Faul

Schuld ist das Wetter. Wer will schon bei dem Regen irgendwas unternehmen? Also, ich nicht. Starken Dauerregen schaue ich mir lieber zu Hause aus dem Fenster mit einer gemütlichen Tasse heißer Schokolade an.

Dabei war ich in letzter Zeit voll Energie und Motivation. Seitdem ich eines Morgens fast zwei Stunden zur Arbeit gebraucht habe, weil irgendwelche Deppen die S-Bahn-Verkabelung in Brand gesetzt haben, bin ich wieder regelmäßig aufs Rad gestiegen. Wenn ich am Tag hin und zurück radle, habe ich 42 Kilometer in den Beinen. Fast 1000 kcal, meint fddb. Das mit dem weiter Abnehmen klappt aber nicht. Weil ich seit Monaten keinen Bock mehr habe, alles einzutragen, was ich esse. Ich dachte, es ginge, ich hätte jetzt einen guten Überblick darüber, was ich essen sollte, aber mein Gewicht bleibt konstant. Immerhin.

Fahrrad will ich aber nicht bei jedem Wetter fahren. Erst recht nicht, wenn es regnet. Vor zwei Wochen bin ich kurz vor Ankommen auf Arbeit von einem Gewitter erwischt worden. Ich dachte, ich würde es noch rechtzeitig schaffen. Ich wollte zu den Fahrradständern vor unserem Gebäude langsam abbiegen. Weil es plötzlich angefangen hatte, so stark zu regnen, habe ich nicht gemerkt, dass die Räder schon total naß waren. Die Bremsen haben nur gequietscht. Ich war schon am Lenken und habe gespürt, wie die Reifen auf dem Asphalt keinen Halt mehr hatten und wie das Fahrrad seitlich gerutscht ist. Es war zum Glück kein Auto auf der Straße, als ich dort gelandet bin. Auf dem linken Ellbogen, der den Schock doch gut überstanden hat. Nur Schürfwunden, und ein großer blauer Fleck in der Innenseite vom linken Oberschenkel, wo der Sattel geknallt hat. Heute ist schon nichts mehr davon zu sehen.

Ich bin auch wieder regelmäßig zum Fitnessstudio gegangen. Ich war seit Mai ständig am Wochenende verreist und bin nur seit drei Wochen fleißig bei der Wassergymnastik am Samstagvormittag dabei. Die Kursleiterin, die vorher da war und einen schönen runden Bauch hatte, ist jetzt wahrscheinlich in Mutterschutz. Ich fand ihren Kurs gut, aber jetzt, wo ich ihre Vertretung kenne, will ich sie gar nicht mehr zurück haben! Die Vertreterin hat ein ganz anderes Programm, mit Übungen, die man wie beim Intervall-Training wiederholt, acht Mal zwanzig Sekunden, mit zehn Sekunden Pausen zwischendurch. Am Anfang fühlt sich die Übung ganz leicht an, aber nach der dritten Wiederholung wird es schon super anstrengend. Meine Lieblingsübung ist die, wo man sich am Beckenrand mit den Armen hoch hebt und langsam runten ins Wasser gleiten lässt. Einfach der Hammer. Vorher hatte ich kein Problem, zwei Kurse hintereinander zu machen. Jetzt bin ich schon mit dem Ersten völlig fertig und habe wirklich den Eindruck, etwas geleistet zu haben.

Nun, heute ist mir nicht danach. Schuld ist das Wetter, das mich diese Woche von Radeln abgehalten hat. Und dieser Wind! Ist Berlin immer so windig gewesen? Ich habe es anders in Erinnerung. Zum Fitnessstudio wollte ich bei dem Regen auch nicht, da man nur beim Rüberqueren der Straße schon durchnässt wird. Und mit der Periode, die gerade abklingt, wollte ich nicht ins Schwimmbad. Wir wollten eventuell dieses Wochenende eine Radtour nach Potsdam machen, aber da die Wettervorschau nur Regen angekündigt hat, bleiben wir zu Hause. Die Wohnung muss eh mal geputzt werden.

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Freitag

Heute war ich wieder bei der Arbeit. Ich musste sogar ganz früh dort sein, da ich einen Termin hatte. Schwierig, nach dem ich gestern Abend so spät ins Bett gegangen bin.

Ich hatte es nicht vor gehabt. Ich war gerade dabei, einige Dateien hochzuladen, als ich plötzlich keine Internetverbindung mehr hatte. Auf das Symbol für Drahtlosnetzwerkverbindungen geklickt und versucht, mich wieder zu verbinden: Fehlgeschlagen. Router genauer angeschaut: Er sah zuerst ganz brav aus. Ich habe im Adressefeld des Browsers o2.box eingegeben, um das Konfigurationsprogramm vom Router zu starten. Da war eine neue Meldung rechts, die sagte, ich hätte den voreingestellten WLAN-Schlüssel nicht geändert, was ein Sicherheitsproblem wäre. Wahrscheinlich deswegen meinte die Box, ohne Vorwarnung plötzlich zu streiken und mir keine Internet-Verbindung mehr zu liefern. Ich habe unter Firefox versucht, einen neuen Schlüssel im Konfigurationsprogramm zu setzen: Die LED für Internet an der Box wurde rot, was bedeutet, dass meine Zugangsdaten falsch sind. Es hat eine Stunde gedauert, bis ich den Schlüssel erfolgreich ändern konnte. Die Hilfe war dabei nicht sehr hilfreich, da nicht klar beschrieben wurde, in welcher Reihenfolge wie was gemacht werden sollte. Hier also zusammengefasst:

