Migräne nochmal

Der Wecker hat uns um halb sieben geweckt. Wie immer. Ich habe mich nicht gut gefühlt. Nicht ausgeschlafen. Kopfschmerze. Schon wieder, nach Montag und Dienstag. Ein Vorbote vom nächsten Sturm?

Ich kann mich nicht erinnern, so häufig in Berlin Migränen gehabt zu haben. Es ist hier häufiger geworden. Und heftiger. Dass ich mich bei Migränen übergebe, hatte ich vorher kaum erlebt. Heute geht’s zum Glück noch, mit dem Magen.

Ich habe zwei Paracetamol geschluckt. Ich merke, es bringt nicht viel und so kann ich unmöglich den ganzen Tag den Bildschirm vom Laptop anstarren. Lichtempfindlichkeit. Wie soll ich programmieren? Ich melde mich krank. Ich habe letzte Woche eh fünfzig Stunden geleistet.

Währenddessen sitzt der Ehemann im Zug nach Berlin. Er hätte gestern schon fahren sollen. Am Bahnhof hatte er die Meldung bekommen, der Zug würde wegen der Folgen vom Sturm nur bis Erfurt fahren, also hat er sich auf dem Weg zurück nach Hause gemacht. Gerade als der Zug abgefahren ist, hieß es, er würde doch bis Berlin normal fahren. Er hatte sich Karten für die Berlinale geholt. Gut, dass seine erste Vorstellung erst heute Nachmittag ist.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Durcheinander

Ich fühle mich momentan recht müde. Am Montagabend hatte ich leichte Kopfschmerze. Gestern wurde es eine richtige Migräne. Ich bin früh ins Bett gegangen, schon um neun Uhr Abends. Um vier bin ich aufgewacht und dachte, ich hätte mich ausgeschlafen. Ich konnte doch wieder einschlafen.

Ich war in einem Hotelzimmer mit dem Ehemann. Wir mussten auschecken, aber ich war noch nicht angezogen. Ich bin in Unterwäschen mit dem Rest meiner Kleider in den Armen aus dem Zimmer gerannt. Ich war ein bisschen geniert, weil mein Höschen und mein BH farblich nicht zusammen passten.

Aus dem Hotel raus, sind wir zum Auto gegangen. Ich habe mich am Fahrersitz hingesessen, um mich weiter anzuziehen. Der Ehemann ist zum Beifahrersitz gegangen. Als ich mit meinen Klamotten noch am Kämpfen war, ist er los gefahren. Es war nicht praktisch. Ich musste auf die Pedalen drücken, während er steuerte.

Wir waren auf einer Autobahn. Ich war dabei, ein hellrosafarbene Strumpfhose über meine Beine hoch gleiten zu lassen, als ein Bus uns überholte. Der Bus blieb dann links neben uns, und die Fahrgäste glotzten mich aus den Fenstern beim Anziehen an. Ich sagte dem Ehemann, wir sollten vor der Autobahn runter fahren.

Wir sind zu einer Stadt angekommen. Es war regnerisch. Die Straße hatte eine Biegung nach rechts, um zu einem Hotel zu kommen. Der Ehemann hat mitten auf der Abbiegespur versucht anzuhalten, aber das Auto kam nicht zum Stehen, selbst mit der Handbremse. Wir sind mit dem Auto ins Hotel gekommen, entlang Flure an Konferenzzimmern vorbei gefahren, um vor einem leeren Schlafzimmer endlich zu halten. Ich bin rein gegangen und habe mich mit Mühe zu Ende angezogen. Als der Ehemann ins Zimmer kam, um zu fragen, ob ich fertig war, hielt ich jedoch die Strumpfhose in der Hand. Wir mussten schnell wieder raus.

Wir liefen auf der Straße. Meine Beine waren nackt. Ich hielt meine Strumpfhose immer noch in der Hand. Immerhin hatte ich den schwarzen Rock an. Ich sagte dem Ehemann, ich wäre momentan total verwirrt und könnte nicht mehr rational handeln. Ich hätte doch die Strumpfhose gerade angezogen gehabt, warum hätte ich sie wieder ausgezogen? Ich würde ständig Sachen vergessen oder nicht in der richtigen Reihenfolge machen. Es bereitete mir Sorgen um meine geistige Gesundheit.

Wir sind zu einer Art öffentlicher Dusche gegangen. Es wurde draußen dunkel. Drin waren Boden und Wände mit kleinen quadratischen gelben Fliesen bedeckt. Wir haben geduscht. Ich habe den Ehemann am Glied gepackt und ihn leidenschaftlich geküsst. Ich hatte Angst, er würde mich wegen meiner Verwirrung nicht mehr attraktiv finden. In dem Moment fiel mir ein, die Tür zur Straße war breit offen. Man konnte durch die Fenster in die Wohnungen gegenüber schauen, und umgekehrt konnten Leute uns sehen. Der Ehemann hat die Tür geschlossen. Es war aber die falsche Tür, man konnte immer noch die andere Seite der Straße sehen. Der Ehemann hat eine zweite Tür geschlossen. Diesmal ging sie wirklich zu. Ich habe den Ehemann gegen die Wand gedrückt, meine Beine beim Stehen um ihn geschlungen und ihn empfangen.

Beim Höhepunkt bin ich aufgewacht. Es war kurz vor halb sieben. Die Migräne war vorbei.

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Wieder krank geschrieben

Der Termin beim Oralchirurg, den ich vor zwei Wochen wegen Reizhusten nach meiner Corona-Erkrankung verschieben musste, ist auf gestern verlegt worden.

