Von Gauting nach Pasing

Wir haben jetzt Urlaub. Ursprünglich wollten wir nach Finnland, aber mit der Pandemie haben wir umgeplant. Es war zum Glück noch nichts gebucht, als wir im März gesagt haben, Urlaub machen wir doch besser dahoam. Wer hätte mit Sicherheit sagen können, dass wir im Juni wieder verreisen dürfen? Für den Ehemann, der von klein auf immer überall mit der Familie unterwegs war, ist die Situation ungewöhnlich.

Für mich ist es eigentlich normal. In meiner Kindheit sind wir so gut wie nie in den Urlaub gefahren. Wir waren nicht reich, meine Eltern betrachteten die ganze Reiserei als reine Geldverschwendung, und ich erinnere mich nur zu ungerne an eine Fahrt in den hohen Norden (nach Tours, zu einem Freund meines Vaters) eines Sommers, unser einziger Familienurlaub, als wir zu fünft im Auto auf einem Parkplatz schlafen mussten, die Eltern vorne, die drei Kinder hinten, weil die Hotels zu teuer waren. Und warum sollten wir weg fahren, wenn so viele zu uns in den Urlaub kommen? In der Provence ist Urlaub zu Hause schön, und es hatte mir nie etwas ausgemacht, nicht weg zu fahren.

Den Auftakt vom Urlaub haben wir gestern gemacht, als wir unsere Wanderung im Würmtal fortgesetzt haben. Wir waren vor drei Wochen von Gauting nach Starnberg gelaufen, wo die Würm aus dem See fließt – bis 1962 hieß ja der Starnberger See „Würmsee“.

Gestern sind wir mit der S-Bahn nach Gauting gefahren, und sind von dort der Würm nordwärts gefolgt. Zuerst einen Blick auf das Elektrizitätswerk geworfen, diesmal erfreulicherweise ohne Pizzakarton und Bierflaschen, wo man deutlich sieht, dass das Wasser mit dem starken Regen in den letzten Wochen stark angestiegen ist. Wir nehmen den Pfarrweg und kommen zum Wasserrad, das man zur Zeit nur vom Ufer aus sehen kann, weil die Brücke wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Dort blüht immer noch der Wasserhahnenfuß, wenn nicht mehr so prächtig wie vor drei Wochen. Den Enten scheint es hier gut zu gefallen. Ein Stückchen weiter entdecken wir einen Hafen für kleine Boote, mit denen Kinder spielen.

Wir gehen zur anderen Seite der Würm durch den Park vom Schloss Fußberg. Die Wege werden sehr schlammig und ich bin froh, meine dicke Wanderschuhe zu tragen. Wir laufen an netten Badestellen und Wiesen vorbei, bis wir am Grubmühl ankommen. Dort müssen wir ein Stück an der Straße entlang laufen, können aber bei den Gänsen links wieder die Straße verlassen. Die Gänse scheinen den Wasserhahnenfuß genau so wie die Enten zu mögen. Der Himmel ist bedeckt, aber der angekündigte Regen bleibt aus. Wenn die Sonne durch die Wolken erscheint, wird es unerträglich schwül. Wir erreichen Krailling und halten für die Mittagspause im Biergarten vom Gasthof Alter Wirt[1].

Wir laufen weiter und kommen zur Kreuzung mit der Planegger Bahnhofstraße, die ich häufig mit der 266 zur Arbeit herunter gefahren bin. Nach der Kreuzung steht ein Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Menschen. Nach dem zurzeit immer noch geschlossenen Wellenbad und der Tanderschlucht, wo Kinder die Enten füttern, laufen wir über eine weitere Brücke. Das Wasser fließt hier auch sehr schnell, es finden sich jedoch schöne Plätze zum Baden. Wir entdecken mit Begeisterung eine Wasseramsel auf einem Ast im Wasser am anderen Ufer, aber meine Kamera kann leider nicht so gut zoomen. In Gräfelfing nehme ich endlich die Gelegenheit wahr, die Skulptur an der Pfarrkirche St. Stephan zu fotografieren, die mir sonst immer von der 267 aus auf dem Weg zur Arbeit aufgefallen war. Unser Weg führt uns an die Liegewiese vorbei, wo wir uns die Füße in der Würm abkühlen. Herrlich. Das Wasserrad am Ende der Liegewiese ist ein Nachbau des alten Wasserrades, das kurz vor dem zwanzigsten Jahrhundert in einem nicht mehr existierenden Seitenarm der Würm erbaut wurde und bis in die 60er Jahre zur Wasserversorgung eines Gutes diente.

Nach der Brücke über die Autobahn erreichen wir eine riesige Parkanlage. Es sind nicht so viele Leute unterwegs, vermutlich weil das Wetter wechselhaft aussieht. Oder wegen der Pandemie. Nach dem Pasinger Stadtpark laufen wir weiter bis zum Bahnhof Pasing an die Würm entlang und setzen uns nach fast sechszehn Kilometern erschöpft an der Terrasse der Pasinger Fabrik[1], um uns mit leckeren Kleinigkeiten zu erholen, bevor wir mit der Bahn zurück nach Hause fahren.