  1. Im Internet Explorer mit o2.box das Konfigurationsprogramm der Box gestartet.
  2. Bei leuchtender WLAN-LED den Taster „WLAN/WPS“ an der hinteren Seite der Box mindestens fünf Sekunden lang gedrückt.
  3. Im Konfigurationsprogramm unter „Internet“ war eine Eingabemaske für den neuen Schlüssel, den ich angegeben habe. Wahrscheinlich habe ich noch auf „Verbinden“ geklickt.
  4. Nochmal den WLAN-/WPS-Taster kurz gedrückt.
  5. Auf das Symbol für Drahtlosnetzwerkverbindungen geklickt und erneut mit dem Router verbunden, unter Angabe des neuen Schlüssels.

Und das war’s, wenn ich im Nachhinein nichts vergessen habe. Ich habe allerdings nicht gefunden, wie ich den WLAN-Schlüssel der Box in meinem Handy (Nokia C5) ändern kann, das heißt, ich kann mein Festnetz-WLAN erstmals nicht mehr aufs Handy zu Hause benutzen, um das mobile Datenvolumen zu verringern. Heute Abend nach dem Hochfahren vom PC war ich vom Router getrennt und musste wieder Punkt 5 ausführen. Aber eine gute Nachricht: Nach monatenlanger Störung funktioniert meine Telefonverbindung plötzlich wieder, ohne dass ich mich darum gekümmert habe. Ich vermute, dass O2 versucht hat, mich zu erreichen (zwecks Werbung, was sonst), und festgestellt, dass ich nicht anrufbar bin. Martin hat mich letzte Woche zu meiner Überraschung von seinem Festnetz aus angerufen, und mit meinem Handy geht’s auch. Ich habe sogar mit meiner Mami telefonieren können.

Apropos Martin. Seit gestern Abend nach unseren gute-Nacht-Nachrichten habe ich gar nichts mehr vom ihm gehört. Er ist bestimmt bei seiner Wandertour zu sehr beschäftigt. Oder er hatte einen Unfall. Oder David ist dabei, hat ihm von unserer Beziehung vor fünfzehn Jahren erzählt, und jetzt schmollt er. Oder er hatte was heute Nacht mit Floriane, seiner ehemaligen und sehr ledigen Kollegin, bei der er gerade übernachtet hat, und traut sich nicht mehr, sich zu melden. Keine Panik. Vielleicht hat er einfach gerade kein Netz.

Um 16:00 habe ich Feierabend gemacht. Ich bin mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Zwei Straßen von meiner Wohnung entfernt, als ich gerade gebremst hatte, um Kinder nicht zu überfahren, die direkt vor mir über die Straße gelaufen sind, fing plötzlich ein heftiger Schauerregen an. Ich bin durchnäßt in die Wohnung angekommen und habe mich zuerst ausziehen müssen. Pfff. Gestern bin ich auch unter Regen gefahren, da ich entschieden habe, von Tegel aus wieder nach Hause zu fahren. Insgesamt 36km, ich habe mich ab dem Aquarium verfahren. Nach Schöneweide habe ich mich müde gefühlt und kurz danach einen Krampf im linken Fuß gespürt. Und heute Morgen wog ich 300g mehr als gestern.

Ein leichter Kopfschmerz droft, da ein der Kinder im Hause (es sind zwei, noch im Kinderwagenalter) gerade auf die tolle Idee kam, Flöte im Treppenhaus zu spielen. Allerdings schlecht und nur ein Ton, der gar nicht klar gespielt wurde. Ich dachte, es geht schnell vorbei, bis es zu seiner Wohnung ankommt, aber anscheinend fühlte es sich gerade auf meiner Etage wohl. Nach leichtem Klopfen an die Wohnungstür (ich wollte mich nicht dafür wieder anziehen) meinte eine erwachsene weibliche Stimme direkt dahinter etwas wie „Ups“, und kurz danach hörte das nervige Pfeifen auf.

Zurück nach Deutschland

Der Urlaub ist vorbei.

Nach einem schnellen Frühstück auf der Terrasse, mit Blick aufs Meer, hat uns Guido zum Flughafen gebracht. Wir haben eingecheckt und das Gepäck registriert. Wir hätten noch ein bisschen Zeit gehabt, aber wir sind sofort zur Sicherheitskontrolle gegangen. Die Schlange war um knapp zehn Uhr morgens für einen Sonntag beeindruckend. Es gab zwei Reihen neben einander, die durch Bänder getrennt waren. Eine Frau stand am Anfang der Schlange und zeigte den Passagieren, zu welcher Reihe sie sich anschließen sollten, ohne auf die Boardkarte zu schauen. Wir haben uns rechts angestellt. Man kam relativ schnell vorwärts. Als die Schlange nach links bog, haben wir gemerkt, dass die Trennung völlig sinnlos war, da beide Schlangen sich wieder vereinigt haben. Andere Arbeiter waren ständig dabei, die Schlange neu zu begrenzen, und müssen diesen Teil vergessen haben. Es wurde schon chaotisch. Es hat gut zwanzig Minuten gedauert, bis wir zur Kontrolle angekommen sind.

