Es wird langsam

Nachdem wir am Sonntag die Strecke zur Arbeit ausprobiert haben, bin ich sie gleich am Montag mit dem Fahrrad alleine gefahren. Bevor ich die Details vergesse. Einfach war es nicht, ich habe mich zweimal verfahren, einmal im ersten Stück Wald und danach, um zum zweiten Stück Wald zu kommen. Die Kreuzungen waren nicht in der richtigen Reihenfolge in meinem Kopf. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, und das nur, weil ein freundlicher Fahrradfahrer mir entgegen gekommen ist, als ich rätselnd auf dem Handy schaute (mein Navi kennt keine Waldwege) und fragte, wo ich hin wollte. Sonst hätte ich länger gebraucht. Das angenehmere Stück ohne Radweg auf der engen Straße, das wir bei der Rückkehr benutzt hatten, war im Berufsverkehr mehr befahren, aber es war noch in Ordnung. Die Sichtweite ist dort sehr gut, da kann man mich nicht im letzten Moment sehen, es gibt also kein Grund, so dicht an mich vorbei zu fahren, es sei denn, man trägt Arschloch-Gene in sich. Das gibt’s. Meistens zeigen die Autofahrer doch Rücksicht. Auf der Rückfahrt habe ich am Montag schon nur noch eine Stunde zwanzig Minuten gebraucht. Ich habe eine Kreuzung verpasst, und im letzten Stück Wald sind mir zu meiner Überraschung zwei Autos hinter einander entgegen gekommen. Ich dachte, dort würden keine motorisierte Fahrzeuge durchfahren. Ich musste am Rand vom Weg mit dem Fahrrad stehen bleiben, um nicht überfahren zu werden. Gebremst hat das erste Auto nicht, und ich war über die Staubwolke danach nicht erfreut, auch wenn der Fahrer vom zweiten Auto sich bedankt hat.

Gestern hatte ich geplant, nach Feierabend zum Fitnessstudio zu gehen. Mit der Sporttasche wollte ich nicht Fahrrad fahren, und auch nicht, weil ich sonst nachtsüber nach Hause durch den Wald hätte fahren müssen. Ich bin also, wie ich es seit fast drei Wochen gewöhnt bin, zur Bushaltestelle gegangen, um den SEV bis Germering zu nehmen, und weiter mit einem anderen Bus zur Arbeit zu fahren. Zu meiner Überraschung fuhr der Bus nur bis Gilching-Argelsried, weil die S8 jetzt bis dahin kommt. Ich hätte in der App schauen sollen. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das hätte mir doch nicht geholfen, weil die S-Bahn sehr lange einfach nicht kam. Keine Durchsage, wie immer, aber diesmal lag es daran, dass die Bauarbeiten am Bahnsteig nicht fertig waren. Die Männer waren am Bahnsteig tatsächlich dabei, auf der anderen Seite der Sperre auf Säulen die Lautsprecher zu befestigen. Man muss sich vorstellen, wie so viele Leute, die theoretisch zwei verschiedenen Zügen genommen hätten, sich auf dem nicht ganz halben Bahnsteig verteilt haben, um vierzig Minuten lang auf eine Bahn zu warten. Weil der nächste Bus inzwischen seine Ladung gebracht hatte. Als der Zug endlich kam, ist er auch nicht sofort weggefahren, nein, ein paar Minuten hat es noch gedauert. Ich habe für eine Strecke, die im Normalbetrieb von zu Hause aus fünf Minuten dauert, eine ganze Stunde wegen MVG-Chaos verschwendet, und habe insgesamt zwei Stunden zur Arbeit gebraucht. Begeistert war ich nicht.

