Montag

Die Woche hat ganz schön hart angefangen. Ich war heute um acht bei der Arbeit. Ich hätte also um sieben das Haus verlassen müssen, aber da mein Mann für eine Dienstreise zum Flughafen musste, hat er mich auf dem Weg dahin mit dem Auto gefahren. Ich konnte eine halbe Stunde länger schlafen.

Ganz unerwartet war der Stress heute nicht, da wie jedes Semester unser gemeinsame Kurs mit der Uni statt findet. Ich organisiere unseren Teil, vorbereite die Lehrmaterialien, kontaktiere die Studenten, melde sie für die Experimente an (seit dem Versäumnis vom letzten Jahr habe ich die Verantwortung dafür übernommen), und halte auch Vorlesungen. Ich mache es zum siebten Mal und es läuft wie geschmiert. Ich habe für heute nicht mal meine Präsentation vorher durchlesen müssen.

Dasselbe kann ich für Mr Keen nicht behaupten. Er hat eine Vorlesung von Uschi geerbt, die er heute zum zweiten Mal gehalten hat. Eigentlich hätte ich seine Präsentation damals übernehmen können, ich hatte sie schon bei mehreren Veranstaltungen vorgetragen und es hätte mir nicht viel Aufwand gekostet. Uschi meinte aber, ich sollte mich für den Kurs nicht überanstrengen, und Mr Keen würde sich bestimmt freuen, selber eine Vorlesung halten zu dürfen.

Tja. Wie es bei Mr Keen so ist, sagt er den Chefs immer „ja, mache ich gerne“, aber dahinter steckt nichts. Kein Bock, das war bei ihm in den letzten Wochen schon anzumerken. Und null Vorbereitung, so viel war heute wieder klar. Winfried war diesmal dabei, weil Mr Keen nächste Woche eine ähnliche Präsentation bei einer anderen wichtigeren Veranstaltung halten sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit seiner Leistung zufrieden sein konnte. Begriffe verwechselt, ständig versprochen (seine Sprachstörung kommt noch dazu), ich habe teilweise eingreifen müssen, damit die Studenten verstehen, was er so mühsam nicht richtig erklären konnte.

Was mich noch irritiert hat, ist, wie er mir heute sagte, ich müsste nicht so viel alleine für den Kurs machen, er würde gerne helfen. Das hört man von ihm häufig. Er hilft gerne, wirklich, man muss nur fragen. Wenn man es mal versucht, stöhnt er, hat dann doch etwas ganz anderes und wichtigeres zu tun und überhaupt keine Zeit, aber sonst „gerne“, jederzeit, nur jetzt nicht. Und wenn es eh dazu kommt, dass er alles wie seine Präsentation heute verschlampt, dann kommt es definitiv nicht in Frage, dass ich ihn etwas anderes für den Kurs machen lasse. Ich glaube, ihm geht es vor allem darum, sich als hilfsbereit zu zeigen und Verantwortung an sich zu reißen, um sich wichtiger erscheinen zu lassen. Aber bitte ohne zusätzliche Arbeit.

Es wird Zeit, dass Florian, unser neuer Mitarbeiter, bei uns anfängt. Noch zwei Wochen. Es wird einiges in der Gruppe ändern. Mr Keen war beim ganzen Bewerbungsprozess stark gegen ihn. Hat ihm immer vorgeworfen, mehr Schein als Sein zu zeigen. Die Beschreibung trifft eher auf Mr Keen zu. Ich glaube, er sieht Florian als ernsthafter Gegner. Mit Recht. Florian ist jung, sympathisch, dynamisch, motiviert und produktiv. Hat schon viele wissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Und sieht auch noch gut aus. Das Gegenteil von Mr Keen, wirklich. Kein Wunder, dass er sich von ihm so bedroht fühlt. Ich kannte Florian schon, bevor er sich bei uns beworben hat, und hatte die ganze Zeit die Hoffnung, dass die Entscheidung auf ihn fallen würde. Es freut mich, ihn demnächst als Kollegen zu haben.

Osterwochenende vorbei

Es war noch länger, weil ich am Donnerstag Freizeitausgleich hatte. Es war als Erholung vom Sonntag vor zwei Wochen gedacht, als ich den ganzen Tag bei der Arbeit verbracht hatte. Ich konnte mich am letzten Wochenende schon halbwegs erholen, aber durch den Tod meiner Katze war dieser zusätzliche freie Tag dringend nötig. Mir ging’s echt mies. Vielleicht hat es damit zu tun, aber ich habe auf einmal keine Lust mehr, in meiner aktuellen Stelle zu bleiben. Ich sehne mich nach einer ganz normalen Arbeit, mit ganz normalen Arbeitszeiten, wo es nicht von einem erwartet wird, dass man sicht am Wochenende kaputt arbeitet, wo man stattdessen spontan Wochendeausflüge machen kann, und wo man nicht alle vier Wochen Rufbereitschaft machen muss, um nachtsüber telefonisch erreichbar zu sein… Kurz gefasst: Ich habe wieder angefangen, mich zu bewerben. Und wenn sich etwas ergibt, bin ich weg. Möglichst nicht mehr in der Forschung.

