Gerüchteküche

So ein geschäftliches Abendessen kann interessant werden. Zwischen zwei Gläsern Wein hört man Geschichten, die man sonst nie im normalen Tagesablauf erzählt bekommt. Wie die Geschichte von Emma, unsere Mitarbeiterin aus der Presseabteilung.

Bei uns hat vor einiger Zeit eine Veranstaltung statt gefunden, bei der ich nur kurz anwesend war. Der Tagesablauf war voll mit Vorträgen gepackt, bis spät abends, und die Teilnehmer wurden für die zwei Tage in Zimmern vor Ort unterbracht. Emma war die ganze Zeit dabei. Wir hatten viele Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, mit denen sie sich unterhalten hat. Insbesondere mit einem jungen Mann, den ich nicht kenne, und der damals bei einem von unseren gestrigen Gästen arbeitete. Die öffentliche Version der Gechichte gestern lauterte, „sie hat sich in ihn verliebt“. Der junge Mann war gerade seit zwei Wochen frisch verheiratet. Was folgte für ihn: Scheidung und Arbeitswechsel, um mit Emma zu leben. Jetzt sollen die Beiden in naher Zukunft heiraten. Es muss für seine erste Frau ein harter Schlag gewesen sein.

Dazu fällt mir nur das xkcd-Comic ein, das die Situation genau auf den Punkt bringt:

Und jetzt arbeite ich an meinem Hochzeitskleid weiter. Schließlich habe ich mir heute dafür frei genommen.

Neuigkeiten

Ich habe heute ausnahmsweise früh Feierabend gemacht. Nach einem kurzen Stadtbummeln in meinem Viertel bin ich mit leeren Händen nach Hause gefahren. Doch nicht in Kaufstimmung. Es war mir zu aufwendig, Schuhe oder Kleidung anzuprobieren. Keine Lust. Ich habe es mir stattdessen zu Hause bequem gemacht und warte nun, dass der Liebster von seiner Arbeit zurück kommt.

Denn er hat jetzt eine Arbeit gefunden. Die, die nicht so gut bezahlt wird. Das Arbeitsamt hat dem Arbeitgeber Geld gegeben, um das Gehalt aufzustocken. Nicht gerade wenig: Ein Drittel von dem, was der Arbeitgeber ursprünglich angeboten hatte. Gut für ihn, da er dadurch die Stelle angenommen hat, aber ich bin nicht überzeugt, dass es eine so gute Idee ist. Der Arbeitgeber ist auf Bewertungsportalen dafür bekannt, dass er mit Gehältern ziemlich geizig ist. Wenn er vom Arbeitsamt profitiert, um günstiger an qualifizierten Mitarbeitern zu kommen, klingt es für mich wie Ausbeutung von öffentlichen Geldern, um private Firmen zu finanzieren, statt um Arbeitslosen zu helfen. Aber anscheinend wird es häufig gemacht. Das wusste ich gar nicht.

Dadurch, dass wir jetzt beide wieder arbeiten, habe ich viel weniger Zeit. Die Hausarbeit muss geteilt werden. Ich bin letzte Woche häufig abends einfach von lauter Müdigkeit ins Bett gefallen. Es kann auch an die Zeitumstellung liegen. Wir haben es doch einmal geschafft, zu einer Cocktail-Bar zu gehen. Das letzte Mal war lange her. Wir haben auf seinen neuen Job angestoßen. Und dann hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten wollte. Eigentlich wollte ich ihn länger gefragt haben. Ich wusste sogar, wo und wie ich ihn fragen wollte. Es gibt einen tollen Ort, gar nicht so weit weg von Berlin, der so wunderschön aussieht und zu dem ich mit ihm für ein Wochenende fahren wollte. Wir sind noch nicht dazu gekommen, und er hat mich nun vorher gefragt. Wir heiraten im Frühling. In dem Dorf, in dem ich groß geworden bin und wo meine Mami noch wohnt. Der Termin im Rathaus ist schon vereinbart. Ich freue mich.

Beruhigt

Denn er hat mich angerufen. Er hat seit unserem letzten Telefonat wirklich kein Netz gehabt. Wie könnte es anders zu erwarten sein, bei 2800m im Gebirge? Als er heute Abend zurück in der Hütte war, hat er mich angerufen.

