Selfie mit Mückenstich

Oder: Autoportrait à la piqûre de moustique.

Den Mückenstich habe ich heute Morgen beim Aufwachen gemerkt. Besser gesagt, beide Mückenstiche. Ein am Dekolleté[1], oder fast am Hals, und ein am linken Oberarm, dicht am Ellbogen. Wir müssen eine Mücke im Schlafzimmer gehabt haben, obwohl ich sie gar nicht gehört habe. Normalerweise nerven sie mich nachtsüber total, wenn sie am Ohr rum fliegen. ZzzzzzzzZZZZZZzzzzzzz…. Oder sie sind gestern Abend über mich hergefallen, als wir auf der Terrasse nach dem Sport ein wohlverdientes alkoholfreies Bananenweizen getrunken haben.

Ich habe die Stiche natürlich sofort mit meinem tollen Gerät erhitzt[2]. Das Gerät habe ich auf Arbeit mitgenommen und mehrmals am Tag angewendet. Es klappt, wie immer, die Stiche jucken nicht. Das scheint aber die allergische Reaktion nicht zu hindern. Am Hals geht es, am Ellbogen habe ich schon eine beachtliche Beule bekommen. Sie fühlt sich ganz warm an. Der Ehemann hat gerade einen Schreck bekommen, als ich mich auf der Couch neben ihm hingesessen habe.

So sieht jetzt der linke Ellbogen aus[3]:

Zum Vergleich, der rechte Ellbogen:

Sale bête.

[1] Komische Schreibweise.

[2] Seit der Anschaffung vor gut drei Jahren habe ich die Batterie immer noch nicht wechseln müssen. Es ist gut so, ich bin nicht sicher, wie ich dafür das Ding öffnen sollte.

[3] Es ist nicht der Winkel, unter dem die Beule am dicksten aussieht. Es ist gar nicht so einfach, den eigenen Ellbogen mit dem Handy zu fotografieren. Es klappt aber besser, als ihn zu lecken 😀

Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen

Bis Montag war ich mit dem Mini-Urlaub zufrieden. Wir haben Museen besucht. Das Dalí-Museum in Figueres, aber auch das Schloss von Púbol, wo Gala Dalí gelebt hatte und begraben wurde. Wir sind am frühen Sonntagmorgen zum Castell de Montgrí gewandert, was wegen des Zustandes vom Weg recht anstrengend war. Vor allem, um wieder runter zu kommen. Die starke Tramontane, die seit Freitag wehte, hat wenigstens dafür gesorgt, dass es uns nicht zu heiß wurde. Wir sind ein paar Male am Strand gewesen. Im Meer zu schwimmen war toll. In der Sonne haben wir nur wenig gelegen. Zum weiteren Abnehmen haben unsere Aktivitäten nicht gereicht, da es auch reichlich leckere Tapas gab. Ich habe uns eine Caponata gekocht, als Dankeschön für unsere Freundin, die uns so großzügig empfangen hat. Meinem Mann zuliebe habe ich die Sellerienstangen durch eine grüne Paprika ersetzt.

Ich bin in der kurzen Zeit von Mücken gefressen worden. Es ist noch schlimmer als bei der Dorffeier. Trotz Autan habe ich dreiunddreißig Stiche erst auf den Beinen gezählt. Nur wenige haben eine allergische Reaktion verursacht. Ich bin übrigens nicht sicher, dass alle Stiche von Mücken kommen. Auf der hinteren Seite vom linken Oberschenkel hatte der Ehemann am Freitag berichtet, dass in einem Bereich so groß wie seine Handfläche acht rote Punkte vorhanden waren (er war dabei, einen Stich auf einer Pobacke zu behandeln). Es waren nur Punkte, und sie hatten gar nicht gejuckt. Am nächsten Tag doch. Alle Punkte sind wie Mückenstiche geschwollen. Mücken stechen aber nicht so häufig auf einmal in einer so kleinen Hautgegend. Einige Stiche überlappen sich sogar. Zum Glück hatten wir Fenistil und den Stichbrenner dabei. Die Stiche mussten zweimal am Tag behandelt werden, aber zwischendurch hatte ich Ruhe. Und ehrlich gesagt, verglichen mit den Ereignissen vom Wochenende, erschien es mir lächerlich, mich zu sehr über „ein paar“ Stiche zu beschweren.