Ich habe noch zu Hause geputzt und eingekauft. Martin ist von Freitag auf Samstag bei Freunden für ein Osterfeuer unterwegs, wie jedes Jahr. Mir war es diesmal nicht danach. Stattdessen habe ich mich erholt. Und vor der Glotze gesessen. Das mache ich sonst nie! Nur Martin schaltet den Fernseher an. Mir ist es zu aufwendig. Drei Steckdosen muss man anschalten, eine Festplatte, die Playstation, warum auch immer, und so viele Fernbedienungen… In meiner Jugend war’s viel einfacher. Knopf drücken, das war’s. Man konnte sogar direkt am Fernseher das Rad drehen, um das Programm zu wechseln, ohne eine Fernbedienung zu brauchen (die war eh nur was für faule Säcke). Jetzt nicht mehr. Es hat sich einiges geändert, in meinem langjährigen Leben ohne Fernsehen, seidem ich fürs Studium umgezogen bin.

Am Samstag war es mir zu schwindelig, um etwas zu unternehmen. Ich dachte schon, ich wäre schwanger (das hat seit der Bauchhöhlenschwangerschaft nicht mehr geklappt), aber nein, meine Periode ist heute wieder da. Gestern ging es mir besser, und ich habe uns ein tolles Osteressen gemacht, wie meine Mami es früher immer gemacht hatte. Lammrücken im Backofen mit ganzen Knoblauchzehen im Fleisch gedrückt, Thymian und Rosmarin, Kartoffeln und Flageolets… Obwohl ich es selber gemacht habe, muss ich sagen, es war so was von lecker! Der Schwiegervater in spe war auch eingeladen. Es war ein gemütliches Mittagessen, wir haben das schöne Wetter genoßen und auf der Terrasse gegessen.

Heute morgen war das Wetter toll. Wir haben offiziell die Fahrrad-Saison eröffnet und sind zum botanischen Garten gefahren. Danach habe ich mir Vorlesungen von meinem aktuellen MOOC angehört. Ich habe die letzten zwei Wochen verpennt, jetzt gab es viel nachzuholen. Es geht um Statistik mit R. Der Kurs ist auf Französisch und endet diese Woche. Die Prüfungen sind aber nicht jede Woche zu liefern, wie beim openHPI, sondern nur bis zum Ende vom Kurs. Die sind viel flexibler, also kann ich es noch schaffen und eine Urkunde bekommen. Vielleicht hilft es bei meiner Jobsuche. Vielleicht auch nicht.

Ein einfacher Taschenrechner

Ich habe vor einigen Wochen an einer Schulung zum Thema „Software-Entwicklung für Wissenschaftler“ in meinem Fach teilgenommen. Die Idee kam nicht von mir sondern von Winfried. Er hatte die Ankündigung der Veranstaltung gesehen und meinte, ich sollte mich sofort einschreiben und Programm #1 vorstellen. Seit einiger Zeit ist er der Meinung, ich sollte aktiv Werbung machen und an Workshops teilnehmen. Eine gute Idee, aber wie es bei Winfried häufig der Fall ist, hat er sich bei dieser Schulung nur einige Stichwörter gemerkt und nicht wirklich dafür interessiert, worum es eigentlich ging.

Ich habe mich laut seiner Anweisung angemeldet und angekündigt, dass ich gerne ein Tutorial über Programm #1 anbieten würde. Die Antwort war „gerne, aber es geht vor allem darum, über Software-Entwicklung zu erzählen, nicht um einzelne Programme vorzustellen“. Tja. Dann zu sagen, „ach nee, mache ich doch nicht“ wäre nicht gut angekommen. Eigentlich habe ich Physik studiert. Programmieren war im Studium Nebensache, und immer für bestimmte Projekte benutzt (Monte-Carlo-Simulation eines Spin-Systemes, zum Beispiel). Ich dachte eher, ich habe mehr zu lernen, als ich lehren kann. Aber gut. Ich sollte über etwas erzählen, das ich gar nicht wusste, bevor ich mit meinem Projekt angefangen habe. Die Auswahl war groß, da ich Python erst kennen gelernt habe, als ich die Stelle angenommen habe.

