Kopfschmerz

Ich bin gegen mittags zur Dalí-Ausstellung angekommen. Es waren nicht viele Leute vor mir an der Kasse, aber es hat ewig gedauert, bis ich dran war. Ich habe dann den Grund dafür erfahren. Die junge Dame an der Kasse musste den Besuchern viele Fragen stellen. Ob sie meine Postleitzahl erfahren dürfte? Ob ich an das kleine Heft zur Ausstellung interessiert wäre (ich glaube, um die 2,80€)? Ob ich an einer Ausführung teilnehmen möchte? Ob ich meinen Mantel bei der Garderobe kostenpflichtig lassen würde? Der Rucksack musste abgegeben werden, dafür musste man nicht bezahlen. Den Mantel habe ich behalten. Eine sehr gute Entscheidung, weil es Stellen im Museum gab, wo plötzlich aus unerwarteten Stellen eisige Züge kamen.

Es gab viele Lithographien zu sehen, die auf literarische Werke basiert waren. Dadurch habe ich Lust bekommen, bestimmte Bücher wieder zu lesen. Don Quichotte hatten wir in der Mittelstufe studiert. Tristan und Isolde habe ich zum ersten Mal in der Oberstufe gelesen. Wir hatten eine Version von einem unbekannten Autor studiert. Sie war sehr unterschiedlich von der Version von Thomas Malory, die ich vor einem Jahr wieder gelesen habe. Aus den Bildern würde ich sagen, dass Dalí bestimmt Malorys Version im Kopf hatte. Er scheint sich sehr für die Romane der Ritter der Tafelrunde interessiert zu haben, die ich auch gerne gelesen habe. Carmen war ebenfalls dargestellt, so wie Faust und die Göttliche Komödie, die ich im Gymnasium sogar auf Italienisch lesen wollte (keine Ahnung, wo das Buch geblieben ist, ich habe es nicht geschafft, mein Vorhaben war doch zu ambitioniert für meine damaligen Sprachkenntnisse). Ein andalusischer Hund wurde periodisch projiziert. Da mein Ischias stark schmerzte, habe ich gesessen und den Film geschaut. Die Szene mit den beiden Männern (ein Mann mit sich selbst), bei der man sechzehn Jahren zurück geworfen wird, kam mir aus irgendeinem Grund sehr bekannt vor. Ich habe den Film gleich ein zweites Mal gesehen, konnte mich aber nicht erinnern, woher dieses Gefühl von „déjà vu“ kam.

Kurz vor zwei habe ich auf einmal starkes Hunger und Durst bekommen. Ich habe den Rest der Ausstellung gesehen, bin dann Richtung Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz gegangen. Es war viel zu früh, um Martin anzurufen. Ein Kopfschmerz meldete sich. Ich habe eine Bratwurst gegessen. Der Glühwein danach war vielleicht nicht klug gewesen. Dann gab’s noch eine Crêpe mit Zucker und Zimt. Nach dem Weihnachtsmarkt bin ich ziellos spazieren gegangen, und bin zum Gebäude des Ministeriums der Finanzen gelandet, mit seiner Gedankentafel für den 17. Juni. Die Straße gleichen Namens kannte ich schon. Was 1953 geschehen ist, wusste ich aber nicht. Ich habe es in der Schule in Frankreich entweder nicht erzählt bekommen, oder ich habe nicht aufgepasst. Ich habe es mir heute durchgelesen. Nicht alles, es war doch zu viel Text. Vor allem mit Ischias und Migräne. Ich bin nur bis Tafel 12 oder 13 gekommen. Kurz danach bin ich nach Hause gefahren. Der Kopfschmerz ist nur heftiger geworden. Ich habe sogar Übelkeit bekommen. Eine Aspirin hat ein bisschen geholfen. Meine Mami hat mich angerufen und gesagt, ich sollte warm duschen und ins Bett gehen. Gemacht. Mein Ischias schmerzt immer noch. Ich bin zu viel zu Fuß unterwegs gewesen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Sonnabend

Heute ist Sonnabend. Ich habe es auf dem Fahrplan gesehen, als ich nach dem Sport auf die Tram wartete. Da waren Fahrpläne für Montag bis Donnerstag, für Freitag, für Sonnabend, und für Sonntag und Feiertage. Ich habe mehrmals in den Spalten nach Samstag gesucht, bis ich verstanden habe, dass es unter Sonnabend zu finden war. Wikipedia hat es mir gerade bestätigt. Laut Plan sollte drei Minuten später eine Tram ankommen. Sie musste aber schon früher abgefahren sein, weil ich die Nächste genommen habe. Ein Glück, dass es nicht so kalt war. Ich habe festgestellt, dass die Leute in der Tram am frühen Samstagabend gut riechen. Warum schaffen sie das unter der Woche nicht? Wenn ich nach der Arbeit mit der Tram nach Hause fahre (nicht häufig, ich bin noch lieber mit Fahrrad unterwegs), sind meistens Menschen da, die stark nach Salami, Tabak oder Bier stinken, oder auch muffige Mäntel tragen. Wenn sie Hundebesitzer sind, wird es für mich an naßen Tagen unerträglich. Ich bin schon mal deswegen früher ausgestiegen und habe den Rest der Strecke zu Fuß gemacht, weil ich es satt war, meinen parfümierten Schal die ganze Zeit vor der Nase zu halten.

Ich war heute beim Sport, statt wie üblich am Sonntag, weil ich morgen vor habe, ein Museum zu besuchen. Ich habe am Dienstag kurz mit meinem Ex-Chef telefoniert, und er hat mich gefragt, was ich bis jetzt in Berlin besucht habe. Als ich ihm in Juni gesagt hatte, dass ich eine neue Stelle hier gefunden hatte, war er begeistert. Er liebt diese Stadt, weil es so viele Museen gibt. Ich musste zugeben, dass ich kulturell noch nicht so viel unternommen habe. Ich war letzte Woche mit dem Fahrrad am Deutschen Historischen Museum vorbei gefahren und wäre gerne spontan rein gegangen, aber es war schon drei Uhr nachmittags, und da ich noch anderthalb Stunden nach Hause brauchte und nicht gerne nachts Fahrrad fahre, habe ich es sein lassen. Für morgen habe ich mir die Dalí-Austellung am Potsdamer Platz ausgesucht. Ich habe schon lange den Traum, sein Museum in Figueres zu besuchen. Vielleicht im Sommer.

Ich merke, wie ich mit dem Gedanke spiele, nach dem Museumbesuch Martin “ganz spontan” anzurufen, um gemeinsam einen Glühwein trinken zu gehen. Ich frage mich, ob ich das machen soll. Ich glaube nicht, dass es ein Rückfall ist. Mir sind schon die Schuppen vor den Augen gefallen. Aber es wäre nicht schlecht, ihn ab und zu außerhalb der Arbeit zu treffen. Er hat mir so viel zu Hause geholfen, ich will nicht, dass er denkt, dass ich gar nichts mehr mit ihm zu tun haben will, jetzt, wo ich keine Hilfe mehr brauche. Und nett ist er, er ist nur nicht als Liebespartner für mich geeignet. Die Wahrscheinlichkeit ist eh sehr groß, dass er ablehnt, weil er Sonntags immer mit seinem Vater etwas unternimmt. Ich gehe kein großes Risiko ein. Ich könnte Mieke fragen, die auch in der Gegend wohnt. Ich habe den Eindruck, dass es ihr zur Zeit nicht so gut geht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.