Doch kein Muttertag

So lange ich mich erinnern kann, ist Muttertag in Frankreich am letzten Sonntag im Mai. Das sitzt bei mir so tief, dass ich gestern mit voller Überzeugung Blumen für meine Mami bestellt habe. Heute kurz vor zwölf ruft sie mich an. Sie freut sich total über den Strauß, aber Muttertag wäre doch erst nächste Woche. Wie, nächste Woche? Tja, tatsächlich. Muttertag fällt in Frankreich am letzten Sonntag im Mai, außer, wenn es Pfingsten ist, dann wird es um eine Woche verschoben. Haben wir gelacht.

Am Doch-Kein-Muttertag sind wir mit dem Ehemann im Würmtal gewandert, von Gauting bis Starnberg. Nach der Brücke in Gauting, die 1946 Sankt Nepomuk gewidmet wurde[1], biegen wir rechts um das Elektrizitätswerk ab. Wir entdecken einen sehr schönen Platz zum Verweilen, würden ihn nicht rücksichtslose Vollidioten so vermüllt hinterlassen. Man fühlt sich fast wieder wie in Köpenick.

Wir folgen erstmal der Straße, wo trotz der frühen Stunde schon viele Radfahrer unterwegs sind[2]. Mitten in einem Feld steht ein Häuschen, in dem sich Kühe ausruhen. Wir biegen irgendwann rechts ab und kommen zu einem Wassergebiet, in dem scheinbar Biber wohnen. Wir bleiben eine Weile am Ufer, aber Biber sehen wir keine. Dafür sind Enten, Amseln und Drosseln unterwegs.

Wir müssen zurück zum Fußgänger-Radweg, da wir durch das Feld vom Reiterverein nicht weiter können. Unterwegs fallen mir komische Verwachsungen auf den Blättern von bestimmten Bäumen auf. Eine Krankheit? Das Gras in der Würm blüht gerade prächtig. Am Mühltal machen wir Pause in einem sympathischen kleinen Biergarten, der gerade öffnet, als wir ankommen. Es trifft sich gut.

Wir müssen ab hier die Straße überqueren. Auf der anderen Seite liegt eine Eber-Statue. Wir laufen in Richtung der Drei Bethen Quelle, deren Wasser, uns ein Schild warnt, nicht trinkbar und aufgrund von Bakterien auch nicht zum Waschen von Wunden geeignet ist. Nach einer Weile müssen wir auf dem Radweg neben der Straße laufen. In einem Feld links von der Straße schlafen Schafe unter einem gekippten Wohnmobil. Wir machen Halt bei der Kapelle St. Peter (1513 erbaut) auf der anderen Seite der Straße. Die Kapelle steht über eine Quelle, deren Wasser Heilkräfte zugesagt wurden. Das daraus entstandene Wildbad Petersbrunn bekam viele Patienten zur Behandlung, bis am Ende des 19. Jahrhunderts Zweifel über die Wirkung des Wassers aufkamen. Heute ist nur noch die Kapelle erhalten. Neben der Kapelle steht ein Mahnmal[3] vom Künstler Walter Habdank, das an den Todesmarsch von April 1945 erinnert.

Den Rest der Wanderung machen wir durch den Golfplatz, weil es uns zu blöd ist, auf dem gut befahrenen Radweg neben der Straße zu bleiben. Wir laufen bis zum Bahnhof Starnberg am See, und nehmen die S6 zurück nach Gauting, wo wir das Auto am Morgen geparkt haben. Wir sind knapp über dreizehn Kilometer gelaufen.

[1] Text auf der Tafel unter der Statue:

Oh! Sankt Johannes Nepomuk,
stehst hier im Wind auf Gautings Bruck
Gott hat sie uns erhalten!
Drum liebe Leut merks euch allzeit,
d’Bruck ist Sankt Nepomuk geweiht.
Lasst ab von Hass und Missetat,
Gott lohnt’s euch dann
oft früh – oft spät. 1946

[2] An einem Baum hängt ein Zettel mit einem langen Text, der Spaziergehende und besonders Radfahrer um Rücksicht zu einander bittet, da dieser Weg seit Ausbruch der Corona-Pandemie an Beliebheit gewonnen hat und dadurch einige schwere Unfälle statt gefunden haben, die den Einsatz von Rettungskräften erfordert haben. Das dürften die wenigsten gelesen haben, da man selbst auf engen Wegen von rasenden Radfahrern ganz nah überholt wird.

[3] Der Text auf dem Mahnmal ist schwer auszumachen, die fehlende Interpunktion ist jetzt von mir:

Auf dieser Straße wurden in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges mehr als siebentausend Gefangene aus dem Konzentrationslager Dachau in ein ungewisses dunkles Schicksal getrieben. Für viele führte dieser Leidensweg in den Tod. Sie waren Opfer der menschenverachtenden nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie rufen uns auf zu Versöhnung und Nächstenliebe. Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Der Herr wird abwischen die Tränen von jedeman Gesicht. Jesaja 258.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Interflora.fr, voll die Abzocke

Ich bin angepisst.