Ich lächelte und war also froh, und es kam tatsächlich schlimmer. Wir sind am Montagabend vom Strand zurück gekommen. Wir wollten noch kurz duschen und mit unserer Freundin für den letzten Abend essen gehen. Dazu ist es nicht gekommen.

Es gibt im Garten eine kleine Treppe. Die Stufen bestehen aus breiten unebenen Steinen, sowie der Weg davor. Ich ging als letzte die Treppe hoch, und ich bin auf der zweiten Stufe gerutscht und rückwärts auf dem Weg gefallen. Es gab nichts, wo ich mich hätte festhalten können. Ich konnte nur warten, bis ich am Boden geprallt bin. Es kam mir sehr lang vor, wie beim Fahrradunfall. Dabei konnten mich mein Mann und unsere Freundin nur entsetzt schauen, weil es so schnell ging, dass sie nichts machen konnten. Mein linker Fuß hat sich beim Fall völlig verdreht, und ich habe einen Riss am Radiusköpfchen vom linken Unterarm bekommen.

Ein großes Glück war, dass ich meine Tasche und den Stoffbeutel mit den Handtüchern vom Strand in der linken Hand trug. Beim Fallen sind beide hinter meinen Rücken gekommen und haben den Fall am Gesäß und am Rücken völlig gedämpft. Gleichzeitig kann es sein, dass sie die Verletzung am Arm verursacht haben, da ich mich sonst nicht daran erinnern kann, mich mit der Hand am Boden gefangen zu haben. Ein zweites großes Glück war, dass ich mein Haargummi am Tag davor verloren hatte. Ich hätte mir sonst einen Pferdeschwanz gemacht. Stattdessen hatte ich meine lange Haare zu einem lockeren Knoten gebunden und diesen mit einer flachen Spange oben am Kopf festgehalten. Das war gut, weil mein Kopf zweimal am Boden geknallt ist und vom Knoten geschützt wurde. Mein Schädel ist noch heil. Es fühlt sich alles normal an. Kein Schwindelgefühl. Mit einem Pferdeschwanz hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.

Wir haben den Abend in der Notaufnahme von einem Krankenhaus in der nächsten Stadt verbracht. Der Riss im Radiusköpchen ist röntgenographisch nachgewiesen worden. Der Knöchel ist nicht gebrochen und braucht nur ein paar Tage Ruhe. Der Fuß ist ganz dick geworden und hat sich dunkel gefärbt. Ich habe Gips um die Außenseite vom Arm bekommen, weil es so schmerzhaft war, wenn der Arm gedreht wurde. Ich kann ihn gar nicht mehr strecken. Der Unterarm ist nicht vollständig mit Gips gehüllt, und es ist gut, weil ich sonst gestern nicht zurück nach Deutschland hätte fliegen dürfen. Irgendwas mit Druck und Schwellung vom Arm. Es ist so trotz Halterung um den Nacken recht schwer zu tragen. Mit der ungewohnten Haltung tut mein Rücken weh. Der Oberarm auch. Oh, und der Ellbogen natürlich. Dagegen habe ich Ibuprofen bekommen. Ich frage mich manchmal, ob der Gips nicht mehr Schmerze verursacht als er verhindert. Ich habe heute meinen Arzt besucht und er hat mich bis zum Ende nächster Woche krank geschrieben. Am Montag soll mein Arm befreit werden, um eine neue Röntgenaufnahme zu machen. Ich freue mich so drauf.

Eigentlich hatte ich vor gehabt, gestern nachmittags meinen Arzt zu besuchen. Wir hätten um drei in Tegel landen sollen und seine Praxis geht nachmittags um vier auf. Warum es nicht geklappt hat, ist eine sehr blöde Geschichte. Wir hatten unsere Flüge über Lufthansa gebucht. Hinflug über München, Rückflug direkt mit der Tochtergesellschaft Germanwings (obwohl sie seit einem guten halben Jahr Eurowings heißt). Als wir gestern zum Flughafen in Barcelona ankamen, hieß es, wir wären nicht auf der Passagierliste. Lange Anrufe bei der Lufthansa, die noch häufig einfach mitten drin abgebrochen wurden, haben uns am Ende gelehrt, dass Germanwings die Bezahlung von Lufthansa aus welchem Grund auch immer nicht akzeptiert hatte, uns das Geld zurück überwiesen und die Reservierung storniert hatte. Ohne uns in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Flug war inzwischen voll gebucht und es täte der Frau am Schalter von Germanwings sehr Leid, aber wir müssten neue Karten kaufen. Der Ehemann hat es beim rumtelefonieren geschafft, dass die Lufthansa uns als Entschädigung kostenlos auf eine Strecke über München bucht. Spät abends. Wir wären kurz vor Mitternacht angekommen, weil es vorher nicht ginge, alle Flüge wären ausgebucht. Die versprochene Bestätigungsemail für die Umbuchung ist nie angekommen. Irgendwann hat er am Schalter von Lufthansa gefragt, ob wir uns trotzdem einchecken könnten. Kein Problem, meinte die Frau, wir wären in der Passagierliste, aber wollen wir nicht früher fliegen? Klar, meinte er. Es ging doch problemlos.

