Freitag

Besonders einfallsreich bin ich heute nicht, mit dem Titel. Und ich weiß auch nicht so recht, wie ich die Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, los werden kann.

Bearbeitetes Plakat. Nach zwei Wochen kommt mir jetzt die Botschaft unpassend / nicht mehr zeitgemäß vor.

Morgen ist wieder Demo in München angekündigt. Ich habe es erst heute erfahren. Gestern hieß es im Radio, Selenskyj hätte zu Demos für den Frieden aufgerufen. Ich hatte nach Ankündigungen auf Internet gesucht und nichts gefunden. Ich finde es allgemein extrem schwierig, mich über Demos zu informieren. Meistens erfahre ich zu spät im Fernseher, dass es eine Demo gab, zu der ich gerne gegangen wäre, hätte ich davon gewusst. Schon damals in Berlin. Als ich in Frankreich lebte, wusste ich Bescheid, weil engagierte Leute Flyer verteilt hatten, vor dem Arbeitsort oder in der Stadt, in Mensen hingen Aufdrücke, irgendwie wurde man immer informiert. Das ist im Home Office natürlich anders. Vermutlich stehen die Aufrufe zu Demos heutzutage in sozialen Medien, von denen ich mich fern halte. Aber dann wären sie doch durch eine gezielte Suche zu finden, oder nicht?

Heute gibt es doch neue Ankündigungen[1]. Auf die veröffentlichten Infos kann man sich leider nicht immer verlassen. Beim letzten Mal waren wir zum angekündigten[1,2] Ort gegangen, am Odeonsplatz, und dort hieß es, es wäre doch ganz woanders, am Königsplatz[1], wo wir vor drei Wochen waren. Es ist für mich auch unheimlich schwer, herauszufinden, von wem die Demos organisiert sind. Ich will nicht mit Rechtsextremisten mitlaufen. So weit ich mitgekriegt habe, besteht noch keine Gefahr. Aber die Töne, die ich bei den zwei letzten Demos gehört habe, fand ich grenzwertig. Wie von der Ukrainerin, die beide letzten Male bei den Zuhören versucht hat, Hass gegen alle Russen zu säen, indem sie sagte, die Russen hätten Putin zur Macht gebracht, sie wären jetzt alle Schuld an den Krieg. Solche Rhetorik kommt bei mir nicht gut an und ich bin seitdem nicht mehr auf die Straße gegangen. Wie schuldig können Leute sein, wenn sie nur Staatspropaganda durch die Medien zu hören bekommen? Wie kann man Leute vorwerfen, nicht auf die Straße zu gehen, wenn ihnen dadurch zwanzig Jahre Knast drohen, und vermutlich Rache an ihren Familien ausgeübt wird, wenn sie entkommen? Was die wenigen Demonstrierenden in Russland machen ist sehr mutig. Nicht jeder kann es sich leisten und wir sollten es wirklich schätzen, hier auf Demos gehen zu können, ohne gleich inhaftiert zu werden.

Von wegen Maulkorb.

Ob wir also morgen mitmachen? Manchmal frage ich mich, was für einen Sinn es hat. Macht es einen Unterschied, ob man zu einer Demo geht oder nicht? Putin ist es egal, den erreicht sowieso nichts, im Gegenteil, er steigert sich nur in seiner Grausamkeit. Der hatte schon keine Scheue, Gegner im Ausland zu beseitigen, oder zumindest es zu versuchen, jetzt geht er sogar soweit, dass bei ehrenamtlichen Helfern für Flüchtlinge eingebrochen wird, um sie einzuschüchtern, wie gestern im Tagesspiegel[1] auf der ersten Seite zu lesen war. Ob ich zu einer Demo gehe oder nicht, wird ihn nicht jucken. Darum geht es auch nicht, sondern um zu zeigen, dass man gegen das Geschehen ist und konkrete Handlungen von der Politik erwartet. Und meine Motivation steigt, wenn Putin glaubt, Leute hierzulande einschüchtern zu können. Dann will ich umso mehr an Demos teilnehmen. Genau wie ich am letzten Samstag meine Demo-Maske aus der Handtasche geholt und getragen habe, als wir vom Brandenburger Tor aus auf dem Weg zu den Galeries Lafayette[1,3] an die russische Botschaft vorbei gelaufen sind. Und mir die Nägel blau und gelb lackiere, wo ich vor einem Monat doch nicht mal wusste, wie die ukrainische Flagge aussieht.

Vor zwei Wochen habe ich mich mit Kolleginnen getroffen. Im echt. Wir sind zu einem Restaurant an der Isar gegangen. Ich habe gedacht, dreifach geimpft, von Omikron genesen, ich wage es. Das letzte Mal, dass ich mich einfach so mit Kollegen getroffen habe… Das war vor der Pandemie. Nein. Einmal haben wir uns im Team für einen Betriebsausflug im Freien getroffen, das liegt anderthalb Jahren her. Wir waren zum Englischen Garten gegangen. Ich vermisse schon die Mittagspausen mit den Kollegen. Selbst Tim, meinen Gruppenleiter, habe ich seit dem Betriebsausflug nicht mehr gesehen, außer in Telekonferenzen, obwohl er jetzt keine acht Kilometer entfernt wohnt. Nicht mal eine kurze gemeinsame Mittagspause haben wir geschafft. Wenn wir uns das nächste Mal in Person treffen, werden meine Haare so weiß geworden sein, dass er mich nicht mehr erkennen wird. Weil die jetzt wirklich anfangen, sichtbar weiß zu werden. Es wurde Zeit, mit fünfundvierzig.

Aber ich schweife ab. Eine junge Kollegin meinte bei dem Abendessen spöttisch, sie würde nicht verstehen, warum die Ukrainer sich über den Angriff aus Russland so aufregen würden, es wäre so blöd. Sie selber hätte kein Problem damit zu sagen, ok, ab jetzt spreche ich Französisch, wenn Frankreich morgen Deutschland überfallen würde, es wäre ihr egal. Abgesehen davon, dass das Szenario extrem unwahrscheinlich ist, zeugt ihre Aussage von unglaublicher Ignoranz. Sie hatte schon sehr gefühllos gewirkt, als sie vor drei Jahren angekündigt hatte, dass sie schwanger war, die hatte ich damals als suspekt empfunden. Wissenschaftlich mag sie vielleicht etwas taugen, aber menschlich ist sie für mich jetzt komplett durchgefallen. Kommt ihre Empathielosigkeit davon, dass sie in ihrem Leben noch nie etwas wie Gewalt und Unterdrückung erlebt hat und einfach nicht weiß, wovon sie redet? Das Gefühl habe ich bei Frauen, die sich gegen Feminismus bekennen, auch häufig. Zwei anderen Kolleginnen, auch jünger, haben sich das Echo von Fake News gegen die Ukraine gemacht. Das haben sie sich bestimmt auf sozialen Medien geschnappt, und ich hätte gedacht, spätestens seit Trump hätte man gelernt, dass soziale Medien keine seriöse Informationsquellen sind. Tja. Irgendwie ist diese Art, Opfer als Täter darzustellen, typisch narzisstisch. Aber bei Putin sehe ich keinen Narzissmus. Das ist alles bewusst entschieden aus kalter Arschlochigkeit.

