K.O.

So lässt sich der Anfang des Jahres gut beschreiben. Ich bin seit einem Monat nicht mal dazu gekommen, hier in meinem Tagebuch irgendwas zu schreiben. Wenn ich mal Zeit gehabt hätte, hat mir die Motivation einfach gefehlt. Gekocht? Nur selten, und nichts, was ich hier fest halten möchte, wenn es was neues war.

Zum einen bin ich müde. Mein Entschluß, mit den Überstunden aufzuhören, stimmt mit der Realität nicht überein. Clockify[1] verrät es mir:

Kalenderwoche 2 3 4 5 6
Arbeitszeit 30:12:20 45:35:37 38:52:13 46:31:50 29:13:21
Überstunden -1:47:40 5:35:37 6:52:13 6:31:50 5:13:21

Dabei war in der 2. Kalenderwoche der Montag frei (Dreikönigfest), den Nachmittag des ersten Arbeitstages hatte ich beim Arzt verbracht, in der 4. Woche hatte ich mir den Freitag frei genommen, und diese Woche bin ich heute und morgen krank geschrieben.

K.O. fasst aber aus einem anderen Grund die letzten Wochen sehr gut zusammen: Zuerst das Knie, dann das Ohr. Bäm.

Das Knie habe ich mir gleich am ersten Arbeitstag des Jahres verletzt. Ich bin an einem nicht so kalten Morgen aus dem Bus ausgestiegen, nachdem es unterwegs angefangen hatte leicht zu regnen, habe die Straße überquert und bin von der glatten Eisfläche auf dem Bürgersteig auf der anderen Seite der Straße sehr überrascht worden. Die Luft war nicht kalt, aber der Boden noch gefroren, und durch das Regen hatte er sich im Nu zu einer Eisbahn umgewandelt. Es hat nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert: Der rechte Fuß ist in seinem starren Lederstiefel nach links gerutscht, ich habe das Gleichgewicht verloren und bin mit dem Gesäß auf dem rechten Unterschenkel gelandet, wodurch das Kniegelenk gezerrt wurde. Ich konnte nicht mal wieder aufstehen, weil es so glatt war, dass ich keinen Halt unter den Füßen mehr finden konnte. Eine Frau hat mir wieder hoch geholfen und ist weiter gezogen. Panik. Ich habe gute zwanzig Minuten für den Rest der Strecke zur Arbeit gebraucht, dreimal so lange wie sonst.

Am Anfang lässt sich das Knie nichts anmerken, aber nach drei Stunden am Schreibtisch tut er plötzlich weh, als wir mit Kollegen essen gehen. Ich verbringe den Nachmittag beim Durchgangsarzt in meinem Dorf, kriege eine fürchterlich nach Erdöl stinkende Salbe auf dem Knie geschmiert, eine Bandage herum, soll diese erst in drei Tagen abmachen und Hitze vermeiden. Ich halte den Geruch der Salbe nach zwei Tagen nicht mehr aus, packe das Knie wieder frei und bade ausgiebig. Zwei Wochen lang halten die Schmerzen an, vor allem, wenn ich Treppen runter gehe. Bis ich an einem eiskalten Samstag nach dem Einkauf im Dorfzentrum zu Fuß nach Hause gehe, weil ich die S-Bahn verpasst habe. Ich trage einen kurzen Rock mit dicken Strumphosen, die gegen die Kälte nicht mehr helfen, als der starke Schneeregen anfängt. Ich komme nach zwanzig Minuten klatschnaß und gefroren zu Hause an und ziehe mich erstmal um. Seitdem sind die Schmerzen aber völlig verschwunden.