Heute habe ich richtig Muskelkater in den Oberschenkeln und am Bauch bekommen. Ich hatte auch Migräne und musste am Nachmittag zweieinhalb Stunden schlafen, was bei mir sehr selten vorkommt. Ich hätte gestern mehr Wasser trinken sollen, meine Flasche war noch zu zwei Drittel voll, als wir zurück gekommen sind.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Das Wochenende in Bildern

Das Wochenende hat mit einem Besuch beim Pasinger Viktualienmarkt angefangen, wie inzwischen jedes Wochenende. Zuerst ein leckeres Frühstück bei Banandi’s Deli[1,2]. Fantastisch leckere Brotscheiben mit Avocado-Frischkäse-Aufstrich, ein Traum, der Tag kann kaum besser anfangen. Gefrühstückt haben wir draußen. Frisch und regnerisch, aber die Terrasse ist überdacht.

Nach dem Einkauf sind wir zurück nach Hause gefahren. Mit der S-Bahn, und ich habe mich darüber geärgert, dass es schön wieder am Wochenende Fahrplanänderungen wegen Bauarbeiten gibt. Die Stammstrecke war teilweise gesperrt. Zu Hause merkt man in den Abfahrzeiten keinen Unterschied, aber in Pasing fahren die Züge fünf Minuten früher als sonst (und von einem anderen Gleis aus), weil sie direkt danach in Westkreuz aus irgendeinem schleierhaften Grund fünf Minuten stehen bleiben. Sprich: Wir haben die S8 am Gleis weg fahren gesehen und durften ganze fünfundzwanzig Minuten auf die nächste S8 warten, weil die mit fünf Minuten Verspätung angekommen ist. Dieses eine Mal wo wir ausnahmsweise S-Bahn statt Auto zum Markt gefahren sind, weil es für die Strecke „zeitlich nichts bringt“, Auto zu fahren! Wir vergeuden viel zu viel Zeit im ÖPNV.

Das Wetter war den ganzen Tag sehr naß und wir sind zu Hause geblieben. Ich habe gebacken.

Heute bin ich viel zu früh aufgewacht. Kurz nach sechs. Ich habe mich am Rechner beschäftigt, bis der Ehemann aufgestanden ist. Das Frühstück war klasse, da wir gestern noch kurz beim orientalischen Pasinger Frischemarkt[2] waren, und ich Rosenkonfitüre gekauft habe. In Berlin hatte ich vergeblich danach gesucht und ich war gestern überglücklich, welche gefunden zu haben. Auf Fladenbrot mit Salzbutter, hmm…

Da es immer noch geregnet hat, bin ich zurück zum Rechner gegangen. Ich habe mich in letzter Zeit mit vielen Online-Kursen beschäftigt. Unter anderen habe ich mir jetzt dank openHPI Kenntnisse in der Programmiersprache Ruby angeeignet. Ruby ist… Komisch. Man kann ganz schnell und kompakt Code schreiben, wofür man in anderen Sprachen mehrere Zeilen benötigen würde, aber die Denkweise liegt mir nicht. Meine Lieblingssprache wird es nicht. Ich habe heute die Abschlussprüfungen geschrieben.

Nachmittags ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Obwohl es immer noch kalt und regnerisch war, bin ich für einen Spaziergang raus gegangen, während der Ehemann seine Unterlagen für unseren Steuerberater zusammen suchen musste. In Richtung Sankt Gilgen, an Feldern vorbei… Die Bauarbeiten an der Kreuzung am Bahnhof Neugilching dauern seit mindestens vier Monaten, und ich sehe seitdem überhaupt keinen Fortschritt. Der Ehemann ist der Meinung, dass viele Baustellen in der Gegend nicht voran kommen, weil es an Geld fehlt.

Den Spaziergang habe ich kurz gehalten, da ich feststellen musste, dass meine Regenjacke dringend neu imprägniert werden muss, und meine Hose schnell durchnässt und eisig wurde. Eigentlich hatte ich mir im Sommer einen Regenponcho für das Freiluftkino besorgt, warum bin ich nicht auf die Idee gekommen, ihn anzuziehen?

Abends habe ich wieder gekocht. Die Pastinaken-Suppe (ohne Speck), mit ein bisschen vom Schinken-Karotten-Cake von gestern. Beim Pürieren von der Suppe ist mir eine kochende Blase in dem Topf hochgekommen und hat so an der Oberfläche explodiert, dass ein Tropf auf meinem Daum gelandet ist. Das hat sau weh getan, und tut es immer noch. Jetzt habe ich eine dicke Blase.

[1] Anmerkung vom 04.10.2019: Leider hat das Café im Sommer endgültig geschlossen…

[2] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.