Heute bin ich wieder Fahrrad gefahren, weil ich so sauer auf die MVG war. Siebzig Minuten für den Hinweg, wobei eine Kreuzung noch nicht optimal ist. Ich sollte sie vermeiden. Man kommt nach einer Brücke aufwärts auf die Kreuzung zu, die zu einer viel befahrenen Straße führt, und muss mit dem Fahrrad da mittig stehen und warten, bis eine Lücke entsteht. Tut sie das, kann man aber nicht gut los nach links radeln, weil dann aus einer anderen Richtung Autos kommen. Aussteigen, Fahrrad zur Ampel schieben, auf dem Knopf drücken um grün zu bekommen… Blöd. Es muss einen besseren Weg geben. Auf dem Rückweg nach Hause habe ich nur noch eine Stunde gebraucht. Fast genau so lange wie mit ÖPNV, wenn es normal ohne SEV fährt. Und entspannter, wenn man keinen Idioten begegnet. Wie die Frau heute hinter mir, die nur noch hupen konnte, weil ich auf der Straße fuhr. Einen Radweg gab es gerade nicht, und ich war noch bemüht, rechts dicht am Straßenrand zu fahren, und sie hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, mich bequem zu überholen, statt hinten zu bleiben und zu hupen. Oder der Opa in seinem grauen Cabrio (M RP 17), der mich mit „Fick dich!“ begrüßte, als er mich nach einem ganz engen Tunnel überholte, wo man eh langsam zu fahren hat. Da gab’s auch gerade keinen Radweg, er fängt erst die Kreuzung danach an. Blöd, dass ich alleine war und keine Zeugen für eine Anzeige hatte.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Advertisements

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

An einem Sonntag.

Ich arbeite seit drei Monaten bei München, und schon bereue ich es, mir ein Jahresabo fürs ÖPNV gekauft zu haben.

Zuerst dachte ich, es wäre nicht schlimm, so weit weg von der Arbeit zu wohnen. Die Wohnung liegt ganz nah an der S-Bahn, und die fährt alle zwanzig Minuten, morgens sogar häufiger, und ich brauche keine Stunde zur Arbeit. Also besser als das, woran ich mich in Berlin gewöhnt hatte. Nicht. Und nicht nur, weil das Abo wesentlich teurer als in Berlin ist.

Wir hatten schon ein ganzes Wochenende lang wegen Bauarbeiten Einschränkungen im Betriebsablauf hinnehmen müssen. Danach fuhr die S-Bahn normal weiter, und ich dachte naiv, das wär’s, mit den Bauarbeiten. Pustekuchen. Seit zwei Wochen fährt die S-Bahn bei uns gar nicht mehr, und das soll noch eine Woche dauern, wie ich aus dem folgenden Brief erfahren durfte:

Stattdessen gibt es Schienenersatzverkehr (SEV). Und es muss sein, weil es gar keine Alternative zur S-Bahn gibt. Wenn ich in der App suche, wie ich ohne S-Bahn von der Arbeit nach Hause komme, kriege ich Ergebnisse, die über fünf Stunden dauern, mit langen Gehwegen.

In der Woche vor Beginn der Bauarbeiten haben es uns die automatischen Durchsagen im Zug und an den Bahnhöfen die ganze Zeit immer wieder erzählt. Schön wär’s gewesen, wenn die Durchsagen an den Bahnhöfen auch nach Wiederbeginn der Bauarbeiten weiter gelaufen wären. Nicht mal Schilder gab es, um die gelegentlichen Reisenden zu informieren.

Am ersten Samstag sind wir mit dem Ehemann über den Gleis zur Bushaltestelle gelaufen, um den SEV zu benutzen. Schnell, weil der Bus in Kürze kommen sollte. Ich habe von weitem mitbekommen, wie eine Frau mit Koffer sich am Automaten eine Fahrkarte gekauft hat, um sich, ganz alleine am Gleis, auf eine Bank hinzusetzen. Als wir vorbei  liefen, habe ich mein Tempo reduziert und ihr gesagt, „Hier fährt keine Bahn, es gibt nur SEV“. Sie ist uns gefolgt, so gut es mit ihrem Koffer ging, was bei uns nicht einfach ist, da überall Treppen sind, aber keine Aufzüge. Den Bus hat sie bekommen, und hoffentlich konnte sie pünktlich zum Hauptbahnhof ankommen, wo sie einen Zug nehmen sollte. Mit SEV dauert die Fahrt länger. Als wir abends auf dem Weg nach Hause erneut auf dem Bahnsteig gingen, haben ein Italiener und sein junger Sohn auf die Bahn gewartet. Hätten wir ihnen nichts gesagt, hätten sie noch lange da gestanden. Keine Durchsage, keine Aushänge, keine Information. Das ist die MVG.

