Jahresrückblick 2018

Stöckchen gefangen! Ich dachte, auf dem Weg zurück nach München hätte ich ganz viel Zeit, um zum schreiben. Das WLAN im Zug hat beim Start in Frankfurt funktioniert, fünf Minuten später war es aus. Das Netzwerk war nicht mal sichtbar. Dass alles reibungslos wie am letzten Samstag klappt, ist bei der Deutschen Bahn wohl eher die Ausnahme. Wobei es auch an der Deutschen Telekom liegen könnte.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war 2018?
7. Der neue Job ist spannend, die Mietwohnung wunderschön und ein Schnäppchen, für die Gegend, und wir haben tolle Ausflüge gemacht. Punktabzüge gibt es für das Pendeln zwischen Berlin und München im ersten halben Jahr, die quasi leere und somit ungemütliche Wohnung in diesem Zeitraum, den miserablen ÖPNV-Zustand bei der MVG und die grundlose Entlassung vom Ehemann in der Probezeit.

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Ich habe mich lange nicht mehr gewogen, aber ich fühle mich wieder um die 70 Kilogramme. Dabei war ich Ende Juni super schlank geworden. Ich hatte dreimal die Woche das Fitnessstudio besucht, war mit einer Kollegin regelmäßig in der Mittagspause joggen gegangen… Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir gezogen ist, nehme ich wieder zu. Das Fitnessstudio in Laim ist mir zu weit weg, ich verbringe lieber die Zeit mit dem Ehemann.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Ich war letzte Woche beim Friseur.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Das hat sich nicht geändert.

Mehr Geld oder weniger?
Weniger. Das Pendeln mit der Deutschen Bahn war nicht billig, vor allem, wenn man lieber erste Klasse fährt. Die Mieten bei München sind viel teurer. Ich habe im ersten halben Jahr zusätzlich zu meinem Anteil für die Wohnung in Berlin die neue Miete selber vollständig bezahlt, sowie die Kaution. Der Umzug von Berlin nach München war schmerzhaft, und die Firma hat mir keinen Cent für die Umzugskosten bezahlt. Nicht mal einen freien Tag habe ich dafür bekommen. Von meinen Ersparnissen war im Sommer fast nichts mehr übrig. Dank des üppigeren Gehalts als in Berlin erholt sich mein Konto zum Glück schnell, und ich habe jetzt schon genug gesammelt, um bei Bedarf die Hälfte eines neuen Autos sofort zur Verfügung stellen zu können. Das haben wir noch vor. Ein Trost ist, dass wir bei der nächsten Steuererklärung einiges an Geld zurück bekommen werden.

Besseren Job oder schlechteren?
Definitiv besser. Nicht nur des Gehalts wegen. Ich bin endlich unbefristet eingestellt. Die Kollegen sind lieb. Der neue Job ist abwechslungsreich, interessant, und vor allem: Ich habe keine Rufbereitschaft mehr! Was für ein herrliches Gefühl! Und endlich bin ich raus aus der akademischen Welt.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Da fällt mir nichts ein. Glücksspiele spiele ich nicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Im ersten halben Jahr mehr. Im zweiten weniger.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Ich war kein einziges Mal krank geschrieben. Einmal habe ich die Arbeit wegen Migräne früher verlassen müssen. Das war’s. Das eine oder andere Problemchen gab’s meistens am Wochenende.

Der hirnrissigste Plan?
Jahresplaner für die Nichten vom Ehemann für Weihnachten selber basteln zu wollen. Ich habe seit November kaum etwas anderes machen können. Ein bisschen wie damals, als ich mein Hochzeitskleid selber genäht hatte.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wohl diese eine Rückfahrt nach Hause.

Die teuerste Anschaffung?
Eine Mandoline von De Buyer, zum Geburtstag. Ziemlich die teuerste, die es zur Auswahl gab. Ich habe sie bei Gourmenage bestellt, einem Kochustensilienladen in München. Weil ich seit Jahren kein Amazon-Konto mehr habe. Es hat doch was, sich auf den Anruf vom Verkäufer zu freuen, der endlich ankündigt, dass die bestellte Ware abholbar ist. Notiz zu selbst: Ich brauche jetzt Sicherheitshandschuhe, um das Ding zu benutzen. Die Klinge klemmt gerne beim Rausziehen, und die tiefe Schnittwunde am rechten Ringfinger brauchte über zehn Tage lang ein Pflaster. Der selbst komponierte Feldsalat mit hauchdünnem schwarzen Rettich und Walnüssen war es aber wert.

Das leckerste Essen?
Bei Bamyan Narges, ein afghanisches Restaurant im Glockenbachviertel. Aus der Pendelzeit, als wir noch keine Küche hatten.

Das beste Buch?
The Buried Giant, von Kazuo Ishiguro.

Der beste Film?
Im Kino war ich dieses Jahr sehr wenig. Der letzte Film, den ich mit dem Ehemann im hiesigen Kino gesehen habe, war Aufbruch zum Mond, gleich am ersten Tag, als er gezeigt wurde. Der Saal war fast leer. Loving Vincent hat mir dieses Jahr am besten gefallen.

Die beste CD?
Ich habe schon lange keine neue CD mehr gekauft. Ace of Spades von Motörhead habe ich u. a. immer wieder gerne im Büro gehört, um den Lärm von Ute zu übertönen und „in Ruhe“ programmieren zu können.

Das schönste Konzert?
Wir haben nicht so viele Konzerte besucht. Nightwish war ok. Nicht wirklich meine Lieblingsband. Also, wenn ich ehrlich bin, gehen sie mir eher auf den Kecks. Ich habe den Ehemann begleitet. Das schlechteste Konzert habe ich aber sehr wohl in Erinnerung, und zwar, als wir La Traviata in der Bayerischen Staatsoper gesehen haben. Ich war bis dahin noch nie sauer aus einem Konzert raus gekommen. Wir hatten nicht mal die billigsten Karten gekauft, saßen aber links, und scheinbar hatte der Regisseur einen Groll gegen Leute die links sitzen. Anders kann ich nicht erklären, warum deutlich über die Hälfte der Szenen unten auf der Bühne ganz ganz links statt gefunden hat und wir gar nichts sehen konnten. Die Krönung war während der Sterbeszene von Violetta, als plötzlich ein starker Lichtprojektor direkt in unsere Richtung gestrahlt hat, uns die Stimmung völlig verdorben hat und wir nur noch die Wahl zwischen verblendet mit gekneiften Augen den Rest zu gucken oder den Kopf zum Rest des Publikums nach rechts zu drehen hatten — über zehn Minuten lang. Unsere ganze Reihe hat zum Schluss kaum Applaus gegeben und den Saal verlassen, während die Darsteller noch auf der Bühne standen. Ich war wohl nicht die Einzige, die stinksauer war.

Das beste Theaterstück?
Trifft nicht zu.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann. Ich meine, außerhalb der Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann.

2018 zum ersten Mal getan?
Eine mehrtägige Wanderung mit Rucksack.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Auf dem Wacom-Tablett gemalt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Scheinbar, die selbst gemachten Jahresplaner!

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Wochenende in Lindau.

Dein Wort des Jahres?
Teuer! Das kommt davon, wenn man von Berlin nach München umzieht.

Dein Unwort des Jahres?
Darüber habe ich nicht nachgedacht.

Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Es gab keins.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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