Das Handy lag auf dem Tisch neben mir. Seit gestern liegt das Handy ständig neben mir. Wie häufig habe ich bei WhatsApp geschaut, um festzustellen, dass er seit Donnerstag Abend nicht online war? Wie häufig habe ich auf Google nach den letzten Nachrichten in der Gegend gesucht, und jedes Mal meinen Herzen sinken gespürt, wenn ich etwas von einem Unfall gelesen habe? Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, seinen Vater zu kontaktieren, um zu wissen, ob er von ihm gehört hätte. Und was wäre, wenn er irgendwo im Krankenhaus liegen würde?

Die Nummer am Display kannte ich nicht, aber von der Vorwahl her musste es von ihm sein. Das Handy habe ich gerade ein Mal klingeln lassen. Er tat so gut, seine Stimme zu hören. Ihm geht’s gut. Mir jetzt auch wieder. Ich werde besser einschlafen können. Morgen Abend will er sich wieder melden.

Alleine

Heute ist er für ein verlängertes Wochenende in die Alpen weg geflogen. Eine Wanderung mit seinem früheren Bergsteigerverein ist geplant. Obwohl er nicht mehr dort wohnt, ist er immer noch Mitglied. Er hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wollte, aber es wäre mir zu viel.

Ich habe ihn heute Nachmittag am Flughafen getroffen. Er war morgens bei der Arbeit und hatte Sachen zu Hause vergessen. Da ich heute Nacht bei ihm geschlafen habe, und momentan sowieso frei habe, bin ich mit dem Fahrrad dahin gefahren. Eine halbe Stunde habe ich gebraucht, mehr nicht. Der Zugang zu Tegel mit dem Fahrrad ist nicht so einfach. Kein Radweg, und die Autos rasen so schnell an einem vorbei, dass ich beschlossen habe, lieber auf dem Gehweg zu fahren, der kaum benutzt wird. Die meisten Leute sind mit Auto oder Bus unterwegs. Vergeblich habe ich nach einem Parkplatz für Fahrräder gesucht. Mir wurde einen Parkplatz empfohlen, der aber nur für Motorräder geeignet ist (zwei Räder, wo ist der Unterschied?). Ich habe mein Fahrrad an einem Verkehrsschild angeschlossen.

Er hat sich gefreut, dass ich gekommen bin. Ich mache mir Sorgen. Ich hoffe, er kommt heil zurück. Unfälle hat er schon mal in den Alpen gehabt. Es gibt außerdem zur Zeit schreckliche Nachrichten mit Flugzeugen. Und ich weiß nicht, wer sonst noch bei der Wanderung ist. Die Gruppe ist klein, mit weniger als zehn Teilnehmern. Der Verein ist vom Forschungszentrum, und dort arbeitet David, der außer eine große Klappe auch ein begeisterter Bergsteiger ist. Die Beiden kennen sich, obwohl Martin ihn anscheinend nicht mag. Ich denke lieber nicht daran.

Heute Abend hat er mich angerufen. Er übernachtet bei einer ehemaligen Kollegin, die ihn morgen früh auf dem Weg zur Arbeit zum Wandertreff mit dem Auto bringt. Er hat mir schon viel von ihr erzählt. Anita kennt sie auch. Sie waren eine große Freundengruppe. Das Wochenende verbringt er danach mit der Wandergruppe in Hütten.

Das heißt, ich bin bis Montag alleine. Zeit für mich. Ich sollte sie besser nicht verschwenden.

Ich hatte es geahnt

Meine Zweifel haben sich bestätigt. Nicht über uns als Paar, selbst wenn ich mir weiterhin gerne mehr Zeit für mich alleine wünschen würde. Wir verstehen uns gut, auch wenn wir uns nicht immer einig sind. Er neigt aber dazu, zu viel Geld ausgeben zu wollen und über seine Verhältnisse zu leben, und es macht mir Sorgen. Ich kann es aber nicht richtig schätzen, vielleicht bilde ich es mir nur ein. Ich weiß nicht mal, wieviel er im Monat verdient, nur, dass er eine niedrigere Einstufung als ich hat. Der Sex ist weiterhin wunderbar.