Dann das Ohr. Ich habe den heutigen Tag in Arztpraxen verbracht, weil ich seit Dienstagabend plötzlich eine ganz andere auditive Wahrnehmung erlebe. Rechts ist alles gut. Links kommen die Geräusche auch normal an, aber obendrauf höre ich leise die Geräusche deformiert und metallisch klingend, vor allem bei hohen Frequenzen. Und wenn es hoch und laut ist, wie beim Mädchen, das heute Morgen im Bus auf einmal laut kreischen musste, ist es schmerzhaft. Wenn ich rede, höre ich meine Stimme doppelt. Ich war eigentlich zuerst zur Arbeit gefahren, weil ich dachte, es würde sicherlich nach einigen Tagen wieder abklingen. Der Chef hat meine Geschichte gehört[2] und mich sofort ohne Ausrede zum Arzt geschickt. Meine Hausärztin hat mich zu einer HNO-Praxis überwiesen, wo ein harter Pfropfen festgestellt wurde. Nach dessen Beseitigung wurde ein Hörtest durchgeführt, und die Diagnose: Hörsturz bei hohen Frequenzen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich zu der Hörstörung keinen begleitenden Tinnitus oder Schwindel habe.

Was einen Hörsturz auslösen kann ist unklar. Häufig wird Stress als mögliche Ursache benannt. Stress habe ich, auf Arbeit. Aber ich kann mir andere Ursachen ausdenken. Zum Beispiel, dass ich am letzten Wochenende am Rechner vom Ehemann gespielt habe, der in Berlin war, und ich seine Kopfhörer benutzt habe, die enger als meine eingestellt sind und mir auf Dauer Schmerze verursacht haben. Seitdem spüre ich eine Störung im Ohr, und die Tondeformation hat sich erst drei Tage später bemerkbar gemacht. Oder die Tatsache, dass mir der Ehemann für Weihnachten eine Gitarre geschenkt hat, und ich seit vier Wochen fleißig lerne. Alleine, ohne Lehrer, denn ich mit Arbeits- und Pendlerpensum keine Zeit für einen regelmäßigen Unterricht hätte. Meine Haltung war am Anfang falsch und ich habe schnell Schmerze in der linken Schulter gespürt, die bis zum Hals und fast zum linken Ohr gestiegen sind. Jetzt geht’s besser. Oder ist es kein Zufall, dass ich Migränen vorwiegend links habe, und jetzt das linke Ohr einen Schaden hat? Behandlungsmöglichkeiten sind auch unklar. In vielen Fällen klingt ein Hörsturz von alleine wieder ab. Bei mir ist es seit Dienstag eher schlechter geworden, und der Arzt hat mir empfohlen, Cortison einzunehmen. Als Infusion. Keine Kassenleistung, die 80€ Medikation + 60€ Behandlung in der Praxis zahle ich aus eigener Tasche. Ich habe heute Nachmittag am Tropf gehangen, dann nochmal morgen und übermorgen. Ob es etwas bringt ist umstritten, es soll die natürliche Heilung unterstützen, sofern eine natürliche Heilung statt findet. Ich hoffe es sehr, weil es jetzt grauenhaft geworden ist, auf der Gitarre zu üben. Ich kann nicht mehr mit dem Ohr die Saiten relativ zu einander stimmen und muss das Stimmgerät benutzen, Akkorde klingen auf einmal ganz falsch. Es wäre echt blöd, in so kurzer Zeit das Lernen einstellen zu müssen. Kleiner Trost, Motörhead hören wird dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt sein.

