Es wird wieder

So kann man den Tag zusammen fassen.

Bei der Orthopädie habe ich mit der Vertreterin einer Ärztin gesprochen. Sie war ganz nett und hat sich Zeit genommen. Es sollte noch sechs Wochen dauern, bis ich meinen Arm wieder belasten kann. Der Bruch sieht gut aus und benötigt keinen chirurgischen Eingriff. Die Krankengymnastik soll ich auf jeden Fall machen.

Es traf sich gut, ich hatte heute den ersten Termin. Wie vereinbart, bin ich mit Sportkleidung und Handtuch zur Praxis gegangen. Ich habe mich seitlich hingelegt und der Arzt hat meinen Arm manipuliert. Es war der Wahnsinn. Nach ein paar Massagen und Übungen konnte er schon meinen Arm wieder gerade bringen. Die Muskeln sind jetzt anscheinend schuld, dass sie sich nicht entspannen und den Arm immer gebeugt halten. Zwischendurch hat er sich an ein bisschen Small Talk versucht. Am Anfang natürlich, wie es zum Knochenbruch gekommen ist. Und dann, ob ich in Berlin studieren würde. „Nein, ich arbeite“, habe ich geantwortet. „Schon!“ hat er überrascht gemurmelt. Och Menno! Dass man mich mit vierzig immer noch für eine Studentin hält…

Ich habe Übungen für zu Hause bekommen und soll sogar mit kleinen Gewichten arbeiten. Ein guter Grund, morgen zurück zum Fitness-Studio zu gehen. Für einen ersten Termin war der Erfolg beeindruckend. Ich habe plötzlich wieder mehr Kraft und kann Sachen machen, die vorher nur Schmerz verursacht haben. Eine Flasche öffnen zum Beispiel. Am Freitag ist der nächste Termin geplant.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Dienstag

Ich komme momentan mit den Tagen durcheinander. Wir sind nur seit zwei Wochen zurück aus dem Urlaub geflogen. Es kommt mir viel länger vor. Sicherlich, weil ich krank geschrieben bin und meistens zu Hause bleibe.

Heute habe ich kurz eingekauft. Kleinigkeiten, die in meine Stofftüte passen und die ich nur mit der rechten Hand tragen kann. Einem Topf Oregano konnte ich nicht widerstehen und habe mit nach Hause genommen. Auf dem Weg bin ich einem Marienkäfer begegnet. Ich habe ihn überlistet und mit dem Oregano transportiert. Er ist die ganze Zeit drauf geblieben. Zu Hause angekommen, habe ich dem Marienkäfer unsere Rosen auf dem Balkon vorgestellt und ihn auf einem Blatt gelassen. Ich weiß nicht, ob er dort geblieben ist. Den Oregano habe ich in einen Kübel umgepflanzt. Hoffentlich gefällt es ihm dort. Danach habe ich mich um die Pflanzen der Nachbarin unter uns gekümmert.

Nachmittags habe ich mich in den Hinten getreten und bin zum ersten Mal seit über einem Jahr zurück zum Fitnessstudio gegangen. Trotz starker Periode. Ich brauchte Bewegung. Ich kann natürlich vieles nicht machen, da mein Arm noch nicht heil ist. Er lässt sich immer noch nicht richtig bewegen und ich bekomme Schmerzen, wenn ich nur versuche, einen Topf Honig zu öffnen. Aber ich dachte, auf dem Ergometer kann ich bestimmt was machen. Es ging sehr gut. Ich bin zweimal eine halbe Stunde geradelt. Dabei habe ich laut dem Gerät nur 350 kcal verbrannt. Ich habe unglaublich viel geschwitzt und mir ständig die Tropfen aus dem Gesicht gewischt. Zwischen beiden Radeinheiten habe ich Gerätetraining für die Beine gemacht. Ab- und Adduktoren. Die Beinpresse konnte ich nicht benutzen, weil der Hebel für die Sperre links vom Stuhl liegt. Ich habe es meinem Arm nicht zugemutet.

Den Weg nach Hause habe ich zu Fuß gemacht. Zwanzig Minuten. Er führte an der Praxis von meinem Hausarzt vorbei, und sie hatte gerade auf, also habe ich gefragt, ob der Bericht von der CT-Untersuchung inzwischen angekommen war. Ja, er war da! Ich habe eine Kopie bekommen und der Arzt hat ihn schnell zwischen zwei Terminen gelesen. Es ist also wirklich nicht nur ein Riss sondern eine Fraktur. Sonst ist alles an seinem Platz. Ich frage mich, ob die Fraktur vom Anfang an da war, und vom Arzt in Spanien nicht richtig identifiziert wurde, oder ob der Vorfall mit der Tür vom Umzug am Flughafen Barcelona den Riss in eine Fraktur umgewandelt hat. Es hatte extrem weh getan, als die Tür gegen den Gips zu geknallt hatte.

