Heute mit Schnee

Ich bin froh dass es nicht halten wird.

Als ich gestern Abend, kurz vor zwölf, aus Berlin zurück kam, ging es noch. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil die Temperatur negativ war und meine App für den Sonntag Schnee vorgesehen hatte. Es gab Schnee, ja, aber der kurze Weg von der S-Bahn bis nach Hause war gut gefegt, mit der Ausnahme vom Bürgersteig vor dem Caritas-Haus. Dort scheinen sie sich nie darum zu kümmern.

An der S-Bahn scheint sich auch niemand dafür zuständig zu fühlen, den Bahnsteig und die Ausgänge wenigstens zu streuen, obwohl das Wetter nicht überraschend kam. Nachdem es über Nacht so viel geschneit hat, lag wieder eine dicke Schicht rum. Vor allem fahrlässig war es an den Treppen, die man benutzen muss, um zur anderen Seite des Bahnhofs zu gelangen. Es gibt keine Möglichkeit, zum Bahnsteig Richtung München zu gehen, wenn man keine Treppe benutzen kann. Was machen denn Rollstuhlfahrer und Leute mit Kinderwagen? Alternativ könnte man auch Bus fahren, aber die Haltestelle ist ebenfalls auf der anderen Seite vom Bahnhof. Also, ja, doch, es geht, man könnte ganz herum laufen, und würde zehn Minuten dafür brauchen, um zum Gleis auf der anderen Seite zu kommen.

Heute Morgen war es besonders schlimm, da der ganze Schnee auch auf den Stufen der Treppen lag. Schön glatt von der Schülerscharr breit getreten, die mir entgegen gekommen ist und durch die ich mir den Weg in die entgegengesetzte Richtung erkämpfen musste. Wir haben eine Schule in der Nähe. Ich muss mir merken, die Bahn um zwanzig vor acht in Zukunft zu vermeiden. Wenigstens hätten die Schüler als Dämpfung gedient, wäre ich tatsächlich die Treppe runter gerutscht.

Nachdem ich dann von der S-Bahn zur Bus-Haltestelle tapfer den ganzen Weg über den verschneiten Lidl-Parkplatz gegangen bin, durfte ich über vierzig Minuten auf der Stelle verharren, weil so lange kein Bus kam. Die MVV-Webseite zeigte meine Verbindung trotzdem ohne Verspätung an. Hätte ich es gewusst, wäre ich weiter mit der S-Bahn bis Pasing gefahren. Obwohl es mir nichts gebracht hätte, weil Tim, mein Zimmerkollege, der dort wohnt, heute Morgen fast genau so lange auf den Bus warten musste. Es war einfach überall Chaos. Ein anderer Kollege hatte beschlossen, mit dem Fahrrad zu kommen. Einige andere Leichtsinnige habe ich auch über den Schnee radeln gesehen. Mein Kollege hat es heute nicht zur Arbeit geschafft und musste den Umweg zum Krankenhaus machen.

Ich hatte mich auf jeden Fall über den ununterbrochenen Regen gefreut, der für heute vorausgesagt wurde. Der Schnee würde bestimmt schnell verschwinden. Nicht. Der Regen kam nicht so stark wie erhofft, und der Weg nach Hause war am Abend noch teilweise rutschig. Jetzt liegen viel Wasser und Schneereste auf den Straßen. Gut, dass es über Nacht um die 3°C wird und das alles nicht einfriert. Sonst müsste ich morgen Glättefrei nehmen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen

Die Ferien sind vorbei

Das war heute morgen nicht zu übersehen. Es war schwierig genug, zur Arbeit zu fahren. Überfüllte Busse. Als ich in den ersten Bus eingestiegen bin, habe ich den ersten freien Sitzplatz genommen, an den ich vorbei gegangen bin. Direkt neben der Tür. Gut, dass ich nicht gezögert habe, weil noch ganz viele Schüler eingestiegen sind. So dicht aneinander gepackt! An der Haltestelle hätte ich nicht gedacht, dass so viele draußen standen. Vermutlich sind sie ausgestiegen, um wieder einzusteigen, weil andere Passagiere raus mussten. Unweit von mir standen zwei Mädchen, die kein Bock darauf hatten, zurück zur Schule zu gehen. Beide voll geschminkt, mit Übergewicht und langen künstlichen Nägeln. „Warum habe ich keine Ausbildung gemacht?“ fragte die eine. „Was für eine?“ wollte die zweite wissen. „Bei Douglas! Dann könnte ich viel Parfum mitnehmen,“ seufzte die erste.