Der Flug war nicht direkt. Ich habe die ganze Zeit den Rest des ersten Kapitels meines Tauchlehrbuches gelesen. Ich musste es bis heute erledigen. Es ging zuerst um das Modell des idealen Gases, weit und breit mit viel Text und Tabellen für Grundschüler erklärt, ohne dass die Formel pV=nRT überhaupt zum Erscheinen kommt – in einem Tauchlehrbuch sollten die Leser nicht erschreckt werden, es geht doch um Spaß. Es hätte aber den Kapitel um gut zehn Seiten gekürzt. Danach ging es um alle Einzelteile der Ausrüstung, wie man sie anzieht, worauf man achten soll, und wie sie gepflegt wird. Martin hatte uns bei der Flugbuchung verplant und glatt vergessen, dass mein erster privater Tauchkurs heute um 16:00 anfängt (als Vorbereitung für den Urlaub in Oktober). Er wollte auch dabei sein. Die geplante Landung in Tegel war um 16:15. Wir haben die Lehrerin (Mara, eine Freundin von ihm, mit der er häufig getaucht ist und die die Reise organisiert hat) vor unserer Abreise informiert und sie meinte, es ginge, wenn wir erst gegen 17:30 dort sind. Das heißt aber Stress. Er hat während des Umstieges seinen Vater angerufen und ihn gefragt, ob er uns am Flughafen mit dem Auto abholen könnte. Unsere ursprüngliche Idee war eigentlich, ein Taxi zu nehmen. Anscheinend ist die Nachricht, dass wir pleite sind, endlich angekommen.

Die Abholung der Gepäcke hat sehr lange gedauert. Als wir raus gegangen sind, haben wir gemerkt, dass es hier vor kurzem geregnet haben musste. Der Vater von Martin war zunächst schlecht gelaunt. Aber nur mit Martin, nicht mit mir. Merkwürdig. Ich habe hinten gesessen. Ich habe bei ihrer Diskussion nicht alles verstanden. Als wir bei seinem Vater ausgestiegen sind (das Auto wollten wir für die nächsten Tage behalten), hat mir Martin erzählt, dass er völlig vergessen hatte, dass sein Geburtstag gestern war. Das wusste ich gar nicht. Ich fand es gleichzeitig lustig, da bei meinem Vater der Geburtstag am 7.12. ist.

Wir sind weiter zum Tauchkurs in Kreuzberg gefahren. Dort ging es schnell. Ich musste plötzlich alles anziehen, Geräte prüfen, bin mit Informationen überflutet worden, und es war das erste Mal, dass ich die Geräte überhaupt in der Hand halte. Als ich fertig gepackt wurde und am Rand von Schwimmbad saß, habe ich mich gefragt, wie man sich mit dieser Ausrüstung bewegen sollte. Es war so schwer, ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte, ins Wasser zu gehen. Beide Hände auf eine Seite am Boden drücken und runter gleiten, so lautete die Erklärung. Es hat gedauert, bis ich es geschafft habe, das rechte Hand nach links zu bringen. Und ich habe Angst bekommen. Ich dachte, mit allem, was ich mit mir schleppe, würde ich gleich am Boden sinken. Mein Jacket war aber aufgeblasen, und obwohl ich die Theorie kannte, war ich erleichtert zu merken, dass ich an der Oberfläche geblieben bin. Es fühlte sich nicht sehr angenehm. Ich bin ständig hin und her vom Wasser geschleppt worden und fühlte mich nicht stabil. Es war auf jeden Fall gut, dass ich im Urlaub mit Schnorchel und Maske geübt habe, mindestens ging das Atmen unter Wasser ohne Problem. Wir haben einige Übungen gemacht. Mit Flossen geschwommen. Bei geringer Tiefe Maske mit Wasser gefüllt und geleert. Atemregler entfernt, gesucht und wieder eingesetzt (und daran denken, den Atem unter Wasser auf keinen Fall zu halten). Kommunikation durch Geste geübt. Alles mehr oder weniger gut gelaufen. Das einzige Problem: Ich bin nicht sehr tief gekommen. Mein linkes Ohr hat trotz andauernden Druckausgleichversuche nach zwei Metern schon geschmerzt. Das habe ich sofort signalisiert, und nach einigen Versuchen haben wir für heute aufgegeben. Frustrierend. Die Theorie ist, dass ich durch das Fliegen schon vorbelastet bin und deswegen keinen Druckausgleich machen konnte. Ich denke, es hat auch damit zu tun, dass meine Ohrkanäle zu eng sind. Wir werden beim nächsten Mal sehen. Hoffentlich klappt’s dann. Der Urlaub ist teuer genug, um nur am Strand zu liegen, während die anderen tauchen gehen.