Oh und ja, ich bin genauso genervt, dass überall so viele Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge aus der Ukraine gezeigt wird, auf einmal, wo nur wenige Monate zuvor in den Nachrichten gezeigt wurde, wie Flüchtlinge zwischen Belarus und Polen geprügelt wurden. Ich wünsche, diese Hilfsbereitschaft gäbe es unabhängig davon, wer gerade in Not ist. Ich wünsche, nicht nur die Ukrainer dürften sofort arbeiten, sondern alle, die hier Asyl gefunden haben. Meine Vermutung für den Sinneswandel in Polen ist, dass die Regierung dort Angst hat, selber angegriffen zu werden, so nah am Krieg. Deswegen die Geschichte mit den Kampfjets[1]. Aber klar, Rassismus dürfte auch eine Rolle spielen.

Tatenlos bleiben finde ich doof und Hilfe ist bitter nötig, unabhängig davon, wie unterschiedlich Flüchtlinge behandelt werden. Ich spende Geld. Jetzt gezielt für Geflüchtete aus der Ukraine, damit neue Unterkünfte geöffnet werden und die schon untergebrachten Menschen nicht zwangsumgesiedelt werden, wie ich in Nachrichten glaube gelesen zu haben. Wir spenden sonst länger regelmäßig für allgemeine Zwecke bei verschiedenen Organisationen, das kommt jetzt einfach dazu. Und ich rege mich auf, wenn ich nicht gerade wenig gespendet habe und kurze Zeit später einen Brief von der Dachorganisation bekomme um zu spenden, als ob ich nichts gegeben hätte. Das hatte mich schon nach der Hochwasser-Katastrophe vom Sommer sauer gemacht. Nichtsdestotrotz, spenden finde ich grundsätzlich wichtig. Ich zahle Steuer und ein Teil vom dem, was gespendet wird, wird aus den Steuern abgezogen – also je mehr ich für gute Zwecke spende, desto weniger Geld kommt zum Schluß an die AFD. Denkt mal dran.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Wenigstens bis heute, 17:00 standen auf der verlinkten Webseite nur Demos, die vor zwei Wochen statt gefunden haben. Ich fand die Webseite am Anfang hilfreich, jetzt wird sie scheinbar nicht mehr gepflegt.

[3] Caramel au beurre salé war alle. Eigentlich könnte ich es selber machen…

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Harte Woche

Wir mussten diese Woche eine große Änderung in der Firmendatenbank[1] in Betrieb nehmen. Seit Monaten sitzen wir dran, wobei Arndt den größten Teil der konzeptuellen Arbeit gemacht hat, während Lukas und ich getestet und Bugs behoben haben – nebenbei, weil wir auch andere Pflichten als Programmierung haben. In jedem Team wurden Personen auserwählt, die eine Testversion der Datenbank bekommen haben und uns Rückmeldungen geben sollten, was nicht läuft und was anders gemacht werden sollte. Das war die Theorie. In der Praxis hat so gut wie niemand Zeit, neben der regulären Arbeit eine Software zu testen, wenn man ständig Ergebnisse an Kunden liefern muss.

Arndt wollte schon vor einem Monat zur neuen Datenbank wechseln. Es wäre eine Katastrophe geworden. Wenigstens hatte seine Ankündigung den Effekt, dass alle Teams Panik bekommen haben und doch angefangen haben, die Testversion zu prüfen. Da sowohl Arndt als auch Lukas kurz danach in den Urlaub wollten, hat die Chefin beschlossen, dass die Änderung erst nach ihrer Rückkehr gemacht werden soll. Ich habe weiterhin Bugs behoben, wenn sie mir gemeldet wurden, und bin meiner wissenschaftlichen Tätigkeit nachgegangen.

Letzte Woche waren wir an einem Punkt, an dem wir dachten, jetzt wäre es realistisch, zur neuen Datenbank zu wechseln. Die Chefin wollte, dass wir dies an einem Wochenende machen: Falls irgendwas schief gehen sollte, hätten wir genug Zeit, zurück zur alten Version zu wechseln. Arndt konnte die nächsten Wochenende nicht. Daher wurde beschlossen, die Änderung nachtsüber unter der Woche durchzuziehen. Ich war nicht begeistert aber im Home Office geht es noch.

Nach einem langen Tag Arbeit, den ich nicht frei nehmen konnte, weil ich virtuelle Terminen mit Kunden hatte, haben wir uns also zu dritt durch Videokonferenz getroffen. Und was Arndt wochenlang durchprobiert hatte, ist tatsächlich an dem Abend schief gelaufen. Vielleicht war es vorher schon schief gelaufen und er hatte es alleine nicht gemerkt. Andererseits hatte er sich genau an dem Tag mehr Änderungen ausgedacht, wie neue Fremdschlüsselbeziehungen zwischen Tabellen zu erzwingen, und das hat auch an dem Abend zu Fehlern geführt. Ich weiß nicht, wer kommt sonst auf die Idee, am Tag der Veröffentlichung einer Software neue Änderungen hinzuzufügen, nachdem man sie wochenlang getestet hat?

Der Abend hat bis vier Uhr morgens gedauert. Und am nächsten Tag mussten wir früh erreichbar sein, weil alle Kollegen mit der neuen Software arbeiten können mussten. Und nein, es lief nicht reibungsfrei. Module, die ich extra doppelt und dreimal geprüft hatte, gingen nicht mehr. Wegen der neuen Fremdschlüsselbeziehungen. Teilweise hatte Arndt sie falsch rum gebaut. Wir hatten schon vor einigen Wochen über Fremdschlüsselbeziehungen diskutiert und es wurde mir damals klar, es war ihm nicht klar, in welche Richtung man sie bauen muss. Scheinbar hat er es in der Zeit immer noch nicht verstanden. Dabei ist es keine Raketenwissenschaft, wenn TabelleA.Spalte1 einen Wert von TabelleB.Spalte2 referenziert, dann kann ich einen Eintrag aus TabelleA problemlos löschen, aber keinen Eintrag aus TabelleB, wenn es in TabelleA erwähnt wird. Daher macht es einen großen Unterschied, ob man TabelleA.Spalte1 → TabelleB.Spalte2 oder TabelleB.Spalte2 → TabelleA.Spalte1 schreibt. Am besten beide Richtungen, meint Arndt. So kann man aber gar nichts mehr löschen, wenn es sein muss.

Die lange Nacht hat mich erschöpft. Den Rest der Woche bin ich mit dumpfen Kopf aufgewacht, und ich konnte den Arbeitstag nur mit Ibuprofen[2] durchmachen – wie gut, dass ich das verschrieben bekommen habe, obwohl meine Schulter inzwischen wieder in Ordnung ist. Wir haben mit Hochdruck die meisten Probleme gelöst, jetzt können die Kollegen weiter arbeiten.

Heute ist der erste Tag, an dem ich nicht mit Kopfschmerzen aufgewacht bin.

[1] Das hat mich bis in den Traum verfolgt.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mobile Office

Seit nun quasi vier Monaten arbeite ich von zu Hause aus. Ich liebe es. Von mir aus könnte es so bleiben.