K.O. will ich aber nicht sein. Der Ehemann braucht mich, momentan umso mehr, seitdem sein Vater Anfang Januar einen leichten Schlaganfall erlitten hat. Als er ins Krankenhaus gebracht wurde, konnte er sich nicht mehr richtig ausdrücken. Der Ehemann hat seitdem fast jedes Wochenende in Berlin verbracht und ihn im Krankenhaus besucht. Jetzt fühle ich mich auch noch schuldig, dass wir wegen meiner neuen Stelle von Berlin nach München umgezogen sind. Es wäre nicht so stressig, würden wir noch in Berlin wohnen. Der Schwiegervater ist letzte Woche vom Krankenhaus entlassen worden. Entscheidend war dabei, dass sie den Ehemann gefragt haben, ob Pflege und weitere Behandlung für den Schwiegervater organisiert wurden. „Nein“, hat der Ehemann geantwortet, „aber zur Not werden wir es machen (müssen).“ Und Schwupps wurde der Schwiegervater an dem Tag auch entlassen. Völlig unzulässig, wie der Arzt gestern dem Ehemann mitteilte, der wieder in Berlin ist und dank Vorsorgevollmacht bei Terminen anwesend sein darf und Entscheidungen treffen kann. Der Schwiegervater ist nicht mehr in der Lage alleine zu leben und muss in ein Pflegeheim. Eine leichte Demenz wurde ihm schon vor einigen Monaten diagnostiziert, und seitdem er am Ende vom extrem heißen Sommer kollabiert hatte, hat der Ehemann einen Pflegedienst für seinen Vater organisiert, der ihn in die Wohnung besuchen soll. Das hatte der Schwiegervater akzeptiert, als er im Krankenhaus war, um dann fürchterlich mit der armen Frau zu schimpfen und sie weg zu schicken, als er dachte, ihm ginge er besser und er bräuchte keine Hilfe. Am Wochenende selbes Spielchen. Dem Ehemann hat er alles zugestimmt, als er im Krankenhaus war, um dann am Montag zu Hause wieder dem Pflegedienst abzusagen. Daher ist der Ehemann wieder nach Berlin gefahren, und arbeitet von dort aus, wenn er Zeit dafür findet. Insofern ist es gut, dass der Arzt auch dem Schwiegervater sagt, es geht jetzt alleine nicht mehr weiter so. Die nächsten Wochen werden noch stressig.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

[2] Ich habe gestern von zu Hause aus gearbeitet, da ich am Vormittag die Kontrolluntersuchung für das Knie hatte.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Was ist los mit mir?

Ich habe es geschafft, mich auf der Arbeit beim Hochlaufen im Treppenhaus richtig hinzulegen. Sowas passiert mir eigentlich nie! Ich bin sonst immer so vorsichtig, wenn ich die Treppe benutze. Am Montag war ich ein bisschen schnell, bin gestolpert und voll mit den Knien gegen die Kante einer nächsten Stufe gelandet. Es hat sau weh getan. Dazu muss ich erklären, wie die Stufen in der Treppe aussehen:


Ich bin also mit voller Energie die Treppe hoch gegangen. Mein rechter Fuß ist ein bisschen zu sehr nach vorne gerutscht und in dem Raum unter der nächsten Stufe stecken geblieben. Durch das Momentum bin ich trotzdem weiter gestiegen und um den Fuß rotiert. Die Folge: Beide Knie haben die Kante einer höheren Stufe (aus Granit) erwischt. Ich habe mich dabei mit der rechten Hand am Handlauf fest gehalten, aber nicht stark genug, und mir den Mittelfinger leicht verdreht. Das linke Knie hat eine Schürfwunde bekommen, das ohnehin schon angeschlagene rechte Knie einen blauen Fleck.

Ich habe natürlich unsere Sicherheitsabteilung über den Unfall per Email informiert, wie unsere Vorschriften für Arbeitsunfälle lauten, und gefragt, ob ich einen Arzt besuchen sollte. Unsere Webseite war darüber nicht ganz klar. Eine Antwort habe ich bis jetzt nicht bekommen. Ich habe meine Wunden selbst mit unserem Erste-Hilfe-Kasten behandelt und weiter gearbeitet. Gestern habe ich den Betriebsarzt besucht. Er ist nicht jeden Tag bei uns, daher konnte ich ihn am Montag nicht sehen. Er hat mich untersucht und nichts gefunden, was eine spätere Komplikation verursachen könnte. Ich bin „sauber“ gefallen. Nebenbei hat er mir erklärt, dass ich eigentlich direkt nach dem Unfall einen Durchgangsarzt hätte besuchen sollen. Jetzt wäre es zu spät, weil die Ärzte mir unterstellen könnten, ich hätte den Unfall zu Hause und nicht bei der Arbeit gehabt. Das ist blöd, falls Komplikationen doch auftreten, weil dann meine Versicherung büßen müsste. Genau die Information hätte ich gerne von der Sicherheitsabteilung bekommen. Wenn sie auf meine Meldung reagiert hätte.