Nach dem Tauchkurs haben wir uns Pizza geholt und sind zu ihm gefahren. Es hat wieder geregnet. Die Straßen waren fast leer, die einzigen Autos unterwegs fuhren sehr schnell. Das Spiel hatte schon begonnen. Wir haben die WM-Finale bei ihm geschaut. Ich fand sie ziemlich brutal, vor allem in der zweiten Halbzeit. Fußball schaue ich kaum, vielleicht war es doch normal. Ich habe auch von Bissen während der WM-Spiele gehört. Primate. Immerhin eine gute Gelegenheit zu feiern, wenn morgen nicht gearbeitet werden müsste. Wir sind zu mir gefahren. Ich machte mir schon Sorgen um meine Mieze, die jedesmal in Panik gerät, wenn es Feuerwerke gibt. Sie hat uns vorsichtig begrüßt und geschnüffelt, als ob sie es nicht glauben konnte, dass wir endlich wieder da waren. Bei mir im Viertel ist es sehr ruhig. Man hört gar nichts von der Feier. Martin liest gerade seine Emails von den Immobilienagenturen. Wir haben immerhin eine gute Ausrede, um morgen nicht ganz früh bei der Arbeit zu sein.

Festival – Tag 4

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Letzter Tag auf dem Camping. Er hat relativ trocken angefangen, wie die Wettervorschau-App angekündigt hatte. Lediglich einige weiße Wölkchen hingen im Himmel. Meine Schuhen sind noch ein bisschen feucht vom gestrigen Regen gewesen. Wir haben mit Küchenpapier Kondensationsreste auf der inneren Stoffwand entfernt und das Zelt zusammen gefaltet. Es hat eine Stunde gedauert. Die Rucksäcke wurden wieder gepackt. Gefrühstückt haben wir im Bus nach Leuven. Kleiner Spaziergang unter leichtem Regen. Mittags haben wir in einem der Cafés am Bahnhof gegessen.

Um 14:00 sind wir zur Ferienwohnung mit Bus gefahren. Sie sollte erst ab 16:00 frei werden, aber die vorherigen Mieter waren schon weg. Wir hatten uns die Wohnung noch gar nicht angeschaut, gestern waren wir nur beim Verwalter gewesen. Sie ist wirklich klein. Direkt nach der Eingangstür rechts vom Flur ist das Badezimmer. Am Ende des Flures befindet sich das Wohnzimmer, mit Fenster zur Straße. Die Straße ist nah an einer Hauptstraße, wird aber kaum befahren. Es ist sehr ruhig. Es fühlt sich wie Luxus an, nach vier Nächten im Camping. Eine Kitchenette ist im Wohnzimmer an der Wand zum Badezimmer eingebaut. Die Möbel im Wohnzimmer wirken nicht stabil. Ein leerer hoher Regal steht neben der rechten Wand, in dem ich mich nicht trauen würde, etwas rein zu stellen. Er sieht aus, als ob er gleich zerbrechen könnte. Am Anfang des Wohnzimmers führt eine Holzleiter zum Mezzanin, wo das Schlafzimmer eingerichtet ist. Da oben kann man sich nur gebeugt fortbewegen. Wir haben unser Gepäck auf der Couch im Wohnzimmer gelassen. In der Wohnung bleiben konnten wir nicht, da sie noch geputzt werden sollte. Um die Zeit tot zu schlagen, haben wir wieder im Domus am Rathaus gesessen. Kaffee getrunken. Emails gelesen. Es regnete leicht.

Gegen halb fünf haben wir beschlossen, trotz andauerndes Regens zum Festival zu fahren. Mit „wir“ meine ich vor allem Martin. Ich war nicht begeistert. Gähnende Reisenden im Bus. Die Fenster waren wieder mit Feuchtigkeit beschlagen. Der Bus war so gebaut, dass kein Fenster geöffnet werden konnte, und ohne Klimaanlage. Ich war froh, wieder auszusteigen. Auf dem Weg zum Festivaleingang, rückwärts durch die Menschenmenge gehend, bat ein deprimiert aussehender junger Mann nach Kuscheln mit Hilfe eines selbst beschrifteten weißen Plakates („bless me with a hug„), wie man in den letzten Tagen im Publikum viel sehen konnte. Mangel an Selbstbewusstsein. So gut wie er aussieht, braunhäutig, schlank, vermutlich aus einem für mich undefinierten Südland, sollte er doch kein Problem haben, eine willige Frau zu finden. Aber nicht, wenn er sich derart wie ein geschlagener Hund verhält.