Nachdem mir ein erster Milchzahn im oberen Kiefer vor über zwei Jahren entfernt wurde, hat einige Monate später der Milchzahn gegenüber auf der linken Seite dasselbe Schicksal erlitten. Danach war klar, Implantate müssen rein. Das hatte ich schon vor einigen Jahren mit meinem Zahnarzt in Berlin diskutiert. Er hatte mir empfohlen, eine Zusatzversicherung zu nehmen. Ich hatte mir Prospekte von verschiedenen Anbietern durchgelesen und es wurde mir klar, es kostet mir am Ende weniger, das Geld zu sparen und ohne Versicherung die Kosten selber zu tragen. Selbst hier bei München, wo man schon für eine einfache Zahnreinigung deutlich mehr als in Berlin bezahlt. Wollte mein Zahnarzt in Berlin um die 80€ sehen, muss ich hier über 100€ für dieselbe Leistung raus rücken.

Die Terminfindung für die Implantatsetzung habe ich verschleppt. Mir war mulmig und als ich letztes Jahr moralisch soweit war, es in Angriff zu nehmen, hat der plötzliche Tod meines Bruders mich davon abgehalten. Mir war erstmal alles egal.

Im Dezember habe ich mit dem Oralchirurg über den Eingriff diskutiert. Da ich an der Stelle Milchzähne gehabt hatte, musste Knochenmasse aufgebaut werden. Dafür würde mein Knochen abgekratzt und mit Schweineknochen gemischt werden, um unter der Schleimhaut gesetzt zu werden. Man könnte im gleichen Eingriff dann die Implantate setzen. Ich würde keine Vollnarkose bekommen, sondern etwas, wo ich noch mitbekomme, was um mich herum passiert, aber die zwei Stunden laufen gefühlt viel schneller. Das klang genial. Am Wochenende war ich trotzdem sehr aufgeregt und ich habe sogar Alpträume von dem Eingriff bekommen. Ich lag auf dem OP-Stuhl. Der Arzt verabreichte mir ein Schlafmittel. Ich schlief ein, alles wurde dunkel. Und plötzlich konnte ich nicht mehr atmen. War ich gestorben? Ich wachte auf, immer noch auf dem OP-Stuhl. Musste mich anstrengen, um Luft einzuatmen. Der Ehemann saß mir gegenüber auf einem Bürostuhl. Ich fragte ihn, „ist der Eingriff jetzt vorbei?“ Er antwortete, „nein, sie haben noch nicht angefangen“. Ich nehme an, das kommt von meiner Erfahrung mit der Bauchhöhlenschwangerschaft.

Ich habe gestern eine Packung Urbason[1] aus der Apotheke in die Praxis gebracht, die Zahnarzthelferinnen haben die Lösung hergestellt. Zuerst habe ich Antibiotika und Schmerzmittel injiziert bekommen. Ich lag auf dem OP-Stuhl. Dann hat mir der Chirurg das Beruhigungsmittel gegeben. Sofort hat sich die Decke gedreht. Ich habe die Augen geschlossen. Geschlafen habe ich nicht. Bei dem Beruhigungsmittel bleibt man die ganze Zeit ansprechbar. Der Arzt meinte, ich würde mich danach nicht an alles erinnern, und ich habe es als Herausforderung angenommen, mir alles zu merken. Hat nicht geklappt. Ich weiß zum Beispiel noch, wie mir links etwas in den Kieferknochen rein gehämmert wurde. Das habe ich rechts nicht mitgekriegt. Dafür ist rechts gebohrt worden, was ich links nicht wahrgenommen habe. Aber auf beiden Seiten muss dasselbe gemacht worden sein. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich links nicht so viel Knochenaufbau wie rechts brauchte. Rechts hatte der Milchzahn schon vor über fünfzehn Jahren eine Wurzelbehandlung bekommen, das war vermutlich der Grund, warum die Knochenmasse zurück gegangen war.

Nach der OP bin ich zu einem Ruhezimmer gebracht worden, wo mir eine Maske auf die Wangen angebracht wurde. Die Maske war an einer Maschine mit Schläuchen verbunden, durch die kaltes Wasser floss. Ich bin da vielleicht eine halbe Stunde geblieben. Der Ehemann ist während ich da saß ins Zimmer gebracht worden. Er hat mich mit dem Auto nach Hause gebracht. Ich habe den Nachmittag mit Kühlpads auf den Wangen verbracht. Gegen sechs konnte ich erst was essen. So lange hat die Betäubung der oberen Lippe gedauert. Das war kein Spaß, um zwei die Medikamente zu schlucken. Das einzige, was nervte ist, dass der Faden rechts gegen die innere Lippe sticht. Das tut weh, sobald ich die Lippe bewegen muss. Und das heißt, bis die Fäden nächste Woche gezogen werden, darf ich nicht zum Lachen gebracht werden.

Mir ging’s gestern noch relativ gut. Heute habe ich seit dem Aufwachen ständige Kopfschmerze, die trotz der verschriebenen Schmerzmittel einfach nicht weg wollen. Ich muss zu jeder Mahlzeit Antibiotika und Schmerzmittel einnehmen. Beim Aufwachen war meine rechte Wange viel dicker als die Linke. Ich muss sie immer noch ständig kühlen. Die Schwellung läuft mir fast bis zum Auge. Ich meine auch, ein kleines gelbes Hämatom am Kiefer zu sehen. Ich fühle mich fiebrig, obwohl meine Temperatur normal ist. Der Faden sticht immer noch meine obere Lippe rechts. Das Schwierigste: Für die nächsten zwei Wochen muss ich dran denken, mit offenem Mund zu niesen.

Es ist gut, dass ich den Rest der Woche krank geschrieben bin. Stress kann ich nicht gebrauchen. Jerry verhält sich momentan sehr dumm, in seiner Art, uns nicht helfen zu wollen, indem er tausende unnötige Emails schickt, die Sachen hinauszögern. Nur der Gedanke an ihn verkrampft meinen Kiefer. Besser, wenn ich keine Email von ihm lesen muss.

