Wieder im Lande

Wir haben die Zeit nach Weihnachten bei meiner Familie verbracht. Am Sonntag geflogen, und gestern hieß es wieder, ab nach Hause.

Natürlich konnten wir in der kurzen Zeit nicht alle besuchen. Wir haben bei meiner Mutter übernachtet, haben einen ruhigen Silvesterabend verbracht, und sind danach zu meiner Schwester gefahren. Der Neffe konnte sich noch an uns erinnern. Lustig war, als wir die Ziegen und Hühner vom Nachbar besucht haben. Die Hühner haben mit ihren Krallen den Boden gekratzt, um nach Würmern zu suchen. Der Neffe hat es nachgemacht. Zuerst hat er mit den Füßen das Gras geschrubbt, dann hat er sich mit dem Gesicht ins Gras fallen lassen, um mit seiner Nase etwas zum Essen zu finden. Voll süß. Am Donnerstag waren wir wieder bei meiner Mutter, und gestern war der Bruder mit seiner Freundin kurz da, bevor wir abgefahren sind. Ein Scoop: Die Beiden wollen jetzt Eltern werden. Es klappt jedoch nicht. Da Fastschwägerin vierzig geworden ist, wird es sicherlich schwierig. Ich hoffe, ihr bleiben meine Erfahrungen erspart. Meine letzte Fehlgeburt liegt nun zwei Jahre her, als ich gerade vierzig war. Seitdem bin ich, glaube ich, nicht mehr schwanger geworden.

Gestern hat blöd angefangen. Kurz bevor wir zum Dorfmarkt aufgebrochen sind, hat mein unterer Rücken laut geknackt. Das macht er ab und zu, seitdem ich Ischiasprobleme hatte, unten links im Becken-Bereich. Meistens fühlt es sich gut an, wenn es knackt, als ob eine Blockade sich dadurch lösen würde. Gestern war das Knacken anders, und ich habe seitdem Schmerze bekommen. Ich kann wieder nicht mehr lange stehen bleiben. Mein Becken knackt leicht, wenn ich das linke Bein heben muss, und ich fühle mich blockiert. Es strahlt auch ein bisschen ins Po und der linke Fuß kribbelt. Der Ehemann musste gestern meinen Koffer und meine Laptop-Tasche tragen, zusätzlich zu seinen Sachen.

Wir sind viel früher als nötig abgefahren, weil ich eigentlich schon seit Wochen ahnte, dass wir nicht so leicht zurück zum Flughafen kommen würden. Ich war überrascht, dass wir ohne Problem zu meiner Mutter und meiner Schwester fahren konnten. Aber gestern war Samstag, das erste Wochenende im Jahr, und im Fernseher hieß es, dass die gelben Westen wieder zu Aktionen gerufen hatten. Die Einfahrt zur Autobahn in Le Muy war eingeschränkt und es staute am Kreisverkehr davor. Ich glaube, wir sind kurz zu Beginn der Autobahnsperrung angekommen. Ein Stückchen weiter warnte uns ein LED-Schirm über einen Stau sechs Kilometer weiter, und wir haben die nächste Ausfahrt in Puget-sur-Argens benutzt, um weiter auf kleinen Straßen zu fahren. Das war die beste Entscheidung überhaupt, denn in Fréjus war die Mautstelle komplett gesperrt. LKWs hatten sich vor jeder Schranke gestellt, wie wir von einer Brücke direkt oberhalb sehen konnten. Wer weiß, wann wir in Nizza angekommen wären, wären wir auf der Autobahn geblieben…

Um halb fünf waren wir bei der Autovermietung am Flughafen, und wir hatten noch viel Zeit, bis zu unserem Flug nach München um 19:35. Ich konnte zum Glück sitzen, während der Ehemann in der Schlange für die Gepäckabgabe gestanden hat. Mein Rücken tat richtig weh. Wir haben dann die Zeit am Restaurant auf der Etage nach der Sicherheitskontrolle verbracht. Das Restaurant hatte blöderweise nichts zum Essen, weil es Samstag war. So gut besucht ist der Flughafen wohl nicht. Wenigstens gab es Pastis. Kurz vor Boarding sind wir zu den anderen Reisenden in die Wartehalle gegangen. Das Restaurant hatte eh um 19:00 Feierabend (es ist schlimmer als in Bayern). Um 19:05 kam dann eine Durchsage: Unser Flug sollte über eine Stunde Verspätung haben. Keine weitere Information, und gar keine Mitarbeiter, um nachfragen zu können. Sowohl die App als auch die Webseite von Lufthansa zeigten noch den Flug als pünktlich an. Würden wir denn noch an dem Tag nach Hause fliegen können, oder sollten wir über eine zusätzliche Übernachtung nachdenken? Würden wir rechzeitig Bescheid bekommen? Mein Vielflieger von Ehemann hat die Hotline angerufen und ihm wurde erzählt, dass aufgrund von schwerem Schneefall in München alle Flüge verspätet oder gar annulliert wurden. Die Maschine nach Nizza wäre gerade erst abgeflogen, wir würden aber zurück fliegen können. Es hätte nur so viele Flugausfälle und Verspätungen gegeben, dass sie gar nicht mehr in der Lage gewesen wären, die Informationen auf der Webseite zu aktualisieren. Die LIMS-Programmiererin (also, ich) hat dafür kein Verständnis.