Auf dem Festivalgelände angekommen, stellen wir fest, dass die Wolken noch dichter und dunkler geworden sind. Es fängt an, richtig stark zu gießen. Die Bäume bieten keinen Schutz mehr an. Innerhalb einer Stunde bei diesem Mistwetter werde ich so naß, dass sich selbst in meinen Schuhen eine Pfütze gebildet hat. So schlimm war es in den letzten Tagen noch nicht. Mir ist kalt, meine Hose durchnäßt. Meine Stimmung ist extrem mies. Ich weiß nicht, warum wir heute überhaupt zum Festival kommen wollten. Keiner der angekündigten Konzerten spricht mich an. Den Abschluß mit Stromae fand ich eh vom Anfang an komisch. Was hat er in einem Rockfestival zu suchen? So spät ist es sowieso noch nicht. Schnauze voll vom Wetter, entscheiden wir endlich, nach Leuven zurück zu fahren. Wieder ein lange Strecke, um zur Bushaltestelle zu kommen. Zum letzten Mal. Ich versuche, nicht in die breiten Pfützen oder auf den zerdrückten Essensreste zu treten. Auf dem Weg hält uns eine junge Frau an, die versuchen will, sich Eingang ins Festival zu schaffen. Sie will unsere Armbänder mit den elektronischen Schlüsseln haben. Kommt nicht in Frage. Zum Glück bekommen wir noch rechtzeitig einen Bus, der gerade weg fährt. Ich ziehe meine Schuhe aus und versuche, meine Füße zu erwärmen. Meine schlechte Laune hält an. In Leuven angekommen, muss ich die Schuhe wieder anziehen. Igitt, so kalt und naß.

Werchter-Tag4

Wir beschließen, im Kinepolis Maleficent zu schauen. Da es noch zu früh dafür ist, trinken wir ein Bier in einer kleinen Kneipe hinter dem Kino, die für mich eher wie eine echte Kneipe aussieht, ähnlicher zu den vertrauten PMU-Bars aus Frankreich. Martin meint, es sieht ungemütlich aus, aber wir setzen uns hin. Jetzt entscheide ich. Es sind ganz wenige Leute da, die alle an der Theke auf den hohen Hockern sitzen. Anscheinend alle Stammkunden. Sie unterhalten sich auf Flämisch, keine Ahnung, worüber. Ich vermute, über Politik und die Welt, wie man es aus den Thekendiskussionen kennt. Ab und zu gerne ein bisschen lauter. Diese Stimmung gefällt mir, ich nehme die Geräusche mit meiner Kamera auf. Zwei älteren Nordafrikaner (vermute ich) kommen rein. Sie wirken lustig. Einer gibt mir ein Zeichen, ich soll so tun, als ob ich ihn nicht gemerkt hätte. Er winkt mir zu, geht übertrieben langsam mit hohen Schritten auf die Spitzen, mit Finger auf den Lippen, bis er zum Spiel in der Mitte der Raumes kommt (eine Art Kegelspiel mit Goals auf beiden Seiten des Tisches) und plötzlich laut gegen den Holz klopft. Der Wirt lacht. Beide Männer gehen trotz Regen wieder raus und setzen sich an einem Tisch der Terrasse, um ihr Kaffee zu trinken. Martin ist die ganze Zeit mit seinem Handy beschäftigt. Emails gelesen. Jetzt prüft er das Wetter für morgen in Südspanien: Sonne, 36°C. Ich kann kaum warten.

Als wir das Kino verlassen, sind alle Wolken weg. Freier Himmel. Verflucht.

Festival – Tag 3

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Wir sind heute Morgen wieder nach Leuven gefahren, um das Schwimmbad zu besuchen. Alle zwei Tage reicht. Ich hatte vorher nicht geahnt, dass ich am Festival so wenig Bier trinken und so viel Sport treiben würde. Das nur, weil die sanitären Einrichtungen mit ihrer spärlichen Hygiene alles andere als einladend wirken. Vor elf Jahren, als ich mit meinem ehemaligen Kollegen Pascal hierher gefahren war (er aus Frankreich, ich aus Deutschland), hatten wir zwei Zimmer in einem Hotel in Leuven gebucht, und wir waren sowieso nur für einen Tag gekommen. Diesen Aspekt von Musikfestivals hatte ich gar nicht mitbekommen.

Da das Wetter weiterhin nicht so toll war, haben wir beschlossen, am frühen Nachmittag ins Kinepolis zu gehen und Transcendence zu schauen. Mir hat der Film nicht gefallen. Wie immer, wenn es in einem Film um Wissenschaft geht, und den Schauspielern Unsinn in den Mund geschoben wird. Es ärgert mich, und ich habe keine Lust, mir den Rest anzuschauen. So ging’s mir schon, als ich mit Kommilitonen während meines Physikstudiums Jurassic Park 2 im Kino gesehen hatte (den ersten Teil hatte ich wegen der spannenden Vorschau mit meinem damaligen Freund geschaut). Quantenmechanische Beobachtungseffekte im Zusammenhang mit sehr makroskopischen Dinosauriern bringen, geht’s noch? Ich wollte damals nach zehn Minuten wieder raus. Die anderen Folgen habe ich nicht mehr wahrgenommen. Ich bin heute in Transcendence geblieben, da sonst die alternative war, irgendeine Kneipe in Leuven zu besuchen und zu warten, bis das Wetter besser wird.