In einigen Monaten wird dann der Rest der Arbeit gemacht und die Ersatzzähne auf die Implantate gesetzt. Damit ist meine Milchzahn-Problematik nicht vom Tisch. Ich habe noch drei Stücke, eins oben links und zwei unten. Das ist sicherlich genetisch bedingt, eine Tante mütterlicher Seite hat genau die selbe Probleme wie ich. Auch bei ihr ist der Milchzahn oben, den ich noch habe, verdreht, weil der erwachsene Zahn nicht gerade gewachsen ist und jetzt im Gaumen oberhalb des feinen Knochengerüstes liegt. Als es mir passierte, war ich als Kind in regelmäßiger zahnärztlichen Behandlung, aber die Zahnärztin hatte das Problem nicht erkannt.

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Der Husten lässt langsam nach

Es wurde Zeit. Ich huste immer noch, nur ein bisschen weniger.

Doch nicht gut[1].
Ich habe beschlossen, die Medikamente, die ich mir am Dienstag geholt hatte, nicht mehr zu benutzen.

Von den Kapseln gegen Reizhusten, die ich für die Nacht einnehmen sollte, kriege ich Kopfschmerze. Am Dienstagabend dachte ich, die Kopfschmerze kämen davon, dass ich zum ersten Mal seit langem unter vielen Menschen war. Mir schwirrte der Kopf. Ich war an dem Tag auch müde. Am Mittwoch hatte ich gut geschlafen, aber nach der Einnahme der Kapsel habe ich Kopfschmerze gekriegt. Und ich habe trotzdem nachtsüber Reizhustenattacken bekommen. Am Donnerstag habe ich keine Kapsel genommen,  am Freitagabend wieder. Als ich dann nachts heftig husten musste, habe ich plötzlich starke Kopfschmerze links gespürt, die bis zu meinem Nickerchen auf der Couch gestern Nachmittag geblieben sind. Bei jedem Hustenanfall hat meine Schläfe gepocht. Da die Kapseln scheinbar eh nichts bringen, lasse ich sie in der Schublade. In der Packungsbeilage steht nichts von Kopfschmerzen als mögliche Nebenwirkungen.

Die Tropfen zur Schleimlösung haben keine Nebenwirkung ausgelöst. Sie sind nur einfach nicht für meinen Husten geeignet. Der Schleim, den ich ab und zu beim Husten merke, kommt doch nicht aus den Bronchien. Es ist mir am Freitag bewusst geworden, als ich tagsüber gemerkt habe, wie mir extrem viel Schleim aus der hinteren Nasenhöhle ständig in den Rachen geflossen ist. Das ist es, was meine Reizhustenattacken verursacht. Ich brauche dagegen keine Tropfen für die Bronchien. Es wird seit gestern weniger Schleim. Dabei ist meine Nase die ganze Zeit trocken, sie läuft gar nicht.

Doof ist, dass ich einen längeren chirurgischen Eingriff im Kieferraum für morgen geplant hatte. Den musste ich verschieben. Nicht zu denken, war passieren würde, wenn ich einen Hustenanfall bekomme, während der Arzt am Werkeln ist.

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Mein Tag mit Migräne

Heute habe ich mich beim Aufwachen eigentlich in Ordnung gefühlt. Ungewöhnlich war, dass ich schlafen konnte, bis der Wecker los ging. Meistens bin ich früher wach. Vielleicht weil ich gestern schon um sieben Uhr morgens am Laptop sitzen musste, weil wir eine neue Kollegin aus dem Reich der Mitte kennen lernen wollten.

Als ich heute deutlich später den Laptop aufklappte, merkte ich, ich musste diese Woche nur noch zwei Stunden arbeiten. Weil ich mir den Nachmittag frei genommen hatte. Es wäre blöd gewesen, Überstunden zu arbeiten. Ich habe Skype[1] geöffnet und erstmal auf meinem privaten Rechner meinen letzten Traum niedergeschrieben. Dabei habe ich angefangen, mich sehr müde zu fühlen.

Ich habe die zwei Stunden gearbeitet. Eine kleine neue Funktionalität musste in der LIMS implementiert werden. Ich hätte es normalerweise in einer halben Stunde geschafft, aber es hat anderthalb Stunde gedauert. Diffuse leichte Kopfschmerze sind aufgetaucht. Ich habe zwei Paracetamol geschluckt. Zum Schluß gab es in der Mittagszeit ein firmenübergreifendes Meeting mit der Chefin, und ich war froh, meine Kamera ausschalten zu können, weil ich nicht zeigen wollte, wie mies es mir auf einmal ging. Eine Übelkeit stieg und ich konnte nur noch mit Mühe am Schreibtisch sitzen bleiben.

Nach dem Meeting habe ich den Laptop zu geklappt, mich ausgezogen und ins Bett gepackt. Ein Glück, dass ich diesmal meinen Magen nicht leeren musste. Das ist mir nämlich schon letzte Woche Mittwoch passiert, als mich eine heftige Migräne-Attacke heim besucht hatte. Ich habe heute bis drei geschlafen, bis ein Postbote bei mir klingelte. Ich bin nicht ran gegangen. Ich lag nackt im Bett und konnte hören, wie ein Nachbar die Tür schon geöffnet hatte. Danach war nichts mehr zu hören. Wie ich es hasse, wenn Postboten alle Klingeln auf einmal tätigen!

Ich bin aufgestanden. Mir ging’s besser aber nicht top. Reis mit roten Linsen gekocht und gegessen. Netflix[1] geguckt. Ich warte jetzt drauf, dass der Ehemann aus der Arbeit zurück kommt.

Doof ist, dass ich mir heute den Nachmittag frei genommen hatte, weil ich mich mit den Kollegen aus der Gruppe zu einer inoffiziellen Weihnachtsfeier treffen wollte. Ich habe absagen müssen. Dabei hatte ich mich richtig gefreut, sie alle wieder zu sehen.