Um 21:00 fing das Boarding an, anderthalb Stunden später landeten wir in München. Es hat über eine halbe Stunde gedauert, bis wir unsere Koffer bekommen haben. Ich habe wieder zum Glück die ganze Zeit sitzen können, und es war gut, weil mein Rücken sich in der Zeit so gut erholen konnte, dass wir bis zur S-Bahn ein wenig laufen konnten. Nicht super schnell, aber schneller als beim Gehen. Die S8 nach Herrsching von 23:14 haben wir gerade noch erwischt, die Nächste wäre erst vierzig Minuten später abgefahren. Um zwanzig vor eins waren wir endlich zu Hause.

Heute habe ich mich geschont. Ich hatte mich für die Nacht mit Voltaren eingecremt und es ging, beim Aufstehen. Ich spüre aber, dass es schlimmer werden könnte, wenn die Blockierung sich nicht löst. Mit einem Schal habe ich den Becken den ganzen Tag warm gehalten, und ich habe vor dem Abendessen schön warm gebadet. Trotzdem klemmt’s weiter. Ich fürchte, dass es morgen auf Arbeit schwierig werden könnte. Vielleicht sollte ich wieder Diclofenac einkaufen gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Training

Wir haben heute Morgen mit meinem Trainer am Fitness-Studio einen neuen Plan erstellt. Dabei soll vor allem mein Rücken verstärkt werden, Bauchmuskulatur wird nicht vergessen. Ich habe es gleich probiert und bin damit zufrieden.

  1. 10mn warm trainieren auf dem Cross-Trainer.
  2. Eine für mich neue Übung: In Rückenlage auf einer Liege, eine Hantel (2kg) in beiden Händen nehmen und mit gestreckten Armen über den Kopf nach unten halten, und zurück nach vorne direkt übers Gesicht. Es tut dem Rücken gut und meine Arme werden sehr beansprucht. Langsam hin und her, 3-mal 15 Wiederholungen. Zur Steigerung soll ich beide Beine vom Boden heben, damit der Bauch auch arbeitet. Sehr effizient!
  3. Adduktoren und Abduktoren auf dem Gerät trainieren, 3-mal 15 Wiederholungen bei 12kg. Eine Standard-Übung, ich kann nicht mehr die hohen Gewichten von früher benutzen. Hauptsache, ich fühle, dass die Muskeln arbeiten.
  4. Gekreuzte Sit-ups, nach links und rechts, ich schaffe erstmal 3-mal 12 Wiederholungen (also 6 pro Seite). Die Liege war ein bisschen erhöht auf der Kopfseite, aber es ging so gut, beim nächsten Mal stelle ich sie waagerecht.
  5. 3-mal 15 Wiederholungen am Lat, für die langen Muskeln im Rücken, erstmal 5kg bis ich mich am Gerät gewöhnt habe.
  6. Seiten-Muskulatur am Rotary-Torso, auch 3-mal 15 Wiederholungen mit 10kg.
  7. Untere Rückenmuskulatur, da habe ich heute gerade 1-mal 6 Wiederholungen und danach 2-mal 5 Wiederholungen geschafft. Das kommt noch.
  8. Wieder 20mn auf dem Cross-Trainer, diesmal mit Ziel auf Gewichtreduzierung.
  9. Dehnen.

Ich denke, 2-3 Male in der Woche das Programm durchzuziehen. Wir werden sehen. Da die Dermatologin meinte, Psoriasis wäre häufig mit Diabetes verbunden, kann ich mit dem Training vielleicht dagegen steuern. Schließlich waren meine beiden Omas mit Diabetes krank, ich sollte aufpassen. Keine Ahnung, ob man wirklich mit Sport dagegen arbeiten kann. (Hmm, habt ihr eigentlich gemerkt, dass das Logo für die „American Diabetes Association“ sehr ähnlich wie das Logo der Arbeitsagentur aussieht?)