Ich habe mich für den Entwurf von graphischen Nutzeroberflächen mit Python und Qt4 entschieden, am Beispiel von Programm #1. So etwas habe ich noch nie vorgetragen. Es hat mir viel Stress vorbereitet, und viele Stunden zu Hause gekostet, um Videos auf YouTube darüber zu sehen und selber endlich mal zu begreifen, wie PyQt4 funktioniert. Ich habe bis jetzt im Programm immer Änderungen gemacht, und da mein Vorgänger die ganze Arbeit mit der Oberfläche geleistet hatte, habe ich nicht viel Gelegenheit gehabt, mich mit dem Thema auseinander zu setzen (und es gibt ja Qt Designer). Ich habe dann ein sehr einfaches Tutorial vorbereitet, vom leeren Fenster bis zur Verlinkung von Signalen und Aktionen. Ich dachte schon, es wäre zu trivial für die anderen Teilnehmer. Eigentlich ist es zu einem der meist gefragten Tutorials geworden. Ich war überrascht. Meine Teilnehmer waren begeistert und haben tatsächlich etwas gelernt. Ich auch.

Zum Schluss habe ich als weiterführende Übung das Basteln von einem einfachen Taschenrechner vorgeschlagen, ohne Lösung. Hier ist mein Vorschlag, leider als Bild, weil man Code hier sehr schlecht indentieren kann. Er ist nicht perfekt, vor allem ist das Benutzen von eval() sicherheitstechnisch nicht empfohlen und führt zu ungenauen Ergebnissen, wie es unten benutzt wird, aber es ging darum, zu zeigen, wie man mit Signalen arbeitet.

calculator_code

Eine stressige Dienstreise

Die Reise selbst war nicht stressig. Ich war drei Tage mit Kate unterwegs, in einer kleinen Stadt in Mittelhessen, die trotzdem mit einer Uni versehen ist. Dort sitzt eine Arbeitsgruppe, mit der wir beide zu tun haben. Es war ein sehr produktives Treffen.

Was mich geärgert hat, sind die Kollegen zu Hause. Wir haben nächste Woche einen gemeinsamen Kurs mit der Uni, den ich mittlerweile zum fünften Mal für unseren Teil organisiere. Es ist bis jetzt immer gut gelaufen. Alles, was ich machen muss, ist beinahe trivial: Termin finden, da die Nutzung unserer Geräte an einem Kalender gebunden ist, Raum buchen, was fast ein Jahr im vorraus geschieht, Zeitplan für den Kurs herstellen, da die Studenten manchmal gleichzeitig andere Veranstaltungen haben, und meine Vorlesungen und Skripte vorbereiten, es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten. Um die Online-Anmeldung der Studenten für die Nutzung unserer Geräte kümmern sich die Kollegen aus der Uni, die den Rest vom Kurs organisieren. Bis auf dieses Mal.

Vorgestern hat mich mein Gesprächspartner für den Kurs aus der Uni eine Email geschrieben, weil er gerade gemerkt hatte, dass er die Studenten bei uns nicht wie üblich anmelden konnte. Da ich den ganzen Tag beschäftigt war und meine Kollegen erst um halb zehn verlassen habe, konnte ich nur sehr spät antworten. Ungefähr so: „Bin nicht vor Ort, kontaktiere so schnell wie möglich unsere Verwaltung, ich weiß nicht, ob sie es noch schaffen können, rechzeitig den Studenten Zugang zu den Geräten zu ermöglichen.“ Mit CC an Uschi, damit er darauf reagieren kann: Vielleicht hat er eine Idee, wie man auf die Schnelle das Problem lösen kann. Es ist ja ein großer administrativer Aufwand, vor allem bei ausländischen Studenten, da Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden müssen, und alle unsere Nutzer wissen eigentlich, dass sie sich spätestens eine Woche vor ihrer Messung bei uns anmelden müssen. Mein Kollege hat etwas massiv verpennt, wenn er erst zwei Werktage vor Anfang des Kurses merkt, dass er die Studenten nicht anmelden kann. Ich habe schon im Gedanke angefangen, den gesamten Kurs umzustrukturieren, damit wir trotzdem etwas Sinnvolles machen können, falls keine Experimente möglich sind.