Ob die Migräne eine verspätete Nebenwirkung der Booster-Impfung von vorgestern ist? Ich mache eher den Wetterumschwung dafür verantwortlich. Als ich heute früh zum Lüften alle Fenster aufgerissen hatte, war eine dicke dunkelgraue Wolkendecke in der Nähe zu sehen. Als es mir schlecht wurde, war blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Als ich dann um drei geweckt wurde und mich besser gefühlt hatte, war es wieder grau.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

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Krank

Ich habe mich heute beim Aufstehen schlecht gefühlt. Eigentlich hat es früher angefangen, ich habe mich schon schlecht gefühlt, als ich gegen vier Uhr morgens aufgestanden bin, um zu trinken und die Blase zu leeren. Ich dachte, nach drei weiteren Stunden Schlaf würde es mir besser gehen. Nein.

Nach einer langen Dusche und einem kleinen Frühstück, bestehend aus Wasser, einem Mini-Schokokuchen[1] und einem Apfel aus dem Markt, habe ich um acht den Laptop aufgeklappt und angefangen zu arbeiten. Nach und nach hat sich mein Magen schwer angefühlt, Kopfschmerze sind gekommen und ich konnte das Licht vom Bildschirm kaum ertragen. Ich habe es gerade geschafft, eine Modellberechnung auf unserem Server zu starten, und habe mich dann nach anderthalb Stunden Arbeit krank gemeldet. Mit insgesamt 38:40:20 Arbeitsstunden für diese Woche. Was ist der Sinn von Urlaub, wenn ich danach so viel arbeite, dass ich die Zeit nachhole? Fakt ist, egal wie viel ich arbeite, es wird immer so viel zu tun geben.

Nochmal zur Toilette, Durchfall. Ich habe meinen Krankengymnastiktermin abgesagt, eine Tablette gegen Kopfschmerze geschluckt, das Schlafzimmer verdunkelt und mich ins Bett gepackt. Mir war kalt. Zwanzig Minuten später vom Bett gesprungen. Mein Frühstück ist rückwärts in die Kloschüssel gelandet. Die Apfelstücke haben noch fein geduftet. Mund mit Wasser gespült, Zähne putzen soll direkt nach dem Erbrechen schlecht sein, und zurück ins Bett. Ich habe drei Stunden geschlafen.

Ich war alleine in einer Stadt unterwegs. Es war schön sonnig mit blauem Himmel. Es gab ein lustiges Gebäude, wie eine Kirche, aber mit schrillen bunten Wasserspeiern aus Kunststoff, schwarze Totenschädel und hell grüne Darth Vaders[2]. Ich habe gedacht, ich müsste sie fotografieren, es würde Bianca[3] sicherlich erheitern. Meine Kamera konnte ich nicht auf die schnelle finden. Ich habe versucht, das Bild stattdessen mit meinem Handy aufzunehmen, es wollte aber nicht richtig fokussieren. Wenn ich auf den Turm zielte, wollte es den Dach runter fotografieren, oder den jungen Mann an der Terrasse vom Café unten, alles, nur nicht den Turm. Ich habe aufgegeben, wollte das Handy zurück in die Handtasche stecken und habe auf einmal gemerkt, die Handtasche hatte ich nicht dabei. Umgedreht. Sie lag ganz offen auf einer grünen Bank, neben meinem Rucksack, ebenfalls offen, in dem mein Dienstlaptop auch steckte. Der Laptop ging von alleine an. Ein Glück, dass niemand die Taschen mitgehen lassen hatte.

Ich war mit dem Ehemann in einer unterirdischen Einkaufshalle. Vielleicht waren wir in einer U-Bahn-Station. An der Theke einer Fleischerei haben wir eine ältere Freundin getroffen, eine Dame mit kurzem blonden Haar, die uns spontan bei sich zu Hause einladen wollte. Dort angekommen habe ich mich ausgezogen[4]. Ich kam vom Bad mit meinem langen braunen Rock, meinem T-Shirt und meinem BH auf dem Arm, als jemand an der Tür klingelte. Ich bekam Panik und guckte, wo ich mich verstecken könnte. Gegenüber vom Bad war die Tür zu einem großen Raum, in dem meine Schwester mit ihrem Sohn war. Ich bin rein gelaufen, als die Freundin die Tür öffnete. Ich schrie „Attends, attends!“[5], weil ich noch nicht die Tür zum Zimmer geschlossen hatte.

Beim Aufwachen war mir immer kalt. Ein komisches Gefühl. Am oberen Teil vom Körper ging’s, meine Füße und meine Beine unterhalb vom Knie waren kalt. Dabei war ich vollständig in der Daunendecke eingepackt. Ich bin aufgestanden, habe ein Stück Brot gegessen, es scheint besser zu gehen. Ein heißes Getränk musste auch sein, ich habe mir eine Tisane mit Zitronenstrauch gemacht. Das ist etwas, wonach ich mich in den letzten Monaten sehr gesehnt habe, das ich aber in den Läden nie finden konnte. Die richtige Übersetzung vom Kraut ins Deutsche muss man auch finden. Lange dachte ich, es würde Eisenkraut heißen. Tja. Der Ehemann hat im Urlaub das Auto mit Wein beladen, ich habe die Koffer voll mit verveine gepackt.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Ich habe vorgestern die Vorschau von der SchleFaZ[1] gesehen, ich hoffe, meine Migräne klingt vollständig ab, ich will die heute Abend unbedingt gucken. Es wird episch.

[3] Die Witwe von meinem Bruder, auch wenn sie nicht verheiratet waren, sie waren länger zusammen als ich mit dem Ehemann.

[4] Warum auch immer.

[5] „Warte, Warte!“

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In Dijon

Wir fahren am Sonntag direkt nach dem Frühstück von Mittelbergheim los[1]. Auf Autobahn haben wir keine Lust, die Strecke an den Ballons des Vosges ist viel schöner. Einen Teil dieser Route war ich schon ein paar Male vor über zwanzig Jahren gefahren.