Ich habe mir am Wochenende eine neue Waage besorgt. Die alte mit Nadel war mir zu ungenau, nachdem ich gesehen habe, dass meine Katze in zwei Wochen 1kg abgenommen haben soll, was völlig Quatsch ist, so schnell kann eine Katze gar nicht abnehmen. Das hat, genau wie bei meiner Trinkschokolade-Auswahl, sehr lange gedauert. Ich habe mich einfach vor dem Regal am Boden hingesessen und mir die genaue Beschreibung von allen Waagen durchgelesen. Am Ende habe ich eine digitale Waage von Soehnle mit großer Anzeige ausgesucht, damit ich die Brillen nicht extra dafür auf der Nase haben muss. Ich war hin und her gerissen, aber der Solarbetrieb hat gewonnen. Sie kann sonst nichts Besonderes, es war also ganz schön teuer, aber doch nicht so viel, wenn man denkt, dass man keine Batterie wechseln muss. Hoffentlich ist sie ohne eingeplante Obsoleszenz. Na ja, ich weiß nicht, ob ich von der Waage so begeistert bin. Der Zweck war eigentlich, meine Katze besser wiegen zu können. Ich habe sie in den Armen genommen und habe unser kombiniertes Gewicht gelesen. Als sie runter gesprungen ist, hat sich das Gewicht aber nicht aktualisiert. Ich musste runter und wieder auf die Waage steigen, um mein eigenes Gewicht zu lesen. Das fand ich doof, so hatte ich es mir nicht vorgestellt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mein Ischias – Schmerztherapie

Teil 1Teil 2 – Teil 3

Ab zur Schmerztherapie also. Es war schon kurz vor Weihnachten als ich nach einem Termin fragte, ich bekam ihn für Ende Januar. Ich sollte im Vorfeld ein dickes Formular mit vielen Fragen füllen, über meine Schmerze, die ich auf einer Skala von 1 bis 10 mehrmals einstufen sollte, über ihre Auswirkungen auf mein Leben, ob sich mein soziales Umfeld dadurch geändert hat (ja, ich konnte von weitem nicht mehr so viel mit Freunden unternehmen und habe für die Arbeit fast nur noch vor dem Rechner zu Hause gesessen, mit der Weiterleitung meiner Büronummer zu meinem eigenen Handy), ob ich suizidale Gedanken bekommen habe (zum Glück noch nicht)… Es war sehr umfangreich und mindestens 30 Seiten lang.

Bei der Schmerztherapeutin angekommen hatte ich den Eindruck, zum ersten Mal seit dem Anfang meines Rückenproblems richtig zugehört zu werden. Das tat wirklich gut. Bei den anderen Ärzten hatte ich immer angefangen, etwas zu erzählen, die hatten aber nie wirklich Zeit, und meinten sofort, mein Problem erkannt zu haben, bevor ich zu Ende erzählt hatte. Ich hatte ja den Befund der Röntgen-Tomographie immer dabei, auf dem Stand, dass bei L4/5 sich ein „Bandscheibenprolaps von 3,5mm“ befindet, „der an die links abgehende Nervenwurzel L5 heranreicht und diese beengt“… Klarer Fall von Bandscheibenvorfall. Nur komisch für mich, dass die Ischias-Schmerze fast zwei Monaten nach dem Anfang meines Rückenproblems aufgetreten sind. Ich hatte zuerst gedacht, dass die Schmerze durch eine sich verschlimmernde Blockade verursacht wurden, meine Ärzte haben mir aber so viel von einem Bandscheibenvorfall erzählt, dass ich bei der Schmerztherapie fest überzeugt war, dass die Ursache des Schmerzes darin lag. Sonst wäre ich nicht so eifrig auf eine Operation geworden.

