Jahresrückblick 2018

Stöckchen gefangen! Ich dachte, auf dem Weg zurück nach München hätte ich ganz viel Zeit, um zum schreiben. Das WLAN im Zug hat beim Start in Frankfurt funktioniert, fünf Minuten später war es aus. Das Netzwerk war nicht mal sichtbar. Dass alles reibungslos wie am letzten Samstag klappt, ist bei der Deutschen Bahn wohl eher die Ausnahme. Wobei es auch an der Deutschen Telekom liegen könnte.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war 2018?
7. Der neue Job ist spannend, die Mietwohnung wunderschön und ein Schnäppchen, für die Gegend, und wir haben tolle Ausflüge gemacht. Punktabzüge gibt es für das Pendeln zwischen Berlin und München im ersten halben Jahr, die quasi leere und somit ungemütliche Wohnung in diesem Zeitraum, den miserablen ÖPNV-Zustand bei der MVG und die grundlose Entlassung vom Ehemann in der Probezeit.

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Ich habe mich lange nicht mehr gewogen, aber ich fühle mich wieder um die 70 Kilogramme. Dabei war ich Ende Juni super schlank geworden. Ich hatte dreimal die Woche das Fitnessstudio besucht, war mit einer Kollegin regelmäßig in der Mittagspause joggen gegangen… Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir gezogen ist, nehme ich wieder zu. Das Fitnessstudio in Laim ist mir zu weit weg, ich verbringe lieber die Zeit mit dem Ehemann.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Ich war letzte Woche beim Friseur.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Das hat sich nicht geändert.

Mehr Geld oder weniger?
Weniger. Das Pendeln mit der Deutschen Bahn war nicht billig, vor allem, wenn man lieber erste Klasse fährt. Die Mieten bei München sind viel teurer. Ich habe im ersten halben Jahr zusätzlich zu meinem Anteil für die Wohnung in Berlin die neue Miete selber vollständig bezahlt, sowie die Kaution. Der Umzug von Berlin nach München war schmerzhaft, und die Firma hat mir keinen Cent für die Umzugskosten bezahlt. Nicht mal einen freien Tag habe ich dafür bekommen. Von meinen Ersparnissen war im Sommer fast nichts mehr übrig. Dank des üppigeren Gehalts als in Berlin erholt sich mein Konto zum Glück schnell, und ich habe jetzt schon genug gesammelt, um bei Bedarf die Hälfte eines neuen Autos sofort zur Verfügung stellen zu können. Das haben wir noch vor. Ein Trost ist, dass wir bei der nächsten Steuererklärung einiges an Geld zurück bekommen werden.

Besseren Job oder schlechteren?
Definitiv besser. Nicht nur des Gehalts wegen. Ich bin endlich unbefristet eingestellt. Die Kollegen sind lieb. Der neue Job ist abwechslungsreich, interessant, und vor allem: Ich habe keine Rufbereitschaft mehr! Was für ein herrliches Gefühl! Und endlich bin ich raus aus der akademischen Welt.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Da fällt mir nichts ein. Glücksspiele spiele ich nicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Im ersten halben Jahr mehr. Im zweiten weniger.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Ich war kein einziges Mal krank geschrieben. Einmal habe ich die Arbeit wegen Migräne früher verlassen müssen. Das war’s. Das eine oder andere Problemchen gab’s meistens am Wochenende.

Der hirnrissigste Plan?
Jahresplaner für die Nichten vom Ehemann für Weihnachten selber basteln zu wollen. Ich habe seit November kaum etwas anderes machen können. Ein bisschen wie damals, als ich mein Hochzeitskleid selber genäht hatte.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wohl diese eine Rückfahrt nach Hause.

Die teuerste Anschaffung?
Eine Mandoline von De Buyer, zum Geburtstag. Ziemlich die teuerste, die es zur Auswahl gab. Ich habe sie bei Gourmenage bestellt, einem Kochustensilienladen in München. Weil ich seit Jahren kein Amazon-Konto mehr habe. Es hat doch was, sich auf den Anruf vom Verkäufer zu freuen, der endlich ankündigt, dass die bestellte Ware abholbar ist. Notiz zu selbst: Ich brauche jetzt Sicherheitshandschuhe, um das Ding zu benutzen. Die Klinge klemmt gerne beim Rausziehen, und die tiefe Schnittwunde am rechten Ringfinger brauchte über zehn Tage lang ein Pflaster. Der selbst komponierte Feldsalat mit hauchdünnem schwarzen Rettich und Walnüssen war es aber wert.