Der beinahe Unfall

Es ist unser dritter Urlaubstag und ich habe genug von Autofahrten. Das Auto ist bequem, dass ist nicht das Problem. Das lange Sitzen und die Idiotie mancher Verkehrsteilnehmer gehen mir auf den Keks. Am Ende einer Ortschaft kurz nach Mittelbergheim fahren wir die maximal erlaubten fünfzig Kilometer pro Stunde[2], ein Auto klebt uns am Arsch. Der Fahrer setzt zum Überholen an, gerade als wir in einer Kurve nach rechts sind, und verfehlt nur ganz knapp ein Oldtimer-Cabrio, das gerade aus der Kreuzung nach der Kurve uns entgegen kommt. Trotzdem, der Ehemann fährt weiterhin gerne Auto.

Wir treffen mehrere Fahrradfahrer unterwegs, viele tragen dicke Nummer auf die Kleidung gepinnt, einige werden dicht von Autos mit Sponsoren gefolgt, es muss ein Rennen geben. Es wundert mich, dass die Strassen dafür nicht gesperrt sind.

Am Col du Bonhomme machen wir eine kleine Pause. Die Gegend sieht toll aus und ich würde gerne wandern gehen. Wir haben leider zu wenig Zeit dafür, wenn wir bei Tageslicht in Dijon ankommen wollen, es reicht gerade für ein paar Fotos.

Auf der Weiterfahrt kommen wir auf eine breitere, gerade Strasse, die durch eine Ortschaft[3] führt, und ich sehe groß auf einem Schild auf der linken Seite, dass in dem Laden, vor dem es steht, Munster fermier des Vosges verkauft wird. Das habe ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr gegessen. Ich schreie „Halt, Halt, Halt!“ und da zu dem Zeitpunkt niemand hinter uns fährt, niemand uns entgegen kommt und der Parkplatz links nur halb voll ist, hält der Ehemann an. Im Laden kann man auch Kaffee trinken, was nötig ist, und ich kaufe einen großen Munsterkäse. Wem jetzt denkt, na dann viel Spaß bei dem Geruch im warmen Auto bis zur Provence, sage ich, weit gefehlt. Diesen Käse habe ich während meiner Diplomzeit in der Gegend kennengelernt und er ist fantastisch, er hat gar nichts mit dem Munster zu tun, den man sonst aus dem Supermarkt in Frankreich oder aus gut sortierten Käseläden in Deutschland kennt. Er riecht ganz frisch und schmeckt herrlich, so richtig kann ich es nicht beschreiben, einfach mal dahin fahren und probieren. Jedenfalls, für die Fahrt haben wir den Käse in der Kühlbox gehalten, wir haben kaum etwas im Auto bemerkt, außer, wenn man die Kühlbox geöffnet hat.

Es ist kurz nach vier, als wir das Hotel in Dijon erreichen. Ich bin müde und habe Kopfschmerze. Als wir im Zimmer sind, mutieren die Kopfschmerze zur Migräne. Ich verdunkle das Zimmer und lege mich hin, während der Ehemann spazieren geht. Gegen sieben Uhr abends geht es mir geringfügig besser. Wir gehen essen. Der Ehemann hatte auf dem Handy nach Restaurants gesucht und nichts Besonderes gefunden. Auf der Webseite vom Guide Michelin gibt es einige interessante Restaurants, die hat er wohl nicht gesehen. Bei den Kopfschmerzen will ich sowieso nicht lange laufen, die Altstadt (Fußgängerzone) ist für meine Sommerschuhe zu glatt, und wir landen in einem Restaurant an der Markthalle. Die Eier meurette als Vorspeise kannte ich nicht und ich werde sie auf jeden Fall nachmachen. Das Hähnchen in Senfsauce „vom Chef“ war eine Enttäuschung, einfach ein Stück Hähnchen lieblos auf dem Teller mit einer Art Senf-Béchamel geklatscht, es sah nicht sehr appetitlich aus und hat nur so lala geschmeckt.

Am nächsten Morgen schlendern wir durch die Altstadt von Dijon. Die Markthalle hat geschlossen, es ist Montag. Ich mache erst jetzt Fotos. Am Sonntagabend waren mir viel zu viele Touristen unterwegs.

Bilder der Kirche Notre-Dame, die wir nicht besucht haben. Der Stuck oberhalb von der Tür wurde kurz nach der französischen Revolution zerstört. Die Fassade war zu groß um sie mit der Kamera zu fotografieren. Jedenfalls nicht von meinem Standpunkt aus. Sie ist voll von lustigen Wasserspeiern.

Dijon wirkt verspielt. Überall in der Stadt sieht man Käuzchen abgebildet. Stolpersteine auf dem Bürgersteig. Die Eule ist ein Symbol der Stadt. Sie ist in einer Kante der Kirche eingemeißelt und sieht gut poliert aus. Der Grund: Es soll Glück bringen, sie mit der linken Hand zu streicheln. Vor zwanzig Jahren wurde sie randaliert und dank einer früheren Abformung[4] wieder restauriert. Und sonst, Space Invaders[5] haben die Stadt erobert.

Unser Hauptziel an diesem Morgen ist die Boutique von Maille[5]. Wir kaufen einige Gläser Senf. Die Boutique bietet Sorten an, die man sonst in dem Handel nicht findet. Senf, lerne ich, wird traditionell mit Weißwein hergestellt, nicht mit Essig. Ich nehme auch den Senf mit Rosé mit. Beim Probieren stelle ich fest, der Rosé-Senf ist ganz mild und vielleicht ein bisschen zu salzig für mein Geschmack. Der Senf mit Weißwein steigt richtig in die Nase, wie Senf halt schmecken sollte.