Umso verblüffter war ich also, als die Schmerztherapeutin sagte, laut meiner Beschreibung und Einstufung der Schmerze könnte es sich nicht um einen Bandscheibenvorfall handeln, da die Schmerze viel zu stark waren, es wäre bestimmt eine Blockade bei einem Gehgelenk. Sie hat ein paar Beweglichkeitstests mit mir gemacht, und mich zu einem Osteopathen geschickt. Wie fühlt man sich in einem solchen Moment? „Ha! Ich hatte doch recht!“ Es war bis jetzt also alles umsonst gewesen, die Cortison-Spritzen, auch die besonders schmerzhafte unter Tomographie, die Krankengymnastik mit der Anweisung, am Bandscheibenvorfall zu arbeiten… Das konnte nicht funktionieren, da der Vorfall doch als Folge der Blockade kam, und nicht als Ursache des Schmerzes. Und das nur, weil die Ärzte auf mein Bauchgefühl nicht hören wollten. Ich weiß noch, wie ich einmal ohne Schmerzmittel zum Orthopäden gegangen war, damit er mich besser untersuchen konnte, und zu Hause angekommen nur noch am Boden gleiten konnte und wegen der starken Schmerze und Verzweiflung noch gut zehn Minuten heulend liegen blieb.

Die Behandlungstermine beim Osteopathen haben meine Meinung auch bestätigt. Er fragte mich, mich nach vorne zu beugen, während er beide Daumen in den zwei Vertiefungen am unteren Teil des Rückens hielt. Dann hat er mir die Hüfte blockiert, als ich mit den Beinen abwechselnd nach vorne und hinten pendeln sollte. Nach dem zweiten oder dritten Termin habe ich schon eine deutliche Verbesserung gemerkt. Schmerzmittel musste ich noch nehmen, manchmal fragte ich mich aber, ob es wirklich notwendig war. Nach einer zweiten Überweisung zu ihm, also knapp zehn Monaten nach dem Anfang meiner Rückenproblemen, konnte ich endlich definitiv mit Diclofenac aufhören. Ab und zu habe ich die Übung vom Osteopathen gemacht, wenn ich wieder eine kleine Blockade gespürt habe (was mir schon komische Blicke von meinen Kollegen gebracht hat), ich brauche es aber immer seltener. Es war fast vor zwei Jahren.

Heute geht es mir immer noch nicht wie davor. Die Schmerze haben stark nachgelassen, aber manchmal stören sie mich schon. Die sind nur in einem Maße, in dem ich keine Schmerzmittel brauche und treten nur auf, wenn ich zu lange stehe oder unterwegs bin. Bei Vorstellungsgesprächen habe ich schon mal Diclofenac genommen, aber nur, damit ich keine unbewusste Haltung nehme, die vermitteln könnte, dass ich nicht so gut arbeiten könnte. Wenn ich bei Spaziergängen für einige Minuten sitzen kann, kann ich dann gut weiter gehen. Nach schlechten Nächten, wenn ich nicht genug geschlafen habe, spüre ich die Schmerze stärker, oder wenn ich mit dem Wecker wach werde. Es geht aber sehr langsam besser. Wie eine Feder, die nach starker Beanspruchung langsam zu ihrem Gleichgewicht zurückkommt, so fühlt sich die Verbesserung in meinem Rücken an. Immerhin bin ich gut 8-9 Monaten blockiert geblieben. Seit einigen Monaten kann ich sogar ein bisschen zum Fitness-Studio zurück gehen, um auf den Geräten Kardiotraining zu machen. Nur ganz vorsichtig, übertreiben will ich nicht. Primär geht es mir darum, mich wieder fit zu fühlen, auch wenn ich nichts dagegen hätte, die in dieser langen Zeit ohne Sport zugelegten Kilos wieder los zu werden.

Damit bin ich dem Wunsch meiner Freundin Mei nachgegangen, die meinte, ich sollte doch die ganze Geschichte mal aufschreiben.

Teil 1Teil 2 – Teil 3


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mein Ischias – Diclofenac

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3

Am Flughafen wurde ich wie geplant von meiner Mutter abgeholt. Wir gingen langsam zum Auto auf dem Parkplatz – mit Schneckentempo, da ich aufpassen musste, mein linkes Bein möglichst wenig zu belasten. Dann ab nach Hause, 45 Minuten auf der Autobahn, und gleich lang auf diesen kleinen Voralpen-Straßen, die von der so wunderschönen Landschaft umgeben sind und ich normalerweise so sehr genieße. Tja, an dem Tag konnte ich mich nur noch darüber konzentrieren, wie ich am besten sitze, um die Schmerzen bei jeder Kurve zu verringern. Am nächsten Tag sind wir sofort zur Arztpraxis gegangen. Mein Kindheitsarzt war nicht da, seine Vertreterin habe ich also dadurch kennengelernt. Ich habe auf der Liege gesessen, sie machte einige Manipulationen, merkte, wie meine linke Wade verkrampft und hart war – kein Wunder, der Schmerz hörte nie auf. Sie prüfte, wie weit ich den Rücken nach hinten biegen kann, ziemlich weit anscheinend, sie war überrascht. Am Ende sagte sie nichts darüber, was ich haben könnte, sondern verschrieb mir für eine Woche Diclofenac. Das Präparat kam in Pulverform vor, in Einzelpäckchen. In einem Glas mit Wasser umrühren, trinken, fertig. Es hat einen komischen Pfirsich-Minze-Geschmack, auf den man sich aber schnell gewöhnt. Was für eine Erleichterung auf einmal! Nach zehn Minuten waren die Schmerze völlig verschwunden. Was gerade vier Stunden anhält. Ich brauchte also drei Päckchen am Tag, um normal leben zu können, das heißt die maximale tägliche Dosis, 150mg. Mein Urlaub dauerte zwei Wochen, ich ging also nach einer Woche zurück zur Ärztin, um ein neues Rezept zu holen, mit dem (für mich) selbstverständlichen Versprechen, nach meiner Rückkehr nach Deutschland einen Arzt zu besuchen.