Gestern habe ich ganz früh Uschi angerufen, als er noch unterwegs zur Arbeit war. Er hatte den Email-Austausch vom späten Abend nicht mitbekommen. Seine Antwort an meinem Kollegen fing mit „Warum merkt ihr das erst jetzt?“ an, aber er hat tatsächlich eine Notlösung gefunden. Dafür mussten die Kollegen an der Uni tätig werden: Wir dürfen selber keine Teilnehmer zu einem Experiment eintragen, obwohl wir Experimente für die Nutzer buchen können (warum auch immer, das versteht nur unsere Verwaltung). Daraufhin kam eine Antwort vom Chef meines Kollegen, der leitender Professor seiner Arbeitsgruppe, der bis jetzt in die Diskussion nicht involviert war aber uns gleich anschuldigen musste, in dem Stil „Ich sehe nicht ein, warum wir uns darum kümmern sollten, seit Frau Dingsbums[1] nicht mehr da ist, klappt irgendwie einiges nicht mehr, wenn es nicht geht werden wir in Zukunft ohne euch den Kurs machen“. Ich glaube, ich spinne. Zum Glück hat Uschi die Situation vorbildlich unter Kontrolle gebracht. Er hat den Vorgang bei den letzten Kursen geprüft und deutlich gemacht, dass die Anschuldigungsversuche an uns völlig unbegründet waren, da die Studenten immer von den Kollegen aus der Uni angemeldet wurden. Der Professor hat keinen Ton mehr von sich gegeben, mein Kollege hat plötzlich geschrieben, dass er die Studenten gerade angemeldet hatte (obwohl er es angeblich nicht vor dem Nachmittag machen konnte), und Uschi hat es geschafft, die Leute aus unserer Verwaltung zu überzeugen, den Vorgang für die Studenten zu beschleunigen. Das alles innerhalb von zwei Stunden nachdem ich ihn angerufen habe. Es ist nicht sicher, dass es gelingt, aber er hat alles dafür gemacht. Das schätze ich sehr an Uschi. Wenn ein Problem auftaucht, ist er zwar geärgert, aber statt einen Prügelknabe zu suchen, versucht er in erster Linie, das Problem zu lösen.

[1] Die Vorgängerin meines Vorgängers.

Pfingstmontag

Ein toller Tag heute. Und was habe ich gemacht? Zu Hause geblieben.

Heute Morgen haben wir auf der Terrasse gefrühstückt. Die Sonne war ab und zu durch dicke Wolken versteckt, aber es war trotzdem angenehm warm. Bienen haben unsere Blumenkasten besucht. Die Mischung „Bienenfreude“ war offensichtlich eine gute Wahl. Im Kasten links davon wachsen die Tomatenstauden. Nur die Hälfte hat überlebt, nachdem wir sie von den Vögeln geschützt haben müssen. Die Katze hat sich kurz zu uns gesellt, geschuppert und fand es doch besser im Wohnzimmer. Wir hatten nichts interessantes für sie auf dem Frühstückstisch.

Ich habe die Wohnung weiter geputzt. Staub gewischt. Mit der Katze gespielt. Die letzten Vorlesungen vom Kurs Java für Einsteiger gehört, da die Frist für die Abgabe der Tests verlängert wurde. Der Workshop ist nach September verschoben worden. Es gab viele technische Probleme bei der Platform für die Übungen, die für den Kurs anscheinend neu entwickelt wurde. Den Stoff der Vorlesungen direkt in Programmieraufgaben zu bearbeiten fand ich toll. Nicht die häufigen „Leider ist ein Fehler aufgetreten“ Meldungen bei der Bewertung der Übungen. Die letzten Bonus-Aufgaben haben Spaß gemacht. Man musste eine LED-Matrix steuern, um ein bestimmtes Muster zu erzeugen. Ein schön symmetrisches Muster mit drei konzentrischen Quadraten verschiedener Größen und Farben… Beim Ausführen hat man ein Foto von der Matrix geschickt bekommen, die irgendwo in den Büros von openHPI durch eine Webcam überwacht wird. Mein Lösungsansatz hat die Symmetrie des Musters benutzt und zu einer zyklomatischen Komplexität von 6 geführt, während die „einfache“ Methode mit drei doppelten for Schleifen, die im Forum diskutiert wurde, eine zyklomatische Komplexität von 7 besitzt. Ich bin schon stolz darüber, selbst wenn es für die Bewertung nichts bringt. Insgesamt sehr zufrieden. Java gelernt, Objekte und Klassen endlich richtig verstanden. Und das hat Spaß gemacht, wenn man den Frust mit der Programmierungsplatform vergißt.