Nach einem letzten Spaziergang setzen wir unsere Reise fort, jetzt nach Saint-Rémy-de-Provence.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus Dijon zurück datiert.

[2] Ich gebe zu, ich bin eine nervige Beifahrerin und habe immer einen Auge auf dem Tacho. Wenn wir zu schnell fahren, weiß der Ehemann Bescheid, solange bis wir wieder unter der Geschwindigkeitsgrenze liegen.

[3] Ich wusste schon nicht mehr wo, aber der Kartenzahlungsvorgang aus meinem Kontoauszug hat geholfen: La Bresse[5].

[4] Ich hätte „Moulage“ geschrieben, da es die französische Bezeichnung dafür ist und das Wort ins Deutsche (und ins Englische) übernehmen wurde. Leider ändern andere Sprachen häufig die Bedeutung von den Wörtern, die sie klauen. Gut, dass ich den Begriff zur Sicherheit geprüft habe. Eine Moulage ist auf Deutsch (und auf Englisch) eine Abformung, die nur dem Zweck der Wundedarstellung dient und in der Medizin Anwendung fand.

[5] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

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Harte Woche

Wir mussten diese Woche eine große Änderung in der Firmendatenbank[1] in Betrieb nehmen. Seit Monaten sitzen wir dran, wobei Arndt den größten Teil der konzeptuellen Arbeit gemacht hat, während Lukas und ich getestet und Bugs behoben haben – nebenbei, weil wir auch andere Pflichten als Programmierung haben. In jedem Team wurden Personen auserwählt, die eine Testversion der Datenbank bekommen haben und uns Rückmeldungen geben sollten, was nicht läuft und was anders gemacht werden sollte. Das war die Theorie. In der Praxis hat so gut wie niemand Zeit, neben der regulären Arbeit eine Software zu testen, wenn man ständig Ergebnisse an Kunden liefern muss.

Arndt wollte schon vor einem Monat zur neuen Datenbank wechseln. Es wäre eine Katastrophe geworden. Wenigstens hatte seine Ankündigung den Effekt, dass alle Teams Panik bekommen haben und doch angefangen haben, die Testversion zu prüfen. Da sowohl Arndt als auch Lukas kurz danach in den Urlaub wollten, hat die Chefin beschlossen, dass die Änderung erst nach ihrer Rückkehr gemacht werden soll. Ich habe weiterhin Bugs behoben, wenn sie mir gemeldet wurden, und bin meiner wissenschaftlichen Tätigkeit nachgegangen.

Letzte Woche waren wir an einem Punkt, an dem wir dachten, jetzt wäre es realistisch, zur neuen Datenbank zu wechseln. Die Chefin wollte, dass wir dies an einem Wochenende machen: Falls irgendwas schief gehen sollte, hätten wir genug Zeit, zurück zur alten Version zu wechseln. Arndt konnte die nächsten Wochenende nicht. Daher wurde beschlossen, die Änderung nachtsüber unter der Woche durchzuziehen. Ich war nicht begeistert aber im Home Office geht es noch.

Nach einem langen Tag Arbeit, den ich nicht frei nehmen konnte, weil ich virtuelle Terminen mit Kunden hatte, haben wir uns also zu dritt durch Videokonferenz getroffen. Und was Arndt wochenlang durchprobiert hatte, ist tatsächlich an dem Abend schief gelaufen. Vielleicht war es vorher schon schief gelaufen und er hatte es alleine nicht gemerkt. Andererseits hatte er sich genau an dem Tag mehr Änderungen ausgedacht, wie neue Fremdschlüsselbeziehungen zwischen Tabellen zu erzwingen, und das hat auch an dem Abend zu Fehlern geführt. Ich weiß nicht, wer kommt sonst auf die Idee, am Tag der Veröffentlichung einer Software neue Änderungen hinzuzufügen, nachdem man sie wochenlang getestet hat?

Der Abend hat bis vier Uhr morgens gedauert. Und am nächsten Tag mussten wir früh erreichbar sein, weil alle Kollegen mit der neuen Software arbeiten können mussten. Und nein, es lief nicht reibungsfrei. Module, die ich extra doppelt und dreimal geprüft hatte, gingen nicht mehr. Wegen der neuen Fremdschlüsselbeziehungen. Teilweise hatte Arndt sie falsch rum gebaut. Wir hatten schon vor einigen Wochen über Fremdschlüsselbeziehungen diskutiert und es wurde mir damals klar, es war ihm nicht klar, in welche Richtung man sie bauen muss. Scheinbar hat er es in der Zeit immer noch nicht verstanden. Dabei ist es keine Raketenwissenschaft, wenn TabelleA.Spalte1 einen Wert von TabelleB.Spalte2 referenziert, dann kann ich einen Eintrag aus TabelleA problemlos löschen, aber keinen Eintrag aus TabelleB, wenn es in TabelleA erwähnt wird. Daher macht es einen großen Unterschied, ob man TabelleA.Spalte1 → TabelleB.Spalte2 oder TabelleB.Spalte2 → TabelleA.Spalte1 schreibt. Am besten beide Richtungen, meint Arndt. So kann man aber gar nichts mehr löschen, wenn es sein muss.

Die lange Nacht hat mich erschöpft. Den Rest der Woche bin ich mit dumpfen Kopf aufgewacht, und ich konnte den Arbeitstag nur mit Ibuprofen[2] durchmachen – wie gut, dass ich das verschrieben bekommen habe, obwohl meine Schulter inzwischen wieder in Ordnung ist. Wir haben mit Hochdruck die meisten Probleme gelöst, jetzt können die Kollegen weiter arbeiten.

Heute ist der erste Tag, an dem ich nicht mit Kopfschmerzen aufgewacht bin.

