Der Narzisst

Mr Keen ist ein Narzisst. Seitdem ich dieses Video entdeckt habe, dank Carrie, bin ich fest davon überzeugt. Und habe verstanden, was ein Narzisst ist. Hier folgen ein Paar Punkte, bei denen ich Mr Keen in unzähligen Situationen im Video bildlich vor den Augen bekommen habe.

„Der Narzisst[1] befreit sich und sagt, ich gehe jetzt weg, ich ignoriere dich jetzt. […] Narzissten sind verletzte Kinder.“ Ja. Sein kindliches Verhalten beobachte ich immer wieder, wenn er sich als Opfer fühlt, weil er beleidigt wurde oder nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat oder was weiß ich. Er geht an einem vorbei, ist plötzlich an Leute sehr interessiert, mit denen er sich sonst kaum unterhält, dreht einem dabei demonstrativ den Rücken zu und tut, als ob man nicht existieren würde. Ich habe häufig gedacht, genau so hatte sich meine Katze verhalten, wenn ihr irgendwas nicht gepasst hatte[2]. Merkt er gar nicht, wie lächerlich seine Reaktion ankommt? Nein. Er wendet anscheinend ein Muster an, das er seit der Kindheit kennt, weil er vermutlich in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen ist. Das macht ihn jedoch nicht sympathischer.

„Der Narzisst manipuliert seinen Umfeld“. Dabei habe ich zum ersten Mal im Video den Begriff flying monkeys gehört, der offenbar nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Ich musste an die Geschichte denken, als Mr Keen seine eigene Frau[3] als flying monkey benutzt hat, damit sie die Frau von Pawel (zu Hause mit einem frischen Säugling) anruft, um ihr zu sagen, wie verdächtig häufig Pawel alleine mit Kate Kaffeepausen macht… Weil sich Mr Keen dadurch vernachlässigt fühlte. Krank ist das, echt.

„Der Narzisst lässt dich verrückt erscheinen“. Oder lässt dich schlecht aussehen. Zusammen mit dem letzten Punkt: Die Manipulation vom Umfeld, damit du Opfer als Täter erscheinst. Das hat er bei Kate versucht, nachdem sie unsere Gruppe verlassen hat. Vor einer Woche hat ein Kollege einen runden Geburtstag gefeiert und die ganze Gruppe eingeladen. Kate hatte zugestimmt, bevor sie von ihrem Glück mit dem neuen Job erfahren hatte. Mr Keen war, was mir nicht bewusst war, für die Organisation von einem Geschenk für den Kollegen zuständig. Ich hatte von meinem IT-Kollegen ganz kurzfristig vom Geschenk erfahren und dachte, er würde sich darum kümmern. Kate war jedenfalls nicht mehr da und wusste nichts davon. Nach der Feier ist Mr Keen durch die Büros gegangen, um Geld zu sammeln. In meinem Büro, wo auch unser HiWi sitzt, hat er gefragt, ob Kate denn beigetragen hätte. Sie hätte ja die Karte bei der Feier unterschrieben. Keine Ahnung, war meine Antwort. Ich organisiere das Geschenk nicht, er müsste es doch selber wissen. Na ja, nachdem Kate endlich sein wahres Ich erkannt hat, hat er sie völlig ignoriert. Mit ihr hat er nicht mehr geredet und nicht mal reagiert, wenn wir mit den anderen Kollegen in seinem Büro über ein Abschiedsgeschenk für sie diskutiert hatten. Also hat er sie gar nicht gefragt, hat aber angefangen ganz laut zu erzählen, dass sie so ein Miststück wäre, weil sie kein Geld für das Geschenk zahlen wollte (kurz zusammen gefasst). Das habe ich natürlich laut widersprochen, bis er aufgehört hat, über sie zu lästern, und habe dem Studenten erklärt, dass Mr Keen immer ganz schnell dabei ist, andere unberechtigterweise zu beschuldigen. Die Nachricht muss bei Mr Keen angekommen sein, er ignoriert mich seitdem.

Dass er immer wieder versucht, die Gruppe zu manipulieren, habe ich mehrmals beobachtet. Einmal, als Winfried unterwegs war und Mr Keen die Leitung vom Gruppenmeeting überlassen hatte… Ich hatte die Woche davor Rufbereitschaft. Normalerweise ist der Sonntag entspannt. Keine Nutzer an den Geräten[4], es kann nichts schief gehen. Denkste. Als ich am Samstag die Nutzer für den Tag eingewiesen hatte, habe ich erfahren, dass Winfried jemandem ausnahmsweise versprochen hatte, am Sonntag unsere Geräte benutzen zu dürfen. Ich habe an meinem Plan von einer Wanderung nichts geändert und dem Nutzer (nennen wir ihn Walter) gesagt, da ich nicht informiert wurde, könnte ich bei Problemen nicht sofort helfen, da ich am Sonntag unterwegs war. Alles klar. Ich bin an dem Tag dreimal angerufen worden. Es waren sehr einfache Probleme, die kurz am Telefon zu lösen waren. Ich habe es am Montag im Meeting erwähnt, weil es technische Probleme waren, die sich meine Kollegen anschauen sollten. Die Reaktion von Mr Keen war äußerst merkwürdig. Wie konnte es Winfried wagen, mir den Sonntag zu verderben, indem er unerfahrene Nutzer arbeiten läßt? Man kann doch nicht erwarten, dass wir auch am Sonntag Rufbereitschaft leisten sollen! Was für ein Stress ich doch hatte! Huch, habe ich mir zuerst gedacht. Mr Keen sorgt sich plötzlich um mein Wohlbefinden? Natürlich nicht. Er hat sich nur vorgestellt, wie es ihm gegangen wäre, wäre er statt ich dran gewesen[5]. Und er war schon dabei, die Gruppe zum Aufruhr anzustiften: Wir müssten Winfried sagen, so geht es nicht, und uns weigern, den Nutzern zu helfen, wenn wir schon so eine harte Woche hinter uns haben. Sein Plan ist nicht aufgegangen. Wir können den Nutzern, dank denen übrigens unsere Gruppe überhaupt noch existiert, nicht vorwerfen, dass wir Probleme hatten, bevor sie zu ihrer gebuchten Messzeit kommen. Information von Winfried hätte ich mir gewünscht, sonst nichts. Schließlich werden wir für Rufbereitschaft extra bezahlt, auch am Sonntag.