Dadurch spare ich mir täglich zwei Stunden ÖPNV. Ich schlafe morgens länger. Ich dachte immer, ich wäre eine Frühaufsteherin, aber wenn der Stress vom ÖPNV fahren müssen weg fällt, mit Umsteigen und bloss nicht zu spät auf Arbeit ankommen, kann ich doch bis fast acht Uhr morgens schlafen.

Ich bewege mich dadurch auch weniger, und die Pfunde haben nicht gewartet, um meine Hüften wieder zu beschmücken[1]. Denen habe ich den Kampf angesagt. Ins Wohnzimmer ist im Mai ein Ergometer eingezogen, mit einer Sportmatte und kleinen Hanteln. Radeln vor dem Best Of von Tour de France, Giro d’Italia usw. im Fernseher nach der Arbeit macht Spaß. Ich muss nicht mehr vierzig Minuten zum Fitnessstudio, vierzig Minuten nach Hause zusätzlich mit ÖPNV fahren. Sowieso habe ich schon länger keine Lust mehr, zum Fitnessstudio zu gehen. Fitness First[2] fand ich in Zehlendorf Spitze. Hier in Laim wirkt es so heruntergekommen. Geräte bleiben Monate lang außer Betrieb, bevor sie repariert werden, sie stehen ungemütlich zu nah zu einander, die viel zu laute Musik schallt durch die geschlossenen Türe der Kursräume und bringt mein Oberkörper auf den nahestehenden Geräten zu vibrieren, was sich sehr unangenehm anfühlt, aus den Duschen kommt häufig nur eisiges Wasser raus… Ich kündige. Schade. Wäre ich in Berlin geblieben, wäre ich bestimmt immer noch begeisterte Mitgliederin.

Das Beste ist, ich kann endlich in Ruhe arbeiten. Keine Ute, die uns die Ohren mit ihren blöden Bemerkungen und Verschwörungstheorien voll labbert, kein Fergus, der ins Büro platzt und super laut redet… Nur Ruhe und Vogelgezwitscher aus dem Garten unten. Wobei, vor dem Urlaub hat mich eine Elster richtig erschreckt, als sie mit ihrem Schnabel gegen mein Fenster geklopft hat. So ein Geräusch erwartet man aus einem Dachgeschosszimmer nicht.

Was mich super nervt, ist unsere Internetverbindung. Es passiert ziemlich häufig, dass sie einfach so versagt. Manchmal zwei, dreimal am Tag. Da die Foren von Vodafone[2] voll von Beiträgen von geärgerten Kunden mit ähnlichen Problemen sind, die Techniker geschickt bekommen haben, die sie teilweise nicht mal zu Gesicht bekommen haben, aber dafür satte 90 Euros zahlen mussten, ohne dass eine Verbesserung eingetreten ist, habe ich es mit Beschwerden sein lassen. Mitten in einer Telekonferenz ist es mir schon dreimal passiert, dass die Verbindung weg bricht, und es war bis jetzt nur „Glück“, dass ich jedes Mal nur als Zuhörerin unter Kollegen anwesend war und keiner es gemerkt haben dürfte. Mit einem Kunden wäre es super doof. Woran es liegt ist nicht mir klar. Meistens reicht es, den Router im Wohnzimmer unten neu zu starten, und nach fünf Minuten kann man weiter arbeiten. Heute nicht. Ich habe den Router zweimal neu gestartet, vergeblich. Die Störungsseite von Vodafone hat mir erzählt, es gäbe einen Totalausfall in meinem Anschlussgebiet. Das Handy konnte ich als Hotspot benutzen, es hat mir trotzdem eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit gekostet. Die ich also nachholen muss, weil ich echt was anderes zu tun habe, als mit der Internetverbindung zu kämpfen. Anderthalb Stunden später war dann Internet wieder da.

[1] Das liegt auch daran, dass wir uns vorgenommen haben, bei den Restaurants in der Umgebung essen zu bestellen, da sie wegen der Ausgangssperre sonst geschlossen waren. So als Unterstützung der lokalen Betrieben. Wir haben häufiger bestellt, als wir sonst ohne Pandemie ins Restaurant gegangen wären.

[2] Normalerweise würde ich hier schreiben, „Unbezahlte Werbung, da Namensnennung“. Das hier kann man aber kaum als Werbung ansehen.


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Der verpasste Betriebsausflug

Ich war mit meinen Kollegen für einen Betriebsausflug verabredet. Wir sollten uns um viertel vor zehn an einem Badestrand am See treffen, um von dort aus eine Wanderung auf dem Berg zu machen.

Der Badestrand lag dreiviertel Stunde Fußmarsch von meiner aktuellen Position entfernt. Ich stand an einer belebten Kreuzung mitten in der Stadt. Neben mir mein Fahrrad und mein dunkelblauer Samsonite Koffer[1]. Ich wollte zu unserem Treffpunkt weiter fahren, konnte es aber unmöglich schaffen, da der Koffer in dem Korb hinter dem Sattel nicht passte. Ich probierte es sogar verzweifelt, und nein, ich bekam den Koffer nicht in den Korb rein.

Mir fiel ein, dass meine Freundin Sabrina direkt an der Kreuzung wohnte, auf der anderen Straßenseite. Ich ging zu ihr mit dem Koffer, der Flasche Wasser und einer Banane, die im Korb waren, und erklärte ihr mein Problem. Ob ich vielleicht den Koffer bei ihr lassen könnte, um ihn am Abend wieder abzuholen? Sie wäre am Abend nicht da, sagte sie, aber ich könnte den Koffer bei ihrem Mitbewohner Michael lassen, er wäre heute Abend wieder da. Jetzt aber nicht, und ich konnte ihn nicht fragen, ob es ihm passte. Michael war ein gemeinsamer Bekannte von uns[2], der gerade in einem großen Forschungsinstitut seine Doktorarbeit zum Thema Batterien schrieb. Sabrina meinte, es wäre faszinierend, ihn darüber reden zu hören. Ich dachte in mir, er wäre schon so lange dran, dass er nie seine Arbeit zu Ende bringen würde, und dachte eher, er sei nur so ein Schwindler.

Ich wollte mich für die Weiterfahrt umziehen und holte zwei Hosen aus meinem Koffer. Die erste, eine blaue Jeans von Levis[3], hielt ich vor meiner Hüfte, um festzustellen, dass ich niemals rein passen würde. Sie war viel zu eng, oder, wie ich Sabrina erklärte, ich hatte zu viel zugenommen. Ich entschied mich für die zweite Hose, die ich häufiger trage.

Danach gingen wir raus, weil ich noch was zum Essen für die Wanderung einkaufen musste. Dafür stiegen wir in eine Straßenbahn ein. Ich kannte die Gegend nicht und wir fuhren eine Haltestelle zu weit. Es war doof, wir mussten dann in die andere Richtung eine Station zurück fahren, die nächste Straßenbahn käme in zwanzig Minuten und ich würde jetzt verspätet ankommen.