Das Wetter wurde nach dem Film nicht besser. Martin hat sich Sorgen gemacht, weil morgen der letzte Festivaltag ist und wir am Montag ganz früh das Zelt packen müssen, bevor wir zum Flughafen fahren. Was ist, wenn wir es gar nicht trocken bekommen? Wir haben beschlossen, für die letzte Nacht ein Zimmer zu suchen, um im Notfall drin das Zelt zum trocknen zu legen. Er hat auf seinem Handy nach Hotels gesucht und ein Doppelzimmer für 75€ mit Frühstück gefunden. Das einzige, was ginge, seiner Meinung nach. Zu teuer, habe ich ihm gesagt. Wir sind immer noch pleite. Ok, nicht ganz, Ersparnisse haben wir, aber wir werden pleite, wenn wir weiterhin zu viel ausgeben. Nach einer zweiten Suche hat er eine kleine Einzimmer-Mietwohnung für 50€ gefunden. Geht doch. Wir sind zum Verwalter der Ferienwohnungen gegangen, nicht weit vom Schwimmbad, und haben für morgen eine Wohnung reserviert bekommen.

Wir sind zum Camping zurück gefahren. Im Zelt ist uns ein weitaus besserer Zeitvertreib eingefallen. Wunderbar. Wie fast immer. Ich bin überrascht, wie einfach ich mit ihm zu Orgasmen komme. Ich hatte immmer gedacht, ich hätte schon Spaß beim Sex gehabt, aber ich merke jetzt mit Martin, dass es noch viel befriedigender gehen kann. Diese starken Kontraktionen sind mir neu. Es liegt bestimmt daran, dass er mit mir sehr aufmerksam ist. Oder es stimmt, dass die Orgasmusfähigkeit von Frauen mit dem Alter steigt. Wahrscheinlich beide. Nach seinem Höhepunkt hat er gelacht. Das macht er häufig.

Nach einem Schläfchen sind wir zum Festivalgelände gegangen. Diesmal hatte ich eine Hose an, da es mir gestern trotz Regenjacke mit dem Rock zu kalt wurde. Wir sind zu einer Nebenbühne gegangen, die in einem Zelt war. Sie war schon voll, es regnete wieder. Von dem Konzert im Zelt hat man kaum etwas gehört, da die Musik von der Hauptbühne bis hier kam. Der Regen wurde stärker als gestern. Sitzen konnte man vergessen, der Boden war so naß und bedeckt mit zermatschten Pommes und Hänchenknochen, sowie platt gedrückten Bierbechern und Papptellern mit Sauce. Ich weiß nicht, wie die anderen es durchhalten konnten, selbst mit einer Kunststoffmatte hätte ich da nicht sitzen wollen. Eine Frau ging mit einem Plakat in der Hand, auf dem sie für „steamy sex“ in ihrem Zelt mit Angabe ihrer Handynummer warb.

Werchter-Tag3

Wir sind zurück zur Hauptbühne gegangen und haben uns unter den Palmen einen halbwegs trockenen Platz ausgesucht. Ich wollte mir Pearl Jam anschauen. Da sie aber nach einer knappen halben Stunde nach Planangabe noch nicht erschienen waren und es immer noch regnete, habe ich Martin da gelassen, der mehr Resistenz gegen schlechtes Wetter hat, und bin zum Zelt zurück gegangen. Auf dem Weg dahin, als ich hörte, wie Pearl Jam endlich auf die Bühne kam, habe ich von weitem ein Fußballspiel auf den Leinwänden vom Camping gesehen. Es gab viel mehr Publikum als gestern für Frankreich-Deutschland. Klar, wir sind in Belgien, und es dürfte auch viele Holländer hier geben. Ich war schon am Einschlafen, als Martin zum Zelt gekommen ist. Wiedereinschlafen war trotz Ohrstöpsel schwierig. Die Holländer haben ihr Spiel gewonnen, sie haben die ganze Nacht durch das Camping-Gelände rumgebrüllt.

Festival – Tag 2

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Wir sind wieder gegen 07:00 geweckt worden. Einige unserer Nachbarn können anscheinend den Tag nicht beginnen, ohne vorher laut herum zu brüllen. Wir sind erst gegen 08:30 zu den Frühstückstischen gegangen und haben uns gleich danach auf dem Weg nach Leuven gemacht. Ich musste mal, wie jeden Morgen. Ich habe es vermieden, zu viel zu trinken, damit ich noch bis zur Stadt warten konnte. Wir haben in einer Kneipe nah am Bahnhof Kaffee getrunken und die Batterien unserer Handys teilweise aufgeladen (auf dem Festival konnte man vorgeladene Ladegeräte für zwei Marken erwerben, die für zwei Stunden Strom liefern, nicht genug für uns beide).