Ich soll morgen den ersten Termin bei der Krankengymnastik wahrnehmen, aber vorsichtig sein. Da es mir grundsätzlich nicht gefiel, eine Behandlung anzufangen, ohne dass der Arzt sich die Ergebnisse der Untersuchung anschaut, hatte ich sowieso einen Termin bei der Orthopädie-Praxis für morgen Nachmittag ausgemacht. Obwohl ich nicht mehr hin wollte. Der Ehemann hat den Termin für mich ausgehandelt. So bekomme ich eine zweite Meinung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Doch nicht nur ein Riss

Für diese Erkenntnis habe ich gerade zweieinhalb Stunden in der Praxis gesessen. Dreiundneunzig Prozent davon wartend. Und ich bin großzügig, ich denke nicht, dass die Untersuchung zehn Minuten gedauert hat.

Ich muss zugeben, ich habe es mit dem Gips nicht bis heute ausgehalten. Es hat fürchterlich gejuckt und durch das Gewicht Schmerzen in meinem Oberarm verursacht. Der Ehemann meinte, er könnte mir den Gips abmachen und später wieder binden. Sein Angebot habe ich sofort angenommen. Was für ein Befreiungsgefühl! Es wäre gegangen, den Gips wieder anzubringen, aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt ohne besser klar komme. Und den Gips wollte ich nicht mehr.

Mein Termin bei der Radiologie war um kurz nach zehn geplant. Ich bin sehr knapp in der Zeit angekommen. Ich war zum ersten Mal dort und habe den Abstand zwischen Bushaltestelle und Praxis unterschätzt. Das war aber egal, weil bei meiner Ankunft mehrere Personen bei den Sekretärinnen standen. Bis ich dran kam, war es schon fünf Minuten nach dem Termin. Die waren eh verspätet, wie überall.

Nach einer halben Stunde im Warteraum bin ich zu einem Untersuchungsraum gebeten worden. Die Assistentin hat mir Fragen gestellt und nach den Röntgenaufnahmen vom Krankenhaus in Spanien gefragt. Ich habe ihr dazu den Bericht vom Arzt gegeben. Alles auf Spanisch und Katalanisch. Sie ist aus dem Raum verschwunden und hat mit der Ärztin hinter dem Raum diskutiert. Nach einiger Zeit ist die Ärztin selbst gekommen und meinte, statt eine Radiographie möchte sie lieber eine Computer-Tomographie (kurz CT) machen lassen, um sich eine bessere Meinung zu bilden. Sie hätte schon bei der Praxis von meinem Hausarzt angerufen und die Überweisung für eine CT würde sie anfordern, wenn ich einverstanden wäre. Was hätte ich dagegen finden sollen? Wenn sie es für nötig hält, mache ich das natürlich mit. Meine erste Erfahrung mit CT war zwar furchtbar gelaufen, aber damals lag es daran, dass ich an eine bestimmte Stelle mit einer Monsternadel eine Injektion bekommen sollte, was sehr schmerzhaft war.

Ich bin zurück zum Warteraum gegangen. Ich sollte nur eine halbe Stunde warten. Die Ausgabe vom Stern habe ich durchgelesen. Es wurde eine ganze Stunde. Die Untersuchung selbst lief ohne großes Problem. Es war ein bisschen umständlich, mich auf dem Bauch hinzulegen und den Arm möglichst gerade über den Kopf zu strecken. Ich hatte mehr Angst, Schmerzen dabei zu bekommen, als ich wirklich Schmerzen gespürt habe.

Danach, nochmal im Warteraum sitzen, bis ich die Bilder bekomme. Nochmal eine Viertelstunde. Als ich die CD bekommen habe, hieß es, es wäre doch kein Riss sondern etwas Komplizierteres im Ellbogen. Der Bericht würde in Kürze zu meinem Hausarzt geschickt und ich müsste noch heute Nachmittag dahin. Also um vier. Diesmal bin ich sicher, dass die Praxis auf hat. Ich habe am Donnerstag mit dem Handy das Schild an der Tür fotografiert.


