Schnee!

Schnee

So sah der Boden vor unserer Haustür gestern Abend aus. Lustig, wie sich der Schnee hauptsächlich zwischen den Steinen hoch gestapelt hat.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Eindringlinge

Ich lag nachts wach im Bett. Alleine. Ich lag auf der linken Seite, neben dem Wecker. Es war sehr dunkel.

Aus dem Wohnzimmer hörte ich männliche Stimmen. Eine Art Verhör fand gerade statt. Ob ein der Männer mit den IS Terroristen zu tun hätte? Der befragte Mann gab keine Antwort. Ob er sich nicht vor Kurzem über die lustig gemacht hätte?

Ich bin ganz still im Bett geblieben und habe gehofft, unentdeckt zu werden. Ich habe zum Wecker geschaut, um die Uhrzeit festzustellen. Der Wecker war aus. Stromausfall?

Ich habe in die andere Richtung vom Schlafzimmer geschaut. Die Verbindungstür zum zentralen Flur war zum Glück geschlossen. Obwohl, eigentlich nicht. Schwer zu sagen, es war so dunkel. Ich habe gehört, wie die Katze hin und her durchs Wohnzimmer gegangen ist.

Und plötzlich stand eine schwarze Gestalt vor dem Bett, rechts von mir. Ich habe den Atem angehalten. Die Gestalt kam näher. Was, wenn ich entdeckt würde? Was, wenn der Mann sich neben mir hinlegen würde? Was sollte ich tun? Schreien? Aufstehen und angreifen? Alle Messer waren in der Küche…

Die dritte Lösung: Aufwachen. Ich lag im Bett, auf der rechten Seite, neben Martin. Es war sehr dunkel. Die Katze lag bei mir auf dem Bett neben meinen Füßen. Es war sonst niemand im Raum. Der Wecker zeigte 04:00.


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Nächtliches Bild

Licht

So schön rund und hell. Der Mond, der durch Baumblätter scheint? Nein, es wirkt zu homogen, die ganzen Oberflächenstrukturen fehlen doch. Und es wären sehr merkwürdige Blätter, die am Baum hängen würden.

Das Bild habe ich mit meinem Handy nachts aufgenommen. Allerdings nicht draußen, sondern in der Wohnung. Genauer gesagt im Gästebadezimmer. Es ist die Glühlampe oberhalb vom Spiegel. Wie man sieht fließt selbst im ausgeschalteten Zustand ein leichter Strom durch die Birne. Wir sollten eigentlich einen Elektriker fragen, sich das Problem anzuschauen, denn es kann schon gefährlich werden. Wir haben noch keine Zeit dafür gefunden. Die Blätter vorne stammen aus einer Deko-Kette, die Martin in seiner früheren Wohnung schon hatte. So was halte ich eher für überflüssig. Aber ohne sie wäre das Bild nicht so interessant geworden.


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Nachts unterwegs

Ich war nachts alleine in der Stadt zu Fuß unterwegs. Ich hatte gerade mit Leuten in einer Kneipe gegessen und bis spät getrunken. Es war um die zwei Uhr morgens. Den Weg nach Hause kannte ich nicht so gut. Ich war sehr müde. Ich habe kurz daran gedacht, einen Taxi zu bestellen. Ich habe beim Gehen die Augen kurz zu gemacht. Als ich sie wieder geöffnet habe, ging die Sonne gerade auf. Ich habe mich gefragt, was in der ganzen Zeit passiert war. Ich wusste nicht mehr, wo ich mich befand. Gegenüber von mir stand eine Kneipe, von einer Wiese mit vereinzelten Bäumen umgeben, und ich bin herein gegangen, um zu frühstücken und mich von meinem Schreck zu erholen.

Ich habe mir einen Tisch ausgewählt, wo auch ein schlecht angezogener Mann und eine Frau saßen. Ich habe weiße Bohnen in Tomatensauce gegessen. Der Mann hat angefangen mit mir zu reden, worüber, weiß ich nicht mehr. Nach einer Weile hat die Frau ebenfalls an unserem Gespräch teilgenommen. Weil wir uns so gut verstanden haben, habe ich drei kantenverknüpften Vierecke von meinem Gürtel gefeilt, die aus einem Muster von quadratisch angeordneten Gummispitzen bestanden (wie eine Fußmatte). Ich habe der Frau erzählt, dass ich in der Nacht beim Gehen durch die Stadt eingeschlafen war und beim Sonnenaufgang woanders aufgewacht war. Diese Vorstellung hat sie erschreckt.