Zurück nach Deutschland, der Urlaub war zu kurz wie immer. Vor allem wenn man die Sonne gegen den Regen tauscht. Ich hatte fast kein Diclofenac mehr, deswegen ich genau aufpasste, es nur im Notfall zu benutzen, zum Beispiel wenn ich Vorträge bei der Arbeit halten musste. In meiner Heimat war es nur auf Rezept zu bekommen, daher dachte ich, es wäre hier genauso. Ich rief einen ganzen Vormittag sämtliche Orthopäden in meiner Stadt an, sagte, ich brauchte dringend einen Nottermin wegen starken Schmerzen, habe aber nur Absagen bekommen, oder Termine in zwei Monaten. Vielleicht ist mein nicht ganz deutscher Akzent schuld gewesen? Nach so vielen fehlgeschlagenen Versuchen kommt man wirklich auf solchen Gedanken. Vor allem, weil alle meine Kollegen mir versicherten, kein Arzt würde einem Patienten einen Nottermin verweigern. Ziemlich am Ende, habe ich fast am Telefon geweint, als ich den letzten angerufen habe, und endlich sagte mir die Sekretärin, an dem Vormittag noch vorbei zu kommen. Hatten die anderen mir einfach nicht geglaubt, weil ich versucht hatte, die Fassung zu behalten? Sollen die doch alle erleben, was ich durchgemacht habe… Ich machte mich sofort auf dem Weg zur Praxis, mit dem Bus. Mir gegenüber saß eine alte Dame, die mir beim Aussteigen spontan Hilfe angeboten hatte – was für ein mieser Eindruck ich hinter gelassen haben muss! Aber nochmals vielen Dank! Beim Orthopäden bin ich über zwei Stunden geblieben, immer wieder kurz zwischen zwei Terminen. Wir haben sehr wenig gesprochen und ein Röntgenbild meines Rückens gemacht. Ich habe eine Bleischürze bekommen, um die reproduktiven Organe zu schützen. Ich dachte, irgendwie blöd, wo ich gerade die Blockade fühle kommt die Schürze, wie will er da was sehen? Jetzt denke ich, es lag daran, dass er an eine Blockade von vorne rein nicht glaubte. Und bei dem Bild war eine Verringerung zu sehen… kurz gesagt, es sah aus, als ob ich ein Bandscheibenvorfall hätte. Ich sagte ihm, dass mein Hausarzt es ausgeschlossen hatte, da ich im Juli noch ohne Problem beide Beine hoch heben konnte. Ich bekam also eine Überweisung für eine Röntgen-Tomographie, die den Befund bestätigte, und eine Spritze Cortison im Rücken um die Schmerze zu lindern – es hat einen ganzen Tag gewirkt. Danach durfte ich zur Krankengymnastik, um den Bandscheibenvorfall zu behandeln. Und ich habe die wichtigste Information bekommen, und zwar, dass Diclofenac in Deutschland ohne Rezept in der Apotheke zu kaufen ist.