Und nicht genug: Heute Mittag wäre ich fast wieder beim Runtergehen in einer anderen Treppe gefallen. Ich war mit Kollegen zur Mittagspause unterwegs. Fast unten angekommen, habe ich plötzlich einen komischen Sprung gemacht und bin durch einen glücklichen Zufall gut auf eine untere Stufe gelandet. Ich glaube, ich spinne völlig. Keine Ahnung, warum ich da gesprungen bin. Vielleicht ein Zeichen von Erschöpfung.

Jetzt habe ich also eine neue Wunde auf die Knien. Ich dachte, die Zeiten wären vorbei. Als Kind bin ich häufig gestolpert. Ich habe so viel im Garten rum getobt. Ein Mal bin ich die ganze Einfahrt bis zum Tor gerannt, weil der Postbote gerade gekommen war. Beim Zurückrennen bin ich auf Steine so übel gestolpert, dass die Haut unter beiden Knien weg gerissen wurde. Kein schöner Anblick für meine Mami. Ein anderes Mal hatte ich Spaß damit, von der Terrasse aus in den Garten zu springen. Die Terrasse war nicht sehr hoch, aber schon beeindruckend, wenn man acht Jahre alt ist. Ich bin in den Garten gesprungen, zurück zur Terrasse gerannt, bis zur höchsten Stelle, nochmal gesprungen… Dabei mit Schwung, mit den Beinen hoch gezogen, dann während des Falles die Beine wieder gestreckt, um im Garten zu landen. Tja, bei einem Sprung lief es nicht so glatt. An dem Moment, wo ich mit den Füßen hätte landen sollen, erinnere ich mich an ein kurzzeitiges Erstaunen darüber, noch in der Luft zu sein, bevor ich gemerkt habe, dass meine Beine noch hoch gewinkelt waren. Ich habe versucht, sie schnell zurück zu strecken, aber ich war nicht schnell genug. Die Knie haben den Boden vom Garten hart getroffen. Jetzt, quasi zweiunddreißig Jahre später, sind die Narben immer noch da.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Im Labor

Meistens sitze ich den ganzen Tag in meinem Büro und programmiere. Ab und zu muss ich auch mal im Labor arbeiten.

Heute ging es darum, meine Proben für eine Messung zu vorbereiten. Ich habe sechs Stunden damit verbracht. Platten unter dem Mikroskop packen, Proben optisch auf Qualität prüfen und einzeln auf Probenträger montieren, im flüssigen Stickstoff einfrieren und bis zur Messung so kalt lagern… Sechzig Proben konnte ich vorbereiten. Zehn pro Stunde. Was mich am Anfang verlangsamt hat war, dass ich immer noch keine eigene Arbeitsmittel fürs Labor habe. Ich musste bei meinen Kollegen um Probenträger betteln. Bei vielen habe ich dann festgestellt, dass sie beim letzten Gebrauch nicht richtig gespült wurden, und ich musste sie noch mal reinigen.

Nach einiger Zeit fange ich an, nichts mehr durchs Mikroskop sehen zu können (nicht nur, weil ich manchmal mit dem Ärmel vom Kittel versehentlich den Hebel vom Polarisationsfilter drehe). Alles wird trüb. Am schlimmsten fand ich es heute, dass Glaskörpertrübungen in meinem rechten Auge erschienen sind, die sich immer genau da platziert haben, wo ich mir gerade eine Probe anschauen wollte, um sie zu montieren. Häufig konnte ich die Probe durch die Erscheinungen gar nicht mehr sehen und musste den Kopf heben und mir die Augen reiben.