Gerade wollte ich meiner lieben Mami einen Blumenstrauß für morgen liefern lassen, da morgen in Frankreich Muttertag ist. Nachdem ich den Strauß ausgewählt, die Bestellung bestätigt und bezahlt habe, wurde ich dazu aufgefordert, Daten hinterzulassen, um die Bestellung zu verfolgen. Gemacht, dadurch wurde ein Kundenkonto angelegt. Ich bestelle nicht zum ersten Mal, gerade ein, zweimal im Jahr, warum nicht.

In meinem Konto habe ich dann nochmal meine Bestellung geprüft und auf einmal gesehen, dass ich zusätzlich zum Strauß eine Option „Interflora Plus“ gewählt hatte, die für satte 24,90€ kostenfreie Lieferung fürs ganze Jahr ermöglicht. Dass so eine Option vorhanden ist und scheinbar standardmäßig angekreuzt wird, hatte ich die ganze Zeit gar nicht gemerkt 🙁 Und ich finde es eine Frechheit, ausgerechnet jetzt, wo so viele Leute schon tief in der Krise stecken und gekündigt werden, dass Interflora sich so ein Mist ausgedacht hat. Klar, mir geht es gut und ich kann es mir leisten, trotzdem bin ich angepisst. Sowas hat nicht automatisch und ohne Warnung ausgewählt zu sein! In meiner letzten Bestellung war es definitiv nicht drin, wie ich gerade geprüft habe.

Klar, ich hätte auch vor dem Bezahlen den Preis nochmal prüfen können. Ich war mehr damit beschäftigt zu gucken, ob ich überhaupt mit meiner deutschen Kreditkarte bezahlen kann, da sie mir immer wieder Probleme macht, und ich bisher in Frankreich damit nur selten erfolgreich bezahlen konnte.

Im Nachhinein ist man immer schlauer: Die Zeitschrift Capital[1] sagt, es ist neu, und eigentlich illegal, was die da treiben. Aber scheinbar hat bis jetzt niemand etwas dagegen unternommen, da es gut drei Monaten nach dem Artikel munter weiter so läuft. Wenigstens: Ihr seid jetzt gewarnt.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Sonntag zu Hause

Das Wochenende habe ich alleine verbracht. Ich bin letzte Woche erst am Montagabend zurück nach München gefahren, und diese Woche ist in Bayern der Donnerstag ein Feiertag. Dank Brückentag kann ich schon am Mittwochabend nach Berlin. Es hätte sich nicht wirklich gelohnt, wenn der Ehemann zwischendurch gekommen wäre. Reisestress und Geld gespart. Dafür hat er sein Spaß gehabt, konnte zum ersten Mal seit ewig Motorrad fahren und hat den heutigen Tag mit Freunden verbracht. Bald zieht er hierher um, und seine Kumpels wird er nicht mehr so einfach sehen können.

Ich habe den Tag damit angefangen, dass ich meine Mami angerufen habe, während ich mich um die Blumen auf dem Balkon gekümmert habe. Anders als im Rest der Welt, ist heute in Frankreich Muttertag, am letzten Sonntag im Mai. Es war zehn Uhr morgens, mein Bruder war schon bei ihr, und die Blumenverkäuferin im Dorf hatte ihr gerade den Strauß gereicht, den ich ihr geschickt hatte. Sie hat sich darüber sehr gefreut.

Das Wetter sah nicht so toll wie gestern aus, der Himmel war bedeckt, meine App sagte, es würde den ganzen Tag so bleiben, und ich habe deswegen eine Hose angezogen, bevor ich mich auf den Weg zur Bäckerei im Stadtzentrum gemacht habe. Als ich dort auf der Terrasse saß, haben sich jedoch die Wolken aufgelöst, die Sonne hat voll geknallt, und mir wurde viel zu warm. Nach dem leckeren Frühstück aus Bruschetta mit Rührei konnte ich einem Stück Karotten-Kuchen für den Nachmittag nicht widerstehen, und an dem Erdbeeren-Stand beim Kreisverkehr musste auch eine Schachtel mit nach Hause.

Zu Hause angekommen, habe ich als erstes ein leichtes Kleid angezogen. Dann wurde geputzt. Staub gewischt und gesaugt. Das konnte ich gestern wegen Migräne nicht tun. Und da das Wetter weiterhin schön sonnig blieb, habe ich mich eingecremt, ein Bikini angezogen und mich auf dem Balkon mit einem Buch und einem Glas Wasser zum Sonnen hingesessen. Es war schön, bis eine Hummel über mich flog und ich plötzlich etwas naßes auf dem Arm spürte. Regen? Nein. Die Hummel war’s, die ihren Darm geleert hatte. Ein dünner, länglicher Pollen-gelber Fleck war halb auf dem BH und halb auf meinem Arm gelandet. Igitt. Ich habe den Sonnenbad beendet, da ich sowieso schon länger da saß, und habe gebadet, um den Schweiß und die klebrige Creme los zu werden.

