Fahrradtour am Sonntag

Ich habe heute Nacht wieder extrem wenig geschlafen. Gerade fünf Stunden. Ich bin früh aufgestanden, weil es hätte sein können, dass Martin zum Kaffee vorbei kommt. Gestern am Telefon hatte er nicht nein gesagt. Tja.

Ich habe meine neue Kaffeemaschine ausprobiert. Die Küche geputzt. Essen wollte ich nicht wirklich. Ich habe die halbe Popcorn-Tüte von gestern Abend leer gemacht. Langsam habe ich die Wut in mir steigen gespürt. Vor zwei Wochen hatte mich Martin noch glauben lassen, dass er sich für mich interessierte, und seitdem ist er so kalt und distanziert geworden, und will nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich habe gedacht, Deutsche haben echt einen Knall.

Ich habe angefangen, mich nach Ausländern in Single-Börsen umzuschauen. Aber irgendwie… Nein, nicht mein Ding. Ich habe gedacht, so tief bin ich noch nicht gesunken, dass ich auf solchen Mitteln greifen sollte. Oder? Nein, ich will nicht einen Mann um jeden Preis. Ich kann auf Männer verzichten. Es hat seit über zehn Jahren prima geklappt. Nur, wenn ich jemanden kennen lerne, der mich interessiert, warum nicht… Aber es musste gerade Martin sein, der anscheinend psychisch gestört ist.

Ich bin richtig sauer geworden. Für wen hält sich der Typ, dass er so mit mir gespielt hat? Meine Katze hat mich mit ihrem ständigen Miauen auch genervt. Ich glaube, sie wollte Fisch. Ich habe gedacht, wenn ich jetzt nichts tue, drehe ich durch. Ich habe das Fahrrad geholt und bin abgehauen. Ich hatte keinen Ziel. Ich wollte einfach meine Wut weg radeln. Ich habe entschieden, am Treptower Park vorbei zu schauen, da ich dort häufig mit der S-Bahn vorbei gefahren bin.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich bis dahin gebraucht habe. Laut Google Maps sind es 13km gewesen. Am Anfang hat mir die Wut einen dicken Knoten im Hals gemacht. An einer Kreuzung wollte ich sie plötzlich los brüllen. Das habe ich nicht gemacht. Mit der Zeit hat es sich beim Fahrrad fahren tatsächlich verbessert. Der Park sah schön aus. Ich habe mir dort Zeit genommen und Fotos gemacht. Die wollte ich nachher auf Facebook hochladen. Nicht wirklich, um den Ort zu zeigen. Ich wollte damit vor allem meinen Eltern vortäuschen, dass es mir gut geht, da ich die Wohnung verlasse und schöne Fotos zu zeigen habe.

Überall bin ich Pärchen begegnet. Ich fand’s sehr deprimierend. Ich wollte gerade nach Hause zurück fahren, als zwei Fahrradfahrer mich überholt haben. Sie sprachen auf Italienisch. Echte Männer! Ich bin ihnen gefolgt. Es hat sich aber herausgestellt, dass sie mit zwei Frauen unterwegs waren, zu denen sie gerade fuhren. Ich habe das Interesse verloren. Dafür habe ich den Soviet Memorial besucht. Und Übung im Flirten bekommen, da ich mit unbekannten Männern Blickkontakte aufgebaut habe. Immerhin ein Anfang. Aber ich denke nicht, dass ich mich fit genug dafür fühle.

Beim Verlassen des Parks habe ich plötzlich den Fernsehturm gemerkt. So weit weg konnte es nicht sein, dachte ich. Es war noch nicht so spät nachmittags. Ich habe beschlossen, bis zum Alexanderplatz zu fahren. Ich konnte mich schwer verfahren, da der Turm gut zu sehen war, dachte ich. So einfach war es doch nicht, es gab Momente, wo ich gar nicht mehr wusste, wo ich war, aber ich habe es geschafft.