Wir gingen in ein Supermarkt und ich suchte nach etwas Geeignetes zum Mitnehmen für die Wanderung. Ein Sandwich oder so. Das gab es nicht. „Du hast doch die Banane und die Flasche Wasser“, sagte Sabrina. Es würde aber nicht reichen. Mir fiel ein, ich bräuchte sonst noch was vom Supermarkt. Als wir an der Kasse standen und ich am Zahlen mit der EC-Karte war, fragte Sabrina die Kassiererin, ob sie auf dem Zettel schreiben könnte, dass sie auch anwesend war. Warum auch immer.

Ich guckte auf meine Armbanduhr. 09:55. Mit der dreiviertel Stunde Fußmarsch würde ich jetzt so spät ankommen, dass die Kollegen bestimmt nicht mehr auf mich warten würden. Ich könnte mit dem Fahrrad versuchen, sie auf dem Berg einzuholen, aber bergauf radeln, das ist nichts für mich. Ob ich einfach den Betriebsausflug aufgeben sollte? Wir gingen vom Supermarkt raus. Es gab kleine Holzhütten, wo ich vielleicht was zum Essen finden könnte. Sabrina kaufte sich eine Packung Zigaretten.

Zurück in Sabrinas Wohnung. Michael war immer noch nicht da. Ich guckte aus dem Fenster herunter zur inzwischen menschenleeren Kreuzung. Mein Fahrrad und der blaue Koffer standen immer noch brav auf dem Bürgersteig. Niemand hatte sie geklaut, obwohl sie nicht angeschlossen waren.

[1] Den Koffer habe ich vor zwanzig Jahren in Aachen gekauft, und er begleitet mich immer noch auf Reisen.

[2] Keine reale Person.

[3] Blaue Jeans trage ich seit Jahren nicht mehr, schon bevor ich nach Berlin umgezogen bin.

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Unerwartet

Ich bin im Urlaub bei meiner Mama. Ohne den Ehemann, der im neuen Job in der Probephase steckt und noch keinen Urlaub machen darf. Er kommt am Wochenende zum Geburtstag vom Neffen.

Mein letzter Urlaub war verdammt lange her. Um die Weihnachten-Neujahr-Zeit.

Die Woche in Februar, die ich mir frei genommen hatte, zählt nicht, da ich mich trotz Impfung mit der auf Arbeit kursierenden Grippe infizieren lassen hatte, und wir unsere Reise stornieren mussten.

Gut, es gab die eine Woche Ende Juni, als ich meine Mama zu uns eingeladen hatte. Sie war noch nie in München gewesen. Es war genau diese eine Woche, als es richtig heiß wurde. Selbst für uns aus der Provence, wo man vermeintlich an die Hitze gewöhnt sein müsste, wurde es unerträglich, und wir waren nur vormittags unterwegs.

Jetzt also Urlaub. Es ist zwei Uhr morgens und ich kann nicht schlafen. Dabei hatte ich gestern richtig entspannen können. Viel geschlafen. Vielleicht zu viel. Oder es liegt an der Mücke im Schlafzimmer. Ich höre sie, kann sie aber nicht entdecken. Ab und zu fliegt sie mir um die Ohren. Ich habe schon sieben Stiche, seit meiner Ankunft am Sonntag. Oder meine Gedanken kreisen zu sehr. Außerdem nervt ein Großhund in der Nachbarschaft, der draußen die ganze Zeit nur am Heulen ist. Jetzt um halb vier immer noch. Das ist ätzend.

Lac de Sainte-Croix.

Heute sind wir zum Lac de Sainte-Croix gefahren. Wir haben’s nicht weit. Seit meiner frühesten Kindheit verbringen wir dort Zeit im Sommer. Ich bin geschwommen. Das Wasser war fantastisch. Dabei meinte meine Friseurin vorhin, es wäre deutlich abgekühlt und man könne nicht mehr drin gehen… Ich habe mich wohl abgehärtet. Ich war am letzten Samstag früh morgens mit dem Ehemann mal wieder nach Starnberg gefahren. Lecker in der französischen Bäckerei gefrühstückt, auf dem Markt eingekauft, und in dem See geschwommen. Boah war das kalt drin. Mir hatte das Steißbein geschmerzt und ich musste erstmal wieder raus, bevor ich los schwimmen konnte. Hier war das Wasser heute richtig gut. Und das tolle ist, die meisten Touristen sind weg, es waren nur sehr wenige Leute am Strand.

Als wir zu Hause waren, habe ich eine Nachricht von Arndt, mein Teamleiter, auf WhatsApp[1] entdeckt. Ich sollte ihn anrufen. Er hatte mir noch nie Nachrichten aufs Handy geschickt, außer als ich mich beworben hatte, und ich habe Böses geahnt.

Am Freitag ist etwas auf Arbeit passiert. Unser Chef, der Gründer der Firma, ist bei einem Telefongespräch mit einem Kunden an seinem Schreibtisch kollabiert. Keiner hat es mitbekommen, da seine Tür geschlossen war, außer der Kunde, der daraufhin unser Sekretariat angerufen hat. Ein Notarzt wurde angerufen, und kurz danach sind Sanitäter an unsere offene Bürotür zum Aufzug vorbei gelaufen, mit ihm vollständig unter einer Decke versteckt auf einer Trage. Bei dem Anblick lief mir ein Schauer über den Rücken.

Kurz danach wurden wir von der Chefin, die die Stelle von Markus übernommen hatte, zu einer Versammlung gerufen. Die Reaktion von Ute auf ihrer Email: „Weißt du, was das für uns bedeutet? Wir dürfen nicht mehr alleine im Büro sein, das ist, was jetzt kommt. Das ist blöd, da ich immer so spät abends im Büro bin…“ Die Frau ist unglaublich. Selbst an solchen Momenten kann sie nur an sich selbst denken. Darum ging’s in der Versammlung natürlich nicht, sondern darum, uns alle zu informieren, dass der Chef ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie die Chefin über den Vorfall berichtete, klang es aber nicht so schlimm.

Als ich die Nachricht von Arndt heute gelesen habe, hat es mich recht beunruhigt. Ich habe ihn angerufen und er hat mir unter Tränen vom Tod vom Chef berichtet. Hirnblutung. Das war ein Schock.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


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Migräne

Seit Freitag leide ich an Migräne. Mir war es zu heiß, obwohl wir eine Klimaanlage im Büro haben. Viel Wasser getrunken. Ich musste mir auf Toilette den Kopf unter Wasser stellen, was im Nachhinein vielleicht keine so gute Idee war.

Am Freitag mussten andauernd Leute bei uns ins Büro platzen, um Sachen zu diskutieren. Vor allem Fergus, der noch am Tag davor in einem Meeting von der Leitung einen Hinweis bekommen hatte, dass er mit seinem Verhalten die Kollegen von der Arbeit abhalten würde und damit aufhören sollte. Eine Email tät’s doch auch. Es nützt bei ihm nicht. Vielleicht dachte er, jemand anders wäre gemeint.

Ich war jedenfalls müde. Als ich Feierabend gemacht habe, waren es noch leichte diffuse Kopfschmerze. Im Bus habe ich mich schlecht gefühlt, und als ich wegen Verspätung zur S-Bahn sprinten musste, hat es im Kopf gepocht.