Beim Umsteigen hat es mich recht sauer gemacht, dass zwei Busse an der Haltestelle vorbei gerauscht sind, ohne zu halten. Beide rappelvoll, mit Leuten an den Türen breit geklatscht. Auf den dritten Bus habe ich mitten auf der Straße gewartet. War doch nicht nötig, er war nicht so voll und hat angehalten. Auf die Art habe ich eine Viertelstunde mehr auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Dabei gibt es sogar unterschiedliche Fahrpläne bei Schule und Ferien. Wozu, frage ich mich. Fehlplanung.

Auf Arbeit waren die Ferien auch vorbei. Ich habe ganz viele neue Leute kennen gelernt, und natürlich konnte ich mir nicht alle Namen merken. Meine Zimmerkollegin Ute ist ebenfalls aus ihrem Urlaub zurück gekommen. Nach einem Tag geht sie mir schon auf die Nerven. Sie kommt mir ein bisschen wie Nina vor, in ihrer Art, obwohl sie wenigstens nicht so dumm wirkt. Bei unserem ersten Treffen im November hatte sie eher einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Das kam davon, dass sie so affirmativ und selbstbewusst redet. Wie Mr Keen. Bei ihm war es alles Schau, bei Ute denke ich, es kann in ihrem Fach begründet sein. Obwohl ich schon mitgekriegt habe, wie sie heute genau so selbstbewusst in einem ganz anderen Thema Quatsch erzählt hat. Sie redet leider ununterbrochen und dabei ist es ihr völlig egal, was ihre Zuhörer denken. Sie erwartet Zustimmung und wenn sie sie nicht bekommt, fällt sie einem ins Wort und redet weiter. Sie lässt keine Unterbrechung zu und Gespräche mit ihr sind eher Monologen. Irgendwann habe ich ausgeschaltet, als sie sich mit Tim „unterhalten“ hat (ihm fällt sie auch ins Wort). Meine Arbeit muss erledigt werden. Mir ist aber aufgefallen, sie denkt, ihr würde weiterhin zuhören, weil sie manchmal auf Reaktionen meinerseits wartet, ohne mich vorher explizit angesprochen zu haben. Wozu soll ich zuhören und reagieren, wenn sie eh erwartet, dass ich ihr in allem zustimmen sollte? Anstrengend. Ich muss mir ganz schnell eine Überlebensstrategie aussuchen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die BVG hat wieder zugeschlagen

Einmal zu viel. Etwas muss sich ändern. Ich will nicht mehr so abhängig vom ÖPNV sein, wenn es zu solchen Verspätungen und Chaos kommt. Entweder muss ich eine neue Arbeitsstelle in der Nähe von der Wohnung finden, oder wir ziehen um, oder ich steige zum Auto um, was nebenbei meine Fahrzeit zur Arbeit mehr als halbieren würde, ich habe mal wieder die Schnauze voll. Jeden Tag die 42 Kilometer hin und zurück mit dem Fahrrad zu fahren ist nicht realistisch, da ich eine minimale Wohlfühltemperatur brauche, um es zu benutzen, und ein paar Tage im Monat geht es auch wirklich nicht, wenn ich so stark verblute, und auch nicht, wenn ich ganz früh morgens einen Termin habe, da das Unfallrisiko in Berlin doch recht groß ist…

Zweimal diese Woche habe ich über anderthalb Stunden gebraucht, um nach Hause zu fahren. Mit dem Fahrrad bin ich schneller. Besonders hat es mich gestern geärgert. Die Hinfahrt lief problemlos, was, zugegeben, recht beeindruckend war, ein Tag nach dem Kabeldiebstahl, der die Bahn lahm gelegt hat. Die Nachricht hatte ich zum Glück vorgestern vom Bett aus im Radio gehört, und ich hatte mir gar nicht die Mühe gegeben, zur S-Bahn zu gehen. Stattdessen war ich Bus gefahren, was fast genau so lange wie mit dem Fahrrad dauert. Wir hatten uns mit dem Ehemann nach dem Feierabend in einer Brauerei verabredet, deswegen ich das Fahrrad nicht benutzt hatte. Das war der Grund, warum ich diese Woche nur zweimal so lange nach Hause gebraucht habe. Das andere Mal war am Montag.