Zwischendurch gab es mehr Ärger mit meinem Arm. Zum Beispiel, weil ich nach der Sicherheitskontrolle in Barcelona gedacht hatte, es wäre besser, mit dem Aufzug statt mit der Rolltreppe runter zu gehen. Leider ist die automatische Tür vom Aufzug viel zu schnell wieder zu gegangen. Ich war noch am reingehen, als sie mit Schwung gegen meinen eingegipsten Arm geknallt hat. Ich dachte naiv, es gäbe doch optische Sensoren im unteren Bereich der Tür, die so was verhindern würden. Habe ich heulen müssen.

Im Flug nach München saß ich direkt vor dem Notausgang. Hinter mir waren die Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit. Trotzdem musste die junge Frau hinter mir, die so groß gar nicht war, die Beine so weit strecken, dass ihr Fuß auf meiner Armlehne den Ellbogen berührt hat. Abgesehen davon, dass es völlig unverschämt ist, sich mit seinen Sitznachbarn derart zu verhalten, ging es mit meinem Arm überhaupt nicht. Da sie auf meine Bitte, ihren Fuß weg zu nehmen, gar nicht reagiert hat, habe ich ihn mit der anderen Hand weg geschubst. Sie ist dann völlig hysterisch geworden, weil ich sie beim Schlafen „geschlagen hätte“, und hat gegen meinen Sessel getrommelt. Der Ehemann hat sich schnell eingemischt und sie fertig gemacht, da er sich besser umdrehen konnte als ich, bis die Zicke wutschäumend zu einem anderen Sitzplatz gewechselt ist. Tête à claques.

Um acht Uhr abends waren wir in Berlin. Zu spät für meinen Arzt.

Ausgesaugt

Das Wochenende war mir zu viel.

Am Samstag vormittags bin ich gejoggt. Eine ganze Stunde. Alleine, der Ehemann hatte etwas anderes vor. Nachmittags haben wir den Geburtstag vom Schwiegervater gefeiert, und ich wollte im Vorraus Energie verbrauchen, um ohne schlechtes Gewissen essen zu können. Ich bin sowieso vernünftig gewesen und habe nicht verfressen.

Am Abend sind wir zu Freunden aufs Land gefahren. Es gab dort eine Dorffeier. Ich hatte keine große Lust, dahin zu fahren. Aber sie ziehen bald um, und die Gegend an der Havel ist schön. Es war eine der letzten Gelegenheiten, sie dort zu besuchen. Und aufs Land wird es schon ruhig sein, oder?

Weit gefehlt. Die Feier fand auf einer großen Wiese gegenüber vom Haus unserer Freunde statt. Ich hatte etwas anderes erwartet. Es waren nur viele lange Tische mit Bänken, umgeben von einer Bühne, wo DJs Musik sehr laut spielen lassen haben, und Ess- und Trink-Wagen. Ich habe den Abend damit verbracht, Gespräche nicht zu verstehen, weil die Musik zu laut war. Ein Bier und ein alkoholfreies Cocktail genippt. Kinder beim Wettrennen zugeschaut. Die hatten ihren Spaß. Es war nicht wirklich kalt, aber ich war dicht gepackt, mit Lederjacke, langer Hose und Laufschuhen.

Wir haben die Feier relativ früh verlassen. Am Lagerfeuer im Garten diskutiert. Um zwei sind wir zum Gästezimmer gegangen. Und, so wie es auf dem Land ist, musste der Ehemann zuerst für mich sämtliche Spinnen im Raum entsorgen. Eine hing sogar auf der Wand oberhalb von den Kopfkissen. Brrr. Das ganze Haus ist von Spinnen besetzt. Ich habe mich wieder gefragt, warum ich zugesagt hatte, mitzukommen. Er hätte alleine hinfahren können.