Das letzte Beispiel war, als der Nachfolger von Kate bekannt gegeben wurde: eben der Walter von vorhin, ein fast fertiger Doktorand aus einer Gruppe, mit der wir viel Kontakt haben. Der Vorteil: Er hat in seiner Arbeit die Methode von Kate angewendet, kann sie mit wenig Einarbeitung weiter entwickeln, und hat auch unsere Geräte schon benutzt. Mr Keen mag ihn aber nicht. Walter wäre nicht respektvoll. Obwohl er „nur“ Doktorand ist, würde er sich als Besserwisser verhalten und seinen Platz nicht kennen. Die Realität: Walter ist jemand, der genau wissen will, wie unsere Geräte funktionieren, und lieber tausendmal nachfragt, als Fehler zu machen, wenn er danach auf sich selbst gestellt ist. Dabei passiert es, dass er Fragen stellt, die auf Schwächen von unseren Geräten hinweisen. Sie sind ja nicht perfekt. Und das ist es, was Mr Keen stört, da er sich um die Entwicklung der Geräte kümmert. Scheinbare Kritik, auch wenn sie keine ist, kratzt an seinem Ego[6]. Also hat er versucht, als wir nur zu zweit zum Büro unterwegs waren, mir die übelsten Geschichten über Walter zu erzählen. Zum Beispiel, Walter wäre jemand, der ständig heimlich über Anderen schlecht reden würde. Ach ja? Das kann man wohl eher von Mr Keen sagen. Der Chef von Walter persönlich soll es noch Mr Keen und Winfried erzählt haben. Nee, so ein Verhalten können wir in der Gruppe echt nicht gebrauchen, habe ich Mr Keen gesagt. Ich meinte dabei Mr Keen. Das Lästern ist ein absolutes No-Go. Wenn er ein persönliches Problem mit Walter hat, soll er mit Winfried darüber reden, nicht mit mir. Wenig später habe ich erfahren, dass Tomasz sich dasselbe über Walter in einem „vertraulichen Gespräch“ mit Mr Keen anhören musste. Weil Tomasz durch das Gespräch verunsichert wurde und Kate gefragt hat, ob es stimmt. Nein, stimmt es nicht. Kate hat mich deswegen gefragt, ob Mr Keen auch bei mir über Walter gelästert hätte. Ja, hat er. Sein Versuch ist gescheitert. Walter kommt zur Gruppe[7].

Es gäbe noch viel zu erzählen. Vielleicht ein anderes Mal.

[1] Oder die Narzisstin, Frauen sind davon nicht befreit.

[2] Ach du Scheiße. Jetzt wird es mir klar. Katzen sind alle narzisstische Wesen.

[3] Ich kann immer noch nicht glauben, dass er eine freiwillige Frau zum Heiraten finden konnte.

[4] Das kommt noch, aber jetzt bin ich raus.

[5] Kommentar vom 04.11.2018: Eigentlich steckte noch mehr dahinter: Mr Keen konnte Walter schlicht nicht ertragen, wie weiter im Text erklärt wird.

[6] Und wir sollten die Logbücher unserer Geräte vertuschen, weil unsere Nutzer sie auch lesen und drin schreiben. Selbst wenn er es nicht so ausgedrückt hat, hat er es in einem Gruppenmeeting ernsthaft vorgeschlagen. „Was für einen schlechten Eindruck machen wir bei den Nutzern, wenn sie sehen, welche Probleme auftreten? Wir als Team sollten doch nichts schlechtes in den Logbüchern schreiben.“ Ich sehe es im Gegenteil als meine Pflicht, unsere Nutzer darauf aufmerksam zu machen, wenn irgendwas nicht richtig funktioniert. Logbücher vertuschen? Das grenzt für mich an wissenschaftlichem Fehlverhalten. Winfried saß an dem Meeting nebenan mit glasigem Gesichtsausdruck und merkwürdigem Lächeln auf den Lippen und sagte dazu: Nichts. Manchmal frage ich mich, ob Mr Keen ihn nicht hypnotisiert hat.

[7] Kommentar vom 04.11.2018: Die Taktik hat nach hinten geschossen, weil die Kollegen untereinander auch diskutieren. Als ich die Gruppe verlassen habe, hat es langsam in den Köpfen der Kollegen durchgesickert, dass die Geschichten erfunden waren und bei Mr Keen „irgendwas nicht stimmt“.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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