Ein echt mieser Tag

Die Nachricht am Morgen hat mich umgehauen. Ich selbst war überrascht, weil ich ja immer gedacht hatte, mal schauen, ob es überhaupt gut läuft, erst nach drei Monaten kann ich mich auf die Schwangerschaft freuen. Ich wollte mir keine Hoffnung machen. Der Verlust macht mich trotzdem sehr traurig.

Die Frauenärztin hatte mir eine Einweisung zum Krankenhaus gegeben, mit dem Hinweis, ich sollte nichts essen und nichts trinken, falls ich eine Narkose am Tag bekommen sollte. Blöd, weil ich nur ein Keks auf die Schnelle gegessen hatte, bevor ich das Haus verlassen hatte, und ich schon Hunger spürte.

Nachdem ich vorher wieder zu Hause war, um mich umzuziehen und die Arbeitssachen auszupacken, habe ich mich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht. Das Krankenhaus, wo ich für die Bauchhöhlenschwangerschaft operiert wurde. Die Krankschreibung für meinen Arbeitgeber wollte ich noch ganz schnell zur Post bringen. Tja. Als ich ankam, standen zwei Männer an den Schaltern vorne, und nur eine Frau war da, um sie zu bedienen. Sie kam mir extrem langsam vor. Weil ich in Eile war, dachte ich. Ich sollte mich geduldig verhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen Leute bis zur Tür hinter mir, eine Frau beschwerte sich schon, und die zwei Männer waren immer noch an den Schaltern. Der eine wollte ein Paket schicken und hat es noch vor Ort gestaltet und zu geklebt. Als die Frau den Preis von 22€ angegeben hat, hat er sich beschwert und gefragt, ob es günstiger ginge. Hat ewig gebraucht, um endlich zu zahlen. Noch gefragt, ob er die Nummer zur Sendungsverfolgung haben könnte, obwohl er sie schon hatte. Als er endlich fertig war, wollte der andere Mann irgendwas schicken. Ich habe nicht aufgepasst, wegen Diskretion und so, aber die Frau hat ihn kaum verstanden, obwohl er deutlich gesprochen hatte, und musste quasi alles, Name, Adresse, buchstabiert bekommen. Danach war ich endlich mit meinem Brief dran. 0,70€, bezahlt, raus, keine Minute gebraucht, aber ewig gewartet. Briefmarken habe ich blöderweise nie zu Hause.

Den Bus hatte ich natürlich gerade verpasst und ich musste fast zwanzig Minuten auf den nächsten warten. Ich bin zu Fuß zur nächsten Haltestelle gegangen, weil ich keine Lust hatte, unter dem Regen stehend zu warten. Ich habe dann doch lange warten müssen, weil der Bus verspätet war. Erst um halb eins war ich in der Notaufnahme, und die Warterei hat angefangen. Gut, es war mir schon klar, und ich sollte glücklich sein, warten zu müssen, da es hießt, ich habe keine akute lebensbedrohliche Beschwerde. Ich war bewaffnet und habe so viele Reihen am Schal vom Ehemann wie noch nie an einem Tag geschafft. Ätzend fand ich es im Wartezimmer von der Gynäkologie, weil eine ältere gehbehinderte Dame dort von Pflegern gebracht wurde und nicht mehr beachtet wurde. Sie hat sehr viel alleine gesprochen, wobei ich nur die Hälfte verstanden habe. Und ich dachte, Deutsch kann ich mittlerweile gut. Die Dame war anscheinend geistig verwirrt und sprach entweder mit nicht anwesenden Personen oder erzählte Dinge, die kaum Sinn ergaben.

Um halb vier war ich bei einer jungen Frauenärztin dran, die ich schon aus der Bauchhöhlenschwangerschaft kannte. Sie hat nochmal ein Ultraschall gemacht, um den Befund vom Vormittag zu bestätigen. Kein Herzschlag. Sie hat mir dann die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, und ich habe mich für eine Ausschabung entschieden. Sie wird am Freitag statt finden, weil ich an dem Zeitpunkt schon stark an Migräne leidete, die durch Hunger und Durst verursacht wurde, und ich hatte keine Lust, noch auf unbestimmte Zeit da zu warten. Ich habe zwei Tabletten bekommen, die ich mir morgen Abend in die Scheide rein schieben sollte, um den Muttermund weicher zu machen. Danach musste ich noch zur Anästhesie, um ein Vorbereitungsgespräch für Freitag durchzuführen. Die Ausschabung wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Um halb fünf war ich endlich aus dem Krankenhaus wieder raus, und ich freute mich schon riesig darauf, zu Hause etwas trinken und essen zu können. Ich habe unter strömendem Regen an der Haltestelle auf den Bus gewartet. Es ist die Endhaltestelle der Linie, man könnte meinen, dass die wenigstens dort pünktlich starten. Denkste. Der Bus fährt alle zwanzig Minuten. Ich war kurz vor Abfahrt da und habe über dreißig Minuten gewartet, bis ich beschlossen habe, dass es keinen Zweck hat und mit der U-Bahn gefahren bin. Es war natürlich ein Umweg, aber wenigstens war ich nicht mehr unter Regen. Danach musste ich sowieso auf einen anderen Bus warten, und oh Überraschung, der kam ebenfalls verspätet an. Aber nur acht Minuten. Inzwischen war es recht stürmisch geworden, mein Regenschirm hatte sich schon mal umgedreht, und die schnell fahrende Autos hatten meine Füße völlig durchnässt, weil das Wasser nicht mehr durch den Ablauf auf der Straße floss.