Ich meine eher sein berufliches Engagement. Letzte Woche hat Winfried mit ihm gesprochen. Er hat zu wenige Ergebnisse bekommen, um eine Doktorarbeit noch rechtzeitig zu schaffen, er sollte sich ab jetzt auf seine Stärke konzentrieren. Es war mir schon lange klar, aber ich habe mich nicht in der Lage gesehen, es ihm zu sagen. Es ist die Aufgabe von Uschi und Winfried, nicht meine. Hinweise habe ich ihm gegeben, es hat nicht geholfen. Sebst bei seinen späteren Messungen hat er sich nicht genug Zeit genommen. Es hat es letztens verpennt, seine Daten rechtzeitig auszuwerten, mit dem Ergebniss, dass sie aus unserem Server gelöscht wurden. Archiviert hatte er sie nicht. Das Thema hat ihn einfach nicht genug interessiert. Er hat es angenommen, weil es ihm angeboten wurde, aber ohne Begeisterung. Es gab noch gestern ein Treffen mit Uschi. Das Thema Doktorarbeit ist nun aus. Sein Arbeitsvertrag wird nächstes Jahr nicht verlängert. Ich habe ihm gesagt, er soll sich jetzt schon auf Stellen bewerben.

Klar, wenn er sich in seinem Thema vertieft hätte, hätte er zwangsweise Überstunden gemacht. Das ist nicht gut, wenn die Arbeitszeit geprüft wird. Man wird nach zu vielen Überstunden gemahnt. Mit seinem vollzeitigen Arbeitsvertrag hätte er es sehr schwer gehabt, nebenbei eine Doktorarbeit zu machen. Er hätte auch weniger Zeit gefunden, um mit mir zu sein, und ich bin froh, dass wir viel Zeit für einander haben. Ich habe mich schon gefragt, wie Uschi und Winfried es je für realistisch halten konnten, dass man in zwei Jahren neben einem normalen Job genug Ergebnisse bekommt, um erfolgreich zu promovieren. Was haben sie sich denn gedacht? Ich habe selber fast vier Jahren gebraucht, als ich zwanzig Jahre jünger als er jetzt und so fit war, und meine Stelle war aus Drittmitteln nur für meine Doktorarbeit finanziert, ein Luxus. Andererseits ist es mir manchmal nervig zu sehen, wie langsam er seine Aufgaben erledigt. Ich denke, mit einer besseren Plannung seiner Arbeitszeit hätte er sicherlich mehr schaffen können. Ich denke aber nicht, dass er wirklich in der Lage dazu gewesen wäre. Sonst hätte er sein Physikstudium fertig gebracht. Und mit Mitte vierzig frage ich mich, welchen Vorteil ein frisch erworbener Doktortitel noch bringen kann.

Es hat ihn auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Er stellt sich selber in Frage und wundert sich, ob er geeignet für eine Doktorarbeit war, oder von vorne rein zum scheitern verurteilt war. Ich weiß nicht. Als er das Angebot bekommen hat, kannten ihn Winfried und Uschi kaum. Vielleicht meinten sie ernsthaft, es würde klappen. Ich habe aber bei unseren Gruppen-Meetings früh im Sommer gemerkt, dass Uschi nicht ganz mit seiner Art zufrieden ist und ihm mit Mühe zuhört. Er ist häufig ungeduldig mit ihm gewesen, weil er seine Arbeit nicht schnell genug macht. Dafür hat er ihm nicht viel Hilfestellung gegeben, kaum Anweisungen erteilt, und das würde man aus einem Doktorvater, den man täglich sehen kann, schon erwarten. Aber vielleicht bin ich in meinem früheren Institut zu verwöhnt gewesen.

Mir gegenüber verhält er sich gut. Er ist besorgt, aber eine Doktorarbeit wollte er nicht unbedingt machen. Es war nur für ihn gut, weil er dadurch eventuell in der Gruppe auf eine Stelle kommen könnte, um ein Gerät wissenschaftlich zu betreuen. Es könnte daraus eine unbefristete Stelle werden, so hat er es erzählt bekommen. Außerdem meinte er, sich in der Industrie mit einem Doktortitel auf bessere Stellen bewerben zu können. Ich habe ihm nicht erzählt, dass Uschi und Winfried mir angeboten haben, genau das gleiche Gerät zu übernehmen, wenn ich im kommenden Sommer den Arbeitgeber wechsle und in der Gruppe integriert werde. Ich hatte damals schon den unangenehmen Eindruck, dass sie mich als Ersatz für ihn gesehen haben. Dass es eine unbefristete Stelle geben soll, habe ich allerdings nicht von ihnen gehört. Ich denke, das hat er sich selber eingeredet.

