zu stecken. Ich dachte, ich würde etwas falsch machen, aber er hat es sich mit der Taschenlampe genau angeschaut und meinte, meine Ohrkanäle wären unglaublich schmall. Ich bin irgendwann von lauter Erschöpfung eingeschlafen.

Festival – Tag 0

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Ich habe wenig geschlafen. Um 02:30 im Bett, um 06:30 wieder aufgestanden. Die Katze habe ich für den Tag versorgt. Ab morgen kommt die Katzensitterin täglich. Ich habe noch den Parkplatzschlüssel und eine Notiz für sie auf dem Küchentisch gelassen.

Um 09:20 war ich mit Croissants bei Martin. Meinen Rucksack hatte ich nur zur Hälfte gefüllt, da er seine Klamotten drin packen wollte. In seiner Tasche hatte er schon das Zelt und die Schlafsäcke. Wir haben gefrühstückt und sind mit dem Bus zum Flughafen gefahren. Auf dem Weg nach Brüssel haben wir Falafel-Brötchen mit Curry bekommen. Bis jetzt der beste Snack, den ich im Flugzeug je bekommen habe. Von Brüssel aus sind wir direkt mit dem Zug nach Leuven gefahren. Vor dem Bahnhof dort standen schon die Busse für den Festival. Unser war so voll, wir sind mit schweren Gepäcken vorne während der ganzen Fahrt nach Werchter stehen geblieben. Es wurde schnell sehr warm. Eine Gruppe von jungen Männern ist mit einem Einkaufswagen voll mit Gepäcken in der Mitte vom Bus eingestiegen und hat mit laut gespielten und mitgesungenen Stücken von Metallica für Stimmung gesorgt.

Der Bus hat uns zum Camping gebracht (The Hive). Wir wollten so schnell wie möglich das Zelt bauen, um das Gepäck los zu werden. Am Eingang vom Camping haben wir unter knallender Sonne Schlange gestanden. Wir hatten blöderweise nichts zum trinken dabei. Die Menschen waren ziemlich diszipliniert. Es gab kein Gedrängel, obwohl gefühlt Tausende von Leuten nur darauf warteten, um zum Camping-Gelände zu gelangen. Der Wartebereich vor dem Eingang war am Boden schon mit platt gedrückten Bierdosen bedeckt. Genervt hat mich nur der fettleibige fünfzigjährige Belgier hinter mir, der ständig versucht hat, vor mir zu kommen. Es ist ihm nicht gelungen. Dazu hat er noch mit seinen zwei Söhnen ständig geraucht. Wir sind durch zwei Eingangsbereiche gegangen. Nach der ersten Schlange war die zweite dran. Ich habe den Sinn davon nicht verstanden. Insgesamt haben wir bestimmt anderthalb Stunden gestanden, um Armbänder als Eintrittspässe für das Camping zu bekommen. Immerhin war das Wetter toll. Auf dem Gelände standen schon viele Zelte. Nebem einem der Hauptwege haben wir einen Platz gefunden, der groß genug war, und das Zelt endlich aufgebaut.

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Direkt danach sind wir mit dem Bus zurück nach Leuven gefahren. Ich fand es toll, dass so häufig Busse zwischen Leuven und Werchter kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Wir sind durch die Stadt spazieren gegangen und haben belgisches Bier getrunken. Die Stadt kannte ich schon, da eine Freundin von mir dort vor zwölf Jahren studiert hat und ich mehrmals bei ihr zu Besuch war. Ein leichter Kopfschmerz hat sich bemerkbar gemacht. Wir haben für das Frühstück eingekauft. Ich bin für unsere Essensausgaben zuständig. Wir sind ja pleite und können es uns nicht leisten, täglich beim Camping-Shop einzukaufen. Dazu haben wir einen Pack von sechs Flaschen Wasser à 1,5 Liter gekauft. Den hat Martin getragen. Das kleine Carrefour Express am Bahnhof war völlig überfordert. Mit nur einer geöffneten Kasse standen Leute bis zum anderen Ende des Ladens Schlange – alle Besucher vom Festival.