Erst um sechs war ich zu Hause. Theoretisch braucht man mit dem Bus vom Krankenhaus aus nur zwanzig Minuten. Ich war klatsch nass und durchgefroren und musste mich zuerst umziehen. Trinken, Aspirin (jetzt darf ich wieder), essen, schlafen. Es geht langsam besser, und der Ehemann ist auch gerade vom Flughafen angekommen.

Heute zu Hause

Es ist toll, wenn ich von zu Hause aus arbeiten darf. Ich spare mir gleich zwei Stunden Fahrt mit der ÖPNV. Wenn ich den Anfang der Woche betrachte, würde ich sogar drei Stunden sagen.

Am Montag lief es erstmal in Ordnung. Ich hatte keine Lust auf S-Bahn. Mit dem ersten Bus los, kurz in der U-Bahn, dann zur nächsten Bushaltestelle, um das letzte Stück zur Arbeit zu fahren. Um neun stand ich dort. Der Bus fährt im zwanzig-Minuten-Takt, zusammen mit einem anderen Bus, der einen Teil der Strecke fährt. Um zwanzig vor zehn, ziemlich durch gefroren, als die Anzahl der Fahrgäste sich schon bedrohlich auf dem Bürgersteig vermehrt hatte, bin ich in den anderen Bus eingestiegen und habe den Fahrer gefragt, ob er irgendwas über die andere Linie wüsste. Nein, aber die Nummer vom Kundendienst hat er mir gegeben: 030-19449. Dort habe ich erfahren, dass es auf der Autobahn einen Unfall gegeben hatte, und alle Fahrzeuge die Ausfahrt nehmen mussten, was einen Monsterstau verursacht hatte. Die Busse kamen einfach nicht durch. Ich bin bis zur letzten gemeinsamen Haltestelle mit dem Bus gefahren und habe den Rest zu Fuß gemacht. Fünfundzwanzig Minuten. Natürlich hat sich inzwischen der Stau aufgelöst, und der lang ersehnte Bus hat mich zwischen zwei Haltestellen überholt. Ich war aber bei der Kälte flott genug unterwegs, und habe ihn bei jeder roten Ampel wieder getroffen.

Gestern hatte der erste Bus schon eine Viertelstunde Verspätung, wie mir meine BVG-App nach fünf Minuten Ungeduld berichtet hat. Mit der App ist es so eine Sache. Verspätungen werden häufig gar nicht angezeigt, wie am Montag. Diesmal schon. Der Bus fährt im zehn-Minuten-Takt, also bin ich in den nächsten Bus eingestiegen. Zu meiner Enttäuschung war es wieder kein Doppeldecker, und nicht mal ein langer Bus, weil er nicht so weit wie der erste Bus fährt und dadurch weniger Gäste bekommt. Im Normalfall. Dadurch, dass der erste Bus de facto ausgefallen ist, war der entsprechend rappelvoll. Wir haben noch auf dem Weg zur U-Bahn im Stau gestanden und zehn Minuten Verspätung gesammelt. Als ich dann bei Rot an der Ampel stand, um zur letzten Bushaltestelle zu gehen, ist mir der Bus vor den Augen weg gefahren. Nochmal zwanzig Minuten in der Kälte warten.

Heute habe ich mich also gefreut, zu Hause zu arbeiten. Dadurch entfällt die Fahrzeit, die ich momentan benutze, um einen Schal für den besten Ehemann der Welt zu häkeln, aber mehr dazu in einem anderen Beitrag. Heute wäre ich sowieso nicht dazu in der Lage gewesen. Schon beim Aufstehen wurde mir klar, ich bin so was von müde! In der Küche würde mir schwindelig, als ich das Radio bedienen wollte. Ich habe mich auf der Couch im Wohnzimmer unter der Decke gekuschelt und geschlafen, als der Ehemann sich für die Arbeit fertig gemacht hat. Nach einer Weile konnte ich mich aufraffen und habe zwei Stunden gearbeitet. Danach bin ich zum Arzt gegangen, um nach den Testergebnissen von letzter Woche zu fragen. Sie hatten mir gar nicht Bescheid gesagt, aber die Ergebnisse lagen schon länger da. Es gab eine kurze Besprechung mit dem Arzt, der meinte, solche tolle Blutwerte hätte er selten gesehen — danke Nadja! Vermutlich. Ich kannte meinte Werte auch nicht, bevor ich meine inzischen elf Kilogramme abgespeckt habe. Und Mängel gibt es keine. Ich habe noch mein bestelltes Buch Schwangerschaft für Dummies bei der Buchhandlung abgeholt und bin zurück nach Hause gefahren. Kurz gegessen. Und dann wurde mir bewusst, ich war unfähig zu arbeiten.