An der Theke neben dem hinteren Ausgang standen Leute mit Kindern. Die Kinder haben mich böse angestarrt. Ich fand sie gruselig. Ihre Gesichter waren häßlich. Aus ihren kleinen Münden konnte ich scharfe Zahnenspitzen erahnen. Ich dachte, sie hatten etwas damit zu tun, wie ich nachts beim Gehen eingeschlafen bin.

Bevor ich irgendwas gegen sie unternehmen konnte, bin ich aufgewacht. Der Wind wehte heute Nacht so stark, er hat mich mehrmals aus dem Schlaf gerissen.


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Träume

Ich stand draußen in der Sonne und las ein Buch. Ich befand mich vor der Haustür meiner früheren Wohnung. Es war ganz schön warm, ich war völlig nackt. Niemand hat es am Anfang für komisch gehalten, ich auch nicht. Nach einiger Zeit haben Passanten mich angestarrt. Eine Frau mit Kindern meinte, sie würde die Polizei rufen. Ich habe nicht gewartet, dass die Polizei kommt, und bin die Treppe hoch zu meiner Wohnung unter dem Dach gelaufen. Die Treppe hat sich wie häufig in meinen Träumen nicht normal verhalten: Ich bin zur blanken Wand angekommen, der Gang mit der Tür zu meiner Wohnung hing hinter mir in der Luft. Und wie häufig in meinen Träumen musste ich über die Rampe der Treppe springen, um zu meinem Gang zu kommen. In der Wohnung habe ich meine Reflexion im Spiegel beobachtet und mich geschämt, so nackt draußen gestanden zu haben.

Szenenwechsel. Es war nachts, ich ging an einer ruhigen Straße entlang. Auf einer Bank unter einer Laterne saß Nathalie, eine ehemalige Schulfreundin, die ich seit dem Kindergarten kenne, mit jüngeren Leuten. Als ich vorbei ging, merkte ich Tränen auf ihrem Gesicht, obwohl sie gleichzeitig am Lächeln war. Ich habe sie gefragt, was los war, und sie hat mir ihren Fuß mit einem voll blutigen Pflaster an die große Zehe gezeigt. Ich habe ihr gesagt, so könnte sie hier nicht bleiben, sie sollte zu mir kommen, ihre Wunde waschen und ein neues Pflaster bekommen. Als ich sie fragte, wie sie die Wunde bekommen hatte, meinte sie, ihre Mutter hätte ihr gesagt, auf dieser Weise könnte man totgeborene Kinder wieder lebendig bekommen, und hat dabei ihren Bauch sanft gestreichelt. Ich habe die Wunde genauer betrachtet und habe gesehen, dass es ein sehr sauberer Schnitt um den Nagel herum war. Ich habe mich innerlich geärgert, dass sie einem solchen Unsinn Glauben schenkt und sich selber diese Wunde absichtlich gemacht hatte.


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Nächtliche Türklingeln

Heute bin ich um 04:20 aus dem Schlaf gerissen worden. Ich hörte meine Türklingel, die lange gedrückt wurde, und habe aus lauter Panik, noch im Bett liegend, auf einmal ein sehr hohes Puls bekommen. Was war los, warum klingelte jemand bei mir um die Uhrzeit? Aufstehen wollte ich nicht.

Meine Klingel ist laut, besonders nachtsüber. Alles um mich herum war noch still. Meine lauten Nachbarn aus dem Stadttheater, die ich am Abend noch gehört hatte, gaben keinen Ton von sich. Dabei sind sie schnell, sich zu beschweren, wenn kleinste Geräusche aus meiner Wohnung kommen, diese Heuchler. Die Studenten unter mir bewegten sich auch nicht. Alles blieb still. Hatte ich wirklich die Türklingel gehört? Doch, sonst wäre ich nicht so schlagartig aus meinem schon halb vergessenen unruhigen Traum aufgewacht, mit schnell schlagendem Herzen. Oder hatte ich die Türklingel geträumt? Das hat mich an etwas erinnert.