Zu Hause angekommen, habe ich mich auf die Couch geschmissen. Paracetamol geschluckt, Wasser getrunken. Keine Wirkung, jedenfalls nicht die, die ich mir erhofft hatte. Mein Magen hat angefangen zu schmerzen, und ich musste mich kurz danach übergeben. Um uns drehte sich das Gewitter. Donner. Aber es ist woanders ausgebrochen.

Um neun war ich im Bett. Um eins bin ich aufgewacht, als der Ehemann vom Arbeitszimmer runter gekommen ist. Bis vier konnte ich nicht mehr schlafen. Um halb acht bin ich zuletzt aufgewacht und aufgestanden.

Den ganzen Tag habe ich mich komisch gefühlt. Migränekater. Ich bin zu Hause geblieben. Am Abend bin ich gegen halb zehn vor dem Fernseher eingeschlafen. Um zwölf wollte der Ehemann ins Bett, ich bin ihm gefolgt. Wir haben wieder die Fenster gekippt, um frische Luft rein zu lassen.

Ich war dabei einzuschlafen, als es draußen plötzlich einen lauten Knall gegeben hat, wie ein Luftballon der platzt. Eine Frau hat hysterisch gelacht, Männer haben laut geredet. Das war’s dann auch, mit dem Einschlafen. Die Kopfschmerze sind wieder da. Ich bin müde und will schlafen, es klappt aber nicht.


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Das Wochenende in nicht so vielen Bildern

Das Wochenende hat am Mittwochabend begonnen. Ich bin pünktlich aber nach Bier stinkend in Südkreuz angekommen, nachdem ein Mitreisender (ein alter Blonder im Anzug mit Hipster-Knoten-Frisur) aus der ersten Klasse am Nachbartisch seine Dose am Boden geschleudert hat – ohne erkennbaren Grund. Hosenbeine und Handtasche getränkt. Ich: Gekränkt (vor allem des Reimes wegen). Die Handtasche ist aus dickem Stoff, und der Inhalt blieb zum Glück verschont.

Am Donnerstag habe ich meine Klamotten gewaschen und die Handtasche per Hand gereinigt. Unglaublich, wie viel Farbstoff dabei rauskam. Bei der Sonne und der Hitze konnte die Tasche schnell auf dem Balkon trocknen. Zum Mittagessen war ich mit dem Ehemann verabredet, der keinen Feiertag hatte, und auf dem Rückweg habe ich diese Skulptur der stillenden Bärin von Hugo Lederer entdeckt. Sie liegt im Grüne versteckt vor dem Rathaus Zehlendorf. Am Gemüsestand vor der Bäckerei habe ich mit dem netten jungen Verkäufer geplaudert und grünen Spargel gekauft, daher gab es am Abend wieder mal den Salat mit grünem Spargel und Tomaten. Als Nachtisch habe ich uns den No-Bake-Cake-Erdbeere nachgemacht, ohne Holunder. Es ist toll, wenn man bei der Hitze den Backofen nicht benutzen muss. Wir hatten noch zwei Termine am späten Nachmittag zu Hause, von einem Umzugsunternehmen und von potentiellen Mietern.

Am Freitag war ich mit Winfried verabredet. Nach fünf Monaten wollte ich endlich den alten schweren Macbook zurück geben. Ich sollte Anfragen wegen Programm #1 bearbeiten, bis ein Nachfolger gefunden wird. Aber mal ehrlich: Nach zwei Monaten in dem neuen Job konnte ich abends nicht mehr die Zeit und Lust finden, um noch kostenlos zu arbeiten, und ein Nachfolger ist immer noch nicht in Sicht. Jetzt bin ich Mac-frei, und es ist gut so. Zur Mittagspause sind fast alle ehemaligen Kollegen mitgekommen. Obwohl ich vorgeschlagen hatte, zum Japaner zu gehen, da Pawel am liebsten dorthin geht. Ich hatte stillschweigend die Hoffnung, dabei Mr Keen los zu werden, weil er sonst immer Wert darauf legt, bei einem anderen Lokal zu essen, den ich nicht mag. Aber nein. Immerhin waren wir so viele am Tisch, dass Wechselwirkungen mit ihm sehr begrenzt waren.

Am Nachmittag habe ich Kate am Treptower Park getroffen. Man merkt, wie trocken es ist Berlin ist. Die Wiese ist ganz gelb. Als ich im Schatten stand und auf Kate wartete, ist mir der alte Herr mit weißen Haaren aufgefallen, der so nah am Weg nackt lag und offensichtlich bemerkt werden wollte. Er hat sich mehrmals umgeschaut und als ihm klar wurde, dass keiner ihn beachtet hat, hat er sich wieder angezogen und ist gegangen. Gegen fünf haben wir den Park verlassen. Ich wollte nach Hause, aber gerade dann fuhr die Ringbahn wegen irgendeiner Störung nicht und ich habe Kate bis Schöneweide begleitet, um von dort die S45 oder S46 zu kriegen. Beim Wegfahren hat ein heftiger Gewitter angefangen. Richtig mit Hagel und allem. Selbst mit geschlossener Tür ist Wasser in die Bahn geströmt. Zehn Minuten später in Schöneweide war es sonnig, als ob nichts gewesen wäre.

Am Freitagabend waren wir bei einer Geburtstagsfeier von einem Schulfreund vom Ehemann eingeladen. Der, der gerade fünfzig wurde. Über hundert Gäste. Viel zum Trinken, und ein Ehemann, der mir ständig neue Gläser gebracht hat. Um zwei Uhr morgens mit dem Taxi nach Hause. Übler Kater am Samstagvormittag. Den ganzen Tag habe ich gebraucht, um mich davon zu erholen. Geholfen hat ein Spaziergang am Dreipfuhlteich, mit putzigen Baby-Enten und Blässhühnern.

Heute war ruhig. Lange geschlafen, Schwiegervater besucht. Er hat sich sehr über die mitgebrachte Spargel-Quiche gefreut, die ich diesmal mit Tomaten ergänzt hatte. Um sechs Uhr abends war ich wieder in Südkreuz.

Der Zug nach München war pünktlich, aber wie immer in letzter Zeit wenn ich Bahn fahre stimmt etwas mit dem Bord-Restaurant nicht. Heute: Aus technischen Gründen ist das Angebot eingeschränkt. Wie am Mittwoch. Keine kalte Getränke, keine warme Küche. Ein Mitreisender ist aus dem Restaurant mit der Nachricht zurück gekommen, dass es schon fast nichts mehr gäbe. Heute trauen sich die Zugbegleiter nicht mal zu fragen, ob sie uns was bringen können, obwohl ich es in erster Klasse erwarten würde. Vor zwei Wochen war gar kein Angebot aus dem Restaurant vorhanden. Was ist los mit der Deutschen Bahn, dass sie es mit der Gastronomie derart vermasseln? Wozu noch erste Klasse buchen, wenn man nicht mal bedient wird? Ach ja, überfüllt sind die Züge immer noch, hier kann man wenigstens atmen. Obwohl es auch ab und zu nach Leberpastete stinkt. Schuld ist, sehr vermutlich, das nicht vorhandene Gastronomie-Angebot.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Zukunft sieht düster aus

Die liebe Kate hat sich von uns verabschiedet. Ganz unerwartet war es nicht, sie hatte mir schon erzählt, dass sie sich beworben hatte und für Vorstellungsgespräche eingeladen wurde. Für die meisten Kollegen kam es abrupt vor, da sie sie eine Woche vor ihrem letzten Arbeitstag  informiert hat. Es ging alles so schnell, selbst für sie. Ich wünsche, es könnte bei mir auch so schnell gehen.