Die Busse selbst… Bei unserer ersten Fahrt kam gerade ein Bus, um einen ganzen Zug zu ersetzen. So sah es zumindest aus. Alle Leute haben sich da rein gequetscht. Natürlich auch die mit Koffer. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige. Die können selber gucken, wie die fahren. Während der Fahrt hat uns dann von hinten ein anderer Bus aufgeholt, bei dem auch S8 angezeigt wurde. Der war leer. Weil er so spät nach dem ersten Bus kam, haben alle Leute geglaubt, es gäbe nur den einen Bus, und sie sind alle drin eingestiegen. Der zweite Bus war noch kein gewöhnlicher Stadtbus, sondern ein Reisebus, mit steilen Treppen zum Einsteigen. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige.

Letztens hat sich im Bus neben mir ein älterer Herr mit Gehstöcken hingesessen. Es war wieder ein Reisebus, und er hatte große Schwierigkeiten gehabt, überhaupt einzusteigen. Ich war so unzufrieden, jetzt über eine Stunde Fahrt zur Arbeit zu brauchen und in überfüllten Bussen fahren zu müssen, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, den Abo zur nächsten Gelegenheit zu kündigen und mir ein kleines Auto zuzulegen. Den Führerschein habe ich ja, und wir haben sogar zwei Stellplätze in der Tiefgarage, die zur Wohnung gehören. Mein geschwätziger neuer Sitznachbar erzählte mir, früher wäre er Auto gefahren, aber in den letzten Jahren hätte der Verkehr in München derart zugenommen, dass er das Benutzen vom ÖPNV viel angenehmer fände, selbst mit SEV. Doch kein Auto?

Jetzt, wo das Wetter richtig sommerlich wird, könnte ich Fahrrad fahren. Ich bräuchte theoretisch genau so lange wie mit ÖPNV im normalen Betrieb. Der Ehemann ist am Wochenende gekommen, und hat wieder einige Sachen aus Berlin mitgebracht. Darunter sein Fahrrad, wie ich ihn darum gebeten hatte. Wir haben heute die Strecke zur Arbeit getestet.

Ein gutes Gefühl hatte ich im Voraus nicht. Beim Vorbeifahren mit dem Bus war mir schon klar, dass die Radwege hier, wenn es welche gibt, nicht zum Wohl der Radfahrer gebaut wurden, sondern nur, um sie von der Straße fern zu halten, wo sie die Autos stören. Ganz anders als in Berlin. Die „Radwege“ sind manchmal sogar für Mofas freigegeben, wie ich vor zwei Wochen auf einem Schild lesen konnte. Teilweise wird man als Fahrradfahrer auf renovierungsbedürftige Bürgersteige gelotst, und man ist besser dran, einfach auf der Straße zu fahren. Wenn sich nicht irgendwelche idiotische Autofahrer so rücksichtslos verhalten würden.

Wie heute, als der Ehemann, der vorne fuhr, um mit seinem Navi den Weg zu zeigen, nach links abbiegen wollte. Es war eine ganz enge Straße ohne Radweg oder Bürgersteig, die gerade nach rechts bog. Auf 60 km/h begrenzt. Links gab es keine Straße für Autos, nur einen Radweg durch den Wald. Der Ehemann hatte schon den Arm nach links gestreckt, um zu zeigen, dass er abbiegen wollte. Von hinten kam plötzlich ein Auto, und glaubt ihr, der Fahrer hätte ihn abbiegen lassen? Nein, nicht einmal gebremst hat er, sondern ihn von links überholt. Ich habe nur in höllischer Angst zugucken können, und bin heilfroh, dass der Ehemann im letzten Moment doch nicht abgebogen ist, weil die Tour sonst im besten Fall im Krankenhaus beendet worden wäre. Es ging so schnell, dass ich mir außer STA das Kennzeichen nicht merken konnte, sonst hätte ich darauf bestanden, bei der Polizei eine Anzeige zu machen.

Damit wurde klar, den Weg will ich nicht zur Arbeit fahren. Für die Rückfahrt haben wir eine andere Strecke gewählt, die in der Praxis ein bisschen besser aussieht, obwohl sie auch über eine enge Straße ohne Radweg läuft. Wenigstens ist die Straße gerade, wenn man vom Wald ankommt. Ich weiß aber nicht, wie es im Berufsverkehr aussieht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

ÖPNV: München kann Berlin das Wasser reichen

Oder hat die MVG aus den Werbespots der BVG gelernt?