Vor acht Jahren habe ich kurzzeitig wieder bei meinen Eltern gewohnt. Ich war nach meiner Doktorarbeit in Deutschland erstmal arbeitslos, und als Studentin hatte ich unbewusst trotz langjährigem Arbeitsvertrag keine Arbeitslosenversicherung bezahlt, so dass ich mir sehr schnell keine Wohnung mehr leisten konnte[1]. Meine Eltern waren dabei, sich zu trennen, und da das Einfamilienhaus meistens leer blieb, habe ich es benutzt. Ich habe einige Wochen lang in diesem Haus sehr merkwürdige Träume bekommen. Ich befand mich nachts in einer Wüste neben einer dunklen Pyramide und hörte zu, wie (m)eine Stimme mir eine schreckliche Geschichte erzählen wollte, die mir als Kleinkind passiert wäre, und die ich total vergessen hätte. Sehr weit konnte die Stimme in der Geschichte nie kommen, da ich jedes Mal aufwachte: Ich hörte, wie jemand an der Haustür laut klopfte und nach meinem Namen rief. Manchmal hörte ich noch an der Tür klopfen, obwohl ich im Bett schon wach lag. Aber mir wurde danach immer klar, dass es wirklich niemanden an der Tür gab. Ich nahm an, das mein Unterbewusstsein – oder was auch immer – mich daran hindern wollte, mich an die Geschichte zu erinnern. Jede Nacht schaffte es die Stimme trotzdem, mir ein Stückchen weiter zu erzählen[2]. Eine Nacht sagte die Stimmte, „Dir ist als Kind etwas furchtbares geschehen, und dein Vater ist daran schuld. Er hat etwas ganz schlimmes getan.“ Nun, was, wollte ich nicht wissen, das habe ich der Stimme gesagt, und bin aufgewacht. Ich dachte, ich wäre langsam dabei, den Verstand zu verlieren. Was mir damals passierte, sagte mir mein Vater aber genau an dem gleichen Tag, mit dem Versprechen, es meiner Mutter nie zu erzählen. Sie spricht kein Deutsch, also los.

Ich war noch kein Jahr alt, als es passierte. Mein Vater war Besitzer von einer Werkstatt, wo er Autos und Motorräder reparierte. Er hatte zwei Kollegen, die in der Werkstatt auch arbeiteten. Eines Abends hatten sie Alkohol getrunken und angefangen, sich Gruselgeschichten zu erzählen. Einer sagte, er wüsste, wie man den Teufel beschwört, und fragte, ob sie es probieren wollten[3]. Natürlich, als Spaß sagten die betrunkenen Kumpel zu. Als sie nach Hause gingen, versprachen sie sich also, vor dem Einschlafen einen bestimmten Satz zu wiederholen, um den Teufel zu rufen. Mein Vater erzählte, wie er sich zum Schlafen hingelegt hatte, sich an die Geschichte seines Kumpels noch erinnerte, und ich plötzlich anfing unglaublich laut zu schreien, genau in dem Moment, als er gerade mit seiner „Beschwörung“ fertig war. Er sagte, nach einigen Stunden hätte ich immer noch nicht aufgehört zu weinen, und er sei mit meiner Mutter am frühen Morgen zum Krankenhaus gefahren. Dort bin ich untersucht worden, die Ärzte haben nicht besonderes gefunden. Ich habe zwei Tage im Krankenhaus mit meiner Mutter verbracht, ohne zu schlafen, und habe nur geschrien. Verzweifelt hat mein Vater dann eine Nachbarin besucht, die sich mit esoterischen Sachen beschäftigt, und hat ihr alles erzählt. Sie hat ihm ein bestimmtes Wasser zum Trinken gegeben und gesagt, er sollte einen ganzen Tag lang jede Stunde ein Gebet sagen. Das tat mein Vater, und er sagte, nach dem letzten Gebet wäre ich endlich ruhig geworden. Als er mit dem Erzählen fertig war, fragte mich mein Vater dann um Entschuldigung. Da ich mich an das Ganze gar nicht erinnern kann und nicht wirklich wusste, ob ich die Geschichte glauben sollte, habe ich ihm zur Beruhigung gesagt, klar, kein Problem. Ich habe gesehen, dass ihm eine große Last vom Herzen gefallen ist, aber die Geschichte kam mir zu unglaubwürdig vor. Komisch finde ich trotzdem immer noch, wie ich jede Nacht diese Träume hatte, bis mein Vater mir diese Geschichte erzählte. Danach haben diese Träume definitiv aufgehört.