Kurz vor dem Alexanderplatz waren zwei betrunkene Fahrradfahrer vor mir. Ich habe Abstand gelassen, während Autos sie angehupt haben, weil sie sie ständig ausweichen mussten. Ein der beiden Fahrradfahrer hat an einer Ampel eine Flasche Bier geöffnet und sie sehr schnell getrunken. Bei der nächsten Ampel hat er einfach seine Flasche zum Bürgersteig geworfen, wo sie am Boden explodiert hat. Ich habe beschlossen, dass ich bei der nächsten Gelegenheit die beiden nicht mehr vor mir haben wollte. So bin ich zum Prenzlauer Berg gefahren, statt zum Alexanderplatz wie ursprünglich gedacht. Da ich keinen Ziel hatte, bin ich zufällig gefahren. Irgendwann habe ich mich entschieden, zum Brandenburger Tor zu fahren, um etwas vom Festival of Lights zu sehen. Es war noch zu früh und ich habe dort an einer Terrasse ein Bier bestellt. 4,50€ für ein Weizenbier! Es gab kein Trinkgeld. Als ich den Verkehr auf der Straße geschaut habe, hätte ich auf ein mal schwören können, dass Martin an mir mit seinem Fahrrad vorbei gerast ist.

Nachdem ich mit meinem Handy ein Paar Fotos gemacht habe (es geht für Bilder bei Nacht viel besser als mit der Kamera), bin ich durch Zufall zum Potsdamer Platz gefahren. Ich habe auf die Uhr nicht geschaut, als ich beschlossen habe, zurück nach Hause zu fahren. Ich habe mich am Anfang ziemlich verfahren, bis ich den richtigen Weg gefunden habe. Ich war um 21:30 wieder zu Hause. Laut Google Maps bin ich insgesamt knapp über 40km gefahren. Mit einer halben Popcorn-Tüte, ein Weizenbier und jede Menge Zorn als Treibstoff.

Die Wut ist noch da, aber ich bin zu müde und schiebe sie zur Seite. Morgen gehe ich spät zur Arbeit. Ich werde mich vorher beim Fitness-Studio entfrustrieren. Mein Chef hat letzte Woche gesagt, ich soll mit Martin bis spät abends Proben messen. Es kann locker bis 23:00 dauern. Anders geht’s nicht, da sonst externe Nutzer die Geräte belegen. Scheiße. Nicht nur wegen der Uhrzeit. Ich bin immer noch sauer auf ihn.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Donnerstag 17.10.2013

Schon wieder ein mieser Tag.

Heute war mein Zimmerkollege nicht da. Alleine fand ich es langweilig. Ich bin zum Büro von meinen anderen Kollegen auf der ersten Etage herunter gegangen und habe dort gearbeitet. Ich habe den Rechner der Diplom-Studentin benutzt, die nicht mehr bei mir im Büro sitzt, und momentan im Urlaub ist. Eigentlich hätte ich heute mit Winfried Datensätze bearbeiten sollen. Wir haben in Kürze ein Praktikum, und ich sollte den Studenten Datenauswertung erklären. Er hat sich aber nicht bei mir gemeldet.

Ich habe an meinem Programm weiter gearbeitet, wobei ich sehr abgelenkt war, da Martin mir schräg gegenüber saß. Ich habe ihn viel häufiger als den Bildschirm geschaut. Er hat mich aber kaum beachtet. Er hat sich seit letzter Woche sehr geändert. Ich sehe, dass er sich bemüht, freundlich zu bleiben, aber irgendwie ist unser Verhältnis ganz anders geworden. Auch wenn er doch nur mit seinem Vater am Montag verabredet war. Vielleicht hat es mit meiner Reaktion zu unserem geplatzten Termin zu tun. Vielleicht hat er doch gemerkt, dass er mich dadurch verletzt hat, aber die falschen Schlüsse gezogen. Vielleicht denkt er, ich will ihn nur ausnutzen. Verdammt, so ist es nicht.

Ich hatte gestern Abend in meinem Viertel einen Plakat für eine Musikveranstaltung gesehen und ihm auf dem Weg zur Mensa davon erzählt. Seine Reaktion: „Warum fragst du nicht Ronald, mit dir hin zu gehen?“ Ich hatte ihn dabei nicht mal gefragt, ob er Lust darauf hätte, mich zu begleiten. Ich habe mich gewundert, wie er auf diese Idee gekommen ist. Mit Ronald habe ich nun wirklich gar nichts zu tun. Nichts gegen ihn, aber wir sind nur Kollegen. Er ist verheiratet, hat seine Familie, und wir haben uns nie privat getroffen oder treffen wollen. Nicht wie mit Martin. Es hat mir den Appetit verdorben. Ich habe vor meinem Tablett am Tisch völlig lustlos gesessen und mich gezwungen, etwas zu essen.