Und zurück

Jetzt kenne ich seine ganze Familie, oder fast. Ich fand es sehr lieb, wie sie mich freundlich empfangen haben.

Seine Cousine hat uns am Bahnhof abgeholt. Wir sind direkt in ein Lokal in der Nähe essen gegangen. Dort warteten ihr Mann (auch ein Franzose!) und ihre jüngere Tochter auf uns. Die Ältere war nicht da, aber ich habe sie schon kennen gelernt, sie studiert seit einem halben Jahr in Berlin.

Gestern sind wir in die Stadt spazieren gegangen. Einige Sehenswürdigkeiten besucht. Das Wetter war so toll. Am Abend sind seine Tante mit ihrem Mann angekommen. Sie hatten für Martin gesorgt, als seine Mutter gestorben ist (warum sein Vater sich nicht um ihn kümmern konnte, ist mir nicht bekannt). So viele neue Namen, ich hatte den Eindruck, ich könnte sie mir gar nicht alle merken. Beeindruckend fand ich, dass alle mehr oder weniger gut Französisch können. Wir haben gegrillt. Karten gespielt. Mir sind noch Kindheitsgeschichte und Familien-Videos nicht erspart geblieben.

Heute Morgen sind wir kurz nach dem Frühstück zurück zum Bahnhof gefahren. Das Wochenende kam mir zu kurz vor.

Zweifel

Vielleicht, weil es bald wieder Zeit wird. Es wäre früh, aber mein Zyklus zickt, seitdem wir zusammen sind. Manchmal denke ich, meine Hormonen haben eine Koalition gegen mich gebildet, damit ich schwanger werde („Yeah, endlich ein Mann!“, denken sie bestimmt). Von den Kondomen haben sie anscheinend nichts gemerkt.

Wie auch immer. Ab und zu frage ich mich, ob wir wirklich zueinander passen. Ja, das ist normal. Ich habe mich schon gefragt, wie es mir ginge, wenn wir Schluss machen würden. Und habe den Eindruck, dass es mir nicht so sehr traurig machen würde. Ich wäre eher sauer auf mich, mich geirrt zu haben. Oder enttäuscht. Aber komplett zerstört? Das glaube ich nicht.

Ich bin so viele Jahre Single geblieben, ich bin noch daran gewöhnt. Das habe ich am Samstag gemerkt. Er hat mir gesagt, er möchte am kommenden Wochenende zu seiner Familie nach Frankfurt fahren. Er sah dabei ein bisschen geniert aus. Ich dachte, er wollte alleine dahin und wusste nicht, wie er es mir sagen sollte. Und was war meine erste innerliche Reaktion? „Hmm, ein Wochenende für mich alleine, das wäre auch cool.“ Obwohl das letzte Mal gar nicht so lange her ist. Ich habe sofort angefangen, Pläne fürs Wochenende zu schmieden. Und dann meinte er, seine Cousine hätte ihm explizit gesagt, ich wäre gerne willkommen. Ach so, er erwartete also, dass ich mitkomme… Ich habe zugesagt. Er hat sich riesig gefreut. Gut, ich freue mich auch, den Rest seiner Familie kennen zu lernen.

Aber. Bei der Arbeit habe ich manchmal ein komisches Gefühl. Dass er nicht besonders schnell arbeitet, habe ich schon erzählt. Er hatte auch Physik studiert, wie ich. Er ist durchgefallen und hat sich umorientieren müssen. Egal. Dafür hat er ein FH-Ingenieurdiplom gemacht (ich habe den Eindruck, irgendwas musste studiert werden, weil sein Vater Professor an der Uni war). Das heißt, ich bin qualifizierter als er (und verdiene mehr Geld). Was mir im Grunde auch egal ist. Ich sehe leider, dass er nicht 100% hinter seiner Arbeit steht. Ein bisschen Keinbockigkeit ist da. Es wirkt sich bei unseren Gruppenmeetings aus, und ich kann Uschi nicht wiedersprechen, wenn er ihm Vorwürfe macht. Ich könnte ihm die gleichen Vorwürfe machen, überlasse es nur besser unserem Chef. Ich sehe aber Probleme auf uns kommen.