Am Montag wollte ich auch ursprünglich zum Fitnessstudio, ich war sogar mit der Sporttasche zur Arbeit gekommen. Und wollte deswegen abends mit Bahn statt mit Bus fahren, um früher anzukommen. Zuerst hatte mich die Anzeige für die Tram in die Irre geführt. Eine Viertelstunde Wartezeit? Da bin ich schneller zu Fuß, um zur S-Bahn zu kommen. Ich war drei Minuten später noch nicht an der nächsten Tram-Haltestelle, da überholte mich die Tram. Von wegen eine Viertelstunde. Es hätte mir aber nichts gebracht, weil ich die S45 doch noch erwischen konnte, die früher hätte fahren sollen. Es hätte mir eine Warnung sein sollen. Einsteigen konnte ich, wie auch alle anderen Fahrgäste, die nach mir gekommen sind. Wenigstens habe ich einen Sitzplatz bekommen können, danach wurde es überfüllt und stickig, und die Bahn fuhr erstmal nicht weg. Keine Ahnung warum, die Durchsagen vom Fahrer waren unverständlich. Nach einer Weile konnten wir doch starten, um zwei Stationen weiter zu erfahren, dass wir alle aussteigen sollen. Der Zug war defekt. Ich bin also doch zum Bus umgestiegen. Das hätte ich von vorne rein machen sollen. Ich bin am Ende so spät angekommen, dass ich keine Lust mehr hatte, zum Fitnessstudio zu gehen. Anderthalb Stunden Training, duschen, nach Hause gehen, ich wäre nicht vor neun angekommen, und wir müssen diese Woche recht früh aufstehen. Stattdessen konnte ich den Ehemann überzeugen, joggen zu gehen. Das haben wir nur eine halbe Stunde durchgezogen, danach musste er aufhören. Achillessehne.

Gestern früh schien laut BVG-App alles wie gewöhnt zu laufen, und ich habe tatsächlich „nur“ eine Stunde zur Arbeit gebraucht. Es war ungewohnt früh, ich bin um sieben angekommen. Der Ehemann muss die ganze Woche ab sechs die Arbeit anfangen. Der Glückliche braucht jetzt nur zehn Minuten zur Arbeit und ist ÖPNV-unabhängig geworden. Ich musste gestern im Labor arbeiten, und habe mir gedacht, je früher ich anfange, desto besser. Danach könnte ich früh nach Hause fahren und zum Fitnessstudio gehen, bevor es zu voll wird. So viel zur Theorie.

Kurz vor vier habe ich mich von meiner Arbeit gerissen, um endlich mal einen frühen Feierabend genießen zu können. Ich hätte problemlos weiter arbeiten können, da ich gerade dabei bin, Programm #1 für Qt5 kompatibel zu machen (alles wegen Mac-Nutzer, weil Qt4 seit Sierra nicht mehr auf Mac zu benutzen ist, wie ich am eigenen Arbeitsrechner feststellen musste). Bewusst habe ich mich gezwungen, die Arbeit liegen zu lassen, und bin gegangen. Mit dem Bus? Ach nee, ich mache nicht ausnahmsweise so früh Feierabend, um eine Viertelstunde länger nach Hause zu fahren… Spoiler: Ich wäre doch schneller angekommen. Wenn ich der BVG in Rechnung stellen würde, wie viele Überstunden auf Arbeit ich hätte machen können, statt auf einem Gleis zu verharren, könnte ich das ganze Jahr kostenfrei fahren.

Angefangen hat es, als ich die S46 gerade verpasst habe. Von der Tram ausgestiegen, die Treppe hoch gelaufen, und ich konnte sie von hinten weg fahren sehen. Also Umweg über Treptower Park. In der Ringbahn habe ich dann auf der BVG-App erfahren, dass die S1 wegfallen würde. Das war nur sichtbar, wenn man sich die Details der Strecke anzeigen ließ, weil die Verbindung trotzdem vorgeschlagen wurde. Gut, ich kann eine Station weiter fahren und die Buslinie M48 benutzen, die ja scheinbar pünktlich ist… Ist die Frau denn nicht lernfähig? Die M48 ist doch nie pünktlich, ich hätte wissen sollen, dass es zu schön war, um wahr zu sein! Und tatsächlich, obwohl BVG-App und Webseite nichts ahnen ließen, war auf der Anzeige an der Haltestelle keine M48 in den nächsten zwanzig Minuten zu sehen. Dafür lief die Nachricht, dass sie zur Zeit unregelmäßig fährt. Also noch eine Station mit der nächsten Ringbahn gefahren, und ab in die U9. An der Endstation war es aber genau so blöd, da ich wieder vor der Wahl stand, S1 oder M48. Beide noch stark verspätet. Verflucht. Um zwanzig vor sechs war ich zu Hause, und so sauer, dass ich nicht mehr zum Sport wollte. Lieber hätte ich jemanden verprügelt. Ob ich beim Boxkurs vom Fitnessstudio doch schnuppern sollte? Mit einem Bier habe ich mich auf dem Balkon hingesessen und auf den Ehemann gewartet, der einen unglaublich langen Tag auf Arbeit machen musste.