Tomasz verlässt uns bald, da sein Vertrag abläuft. Mir sind auf einmal zu viele Leute weg, die ich schätze, und was übrig bleibt motiviert mich nicht genug, weiter in der Gruppe zu arbeiten. Mein DFG-Antrag liegt mir nicht mehr in den Händen und ist immer noch nicht von unseren Uni-Partnern eingereicht worden (ich selber darf das nicht alleine). Es ist zu spät, um ab Januar weiter beschäftigt zu werden. Winfried droht jedoch damit, mir trotz Wissenschaftszeitvertragsgesetzes einen neuen Vertrag für ein Jahr zaubern zu können. Durch Gespräche mit der Geschäftsleitung hätte er eine mündliche Zusage bekommen und ich sollte mir keine Sorgen machen. Ich mache mir Sorgen, dass er mir tatsächlich einen neuen Vertrag anbieten könnte. Er will mich nicht los lassen. Ich habe die Schnauze voll und nutze meine knappe Freizeit, um Bewerbungen zu schreiben. Die Firma bei München hat sich nicht mehr gemeldet, obwohl meine Kontaktperson mir nochmal vor zwei Monaten geschrieben hatte, dass ich Ende September einen Vorschlag bekommen würde. Ich muss nachhaken. Ich will weg von hier.

Da Kate geht, wird die Mittagspause blöd. Wir hatten uns häufig vom Rest der Gruppe getrennt und waren woanders essen gegangen, manchmal mit anderen Kollegen, aber in letzter Zeit nie mit Mr Keen. Ich müsste ab jetzt mit den Anderen gehen, was ihn einschließt. Ich glaube, ich fange lieber damit an, mir Brot zu schmieren.

Eigentlich trägt Mr Keen eine gewisse Verantwortung dafür, dass Kate geht. Das hat sie mir erzählt, und obwohl ich schon nicht viel von ihm hielt, hätte ich nicht gedacht, dass er tiefer in meinem Ansehen sinken könnte. „Weißt du, Mr Keen ist nicht so nett, wie er aussieht“, meinte sie mich plötzlich warnen zu müssen, als wir vor einem Monat unseren Betriebsausflug hatten. Ach was! Kate hatte schon eine Vorwarnung bekommen, aber die Beiden hatten sich danach versöhnt. Nicht, dass sie eine Affäre hatten, aber sie haben sich häufig außerhalb der Arbeit getroffen. Sie fand ihn interessant, weil er viel gereist ist und einiges über viele Länder zu erzählen hat, und er hat viele Bücher über Psychologie gelesen, worüber sie gerne diskutiert hatte. Alles sehr freundlich, wobei es ihr manchmal unheimlich vor kam, wie er sich mit ihr verhielt. Mir kam es schon lange komisch vor, wie häufig er mit den anderen Postdocs etwas abends oder an Wochenenden unternommen hat, und seine Frau alleine gelassen hatte. Aber Mr Keen ist jemand, der versucht, sich bei allen gut darzustellen. Sich einzuschleichen. Daher hat er immer mit gespielter Begeisterung gemeinsamen Ausflüge vorgeschlagen. Mir kam seine Weise nicht natürlich vor, und ich habe kaum an Aktivitäten außerhalb der Arbeit teil genommen. Mir meine Freizeit verderben, indem ich Mr Keen ertragen muss? Kommt nicht in Frage. Die Anderen sind so geblendet und kaufen ihm seine Freundlichkeit ab, und Kate ist keine Ausnahme. Dass die Beiden sich so häufig privat getroffen hatten, wusste ich aber nicht.

Ohne in Details gehen zu wollen, hat er mit ihr richtig Psychoterror betrieben, so dass sie am Ende nur noch von sich selbst gezweifelt hat. Anscheinend ist er jemand, der nicht genug Aufmerksamkeit bekommen kann, und extrem eifersüchtig auf die Anderen ist. Es war mir aufgefallen, wie er am Anfang reagiert hatte, dass ich ständig dienstlich unterwegs bin. „Ich will auch endlich mal auf Tagungen fahren und Vorträge vor Publikum halten,“ hatte er mal Winfried neidisch gesagt. Er sehnt sich nach Ruhm und Anerkennung. Dafür hat er nicht genug geleistet. Florian ist halb so lange wie er in der Gruppe und hat viel mehr erreicht. Aber es ging noch viel krasser, wie Kate mir erzählte. Er hat mitbekommen, dass sie häufig mit Pawel Kaffeepause macht. Ich habe auch die Beiden mehrmals mit der Tasse in der Hand außerhalb vom Büro gesehen. Schön, wenn sie sich gut verstehen, schließlich sitzen sie im gleichen Zimmer. Mr Keen hat sich bei ihr beschwert, sie würde dadurch Pawel absichtlich von ihm fernhalten. Paranoid ist er also auch. Und um ihrem ihm gegenüber unverschämten Treiben ein Ende zu setzen, hat er sich etwas echt Geisteskrankes ausgedacht. Seine Frau sollte Pawels Frau anrufen, die übrigens gerade ihr zweites Kind bekommen hatte, und ihr sagen, dass ihr Mann viel zu häufig seine Zeit mit Kate verbringt. Mir sind die Kinnladen herunter gefallen, als sie mir das erzählte. Es hat aber nicht geklappt, sie macht immer noch Pausen mit Pawel. Vielleicht, weil Mr Keen gerade vier Wochen Urlaub hatte.

Mr Keen hat Kate ständig Vorwürfe an den Kopf geschmießen, über Sachen, die er eigentlich selber macht. Er hat sich bei ihr als Opfer dargestellt, obwohl er derjenige ist, der Kate psychologisch immer wieder angegriffen hat. Er sagt immer vor den Anderen über dreiste Verhaltensweisen, „aber so was würde ich nie machen“, um es doch genau zu tun. Wenn ihm etwas Böses ausrutscht, sagt er dann, dass war nur Spaß, er würde es nicht so meinen. Und ob er es doch so meint! Aber weil er sich davon distanziert, glauben es ihm die Leute auch! Ich verstehe es nicht.