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Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen

Bis Montag war ich mit dem Mini-Urlaub zufrieden. Wir haben Museen besucht. Das Dalí-Museum in Figueres, aber auch das Schloss von Púbol, wo Gala Dalí gelebt hatte und begraben wurde. Wir sind am frühen Sonntagmorgen zum Castell de Montgrí gewandert, was wegen des Zustandes vom Weg recht anstrengend war. Vor allem, um wieder runter zu kommen. Die starke Tramontane, die seit Freitag wehte, hat wenigstens dafür gesorgt, dass es uns nicht zu heiß wurde. Wir sind ein paar Male am Strand gewesen. Im Meer zu schwimmen war toll. In der Sonne haben wir nur wenig gelegen. Zum weiteren Abnehmen haben unsere Aktivitäten nicht gereicht, da es auch reichlich leckere Tapas gab. Ich habe uns eine Caponata gekocht, als Dankeschön für unsere Freundin, die uns so großzügig empfangen hat. Meinem Mann zuliebe habe ich die Sellerienstangen durch eine grüne Paprika ersetzt.

Ich bin in der kurzen Zeit von Mücken gefressen worden. Es ist noch schlimmer als bei der Dorffeier. Trotz Autan habe ich dreiunddreißig Stiche erst auf den Beinen gezählt. Nur wenige haben eine allergische Reaktion verursacht. Ich bin übrigens nicht sicher, dass alle Stiche von Mücken kommen. Auf der hinteren Seite vom linken Oberschenkel hatte der Ehemann am Freitag berichtet, dass in einem Bereich so groß wie seine Handfläche acht rote Punkte vorhanden waren (er war dabei, einen Stich auf einer Pobacke zu behandeln). Es waren nur Punkte, und sie hatten gar nicht gejuckt. Am nächsten Tag doch. Alle Punkte sind wie Mückenstiche geschwollen. Mücken stechen aber nicht so häufig auf einmal in einer so kleinen Hautgegend. Einige Stiche überlappen sich sogar. Zum Glück hatten wir Fenistil und den Stichbrenner[1] dabei. Die Stiche mussten zweimal am Tag behandelt werden, aber zwischendurch hatte ich Ruhe. Und ehrlich gesagt, verglichen mit den Ereignissen vom Wochenende, erschien es mir lächerlich, mich zu sehr über „ein paar“ Stiche zu beschweren.

Ich lächelte und war also froh, und es kam tatsächlich schlimmer. Wir sind am Montagabend vom Strand zurück gekommen. Wir wollten noch kurz duschen und mit unserer Freundin für den letzten Abend essen gehen. Dazu ist es nicht gekommen.

Es gibt im Garten eine kleine Treppe. Die Stufen bestehen aus breiten unebenen Steinen, sowie der Weg davor. Ich ging als letzte die Treppe hoch, und ich bin auf der zweiten Stufe gerutscht und rückwärts auf dem Weg gefallen. Es gab nichts, wo ich mich hätte festhalten können. Ich konnte nur warten, bis ich am Boden geprallt bin. Es kam mir sehr lang vor, wie beim Fahrradunfall. Dabei konnten mich mein Mann und unsere Freundin nur entsetzt schauen, weil es so schnell ging, dass sie nichts machen konnten. Mein linker Fuß hat sich beim Fall völlig verdreht, und ich habe einen Riss am Radiusköpfchen vom linken Unterarm bekommen.

Ein großes Glück war, dass ich meine Tasche und den Stoffbeutel mit den Handtüchern vom Strand in der linken Hand trug. Beim Fallen sind beide hinter meinen Rücken gekommen und haben den Fall am Gesäß und am Rücken völlig gedämpft. Gleichzeitig kann es sein, dass sie die Verletzung am Arm verursacht haben, da ich mich sonst nicht daran erinnern kann, mich mit der Hand am Boden gefangen zu haben. Ein zweites großes Glück war, dass ich mein Haargummi am Tag davor verloren hatte. Ich hätte mir sonst einen Pferdeschwanz gemacht. Stattdessen hatte ich meine lange Haare zu einem lockeren Knoten gebunden und diesen mit einer flachen Spange oben am Kopf festgehalten. Das war gut, weil mein Kopf zweimal am Boden geknallt ist und vom Knoten geschützt wurde. Mein Schädel ist noch heil. Es fühlt sich alles normal an. Kein Schwindelgefühl. Mit einem Pferdeschwanz hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.