Martin hat in der Zeit eine Spazierfahrt mit dem Motorrad gemacht. Ich bin noch nie mit ihm gefahren. Die Ausrüstung fehlt mir. Und, na ja, es muss nicht sein. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Wochenende zum Fitness-Studio zu gehen. Nach der Woche auf dem Fahrrad habe ich aber Lust auf Erholung und kein Bock mehr gehabt. Gestern sind wir eh schon zum seinem Vater geradelt.

Zum Abendessen gab’s eine asiatische Rindfleischpfanne. Nun, Sojasprossen hatte ich beim Edeka nicht gefunden, als ich am Samstag dort war, dafür gab’s eine Sprossenmischung. Reis hatten wir doch nicht, ich habe den Rest von der Packung Dinkel gemacht. Und statt Chiliflocken habe ich eine rote Schotte klein geschnitten und mitgebraten. Sie war nicht so scharf. Martin war auf jeden Fall begeistert.

Java für Einsteiger

Morgen fängt es an, für vier Wochen. Danach kommt ein zweiwöchiger Workshop. Ich habe mir den Termin schon lange notiert. Diesmal mache ich den Kurs nicht alleine, Martin ist auch daran interessiert. Mit Java habe ich noch nie gearbeitet. Vor einigen Jahren hatte ich einen autodidaktischen Versuch gestartet, der erfolglos blieb. Vielleicht war es zu viel auf einmal. Ich kannte damals nur Fortran. C hatte ich längst vergessen, seitdem ich mit meinem (jetzt schon verstorbenen) Diplom-Vater gearbeitet habe, der nur Fortran 77 benutzen wollte. Von Objektorientierung hatte ich keine Ahnung. Zum Scheitern hat auch die Programmierumgebung einen großen Beitrag geleistet. Mit Fortran hatte ich ganz normal in einem Texteditor gearbeitet (Emacs) und in der Kommandozeile die Kompilierung gestartet. Selbst für LaTeX fand ich es mit Emacs bequemer als MikTeX zu benutzen. Mit Java kam Eclipse, und ich musste damit arbeiten, um die auf Internet gefundene Tutorials machen zu können. Ich habe es gehasst und aufgegeben. Es ist um die zehn Jahre her gewesen.

Es ist eigentlich unüblich, dass ein Kurs bei openHPI anfängt, bevor der vorherige Kurs zu Ende geht. Ich habe noch eine Woche Lernmaterial über Automated Visual Software Analytics zu bearbeiten. Es wird knapp. Wir wollten heute Abend mit Martin vor dem Fernseher entspannen. Aber da er noch eine Bewerbung fertig schreiben will (immer noch keine Aussicht auf einen neuen Job) und ewig zum Formulieren braucht, kann ich weiter lernen. Es ist sowieso sehr einfach, obwohl ich im Kurs schon eine Menge gelernt habe. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Veranstalter sich viel bemüht haben. Die Vorlesungen sind zwar gut und verständlich vorbereitet, aber die Tests sind sehr oberflächlich, und die Hausaufgaben enthalten teilweise genau dieselben Fragen. Die Herausforderung habe ich noch nicht gefunden.

Zu früh wach

Das passiert zur Zeit zu häufig. Es ist Sonntag und ich bin seit 06:00 wach. Gerade fünf Stunden geschlafen. Ich habe noch eine Stunde neben Martin gelegen, bis ich eingesehen habe, dass es sinnlos ist. Ich habe die Katze gefüttert. Gestern bin ich auch so früh aufgewacht. Wenigstens war der wunderschöne Anblick draußen es wert, mit dem frischen Schnee der Nacht auf die Bäumen, durch die Straßenlampen beleuchtet.

Ich hätte gedacht, dass ich mich gestern genug angestrengt hätte, um eine gute Nacht zu verbringen. Ich habe das Gästebadezimmer endlich gründlich gereinigt. Das letzte, was noch seit dem Umzug zu tun war. Es ist klein, aber es hat zwei Stunden gedauert, bis die Kachel an den Wänden schön sauber weiß geworden sind. Nicht nur die Küche war in einem grauenhaften Zustand. Letzte Woche war ich am Samstag sogar wieder beim Fitness-Studio, nach einer sehr langen Pause. Seit dem Sommer war ich nicht mehr dort. Ich hatte mir zuerst das Knie gehauen (es knackt jetzt noch häufig, wenn ich das Bein strecke), wir waren Urlaub viel unterwegs, ich habe mir diese lästige Magen-Darm-Krankheit geholt, die über zwei Wochen gedauert hat, dann sind wir umgezogen… Und seit der Rückkehr aus den Seychellen bin ich gerade ein Mal Fahrrad gefahren, die Strecke zur Arbeit ist jetzt viel zu lang, und es ist kalt. Es wurde Zeit, wieder mit Sport anzufangen. Am letzten Sonntag war ich trotzdem schon ganz früh wach, und es passiert mir regelmäßig seit einigen Wochen.

