Eine Knirpssche Frechheit

Ich hatte mir nach dem Verlust von meinem Lieblingsregenschirm schweres Herzens einen neuen gekauft. Wir waren mit dem Ehemann bei Karstadt und hatten lange gesucht, bis wir einen guten Regenschirm gefunden hatten. Es war wieder ein Knirps, wobei ich schlucken musste, weil der Preis bei ähnlicher Qualität verglichen mit meinem verlorenen Regenschirm mittlerweile doppelt so hoch geworden war. Damals hatte ich 30€ beim Kaufhof gelassen, diesmal waren es satte 60€ (59,99€), um einen stabilen Regenschirm zu bekommen, den man mit einfachem Knopfdruck wieder schließen kann. Heftig. Der war immerhin recht schick, der neuer Regenschirm, mit seinem roten Karomuster.

Das war bis vor einem Monat. Denn was habe ich gemacht? An einem Tag, als es drohte, leicht zu regnen, ich aber einfach mit Regenjacke zur Arbeit raus gehen wollte, hat mich der Ehemann überredet, den neuen Regenschirm doch mitzunehmen. Die kleine Handtasche war schon voll , ich musste ihn also zusätzlich tragen. Und was habe ich getan? Ihn im Bus beim Aussteigen liegen lassen. Es war ja irgendwie klar, dass es passieren musste, daher war mein erster Impuls gewesen, ihn gar nicht mitzunehmen. Ärgerlich ist, dass ich an dem Tag nicht mal was vom Regen mitbekommen hatte, ich hätte es mir echt sparen können. Dass ich mein Bauchgefühl so leicht strapazieren lasse… Und nochmal Mist, schon wieder ist ein Regenschirm weg, und diesmal habe ich ihn nicht mal den ganzen Sommer behalten.

Was soll’s, lange jammern hilft nicht, ein neuer Regenschirm muss her. Aber nochmal so lange in Karstadt suchen zu müssen wollte ich nicht. Es geht auch online. Ich also gleich am Abend zum Knirps Shop… Wie der Regenschirm hieß, wusste ich nicht mehr, den Schild hatte ich längst entsorgt. Aber wenn ich den gleich aussehenden Regenschirm beim gleichen Preis finde, sollte es auch klappen. Dachte ich. Ich wurde schnell fündig und bestellte den Regenschirm.

Was ich bekommen habe ist eine absolute Frechheit. Das Gestell wirkte wackelig und gar nicht so stabil, der Griff sah billig aus, der Schirm ließ sich nicht mal mit Knopfdruck wieder schließen, und für diese minderwertige Ware sollte ich genau das gleiche wie für das tolle Modell aus Karstadt bezahlen? Ich habe es nochmal geprüft, aber ich bin wirklich nicht auf einer Betrugsseite gelandet, es ist wirklich der Shop von Knirps, bei dem ich bestellt habe. In der Email zur Bestellungsbestätigung gab es eine Widerrufsbelehrung, und ich habe laut dieser innerhalb vierzehn Tage nach Empfang der Ware das Formular elektronisch und die Ware per Post zurück geschickt. Die automatische Email-Antwort zum Widerruf habe ich bekommen, aber sonst gar nichts. Ich bin gespannt auf den nächsten Kontoauszug meiner Kreditkarte.

Mein Fazit ist jedenfalls: Nie wieder beim Knirps Shop bestellen.

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Der verlorene Regenschirm

Meinen letzten Regenschirm habe ich vor vielen Jahren erworben. Vorher hatte ich immer ganz billige Regenschirme gekauft, die recht schnell zerbrachen, sobald es zum Regen ein bisschen Wind gab. Also ziemlich häufig, vor allem, wenn man in Aachen lebt. Nachdem der letzte billige Regenschirm nicht mal einen halben Tag gehalten hat, habe ich beschlossen, mehr zu investieren, und habe mir einen schicken Tachenregenschirm von Knirps geholt. Die von der Verkäuferin angepriesene Windstabilität hat mich überzeugt, sowie der Knopf, der nicht nur den Regenschirm öffnet, sondern den auch zusammen falten lässt. Es war damals ein Schock, vom üblichen 5€ Regenschirm zur 30€ Variante zu wechseln, hat sich aber definitiv gelohnt. So lange hatte ich noch nie einen Regenschirm behalten.

Das war vorher. Jetzt lebe ich nicht mehr alleine, und weil mein Regenschirm so schick aussieht, grau-schwarz mit Hahnentritt-Muster, ist er vom Ehemann recht häufig benutzt worden. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand den selben Regenschirm dabei hatte. Bei Regenschirmen dürfte es wie bei Schneeflocken sein: Sie sind alle einzigartig 😀

Ich muss sagen, mit den Jahren ist der Regenschirm nicht mehr so gut geworden. Gegen Wind ist er immer noch recht stabil, aber er tropft jetzt ein bisschen, wenn er naß ist. Man hält ihn über den Kopf und kriegt trotzdem den einen oder anderen Tropf ab. Das sieht man auch daran, dass die Kiele leicht verrostet sind, und der Stoff durchnäßt aussieht an den Stellen, wo das Wasser nicht mehr abperlt. Nicht mehr ganz dicht, der Regenschirm. Trotzdem mochte ich ihn.

Groß war meine Enttäuschung, als der Ehemann mir vor zwei Monaten beichten musste, dass er meinen Regenschirm in der S-Bahn liegen lassen hatte. Er war gerade in Potsdam angekommen und hatte nach dem Aussteigen gemerkt, dass er den Regenschirm nicht dabei hatte. Er ist schnell zurück zum Wagen gerannt, hat aber nichts mehr gefunden. Vermutlich hatte jemand den Regenschirm sofort mitgenommen. Es regnete ja.

Ich komme wieder drauf, weil es momentan so häufig regnet. Wie heute Morgen. Ich bin mit meiner Regenjacke zur S-Bahn gegangen. Habe mich in der S1 hingesessen, zwischen zwei Männern. Ich musste kurz in meiner Tasche zwischen meinen Füßen etwas suchen, und mein Blick ist zufällig zum Regenschirm zwischen den Füßen von meinem Sitznachbarn gewandert — ein asiatisch aussehender gepflegter Mann mittleres Alters mit Anzug, der etwas auf seinem Tablet las. Und ich konnte es nicht fassen: Genau zwischen seinen Füßen lag mein Regenschirm! Ja, genau wie ich ihn in Erinnerung habe, mit seinem Hahnenschritt-Muster und seinen nicht mehr dicht aussehenden Flecken! Was kann man in einer solchen Situation sagen? Leider nichts… Ich hoffe, der neue Besitzer behandelt ihn gut.