Heute nicht gejoggt

Es war windig und dadurch kälter geworden. Stattdessen bin ich eine halbe Stunde lang die Treppe hoch und runter gelaufen. Die Wohnung ist ja auf zwei Etagen verteilt. Seit dem Anfang der Ausgangssperre und Heimarbeitszeit (Mobile Office, genauer gesagt), bin ich doppelt so froh, damals so eine tolle Wohnung gefunden zu haben. Drin lässt sich wirklich gut leben.

Gestern hätte ich noch gesagt, Sport kommt heute gar nicht in Frage. Nicht nur des Wetters wegen. Nach der Wanderung am Samstag habe ich einen heftigen Muskelkater bekommen, der dem letzten epischen Muskelkater von vor dreieinhalb Jahren in nichts nachsteht. Schon am Samstagabend war ich nicht mehr in der Lage, mich normal in der Wohnung zu bewegen. Ich konnte nur noch die Füße am Boden gleiten lassen. Im Bett auf dem Rücken zu liegen war zu schmerzhaft, weil ich dabei die Beine strecken musste. Am nächsten Morgen haben sich auch Bauch- und Rückenmuskulatur gemeldet. Gehen war immer noch schwierig und schmerzhaft. Ich glaube, es ist der Oberschenkelbindenspanner, der mir so große Schwierigkeiten gemacht hat. Gestern habe ich ganz dicke Beulen ganz oben an den Schenkeln vorne bekommen, selbst unter dem Rock waren sie zu sehen.

Ich war also sehr erleichtert, als ich heute früh gemerkt habe, dass es mir schon viel besser geht. Trotzdem war es mir zu riskant, draußen zu joggen. Was ist, wenn ich weit weg von zu Hause plötzlich nicht mehr laufen kann?

Das letzte Mal bin ich am Freitag in der Mittagspause gejoggt. Es war eigentlich zu warm, in der prallen Sonne, ein richtiger Sommertag. Trotzdem fand ich den recht dicken Mann unpassend, der im Garten eines Mehrfamilienhaus bei Sankt Gilgen mit nur einem schwarzen String bekleidet ganz nah am Bürgersteig stand, um Pflanzen zu gießen. Auf dem Rückweg bin ich von einem anderen Mann aus seiner Haustür angesprochen worden, der ebenfalls dabei war, seine Pflanzen im Garten zu gießen. Immerhin war er anständig angezogen. Ich habe aus Höflichkeit geantwortet, was ein Fehler war, da er meinte, weiter mit mir plaudern zu müssen. Ich meine, ich mache mir die Mühe, joggen zu gehen, es ist nicht um einfach da rum zu stehen. Er fragt, wo ich her komme, und als ich „aus Frankreich“ antworte, meint er, mich mit seinen Französischkenntnissen beeindrucken zu wollen, indem er mir „Je t’aime“ einfach so ruft. Geht’s noch? Den Typ kenne ich nicht, und ja, nichts gegen Bekanntschaften in der Nachbarschaft, aber auf solche Bekanntschaften verzichte ich lieber. Ob ich bei ihm Kaffee trinken kommen möchte, fragt er dann. Der spinnt total, wenn er glaubt, eine Frau würde freiwillig alleine zu einem fremden Mann in die Wohnung gehen. Und wie war’s nochmal mit Corona und Abstand halten? Ausgangssperre und Frühling, eine furchtbare Kombination.

Ich werde mir jedenfalls beim nächsten Mal eine andere Strecke zum Laufen aussuchen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mit so einem Muskelkater hatte ich wirklich nicht gerechnet

Schuld ist die Laufaktion von Sonntag. Ich hatte am Abend schon gespürt, dass es mir Schmerze verursachen würde, aber in dem Ausmaß hätte ich es nie gedacht.

Gestern beim Aufstehen. Ich sitze zuerst auf der Bettkante, und stehe dann auf, indem ich mich mit beiden Händen von der Kante weg drücke. Das mache ich seitdem ich aus dem Krankenhaus zurück gekommen war und meine Bauchmuskulatur erstmal nicht mehr benutzen konnte. Gestern stehe ich also auf und stelle fest, dass es gar keine gute Idee war. Meine Waden und andere Muskeln seitlich vom Bein, von denen ich bisher nichts wusste (Soleus), meinen, streiken zu müssen. Ich klatsche gegen den Kleiderschrank, der nah am Bett steht, und bleibe zuerst da mit der Wange gegen die eine Tür, sehr zur Belustigung vom Ehemann.

Gehen ist unmöglich. Ich muss zuerst in der Lage sein, stehen zu können. Immer noch am Kleiderschrank festgeklammert, mache ich ein paar Dehnübungen für die Beine. Nach einiger Zeit geht es wieder. Ich spiele mit dem Gedanke, mich für den Tag krank schreiben zu lassen. Aber langsam geht es wieder, und ich denke sogar, dass ich abends zum Sport gehen könnte. Sollte man nicht genau bei Muskelkater weiter Sport treiben, um die Schmerze los zu werden? Ich nehme die Sporttasche mit und schaffe es, halbwegs normal bis zur S-Bahn Station zu gehen. Die Treppen runter zu gehen ist aber schwer.

Im Laufe des Tages geht es nur bergab. Der Extensor Digitorum Longus und der Peroneus Brevis beschweren sich zunehmend (und ich erweitere meine Anatomie-Kenntnisse). Insgesamt wird es immer schwieriger, Treppen hoch und runter zu gehen, und ich humple nur noch durch die Gegend. Um es mir nicht anmerken zu lassen, gehe ich einfach sehr langsam und tue als ob ich mit meinem Handy zutiefst beschäftigt wäre.

Ich kann die Füße weder strecken noch anwinkeln und entwickle eine neue Bewegungsart, die möglichst wenig die Beinmuskeln beansprucht. Dabei ist mir bewusst, dass Verletzungen drohen, sollte ich das Gleichgewicht zu stark verlieren, weil ich niemals in der Lage wäre, mich so schnell wieder aufrecht zu stellen. Das Gleichgewicht verliere ich andauernd. Die Muskeln machen nicht mehr mit. Sport? Wohl doch nicht. Ich rufe den Ehemann an, der dank seines abgelegenen Arbeitsortes frei hat, und frage ihn, mich von der Arbeit mit dem Auto abzuholen. Beim Warten schreibe ich ein bisschen.

Zu Hause angekommen, mache ich mir ein heißes Bad und bleibe eine gute Stunde drin. Alles massieren, was irgendwie weh tut. Viel Wasser trinken. Der Ehemann hilft mir beim Aussteigen von der Badewanne. Den Abend verbringe ich mit den langen dicken Wollsocken, und ich schlafe sogar mit denen.

Heute Morgen geht es wieder. Ich bin noch zu Hause. Da ich heute spät bei der Arbeit bleibe, muss ich sowieso nicht früh weg und habe Zeit.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.