Weil ich heute Nacht in der Lage sein will, einzuschlafen, habe ich eine andere nicht so gruselige Geschichte mit nächtlichen Türklingeln. Es war in meiner ersten Wohnung in Aachen. Was mir die letzten Monate dort besonders unerträglich gemacht hat, neben den ganzen Verfolgungen, fing am Anfang der Fußball-EM an, kurz bevor meine Schwester zu Besuch kam. An einem Abend gab es ein Spiel. Ich war zu Hause geblieben, Fußball interessiert mich eh nicht. Gegen zwei Uhr morgens hat jemand bei mir geklingelt. Nicht nur bei mir sondern im ganzen Haus. Ich war geärgert, nach einiger Zeit konnte ich wieder einschlafen. Ich dachte, Deutschland muss gewonnen haben, und ein Besoffener würde jetzt meinen, aus lauter Freude bei allen klingeln zu müssen. Bis ich aber drei Monate später ausgezogen bin, hat der nächtliche Türklinger bei uns nie aufgehört. Zwischen zwei und vier Uhr morgens bin ich jede Nacht wegen ihm aufgewacht. Wasser aus dem Fenster zu werfen hat ihn dabei nicht gestört, im Gegenteil, er hatte dann sofort mit erneutem Mut weiter geklingelt. Mein damaliger Freund hatte mich eines Abends nach Hause gefahren, als wir ihn gesehen haben – offensichtlich ein Südländer, den ich noch nie gesehen hatte, und der zwei große mit Kleidern gefüllte Mülltüten hielt, und bei mir im Haus klingelte. Wir haben beschlossen, dass ich die Nacht doch bei meinem Freund verbringen sollte. Nach vielen erfolglosen Nachfragen bei meinen Vermietern, die im Haus wohnten, meine Türklingel nachtsüber auszuschalten, habe ich eines Morgens gesagt, dass ich bei der Polizei eine Anzeige erstatten wollte. An dem gleichen Tag habe ich sofort einen Schalter für die Klingel bekommen. Allerdings haben sie es in meiner Wohnung in meiner Abwesenheit gemacht, und ohne mich vorher in Kenntnis gesetzt zu haben. Ich habe an dem Abend nach der Arbeit auf einmal einen neuen Knopf neben der Sprechanlage gefunden, mit einem handgeschriebenen Zettel dran geklebt. Das Klingeln bei meinen Nachbarn habe ich weiterhin wahr genommen, es hat mir nur nicht mehr den Schlaf geraubt. Ich war trotzdem froh, als ich ausgezogen bin.

[1] Dazu hatte mir die Angestellte beim Ausländeramt meine noch gültige Aufenthaltserlaubnis wörtlich aus den Händen gerissen und hysterisch angebrüllt, ich soll dorthin zurückkehren, wo ich herkomme. Wie ich später bei meiner Rückkehr nach Deutschland zwecks Arbeit an der gleichen Uni erfuhr, durften Studenten gerade ab dem darauf folgenden Jahr nach einem Uni-Abschluss ein Jahr länger in Deutschland bleiben, um Arbeit suchen zu können. Dies teilte mir mit bedauernder Miene dieselbe Frau mit, die mir gegenüber so vehement ihren Ausländerhass ins Gesicht gespuckt hatte.
[2] Das ist genau die Art von Geschichten, die ich nicht mag und gruselig finde. Selbst jetzt beim Tippen bekomme ich noch Gänsehaut.
[3] Ab hier sei erwähnt, dass ich an die Geschichte nicht glauben wollte und noch heute damit Schwierigkeiten habe. Weil es meinem Vater so wichtig war, habe ich einfach weiter zugehört und mich gezwungen, den Mund nicht zu öffnen. Ich erzähle die Geschichte trotzdem, wie ich sie gehört habe.