[1] Das hat mich bis in den Traum verfolgt.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

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Migräne-Träume

Mich hat heute nachmittags eine üble Migräne erwischt. Ich habe alle Rolladen runter gebracht, mich nach einem frühen Feierabend auf die Couch hingelegt und geschlafen. Ich hatte heute Nacht zu lange an diesem Artikel gesessen. Diese Träume waren die Folge vom Nachmittagsschlaf.

Es fing mit meinem Vater an. Wir waren nachts in einer kleiner, ruhigen Straße in einer unbekannten Stadt unterwegs. Wir liefen die Straße hoch auf dem Bürgersteig. Er sagte mir, er wäre so froh, wieder in Kontakt mit mir zu sein. Er wollte mich umarmen, was mir sehr befremdlich vor kam. So hatte er sich nie mit mir verhalten. Ich sagte ihm, er sollte mich los lassen. Als er das nicht tat, versuchte ich zu schreien, aber kein Laut kam aus meiner Kehle. Ich konnte mich irgendwie befreien, ließ ihn enttäuscht stehen und ergriff die Flucht.

Mein Vater versucht tatsächlich, wieder mit mir in Kontakt zu treten, seitdem mein Bruder verstorben ist. Jahre lang war ihm das Geld zu schade, mich auf dem Handy anzurufen, was mir recht war. Als ich ihm als Doktorandin meine Festnetznummer gegeben hatte, weil ich damals kein Handy hatte, hatte er sogar Sonntags um halb sieben morgens angerufen. Ich hatte mir deswegen angewöhnt, nachtsüber den Stecker auszuziehen. Mein Bruder hatte geklagt, dass mein Vater ihn ständig angerufen hatte, jedes Mal, wenn er sich mit seiner Freundin gestritten hatte. Den Mist will ich jetzt nicht ausbaden. Zurück zum Traum. Ich war vor vielen Jahren mal mit ihm und seiner aktuellen Freundin an der Strandpromenade in Fréjus unterwegs, wo sie zusammen leben, als ich noch dachte, ich hätte eine morale Pflicht, ihn zu besuchen. Hah. Das war ihm sowas von egal. Der war schon ein paar mal mit ihr in den Urlaub verreist, obwohl ich angekündigt hatte, genau dann in die Gegend zu kommen. Jedenfalls. An dem Tag meinte seine Freundin, er sollte Arm in Arm mit mir laufen, das fände sie schön, wir hätten sicherlich viel zu diskutieren. Das fand ich eine bescheuerte Idee, aber weil seine neue Freundin es verlangte, wollte er das auch tun, um sich vor ihr gut darzustellen. Das war richtig befremdlich. Mit mir hat sich mein Vater nie lieb verhalten, ich hatte als Kind eher Ohrfeigen von ihm bekommen, wann immer er drauf war, und er war häufig drauf. Richtige Diskussionen gab es nie. Was ich tue hatte ihn nie interessiert, oder nur, wenn er sich vor seinen Kumpels wichtig tun wollte, weil ich studiert hatte.

Nächster Traum.

Ich war in meiner aktuellen Wohnung. Es war dunkel, alle Rolladen waren runter. Im kleinen Flurbereich zwischen Küche und Treppenhaus zur Etage hatte ich einen Korb mit Austern am Boden gelassen. Eine Auster sprang plötzlich aus dem Korb und lief herum, ohne ihre Schale. Um sie wieder zu fangen, habe ich den Spülbecken in der Küche verstopft und das Wasser laufen lassen. Das Wasser ist gut zwanzig Zentimeter in die Wohnung hoch gekommen. Ich habe die kleine Auster wieder gefunden, mitten in der Küche. Sie hatte auf dem Rücken eine Art Umhang, braun rötlich, womit sie super schnell im Wasser schwimmen konnte. Sie beschloss, mich anzugreifen.

Ich flüchtete ins Treppenhaus. Oben waren meine beiden Geschwister. Ich bat meinen Bruder um Hilfe. Als er zur Küche runter kam, war er entsetzt, dass alles unter Wasser stand. Er fing an, das ganze Wasser zu entfernen. In der Zeit blieb ich oben mit meiner Schwester. Sie war gekommen, weil ich an dem Tag viele Termine hatte, in der Mittagspause zum Arzt musste und um drei eine Telekonferenz mit einem Kunden hatte. Ich konnte unmöglich alles schaffen, und sie hatte sich angeboten, mich mit dem Auto zum Arzt zu bringen.

Als ich wieder in die Küche kam, war das Wasser weg. Mein Bruder wischte den Parkettboden vor dem Badezimmer. Ich habe gedacht, toll, jetzt werde ich die Auster nicht wieder finden. Ich habe überall auf dem Boden gesucht, aber es war zu dunkel. Ich habe die Rolladen hoch gezogen und bin zum Badezimmer gegangen, wo mein Bruder im Bad lag. Ich habe mich für das Bodenwischen bedankt und mich weiter auf die Suche nach der Auster gemacht.

Ich fand sie unter dem Herd. Die Auster war es nicht. Es war Chipie, und sie war richtig sauer. Sie stürzte sich mit ihren Krallen auf mich und wollte meine Beine durchbeißen. Ich versuchte sie zu beruhigen, und da fiel mir auf, dass sie einen riesigen Schnitt in der rechten Schulter hatte. Es war, als ob jemand sie mit einem Messer aufgeschnitten hätte. Es gab klein Blut auf dem Fell, aber die Wunde klaffte und man konnte drin Knochen und Fleisch sehen. Kein Wunder, dass sie sich so wütend verhielt. Meine Schwester kam die Treppe runter. Ich sagte ihr, wir hätten einen medizinischen Notfall, Chipie müsste sofort zum Tierarzt, und es wäre egal, wenn ich nicht zum Arzt gehen würde. Meine Schwester meinte, unsere Mutter müsste zuerst zurück nach Hause kommen, bevor wir weg fahren können. Wann würde sie zurück kommen, fragte ich. Um zwölf. Wir hätten gerade halb zwölf. Eine halbe Stunde erschien mir viel zu lang.