Als wir sicher waren, dass keine Spinne mehr im Raum war, selbst unter dem Bett, haben wir uns hingelegt. Aber schlafen konnte man nicht. Die Musik war so laut, dass die Scheiben der doppelten Fenster mit jedem Schlag vibriert haben. Mir ist plötzlich eingefallen, dass ich in meinem Nécessaire immer Ohropax habe, und ich konnte doch irgendwann nach drei Uhr morgens einschlafen. Die Feier hat bis zur Dämmerung gedauert.

Wir sind früh aufgewacht und an der Havel entlang spazieren gegangen. Nach dem späten Frühstück mit den Freunden sind wir zurück nach Berlin gefahren. Ich war platt. Abends war noch geplant, dass wir bei einer Cousine vom Ehemann essen gehen. Ich habe abgesagt. Schade, aber dafür war ich heute Morgen mit meinem Körpergewicht zufrieden.

Beim Ausziehen habe ich gestern festgestellt, dass ich aufs Land noch buchstäblich ausgesaugt wurde. An die Knöchel und an der inneren Seite des linken Oberschenkels. Diese fiesen Viecher haben es geschafft, durch die dicken Klamotten zu stechen. Beim Stich am Oberschenkel habe ich eine allergische Reaktion bekommen. Der Stich ist jetzt Kreisförmig, mit einem Durchmesser von einer Daumlänge. Angeschwollen, ganz rot und sehr warm. Furchtbar. Es wird noch mehrere Tage nerven, bevor es verschwindet. Meistens dauert es eine Woche.

Auszeit

Ich habe beim Aufwachen darüber nachgedacht, und mein negatives Gefühl seit dem gestrigen Tauchgang hat sich nur verstärkt. Es hat nichts mit meiner üblichen hormonalen Tiefe wegen meiner Periode zu tun. Ich habe wirklich keine Lust mehr, weiter zu tauchen. Das Schwindelgefühl beim Auftauchen, und wie ich mich wegtreten gespürt habe, bevor ich die Oberfläche erreicht habe, haben mich genug erschreckt. Dass wir danach eine sanftere, einfachere Strecke mit vielen Sehenwürdigkeiten gemacht haben, hat mich nicht genug begeistert, um diese Angst zu überwinden.

Ich hätte heute Morgen mit dem Rest der Gruppe zur Tauchbasis gehen sollen, um meine weiteren Übungstauchgänge zu machen. Der lokale Tauchführer hatte gestern angekündigt, dass ich heute drei Tauchgänge machen sollte, natürlich viel tiefer, bis 18 Meter. Es hat mich schon wieder gestresst. Ich fühle mich gezwungen. Dass mein rechtes Ohr dazu einen Schaden bekommen hat, schien keinen zu interessieren. Mara wollte nichts hören und hat versucht, mich zu überreden und meine Beschwerde klein zu reden, um weiter zu machen.

Als Martin heute Morgen aufgewacht ist, habe ich ihm gesagt, dass ich genug habe. Er hat zum Glück sofort Verständnis gezeigt. Sonia hat dagegen versucht, mit mir zu reden, aber sie hat schnell eingesehen, dass es keinen Zweck hat. Außerdem ist mein rechtes Ohr immer noch stark von gestern belastet, obwohl ich Nasenspray zur Linderung von den Beschwerden benutzt habe. Natürlich geht es nicht so schnell weg. Beim letzten Mal hatte ich fast eine Woche gebraucht, um mich normal zu fühlen.

Heute entspanne ich mich. Mit der Behandlung meiner vielen Mückenstichen bin ich erstmals genug beschäftigt. Ich habe ja ein tolles Gerät, um Stiche einige Sekunden lang zu erhitzen und damit die Allergene zu denaturieren. Es wirkt unglaublich gut, danach juckt gar nichts mehr. Ich reagiere trotzdem manchmal allergisch. Ich habe gerade einen Stich unter dem Knie, der fünf Zentimeter im Durchmesser geworden ist, ganz rot und angeschwollen. Ein anderer Stich auf dem Knöchel ist durch mein Tauchfüßling zur riesen Blase geworden. Ich habe gestern Abend einen Pflaster drauf getan, sie ist noch nicht geplatzt. Es ist nicht so, als ob ich kein Mückenspray benutzt hätte. Autan scheint bei mir nicht zu wirken. Wir haben eine Glühspirale auf der Terrasse benutzt, die nach Rauchstäbchen stinkt, sie hat nicht geholfen. Ich rieche zu gut für die Mücken, offensichtlich.