Er sah ziemlich sauer aus, als er gegen 17:30 Feierabend gemacht hat. In dem Moment dachte ich, ich wäre endlich geheilt, weil ich von seinem Verhalten auch sauer geworden war und mir sagte, es wäre gut, dass wir nicht zusammen sind, da er so schnell schlechte Laune bekommen kann. Aber es schmerzt doch. Ich bin kurz danach weg gegangen und habe mich beim Fahrradfahren richtig schlecht gefühlt. Wir haben uns für Samstag bei mir verabredet. Ich habe den Eindruck, dass es ihm unangenehm geworden ist, und dass er das nur macht, weil er mir versprochen hatte, mir zu Hause zu helfen. Er hat keine Lust mehr, sich mit mir zu treffen.

Ich bin unter dem Gewitter nach Hause gefahren. Es war recht dunkel. Ich fand’s gut, weil keiner merken konnte, dass ich schon wieder am weinen war. Selbst wenn, es konnte einfach der strömende Regen gewesen sein. Andererseits ist er mir egal, ich kenne eh sonst niemanden hier. Ich bin noch zum Supermarkt gegangen. Ich habe gedacht, ich sollte für zu Hause Lebensmittel kaufen. Aber ich habe nur vor den Regalen gestanden und nichts wahrgenommen, weil ich einfach zu sehr damit beschäftigt war, nicht auf der Stelle zusammen zu brechen. Ich bin am Ende mit Schinken, Käse und Wein aus dem Laden raus gegangen. Gegessen habe ich heute Abend nicht. Keine Lust.

Ich hatte es heute wirklich nicht nötig, aber als ich zu Hause ankam, wartete eine andere schlechte Nachricht auf mich. Ich hatte ja schon lange einen neuen Router von der Deutschen Telekom bekommen, weil sie nicht in der Lage waren, die Ursache von Fehlern an meiner Verbindung zu finden. Es lag nicht am Router, aber ich habe dadurch zwei Geräte zu Hause gehabt, für die ich gleichzeitig bezahlen musste. Ich habe den alten Router endlich abmelden lassen. Sie wollten es nicht im Laden zurück bekommen, es musste per Post gehen. Ich habe von der Deutschen Telekom einen Brief bekommen, mit einem Aufkleber, mit dem ich den Router zurück schicken konnte. Das habe ich auch sofort gemacht. Das war vor einem Monat. Heute kam ein Brief an.

Sehr geehrte Frau ***,
wir hatten Sie um die Rücksendung der gekündigten Endgeräte gebeten. Leider sind diese bisher noch nicht bei uns eingetroffen.

Tja, jetzt bin ich also noch für Versäumnisse der Deutschen Post verantwortlich? Wie bequem. Ich könnte zum Telekom-Shop zurück gehen und nachfragen. Wenn ich mich an die Frau Becher erinnere, habe ich schon keine Lust mehr. Sie werden es irgendwie schaffen, mir die Schuld zu geben, das sehe ich kommen. Ich muss mich daran erinnern, dass mein Vertrag bis zum 15.06.2014 läuft. Den Kündigungstermin habe ich mir im Kalender eingetragen. Ich werde ihn nicht verpassen. Der Brief ging weiter:

Sehr geehrte Frau ***, wir erweitern und verbessern unsere Produktpalette ständig. Vielleicht ist in Zukunft wieder etwas für Sie dabei – das würde uns sehr freuen.

Was ich gerade dabei denke, schreibe ich lieber nicht. Sonst könnten sie noch gegen mich wegen Beleidigung klagen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Langer Tag

Ich habe heute über elf Stunden bei der Arbeit verbracht. Ich bin müde. Und wieder deprimiert.