Wir sind durch die Stadt spazieren gegangen. Wir hatten noch nicht alles besucht. Da wir an eine Apotheke vorbei gegangen sind, habe ich mir Ohrstöpsel aus Wachs besorgt. Die habe ich auch zu Hause, aber leider nicht mitgenommen. Vor der Universitätsbibliothek (bei der ich vor acht Jahren an eine Tagung teilgenommen hatte) war ein Markt. Wir sind vorbei gegangen und haben in einem Park im Schatten der Bäume auf der Wiese geschlafen. Da wir hungrig wurden, haben wir mittags am Ende einer sehr süßen engen Gasse am Rathhaus in einer Kneipe gegessen. Drin, weil die Tische draußen ziemlich wackelig waren. Das selbst gebraute Amber ist definitiv sehr empfeglenswert, aber nur, wenn jemand es vorher kurz davor schon bestellt hat. Sonst kriegt man einen unangenehmen metallischen Geschmack, das hatte ich beim zweiten Glas. Den Fischburger fand ich nicht so toll. Zu viel von der Panade und viel zu wenig vom Fisch.

Auf unserem Tisch ist plötzlich eine dicke Ameise mit Flügeln gefallen. Es musste Paarungszeit sein, die Kopulation findet bei denen beim Fliegen statt. Beeindruckend fand ich, wie die Ameise sich so schnell von ihren Flügeln getrennt hat. Es hat vielleicht zehn Sekunden gedauert, bis alle vier Flügel auf dem Tisch geblieben sind. Davon hatte ich nur gelesen, aber nie selber beobachtet. Sie muss erfolgreich schwanger geworden sein. Es konnte nur ein Weib sein, da die Männchen bei der Paarung sterben (ihre am Boden gefallenen Leichen werden von den Arbeiterinnen als Nahrungsquelle zum Bau geschleppt). Wir haben die neue Königin nach draußen gebracht, damit sie eine bessere Möglichkeit findet, ihre Kolonie in einem neuen Ort zu gründen. Später sind noch drei oder vier Ameisen auf unserem Tisch gefallen, die aber ihre Flügel behalten haben und herum gelaufen sind.

Wir sind später zum Camping zurück gefahren. Sie hatten große Leinwände für die Fußballspiele bereit gestellt. Wir haben Bier geholt und an den Tischen das Spiel geschaut. Es gab nicht viele Festivalbesucher, die sich für Deutschland-Frankreich interessiert haben. Am Nachbartisch saßen einigen meiner noch Landesgleichen. Als ich gesehen habe, wie einer einfach seine Hose geöffnet hat, um unter dem Tisch auf der Wiese zu pinkeln, habe ich beschlossen, dass Deutschland gewinnen musste. Ich habe mich gefreut, als sie es tatsächlich geschafft haben. Bei der Halbzeit hatte ich ein bisschen Hunger und habe bei der veganen Bude geschaut. Sie hatten asiatische Nudeln, die zwar überkocht aussahen, aber mit Gemüse, mal was anderes als Hotdogs und Pommes. Ich hätte gerne welche probiert, aber als es mir klar wurde, dass das „4t“ kein halb verwischtes „4€“ war, sondern „4 tickets“ bedeutete (also 10€ pro Portion), habe ich es sein lassen. Wir haben doch Pommes auf der Straße vor dem Festivalgelände gegessen.

Danach sind wir zum Festival-Gelände gegangen. Es gab gerade eine Pause auf der Hauptbühne. Die Arctic Monkeys waren geplant, und ich war milde daran interessiert zu schauen, was sie machen. Inzwischen regnete es leicht, aber meine Regenjacke hatte ich dabei. Um uns herum wurde es ganz eng und der Rauch von den vielen Zigaretten ist nicht wie gestern schnell verschwunden, sondern hing lange in der Luft. Ständig sind Leute um uns herum hin und her gegangen. Dabei sind wir noch mit Bier geduscht worden. Was ich für Metallica ertragen habe, wollte ich für andere Gruppen nicht unbedingt erleben. Vor allem unter Regen. Ich habe schnell die Schnauze voll bekommen und bin zum Zelt zurück gegangen. Mit meinem leichten Rock und dem stärkeren Regen wurde es mir zu kalt. Ich habe es mir im Schlafsack gemütlich gemacht und mein Tauchlehrbuch weiter gelesen (mein erster praktischer Kurs ist am Tag unserer Rückreise geplant). Martin hat sich den Konzert zu Ende angeschaut und war zufrieden. Als er zurück kam, konnten wir relativ schnell einschlafen. Wachsohrstöpsel sind für mich wirklich am besten.

Stimmungstief

Vielleicht liegt es am Wetter. Seit einer Woche macht es mir keinen Spaß, draußen zu sein. Das Wochenende war nicht so toll. Wieder Jacken anziehen, Regenschirme mitnehmen… Dauerregen habe ich nie besonders gemocht. Als ich heute Morgen gegen 07:15 das Haus verlassen habe, regnete es schon länger kontinuierlich stark. Es hat den ganzen Tag gedauert.