Ach, was soll, dann fahre ich heute halt Fahrrad… Nicht. Um elf im Bett, um halb drei wach. Aus einem Traum erwacht. Ich saß am Rechner und bekam plötzlich die Meldung, dass meine Dateien verschlüsselt wurden. Um sie zu entschlüsseln, müsste ich eine bestimmte Geldsumme überweisen. Die Meldung erschien sogar auf der Klobrille. Ich bin ins Bett gegangen und habe dem Ehemann gebeichtet, dass ich Opfer einer Ransomware geworden war. Dabei hatte ich den Rechner heruntergefahren, was man in solchen Fällen gar nicht machen soll. Mit einer bestimmten Tastenkombination war es doch möglich, zu seinen Dateien wieder Zugriff zu bekommen… Das Schnarchen vom Ehemann hat mich geweckt. Seitdem kann ich nicht mehr schlafen, ich fühle mich aber nicht gut, und mit nicht mal vier Stunden Schlaf will ich nicht so lange mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich glaube, ich bleibe heute wegen Migräne zu Hause.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Heute zu Hause

Es ist toll, wenn ich von zu Hause aus arbeiten darf. Ich spare mir gleich zwei Stunden Fahrt mit der ÖPNV. Wenn ich den Anfang der Woche betrachte, würde ich sogar drei Stunden sagen.

Am Montag lief es erstmal in Ordnung. Ich hatte keine Lust auf S-Bahn. Mit dem ersten Bus los, kurz in der U-Bahn, dann zur nächsten Bushaltestelle, um das letzte Stück zur Arbeit zu fahren. Um neun stand ich dort. Der Bus fährt im zwanzig-Minuten-Takt, zusammen mit einem anderen Bus, der einen Teil der Strecke fährt. Um zwanzig vor zehn, ziemlich durch gefroren, als die Anzahl der Fahrgäste sich schon bedrohlich auf dem Bürgersteig vermehrt hatte, bin ich in den anderen Bus eingestiegen und habe den Fahrer gefragt, ob er irgendwas über die andere Linie wüsste. Nein, aber die Nummer vom Kundendienst hat er mir gegeben: 030-19449. Dort habe ich erfahren, dass es auf der Autobahn einen Unfall gegeben hatte, und alle Fahrzeuge die Ausfahrt nehmen mussten, was einen Monsterstau verursacht hatte. Die Busse kamen einfach nicht durch. Ich bin bis zur letzten gemeinsamen Haltestelle mit dem Bus gefahren und habe den Rest zu Fuß gemacht. Fünfundzwanzig Minuten. Natürlich hat sich inzwischen der Stau aufgelöst, und der lang ersehnte Bus hat mich zwischen zwei Haltestellen überholt. Ich war aber bei der Kälte flott genug unterwegs, und habe ihn bei jeder roten Ampel wieder getroffen.

Gestern hatte der erste Bus schon eine Viertelstunde Verspätung, wie mir meine BVG-App nach fünf Minuten Ungeduld berichtet hat. Mit der App ist es so eine Sache. Verspätungen werden häufig gar nicht angezeigt, wie am Montag. Diesmal schon. Der Bus fährt im zehn-Minuten-Takt, also bin ich in den nächsten Bus eingestiegen. Zu meiner Enttäuschung war es wieder kein Doppeldecker, und nicht mal ein langer Bus, weil er nicht so weit wie der erste Bus fährt und dadurch weniger Gäste bekommt. Im Normalfall. Dadurch, dass der erste Bus de facto ausgefallen ist, war der entsprechend rappelvoll. Wir haben noch auf dem Weg zur U-Bahn im Stau gestanden und zehn Minuten Verspätung gesammelt. Als ich dann bei Rot an der Ampel stand, um zur letzten Bushaltestelle zu gehen, ist mir der Bus vor den Augen weg gefahren. Nochmal zwanzig Minuten in der Kälte warten.