Irgendwann wurde es Kate bei ihrem letzten Streit zu viel und ihr sind die Schuppen von den Augen gefallen. Er ist ihr böse geworden, dass sie sich nicht mehr verhält wie er sich es wünscht. Sie hat jetzt Angst, alleine mit ihm zu sein und nennt ihn einen Psychopath. Wie gut, dass sie nicht im gleichen Zimmer arbeiten. Er hat ihr viele Hass-SMS geschickt, die sie gleich gelöscht hat, weil es sie so stresst. Höchst frustrierend. Das wäre doch die Lösung, um ihn los zu werden! Wenn Winfried endlich mit Beweisen mitbekommen würde, wie Mr Keen sich wirklich mit seinen Kollegen verhält! Aber Kate will ihm nichts sagen, und so kann ich das, was ich nur vom Erzählen erfahren habe, ihm nicht mitteilen. Jetzt, wo sie uns verlässt, frage ich mich, wen er sich demnächst als Opfer aussucht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Eigentlich will ich nicht mehr

„Hast du an deinem Antrag weiter gearbeitet?“ fragte mich heute Winfried nach unserem wöchentlichen Meeting. Gemeint war mein DFG-Antrag, den wir seit einem Jahr ständig umschreiben und der mir eine weitere Finanzierung ermöglichen soll, nachdem mein Vertrag am Ende des Jahres ausläuft. Vorausgesetzt, der Antrag wird nicht abgelehnt.

Winfried ist gerade aus dem Urlaub zurück gekommen. Drei Wochen war er weg. Drei Wochen, in denen ich nach Lust und Laune an meinen Programmen frei arbeiten konnte. Programm #1 hatte ich in einem schlechtem Zustand bekommen, als ich seine Entwicklung vor vier Jahren übernommen hatte. Damals kannte ich mich noch nicht mit Python aus. Ich habe schlechte Programmiergewohnheiten aus dem Code meines Vorgängers gelernt. Heute weiß ich besser Bescheid. Programm #1 funktionierte ja, aber ich habe im Laufe der Zeit erkannt, dass er von jemandem geschrieben wurde, der Python mit Fortran-Denkmustern missbraucht hat. Grauenhaft. Da ich drei Wochen Ruhe hatte, habe ich den Code grundsätzlich gereinigt. Das wird mir oder meinen Nachfolgern in Zukunft viel Zeit sparen, um weitere Funktionalitäten einzubauen.

Was ich in den drei Wochen nicht gemacht habe, ist, an dem DFG-Antrag zu arbeiten. Bis heute Morgen, als ich ahnte, dass die Frage kommen würde. Also habe ich ganz schnell einen neuen Absatz mit Abbildung geschrieben. „Ja, habe ich,“ konnte ich Winfried ehrlich antworten. „Aber eigentlich habe ich keinen Bock,“ habe ich unerwähnt gelassen.

Fakt ist, ich habe keinen Bock mehr. Die Arbeit an meinen Projekten macht mir weiterhin Spaß, aber wenn ich sehe, wie sich unsere Gruppe entwickelt, würde ich lieber meinen Vertrag auslaufen lassen und die Arbeitslosigkeit mit offenen Armen empfangen.

  • Mr Keen hat jetzt einen permanenten Vertrag, und der blosse Gedanke, ihm langfristig täglich begegnen zu müssen, gibt mir Magenschmerze. Ich könnte kotzen, und es ist nicht übertrieben. Ich kriege wirklich einen schweren Klumpen im Magen, wenn ich zu sehr darüber nachdenke. Aber ich habe genug über ihn geschrieben.
  • Es gibt meinen zum Glück nicht mehr Zimmergenosse, dem ich hier immer noch keinen Namen gegeben habe und der jetzt mit meinem armen IT-Kollegen sitzt. Soll er Moritz heißen. Moritz hat auch eine unbefristete Stelle und ist zu unserer Gruppe infolge einer Umstrukturierung gekommen. Ich kann ihn mittlerweile nur noch schwer ertragen, wenn er mit uns Mittagspause macht (auch einer, der meint, mit vollem Mund reden zu müssen) oder im Meeting sitzt (und immer ganz laut blöde Kommentare abliefert, die nur er lustig findet). Nervig finde ich, wie er seit einem halben Jahr über seine Fußschmerze jammert, ohne die logische Konsequenz daraus zu ziehen: Abzunehmen. Das würde ihm und seinem schwer belasteten Fuß viel besser tun, als die ganzen Maßnahmen, die er bis jetzt verordnet bekommen hat. Nee, zu anstrengend für ihn. Wie die Arbeit, wirklich. Wie stolz erzählt er, dass er morgens und abends an dem Zeiterfassungsgerät, das am weitesten liegt, sich abstempelt, um gut fünf Minuten gratis am Tag auf seinem Überstundenkonto zu bekommen! Er beschwert sich immer, dass die Arbeitsbedingungen und das Geld besser sein könnten, ist aber selber ein echt fauler Sack. Ganz die Vorurteile, die man über Betriebsradmitgliedern hört. Das ist er eigentlich. Was er in seiner Anwesenheitszeit im Büro wirklich treibt, außer ganz laut zu telefonieren, weiß keiner. Nicht mal Winfried, würde ich behaupten.
  • Über Nina, die Nachfolgerin von Mieke, habe ich noch nichts erzählt, aber sie geht mir gewaltig auf dem Keks. Egal, was man sagt, muss sie immer grundsätzlich widersprechen. Sie ist auch die Erste, die über Anderen lacht, selbst wenn sie nicht wirklich versteht, worum es geht. Verstehen tut sie eigentlich selten. Sie ist zu uns vor einem Dreivierteljahr gekommen, um das Chemielabor zu leiten. Das macht sie gut. Nehme ich an. Ich bin ja so gut wie nie im Labor. Was sie gar nicht kann, und auch nicht muss, ist, Messungen an unseren Geräten durchzuführen. Sie hatte mir mal am Anfang aus Neugier Fragen gestellt, und es ist klar, dass sie von der Messmethode und der ganzen physikalischen Theorie dahinter noch nie etwas gehört hatte. Das ist in sich nicht schlimm. Was ich aber nicht ertragen kann, ist, wie sie sofort am Anfang in den Meetings laut über unsere Nutzer gelacht hat, oder „Tss tss tss“ und „wie kann man nur“ von sich gegeben hat, wenn wir erzählten, dass sie Probleme an den Geräten verursacht hatten. Die Details waren dabei so technisch, dass sie als Neulinge und Laie sie kaum verstehen konnte. Nein, sie reagiert nur auf den Tonfall der Stimme des Erzählers. Eine ziemlich blöde Zicke.

Man könnte meinen, dass ich mit allen meinen Kollegen nicht klar komme. Das stimmt nicht. Meine IT-Kollegen sind ganz in Ordnung. Mit Kate unternehmen wir sogar ab und zu etwas außerhalb der Arbeit. Seitdem ich aus dem gemeinsamen Zimmer ausgezogen bin, geht es besser. Vielleicht hat sie jetzt gelernt, selbstständig mit ihrem Rechner umzugehen, da ich nicht mehr da bin, um alle ihre spontanen Fragen zu beantworten. Oder sie fragt jetzt die anderen Zimmergenossen. Florian, unser letzter zugekommener Wissenschaftler, ist auch ganz lieb. Vielleicht zu lieb. Er bemüht sich immer, sich mit allen, aber auch wirklich allen, gut zu verstehen. Selbst wenn Leute ihn nerven. Über Nina hat er sich schon bei mir beschwert, wenn sie sich besonders blöd angestellt hat, aber er verhält sich selbst mit ihr äußerst freundlich. Das könnte ich nicht. Moritz hat er sogar mit einem Spitznamen versehen, und er kennt alle Pförtner am Empfang mit Vornamen. Unheimlich. Vielleicht nerve ich ihn, kriege es aber nicht mit, weil er sich immer so freundlich verhält. Über zu viel Freundlichkeit will ich mich auch nicht beschweren, das ist so untypisch.