Wir haben den Abend in der Notaufnahme von einem Krankenhaus in der nächsten Stadt verbracht. Der Riss im Radiusköpchen ist röntgenographisch nachgewiesen worden. Der Knöchel ist nicht gebrochen und braucht nur ein paar Tage Ruhe. Der Fuß ist ganz dick geworden und hat sich dunkel gefärbt. Ich habe Gips um die Außenseite vom Arm bekommen, weil es so schmerzhaft war, wenn der Arm gedreht wurde. Ich kann ihn gar nicht mehr strecken. Der Unterarm ist nicht vollständig mit Gips gehüllt, und es ist gut, weil ich sonst gestern nicht zurück nach Deutschland hätte fliegen dürfen. Irgendwas mit Druck und Schwellung vom Arm. Es ist so trotz Halterung um den Nacken recht schwer zu tragen. Mit der ungewohnten Haltung tut mein Rücken weh. Der Oberarm auch. Oh, und der Ellbogen natürlich. Dagegen habe ich Ibuprofen bekommen. Ich frage mich manchmal, ob der Gips nicht mehr Schmerzen verursacht als er verhindert. Ich habe heute meinen Arzt besucht und er hat mich bis zum Ende nächster Woche krank geschrieben. Am Montag soll mein Arm befreit werden, um eine neue Röntgenaufnahme zu machen. Ich freue mich so drauf.

Eigentlich hatte ich vor gehabt, gestern nachmittags meinen Arzt zu besuchen. Wir hätten um drei in Tegel landen sollen und seine Praxis geht nachmittags um vier auf. Warum es nicht geklappt hat, ist eine sehr blöde Geschichte. Wir hatten unsere Flüge über Lufthansa gebucht. Hinflug über München, Rückflug direkt mit der Tochtergesellschaft Germanwings (obwohl sie seit einem guten halben Jahr Eurowings heißt). Als wir gestern zum Flughafen in Barcelona ankamen, hieß es, wir wären nicht auf der Passagierliste. Lange Anrufe bei der Lufthansa, die noch häufig einfach mitten drin abgebrochen wurden, haben uns am Ende gelehrt, dass Germanwings die Bezahlung von Lufthansa aus welchem Grund auch immer nicht akzeptiert hatte, uns das Geld zurück überwiesen und die Reservierung storniert hatte. Ohne uns in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Flug war inzwischen voll gebucht und es täte der Frau am Schalter von Germanwings sehr Leid, aber wir müssten neue Karten kaufen. Der Ehemann hat es beim rumtelefonieren geschafft, dass die Lufthansa uns als Entschädigung kostenlos auf eine Strecke über München bucht. Spät abends. Wir wären kurz vor Mitternacht angekommen, weil es vorher nicht ginge, alle Flüge wären ausgebucht. Die versprochene Bestätigungsemail für die Umbuchung ist nie angekommen. Irgendwann hat er am Schalter von Lufthansa gefragt, ob wir uns trotzdem einchecken könnten. Kein Problem, meinte die Frau, wir wären in der Passagierliste, aber wollen wir nicht früher fliegen? Klar, meinte er. Es ging doch problemlos.

Zwischendurch gab es mehr Ärger mit meinem Arm. Zum Beispiel, weil ich nach der Sicherheitskontrolle in Barcelona gedacht hatte, es wäre besser, mit dem Aufzug statt mit der Rolltreppe runter zu gehen. Leider ist die automatische Tür vom Aufzug viel zu schnell wieder zu gegangen. Ich war noch am reingehen, als sie mit Schwung gegen meinen eingegipsten Arm geknallt hat. Ich dachte naiv, es gäbe doch optische Sensoren im unteren Bereich der Tür, die so was verhindern würden. Habe ich heulen müssen.

Im Flug nach München saß ich direkt vor dem Notausgang. Hinter mir waren die Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit. Trotzdem musste die junge Frau hinter mir, die so groß gar nicht war, die Beine so weit strecken, dass ihr Fuß auf meiner Armlehne den Ellbogen berührt hat. Abgesehen davon, dass es völlig unverschämt ist, sich mit seinen Sitznachbarn derart zu verhalten, ging es mit meinem Arm überhaupt nicht. Da sie auf meine Bitte, ihren Fuß weg zu nehmen, gar nicht reagiert hat, habe ich ihn mit der anderen Hand weg geschubst. Sie ist dann völlig hysterisch geworden, weil ich sie beim Schlafen „geschlagen hätte“, und hat gegen meinen Sessel getrommelt. Der Ehemann hat sich schnell eingemischt und sie fertig gemacht, da er sich besser umdrehen konnte als ich, bis die Zicke wutschäumend von einer Stewardess zu einem anderen Sitzplatz gewechselt wurde. Tête à claques.

Um acht Uhr abends waren wir in Berlin. Zu spät für meinen Arzt.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.