Migräne. Lichtempfindlichkeit. Müdigkeit. Lesen und am Rechner arbeiten unmöglich. Ich habe mich wieder auf der Couch unter der Decke mit herunter gezogenen Jalousien gepackt und versucht zu schlafen. Wie gestern, als ich nach Hause gekommen bin. Gestern nachmittag hatte mich genau beim Einschlafen das Klaviermassaker der Nachbarn den Schlaf geraubt. Seitdem wir hier wohnen, hat sich qualitativ am Musizieren der Nachbarn leider nichts geändert, wobei es in letzter Zeit nicht mehr so häufig zu hören ist. Für Elise ist inzwischen halb gelernt aufgegeben worden. Andere Stücke, die ich in meiner Jugend selber gespielt und geliebt hatte, werden dermaßen mishandelt, das ist echt schwer zu ertragen. Wie auch immer. Heute nachmittag konnte ich ohne Störung schlafen. Es hat aber nicht geholfen, weil die Migräne immer noch da war. Viel Wasser getrunken. Einen Apfel gegessen. Nochmal geschlafen. Übelkeit. Am Ende habe ich doch Paracetamol genommen. Es soll unbedenklich sein. Und nach dem ich wieder geschlafen habe, geht es mir endlich wieder besser. Ein mieser Tag war das.

Ich warte nun, dass der Ehemann auf dem Fitnessstudio zurück kommt. Weil er jetzt trainiert. Mit mir, in einem neuen Fitnessstudio. Aber dazu in einem anderen Beitrag.

Und zurück

Bin ich müde. Gestern bin ich erst um elf Uhr abends vom Flughafen aus zu Hause angekommen. Heute Morgen konnte ich nach dem Wecker nicht aufstehen. Ich mache es mir gemütlich und werde erst nachmittags bei der Arbeit sein. Wie gut, dass ich keine feste Arbeitszeiten habe. Ich werde um eins los gehen, aber eigentlich… Ich will nicht. Den Gedanke habe ich immer häufiger, und das ist schade, weil meine Arbeit mich doch begeistert. Ich will nicht mehr. Nicht auf Dauer. Von der Frau bei der Verwaltung habe ich nach einem netten Telefongespräch nichts mehr gehört. Auf Nachfrage meinte sie, auf einen Termin von jemandem aus der Personalabteilung zu warten. Jetzt ist Funkstille. Wahrscheinlich wird nichts daraus.

Der Workshop selbst ist gut gelaufen. Die Teilnehmer waren zufrieden und haben vieles gelernt. Ziel erreicht. Der Veranstalter hat sich bei uns sehr bedankt und war froh, dass es so gut ging.

Gut, bei dem praktischen Teil lief es nicht ganz glatt, weil viele doch nicht dazu gekommen waren, die Programme zu installieren, die sie dafür benötigten. Bei den Download-Statistiken von Programm#1 konnte ich sehen, dass die meisten es erst im letzten Moment versucht haben, obwohl sie so lange im Voraus darum gebeten wurden. Nur wenige haben mich doch noch am Wochenende wegen Probleme kontaktiert. Teilweise für Programme der anderen Dozenten, die ich nicht entwickelt habe und bei denen ich keine Ahnung habe, was man machen sollte, wenn es bei der Installation nicht klappt. Dafür sind die anderen Dozenten doch da. Aber nein, die Email gründlich zu lesen, um heraus zu finden, an wen man sich wofür wenden soll, ist schon eine Herausforderung.

Die Installationsanweisungen für Programm#1 wurden häufig ignoriert. Ich weiß echt nicht weiter. Man entpackt das Programm in einem Verzeichnis, und merkt dabei nicht, dass eine der sehr wenigen Dateien README heißt? Die Webseite zum Herunterladen enthält auch Links zu den Installationsanweisungen, mit dem selben Inhalt wie README. Eigentlich nicht zu übersehen. Einige Teilnehmer hatten auch keinen blassen Schimmer, wie sie mit ihrem Laptop umgehen sollten, oder es war vom Chef geliehen, und/oder sie kannten das Admin-Passwort nicht, um Programme zu installieren. Und ich rede von Leuten, die ein wissenschaftliches Studium schon hinter sich haben! Die sich schon in der Promotion befinden, oder noch weiter! Wie gut, dass wir von Geert ein paar bootfähige Sticks mit Linux und allen Programmen parat hatten. Das sollte eigentlich bei solchen Veranstaltungen immer von vorne rein gemacht werden, wenn schon keine Rechner zur Verfügung gestellt werden, damit spart man sich eine Menge Zeit und Ärger.

Am Ende vom ersten Tag bin ich von einer Migräne erschlagen worden. Sie hatte sich eigentlich schon vor meiner Präsentation eingeschlichen. Die starke Klima-Anlage in dem Raum war schuld, denke ich. Es war kalt und hat ständig gezogen, außer an einer Stelle neben dem Pult, wo es sehr warm war. Vermutlich hat sich dort die Luft vom Beamer angestaut. Wenn genau dort die Temperatur zur Regulierung gemessen worden ist… Ich wollte am Ende vom Tag nur noch zum Hotel gehen und mich hinlegen, wenn es nicht den einen Teilnehmer gegeben hätte, der ein bisschen einsam war und mir ständig auf die Pelle gerückt ist, mich mit Fragen gebohrt hat und trotz deutliche Hinweise nicht los lassen wollte. Zum Glück hat sich heraus gestellt, dass Geert immer mit seinem Vorrat an Tabletten reist, was ich auch hätte machen sollen, und nach einer Stunde war ich wieder munter.