Wahrscheinlich liegt es am Stress. Letzte Woche war besonders hart, da wir wieder unser Praktikum hatten und ich für die Organisation verantwortlich bin. Ich habe noch die Skripte bearbeitet und meine Vorlesungen umstrukturiert. Das hat sich gelohnt, die Studenten waren am Ende zufrieden. Nebenbei musste ich mich um neue Probleme bei meinem Datenauswertungsprogramm kümmern (mittlerweile habe ich ein zweites Programm entwickelt, als drittes Projekt). Aus einem mir noch unbekannten Grund bleibt es bei einem bestimmten Schritt hängen und läuft nicht weiter. Es ist nicht reproduzierbar, manchmal geht’s wieder, wenn man es noch mal versucht. Ich habe die ganze Woche mit den Studenten das Programm benutzt und kein Problem gehabt. Auf meinem Rechner habe ich den Fall nie beobachtet. Aber den Nutzern passiert es jetzt häufig, wenn sie parallel zu ihren Experimenten das Programm benutzen. Genauer gesagt seit drei Wochen, nur, am Anfang hat es mir keiner gesagt. Das komische ist, dass ich seit längerer Zeit mit Programm #2 beschäftigt war und an Programm #1 nichts geändert habe. In einem anderen Fall hat sogar ein Nutzer geschrieben, dass sein Datensatz nach einer Fehlermeldung (welche, hat er nicht geschrieben) verschwunden war. Verloren. Als ob er die Messung nie gemacht hätte. Das kann nicht sein, mein Programm enthält definitiv keinen Löschbefehl für die Daten. Ich vermute eher ein Hardware-Fehler. Ich kann mir vorstellen, dass die Fehlermeldung kam, weil das Programm plötzlich keine Daten mehr zum auswerten hatte. Mit den spärlichen Informationen, die ich von den Nutzern bekomme, komme ich auf jeden Fall nicht weiter. Ich muss unbedingt eine detaillierte Logdatei erstellen, um wenigstens die genaue Stelle des Programmes zu identifizieren, die jetzt Probleme macht.

Zum Stressabbau wollten wir also heute in die Sauna gehen. Leider wird’s wohl ein anderes Mal sein müssen. Ich dachte, meine Periode wäre vorbei, aber heute morgen habe ich wieder viel Blut gemerkt. Stattdessen könnten wir im botanischen Garten spazieren gehen.

Zweiter Tauchkurs

Es ist viel besser als beim letzten Mal gelaufen. Zugegeben, ich hätte das Lehrbuch weiter lesen sollen, bin aber gar nicht dazu gekommen. Da die Theorieprüfung innerhalb von zwei Wochen statt finden soll, muss ich meinen Urlaub dafür benutzen.

Beim Zusammenbauen der Ausrüstung hatte ich fast alles vergessen. Es liegt sicherlich daran, dass der erster Kurs vor einem Monat statt gefunden hat. Diesmal haben die Übungen viel besser geklappt, nachdem ich mich überwinden konnte, mit der schweren Ausrüstung ins Wasser zu gehen. Ich konnte sogar bis zum Boden des Schwimmbeckens herunter gehen, obwohl ich plötzlich einen Schmerz im linken Ohr gespürt habe, nachdem der Druckausgleich schon gemacht wurde. Merkwürdig. Mal schauen, wie es diese Woche wird. Beim letzten Mal hatte ich einige Tage später ein leichtes Tinnitus bekommen, jedesmal, wenn ich Papier angefasst habe. Das war eine Woche später wieder verschwunden.

Zurück nach Deutschland

Der Urlaub ist vorbei.

Nach einem schnellen Frühstück auf der Terrasse, mit Blick aufs Meer, hat uns Guido zum Flughafen gebracht. Wir haben eingecheckt und das Gepäck registriert. Wir hätten noch ein bisschen Zeit gehabt, aber wir sind sofort zur Sicherheitskontrolle gegangen. Die Schlange war um knapp zehn Uhr morgens für einen Sonntag beeindruckend. Es gab zwei Reihen neben einander, die durch Bänder getrennt waren. Eine Frau stand am Anfang der Schlange und zeigte den Passagieren, zu welcher Reihe sie sich anschließen sollten, ohne auf die Boardkarte zu schauen. Wir haben uns rechts angestellt. Man kam relativ schnell vorwärts. Als die Schlange nach links bog, haben wir gemerkt, dass die Trennung völlig sinnlos war, da beide Schlangen sich wieder vereinigt haben. Andere Arbeiter waren ständig dabei, die Schlange neu zu begrenzen, und müssen diesen Teil vergessen haben. Es wurde schon chaotisch. Es hat gut zwanzig Minuten gedauert, bis wir zur Kontrolle angekommen sind.