Den Vormittag habe ich mit der Aktualisierung von wissenschaftlichen Softwaren verbracht. Ich war kaum ins Büro angekommen, dass mein Zimmerkollege, der IT-Ingenieur, meinte, es gäbe Zugangsprobleme für eine bestimmte Gruppe von Benutzern. Er hätte mir früher sagen können, dass sie nicht die gleichen Berechtigungen wie wir haben. Und das sagt er mir jetzt, obwohl ich die Programme schon seit fast zwei Monaten installiert habe. Ich habe festgestellt, dass es sowieso wieder neuere Versionen von den Programmen gab, und habe sie gleich heruntergeladen und installiert. Jetzt weiß ich sogar, wie ich mit dem Software-Package die 32-bit Version ganz bequem installieren kann. Zwischendurch gab’s ein Problem mit dem Speicherplatz, das gelöst werden sollte. Dann musste ich herausfinden, wie man ein ganzes Verzeichnis für alle Gruppen benutzbar macht (chmod -R a+r *, oder mal a+X, am Ende funktionierte es endlich). So verging der Vormittag.

Nachmittags hatten wir unseres wöchentliche Gruppenmeeting. Es dauert immer zwei gute Stunden. Ich konnte stolz berichten, dass ich am Freitag die beta-Version von meinem Programm eine Woche früher als geplant zum Testen zur Verfügung gestellt hatte. Es gäbe noch Kleinigkeiten zu tun, bevor wir das offizielle Release machen können, aber die aufwendigste Änderung ist fertig. Es war für mich nicht selbstverständlich, wenn ich bedenke, dass ich vor dreieinhalb Monaten weder Python noch Linux benutzen konnte. Ich muss jetzt noch die Installation auf verschiedene Betriebssystemen testen. Hoffentlich kommen keine große Schwierigkeiten.

Ab morgen sind wir nach der längeren Sommerpause wieder im Nutzerbetrieb. Wir müssen die Geräte testen, bevor unsere Gäste sie benutzen können. Mein Chef meinte, ich sollte es mit Martin zusammen machen. Ursprünglich wollten wir uns erst morgen um 08:30 dafür treffen. Als es bekannt gegeben wurde, dass wir heute schon ab 18:00 mit dem Testen anfangen konnten, statt um 19:00 wie geplant, hat Martin mir vorgeschlagen, doch heute Abend an den Geräten zu arbeiten. Ich wollte eigentlich Feierabend machen, als er mich ins Büro angerufen hat. Na gut, dann bin ich halt geblieben. Wir sind bis etwa 20:30 dort geblieben.

Und ich habe einen Schlag ins Gesicht bekommen. Kurz vor 20:00 hat er zum Telefon gegriffen und jemanden angerufen. „Ich bin’s.“ „Ich habe dir gesagt, dass es heute länger dauern würde.“ „Ich bin gegen 21:00 bei dir.“ Ich war zu benommen, um nachzufragen, mit wem er telefoniert hat. Selbst wenn, hätte ich nicht gewusst, wie ich es natürlich fragen könnte. Er hat es mir nicht gesagt. Es geht mir also nicht an. Doch eine Freundin? Versteht das jemand? Er hat es nie erwähnt. Er hat mir sonst so viel über seine Familie erzählt, und dass er alleine lebt. Er hat, seitdem ich ihn kenne, zwei mal Urlaub gemacht, jedesmal ohne Begleitung. Bei unserem letzten Date war er auch allein in der Stadt unterwegs… Ich habe ihn heute über sein Wochenende gefragt, und er meinte, er hätte nicht viel gemacht, außer seine Verwandte zu besuchen und eine Wohnung zu besichtigen (er sucht eine Wohnung zum Kaufen, und von der Größe her ist es klar, dass er weiterhin allein leben will). „Ich habe dir gesagt, dass es heute länger dauern würde.“ Es hörte sich nicht so an, als ob er die Person erst kennen gelernt hätte. Es hörte sich an, als ob er daran gewöhnt wäre, zu dieser Person abends zu gehen. Was sollte sein Verhalten letzte Woche? Oder ist es eine Ex, mit der er seit kurzem wieder zusammen ist? Ich habe die Rückfahrt nach Hause auf dem Fahrrad zwischen den Tränen kaum wahrgenommen. OK, das mit dem Einreden, nicht mehr verliebt zu sein, ist wohl gescheitert.