Ich muss leider sagen, dass es alles nicht geholfen hat. Nach den ganzen Krankengymnastikterminen und Übungen zu Hause hatte ich immer noch so viele Schmerze. Es war in dem Maße, dass ich jeden Morgen zuerst Diclofenac schlucken musste, bevor ich in der Lage war, Socken und Schuhen anzuziehen. Ich konnte mich sonst gar nicht mehr nach vorne bücken, obwohl ich es wirklich probiert hatte, auch seitlich, mit Fingerspitzen kam ich gerade bis kurz vor dem Knöchel. Ich habe einmal früh morgens aufs Versehen mein ganzes Gewicht auf dem linken Bein verlagert, was dazu führte, dass ich anfing, unkontrolliert stark zu zittern, und nur dank des Schrankes neben mir nicht auf der Stelle zum Boden glitt. Ein Problem war auch, dass Diclofenac in Deutschland nur in Tablette-Form zu kaufen ist. Das wasserlösliche Pulver ist verboten, weil man in den Tabletten auch einen Magenschutzstoff herum haben muss. Gut gedacht, dafür musste ich aber nicht mehr zehn Minuten auf eine Wirkung warten, sondern mindestens eine Stunde. Ich habe mich also daran gewöhnt, vormittags zuerst meine Emails zu lesen, von zu Hause aus einige Ausgaben zu machen, bis ich in der Lage war, zur Arbeit zu gehen. Meine Vorgesetzten waren nicht begeistert, wenn auch immerhin verständnisvoll. An der Uni arbeitet man als Wissenschaftler sowieso immer viel mehr als die vorgesehenen 40 Stunden pro Woche, ohne Überstunden bezahlt zu bekommen – äh, Entschuldigung, es heißt „flexible unkontrollierte Arbeitszeiten“.

Nach einiger Zeit schlug mir eine Kollegin vor, zum Orthopäden ihres Mannes zu wechseln, da ich in November immer noch keine Verbesserung hatte. Der Termin wurde genommen, und wieder Krankengymnastik, die nichts brachte. Wir haben eines Dezembervormittages eine Spritze unter Computer-Tomographie versucht – die reine Hölle. Ich dachte so leicht, die stecken die Nadel rein, schauen, wo die sind, ziehen raus und stecken woanders rein… Nein! Die stecken die Nadel im Rücken, und wenn sie nicht richtig liegt, wird die Nadel drin so lange bewegt, bis die Lage stimmt. Es hat mir noch viel mehr Schmerze verursacht, als ich für möglich gehalten hätte. Und dabei soll man bitte schön ganz ruhig bleiben, sonst wissen die nicht mehr, wo die sind. Ich hatte kein Diclofenac an dem Tag genommen, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Die Spritze selbst hat aber keine Wirkung gezeigt, und mit der Art, wie die Nadel im Rücken bewegt wurde, war ich für den ganzen Tag fertig. Ich musste am Nachmittag eine Lehrveranstaltung betreuen, was ich sitzend tat, und habe meinen Chef gefragt, mich danach nach Hause zu fahren – die zehn Minuten zu Fuß waren nicht zu verkraften. Irgendwie seltsam, in der ganzen Zeit, als ich Ärzte besucht habe, ist keiner auf die Idee gekommen, mich krank zu schreiben. Hätte ich das verlangen sollen? Meine Chefin hatte auch vorgeschlagen, zum Hochschularzt zu gehen, um eine andere Meinung zu bekommen. Vergeblich. Unsere Sekretärin hatte für mich einen Termin mit der Hochschularztleiterin bekommen, die mir ungefähr sagte, ich sollte mich nicht so anstellen, es gäbe Leute, denen es schlimmer ginge, und immerhin hätte ich eine sitzende Tätigkeit – irgendwie hatte ich den Eindruck, wie könnte ich es wagen, ihre wertvolle Zeit für diese Nichtigkeit zu verschwenden. Gut, dass sie keine Praxis hat, sie würde sehr schnell pleitegehen, bei einem solchen Umgang mit Patienten. Wie auch immer, mir hatte es gereicht. Ich war mehr als bereit, den Vorschlag des Orthopäden, operiert zu werden, anzunehmen, um die Schmerze endlich los zu werden, auch wenn die Operation ohne Garantie läuft, dass es funktioniert. Seit über vier Monaten war ich jetzt dabei, täglich die maximale Tagesdosis an Diclofenac zu schlucken, ständig die Apotheke zu wechseln, um nicht aufzufallen… und diese andauernde Schmerze. Meine Mutter schickte mir ab und zu per Post das wasserlösliche Diclofenac, wenn sie bei unserem Arzt gewesen war. Vor der Operation musste ich noch eine vom Orthopäden verschriebene Schmerztherapie durchführen – der letzte Versuch. Darüber erzähle ich beim nächsten Mal.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3


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Mein Ischias – Der Anfang

Teil 1 – Teil 2Teil 3

Vor fast drei Jahren habe ich plötzlich Rückenprobleme bekommen. Als ich anfing, es zu erwähnen, durfte ich mir unaufgefordert die Meinungen zum Thema Rücken von meinem ganzen Umfeld anhören. Die, die mich nicht so gut kennen: „Man soll auch Sport treiben, nur so kann man Rückenprobleme vermeiden.“ Ja, aber ich habe eigentlich fast täglich trainiert: Fitnessstudio, Joggen, Schwimmen, orientalischer Tanz… „Ach sooo, dann hast du eindeutig zu viel trainiert.“ Oder: „Sport ist Mord, sage ich immer.“ Na ja, Leute kann man nie zufrieden stellen, entweder treibt man zu viel oder zu wenig Sport. Ich meine aber, noch ganz genau zu wissen, wie das mit dem Rücken wirklich angefangen hat.