Der Flug war nicht direkt. Ich habe die ganze Zeit den Rest des ersten Kapitels meines Tauchlehrbuches gelesen. Ich musste es bis heute erledigen. Es ging zuerst um das Modell des idealen Gases, weit und breit mit viel Text und Tabellen für Grundschüler erklärt, ohne dass die Formel pV=nRT überhaupt zum Erscheinen kommt – in einem Tauchlehrbuch sollten die Leser nicht erschreckt werden, es geht doch um Spaß. Es hätte aber den Kapitel um gut zehn Seiten gekürzt. Danach ging es um alle Einzelteile der Ausrüstung, wie man sie anzieht, worauf man achten soll, und wie sie gepflegt wird. Martin hatte uns bei der Flugbuchung verplant und glatt vergessen, dass mein erster privater Tauchkurs heute um 16:00 anfängt (als Vorbereitung für den Urlaub in Oktober). Er wollte auch dabei sein. Die geplante Landung in Tegel war um 16:15. Wir haben die Lehrerin (Mara, eine Freundin von ihm, mit der er häufig getaucht ist und die die Reise organisiert hat) vor unserer Abreise informiert und sie meinte, es ginge, wenn wir erst gegen 17:30 dort sind. Das heißt aber Stress. Er hat während des Umstieges seinen Vater angerufen und ihn gefragt, ob er uns am Flughafen mit dem Auto abholen könnte. Unsere ursprüngliche Idee war eigentlich, ein Taxi zu nehmen. Anscheinend ist die Nachricht, dass wir pleite sind, endlich angekommen.

Die Abholung der Gepäcke hat sehr lange gedauert. Als wir raus gegangen sind, haben wir gemerkt, dass es hier vor kurzem geregnet haben musste. Der Vater von Martin war zunächst schlecht gelaunt. Aber nur mit Martin, nicht mit mir. Merkwürdig. Ich habe hinten gesessen. Ich habe bei ihrer Diskussion nicht alles verstanden. Als wir bei seinem Vater ausgestiegen sind (das Auto wollten wir für die nächsten Tage behalten), hat mir Martin erzählt, dass er völlig vergessen hatte, dass sein Geburtstag gestern war. Das wusste ich gar nicht. Ich fand es gleichzeitig lustig, da bei meinem Vater der Geburtstag am 7.12. ist.

Wir sind weiter zum Tauchkurs in Kreuzberg gefahren. Dort ging es schnell. Ich musste plötzlich alles anziehen, Geräte prüfen, bin mit Informationen überflutet worden, und es war das erste Mal, dass ich die Geräte überhaupt in der Hand halte. Als ich fertig gepackt wurde und am Rand von Schwimmbad saß, habe ich mich gefragt, wie man sich mit dieser Ausrüstung bewegen sollte. Es war so schwer, ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte, ins Wasser zu gehen. Beide Hände auf eine Seite am Boden drücken und runter gleiten, so lautete die Erklärung. Es hat gedauert, bis ich es geschafft habe, das rechte Hand nach links zu bringen. Und ich habe Angst bekommen. Ich dachte, mit allem, was ich mit mir schleppe, würde ich gleich am Boden sinken. Mein Jacket war aber aufgeblasen, und obwohl ich die Theorie kannte, war ich erleichtert zu merken, dass ich an der Oberfläche geblieben bin. Es fühlte sich nicht sehr angenehm. Ich bin ständig hin und her vom Wasser geschleppt worden und fühlte mich nicht stabil. Es war auf jeden Fall gut, dass ich im Urlaub mit Schnorchel und Maske geübt habe, mindestens ging das Atmen unter Wasser ohne Problem. Wir haben einige Übungen gemacht. Mit Flossen geschwommen. Bei geringer Tiefe Maske mit Wasser gefüllt und geleert. Atemregler entfernt, gesucht und wieder eingesetzt (und daran denken, den Atem unter Wasser auf keinen Fall zu halten). Kommunikation durch Geste geübt. Alles mehr oder weniger gut gelaufen. Das einzige Problem: Ich bin nicht sehr tief gekommen. Mein linkes Ohr hat trotz andauernden Druckausgleichversuche nach zwei Metern schon geschmerzt. Das habe ich sofort signalisiert, und nach einigen Versuchen haben wir für heute aufgegeben. Frustrierend. Die Theorie ist, dass ich durch das Fliegen schon vorbelastet bin und deswegen keinen Druckausgleich machen konnte. Ich denke, es hat auch damit zu tun, dass meine Ohrkanäle zu eng sind. Wir werden beim nächsten Mal sehen. Hoffentlich klappt’s dann. Der Urlaub ist teuer genug, um nur am Strand zu liegen, während die anderen tauchen gehen.