Uschi hatte ihm angeboten, ein Doktorarbeitsthema zu bearbeiten, damit er sich weiter qualifiziert. Das hat er angenommen, weil er dadurch eine Vertragsverlängerung bekommen würde und meint, mit einem Doktortitel besser bezahlte Stellen zu bekommen. Ich bin nicht sicher, dass man mit dem Erwerb eines Doktortitels in seinem Alter sich wirklich besser vermarkten kann. Schließlich habe ich letztes Jahr selber so viele Bewerbungen schreiben müssen, bevor ich diesen Job gefunden habe. Das Thema scheint ihn auch nicht besonders zu begeistern. Seine Reise vor zwei Wochen hatte den Zweck, Testmessungen für seine Doktorarbeit durchzuführen. Er hat sich seitdem nicht mehr um die Ergebnisse gekümmert. Ich denke manchmal, als Ingenieur kann er gut arbeiten, aber es fehlt ihm an Durchhaltevermögen, um eine Doktorarbeit zu machen und Wissenschaftler zu werden. Was, wenn er scheitert? Wird er es mir übel nehmen, weil ich promoviert bin und er nicht?

Zu viele Gedanken. Ich sollte besser schlafen gehen.

So schnell

Wir sind gerade seit sieben Wochen zusammen. Es kommt mir viel länger vor.

Die Schmetterlinge haben nachgelassen. Das ist gut, weil ich mich mit ihm am liebsten natürlich verhalten möchte, und sie hatten mich in seiner Anwesenheit genug nervös gemacht. Wir verstehen uns gut. Auch im Bett. Es ist zwar nicht so wild wie damals mit David, aber er verhält sich viel liebevoller und die Orgasmen sind intensiver. Außerdem war ich ganz überrascht zu erfahren, dass er fast genau so lange wie ich Single geblieben ist.

Ich kenne schon einen guten Teil seines Umfeldes. Mit seinen Freunden haben wir einiges unternommen. Seine Familie hat sich mit mir sehr freundlich verhalten. Von meiner Seite kennt er nur meinen Bruder und seine Freundin. Als meine Mami zu Besuch kam, waren wir noch nicht zusammen, und er war eh unterwegs. Meine Freunden sind fast alle in meiner früheren Stadt.

Bei der Arbeit ist es jetzt bekannt, dass wir ein Paar sind. Natürlich verhalten wir uns vor der Gruppe ganz normal wie vorher, aber es fällt schon auf, wenn wir gemeinsam zur Arbeit ankommen oder die gleichen Urlaubswochen beantragen. Wir wollten schon zum Werchter-Festival in Juli fahren, und haben gerade zwei Wochen Urlaub im Herbst geplant.

Gestern auf dem Weg zur Arbeit hat er mich gefragt, ob ich mit ihm umziehen möchte, wenn er eine Wohnung findet (er will sich schon seit längerer Zeit eine kaufen). So schnell. Es kommt mir übereilt vor. Andererseits ist es blöd, ständig hin und her zu fahren, und meine Katze ist verwirrt, dass ich häufig nicht zu Hause schlafe. Eigentlich kann ich es mir sehr gut vorstellen, mit ihm zu wohnen. Abgesehen davon, dass ich den Mietvertrag für meine Wohnung für zwei Jahre unterschrieben habe. Untermieter sind nicht ausgeschlossen. Und mein zweijähriger O2-Vertrag fängt erst in Juni an. Ich habe gedacht, er sucht eine Wohnung seit so Langem, es wird noch dauern, und bis dahin wissen wir, ob wir wirklich miteinander leben können.

Anstrengende Woche

Sie hatte hart angefangen. Ich bin den Anweisungen von meinen Chefs gefolgt und habe an meinem Projekt weiter gearbeitet, als ob nichts wäre. Meine Webseite ist fertig. Trotz Verzweiflungen wegen TYPO3, wobei, was mich vor allem wirklich nervt ist, dass man bei uns nach jedem Klick ewig warten muss, bis Seiten geladen werden. Ich hoffe jetzt, dass Uschi sagt, alles ist in Ordnung, und dann kann das Programm endlich veröffentlicht werden.