Aua

Momentan geht’s mir nicht so toll. Der Anfang der sommerlichen Saison war heftig.

Es hat schon letzte Woche angefangen, als ich nachmittags im Büro einen Mückenstich auf dem linken Bein an der Außenseite entdeckte. Ich habe zuerst nichts besonderes gedacht, aber es hat sich genau so schlimm wie letztes Jahr entwickelt. Die Berliner Mücken sind richtig fies. Am Samstag war der Stich 5 cm groß im Durchmesser. Ganz rot und warm, 5 mm dick geschwollen, und juckend ohne Ende. Und ich dachte, ich hätte keine Allergie. Beim nächsten Besuch beim Dermatologe nächste Woche werde ich es erwähnen müssen. Martin geht auch zu ihm für seine Allergien, vielleicht kann er mir etwas dagegen verschreiben.

Am Wochenende waren wir bei einer Freundin von Martin zu Besuch. Es gab eine Bootfahrt. Das Wetter war toll. Natürlich war ich leicht bekleidet, mit Spaghetti-Top und Rock. Ich hätte es erwarten können. Drei neue Stiche beschmucken jetzt meine Beine. Martin ist verschont geblieben. Der Stich von letzter Woche hat nachgelassen, ist aber noch gut sichtbar. Die drei neue Stiche sind so schlimm geworden, dass Mieke mir unbedingt einige Rezepte mitteilen musste. Ich sollte pürierte Zwiebeln auftragen. Essig ginge auch. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Am Montagabend habe ich Essigessenz gekauft und auf die Stiche geschmiert. Es schien besser zu werden. Als ich aber ins Bett ging und die Beine unter der Decke hatte, haben sie plötzlich wieder völlig gejuckt. Ich bin aufgestanden und habe erneut Essig benutzt. Ein Stich ist dabei geplatz und hat höllisch gebrannt. Er hatte kleine Blasen entwickelt. Ich habe alle mit Pflastern bedeckt und konnte endlich schlafen. Gestern hat der geplatzte Stich so viel Flüssigkeit herausgegeben, dass meine Hose trotz Pflaster etwas davon bekommen hat. Ich habe alle Pflaster weg geworfen, die Hose hoch gekrempelt und den ganzen Nachmittag die Flüssigkeit mit einem Taschentuch gesaugt.

Mein IT-Kollege hat mir gestern von einem Gerät gegen Stiche erzählt, dass sich besser als Essig oder Zwiebeln anhört. Davon ist er auf jeden Fall begeistert. Es handelt sich um ein Verbrenner, der die Stiche erhitzt und die Allergene unwirksam macht. Ich werde es beim nächsten Mal definitiv ausprobieren.

Damit war’s aber nicht alles. Auf der Bootfahrt am Wochenende habe ich einen riesen Sonnenbrand bekommen. Martin auch. Ich hatte nicht erwartet, dass das Boot so wenige Schattenplätze anbieten würde. Sonnencreme hatten wir nicht mitgebracht. Ich bin immer noch rot im Nacken, auf die Schulter und im oberen Brustbereich. Es schmerzt. Mieke wusste noch einen guten Heilmittel gegen Sonnenbrand: Quark drauf schmieren. Die Idee fand ich merkwürdig. Probiert haben wir sie, am Montagabend. Martin hat mich eingequarkt. Dass es sich so kühl anfühlte, fand ich toll. Ich habe aber keine Besserung feststellen können. Trotz Duschen habe ich noch am nächsten Tag einen unangenehmen Geruch an meiner Haut gemerkt. Ich empfehle es nicht weiter.

Und als ich mich am Samstag auf dem Weg zu Martin gemacht hatte, mit unserem neu erworbenen Zelt im Rucksack (wir haben bei seiner Freundin gezeltet), bin ich wegen der ungewöhnlichen zusätzlichen Masse beim Bremsen nach einer Brücke mit dem rechten Knie gegen den Rahmen des Fahrrads geknallt. Schon wieder.

Kein Wunder, dass ich mit all diesen Wehchen zur Zeit gereizt bin. Die wieder gekehrte Periode hilft dabei nicht weiter.