Der Arbeitsplatz am Mikroskop ist mir recht unangenehm. Es gibt einen hohen Hocker mit Rollfüßen, der erst stabil wird, wenn man drauf sitzt. Meistens in einer Lage, die fürs Mikroskop nicht optimal ist. Beim Sitzen platziert sich mein Kittel auch irgendwie ständig gedreht unter mir. Ich versuche dann, mich auf dem Hocker leicht hüpfend näher ans Mikroskop zu bewegen, und gleichzeitig den Kittel zu ziehen, um bequemer arbeiten zu können. Bequem ist es aber nicht. Nach einer Weile stehe ich auf und schiebe den Hocker weg von mir, weil es sich doch effektiver stehend in leichter Kniebeuge arbeiten lässt.

Und dann fängt der Ischias an, sich zu beschweren. Heute hat ihm das Knie Gesellschaft geleistet. Die Rückfahrt nach Hause in der S-Bahn und zu Fuß war schmerzhaft, und selbst jetzt, kurz nach elf, spüre ich den Ischias beim Sitzen immer noch. Links im tiefen Rücken, seitlich vom Schenkel, links hinter dem Knie. Es pocht leicht. Von der Krankenkasse habe ich über den Antrag für Rehasport noch nichts gehört.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Jetzt weiß ich es wieder

Warum mein rechter Knie seit einer Woche so schmerzt. Es ist mir gestern wieder eingefallen, als wir bei seiner Familie zu Besuch waren und uns über Urlaub unterhalten haben.

Urlaub… Das nächste Mal in einem Monat. Wir wollen beim Rock-Festival zelten. Stimmt. Als wir am letzten Samstag zu mir mit Fahrrad unterwegs waren, haben wir an einigen Outdoor-Läden Pause gemacht. Zuletzt bei Globetrotter. Einige Zelten waren dort ausgestellt. Bei einem bin ich herein gekrabbelt, um mir eine bessere Idee davon zu machen. Eine Matte lag am Boden und sah kuschelig aus. War sie aber nicht. Als ich auf allen vieren mit dem Knie nach vorne rein kam, bin ich gegen den harten Boden voll geknallt. Die Matte hat nichts gedämpft, und der Boden muss, von der Matte versteckt, noch höher als draußen gelegen haben, weil es mich so überrascht hat. Es hätte mir fast Tränen gebracht, so weh es getan hat, aber ich wollte nicht so tollpatschig wirken und habe nichts gesagt.

Und dann habe ich es wieder vergessen. Am Samstagabend habe ich Schmerze gespürt und mich gewundert, warum auf einmal. Ich dachte, es müsste am Fahrrad liegen. Es würde bald vorbei gehen. Ich habe am Dienstag auf Sport verzichtet, als es am Anfang der Woche stärker wurde. Als wir am Mittwochabend ein japanisches Restaurant verließen und unter dem Regen uns beeilten, hat ein starker Schmerz meinen Knie von links nach rechts durchgestochen. Ich hatte den Eindruck, mein Knie würde meinen Gewicht nicht mehr tragen können. Martin hat mir zu Hause eine Kompresse für den Knie gegeben, und ich habe mich wieder gefragt, warum ich plötzlich vom Fahrrad fahren Schmerze bekomme. Bis mir gestern der Vorfall beim Zelt wieder einfiel. Irgendwie blöd.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Vom Wochenende

Das Wetter war toll, richtig sommerlich. Wir sind am Samstag mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Einmal quer durch Berlin, West-Ost, von seiner Wohnung bis zu meiner. Dreiundzwanzig Kilometer. Ich habe mich daran gewöhnt, mindestens einmal pro Woche die Strecke zu radeln. Am Samstag sind wir mit Pausen zwischendurch gefahren, da ich wieder mit meinen Perioden dran war. Es hilft leider nicht viel. Seitdem wir zusammen sind, nehme ich langsam aber sicher wieder zu. Schuld ist für mich sicherlich das Abendessen, das ich vorher immer vernachlässigt hatte. Außerdem habe ich am Samstagabend leichte Schmerze im rechten Knie gespürt. Ich sollte die Höhe vom Sattel prüfen.