Heute morgen, Geisenbrunn. Ich sitze mittig im Wagen. Was ich damit sagen will: Hier steigt man nicht ein, wenn man in letzter Sekunde noch bis zum Zug gerannt ist. Wenn man hier einsteigt, dann, weil man schon in der Mitte vom Bahnsteig gewartet hat. Der Zug hält, eine junge Frau steigt ein. Kurz nach ihr sehe ich einen jungen Mann, der nur auf seinem Handy starrt, während er sich im Schneckentempo bewegt. Das Signal für die Türe ertönt, die Türe schließen. Zugegeben, sie waren nicht lange offen. Der junge Mann hebt endlich den Kopf und schaut sich erstaunt die geschlossene Tür direkt vor ihm an. Er drückt auf dem Knopf, aber die Tür bleibt zu. Sie ist schon verriegelt. Er geht zur nächsten Tür, die ebenfalls geschlossen bleibt. Nach einer gefüllt ewigen Pause, die der Fahrer bestimmt zur Betonung der Dramatik eingelegt hat, fährt der Zug ab.

Ich steige später in einen Bus ein. Irgendwo in Gräfelfing halten wir an eine Haltestelle, wo eine junge Frau offensichtlich auf den Bus gewartet hat. Die Tür geht auf. Gerade als die Frau einsteigen will, wird sie von einer älteren Frau angesprochen, die sie etwas fragen will. Die junge Frau antwortet freundlich, und will noch in den Bus einsteigen, als der Fahrer die Tür wieder zu macht. Es kann keine fünf Sekunden gedauert haben. Die Frau klopft an die Tür. Der Fahrer fährt los. Eine Mitreisende, die vorne sitzt, sagt dem Fahrer, dass die Frau noch einsteigen wollte. „Die Tür war auf, sie hätte längst einsteigen können,“ antwortet er stur. Er fährt vielleicht zehn Meter, um vor einer roten Ampel stehen zu bleiben. Die junge Frau durfte auf den nächsten Bus warten.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Heute mit Schnee

Ich bin froh dass es nicht halten wird.

Als ich gestern Abend, kurz vor zwölf, aus Berlin zurück kam, ging es noch. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil die Temperatur negativ war und meine App für den Sonntag Schnee vorgesehen hatte. Es gab Schnee, ja, aber der kurze Weg von der S-Bahn bis nach Hause war gut gefegt, mit der Ausnahme vom Bürgersteig vor dem Caritas-Haus. Dort scheinen sie sich nie darum zu kümmern.

An der S-Bahn scheint sich auch niemand dafür zuständig zu fühlen, den Bahnsteig und die Ausgänge wenigstens zu streuen, obwohl das Wetter nicht überraschend kam. Nachdem es über Nacht so viel geschneit hat, lag wieder eine dicke Schicht rum. Vor allem fahrlässig war es an den Treppen, die man benutzen muss, um zur anderen Seite des Bahnhofs zu gelangen. Es gibt keine Möglichkeit, zum Bahnsteig Richtung München zu gehen, wenn man keine Treppe benutzen kann. Was machen denn Rollstuhlfahrer und Leute mit Kinderwagen? Alternativ könnte man auch Bus fahren, aber die Haltestelle ist ebenfalls auf der anderen Seite vom Bahnhof. Also, ja, doch, es geht, man könnte ganz herum laufen, und würde zehn Minuten dafür brauchen, um zum Gleis auf der anderen Seite zu kommen.

Heute Morgen war es besonders schlimm, da der ganze Schnee auch auf den Stufen der Treppen lag. Schön glatt von der Schülerscharr breit getreten, die mir entgegen gekommen ist und durch die ich mir den Weg in die entgegengesetzte Richtung erkämpfen musste. Wir haben eine Schule in der Nähe. Ich muss mir merken, die Bahn um zwanzig vor acht in Zukunft zu vermeiden. Wenigstens hätten die Schüler als Dämpfung gedient, wäre ich tatsächlich die Treppe runter gerutscht.

Nachdem ich dann von der S-Bahn zur Bus-Haltestelle tapfer den ganzen Weg über den verschneiten Lidl-Parkplatz gegangen bin, durfte ich über vierzig Minuten auf der Stelle verharren, weil so lange kein Bus kam. Die MVV-Webseite zeigte meine Verbindung trotzdem ohne Verspätung an. Hätte ich es gewusst, wäre ich weiter mit der S-Bahn bis Pasing gefahren. Obwohl es mir nichts gebracht hätte, weil Tim, mein Zimmerkollege, der dort wohnt, heute Morgen fast genau so lange auf den Bus warten musste. Es war einfach überall Chaos. Ein anderer Kollege hatte beschlossen, mit dem Fahrrad zu kommen. Einige andere Leichtsinnige habe ich auch über den Schnee radeln gesehen. Mein Kollege hat es heute nicht zur Arbeit geschafft und musste den Umweg zum Krankenhaus machen.