Gestern ging es mit dem Kurs weiter. Die Migräne ist nicht zurück gekommen. Ich habe danach noch ein bisschen Zeit für Sehenswürdigkeit gefunden, und bin mit wiedergekehrten Ischias-Schmerzen zum Flughafen gefahren. Und wer hat dann bei der Gepäckkontrolle ihr Laptop im Rucksack vergessen? Die ganzen Aufladekabeln samt Kopfhörer hatte ich raus geholt, das höchst verdächtige Necessaire für die Hygiene, die Mini-Zahnpastatube und vor allem die Pinzette, die bei dem Hinflug der Sicherheitsangestellte schon große Sorgen bereitet hatte, separat im Kasten gelegt, hinter mir drängelte es, die Sicherheitsangestellte hinter dem Rollteppich auch, und der Laptop ist im Rucksack geblieben. Auf der anderen Seite vom Ganzkörperscan habe ich den Rucksack vermisst, und mich plötzlich an das Laptop erinnert. Au Mist. Das war mir noch nie passiert. Eine andere Sicherheitsangestellte hat meinen Rucksack gründlich kontrolliert, und sich in so einer autoritären Weise verhalten, dass ich sie glatt fragen wollte, ob sie Deutsch wäre. Und habe noch rechtzeitig die Klappe zugehalten, weil ich dann eventuell nicht mehr zum Flugzeug zugelassen worden wäre.

Der Flug selbst war gut. Neben mir saß eine ältere Dame aus Niedersachsen, die sich ganz lieb mit mir unterhalten hat, jetzt weiß ich alles über ihre Familie. Es passiert recht selten, dass ich so freundlich mit Fremden auf Reisen diskutiere (aber dann, ist es immer mit älteren Damen). Der Ehemann hat mich am Flughafen abgeholt, wir haben unterwegs was zum Essen geholt und waren um elf zu Hause. Wie es so ist, kommt die ganze Müdigkeit auf einmal, wenn der Stress weg ist, daher würde ich heute am liebsten zu Hause bleiben. Aber der Nebel ist jetzt weg, ich gehe los.

Migräne, schon wieder

Heute Morgen ging es mir gut. Ich bin eine Stunde früher als geplant aufgewacht. „Eigentlich könntest du laufen gehen“, habe ich gedacht. Meine Sportsachen hatte ich eingepackt. „Och nee, keine Lust“, habe ich mir beim Aufstehen geantwortet. Um dann meine Sportklamotten anzuziehen. Der Anblick im Spiegel hat mich motiviert. Die Frau sah voll sportlich aus.

Eine schöne Strecke am Fluß entlang hatte ich mir vor der Abreise ausgesucht. Tagsüber und abends ist es schlecht, weil es voll mit Menschen ist, und viele auch im Fluß schwimmen (das muss ich definitiv machen, bevor ich zurück nach Berlin fahre). Morgens um sieben ist keiner da. Und es ist nicht so heiß. Perfekter konnte es nicht sein. Die unerwarteten grauen Wolken haben mir Sorgen vorbereitet, aber es ist trocken geblieben. Ich bin Dreiviertelstunde gelaufen. Länger nicht, weil ich den ersten Vortrag des Tages nicht verpassen wollte. Außerdem wurde die Strecke immer häßlicher, je weiter weg ich vom Zentrum gelaufen bin.

Ein großes Problem war, dass ich vom Anfang an einen viel höheren Puls als sonst hatte. Fünfzehn Schläge mehr pro Minute. Bin ich schneller gelaufen, oder lag es daran, dass es so ungewohnt früh morgens war? Vermutlich letzteres. Laut Google Maps habe ich in der Zeit nur 5,2 Kilometer geschafft. Nicht besser, als wenn ich sonntags mit dem Ehemann jogge. Ich bin so eine Schnecke.

Vielleicht habe ich in den letzten Tagen nicht genug getrunken. Es war sehr heiß. Die Getränke in der Minibar sind kostenlos, hatte mir die Dame am Empfang gesagt, also habe ich alle Wasserflaschen geleert. Trotzdem ist meine Basaltemperatur deutlich gestiegen, seitdem ich hier bin. Es könnte den höheren Puls von heute Morgen erklären.

Zurück im Hotel habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr so viel Zeit hatte. Schnell geduscht und angezogen. Kein Frühstück. Ich habe vergessen zu trinken. Bei der Konferenz gab es noch keinen Kaffee. Der erste Vortrag war genau so toll, wie ich es mir von der Person erhofft hatte. Der Raum war leider überklimatisiert. Dreißig Grad draußen, und drin friert man. Obwohl das mit den dreißig Grad heute nicht stimmt. Es ist kühler geworden. Vor meiner Abreise hieß es, jeden Tag genau so heiß. Ich habe dementsprechend gepackt. Jetzt habe ich zu leichte Kleider für den Rest der Woche. Ich habe mich heute Abend gefreut, als ich zu meinem viel zu warmen Hotelzimmer zurück gekommen bin.

Im Laufe des Tages habe ich mich zunehmend schlecht gefühlt. Dass ich am frühen Nachmittag in einem überfüllten Raum eine Stunde lang hinten stehen musste, um Vorträge zu hören, hat nicht geholfen. Mein Ischias hat sehr geschmerzt. Ich habe es nach einer Stunde nicht mehr ausgehalten und bin auf einer Couch draußen im Expositionsraum kurz eingeschlafen, als meine Sitznachbarn sich über Qt und Windows unterhalten haben.