Ich war eines Samstagvormittages im Juni beim Fitnessstudio und hatte gerade einen neuen Training-Plan mit meiner Beraterin entwickelt. Ich habe trainiert, zuerst zwanzig Minuten Erwärmung, dann eine knappe Stunde auf die Geräte, dann gedehnt, geduscht und ab nach Hause – nur fünf Minuten vom Studio entfernt. Ich hatte noch vier Stunden bis zu meinem Bauchtanzkurs. Nach dem Mittagessen habe ich also vor dem Rechner gesessen und Baldur’s Gate gespielt, ein altes Spiel, das ich immer noch so gerne spiele. Ich habe dabei nicht besonders aufgepasst, wie ich auf meinem Stuhl saß… Als die Zeit zum Gehen kam, bin ich aufgestanden, und habe erst dann festgestellt, wie ich extrem in Hohlkreuzlage gesessen hatte, einen Stich am unteren Ende des Rückens in der Nähe vom Coccyx habe ich gespürt. Ach was, ein bisschen Bewegung, und schon geht’s besser, dachte ich. Also los zum Hochschulsport, drei Stunden Übungen, wobei ich doch merkte, dass es nicht so gut klappte wie sonst. Nach dem Tanzkurs ging ich zu Fuß nach Hause, quer durch die Stadt, das Wetter war ja so schön, doch konnte ich mich nach der Hälfte des Weges nur noch sehr langsam bewegen. Schmerze hatte ich nicht, aber wohl den Eindruck, dass irgendwas blockiert war und mich beim Gehen hindern würde. Nach Hause angekommen, beschloss ich, am Sonntag gar nicht zum Sport zu gehen, mich auszuruhen und bei der nächsten Sprechstunde meinen Hausarzt zu besuchen.

Beim Arzt also, voller Hoffnung, da er bei mir vor einigen Jahren auf Anhieb die Ursache für meine starke Brustschmerze gefunden hatte – ich hatte Bronchitis und mir beim Husten einen Wirbel verschoben. Übers Wochenende war es mit dem Rücken nicht besser geworden, immer noch keine Schmerze, aber sehr gehindert beim Gehen. Er sagte sofort, ich hätte eine Blockade, hat ein paar Manipulationen gemacht, einen Schmerzmittelpflaster am Rücken geklebt, und ich konnte danach tatsächlich besser gehen, wenn auch nicht wie vor dem Wochenende. Ich fragte ihn, ob ich noch weiter Sport machen dürfte, und er sagte, „Auf jeden Fall“. Ich habe dann für einen Lauf in meiner Stadt drei Wochen später trainiert, ab und zu noch Störungen im Rücken gespürt. Am Tag des Laufes habe ich mich nicht überanstrengt, es ging mir darum, überhaupt dabei zu sein, und ich habe mich mit einer anderen Spaßläuferin unterhalten. Nach dem Lauf wollte ich Freunde im Publikum wieder treffen und habe mich unter eine Barriere gebückt, als ich plötzlich einen stichartigen starken Schmerz am unteren Rücken spürte. Das war’s dann, ich wollte noch mit ihnen abends grillen, bin aber direkt mit dem Bus nach Hause gefahren.

