Nicht erholt

Zwei Wochen Urlaub sind um. Ich fühle mich gar nicht erholt.

Ich war am Ende des Jahres auf Arbeit völlig ausgelastet. Mein Teamleiter hatte mich darum gebetet, für ein bestimmtes Projekt meine Arbeitszeit zu erfassen. Ich habe mir dafür eine App[1] auf den Rechnern installiert und protokolliere jetzt alles, was ich mache, nicht nur das eine Projekt. Das war Mitte November. Seitdem ist mir bewusst, wie viele Überstunden ich tatsächlich leiste. Jede Woche deutlich über vierzig Stunden, und das ist die reine Arbeitszeit am Schreibtisch, ohne Pausen. Dafür hat sich mein Gehalt seit meinem Einstieg in der Firma vor zwei Jahren nicht geändert, obwohl ich mehr Aufgaben bekommen habe. Wir haben keine Arbeitszeiterfassung, so dass ich nur auf den guten Willen meines Arbeitgebers angewiesen bin, um Überstunden geltend zu machen, die ich laut Vertrag machen muss, wenn es sein muss. Am zweiten Wochenende Dezember waren wir mit dem Ehemann in Berlin. Ich hatte mir den Montag dafür frei genommen. Am Ende habe ich die ganze Zeit im Zug am Laptop weiter gearbeitet, um ein Projekt für einen Kunden fertig zu kriegen. Hin und zurück. Ich konnte den freien Tag zurück bekommen und mit dem letzten Freitag vor meinem Urlaub tauschen. Ich musste doch an dem Tag einige Sachen von zu Hause aus fertig machen, da ich am Donnerstag davor nach fast zehn Stunden Arbeit nicht mehr funktionsfähig war. Neujahrsvorsatz #1: Auf die Bremse treten und lernen, nein zu sagen. Sonst kippe ich um.

Der Urlaub selbst war nicht erholsam. Wie könnte es anders sein, bei der Reiserei? Weihnachten in der Familie vom Ehemann, Sylvester bei meiner Mutter, inklusiv Besuch der Schwester mit ihrem dreijährigen Sohn, die wenigsten dieses Jahr zu meiner Mutter gekommen sind, um uns eine längere Fahrzeit zu ersparen. In den zwei Wochen gab es viel Lärm, viel Essen und viel Trinken. Neujahrsvorsatz #2, wie letztes Jahr: Mich mehr bewegen. Diesmal aber wirklich. Es wird klappen, wenn ich Vorsatz #1 durchsetze.

Nachdem wir am Montag den Flieger nach Nizza doch gekriegt haben, sind wir mit dem Mietwagen an der Küste entlang gefahren, statt die Autobahn zu benutzen. Das Wetter war fantastisch. Wir haben Pause bei einer Calanque gemacht. Wie ich diese Strecke zwischen Fréjus und Théoule mit dem Zug geliebt habe, als ich Studentin war, mit den roten Gesteinen, die ins blaue Wasser versinken! Schwimmen kann man dort schlecht, da es wenige Strände gibt, aber der Massif de l’Esterel ist jedenfalls ein Besuch wert. Wir sind mit dem Ehemann dort ein paar Male gewandert. Ich wundere mich, dass ich nichts davon hier festgehalten habe.

Das Wetter ist die ganze Woche schön geblieben. Wir sind spazieren gegangen. Unten links, Promenade am Ufer vom Lac de Sainte-Croix bei Les Salles-sur-Verdon, wo ich als Kind häufig gebadet hatte. Traumhaft glattes Wasser. Wir haben Kiesel übers Wasser hüpfen lassen. Unten rechts, Höhle und Wasserfall in Villecroze, wo sich der Neffe vor allem für den Spielplatz interessiert hat. Die Höhle ist leider seit den letzten Überschwemmungen vom November gesperrt, da es jetzt ein erhöhtes Risiko für Steinschlag gibt.