Heute habe ich mich also gefreut, zu Hause zu arbeiten. Dadurch entfällt die Fahrzeit, die ich momentan benutze, um einen Schal für den besten Ehemann der Welt zu häkeln, aber mehr dazu in einem anderen Beitrag. Heute wäre ich sowieso nicht dazu in der Lage gewesen. Schon beim Aufstehen wurde mir klar, ich bin so was von müde! In der Küche würde mir schwindelig, als ich das Radio bedienen wollte. Ich habe mich auf der Couch im Wohnzimmer unter der Decke gekuschelt und geschlafen, als der Ehemann sich für die Arbeit fertig gemacht hat. Nach einer Weile konnte ich mich aufraffen und habe zwei Stunden gearbeitet. Danach bin ich zum Arzt gegangen, um nach den Testergebnissen von letzter Woche zu fragen. Sie hatten mir gar nicht Bescheid gesagt, aber die Ergebnisse lagen schon länger da. Es gab eine kurze Besprechung mit dem Arzt, der meinte, solche tolle Blutwerte hätte er selten gesehen — danke Nadja! Vermutlich. Ich kannte meinte Werte auch nicht, bevor ich meine inzwischen elf Kilogramme abgespeckt habe. Und Mängel gibt es keine. Ich habe noch mein bestelltes Buch Schwangerschaft für Dummies bei der Buchhandlung abgeholt und bin zurück nach Hause gefahren. Kurz gegessen. Und dann wurde mir bewusst, ich war unfähig zu arbeiten.

Migräne. Lichtempfindlichkeit. Müdigkeit. Lesen und am Rechner arbeiten unmöglich. Ich habe mich wieder auf der Couch unter der Decke mit herunter gezogenen Jalousien gepackt und versucht zu schlafen. Wie gestern, als ich nach Hause gekommen bin. Gestern nachmittags hatte mich genau beim Einschlafen das Klaviermassaker der Nachbarn den Schlaf geraubt. Seitdem wir hier wohnen, hat sich qualitativ am Musizieren der Nachbarn leider nichts geändert, wobei es in letzter Zeit nicht mehr so häufig zu hören ist. Für Elise ist inzwischen halb gelernt aufgegeben worden. Andere Stücke, die ich in meiner Jugend selber gespielt und geliebt hatte, werden dermaßen misshandelt, das ist echt schwer zu ertragen. Wie auch immer. Heute Nachmittag konnte ich ohne Störung schlafen. Es hat aber nicht geholfen, weil die Migräne immer noch da war. Viel Wasser getrunken. Einen Apfel gegessen. Nochmal geschlafen. Übelkeit. Am Ende habe ich doch Paracetamol genommen. Es soll unbedenklich sein. Und nach dem ich wieder geschlafen habe, geht es mir endlich wieder besser. Ein mieser Tag war das.

Ich warte nun, dass der Ehemann auf dem Fitnessstudio zurück kommt. Weil er jetzt trainiert. Mit mir, in einem neuen Fitnessstudio. Aber dazu in einem anderen Beitrag.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ich brauche neue Brille

Heute hatten wir einen Termin beim Bürgeramt. Es ging darum, unsere Ehe endlich in Deutschland bei den Behörden anzumelden, denn bis heute waren wir noch nicht dazu gekommen.

Ich wollte es schon seit unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise gemacht haben. Ich habe den Ehemann darum gebeten, nachzuschauen, was wir dafür machen müssten. Als Deutscher sollte er es einfacher haben, das ganze Behördendeutsch auf den Seiten der Stadt zu verstehen. Er hat uns einen Termin beim Standesamt vereinbart. Als wir dort in Juli waren, wurde uns belehrt, dass wir eigentlich zum Bürgeramt gehen sollten.

Einen Termin habe ich uns selber ausgesucht. Es geht online ziemlich gut, wenn man weiß, welchen Service man braucht. Es war aus den Seiten der Stadt nicht klar, daher habe ich die Hotline angerufen und erfahren, dass wir ganz einfach einen Termin für eine Meldung beim Bürgeramt machen sollen. Den Termin habe ich Mitte Juli vereinbart. Da die Ämter in Berlin immer überlastet sind, war er erst für Mitte Oktober geplant.

Ich habe zwischendurch immer wieder geschaut, ob Termine vorher frei wurden. Es ist unglaublich, wie schnell verfügbare Termine auf dem Buchungssystem der Stadt kommen und gehen. Kaum ist ein freier Termin ausgewählt, dass er schon beim Bestätigen von jemandem anders gebucht wurde. Irgendwann hatte ich Glück, und habe den Termin auf heute verschieben können. Es ist egal, in welchem Bezirk man den Termin bekommt. Es wurde Lichtenrade. Ich kenne mich dort nicht aus.