Morgen müssen wir ganz früh wieder zur Arbeit, weil wir etwas heute Abend nicht selber machen konnten und unseren Chef fragen müssen, bevor die ersten Nutzer ankommen. Ich werde bestimmt ganz müde sein. Selbst angenommen, ich könnte gut einschlafen, ich muss morgen früh um 06:30 aufstehen, um pünktlich dort zu sein (Dusche, Frühstück, Mieze versorgen, Sporttasche vorbereiten, es dauert bei mir schon lange, und da es regnen soll, werde ich mit der Straßenbahn fahren, ich brauche länger als mit dem Fahrrad). Ich könnte seine morgendliche Frische bewundern, mit der Bemerkung, dass er im Gegenteil zu mir heute Abend noch verabredet war. Er muss mir dabei aber nicht erzählen, mit wem er sich heute Abend trifft. Ob ich mich dann traue, ihn zu fragen… Irgendwie muss ich es tun, um meine Ruhe wieder zu finden. Es ist schon lächerlich, so viele Jahre Single geblieben zu sein, um mich kurz nach einem Umzug wegen eines Typs so schlecht zu fühlen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Beschissenes Wochenende

Mit den Gewittern und Regen hatte ich gestern überhaupt keine Lust, raus zu gehen.

Es war gut, dass ich am Freitagabend genug eingekauft hatte, ich musste auch nicht raus gehen. Nachdem ich meine Fehler in meinem Programm beseitigen konnte und die letzte beta-Version auf dem Server hochgeladen hatte, entschied ich gegen 16:00, dass ich schon Feierabend machen könnte. Ich habe meine Kaffeetasse zum Büro auf der ersten Etage zurück gebracht, sie gewaschen, und meinen noch anwesenden Kollegen ein schönes Wochenende gewünscht. Und ja, Martin hat irgendwie enttäuscht gewirkt, als ich sagte, dass ich jetzt nach Hause wollte. Wir hatten uns aber gar nicht verabredet oder so. Nachdem er mich am Mittwoch sitzen lassen hat, habe ich mich bemüht, Annäherungsversuche zu vermeiden. Bemüht ist das richtige Wort. Es war hart. Ich habe mich beim Verlassen des Zimmers nicht mal nach ihm umgedreht. Kein Wunder, dass ich mich mies gefühlt habe. Ich habe mir am Abend noch zur Aufmunterung einen leckeren rot Wein geschenkt, aber 1) es hat nicht geholfen, 2) mir ging’s danach gar nicht gut (eine halbe Flasche ist mir wohl zu viel).

Gestern bin ich zu Hause geblieben. Ich habe ein wenig geputzt, Wäsche gewaschen, Boden staubgesaugt… Und irgendwie gewartet. Ich habe mich dazu gezwungen, nichts zu erwarten, und habe trotzdem ständig das Handy in den Händen gehabt. Tja. Frustessen gab’s also auch. Immer noch besser als wieder mit dem Rauchen anzufangen, und der Drang kam gestern wieder stark. Immer wenn ich deprimiert bin. Ich habe nicht viel mehr als sonst gegessen, aber es war eindeutig zu fett und doch zu viel, dafür, dass ich mich kaum bewegt habe. Mittags gab’s Gnocchi mit Schinkenwürfeln in Tomatensauce. Ich habe abends warme Kichererbsen mit Chorizo vorbereitet. Ich muss einen Weg finden, das Fett vom Chorizo beim Braten im Topf zu entfernen. Er war leider nicht scharf genug, beim REWE[1] hatte ich nur die milde Variante von Chorizo gefunden. Ich habe auch den letzten griechischen Joghurt aufgegessen. Ich hatte sie beim Kaufland[1] gekauft. Es ist so schwierig, Naturjoghurte beim Supermarkt zu finden. Überall sieht man die überzuckerten fruchtigen Nachtische, aber ganz normale Naurjoghurte kann man manchmal recht lange suchen. Ich war froh, als ich die griechische Sorte entdeckt habe. Zu Hause habe ich dann festgestellt, dass sie extrem fett sind: 9% pro 100g. Zum Vergleich, die Landliebe[1] Naturjoghurte haben gerade 3,8% Fett pro 100g (die gab’s an dem Tag beim Kaufland nicht). Heute habe ich trotz Zähne putzen und Mittagessen immer noch den Eindruck, den Geschmack von reiner Butter im Mund zu haben. Kurz vor 20:00 habe ich mich gestern gefragt, ob ich nicht ins Kino gehen sollte, aber es wurde wieder regnerisch, und es war gemütlicher, zu Hause vor dem Rechner zu sitzen. Hätte Martin mich angerufen, wäre ich selbst ohne Regenschirm raus gelaufen. Hat er nicht. Warum auch?

