Am letzten Montag

Heute war der erste Arbeitstag des Jahres. Es war kalt und teilweise recht glatt auf den Gehwegen. Für mich jedenfalls. An Glätte werde ich mich wohl nie gewöhnen können.

Letzter Montag war besser. Ich habe den Ehemann zurück zum Flughafen in Nizza begleitet, und bin entlang der Prom‘ spazieren gegangen. Ich hatte mir mehr Urlaub genommen, um bei meinen Eltern länger zu bleiben. Vor allem bei meiner Mutter, die momentan eine schwere Zeit wegen eines schlimmen Bandscheibenvorfalls erlebt.

Das Wetter war traumhaft. Strahlende Sonne, blauer Himmel, und über 15 Grad. Man sieht, dass es Winter ist, weil der großer Weihnachtsmann gegenüber vom Hôpital Lenval steht – ein Kinderkrankenhaus. Die Einheimischen waren alle mit dicken Daunenjacken unterwegs. Nur die gelegentlichen Sportler trugen leichte Bekleidung. Angefangen habe ich mit Mantel, leichter Strickjacke, Bluse und Spaghetti-Top. Mir wurde beim Gehen immer wärmer, und am Ende hatte ich nur den Spaghetti-Top an behalten. Auf dem Schattenbild auf der Place Masséna mit frischer neuer Frisur, vorne kürzer und wilder. Früher, als ich noch hier wohnte, hätte ich nie daran gedacht, im Winter mit nackigen Armen zu spazieren. Ich habe mich an die Kälte gewöhnt.

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Eine positive Entwicklung in Nizza ist, dass es viel mehr Radwege gibt. An der Prom‘. Ich glaube, weiter nördlich dürfte es immer noch so umständlich sein. Obwohl, in vielen Straßen kann man nicht mehr rechts und links am Rand parken. Das Risiko, von unaufmerksamen Autopassagieren eine Tür ins Fahrrad geknallt zu bekommen ist gesunken. Die Stadt will weniger Autos fahren sehen. Seit der Einführung der Tram gibt es sogar große Parkplätze, wo man für 2€ am Tag parken kann und mit dem Ticket überall mit ÖPNV fahren darf. Und Stationen mit blauen Leihfahrrädern sieht man recht häufig. Die Fahrräder sind leider leicht zu klauen, weil mein Bruder meinte, ein LKW auf dem Weg nach Nordafrika wäre vor Kurzem mit einer voller Ladung davon noch rechtzeitig entdeckt.

Wie immer wenn ich zurück in der Heimat bin, spiele ich mit dem Gedanke, mich wieder hier niederzulassen. Aber. Das Leben in Frankreich ist teuer. Umso mehr in Südfrankreich. Wohnungen kann man sich kaum leisten. Und dreckig ist es. Überall Hundekacke. Selbst in der Unterführung zu den weiteren Gleisen am Hauptbahnhof von Nizza. Im Sommer ist der Gestank furchtbar. Und die Leute fahren Auto wie Bescheuerte. Kaum waren wir bei unserer Ankunft aus dem Flughafen raus und auf der Autobahn, dass wir fast in einem Unfall verwickelt worden wären. Rechts von einem rasenden Auto überholt, das sich dann ganz links eingeordnet hat, um plötzlich hinter einem normal fahrenden Auto eine Vollbremse zu machen. Hinter ihm kann noch so ein Raser, der auch voll bremsen musste. Stresslevel 100%.

Aber die Leute sind sonst super freundlich, das fehlt mir in Deutschland. Sie gehen auf Fremden zu und reden gerne mit ihnen. So habe ich zum Beispiel meine Sitznachbarin im Flugzeug am Samstag kennen gelernt. Sie wusste nicht wohin sie gehen sollte, nach dem Sicherheitscheck. Der Flughafen ist vor Kurzem völlig umstrukturiert worden. Nachdem ich ihr den Weg geschildert habe, haben wir ganz natürlich weiter geredet. Da wir beide zu früh waren, haben wir einen Kaffee zusammen getrunken. Über unsere Reiseziele diskutiert. Sie wollte nach Málaga in den Urlaub fliegen. Über Zürich, wie ich. Der Mann am Tisch hinter uns, auch ein Franzose, ist dann zu uns gekommen, weil er sich in Málaga eine Wohnung gekauft hat. Es ist ja „so kalt“ im Winter in Südfrankreich, da muss man in den Süden 😀 Er hat uns viele interessante Sachen über die Stadt erzählt. Solche Begegnungen macht man in Frankreich häufig. Am Tag davor im Zug habe ich mich mit meiner Nachbarin auch sehr freundlich unterhalten. In Deutschland wirken die Leute eher misstrauisch, wenn man als Fremder mit ihnen redet.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Noël à Nice

Wir haben den Weihnachtsmarkt in Nizza am Sonntag besucht — am letzten Tag. Nachdem wir Sylvester mit meiner Mami gemütlich zu Hause verbracht haben, ohne Böller (die sind sowieso in Frankreich verboten), sind wir am nächsten Tag mit meinem Bruder und seiner Freundin nach Nizza gefahren.

Weihnachtsmarkt nach Weihnachten. Ich war ewig nicht mehr dort gewesen. Als Kind waren wir jedes Jahr zu zweit mit meinem Vater auf dem Weihnachtsmarkt in Nizza gewesen. Mein Patenonkel hatte mich sogar im Riesenrad begleitet. Dasselbe Rad, das jedes Jahr aufgebaut wird.

Der Zugang zum Jardin Albert 1er, wo viele Hütten stehen, wird aus Sicherheitsgründen streng überwacht. Zuerst Handtaschenkontrolle, dann durch ein Tor wie am Flughafen gehen. Drin drehen bewaffnete Polizisten in Gruppen Runden. Es scheint die Stimmung der Besucher nicht zu beeinflussen. Ich habe mich sogar über die Bewachung gefreut.

Nach einer Runde im Riesenrad und einem Spaziergang durch die Hütten haben wir die beleuchteten Brunnen bewundert und eine Socca gegessen. Glühwein gab es auch, aber bei den milden Temperaturen hatten wir keine Lust dazu.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Schon wieder ein sinnloser Akt

Wir lesen ständig solche schreckliche Nachrichten. Diese trifft mich besonders, da ich von dort komme. Quasi. Meine Eltern haben sich in Nizza kennen gelernt. Sie sind als Kinder im gleichen Hochhaus groß geworden. Viele meiner Verwandte leben dort. Und ich habe dort studiert.

Hier ist ein friedlicheres Bild der Prom‘. Mit den blauen Stühlen.

La_Prom

Ich bin wenigstens erleichtert, meine Familie in Nizza wohlauf zu wissen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.