Den Rest des Tages habe ich müde auf der Couch lesend verbracht. Ich glaube, von zu viel Sonne bekomme ich momentan Kopfschmerzen. Gestern war ich auch lange in der Sonne, und ich musste im Fitnessstudio mein Training abbrechen, weil nach den intensiven Übungen meine linke Schläfe so stark gepocht hatte. Oder der Schlafmangel ist Schuld. Richtig gut schlafen kann ich zur Zeit nicht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Sonntag 26.05.2013

Ich habe gerade meinen Vortrag für Dienstag fertig gemacht. So richtig anstrengend war’s nicht, ich musste nur aus früheren Vorträgen ein paar Folien kopieren und ggf. ins Englisch übersetzen. Ich brauche noch ein schönes Bild für eine der Folien in der Einleitung, und dann konvertiere ich den Vortrag als PDF, weil ich nicht sicher bin, dass dort Office zur Verfügung steht, sie scheinen vor allem mit Linux-ähnlichen Systemen zu arbeiten. Deswegen konnte ich das Programm doch nicht im Voraus testen, das für diese Stelle so wichtig ist, ich kann nur die Veröffentlichungen darüber lesen.

Mein Powerpoint verhält sich immer noch komisch mit der Miniaturansicht. Das macht das Einfügen von Folien ziemlich mühsam, zuerst auf die Folien in der Ansicht links klicken, um heraus zu finden, wo die gewünschte Folie zum Kopieren eigentlich liegt, weil die Miniaturanzeige stets die falschen Inhalte anzeigt, und mit zwei offenen Dateien werden die Inhalte in der Anzeige gemischt, dann das gleiche Spielchen in der anderen Präsentation, um die Folie am richtigen Ort einzufügen… So macht es kein Spaß. Was ist los mit meiner Installation von Office? Auf meinem früheren Rechner mit XP ging’s so gut, und ich habe die gleiche CD für den neuen Rechner mit Windows 7 benutzt. Word erkennt Fehler nicht richtig bei der Rechtschreibung, Powerpoint baut so ein Mist in der Anzeige… Nur mit Excel geht’s, ich benutze es ja die ganze Zeit, um den Stand meiner Bewerbungen für die Arbeitsagentur zu bearbeiten.

Gestern habe ich den ganzen Nachmittag in der Stadt verbracht. Ich bin gegen 14:30 weg gegangen und wollte mir ein neues Kostüm kaufen. Ich war überall, aber ich bin nicht fündig geworden. Ich wollte ein helles Kostüm. Dunkle habe ich schon genug. Mit meiner Psoriasis auf der Kopfhaut möchte ich die eventuelle Anwesenheit von Schuppen auf den Schultern durch die Farbe des Kostüms verstecken. Die wenigen hellen Kostüme, die ich gestern gesehen habe, gingen nicht. Entweder war genau meine Größe nicht mehr vorhanden, oder die Hose saß total blöd mit den Taschen auf der Seite. Ich hätte gerne ein Kostüm mit einem langen Rock gehabt. Ich habe einmal im Zug eine Frau mit einem sehr schönen Kostüm gesehen, schwarz-weiß kariert, und der Rock ging ihr fast bis zu den Knöcheln. Nirgendwo in der Stadt zu finden. Schade. Ich werde wohl mit Hautcreme für die Kopfhaut tricksen müssen, um die Abschuppung zu verhindern. Irgendwie haben die Salbe und der Shampoo, die mir die Dermatologin verschrieben hatte, nicht viel geholfen. Es juckt nur nicht mehr so stark, aber ich bekomme den Eindruck, dass sich die kranke Hautfläche verbreitet hat.

Zwischendurch bin ich gestern am Marktplatz vorbei gegangen. Es waren viele Leute da, weil ein Oldtimer-Rallye gerade dort endete. Ich habe mir die alten Autos eine Weile angeschaut, und bin weiter einkaufen gegangen. Ich konnte es nicht fassen, aber es war schon 19:30, als ich nach Hause kam. Kein Wunder, dass mein Ischias so stark schmerzte. Ich wollte heute zum Sport gehen, aber das lasse ich doch lieber sein.

Sonst ist heute Muttertag. In Frankreich findet es immer am letzten Sonntag von Mai statt. Vatertag ist bei uns ebenfalls ein Sonntag, zwei Wochen nach Muttertag. Ich wollte meine Mami anrufen, aber sie war gerade nicht zu Hause. Hoffentlich können meine Geschwister sie heute besuchen. Ich habe mich noch nicht um die Reise dort Anfang Juni gekümmert. Ich werde wahrscheinlich erst dazu kommen, wenn beide Vorstellungsgespräche diese Woche vorbei sind. Ach stimmt, ich sollte heute auch nicht vergessen, die Klausur vom Kurs über Datenmanagement mit SQL zu schreiben.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.