Ich hatte mich auf jeden Fall über den ununterbrochenen Regen gefreut, der für heute vorausgesagt wurde. Der Schnee würde bestimmt schnell verschwinden. Nicht. Der Regen kam nicht so stark wie erhofft, und der Weg nach Hause war am Abend noch teilweise rutschig. Jetzt liegen viel Wasser und Schneereste auf den Straßen. Gut, dass es über Nacht um die 3°C wird und das alles nicht einfriert. Sonst müsste ich morgen Glättefrei nehmen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Ferien sind vorbei

Das war heute morgen nicht zu übersehen. Es war schwierig genug, zur Arbeit zu fahren. Überfüllte Busse. Als ich in den ersten Bus eingestiegen bin, habe ich den ersten freien Sitzplatz genommen, an den ich vorbei gegangen bin. Direkt neben der Tür. Gut, dass ich nicht gezögert habe, weil noch ganz viele Schüler eingestiegen sind. So dicht aneinander gepackt! An der Haltestelle hätte ich nicht gedacht, dass so viele draußen standen. Vermutlich sind sie ausgestiegen, um wieder einzusteigen, weil andere Passagiere raus mussten. Unweit von mir standen zwei Mädchen, die kein Bock darauf hatten, zurück zur Schule zu gehen. Beide voll geschminkt, mit Übergewicht und langen künstlichen Nägeln. „Warum habe ich keine Ausbildung gemacht?“ fragte die eine. „Was für eine?“ wollte die zweite wissen. „Bei Douglas! Dann könnte ich viel Parfum mitnehmen,“ seufzte die erste.

Beim Umsteigen hat es mich recht sauer gemacht, dass zwei Busse an der Haltestelle vorbei gerauscht sind, ohne zu halten. Beide rappelvoll, mit Leuten an den Türen breit geklatscht. Auf den dritten Bus habe ich mitten auf der Straße gewartet. War doch nicht nötig, er war nicht so voll und hat angehalten. Auf die Art habe ich eine Viertelstunde mehr auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Dabei gibt es sogar unterschiedliche Fahrpläne bei Schule und Ferien. Wozu, frage ich mich. Fehlplanung.

Auf Arbeit waren die Ferien auch vorbei. Ich habe ganz viele neue Leute kennen gelernt, und natürlich konnte ich mir nicht alle Namen merken. Meine Zimmerkollegin Ute ist ebenfalls aus ihrem Urlaub zurück gekommen. Nach einem Tag geht sie mir schon auf die Nerven. Sie kommt mir ein bisschen wie Nina vor, in ihrer Art, obwohl sie wenigstens nicht so dumm wirkt. Bei unserem ersten Treffen im November hatte sie eher einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Das kam davon, dass sie so affirmativ und selbstbewusst redet. Wie Mr Keen. Bei ihm war es alles Schau, bei Ute denke ich, es kann in ihrem Fach begründet sein. Obwohl ich schon mitgekriegt habe, wie sie heute genau so selbstbewusst in einem ganz anderen Thema Quatsch erzählt hat. Sie redet leider ununterbrochen und dabei ist es ihr völlig egal, was ihre Zuhörer denken. Sie erwartet Zustimmung und wenn sie sie nicht bekommt, fällt sie einem ins Wort und redet weiter. Sie lässt keine Unterbrechung zu und Gespräche mit ihr sind eher Monologen. Irgendwann habe ich ausgeschaltet, als sie sich mit Tim „unterhalten“ hat (ihm fällt sie auch ins Wort). Meine Arbeit muss erledigt werden. Mir ist aber aufgefallen, sie denkt, ihr würde weiterhin zuhören, weil sie manchmal auf Reaktionen meinerseits wartet, ohne mich vorher explizit angesprochen zu haben. Wozu soll ich zuhören und reagieren, wenn sie eh erwartet, dass ich ihr in allem zustimmen sollte? Anstrengend. Ich muss mir ganz schnell eine Überlebensstrategie aussuchen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.