Das Essen hat mich enttäuscht. Gestern war es besser. Nur Croissants und Kaffee oder Tee zur Pause. Kein Obst, wie ich mich aus anderen Tagungen inzwischen gewöhnt habe. Mittags war das Essen nicht besser. Schupfnudel mit gegrilltem Gemüse und Salami. Alles in Öl badend. Würg. Nachmittags fetter Süßkram mit Kaffee. Keine Lust dazu. Ich habe gefragt, ob es Obst gäbe. Nein. Die Frau hat mich wie eine Außerirdische geguckt. Ich bin raus gegangen und habe mir Bananen aus dem Supermarkt geholt. Sonst kriege ich noch Krämpfe, nach dem morgendlichen Laufen. Als ich aus dem Konferenzgebäude raus gekommen bin, habe ich gehört, wie zwei Französinnen sich darüber beschwert haben, wie schlecht das Essen war. Ich war also kein Einzelfall.

Ich habe wegen beginnender Migräne einen Vortrag geschwänzt und mich kurz im Hotelzimmer erholt. Das Wetter war bedrückend. Dunkle Wolken. Kalt. Nur zweiundzwanzig Grad. Danach musste ich zurück zu meinem Poster. Die Migräne ist stärker geworden. Am Empfang hatten sie kein Aspirin. Ich habe mich geärgert, dass ich die Packungen zu Hause vergessen habe. Mein Poster wurde gut besucht. Leute sind gekommen, die sich es gezielt ausgesucht hatten. Keine Zufallsbesucher, wie ich es aus meiner Zeit in meinem früheren Institut kenne. Ich bin froh, die Forschungsrichtung gewechselt zu haben. Heute war es aber hart, und ich habe jedesmal gehofft, dass die Leute nicht zu viele Fragen stellen. Die Migräne wurde so stark, dass ich Übelkeit bekommen habe.

Um sieben war offizieller Schluß. Die waren alle noch am Quatschen. Ich habe mein Poster abgenommen und bin zum Hotel gegangen. Im Viertel habe ich keine Apotheke gesehen. Die Frau am Empfang meinte, am Bahnhof gäbe es eine. Viel zu weit weg, wenn man pochende Migräne hat. Ich bin zu einem Lokal in der Nähe essen gegangen. Flammkuchen mit crème fraîche, Speck, Zwiebel, Rucola, Parmaschinken und Parmesan. Eine Apfelschorle dazu. Ein bisschen viel, das stimmt. Aber hey, seitdem geht es mir viel besser. Die Migräne ist weg.

Sportlich und doch nicht fit

Die Migräne ist wieder da. Kein Wunder, bei dem Wetter.

Trotz der guten Nacht habe ich mich beim Aufwachen matschig gefühlt, und zwar bevor ich die Nachrichten im Radio gehört habe. Zum Frühstück gab es eine Banane und einen Kaffee. Martin ist früher zur Arbeit gefahren. Er hat sein Fahrrad mitgenommen, obwohl es kurz vorher noch geregnet hat. Ich wollte doch so gerne auch Fahrrad fahren. Das letzte Mal war am Montag. Laufen am Mittwoch ist wegen Migräne ausgefallen. Wenn ich abnehmen will, muss ich mehr tun. Aber diese blöde Migräne, die nicht los lässt! Und der Schwindel dazu! Wenigstens ist die Periode vorbei. Ich habe mich fürs Radeln angezogen und saubere Kleider in den Rucksack gepackt. Noch einen Kaffee getrunken. Dabei habe ich mich zwischendurch gefragt, ob ich mich nicht krank melden sollte, um zu Hause zu bleiben. Aber vielleicht wäre Bewegung genau das richtige, um mich besser zu fühlen?

Es hat tatsächlich geklappt. Mittags bin ich mit den Kollegen essen gegangen. Beim Kaffee danach ging es mir langsam aber merklich schlechter. Wieder Kopfschmerz und Schwindel. Ich habe arbeiten können. Um vier Feierabend. Auf dem Rückweg war das Radeln schwieriger. Eine gute halbe Stunde lang hat mein Kopf gepocht, wenn der Radweg nicht ganz eben war. Also, die ganze Zeit, mit den Berliner Radwegen. Dann gab es ein bisschen Regen. Windig war es ständig. Gegenwind natürlich. Ich würde sogar sagen, es war stürmisch. Echt kein Spaß. Dazu kam, dass so viele Leute den Radweg missachtet haben und drauf spazieren gegangen sind. Taube Leute, die auf meine laute Klingel nicht reagiert haben. Eine Frau mit Kinderwagen ist mir entgegen gekommen und hat mich auch noch trotzig angeschaut, bevor sie beschlossen hat, mitten im schon engen benutzungspflichtigen Radweg zu gehen. Der Bürgersteig war drei Meter entfernt und durch eine Wiese vom Radweg getrennt. All diese Leute heute sahen irgendwie südländisch aus, und ich habe mich gefragt, ob Flüchtlinge überhaupt erklärt bekommen, was ein Radweg ist. Den Eindruck habe ich nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich selber bei meiner Ankunft in Deutschland lernen musste, dass es Radwege auf dem Bürgersteig gibt. Das kannte ich damals nicht.

Zu Hause angekommen, habe ich geduscht und viel Wasser getrunken. Martin ist kurz nach mir gekommen, ebenfalls mit dem Fahrrad. Ein Aspirin musste noch her. Ich habe großen Hunger bekommen. Die Suppe mittags war schon längst verbraucht, sowie der Grießpudding. Martin hat uns ein Pizza geholt. Ich habe mich überreden lassen, obwohl ich dagegen war. Er unterstützt mich beim Abnehmen wirklich nicht. Er hat meine Lieblingssorte gebracht, mit Kochschinken und Champignons. Ich habe meine Hälfte verschlungen. Pizza und Abnehmen passen bekanntlich nicht gut zusammen. Die heutigen 44 Kilometer Fahrrad machen es wieder gut, sicherlich.