Wir konnten uns beide von der Arbeit befreien. Nicht ganz. Der Ehemann ist morgens ganz früh zur Arbeit gefahren und mit dem Auto von dort direkt zum Bürgeramt gekommen. Ich habe zu Hause an meinem DFG-Antrag gearbeitet und wollte mit ÖPNV fahren. Es war nicht schwer, zuerst mit der Linie X11 zur S-Bahn Buckower Chaussee, und dann mit der S2 nach Lichtenrade.

Ich kam überpünktlich an der Haltestelle an. Die X11 war aber verspätet. Nicht so schlimm, ich hatte genug Umsteigezeit für die S-Bahn. Nach fünf Minuten Verspätung habe ich einen Doppeldecker aus der Entfernung kommen gesehen. Die Nummer sah wie X11 aus. Der Bus konnte nicht direkt vor der Haltestelle halten, weil davor Autos an der roten Ampel standen. Der Fahrer hat weiter weg angehalten und die Türe geöffnet. Ich bin eingestiegen.

An der Ampel hätten wir rechts abbiegen sollen. Wenn ich in der X11 eingestiegen wäre. Es war die 101, und es ist mir erst klar geworden, als ich mit einem sinkenden Gefühl im Magen gesehen habe, wie wir gerade aus gefahren sind. Mist, Mist und noch mal Mist. Ich habe aus der Ferne 101 für X11 gehalten, und nicht mehr geprüft, als ich eingestiegen bin. Bei der nächsten Haltestelle war ich fast zurück zu Hause. Mit der X11 zu fahren würde jetzt nicht mehr klappen. Ich hatte zum Glück geplant, zwanzig Minuten vor dem Termin anzukommen, also war ich noch entspannt. Ich habe beschlossen, bis Rathaus Steglitz zu fahren. Dafür musste ich die 101 verlassen und auf die M48 warten.

Und dann? Mit der S1 nach Schöneberg, und mit der Ringbahn nach Südkreuz, und mit der S2 nach Lichtenrade? Ich habe den DB-Navigator gefragt, und er meinte, am besten wäre es, mit einem anderen Bus zur S-Bahn Station Priesterweg zu fahren, wo ich in die S2 einsteigen könnte. Gut. Die Haltestellen um Rathaus Steglitz sind aber weit gestreut, und ich wusste nicht, wohin ich musste. Ich bin rum gerannt, nur um den Bus an mir vorbei fahren zu sehen. Die M48 war zu spät angekommen, die 170 war dafür pünktlich. Mist. Jetzt war ich wirklich zu spät.

Auf der anderen Seite der Straße war der Taxistand. Ich bin mit dem Taxi gefahren. Der Spaß hat 25€ gekostet, aber ich habe den lange genug geplanten Termin nicht verpasst.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Bösartige Oma

Heute Morgen, auf dem Weg zur Radiologie-Praxis. Ich fahre mit dem Bus. Der ist ein bisschen verspätet angekommen, aber die Fahrt dauert nicht mal fünf Minuten.

Ich habe vorne links einen Platz gefunden. Ein Sitzplatz für Behinderte. Das bin ich momentan wohl. Ganz vorne sitzt eine Oma und hält sich mit der linken Hand an der Haltestange fest. Hinter mir, oder besser gesagt rechts von mir (der Sitzplatz ist mit dem Rücken zum Fenster gebaut) ist der Raum für Rollstühle und Kinderwagen. Ein Kinderwagen mit einem Kleinkind steht da, die Mutter sitzt direkt nebenan.

Wir sind gleich bei meiner Haltestelle. Einige Leute fangen schon an, aufzustehen. Die Mutter auch. Wir müssen nur noch über die Kreuzung. Die Kreuzung ist viel befahren. Wir fahren durch, und plötzlich muss der Fahrer mitten in der Kreuzung eine Vollbremse machen. Ich vermute, dass jemand die rote Ampel ignoriert hat. Von meinem Sitzplatz aus sehe ich nichts vom Verkehr. Die Vollbremse ist heftig. Und der Kinderwagen kippt. Die Mutter kann nicht so schnell reagieren, um den Wagen zu halten. Ich erst recht nicht. Erstens bin ich verletzt, zweitens passiert es zu weit weg von mir. Der Kinderwagen landet am Boden. Das Kind schlägt den Boden mit der linken Schläfe und fängt natürlich an, zu schreien.