Heute bin ich gegen 10:00 aufgestanden. Ich konnte mich bis 04:00 nicht überzeugen, ins Bett zu gehen. Ich habe nicht gefrühstückt und mittags Hähnchenbrust mit Kartoffeln und italienischen Kräutern gemacht. Danach habe ich fast drei Stunden im Fitness-Studio verbracht. Ich will wieder regelmäßig Sport treiben, solange es mit meinem Ischias gut klappt. Alle drei Tage kommt mir häufig genug vor. Ich bin mit dem Fahrrad zurück nach Hause gefahren, nachdem meine Mami mich wie jeden Sonntag angerufen hat. Martin hatte mich nicht angerufen. Wie erwartet, und enttäuschend. Zu Hause angekommen, hatte ich keinen Hunger. Ich habe mir eine volle Kanne mit Kamillentee zum entspannen vorbereitet. Der Geschmack vom Joghurt gestern hat mich immer noch nicht verlassen. Ich habe mich gefragt, was Martin heute wohl gemacht hat. Das Wetter war schön am Nachmittag, und es gibt in Berlin immer etwas zu tun, schöne Frauen zum Kennenlernen auch… Mir geht’s mies.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Frust

Gestern war extrem frustrierend. Ich habe die Aufgabe bekommen, ein wissenschaftliches Softwarepacket auf unseren Servern zu aktualisieren. Mit Linux arbeite ich seit zwei Monaten nach einer etwa vierzehnjährigen Pause wieder, genauer gesagt seitdem ich diese neue Stelle bekommen habe. In meinem früheren Institut hatten wir für die tägliche Arbeit Windows benutzt, nicht so typisch bei Wissenschaftlern an der Uni. Seit Juli bin ich also dabei, die einfachsten Befehle aus der Kommandozeile neu zu erlernen, zum Beispiel wie Dateien entpackt werden, oder wie ein ganzer Ordner kopiert oder gelöscht wird. Oder wie man ein Programm aufruft, der nicht im PATH liegt. Dateiname funktioniert nicht, seit heute weiß ich, dass ich ./Dateiname eintippen soll. Ja, man kann auch unter Linux mit Fenstern und Maus arbeiten, aber ich wusste lange nicht, wie man ein solches Explorer-Fenster öffnet, wenn man mit ssh auf einem anderen Rechner unter einem anderen Login arbeitet. Und ich weiß nicht mal, wo meine persönlichen Dateien physisch liegen, da ich egal aus welchem Rechner darauf zugreifen kann. Aber gut, das ist nicht das wichtigste. Ich komme mir ziemlich blöd vor, wenn ich meinen Zimmerkollegen, den IT-Ingenieur der Arbeitsgruppe, wegen solchen Kleinigkeiten um Hilfe fragen muss. Und gestern nachmittags hieß es plötzlich bei unserem wöchentlichen Meeting, dass ich für die wissenschaftlichen Programme hier zuständig bin.