Von Abnehmen kann momentan keine Rede sein. Ich nehme seit einer Woche langsam aber stets wieder zu. Ich versuche, darauf zu achten, was ich esse, wirklich. Keine Zwischenmahlzeit, obwohl es diese Woche beim ständigen Hunger nachmittags nicht einfach war. Ich weiß, dass ich zu viel rein stopfen muss, wenn ich zunehme. Kalorienzählen geht leider nicht, wenn ich mittags mit den Kollegen esse. Ab und zu nehme ich mir etwas mit, das isoliert mich aber von der Gruppe. Ich bin schon zu einem anderen Gebäude umgezogen und habe dadurch viel weniger Kontakt mit den Kollegen. Mein mitgebrachtes Mittagessen im Lokal zu essen würde bei den Betreibern nicht gut ankommen. Also nehme ich zu. Das lustige dabei ist, dass meine Kleider zu breit werden. Ich habe mich heute gefragt, ob meine Hose mir nicht runter fallen könnte. Sie hält sich noch fest, aber es ist deutlich, dass sie früher enger saß. Ich habe am Po-Bereich viel an Fett verloren. Wenn die Figur sich ändert, ist es doch ein gutes Zeichen.

Aus dem Laufen wird heute nichts

Ich bin fix und fertig.

Heute Morgen habe ich mich noch gefreut, nach der Arbeit zu joggen. Ich habe mir für die Mittagspause eine Packung Schinken mit einem Brötchen geholt. Und einen mageren Naturjoghurt, eine Banane und einen Apfel. Das ist nicht wenig, aber ich wollte ja joggen gehen.

Dann kam der Nachmittag. Ich habe intensiv an meinem Programm #1 gearbeitet und eine Methode verbessert, um Daten zu laden. Ich war nicht so gut konzentriert. Ich habe mich müde gefühlt und leichte Kopfschmerze bekommen. Das Programmieren war mühsam. Ich habe mein Ziel erreicht, um nach anderen Tests festzustellen, dass jetzt etwas anderes nicht mehr läuft. Das Problem habe ich auf morgen verschoben. Ich habe dadurch später als geplant Feierabend gemacht.

Da ich nicht zu spät zu Hause ankommen wollte, um mit Martin zu joggen, bin ich mit der S-Bahn gefahren. Auf dem Weg dahin wurde mir schwindelig. Mir ging’s doch gar nicht gut genug, um sportlich tätig zu sein. Vielleicht hat es mit meiner Periode zu tun. Ich verliere momentan viel Blut, und hatte gestern Abend starke Bauchschmerzen. Oder es kommt vom Wetter. Der Himmel war so dunkel und bedrückend. Gerade ist das Gewitter ausgebrochen. Wir wären eh nicht bei dem Wetter gelaufen. Sehr wahrscheinlich ist es der Grund für die Migräne, die sich während der Fahrt in meinem Schädel breit gemacht hat. Es geht gerade so, aber ich kann nicht viel machen. Und ich habe tiefe Ringe unten den Augen, obwohl ich heute Nacht doch so gut geschlafen habe. Schmerzmittel bringen bei mir selten etwas, wenn die Migräne noch nicht richtig explodiert hat.

Das Wetter macht übrigens die Leute verrückt, wie es aussieht. Als ich in der S-Bahn eingestiegen war und einen Sitzplatz gefunden hatte, habe ich plötzlich eine ganz laute Techno-Musik gehört. „Ach nee, nicht das auch noch“, habe ich gedacht, und mir überlegt, ob ich nicht zu einem anderen überfüllten Wagen wechseln sollte. Die Türe sind zu gegangen, und die Musik wurde schwächer. Gut, es war nur am Gleis. Ich habe kurz dort geschaut, als der Zug weg gefahren ist. Ein langer, dürrer, voll tätowierter Mann war dabei, auf der Rücklehne einer Sitzbank zu springen und hat in dem Moment einen gewaltigen Kick nach vorne gemacht, und einen anderen Mann am Kopf getroffen, der direkt zum Boden geschleudert wurde. Die Leute im Zug haben entsetzt geschrien. „Die stehen voll unter Droge“, meinte ein Mann. Es stimmt, dass die Beide ähnlich asozial ausgesehen haben und man leicht den Eindruck gewinnen konnte. „Ob wir die Polizei anrufen sollten?“ frage eine Frau, als der Zug schon den Bahnhof verlassen hatte. Ich glaube, das haben bestimmt die anderen Reisenden am Gleis gemacht.

Schockiert war ich. Es ist mein Bahnhof, wo ich täglich für die Arbeit ein- uns aussteige, wenn ich nicht mit dem Bus fahre. Ich hatte doch vor wenigen Sekunden an dem Ort gestanden, wo der Mann geschlagen wurde. Ich kann es nicht fassen, dass ich seit einer Woche auf Arbeitswege in so kurzer Zeit so viele Menschen sich prügeln sehe, wenn die letzten drei Jahren seitdem ich in Berlin wohne so ruhig gelaufen sind.