Das leckerste Essen?
Bei Bamyan Narges, ein afghanisches Restaurant im Glockenbachviertel. Aus der Pendelzeit, als wir noch keine Küche hatten.

Das beste Buch?
The Buried Giant, von Kazuo Ishiguro.

Der beste Film?
Im Kino war ich dieses Jahr sehr wenig. Der letzte Film, den ich mit dem Ehemann im hiesigen Kino gesehen habe, war Aufbruch zum Mond, gleich am ersten Tag, als er gezeigt wurde. Der Saal war fast leer. Loving Vincent hat mir dieses Jahr am besten gefallen.

Die beste CD?
Ich habe schon lange keine neue CD mehr gekauft. Ace of Spades von Motörhead habe ich u. a. immer wieder gerne im Büro gehört, um den Lärm von Ute zu übertönen und „in Ruhe“ programmieren zu können.

Das schönste Konzert?
Wir haben nicht so viele Konzerte besucht. Nightwish war ok. Nicht wirklich meine Lieblingsband. Also, wenn ich ehrlich bin, gehen sie mir eher auf den Kecks. Ich habe den Ehemann begleitet. Das schlechteste Konzert habe ich aber sehr wohl in Erinnerung, und zwar, als wir La Traviata in der Bayerischen Staatsoper gesehen haben. Ich war bis dahin noch nie sauer aus einem Konzert raus gekommen. Wir hatten nicht mal die billigsten Karten gekauft, saßen aber links, und scheinbar hatte der Regisseur einen Groll gegen Leute die links sitzen. Anders kann ich nicht erklären, warum deutlich über die Hälfte der Szenen unten auf der Bühne ganz ganz links statt gefunden hat und wir gar nichts sehen konnten. Die Krönung war während der Sterbeszene von Violetta, als plötzlich ein starker Lichtprojektor direkt in unsere Richtung gestrahlt hat, uns die Stimmung völlig verdorben hat und wir nur noch die Wahl zwischen verblendet mit gekneiften Augen den Rest zu gucken oder den Kopf zum Rest des Publikums nach rechts zu drehen hatten — über zehn Minuten lang. Unsere ganze Reihe hat zum Schluss kaum Applaus gegeben und den Saal verlassen, während die Darsteller noch auf der Bühne standen. Ich war wohl nicht die Einzige, die stinksauer war.

Das beste Theaterstück?
Trifft nicht zu.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann. Ich meine, außerhalb der Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann.

2018 zum ersten Mal getan?
Eine mehrtägige Wanderung mit Rucksack.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Auf dem Wacom-Tablett gemalt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Scheinbar, die selbst gemachten Jahresplaner!

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Wochenende in Lindau.

Dein Wort des Jahres?
Teuer! Das kommt davon, wenn man von Berlin nach München umzieht.

Dein Unwort des Jahres?
Darüber habe ich nicht nachgedacht.

Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Es gab keins.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen

Samstag

Wir waren gestern Abend im Kino. Steve Jobs haben wir gesehen. Es hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je bei einem Film so schnell das Verlangen danach hatte, den Raum wieder zu verlassen. Doch. The Social Network hat es geschafft. In fünf Minuten hatte man gesehen, wie Mark Zuckerberg von seiner Freundin verlassen wird und anfängt, irgendeine Webseite zu bauen, um ihr Image zu schädigen. Es ging viel zu schnell, die Dialogen waren kaum zu verstehen, der Typ wirkte unsympathisch, und es hat mir gleich gereicht. Es kann auch an die Übersetzung ins Deutsche gelegen haben. Damals waren wir aber im Wohnzimmer. Ich habe beschlossen, dass ich mich besser beschäftigen könnte und bin zu meinem Arbeitszimmer gegangen. Gestern ging’s mir ähnlich. Da Martin mich eingeladen hatte, bin ich eingepennt, während er den Rest des Filmes geschaut hat.

Auf dem Weg nach Hause habe ich dann im Bus die Nachrichten auf dem Handy gesehen, und konnte es nicht fassen. Wir haben im Wohnzimmer eine gute Stunde lang die Nachrichten im Fernseher geschaut, bevor wir ins Bett gegangen sind. Einschlafen war verdammt schwer. Sex kam irgendwie auch nicht in Frage. Ich war zu schockiert. Ich habe es nicht mal geschafft, meine Gefühle und Gedanke richtig darzustellen. Es muss total verwirrt gewirkt haben. Martin ist vor mir eingeschlafen.

