Geplanter Verschleiß von Produkten

Ein sehr interessanter Artikel zu diesem Thema in der Süddeutsche:

Plötzlicher Tod der Glühbirne

Ich erinnere mich, dass meine Eltern das schon mal erwähnt hatten, wenn die Waschmaschine oder der Backofen mal ein Problem hatten. Mein Patenonkel, der ein Laden im Bereich Elektrogeräte betrieben hatte, meinte, es wäre unverschämt, wie die neuen Produkte eine immer geringere Lebensdauer hätten, obwohl man es mit dem Fortschritt in Materialwissenschaften nicht erwarten würde (ok, der Satz ist von mir umformuliert, aber so meinte er es trotzdem).

Ja, dieser ganze Zwang zum Konsumwahnsinn ist furchtbar. Es gibt aber noch schlimmere Geschichten, ja, wirklich, die für mich ein noch größerer Skandal sind, und die genau auf derselben Logik aufbauen. Ein früherer Student von mir hat es mir erzählt. Er musste während seines Studiums ein Praktikum absolvieren. Da hat er sich in unserer Stadt nach Firmen umgeschaut, und hat sich für ein Institut an der Uni entschieden, das zusammen mit einer Firma medizinische Prothesen herstellt. Am Ende des Praktikums hat er sogar ein Angebot bekommen, für diese Firma zu arbeiten. Das hat er abgelehnt. Weil er dort erfahren hat, dass die Prothesen, die hergestellt werden, absichtlich mit eingeplanten Schwachstellen gebaut werden, damit die Patienten nach einiger Zeit die Prothese wechseln müssen. Was natürlich mit einer neuen Operation verbunden ist: Narkose und ihre Risiken, danach Schmerze, Reha… Es gibt tatsächlich Leute, die sich darüber Gedanken machen, wie sie ältere Leute, die Hüfte- oder Knieprothesen brauchen, dazu bringen, immer wieder unnötigerweise operiert zu werden, nur um mehr Prothesen verkaufen zu können. Das ist ekelhaft. Den Namen der Firma wollte mein Student nicht verraten, weil er Angst hatte, dadurch Probleme zu bekommen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.