Am Sonntag war Wahltag. Ich habe zuerst das Wahllokal in Köpenick für die Europawahl besucht. Es war in einem hohen Wohngebäude, mit unauffälligen A4-Blättern als Schilder. Ich bin drei Mal mit dem Rad vorbei gefahren, bevor ich es gefunden habe. Zwei Rentner, die direkt gegenüber wohnten, konnten mir nicht sagen, wo das Wahllokal war. Gehen sie denn nie wählen? Danach sind wir, wieder mit Fahrrad, zur französischen Botschaft gefahren. Meine Vertreter am Konsulat wurden ebenfalls an dem Tag gewählt. Vermutlich haben sie diesen Tag ausgewählt, weil sie dachten, die meisten Franzosen gehen eh schon für die Europawahl zum Konsulat, dann können sie gleich an eine zweite Wahl teilnehmen. Nun, ich bin lange genug in Deutschland, um mich eher für die deutsche Politik zu interessieren. Am Ende waren wir wieder in Charlottenburg. Nachdem er auch seine Stimme für die Europawahl abgegeben hat, haben wir ein Bier draußen getrunken.

Über das Ergebnis der Europawahl will ich nicht diskutieren. Es haben sich schon genug darüber geärgert. Meine Stimme zählt sowieso nicht zu den französischen Ergebnissen, da ich in Deutschland für eine deutsche Partei gewählt habe. So viel sei gesagt: Ich habe mir dadurch vorgenommen, die lang in Erwägung gezogene doppelte Bürgerschaft endlich zu beantragen. Nächste Woche gehe ich zum Rathaus. Formal erfülle ich die Bedingungen, und die Gebühren sind kein Hindernis. Ich hoffe sehr, dass es klappt, da ich schon so lange in Deutschland wohne und nicht vor habe, beruflich zurück nach Frankreich zu ziehen, wo ich eh nie gearbeitet habe. Ob ich wirklich die doppelte Bürgerschaft nehme oder sogar die Französische komplett aufgebe, bleibt dann zu sehen.

Mein IT-Kollege konnte sich am Montag Kommentare über die Wahlergebnisse nicht verkneifen. Besonders lustig fand er, dass in Frankreich „vor kurzem noch ein Feiertag als Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges und somit den Sieg über Nazismus statt fand“, und gleichzeitig ein Viertel der (wählenden) Bevölkerung für eine rechtsextremistische Partei gestimmt hat. Interessant fand ich das Ergebnis der Wahl der Vertreter im Konsulat, die nur von den im Ausland lebenden Franzosen gewählt wurden. Dort hat die Partei von Le Pen gerade 4% erreicht. Mein IT-Kollege meinte, es wäre klar, da „nur Leute mit einer Arbeit in Deutschland leben würden und diese keine Existenzangst hätten“. Meine Erklärung ist eher, dass man sich als Ausländer nicht selbst in den Knie schießt.

Apropos, mein Knie schmerzt immer noch, und viel mehr als am Wochenende. Ich konnte gestern bei der Arbeit die Treppe nur schwer hoch oder runter gehen, und bin mit dem Bus nach Hause gefahren. Bei fast jedem Schritt spüre ich, wie er leise knackt. Er zeigt auch eine leichte Schwellung an der Seite. Ich habe gestern den ganzen Abend Eis drauf gelegt, ohne nennenswerte Besserung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.