Hinzu kommt der Stress von der Arbeit. Ich bin nicht mehr an einer Uni tätig, aber ganz frei von Lehrveranstaltungen bin ich nicht. Jedes Semester organisieren wir in Zusammenarbeit mit mehreren Instituten ein großes Praktikum für Studenten. Diese Woche ist es wieder so weit. Ich bin für die Vorbereitung von unserem Teil zuständig und kümmere mich schon seit einiger Zeit um die Details. Räumlichkeiten buchen, Wochenplan vorbereiten, sicher stellen, dass Rechner zur Verfügung stehen, Sicherheitsaspekte klären, Vorlesungen bearbeiten, Skripte drucken, spät im Büro bleiben, Schlafmangel… Und dann kommt ein Tag wie heute. Vormittags Vorlesung gehalten. Ich habe absichtlich einige Sachen mehrmals auf verschiedenen Weisen wiederholt, um sicher zu sein, dass ein bisschen davon in den Köpfen übrig bleibt und verstanden wird. Von den Studenten selbst durchgeführten Experimenten wurden am Rechner ausgewertet. Die Erbegnisse wurden diskutiert. Mittagspause. Nachmittags war Winfried mit seiner Vorlesung dran. Er hat viele Begriffe benutzt, die ich heute Morgen eingeführt habe. Die Studenten haben sich verhalten, als ob sie sie zum ersten Mal hören würden. Bei Winfrieds Versuchen, die Diskussion interaktiv zu gestalten, meinten sie, es wäre ihnen alles neu. Dabei haben sie nicht mal in ihren Unterlagen durchgeblättert. Alles, was er gefragt hatte, hatte ich schon drin erklärt. Wie dumm kann man sein?

Mit Martin habe ich auch Schwierigkeiten. Kann sein, dass es daran liegt, dass meine Tage diesen Monat nicht richtig enden wollen. Leichte Blutungen habe ich immer noch. Oder der Stress spielt eine Rolle. Sex ist seit dem Wochenende nicht wirklich befriedigend. Er scheint Probleme zu haben, eine Erektion länger als eine Viertelstunde lang zu behalten, was unsere typische Koitusdauer entspricht. Das letzte Mal war am Montag. Letzte Nacht bin ich alleine bei mir gewesen, da ich abends noch vieles für die Vorlesung vorbereiten musste. Dienstags hat er sowieso immer Sport. Heute hat er den Wunsch geäußert, bei sich zu bleiben, weil er zu Hause einiges zu tun hat. Morgen weiß ich schon, dass er mit einem Freund Fußball gucken will. Ich will nicht mit. Es interessiert mich nicht, und ich muss am Freitag wieder ganz früh zur Arbeit. Ein bisschen merkwürdig finde ich es schon, dass er auf einmal kein Interesse zeigt, mit mir zu sein, wenn wir sonst fast jede Nacht miteinander verbracht haben. Andererseits kann ich es mir nicht heimlich wünschen, mehr Zeit für mich zu haben, und irritiert sein, wenn er offensichtlich das gleiche Bedürfnis empfindet.

Ich habe ihm heute noch gesagt, dass wir in letzter Zeit zu viel Geld ausgeben. Ich finde es schlimm, dass wir jedes Wochenende unterwegs waren. Ständig hat er etwas vorgeschlagen und mich darum gebeten, mit ihm irgendwohin zu fahren. Es hat mich nicht nur gestört, weil ich wegen ihm meine Routine völlig geändert habe und müde bin, sondern auch, weil es auf Dauer ziemlich teuer wird. Ich habe im letzten Monat mehr als mein Gehalt ausgegeben. Es reicht. Es hat mir zugegeben, dass er selber den Überblick über seine Ausgaben verloren hatte. Ich hatte mich schon gewundert, wie er es mit seinem geringeren Gehalt schaffen würde. Vielleicht trägt alles zusammen dazu bei, dass ich mich momentan nicht so gut fühle und unsere Beziehung eher pessimistisch betrachte.

Kalt

Ich habe doch die Heizung wieder an gemacht. Selbst mit dem Pulli bin ich am Zittern vor dem Rechner, meine Hände, Füße und Nase sind gefroren, und ich kriege Kopfschmerze. Es war gestern abend schwierig genug, das Bett bequem zu bekommen, obwohl meine Katze die Fußstelle vorher erwärmt hatte. Heute Morgen bin ich aufgestanden, habe die Katze gefüttert, und bin zurück ins Bett gegangen, weil es mir doch zu kalt war. Ende Mai, und wir hatten heute maximal 7°C.

Heute Nacht gegen 01:00 habe ich ein lautes Wassergeräusch wahrgenommen. Ich habe gedacht, ein von meinen Nachbarn duscht gerade. Zurzeit machen sie das häufig um diese Uhrzeit, und die Wand der Dusche ist gleichzeitig die Wand zu meinem Schlafzimmer. Es war wirklich laut. Aber irgendwie habe ich die anderen üblichen Geräusche von der Dusche nicht gehört. Ich bin aufgestanden und habe ein Fenster aufgemacht. Es waren doch nicht die Nachbarn, es regnete einfach sehr stark, und ich hörte den Gully, der am Dach entlang läuft. Heute hat es weiter geregnet. Wir hatten in letzter Zeit gerade einen Tag Sonne, das war Sonntag. Ich muss unbedingt für ein paar Tage in den Süden Urlaub machen, bevor meine Weiterbildung anfängt, ich halte es langsam nicht mehr aus.