Schon wieder unterwegs

Seit gestern bin ich auf Tagung in Tschechien. Diesmal aushamsweise ohne eigenen Beitrag, die Kollegen halten Vorträge. Ich war nicht unbedingt davon begeistert, hierher zu kommen. Ich wäre gerne in Berlin geblieben, um an meinen Projekten zu arbeiten. Aber es ist DIE Tagung, die in unserem Institut auf keinen Fall verpasst werden darf. Ich persönlich ziehe andere vor.

Meine Mieze war auch nicht davon begeistert. Sie hat es mir schon deutlich gemacht, als ich am Mittwochabend den Koffer gepackt habe. Lautes Miauen ohne Ende. Am nächsten Morgen, als ich weg gehen wollte, hat sie mir beleidigt den Rücken zugedreht und mit dem Schwanz den Boden geschlagen. Martin war seit dem Anfang der Woche auf Jobsuche unterwegs, ist aber gestern Abend zurück gekommen. Das konnte sie natürlich nicht im Vorraus wissen.

Wir sind mit dem Auto angekommen. Pawels Auto. Muss nicht wieder sein. Ich hänge zu sehr am Leben. Und nach der Grenze war die Fahrt schwierig. Ständig gesperrte Autobahnstücke, die man umfahren musste, wir haben ewig gebraucht und sind spät angekommen. Seit gestern plagen mich leichte Kopfschmerzen. Das Programm, voll gepackt mit Vorträgen, hilft dabei nicht wirklich. Zum Glück hat Kate als gute Pharmazeutin jede Menge Tabletten mitgebracht. Nicht, dass es bei mir viel hilft.

Morgen sind wir schon fertig. Ich fliege dann endlich zu meinen Eltern. Zehn Tage Urlaub. Anlass ist, dass meine Mami am Wochenende einen runden Geburtstag feiert. Feiern wird. Sie weiß noch nichts davon, mein Bruder organisiert es heimlich.

Die Hitze schafft mich

Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Schließlich bin ich ein „Südkraut“, wie Sebastian gerne zu mir sagte. Ich komme aus der Provence und sollte an hohen Temperaturen gewöhnt sein. Ich weiß noch, wie unglaublich toll ich mich in der prallen Sonne gefühlt hatte, als ich vor siebzehn Jahren in August aus dem Flugzeug in Casablanca zum heißen Asphalt ausgestiegen war, um Treuzeugin für die Hochzeit einer Freundin zu sein. Hier in Istrien ist es mir zu viel.

Letzte Woche bei der Tagung ging es mir körperlich nicht gut. Sicherlich hat es eine Rolle gespielt, dass ich schlecht geschlafen habe. Ich war zuerst für die Schulung in einem Hotel am Strand unterbracht, wo viele Partys abends statt gefunden haben, und ich konnte bei mir nicht mal das Fenster zu machen. Zum Glück war es zur Waldseite und nicht zum Strand gerichtet. Das gelegentliche Erbrechen unter meinem Zimmer habe ich trotzdem gut mitbekommen. Für die Tagung bin ich zu einem tollen Hotel gewechselt, aber der Stress für den Vortrag hat mir den Schlaf geraubt. Ich bin vor dem Tag mit Herzklopfen aufgewacht und war dabei, Sätze im Kopf zu wiederholen. Kein Wunder, dass ich immer einen hohen Puls hatte.

Mit der Hitze ging es während der Tagung relativ gut. Die Räume waren teilweise klimatisiert. Wenn wir mittags am Hafen essen gegangen sind, war es hart. Die Halle mit den Postern war nachmittags nicht auszuhalten. Ich habe mehrmals die langen Pausen benutzt, um schnell ins Meer zu springen oder einfach im Hotel duschen zu gehen. Seit Martin da ist, sind wir tagsüber draußen gewesen. Es war gut, am Samstag zum Strand zu gehen. Gestern haben wir uns Sehenswürdigkeiten angeschaut. Ich konnte mich sehr schwer dazu bringen, mich zu bewegen. Anschließend ist Martin schwimmen gegangen. Ich konnte nicht, da ich meine Periode bekommen habe und viel Blut verliere. Ich habe im Schatten an der Strandbar gewartet.

Heute Nacht habe ich nicht gut geschlafen. Die Wohnung liegt mitten in der Stadt und die Urlauber sind spät abends unterwegs. Laut. Ich habe meine Oropax dabei, aber gestern Abend war es ungewöhnlich leise. Ich bin ohne sie eingeschlafen. Um 05:20 bin ich aufgewacht. Unter dem Fenster fuhr ein Wagen zur Straßenreinigung. Extrem laut, mit Piepsen. Um 05:20. Zweimal ist er vorbei gefahren. Ich bin danach wieder eingeschlafen, hatte zwischendurch den Stresstraum, und bin um 10:00 mit einem miesen Gefühl aufgewacht. Watte im Kopf. Am liebsten wäre ich im Bett geblieben. Wir sind frühstücken gegangen. Kurz danach zurück zur Wohnung. Viel getrunken. Martin hat die Klimaanlage angeschaltet. Ich bin grundsätzlich dagegen, aber auf einmal ging’s mir besser. Unglaublich. Wir sind zu einem Café in die Stadt gegangen, um Limonade zu trinken. Der Autoverkehr war zu laut, das Sonnenlicht zu grell. Nach dem Shopping haben sich die Zeichen der Migräne verstärkt. Ich habe ein Aspirin genommen und geschlafen. Martin habe ich in die Stadt zum Spaziergang geschickt. Es wäre echt blöd, Urlaub in der Mietwohnung zu verbringen.