Nach einem frühen Abendessen vor dem Rathaus sind wir zurück zum Camping gefahren. Wegen meinen zur Migräne mutierten Kopfschmerzen sind wir früh in die Schlafsäcken geschlüpft. Aspirin habe ich dabei, aber kein Becher, um die Brausetabletten zu lösen. Martin konnte relativ schnell einschlafen. Da die anderen Camping-Bewohner auf Party-Stimmung waren, hat es bei mir länger gedauert.

Die Stadt stinkt

Ich musste heute raus gehen. Die Agentur für Arbeit erwartet ja meine Rückmeldung für die Stelle, die sie mir geschickt hatten, mit Begründung für die eventuelle Absage. Das Formular habe ich jetzt ausgefüllt und geschickt. Abgehackt. Die Bewerbung nach England habe ich doch nicht geschrieben, nachdem ich den vorgesehenen Gehalt gemerkt habe. Was promovierte Wissenschaftler am ISIS verdienen entspricht gerade das Gehalt von unseren Doktoranden auf 3/4 Stellen in Deutschland. Oder 1/2 Stellen, wenn es brutto war.

Das Wetter ist wieder traumhaft. Die Temperatur macht mit. Die Magnolienbäume sind gerade beim Erblühen. Die Leute sind mit Sommerkleidung und Sonnenbrillen unterwegs. Heute ist Donnerstag – warum war ich gestern so fest überzeugt, schon am Donnerstag zu sein? Egal, das hat mit dem jetzigen Eintrag nichts zu tun.

Ich bin die Theaterstraße runter gegangen. An einer Haltestelle waren viele Busse angehalten. Nicht nur die aus dem öffentlichen Nahverkehr, auch Reisebusse. Ihre Abgase mag ich nicht. Einige können wirklich aggressiv riechen. Ich bin möglichst schnell an ihnen vorbei gegangen. Nach der Post wollte ich noch ein paar Sachen kaufen, wie Katzenstreu. Auf dem Rückweg gab es viel mehr Leute auf der Straße, es war schon über mittags. Ich bin an vielen kleinen Gruppen vorbei gegangen, die am Rauchen waren. Mit riesigen Rauchwolken. Bei einigen war es auch nicht bloß Tabak. Den Geruch mag ich noch weniger. Eine neue Baustelle gab’s auch, ich bin die Theaterstraße auf der anderen Seite wieder hoch gegangen. Die haben viel Staub verursacht. An meiner Kreuzung gab es einen riesen Stau, mit entsprechenden Abgasen. Autos überall quer, man musste sich mit Einkaufswagen dazwischen einen Weg finden, niemand konnte richtig weg fahren, egal welche Farbe die Ampel zeigte. Der Bus vor meiner Haustür konnte nicht weg aus seiner Haltestelle. Ich bin froh, Fußgängerin zu sein.

Ich muss auch noch essen. Mir ist nicht danach. Und ich habe gerade festgestellt, dass ich heute schon 19 Seitenaufrufe habe, obwohl ich noch nichts geschrieben habe. Das Tagebuch einer arbeitslosen Wissenschaftlerin wird im Durschnitt drei Mal mehr gelesen, als mein selbst verfasster Artikel über das Friedelsche Gesetz auf Wikipedia (in meiner Muttersprache). Irgendwie deprimierend.

Hallo Frühling!

Das Wetter ist so herrlich, dass ich es mir gegönnt habe, bei meinem Stammcafé spät frühstücken zu gehen, und für ein paar Stunden die Sonne zu genießen.

Gegenüber von der Terrasse steht auf der Wiese ein wunderschöner Baum:

Baum mit BlumenBaum
Und auf dem Rückweg gab’s eine schöne Überraschung:

Kirschblüten
Es wurde aber Zeit!