Nach dem Tauchkurs haben wir uns Pizza geholt und sind zu ihm gefahren. Es hat wieder geregnet. Die Straßen waren fast leer, die einzigen Autos unterwegs fuhren sehr schnell. Das Spiel hatte schon begonnen. Wir haben die WM-Finale bei ihm geschaut. Ich fand sie ziemlich brutal, vor allem in der zweiten Halbzeit. Fußball schaue ich kaum, vielleicht war es doch normal. Ich habe auch von Bissen während der WM-Spiele gehört. Primate. Immerhin eine gute Gelegenheit zu feiern, wenn morgen nicht gearbeitet werden müsste. Wir sind zu mir gefahren. Ich machte mir schon Sorgen um meine Mieze, die jedesmal in Panik gerät, wenn es Feuerwerke gibt. Sie hat uns vorsichtig begrüßt und geschnüffelt, als ob sie es nicht glauben konnte, dass wir endlich wieder da waren. Bei mir im Viertel ist es sehr ruhig. Man hört gar nichts von der Feier. Martin liest gerade seine Emails von den Immobilienagenturen. Wir haben immerhin eine gute Ausrede, um morgen nicht ganz früh bei der Arbeit zu sein.

Die Woche ist vorbei

Sie war hart. Mit unserer Lehrveranstaltung sind wir fertig. Die Studenten scheinen ganz wenig verstanden zu haben. Weil ich im letzten Semester die Vorlesungen von meinen Kollegen an der Uni mir angehört hatte, weiß ich, dass sie eigentlich die nötigen Grundkenntnisse hatten, um bei uns optimal arbeiten zu können. Diesmal waren sie wohl überfordert. Das habe ich früher an der Uni häufig genug festgestellt. Es gibt Jahrgänge, in denen Studenten sehr gut sind, und andere, bei denen ich mich frage, wie sie überhaupt so weit im Studium kommen konnten. Ich kann mir nicht erklären, warum die Fähigkeiten von Studenten von einem Jahr zum anderen so stark variieren können. Da es in unserem Interesse ist, dass alle in dem Kurs etwas Nützliches lernen[1], müssen wir uns überlegen, wie wir beim nächsten Mal den Kurs besser gestalten können. Ich habe schon heute Nachmittag mit Winfried darüber diskutiert. Uschi wollte, dass wir nächste Woche alle zusammen darüber reden. Immerhin hat er eingesehen, dass ich eine harte Zeit hatte, um mich alleine um die praktischen Aspekte des Praktikums zu kümmern[2]. Das meinten die Studenten auch. Beim nächsten Mal sollen die neuen Postdocs mithelfen.

In meinem Projekt bin ich diese Woche natürlich nicht weiter gekommen. Ich habe trotzdem genug am Montag darüber zu erzählen, da ich neulich eine zusätzliche Funktion in meinem Programm eingebaut habe. Wir wollten ursprünglich regelmäßige Treffen über meine Arbeit organisieren, aber seit einigen Wochen gab es immer eine gute Ausrede, warum wir es ausfallen lassen mussten. Hoffentlich klappt es nächste Woche, bevor mein Urlaub anfängt. Außerdem muss ich noch am Wochenende eine Bewerbung schreiben.

Ich konnte heute kurz nach der Mittagspause schon Feierabend machen. Bei meinen Überstunden kein Luxus. Ausnahmsweise für diese Woche bin ich mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Die Sonne schien und die Temperatur war sogar angenehm. Ich habe eingekauft. Martin muss morgen früh zur Arbeit und will danach bei mir frühstücken. Heute Nacht ist er wieder bei sich zu Hause. Hmm. Er will morgen Abend zur Geburtstagparty von einem Cousin gehen. Ich bin nicht begeistert. Vermutlich wieder eine Feier, bei der ich niemanden kenne, bei der wir lange bleiben werden und spät nach vielen Bieren ins Bett gehen werden. Dazu habe ich echt keine Lust.

[1] Master-Arbeiten bieten wir an, auch wenn ich mir bei dem einem oder anderen Teilnehmer wünsche, dass sie auf die Idee nicht kommen, bei uns eine Arbeit zu machen.

[2] Das hatte er beim letzten Mal schon gesagt.