Am Freitag erreichte uns die Nachricht, dass es dem Schwiegervater nicht gut ging. Nachbarn haben einen Notarzt gerufen, der Schwiegervater liegt seitdem im Krankenhaus. Anstatt also dass wir gestern Abend zusammen zurück nach Hause geflogen sind, hat der Ehemann für sich nach Berlin umgebucht. Ich habe dadurch den ganzen Tag in Nizza verbracht und bin nach dem Shoppen zu Fuß zum Flughafen gelatscht. Sieben Kilometer. Ich hatte viel Zeit, und Vorsatz #2. Der Koffer war schwer. Ich musste einige Pausen einlegen, nicht zuletzt um den pan bagnat zu essen, den ich am noch geöffneten Weihnachtsmarkt auf der Place Masséna geholt hatte. Er hat leider geschmacklich meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich habe den Verdacht, dass etwas anderes als Olivenöl benutzt wurde. Bei den Temperaturen konnte ich im T-Shirt laufen, wie das letzte Mal vor vier Jahren. Ab drei Uhr nachmittags wurde es windig und ich habe den Pulli wieder angezogen.

Um elf Uhr abends gestern zu Hause angekommen. Ich habe trotz der späten Stunde ein Bad genommen. Meine Beine waren durch den langen Fußweg zum Flughafen richtig müde.

Nicht erholt fühle ich mich vielleicht deswegen auch, weil ich mich seit heute früh erkältet fühle. Die ganze Woche war der Ehemann nur am Niesen, und nachtsüber am Schnarchen, was die Erholung zusätzlich beeinträchtigt hat. Ich dachte bis gestern naiv, mich hätte die Erkältung nicht erwischt. Falsch.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Jubelstimmung

Denn ich gerade meine Emails abgerufen habe, und drin war eine neue Einladung für ein Vorstellungsgespräch. Nächste Woche Donnerstag nachmittags, in Holland. Zwischen vier und fünf Stunden Zug. Hin. Das ist noch in einem Tag zu schaffen.

Dann muss ich noch für das Vorstellungsgespräch nächste Woche Dienstag in Berlin einen Vortrag vorbereiten. Ich weiß, ich habe schon vor kurzem einen Vortrag halten müssen. Aber jetzt muss es auf Englisch sein, und die Leute, die es hören, sind keine Laien in meinem Gebiet wie beim letzten Mal. Ich muss also weniger über die Methoden und mehr über die Ergebnisse erzählen. Und nebenbei auch mir das Programm herunterladen und anschauen, das mit Python umprogrammiert werden soll. Das war, neben der Gerätebetreuung für Messgäste, die Haupttätigkeit, die ich mit den Anbietern der Stelle bei der Tagung in März diskutiert hatte. Problem: Das Programm ist für große biologische Strukturen gedacht, ich habe aber nur Erfahrung mit kleinen anorganischen Strukturen. Nun, das wissen sie, ein großes Hindernis kann es also nicht sein.

Ich habe morgen Vormittag einen Termin bei einer der drei Firmen, die die Qualitätsmanagement-Weiterbildung anbieten. Ich habe zuerst diese ausgewählt, weil sie am einfachsten von zu Hause aus mit dem Bus zu erreichen ist, es gibt viele Buslinien, die ohne Umstieg dahin fahren. Sonst sind sie alle vom Programm aus ziemlich gleich.

Sollte es mit der Weiterbildung klappen, und sollte ich nichts Besonderes von den beiden Stellen hören, werde ich Anfang Juni zu meinen Eltern fliegen. Sonst hätte ich bis Ende September keine Gelegenheit mehr dazu. Und es wäre gar nicht so schlecht, ausnahmsweise im Mittelmeer schwimmen zu können, bevor die ganze Touristenmeute auftaucht und ihren Dreck am Strand hinterlässt. Das habe ich während meines Studiums häufig gemerkt. Ich hatte im Frühling am Wochenende gerne mit einer Freundin vormittags am Kiesel-Strand gelernt (Sand haben wir dort nicht), gerade 40mn zu Fuß vom Campus entfernt. Um 08:00 ist keiner auf der Prom‘ außer die Jogger, man kann wunderbar den Tag mit ein bisschen Brustschwimmen beginnen, und man muss beim Lernen nur darauf aufpassen, dass der Wind die handgeschriebenen Notizen nicht weg reißt. Die Qualität vom Meereswasser ist im Mai-Juni wirklich nicht mit der Hochsaison in Juli-August zu vergleichen. Ob Meereswasser gegen Psoriasis hilft…


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.