Ich bin aufgewacht, kurz bevor der Ehemann nach Hause gekommen ist. Zwanzig Uhr. Der zweite Traum hat mich richtig gestört, sind doch sowohl mein Bruder als auch meine Katze gestorben. Wenigstens ist die Migräne weg.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Pieks die Zweite

Wir haben gestern die zweite Impfung in unserer Arztpraxis bekommen.

Der Ehemann hatte dafür Home Office beantragt. Seitdem Arbeitgeber offiziell nicht mehr verpflichtet sind, Home Office zu ermöglichen[1,2], muss er wieder täglich ins Büro, obwohl seine Tätigkeit es nicht täglich erforderlich macht. In seinem Fall finde ich es trotzdem sinnvoll, wenn er nicht zu Hause arbeitet. Er wird schnell abgelenkt und leistet viel weniger Arbeitsstunden als ich – die acht Stunden am Tag sind meistens bei ihm nicht drin, zu Hause. Dabei kriegt er häufig Lob vom Chef zu hören und sein Gehalt hat sich erhöht. Ich fühle mich verarscht, wenn ich sehe, wie viel ich arbeite und wie wenig Anerkennung ankommt – mein Gehalt ist seit meiner Einstellung gleich geblieben. Das heißt, je mehr die Inflation steigt, desto weniger verdiene ich. Das war im öffentlichen Dienst nicht so, damals hatte ich regelmäßig Gehaltserhöhungen, jedes Jahr oder jedes zweite Jahr, ich weiß nicht mehr. Wenigstens darf ich erstmal im Home Office bleiben. Anders wäre es auch nicht möglich. Die Firma ist gewachsen, wir haben viele neue Mitarbeiter, und es war schon eng in den Büros, bevor die Pandemie angefangen hat. Wenn wir uns nicht gegenseitig auf dem Schoß sitzen wollen, müssen die Schreibtischkollegen weiterhin zu Hause arbeiten.

Diesmal mit Sonnenblumen.

Ich schweife vom ursprünglichen Thema ab. Gestern also die zweite Impfung, genau in der Mittagspause. Nachdem wir beim ersten Mal mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft wurden, haben wir den BioNTech-Impfstoff bekommen. Die sogenannte Kreuzimpfung[1], die sogar besser als eine doppelte Impfung mit BioNTech sein soll, laut noch nicht veröffentlichten und daher mit Pinzetten zu nehmen Daten, sagt der verlinkte Artikel. Ich hatte mir Sorgen wegen den Nebenwirkungen gemacht. Es hieß ja, die erste Impfung mit AstraZeneca hat die stärksten Nebenwirkungen, bei BioNTech ist es die zweite Impfung. Yeah, wir dürfen zweimal nach der Impfung flach liegen, habe ich gedacht. Dabei war ich gestern schon mit Kopfschmerzen und Müdigkeit aufgestanden, ich hatte gefürchtet, im Laufe des Tages richtig üble Migräne zu bekommen. Nein. Ich war erstaunt, dass meine Kopfschmerze sogar nach der Impfung schwächer wurden und ich mich geringfügig fitter gefühlt habe. Die Müdigkeit ist geblieben, aber die hatte ich schon vorhin und es war ein sehr warmer Tag, auch im Wartezimmer der Arztpraxis, wo ich fast eingeschlafen wäre.

Im Wartezimmer vor der Impfung saßen eine Frau und ein älterer Herr. Der Ehemann musste deswegen draußen im Treppenhaus warten. Die Frau meinte, mit uns über Impfung und wie schwer es für die Kinder ist diskutieren zu müssen. Dabei fiel mir schnell auf, diskutieren wollte sie nicht, ihr ging’s darum, uns ihre Meinung aufzuzwingend, ohne sich dafür zu interessieren, was wir dachten, und ich habe mich nach zwei Wörtern nicht mehr beteiligt. Ich war zu müde dafür. Der ältere Herr war beim Reden so laut dass ich es kaum ertragen konnte. Er meinte, er würde sich nur impfen lassen, damit er nicht jedes Mal einen negativen Test vorweisen muss. Ich denke, so einfach wird es nicht lange bleiben, nach der Impfung, da wir jetzt wissen, dass selbst Geimpfte sich mit der Delta-Variante infizieren[3] und so zur Verbreitung vom Virus beitragen können. Abgesehen davon weiß man, dass Genesene nach einer bestimmten Zeit nur noch wenig Immunität haben, der Schutz der Impfung ist vermutlich auch nicht für immer. Irgendwann werden sich Geimpfte wieder testen lassen müssen.

Mittagspause.

Nach der Impfung sind wir essen gegangen. Die Terrasse vom mexikanischen Restaurant hatte viele freie Tische im Schatten. Ich habe mir einen süßen alkoholfreien Cocktail bestellt – wie immer wenn ich Kopfschmerze habe, hatte ich Lust auf Zucker. Der Salat mit Tintenfischringen war genau richtig, vor allem, weil die Ringe nicht paniert und frittiert wurden, wie so häufig der Fall ist, sondern nur in der Pfanne angebraten waren. Wir waren noch auf dem Markt einkaufen, bevor wir zurück nach Hause gelaufen sind, und ich konnte zwei Stunden gut arbeiten, während der Ehemann Feierabend erklärt hatte.

Heute geht’s mir blendend. Der Ehemann ist mit Kopfschmerzen und Gliederschmerzen aufgewacht, er hat sich krank gemeldet und bleibt erstmal im Bett.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

[2] Ein weiterer Grund, warum mir ein Regierungswechsel ohne CDU (und bitte auch ohne AFD) wünschenswert erscheint.

[3] Ein Überblick über den Schutz der verschiedenen Impfstoffen gegen die Delta-Variante[1].

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.