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Verfolgung

Meine erste Wohnung als Doktorandin hatte ich im Stadtzentrum gefunden, am Kaiserplatz. Sehr günstig, weil man die Toilette mit der anderen Wohnung auf der Etage teilen musste. Wie ich später heraus fand, war der Mietpreis auch wegen der Gegend so niedrig, da es neben einem kleinen Platz für Drogenabhängige war, wo ein Automat für Ein-Weg-Spritzen zur Verfügung stand. In dem Viertel waren auch viele Sexgeschäfte. Meine Kollegen fragten immer, wie ich dort wohnen konnte, mit allen Drogenabhängigen und Alkoholikern, die rum lauern, es wäre so gefährlich… Dabei muss ich sagen, dass ich genau mit ihnen nie Probleme hatte. Die haben sich im Gegenteil immer sehr nett mit mir verhalten, wenn wir mal ins Gespräch kamen.

Nein, die, die mir Probleme zubereitet haben, waren ganz nüchterne Typen. Ich war meistens spät am Institut geblieben, weil ich für meine Doktorarbeit nach Deutschland gekommen war, es sollte nicht umsonst gewesen sein. Also möglichst viel arbeiten, um schnell fertig zu werden. Wie häufig bin ich dabei abends ab dem Drogen-Platz auf dem Weg nach Hause verfolgt worden? Eine Zeit lang gab es Bauarbeiten an meiner Fassade, und ich konnte den Männern entkommen, indem ich im letzten Moment den Bürgersteig verlassen habe und auf der anderen Seite vom Gerüst gegangen bin, an den parkenden Autos und Taxis entlang. Sie haben dabei häufig bemerkbar gezögert, es aber nie über sich gebracht, mir auf der schmalen Bürgersteigkante zu folgen. Oder vielleicht war es immer nur der gleiche Mann. Einmal habe ich mich plötzlich umgedreht, als ein junger, dunkelhäutiger Mann mir von ganz nah folgte, habe getan, als ob ich etwas in meiner Tasche suchen wollte, und ihm gleichzeitig gezeigt, er sollte doch mich überholen. Er meinte, er wollte mit mir reden, was ich kategorisch abgelehnt habe. Er ist einfach weg gegangen.

Das Schlimmste kam, als meine jüngere Schwester im Sommer zu Besuch gekommen war. Wir hatten die EM-Finale 2000 bei meinem damaligen Freund geschaut und waren auf dem Weg nach Hause. Sie hielt meine Schlüssel in der Hand, weil sie ursprünglich vor hatte, alleine zu meiner Wohnung zurück zu gehen, was ich definitiv nicht wollte. An dem Drogen-Platz angekommen, merkte ich von weitem aus dem linken Augenwinkel wie ein verdächtiger Mann auf uns zu kam. Ich habe nicht in seiner Richtung geschaut, und ich habe meiner Schwester nichts gesagt. Als wir das erste Haus nach dem Platz erreicht hatten und aus seinem Blickfeld verschwunden waren, fragte ich sie leise, mir die Schlüssel zu geben. Ich bin sehr schnell zu meiner Haustür gelaufen, schaffte es ausnahmsweise, beim ersten Versuch die Tür zu öffnen, rief eindringlich zu ihr, schnell reinzukommen, und fragte sie dann, mir zu helfen, die schwere langsame Tür zuzuschieben… Sie hatte den Mann immer noch nicht bemerkt, er hat aber wirklich die Tür ins Gesicht bekommen. Durch die Glasscheibe haben wir gesehen, wie er an den Türgriff rumfummelte – ohne irgendwas zu erreichen, da ich schon abgeriegelt hatte und er keinen Schlüssel hatte. Erst dann fing meine Schwester an zu begreifen, was hätte passieren können, und wurde von Schreck bleich. Am nächsten Tag schrieb ich meinen Kündigungsbrief.


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