Der Busfahrer hält mitten in der Kreuzung. Er steht auf und schaut nach dem Kind. Fragt die Mutter, ob sie Hilfe braucht. Der Kinderwagen wird wieder aufrecht gebracht. Das Kind hört auf zu weinen und hält sich ganz still die Schläfe. Kein gutes Zeichen.

Und die Oma vorne lacht. Sie freut sich darüber, dass die Mutter das Unglück nicht verhindern konnte. „Da hat die Mutter den Wagen nicht fest gehalten,“ sagt sie leise vor sich hin, und lacht nochmal.

Kann man wirklich so grausam sein, oder ist es ein Zeichen von Senilität?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Unangenehmer Tag

Angefangen hat er gut. Ich habe die Nacht durchgeschlafen, auch wenn ich vor dem Wecker um halb sieben aufgewacht bin. Die Waage hat mich bis jetzt noch nicht enttäuscht und zeigt immer kleiner werdende Zahlen.

Ich habe zum Frühstück den Chiasamen-Pudding gegessen. Nicht mein Ding. Eine feste Gelee-Konsistenz hatte es doch nicht. Die Samen waren gestern einfach so geschwollen, dass sie eine kompakte Masse gebildet haben. Es war glibberig und hat mir nicht geschmeckt. Ich höre hier mit solchen Experimenten auf. Die mit Haselnussmilch über Nacht eingeweichten Haferflocken gefallen mir sehr gut, noch besser als mit Mandelmilch, ich bleibe dabei. Heute Mittag habe ich mit den Kollegen gegessen. Es gab Zanderfilet mit Kartoffeln und Möhren. Super gesund, dachte ich. Leider war alles in Öl ertränkt.

Ich war heute Morgen mit der Idee aufgestanden, nach der Arbeit zu joggen. Ich war die ganze Woche nicht sportlich. Gut, am Dienstag bin ich Fahrrad gefahren. Es war aber keine so lange Strecke wie zwischen Arbeit und zuhause. Am Montag und gestern kam es nicht in Frage, weil ich es wegen Schlafmangel für zu gefährlich gehalten habe.

Um besser zu joggen, wollte ich mir eine Pulsuhr besorgen. Daher habe ich um halb fünf die Arbeit verlassen. Es gibt ein Einkaufzentrum auf der S-Bahn-Strecke, das ein Sportladen hat. Es hat leider nicht geklappt. Als ich an der S-Bahn-Station angekommen bin, hieß es, aufgrund eines Feuerwehreinsatzes zwei Stationen weiter wäre der Zugverkehr unregelmäßig. Er war so unregelmäßig, dass gar kein Zug fuhr, wie wir wenig Zeit später erfahren haben.

Ich habe also beschlossen, mit dem Bus zu fahren. Wie viele andere. An den Kreuzungen kamen mir alle Ampelphasen extrem langsam vor. Den Bus habe ich verpasst. Der nächste kam zehn Minuten später. Voll. Ich bin bis zur U-Bahn gefahren. Dort war auch der Zugverkehr unregelmäßig. Wir haben ewig am Gleis gewartet. Aber wie es so schön auf der Seite der BVG hieß: „Derzeit fließt der Verkehr der BVG weitgehend ohne Störungen“. Als ich danach umgestiegen bin, war mein nächste Bus in zehn Minuten angekündigt. Es wurden fünfzehn Minuten. Weiter hinter mir haben zwei Typen angefangen, sich zu prügeln. Warum, keine Ahnung. Ich habe Schreie gehört und mich umgedreht. Ein Typ war am Boden, ein anderer über ihn gebeugt und hat ihn heftig getreten. Leute sind zum Glück schnell gekommen, um sie zu trennen.

Als mein Bus kam, waren zwei Busse der Linie hintereinander. Der erste war klein und voll, der zweite war ein Doppeldecker. Alle Leute sind zum ersten Bus gegangen. Ich bin in den zweiten eingestiegen. Die Fahrt war anstrengend. Irgendwann hat ein Baby unten minutenlang lauthals gebrüllt. Dann wurde es still. Ich nehme an, die Mutter hatte ihm etwas zu essen gegeben. Und was ich kurz danach gehört habe, hat mich völlig entsetzt: Der Busfahrer musste eine Durchsage machen, weil essen im Bus verboten ist. Es ist doch etwas ganz anderes, ob ein Baby die Flasche bekommt oder jemand ein Döner im Bus verspeist.