Zurück zum Arzt, seit dem Lauf hatte ich jetzt ein bisschen Schmerze am unteren Rücken, und teilweise im linken Gesäß. Ich konnte nicht mehr im Hohlkreuz stehen, keine Absätze mehr tragen, und musste immer aufpassen, dass mein unterer Rücken ein bisschen rund war, um keine Schmerze zu haben. Der Hausarzt hat aber nichts anderes als beim letzten Mal gemacht, in liegender Stellung die Beine hochgehoben, ohne dabei Schmerze auszulösen, was ein Bandscheibenvorfall ausschloss, und mir homöopathische Kügelchen verschrieben. Wieder ein Moment der Sprachlosigkeit. Die Gedanke im meinem Kopf: „Er nimmt meine Beschwerde überhaupt nicht ernst. Homöopathie!“ Trotzdem habe ich an der Apotheke mein Rezept gezeigt, und habe für etwa 7€ eine Zuckermenge von 10g gekauft, glaube ich – das Hauptbestandteil der Kügelchen. Die eigentliche Moleküle selbst, die wirken soll, war bei der Verdünnung mit einer so geringen Wahrscheinlichkeit enthalten, dass ich sie nicht berücksichtigt habe. Ich bin mir ziemlich dumm vorgekommen, trotz besseren Wissens die Dinger gekauft zu haben. Immerhin dachte ich, ich könnte eine Röntgenpulveraufnahme machen, um sie ihm beim nächsten Mal vor der Nase zu halten, etwa in der Art „Schauen Sie, es ist wirklich nur Zucker drin“, aber ich habe es danach vergessen, die Dose liegt immer noch auf meinem alten Schreibtisch am Institut.

Nach diesem zweiten Arztbesuch ist der Schmerz nie verschwunden. Aber ich hatte noch die Erlaubnis, Sport zu treiben. Der Arzt sagte, Bauchtanz wäre genau das richtige für mich. Traf sich gut, ich hatte einen geplanten Auftritt Mitte Juli, und habe mich dafür vorbereitet. Beim Auftritt musste ich Aspirin schlucken, um gut tanzen zu können, wie ich es seit dem Lauf häufig tat – ich nehme sonst sehr selten Medikamente ein und dachte, so kann es nicht normal sein. Am Tag nach dem Auftritt bin ich zum Zumba-Kurs gegangen. Als ich am Ende des Kurses mich bückte, um meine Schuhen anzuziehen, spürte ich plötzlich einen starken Schmerz, der mir ganz tief die oberen äußere linke Schenkel durchlief – für mich eindeutig Ischias-Schmerze. An dem Tag brich die Hölle los. Dieser Schmerz hat mich ständig begleitet, ob beim Stehen, beim Sitzen, oder im Bett… Aspirin war nicht mehr in der Lage, mich zu betäuben. Ich habe sofort bei meinem Hausarzt eine Überweisung für einen Orthopäden geholt, und habe einen Termin bei einem von einer Kollegin empfohlenen Orthopäden für den kommenden Donnerstag bekommen – also eine Woche Wartezeit. Er war der einzige, bei dem ich in so kurzer Zeit einen Termin bekommen konnte. Meine Kollegen hatten mir zwar versichert, im Notfall könnte man zu jedem Arzt sofort gehen, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass es von weitem nicht der Fall ist.

Die Praxis des Orthopäden lag weit weg von meiner Wohnung und ich musste mit dem Bus hinfahren. Der Schmerz war so stark, und lief er jetzt bis zur Wade runter, ich weiß nicht mehr, wie ich dahin ankam, ich erinnere mich nur ganz dunkel, dass der Bus überfüllt war. Der Termin war um 19:55 vereinbart. Am Telefon kam mir die Uhrzeit sehr merkwürdig vor, aber die Sekretärin hatte es mir mehrmals bestätigt: „Ja, um fünf vor acht abends“. Da war nichts zu missverstehen. Als ich ankam war die Praxis doch zu. Ich klopfte an die Fenster, eine Putzfrau war da, die die Tür öffnete. Als ich erklärte, dass ich einen Termin hatte, war sie sehr überrascht und meinte, keiner wäre da. Ich hätte heulen können. Das tat ich auch, nachdem ich wieder zu Hause war. Am nächsten Tag rief ich gleich in die Praxis an, um mich zu beschweren, habe aber eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter gehört, die sagte, der Orthopäde befände sich im Urlaub, und die Praxis wäre für einige Wochen geschlossen.

So viel Zeit hatte ich nicht mehr, einen anderen Arzt zu suchen, da ich am Sonntag in den Urlaub zu meinen Eltern für die zwei ersten August Wochen fliegen wollte. Am Tag der Abreise weiß ich noch, wie ich im Flugsteig mich auf zwei Sesseln hin lag, nachdem ich erneut ein Aspirin geschluckt hatte, und komische Blicke von den anderen Reisenden bekommen habe. Aber endlich konnte ich in einer Stunde meine Mutter wieder sehen, die mich am Flughafen abholen würde, und mir beim Arzt in meiner Heimat helfen würde. So endet nach fast zwei Monaten der erste Teil dieser Geschichte, die viel zu lang ist, um sie auf einmal zu schreiben.

Teil 1 – Teil 2Teil 3


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.