Zurück zu Hause

Die erste Arbeitswoche ist vorbei, ich fahre zurück zu meiner Katze. Ich lasse hinter mir die mit Spinnen infizierte Wohnung. Ich glaube, eine hat mich über Nacht gestochen. Ich habe diese Woche viele Mückenstiche bekommen, auch am Hals, aber ich habe in der Wohnung selbst gar keine Mücke wahr genommen, und der Stich hat, im Gegenteil zu den anderen herum, eine starke allergische Reaktion verursacht. Könnte es schlimmer in dieser Wohnung werden? Ja, wenn die Glühbirnen ausfallen. Ich bin nicht mal eine Woche da gewesen, und schon zwei sind kaputt gegangen. Die Hauptbirne im Schlafzimmer und eine der drei Birnen im Eingangsflur. Beide beim Einschalten des Lichtes. Jetzt lasse ich die anderen Lichter ständig an. Sonst geht auch noch eine andere kaputt, und ich will nicht im Dunkel mit den Spinnen sein.

Ich hoffe sehr, bald eine Wohnung zu finden, um umzuziehen und nicht mehr so lange hin und her mit dem Zug zu fahren. Die letzte Wohnung, die ich diese Woche besichtigt habe, gefällt mir sehr. Sie ist groß genug, ruhig gelegen, und bietet auch im Erdgeschoss Zugang zu einem gechlossenen Innenhof, so dass meine Katze ins Grüne gehen könnte und trotzdem von den Gefahren der Straße geschützt bleibt. Ich habe schon einige der verlangten Nachweise zum Makler geschickt und hoffe auf eine positive Rückmeldung. Selbst wenn ich am Anfang nur ein Bett habe, ziehe ich sofort hin. Und obwohl ich für diese Wohnung eine Maklerprovision bezahlen müsste, wäre die Wohnung auf zwei Jahre gerechnet immer noch billiger, als die erste, die ich am Dienstag besucht habe. Diese war dunkel, hatte so hohe Decken, dass ich viel heizen müsste, hatte auf der Anzeige mit einem Balkon geworben, den ich eher als Fensterdekoration bezeichnen würde, so klein und unbenutzbar ist er, und die Einbauküche war in einem sehr schlechten Zustand, ich hätte sie sowieso entfernt und eine neue eingebaut.

Diese Zugreise kommt mir jetzt wie eine Ewigkeit vor. Wir sind mit Verspätung aus Berlin los gefahren, so dass ich meinen Anschlusszug schon mal nicht erreichen werde. Ich habe es aber geahnt, deswegen habe ich die Arbeit heute Nachmittag früh verlassen, um eventuell noch einen späteren Anschlusszug zu bekommen. Die Antwort meines Chefs, als ich fragte, ob es ging: „Klar, kein Problem“. Cool. Ich habe Fachliteratur im Rucksack eingepackt, aber nach einigen Stunden ist Schluss mit Lesen.

Gegenüber von mir am Tisch sitzt ein junger ausländisch aussehender Mann, ein Spanier, glaube ich, der irgendwie komisch wirkt. Nicht nur, dass er die Nutzung eines Taschentuches anscheinend nicht kennt und die ganze Zeit geschnieft und ungeniert in seiner Nase gebohrt hat. Seit einiger Zeit hantiert er nur noch mit seinen Handys. Ich habe schon ausgeflippt, als er anfing, einen elektrischen Kabel aus einem Aufladegerät nackt zu legen und beide Kupferdrähte schön zu vorbereiten und gerade zu drehen. Als er ein Handy genommen hat und die Batterie raus geholt hat, ging’s mir ganz schlecht, mein Herz schlug ganz wild, und ich musste ihn fragen, was er da treibte. Auf Englisch, weil er kein Deutsch spricht. Worauf er antwortete, dass er seine Batterie aufladen wollte, da er nicht das richtige Gerät dabei hätte. Es scheint auch zu stimmen, wie er dann beide Drähte an der Batterie mit seinem Daum fest gehalten hat und keine weitere Sachen damit verbunden hat, aber irgendwie habe ich Geschichte im Kopf von Terroranschlägen, die mit Batterien von Handys gestartet wurden. Wobei, jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte ich eigentlich keinen konkreten Beispiel nennen. Trotzdem werde ich sehr froh sein, wenn ich endlich aus diesem Zug aussteige. Dadurch, dass ich den jungen Mann angesprochen habe, hat er mich auch Fragen gestellt, und sehr schnell, ob ich verheiratet oder single wäre. Ich hasse es, wenn fremde Männer sich erlauben, solche persönliche Fragen zu stellen. Ich habe die Frage ausgeweicht, bin aber noch freundlich geblieben, falls er doch vor hätte, den Wagen in die Luft zu sprengen. Ha, ich mache mir bestimmt Sorgen umsonst. Ich habe den Laptop aus der Tasche geholt und angefangen zu tippen, dabei glotzt er mich so ab und zu, als ob er noch das Gespräch suchen möchte, was ich schon nicht mehr will. Das mit dem Anbaggern hat er aber gelassen, als ich ihm nebenbei mein Alter gesagt habe. Ich sehe halt nicht so alt aus. Ich glaube, er steigt in Duisburg aus, dann bin ich alleine am Tisch.

