Im Wald

Ich war mit unbestimmten Leuten im Wald unterwegs. Wir fuhren auf einem Kiesweg mit dem Auto. Ich saß entgegen der Fahrtrichtung und las. Es fühlte sich angenehm an und der Weg war so breit, dass ich nicht fürchten musste, wegen der vielen Kurven in einen Unfall zu geraten.

Wir sind mitten im Wald ausgestiegen. Zwischen den Bäumenästen war die Sonne zu sehen. Sie hing tief, bald würde der Sonnenuntergang statt finden. Der Himmel hatte eine goldene Farbe angenommen, und ein Regenbogen durchquerte ihn.

Es sah so schön aus, dass ich den Ehemann fragte, ob er seine Kamera dabei hätte, um ein Foto zu machen. Hatte er nicht. Ich habe mein Handy geholt und versucht, selber zu fotografieren. Es gelang mir nicht auf Anhieb.

Als ich endlich ein Foto machen konnte, fiel mir auf, dass die Umgebung doch recht hässlich war. Das Bild war viel weiter ausgezoomt als beabsichtigt. Vom Regenbogen war kaum noch was zu sehen. Vorne oben rechts war eine Ampel, die über die Straße hing und mit Alu-Folien gewickelt war. Bauarbeiter liefen quer durch das Bild. Denn plötzlich war ich nicht mehr im Wald, sondern mitten in einer großen Kreuzung, in einer Art Gewerbegebiet. Links von mir wurde ein Gebäude noch errichtet. Es war von einem Baugerüst mit grünem Stoff umgeben.

Auf einmal befand ich mich in dem fertigen Gebäude. Drin war ein billiger Schuh-Klamotten-Laden, von der Sorte, die ich eigentlich nie betreten würde. Ich stand vor einem Regal mit leichten Schuhen aus Jeans-Stoff und versuchte, den Ehemann telefonisch zu erreichen. Zwischendurch hörte man, wie eine Frau über eine Durchsage Passagiere für einen billigen Gruppenurlaub dazu aufforderte, sich an einem bestimmten Ort zu sammeln.

Die Sonne konnte ich nur noch durch einen verdreckten Glasdach sehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Kirche im Haus

Ich war im Treppenhaus und wollte zu meiner Wohnung hoch laufen. Das Treppenhaus, hoch und altmodisch, mit einem mit hexagonalen, roten Tomettes aus der Provence[1] bedeckten Boden, war äußerst dreckig. Überall lag Kot von den Tauben, die auf Balken saßen.

Ich kannte den Weg zu meiner Wohnung nicht so gut und lief erstmal bis zur letzten Etage. Was ich entdeckte war unglaublich: Eine Kirche! Stimmt! Hatte mich meine Mami bei ihrem Besuch nicht gefragt, was die hohen Türme ganz oben in meinem Haus waren? Ich wusste damals die Antwort nicht. Ich wollte um mich fotografieren, aber dazu kam es nicht. Die bunten Glasmalereien, oder zuerst die Orgel? Ich konnte mich nicht entscheiden.

Neben mir lief ein junges französisches Paar mit einem Kinderwagen, und ich musste feststellen, dass in der Kirche auch ein Gemischtwarenladen war. Regale waren mit Schnickschnack und Gewürzen gefüllt. In einer transparenten Glasdose waren dunkelviolette trockene Bohnen zu sehen. Allerdings waren auch dicke schwarze Fliegen drin, die herum flogen, und die Bohnen hatten fein säuberliche Löcher, an denen teilweise noch eine Art Deckel hing[2,3].

Ich weiß nicht mehr, was der Anlass war, aber mir rutschte ein „Merde!“ raus. Das nahm das junge Paar als Anlass, um mich anzusprechen. Die Frau fragte mich etwas, woran ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann, außer, dass es ein Wort auf Französisch war, das ich ewig nicht mehr benutzt hatte. Sie ging dann zu den bunten Gewürzen und nahm davon in der Hand, wodurch sie die schön getrennten Haufen durcheinander mischte. Die „Gewürze“ sahen eher wie buntes Kies aus. Direkt daneben lag das Glas mit den Bohnen und Fliegen. Ich sagte der Frau, sie sollte das besser nicht kaufen, aber sie nahm meine Bemerkung und das Glas gar nicht wahr.

Ich fragte mich kurz, wie ich denn zu meiner Wohnung zurück gehen könnte, und wachte auf. 06:45. Wir haben gestern Abend vergessen, den Radiowecker wieder anzuschalten.

[1] Solche Fliesen hatten wir in der Wohnung im Dorf, wo wir umgezogen sind, als ich noch keine vier Jahre alt war.

[2] Genau wie damals mit den Feuerbohnen, außer, dass daraus kleine Käfer geschlüpft waren, statt Fliegen.

[3] Dazu fällt mir ein, gestern hatte ich geträumt, dass ich eine Banane essen wollte, diese aber drin ganz viele Fliegen und Maden hatte. Eine solche eklige Erfahrung hatte ich tatsächlich schon mal gemacht. Was will mir jetzt mein Unterbewusstsein zum Thema Essen mitteilen?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.