Am Dienstag ging’s mir nicht so gut. Ich habe den Tag mit einer Migräne abgeschlossen. Ich bin abends nicht zum Sport gegangen, sondern früh direkt nach Hause mit der Tram gefahren. Martin ist aus seiner Dienstreise spät zurück gekommen, und wir haben uns erst am Mittwoch wieder gesehen.

Mein Arbeitgeber hat nicht gewartet, um meinem Vorgänger einen bösen Brief zu schicken. Seine Reaktion war schnell, am Mittwoch hatte er schon alles runter genommen. Das hat Uschi erst heute gemerkt. Er hat uns eine schadenfrohe  Email geschickt, mit einem Screenshot von einem 404-Fehler und spottischen Bemerkungen. Typisch von ihm. Er hat sich aber noch nicht um die Korrektur meiner Webseite gekümmert.

Ich habe mich heute Abend in den Hintern getreten, um zum Fitness-Studio zu gehen. Es war nötig. Stress habe ich trotzdem immer noch. Morgen ist es geplant, dass ich mittags mit Martin und seinem Vater essen gehe. Ich kenne ihn noch nicht. Ich bin ganz schön aufgeregt.

Samstagabend

Zu Hause. Ich liege im Bett, alleine. Sein Kopfkissen habe ich neben die Wand gestellt. Meine Katze freut sich, dass ich nach zwei Nächten bei ihm wieder hier schlafe, und mich nur für sich hat. Ganz alleine war sie nicht, ich bin jeden Tag kurz gekommen, um sie zu versorgen und zu schmusen. Sie hat sich jetzt auf meinem Arm hingelegt und schnurrt vor sich hin.

Ich habe ihn heute Morgen zum Flughafen begleitet. Dienstreise. Nach Grenoble. Da er dort vor seinem jetzigen Job fast zehn Jahren gelebt hat, besucht er noch Freunden am Wochenende. Er kommt erst am Dienstagabend zurück. Seitdem er die Reise vor einigen Wochen erwähnt hat, lässt es mich nicht in Ruhe. Ich war mir nicht ganz sicher, aber jetzt weiß ich es: Er hat genau mit der Arbeitsgruppe zu tun, in der David auch arbeitet. David hat mich übrigens letzte Woche wieder kontaktiert. Er hatte sich mein Programm heruntergeladen und brauchte ein bisschen Hilfe. Ich habe es Martin danach kurz erzählt und ihn gefragt, ob er ihn kennt. Sein Gesicht wurde finster, als er ja sagte. Ich habe deswegen das Thema nicht verfolgt und ihm nicht gesagt, dass er ein Ex-Freund von mir ist. Jetzt habe ich Angst, dass er das von David selbst erfährt. Schön wäre es definitiv nicht. Obwohl die Geschichte fünfzehn Jahre alt ist.

Ich habe den Nachmittag in der Stadt verbracht und Shopping gemacht. So viel, dass mein Ischias wieder schmerzt. Neue Unterwäsche wollte ich mir besorgen. Hoffentlich gefallen sie ihm. Ich habe mich danach bei Biba umgeschaut. Sehr schöne Kleider, aber was mich nervt ist, dass die Verkäuferinnen immer wieder versuchen, mir weitere Teile zu verkaufen, nachdem ich meine Auswahl schon getroffen habe und an der Kasse stehe, und mir immer wieder erzählen, ich sollte mir doch eine Kundenkarte besorgen. Es wird langsam lästig. Ich habe mir eine von den reduzierten Hosen anprobiert. Größe 40. Vor drei Monaten hatte ich gestaunt, dass ich drin passe. Heute war selbst die mir zu groß. 38 war nicht mehr vorhanden. Ich bin nur mit einer Jacke raus gegangen. Anschließend habe ich mir bei IKEA Kleinigkeiten besorgt.

Als ich auf dem Weg nach Hause war, hat mich Winfried angerufen. Wegen der Arbeit. Einige Nutzer wollten eine bestimmte Version meines Programmes benutzen und er kannte den Befehl nicht mehr. Obwohl ich es auf unserer internen Homepage schon länger aufgeschrieben habe. Ich durfte die Nutzer selber an der Beamline anrufen, um ihnen zu erklären, wie das Programm läuft. Ich war nicht begeistert. Schließlich ist es Wochenende, und Winfried hätte es selber machen können.