Als ich ausgestiegen bin, war es schon halb sieben. Ich habe zwei Stunden zwischen Feierabend und zu Hause gebraucht. Hätte ich doch das Fahrrad mitgenommen, statt joggen zu wollen… Andererseits waren auf der ganzen Fahrt unglaublich viele Feuerwehr- und Krankenwagen unterwegs. Wegen der Halbfinale? Es war vielleicht kein guter Tag, um Fahrrad zu fahren.

Ach, übrigens, ich freue mich, dass ich heute Nacht in Ruhe schlafen werde, ohne von Böllern und hupenden Autos gestört zu werden. Yeah!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Im Bus

In letzter Zeit fahre ich gerne mit dem Bus abends nach Hause. Mit der S-Bahn brauche ich von Tür zu Tür eine Stunde. Mit dem Bus noch länger. Der erste Bus fährt in zehn Minuten zu einer U-Bahn Station, dann nehme ich fünf Minuten die U-Bahn, dann noch mal vierzig Minuten mit dem nächsten Bus nach Hause. Plus insgesamt eine Viertelstunde zu Fuß. Die Umsteigezeiten sind auf dem Weg nach Hause sehr kurz. Wenn ich in die U-Bahn an der Zugspitze einsteige, kriege ich meistens beim schnellen Laufen noch den Bus, der gerade ankommt. Auf dem Weg zur Arbeit nehme ich noch lieber die S-Bahn, weil der letzte Bus der Strecke morgens im zwanzig-Minuten-Takt fährt und man sieht ihn immer losfahren, wenn man gerade auf der anderen Seite der Kreuzung aus der U-Bahn kommt.

Warum ich lieber länger aber mit dem Bus fahre hängt schon damit zusammen, wie mulmig ich mich fühle, wenn ich mit der S-Bahn fahre. Angenommen, jemand hätte vor, sich in Verkehrsmitteln sprengen zu lassen, würde sich diese Person sicherlich die S-Bahn aussuchen. Die Ringbahn, die an vielen wichtigen Verkehrsknoten fährt und die ich sonst schon morgens benutzen muss. Oder die U-Bahn, mitten in der Stadt. Meine U-Bahn-Strecke ist dagegen ziemlich weit weg außerhalb vom Ring, und immer mindestens zu dreiviertel leer, da würde es sich nicht lohnen. Also halbiere ich die Wahrscheinlichkeit, etwas so Schlimmes zu erleben, indem ich abends nicht die S-Bahn benutze.

Außerdem sind meistens für die lange Busfahrt Doppeldecker im Einsatz. Und von der U-Bahn-Station aus sind die Plätze oben vorne nie besetzt. Ich finde es toll, dort zu sitzen und vom Leben draußen auf der Fahrt viel mehr mitzubekommen, als in der S-Bahn. Häufig muss ich leider von oben beobachten, wie bestimmte Autofahrer sich wie die letzte Arschlöcher verhalten. In der S-Bahn ist die Außenwelt eher langweilig, dafür werden fast alle Sinne belästigt. Musikanten folgen einander, dann sind die Motz-Verkäufer dran, und die nasal monologierenden Obdachlosen, oder die, die einfach einen Knall haben, wie der Typ zwischen Hermannstraße und Südkreuz, der im Gang vor der Tür gebückt um sich selbst dreht und bellt, dabei nach Urin stinkend… Das alles kriegt man im Bus nicht.

So ganz rosig ist es im Bus aber auch nicht. Während der Osterferien waren keine Doppeldecker im Einsatz. Ich bin einmal in einen vollgepackten Bus eingestiegen und habe ganz hinten im Bus gesessen, wo es noch Sitzplätze gab. Meine Sitznachbarn haben aber so gestunken, dass ich eine Station später aussteigen musste und auf den nächsten Bus gewartet habe. Der war zum Glück nicht so voll. Gestern hatte ich oben im Doppeldecker als Mitreisender den ekligsten Typ überhaupt. Fünfundzwanzig Minuten lang ist er mitgefahren. Beim reinkommen hat man ihn schon sehr laut seinen Schleim hoch schnauben gehört. Das hat er fast die ganze Zeit gemacht. Zusätzlich hat er auch ständig in der Nase gebohrt und die Zunge dabei möglichst raus gestreckt, um sich seine Befunde in dem Mund zu stecken. Mein Akku war fast alle, aber eine Minute von seiner Show habe ich aufnehmen können. Ich filme sonst meine Mitreisende nie, aber der war so ein Sonderfall, und so offensichtlich, dass man es ihm nicht ernsthaft glauben würde, dass er dadurch keine Aufmerksamkeit haben will. Ich ringe mit mir, ob es auf YouTube landen soll.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.