Polyester ist schuld

Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass ich daran allergisch bin. Oder an einem Weichmacher, der mit Polyester verwendet wird.

Bei meinem ersten Hautausschlag hatte ich den Verdacht, dass es einen Zusammenhang mit dem Meeting gab, das ich eine Woche davor besucht hatte. Ich hatte es dem Dermatologen erwähnt, aber er hatte meine Bedenken mit einem Schulterzucken beiseite geschoben. Ich dachte ja, dass ich vielleicht in Kontakt mit jemandem gekommen war, der eine ansteckende Hautkrankheit hatte. Obwohl es anscheinend stimmt, dass es mit dem Meeting zu tun hatte, so einfach war es doch nicht.

Die Creme, die ich zum drauf schmieren bekommen hatte, hatte wunderbar geholfen. Innerhalb zwei Tage waren die betroffenen Hautpartien schon geheilt. Es hat leider ab und zu wieder angefangen. Ich konnte lange keine Ursache dafür finden. Beim Urlaub in Juli ist es wieder stark aufgetreten und ging nicht mehr weg, trotz Anwendung der Creme, die ich mitgenommen hatte. Es machte das Tragen von meinem Rucksack unerträglich, vor allem danach in Spanien. Nach dem Urlaub habe ich deswegen angefangen, den Rucksack im Fahrradkorb zu transportieren, statt auf dem Rücken. Und meiner Haut ging es wieder gut.

Meinen Rucksack habe ich seit einem Jahr. Ich habe ihn nach meinem Fahrradunfall mit der Straßenbahnschiene gekauft. Es war damals nicht mehr warm genug, um ohne Jacke unterwegs zu sein. Ich habe erst seit dem Frühling angefangen, den Rucksack direkt auf der Haut zu tragen, als die Temperaturen wieder angenehm wurden. Und obwohl ich am Anfang keinen Zusammenhang gesehen habe, verursacht mein Rucksack diese Hautausschläge. Genauer gesagt, die Träger. Die sind ganz schön weich und flexibel. Ehrlich gesagt fand ich das Gefühl mit den Fingern beim Kauf komisch, habe mir aber eingeredet, dass es nichts Schlimmes sein könnte, weil es sonst nicht zum Verkauf zugelassen wäre. Tja. Ich vermeide es jetzt, ihn in Kontakt mit der Haut zu tragen. Es geht wieder.

Allein ist der Rucksack nicht schuld, deswegen bin ich nicht sofort auf die Idee gekommen. Beim Meeting in März hatte ich noch meinen dünnen schwarzen Mantel mit. Was ich aber hatte, war ein neues Band, um meinen Namensschild um den Hals zu tragen. Die Veranstalter vom Meeting hatten diese Halsbänder von einem Sponsor bekommen, bei dem ich mich übrigens auch mal beworben hatte. Da der heftige darauf folgende Hautausschlag den ganzen Oberkörper betroffen hat, habe ich zuerst nicht gedacht, dass das Halsband der Auslöser war. Der Hautausschlag kam auch nicht sofort, sondern nach einigen Tagen. Nun, ein ähnliches Band habe ich auch bei der Arbeit, um meinen Pass zu tragen. Nachdem ich vor kurzem, endlich wieder völlig frei von Beschwerden, nach drei Wochen Urlaub zurück zur Arbeit gekommen bin, habe ich das Band wieder getragen. Gleich kamen erneut rote juckende Stellen am Hals, gefolgt von Juckreiz im Rücken, an der gleichen Stelle wie in März. Ich trage jetzt das Band gar nicht mehr.

Und nachdem ich geprüft habe, aus welchem Material der Rucksack und das Band bestehen, weiß ich, dass ich eine Allergie zum Polyester entwickelt habe. Oder zu einem Weichmacher vom Polyester. Da das Band vom Meeting ganz neu war, kann es sein, dass es noch eine hohe Konzentration von Weichmachern hatte, die den plötzlichen Ausschlag gegeben haben. Ich hatte bis jetzt nie wirklich darauf geachtet, aus welchem Material meine Kleider gemacht werden. Es wird sich nun ändern müssen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Nesselsucht

Ich bin gestern Nachmittag wieder zum Fitness-Studio gegangen. Mein Ischias war nicht so auffällig wie sonst. Vorsichtshalber habe ich mein Ausdauertraining auf dem Liegefahrrad gemacht und nicht auf dem Cross-Trainer. Als ich nach dem Aufwärmen mein Muskel-Training angefangen habe, habe ich auf einmal Juckreiz auf der Haut im Inneren meines linken Ellbogengelenks. Und ja, ich habe wieder diese rötlichen Erhebungen bekommen. Weil ich inzwischen daran gewöhnt bin, habe ich mich gezwungen, es zu ignorieren, und nach 20mn war es wie immer wieder weg.

Diese Hautreaktionen haben vor etwa zehn Jahren angefangen. Ich war damals noch Doktorandin und ging häufig zum Schwimmbad. Eines Tages habe ich im Wasser ein komisches Gefühl auf der gleichen Hautstelle bekommen. Besorgt bin ich aus dem Wasser gekommen und habe den Bademeister gefragt, was das war. Seine Reaktion war aber völlig unangemessen. Ich wollte schließlich wissen, ob er das schon mal gesehen hatte und einen Namen dafür kannte, stattdessen hat er mich nach meiner Eintrittskarte gefragt und etwas wie „Gutschein für einen freien Eintritt“ geschrieben. Als ich vom Schwimmbad weg gegangen bin, war die Hautreaktion schon geschwächt, und zu Hause war sie völlig verschwunden.

Gerne hätte ich einen Arzt danach gefragt, aber diese Reaktion ist für mich unberechenbar und verschwindet immer so schnell, dass ich es nie machen konnte. Das Blöde ist, ich kann nicht erkennen, woran es liegt. Es ist egal, ob ich im Wasser beim Schwimmbad bin, Sport mache oder zu Hause sitze, Pullis mit langen Ärmeln oder gar nichts auf der Stelle trage, die juckenden rötlichen Erhebungen tauchen auf und verschwinden, immer auf der gleichen Stelle, aber nie vorhersehbar. Ein einziges Mal hat sich die Reaktion bis zu meinem Handgelenk verbreitet. Seit zehn Jahren passiert es ab und zu, die Jahreszeit zeigt auch keine Korrelation mit dem Erscheinen. Als Allergie kann ich es also nicht bezeichnen, weil es unter so vielen verschiedenen Umständen plötzlich auftauchen kann. Und all dieser Zeit wusste ich nicht mal, was ich habe.

Gestern ist diese Reaktion im Fitness-Studio passiert. Ich saß ruhig auf einem Gerät und machte gerade fleißig meine Übungen für die Abduktoren. Ich trug sonst ein Shirt mit kurzen Ärmeln, also war die Haut eigentlich frei. Und plötzlich ist wie aus dem nichts ein Satz in meinem Kopf aufgetaucht, in meiner Muttersprache: „Tu fais de l‘urticaire“. Ich kannte das Wort „urticaire“, aber ich wusste sonst nicht, was das ist. Nach dem Sport, als die Hautreaktion wieder verschwunden war, habe ich also auf Wikipedia nach dem Wort gesucht. Und Bingo, das sieht genau so aus, wie was ich habe. Auf Deutsch: Nesselsucht. Schon komisch, wie mir Gedanke manchmal durch den Kopf gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.