Damit es nicht zu einfach wird, haben wir verschiedene Server, und das Softwarepacket muss auf allen aktualisiert werden. Server1 ist älter und für unsere internen Zwecke gedacht, darauf kann ich nur 32bits-Versionen installieren. Der neuere Server2 wird für den Nutzerbetrieb und für intensive Rechnungen benutzt, auf diesem müssen 64bits-Versionen installiert werden. Das Softwarepacket, das ich aktualisieren musste, steht schon seit einem Jahr zum Herunterladen zur Verfügung – wie viele Programme in meinem Fach handelt es sich um ein kostenloses Programm, das von anderen Wissenschaftlern unter GNU-Lizenz entwickelt wird. Wie ich heute festgestellt habe, wurde die 64bits-Version auf Server2 schon vor einem Jahr installiert. Das ist schon mal gesparte Arbeit. Ich hatte mit Server1 angefangen. Es gibt seit kurzem ein Installer, das man mit einfachem Klick starten kann und das das ganze Packet samt Aktualisierung der Pfade installiert. Toll, wenn es auf Server1 funktionieren würde. Ich wusste gestern noch nicht, wie man aus der Kommandozeile ein Fenster öffnet, um auf dem Installer zu klicken. Ein Fenster kann ich sonst bei mir ohne Problem aus dem Desktop öffnen, aber dann bin ich unter meinem eigenen Login und habe die benötigten Rechte für die Installation nicht. Den Konqueror-Tipp kannte ich noch nicht. Ich habe in der Kommandozeile Dateiname in dem Ordner eingetippt, in dem das Installer lag; ohne ./ vorne ging’s natürlich nicht. Ich habe das Installer gelöscht und die Programmquelle stattdessen heruntergeladen. Es wäre eh mit dem Installer fehlgeschlagen, da ich heute festgestellt habe, dass es zu „core dumped“-Fehlern führt. Mein Zimmerkollege meint, dass Server1 wahrscheinlich zu alt für das Installer ist.

Es hieß also, Programmquelle kompilieren. Auf der Internetseite des Softwarepackets ist eine ausführliche Anweisung zur Installation angegeben. Ich habe die heruntergeladene Datei entpackt. Ich habe wie beschrieben die setup-Datei für unsere Konfiguration geändert. Ich habe source setup-Datei problemlos durchgeführt. Danach musste ich mit ./configure die Installation konfigurieren. Es ging nicht. Fehlermeldung, ./configure kennt mein System nicht. Mein IT-Kollege hatte sich schon zum Feierabend verabschiedet. Mir hat’s gestern Abend gereicht. Ich spürte ein leichtes Kopfschmerz, das drohte, schnell zur Migräne zu wechseln. Ich bin zur ersten Etage herunter gegangen, es war schon nach 18:00, und Martin war überraschenderweise noch im Büro, mit der Diplom-Studentin (ja, es gibt noch welche). Das Wetter war so toll, ich habe den beiden vorgeschlagen, Eis essen zu gehen. Die Studentin hatte zu viel zu tun. Martin hat sich entschuldigt, mit der Ausrede, dass er heute Abend an einem Lauf teilnehmen wollte. Irgendwie komisch, so ganz nachvollziehen konnte ich es nicht. Wir haben ein bisschen geredet und ich bin weg gegangen. Im gleichen Moment ist auch Martin gegangen, aber er hat mit mir kein Wort mehr gewechselt, hat mir den Rücken zugedreht und ist in die entgegengesetzte Richtung gegangen. Es hat mich total verletzt. Ich habe den starken Eindruck bekommen, dass er sich seit letzter Woche auf einmal von mir distanziert hat, und ich habe keine Ahnung warum. Ich hätte wissen sollen, dass es keine gute Idee ist, sich so schnell zu verlieben. Oder sich überhaupt in einem Deutschen zu verlieben. Deutsche Männer sind mir häufig zu kühl und scheinen selber nicht zu wissen, was sie wirklich wollen. Es kann kein Zufall sein, dass ich schon so viele Jahre in Deutschland Single geblieben bin. Ich werde es sicherlich für die kommenden zwei Jahre hier weiter sein. Schließlich bin ich nur für die Arbeit umgezogen. Ich sollte daran gewöhnt sein, alleine zu leben. Warum finde ich es auf einmal so schwer und deprimierend? Mir ging’s gestern Abend richtig mies.

Wie auch immer, ich habe heute mein Installationsproblem gelöst. Ich hatte gestern einfach nicht die ganze Quelle heruntergeladen, also doch nicht die richtige Datei ausgesucht, deswegen kannte das System ./configure nicht. Nach dem make habe ich gesehen, dass einige Teilprogramme aus dem Packet fehlten. Ich habe sie einfach aus der früheren Version kopiert. Danach gab’s Probleme mit dem Pfad für Tcl/Tk. Ich war froh, als ich den Namen des Softwarepackets eingetippt habe und das Fenster tatsächlich erschienen ist. Ich habe meine Kollegen, die mit dem Programm häufig arbeiten, darum gebettet, mich über Probleme zu informieren. Ich hoffe, keiner meldet sich, weil es dann heißen würde, dass ich es endlich richtig installiert habe.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.