Heute morgen bin ich kurz nach acht aufgewacht und konnte nur an die gestrigen Ereignisse denken. Die neuen Opferzahlen waren noch schlimmer. Ablenkung war nötig. Martin hat bis zehn geschlafen. Als er dann unter der Dusche war, hat es bei uns geklingelt. Ein Lieferant von Hermes, der mir eine Packung gebracht hat. Das Geburtstagsgeschenk für Martin. Es ist ziemlich früh im Voraus, aber ich wusste nicht, wie lange die Bestellung dauern könnte. Ich bin gespannt, ob es ihm gefällt. Sehr wahrscheinlich schon. Wir sind danach einkaufen gegangen. Beim KaDeWe Kaffee geholt und dort mittags eine tolle Bouillabaisse gegessen. Die Zeit ging schnell vorbei, um vier waren wir erst wieder zu Hause. Ich habe uns ein tian de courgettes zum Abendessen vorbereitet. Es hat mich gefreut, wie sehr es ihm geschmeckt hat. Es wird trotzdem noch für morgen reichen. So war’s auch geplant. Das Rezept kommt in Kürze.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Festival – Tag 4

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Letzter Tag auf dem Camping. Er hat relativ trocken angefangen, wie die Wettervorschau-App angekündigt hatte. Lediglich einige weiße Wölkchen hingen im Himmel. Meine Schuhen sind noch ein bisschen feucht vom gestrigen Regen gewesen. Wir haben mit Küchenpapier Kondensationsreste auf der inneren Stoffwand entfernt und das Zelt zusammen gefaltet. Es hat eine Stunde gedauert. Die Rucksäcke wurden wieder gepackt. Gefrühstückt haben wir im Bus nach Leuven. Kleiner Spaziergang unter leichtem Regen. Mittags haben wir in einem der Cafés am Bahnhof gegessen.

Um 14:00 sind wir zur Ferienwohnung mit Bus gefahren. Sie sollte erst ab 16:00 frei werden, aber die vorherigen Mieter waren schon weg. Wir hatten uns die Wohnung noch gar nicht angeschaut, gestern waren wir nur beim Verwalter gewesen. Sie ist wirklich klein. Direkt nach der Eingangstür rechts vom Flur ist das Badezimmer. Am Ende des Flures befindet sich das Wohnzimmer, mit Fenster zur Straße. Die Straße ist nah an einer Hauptstraße, wird aber kaum befahren. Es ist sehr ruhig. Es fühlt sich wie Luxus an, nach vier Nächten im Camping. Eine Kitchenette ist im Wohnzimmer an der Wand zum Badezimmer eingebaut. Die Möbel im Wohnzimmer wirken nicht stabil. Ein leerer hoher Regal steht neben der rechten Wand, in dem ich mich nicht trauen würde, etwas rein zu stellen. Er sieht aus, als ob er gleich zerbrechen könnte. Am Anfang des Wohnzimmers führt eine Holzleiter zum Mezzanin, wo das Schlafzimmer eingerichtet ist. Da oben kann man sich nur gebeugt fortbewegen. Wir haben unser Gepäck auf der Couch im Wohnzimmer gelassen. In der Wohnung bleiben konnten wir nicht, da sie noch geputzt werden sollte. Um die Zeit tot zu schlagen, haben wir wieder im Domus am Rathaus gesessen. Kaffee getrunken. Emails gelesen. Es regnete leicht.

Gegen halb fünf haben wir beschlossen, trotz andauerndes Regens zum Festival zu fahren. Mit „wir“ meine ich vor allem Martin. Ich war nicht begeistert. Gähnende Reisenden im Bus. Die Fenster waren wieder mit Feuchtigkeit beschlagen. Der Bus war so gebaut, dass kein Fenster geöffnet werden konnte, und ohne Klimaanlage. Ich war froh, wieder auszusteigen. Auf dem Weg zum Festivaleingang, rückwärts durch die Menschenmenge gehend, bat ein deprimiert aussehender junger Mann nach Kuscheln mit Hilfe eines selbst beschrifteten weißen Plakates („bless me with a hug„), wie man in den letzten Tagen im Publikum viel sehen konnte. Mangel an Selbstbewusstsein. So gut wie er aussieht, braunhäutig, schlank, vermutlich aus einem für mich undefinierten Südland, sollte er doch kein Problem haben, eine willige Frau zu finden. Aber nicht, wenn er sich derart wie ein geschlagener Hund verhält.