Migräne

Es hat bei der Mittagspause angefangen. Statt ein Espresso habe ich ein Chai Latte bestellt, schon ein Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung war. Bei Migränen will ich Süßes haben. Manchmal hilft’s, aber meistens nicht. Im Büro konnte ich mich nicht lange konzentrieren, auch nach einer heißen Schokolade. Ich hätte gerne früh Feierabend gemacht, wenn wir nicht einen Vortrag von einem Gast zu hören gehabt hätten. Paracetamol-Pille geschluckt, ohne Wirkung. Es ist immer so, dass Schmerzmittel mir nichts bringen, solange die Migräne nicht richtig ausgebrochen ist.

Der Vortrag plus Diskussion hat eine Stunde gedauert. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, so gut zuzuhören und sogar Fragen zu stellen. Mir war schwindelig und ich hab mich übel gefühlt. Um fünf habe ich meine Sachen gepackt und bin nach Hause gefahren. Mit der S-Bahn. Mit dem Fahrrad konnte ich sowieso nicht, da ich heute sehr starke Periode habe (eine Woche zu früh, und das war’s mit Baby-Versuch 3.0).

In der Bahn ging’s mir mies. Ich hatte den Eindruck, mein Schädel würde explodieren. Die Übelkeit hat zugenommen. Den Weg zu Fuß nach Hause habe ich sehr langsam gemacht, damit es nicht pocht. Drei Etagen hoch, und bei der Nachbarin zwischendurch gehalten, da sie ein Päckchen für uns in Empfang genommen hatte. Kurz nach sechs endlich in der Wohnung, Aspirin genommen, auf der Couch mit der Katze geschlafen. Langsam geht’s besser.

Osterwochenende

Wie letztes Jahr sind wir bei Gudrun zum Osterfeuer aufs Land eingeladen worden. Diesmal sind wir drei Tage bei ihr geblieben. Das war anstrengend.

Gudrun ist die Mutter von Axel, einem engen Schulfreund von Martin. Sie hat auch eine ältere Tochter, Sonia, die Teil unserer Tauchergruppe in den Seychellen war. Martin war viel mit der Familie zusammen seit der Kindheit, sogar im Urlaub. Wahrscheinlich, weil er seine Mutter so früh verloren hat und sein Vater sich nicht so gut um ihn kümmern konnte. Er hat jedenfalls jedes Osterwochenende mit ihnen verbracht.

Im Gegenteil zum letzten Jahr war Axel dabei. Er ist meistens mit seiner eigenen Familie so beschäftigt, dass wir ihn kaum sehen, obwohl wir ziemlich nah zu einander wohnen. Er ist mit Frau und Kindern gekommen. Zwei Jungen, sechs und vier, ein Mädchen, gerade über ein Jahr alt. Das Wochenende hat sich wie ein ständiges Geschrei angefühlt. Wenigstens haben sie in ihrem neuen Wohnanhänger übernachtet. Gestern sind wir von der ganzen Truppe geweckt worden. Geheul, Streit, Gelächter. Mit dem heftigen Kater vom Osterfeuer am Abend davor nicht besonders toll. Ich hätte auch aufpassen können, ich hasse Kater. Ich habe zwei Aspirin-Tabletten gebraucht, um mich für den Tag fit genug zu fühlen.

Nach dem Frühstück haben wir einen langen Spaziergang gemacht. Die Kinder sind eigentlich pflegeleicht. Sie wären sicherlich viel ruhiger gewesen, wenn die Mutter nicht ständig ihnen gesagt hätte, was sie tun sollten und was nicht. Selbst im Garten durfte die Kleine keine zehn Meter von ihr entfernt spielen, obwohl überall Erwachsene waren, die im Notfall helfen konnten. Ich habe später den Ältesten beim Tischdecken damit beschäftigt, Seerosen aus Pappservietten zu basteln. Er war begeistert. Die Mutter war überrascht zu sehen, wie ruhig und konzentriert er an einem Tisch sitzen konnte.

Der jüngere Bruder wirkt dagegen häufig deprimiert und kränklich. Ich habe den Verdacht, dass er eine harte Zeit damit hatte, seitdem seine Schwester geboren wurde und er nicht mehr der Jüngste der Familie ist. Bei jeder Mahlzeit ging es ihm nicht gut und er wollte nur noch auf der Couch liegen bleiben, statt mit uns zum Tisch zu gehen. Es passiert anscheinend häufig. Wahrscheinlich, weil die Eltern nur noch damit beschäftigt sind, die Kleine zu füttern. Heute morgen saß er verkrochen auf einem Stuhl und weinte leise, als wir den Frühstück vorbereitet haben. Er hat es aber nicht zugeben wollen und meinte nur, dass er Schnupfen hatte. Ich habe seine Schwester zu ihm geschickt, mit der Aufgabe, ihm ein Küsschen zu geben. Es hat wie ein Wunder gewirkt. Plötzlich hat er gestrahlt und ist aufgestanden, um mit uns zu essen. Süßes Kerlchen.

Wir sind relativ früh nach Hause zurück gefahren. Ich bin müde vom Wochenende. Und habe Kopfschmerz. Schon wieder beim Eisprung. Aber nach dem Wochenende finde ich es sowieso hart, mich für eigenen Nachwuchs zu begeistern.