[…] Tja, jetzt, wo er ausgestiegen ist, habe ich mir wirklich umsonst Sorgen gemacht. Wir haben doch weiter gesprochen, er hat erzählt, er ist unterwegs, um einen Freund zu besuchen. Irgendwann hat er seine Handys wieder eingesteckt. Er hat die ganze Zeit versucht, seinen Freund anzurufen, hat aber anscheinend nicht die richtige Nummer gehabt, obwohl der Freund ihn vorher angerufen hatte. Ich denke, weil sein Handy nicht deutsch ist. Meine Mami hatte auch früher das Problem, dass sie meine Nummer nie vollständig auf ihrem Display gesehen hatte, wenn ich sie aus dem Ausland angerufen hatte. Wir haben mit meinem Handy probiert, seinen Freund anzurufen, und es ging nicht. Er hat erzählt, dass er diesen Freund erst morgen besuchen wollte und für gerade 30€, die er noch in der Tasche hatte, irgendwo übernachten wollte. Ich habe ihm viel Glück gewünscht, weil ich nicht weiß, wo man so billig schlafen kann. Ich habe ihm vorgeschlagen, nach Jugendherbergen zu suchen. Ich kenne mich in Duisburg aber gar nicht aus.

Ich bin sonst diese Woche nach einigen Wochen Stille wieder von Hülya angerufen worden. Diesmal hatte sie ihre Nummer nicht versteckt, was mich verunsichert hat. Ich hatte sie auf dem Handy nicht mehr gespeichert gehabt, er waren zu viele Jahre her, als sie sich jedes Wochenende bei mir eingeladen hatte. Ich dachte, es wäre jemand, der für eine Wohnungsbesichtigung anruft, und habe nach dem verpassten Anruf zurück gerufen. So ein Mist, sie war’s. Da ich abends in der Stadt unterwegs war und gerade viel Verkehr vorhanden war, habe ich so getan, als ob ich nicht hören könnte, wer dran war. Nach mehrmaligen „Allo?“ und „Ich höre Sie ganz schlecht“ habe ich wieder aufgelegt. Sie hat mich seitdem drei/vier Male am Tag versucht, anzurufen, aber jetzt, wo ich ihre Nummer kenne, gehe ich nicht mehr dran, das Handy habe ich auf leise gestellt. Sobald ich eine Wohnung in Berlin habe, ändere ich meine Handynummer. Vorher kann ich nicht, da ich diese Nummer für Wohnungsbesichtigungen angegeben habe. Sie hatte damals eine Freundin erwähnt, die bei O2 arbeitet. Ich lasse mich zwar nie in Telefonbüchern eintragen, aber vielleicht sollte ich sogar den Anbieter wechseln, falls sie auf die Idee kommt, diese Freundin nach meiner Nummer zu fragen.

[…] Endlich zu Hause. Die Glühbirne im Flur hat sich hier auch beim Einschalten verabschiedet, es ist wirklich nicht meine Woche mit Lampen. Rucksack auf dem Boden, Katze in den Armen, sie hat sich wieder über meine längere Abwesenheit beschwert, die Arme, ich habe sie auch vermisst, dann konnte ich nicht länger warten, ich bin trotz später Stunde in die Dusche gegangen und habe meine Haare gewaschen. Nächste Woche sind meine Tage vorbei, ich werde dann dafür zu einem Schwimmbad in der Nähe der Arbeit gehen – und dabei noch Sport treiben.