Also, obwohl ich mich mit vielen in der Gruppe halbwegs gut verstehen kann, braucht es nur einige wirklich nicht auszuhaltenden Persönlichkeiten, um mir die Stimmung komplett zu verderben. Schlimm, wenn diese Personen noch bis zu ihrer Rente in der Gruppe bleiben werden. Da denke ich, lieber arbeitslos werden, als länger dort zu arbeiten. Ich hatte ja vor sechs Wochen ein Vorstellungsgespräch, aber ein anderer Kandidat wurde gewählt, der besser zur Stellenbeschreibung passt. Zur Stellenbeschreibung, die auf der Webseite der Firma veröffentlicht wurde. Die, auf die ich mich beworben hatte, hatten sie in einer Fach-Mailinglist gepostet, und sie passte wunderbar zu meinem Profil… weil ich vermute, dass das Copy-Paste nicht richtig funktioniert hatte, da es nur einen Teil der Beschreibung auf der Webseite war. Der fehlender Teil war wohl wichtiger. Immerhin haben sie mir geschrieben, dass ich einen großen Mehrwert ins Team bringen würde, und sie melden sich im Herbst, um mir eine Stelle ab dem nächsten Jahr anzubieten. Falls sie nicht zwischendurch ihre Meinung geändert haben.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Unwohl

Heute habe ich keine Lust, irgendwas zu essen. Ich spüre kaum Hunger, eher eine ganz leichte Übelkeit, die zum Glück verschwindet, wenn ich eine Kleinigkeit esse. Crackers sind gut. Schokolade nicht, habe ich festgestellt. Danach fühle ich mich zu voll, und mein Puls fühlt sich unangenehm an. Wieder bin ich müde. Ich fühle mich erschöpft, aber es ist kein Verlangen nach Schlaf. Ich spüre einen Druck auf dem Gesicht, auf beiden Schläfen, auf den Augen, auf der Stirn, oben auf der Nase. Leichter Kopfschmerz. Kenne ich. Die Schwangerschaft ist es nicht. Die Erkältung auch nicht, die immer noch ein bisschen rum hängt. Diese Art von Beschwerden kommt immer in einer bestimmten Situation, genau wenn ich stinksauer bin. Ich habe auf Arbeit eine Nachricht gehört, die ich nicht verdauen kann.

Und zwar haben wir gerade die Gelegenheit, in der Arbeitsgruppe mehr permanenten Stellen zu fordern. Wir haben nach einer internen Evaluierung gute Aussichten für eine zusätzliche Dauerstelle. Und wen hat Winfried so nebenbei vor der Gruppe vorgeschlagen? Mr Keen! Ich habe zuerst gedacht, ich höre nicht richtig. Von allen, die in Frage kämen, fällt Winfried nichts besseres ein?

Ich weiß, ich kann ihn seit seinem Vorstellungsgespräch nicht leiden. Es ist schon mal physisch. Er schwitzt ständig in den Händen, es ekelt mich, wenn er meint, mich zum Geburtstag mit einem Handschlag gratulieren zu müssen. Igitt. Vom Anfang an ist es klar, dass ihn nur eines interessiert: Eine Dauerstelle zu bekommen. Noch besser: Als Chef. Die Art, wie er gleichzeitig versucht, das Gegenteil zu behaupten, ohne zu merken, wie durchschaubar er ist, finde ich lächerlich. Zum Beispiel, als wir über einen Nachfolger für Uschi diskutiert hatten. Dabei ist er jemand, der sich vor dem Chef immer begeistert zeigt, aber vor uns nur stöhnt und sich beschwert, wenn er Aufgaben bekommt. Und der gerne prahlt, wenn Sachen gut laufen, ohne dass er dafür etwas gemacht hat. Obendrauf verliert er keine Gelegenheit, über Kollegen hinter ihren Rücken schlecht zu reden. Über mich, aber auch über anderen. Und die Art wie er sich mit Kate verhalten hat… Das stimmt, vieles davon erfährt Winfried nicht. Weil Mr Keen sich anders vor ihm als vor uns verhält. Das alleine zeigt schon, was für ein Heuchler er ist. Aber wenn ich Winfried jetzt aufkläre, bin ich vermutlich die, die lästert und „einfach nur neidisch ist“. Besser nichts sagen.

Natürlich bin ich von Winfried enttäuscht. Immerhin hatte er mir vor zwei Jahren gesagt, er würde mich entfristen wollen. Davon ist seitdem nie wieder was zu hören gewesen, und ich vermute, die Bauchhöhlenschwangerschaft hat damit zu tun. Aber es ist nicht das, was mich sauer macht. Ich kann verstehen, dass er eher eine Person braucht, die an die Weiterentwicklung unserer Geräte arbeitet. Das ist für unseren Betrieb wichtiger als irgendwelche Software zu entwickeln. Mr Keen arbeitet hauptsächlich an den Geräten. Das tut allerdings auch Florian, der seit dem Sommer bei uns arbeitet. Und ich muss sagen, seitdem er da ist, läuft die Arbeit an den Geräten viel besser. Florian ist wirklich das Gegenteil von Mr Keen. Er arbeitet mit Begeisterung und engagiert sich total in seinen Aufgaben. Er hat sich unglaublich schnell eingearbeitet, hat gute Ideen und zeigt Initiative, statt wie Mr Keen alles nach Anweisung vom Chef zu machen. Wenn, dann wäre die Wahl für eine Dauerstelle bei ihm viel sinnvoller. Ich weiß noch, wie sich Mr Keen bei den Vorstellungsgesprächen gegen Florian geäußert hatte, weil er ihn als Bedrohung wahrgenommen hatte. Jetzt spielt er mit ihm den besten Kumpel. Und die Kollegen fallen rein, obwohl sie mitbekommen haben, wie sehr er gegen ihn war. Ich verstehe nicht, wie alle so blind bei Mr Keen sein können. Wirkt sein pummeliges Kleinkind-Gesicht wirklich so unschuldig? Selbst Kate scheint wieder mit ihm gut befreundet zu sein.

Ein bisschen klingt die Situation wie in meinem Traum vor einem halben Jahr. Schwanger bin ich auch noch. In dem Traum war etwas definitiv wahr: Ich kann die Idee nicht aushalten, langfristig mit Mr Keen in Kontakt zu bleiben. Ich habe mir heute die Zeit genommen, um mehr Bewerbungen zu schreiben. Lieber flüchten. Aber gibt es nicht überall andere Mr Keen? Eine ähnliche Situation hatte ich in meinem früheren Institut ja erlebt. Es ist deprimierend zu sehen, wie große Klappen vor Kompetenz bevorzugt werden. Ich glaube leider nicht, dass meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt besser als vor dieser Stelle stehen, obwohl ich meine Erfahrungen deutlich erweitert habe. Jetzt bin ich vierzig, und ich habe das Gefühl, beruflich in einer Sackgasse zu stecken. Firmen interessieren sich nicht für alte Akademiker. Wenigstens hat mich das Wegbewerben vom Ärger abgelenkt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.