Auf dem Festivalgelände angekommen, stellen wir fest, dass die Wolken noch dichter und dunkler geworden sind. Es fängt an, richtig stark zu gießen. Die Bäume bieten keinen Schutz mehr an. Innerhalb einer Stunde bei diesem Mistwetter werde ich so naß, dass sich selbst in meinen Schuhen eine Pfütze gebildet hat. So schlimm war es in den letzten Tagen noch nicht. Mir ist kalt, meine Hose durchnäßt. Meine Stimmung ist extrem mies. Ich weiß nicht, warum wir heute überhaupt zum Festival kommen wollten. Keiner der angekündigten Konzerten spricht mich an. Den Abschluß mit Stromae fand ich eh vom Anfang an komisch. Was hat er in einem Rockfestival zu suchen? So spät ist es sowieso noch nicht. Schnauze voll vom Wetter, entscheiden wir endlich, nach Leuven zurück zu fahren. Wieder ein lange Strecke, um zur Bushaltestelle zu kommen. Zum letzten Mal. Ich versuche, nicht in die breiten Pfützen oder auf den zerdrückten Essensreste zu treten. Auf dem Weg hält uns eine junge Frau an, die versuchen will, sich Eingang ins Festival zu schaffen. Sie will unsere Armbänder mit den elektronischen Schlüsseln haben. Kommt nicht in Frage. Zum Glück bekommen wir noch rechtzeitig einen Bus, der gerade weg fährt. Ich ziehe meine Schuhe aus und versuche, meine Füße zu erwärmen. Meine schlechte Laune hält an. In Leuven angekommen, muss ich die Schuhe wieder anziehen. Igitt, so kalt und naß.

Werchter-Tag4

Wir beschließen, im Kinepolis Maleficent zu schauen. Da es noch zu früh dafür ist, trinken wir ein Bier in einer kleinen Kneipe hinter dem Kino, die für mich eher wie eine echte Kneipe aussieht, ähnlicher zu den vertrauten PMU-Bars aus Frankreich. Martin meint, es sieht ungemütlich aus, aber wir setzen uns hin. Jetzt entscheide ich. Es sind ganz wenige Leute da, die alle an der Theke auf den hohen Hockern sitzen. Anscheinend alle Stammkunden. Sie unterhalten sich auf Flämisch, keine Ahnung, worüber. Ich vermute, über Politik und die Welt, wie man es aus den Thekendiskussionen kennt. Ab und zu gerne ein bisschen lauter. Diese Stimmung gefällt mir, ich nehme die Geräusche mit meiner Kamera auf. Zwei älteren Nordafrikaner (vermute ich) kommen rein. Sie wirken lustig. Einer gibt mir ein Zeichen, ich soll so tun, als ob ich ihn nicht gemerkt hätte. Er winkt mir zu, geht übertrieben langsam mit hohen Schritten auf die Spitzen, mit Finger auf den Lippen, bis er zum Spiel in der Mitte der Raumes kommt (eine Art Kegelspiel mit Goals auf beiden Seiten des Tisches) und plötzlich laut gegen den Holz klopft. Der Wirt lacht. Beide Männer gehen trotz Regen wieder raus und setzen sich an einem Tisch der Terrasse, um ihr Kaffee zu trinken. Martin ist die ganze Zeit mit seinem Handy beschäftigt. Emails gelesen. Jetzt prüft er das Wetter für morgen in Südspanien: Sonne, 36°C. Ich kann kaum warten.

Als wir das Kino verlassen, sind alle Wolken weg. Freier Himmel. Verflucht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Festival – Tag 3

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Wir sind heute Morgen wieder nach Leuven gefahren, um das Schwimmbad zu besuchen. Alle zwei Tage reicht. Ich hatte vorher nicht geahnt, dass ich am Festival so wenig Bier trinken und so viel Sport treiben würde. Das nur, weil die sanitären Einrichtungen mit ihrer spärlichen Hygiene alles andere als einladend wirken. Vor elf Jahren, als ich mit meinem ehemaligen Kollegen Pascal hierher gefahren war (er aus Frankreich, ich aus Deutschland), hatten wir zwei Zimmer in einem Hotel in Leuven gebucht, und wir waren sowieso nur für einen Tag gekommen. Diesen Aspekt von Musikfestivals hatte ich gar nicht mitbekommen.

Da das Wetter weiterhin nicht so toll war, haben wir beschlossen, am frühen Nachmittag ins Kinepolis zu gehen und Transcendence zu schauen. Mir hat der Film nicht gefallen. Wie immer, wenn es in einem Film um Wissenschaft geht, und den Schauspielern Unsinn in den Mund geschoben wird. Es ärgert mich, und ich habe keine Lust, mir den Rest anzuschauen. So ging’s mir schon, als ich mit Kommilitonen während meines Physikstudiums Jurassic Park 2 im Kino gesehen hatte (den ersten Teil hatte ich wegen der spannenden Vorschau mit meinem damaligen Freund geschaut). Quantenmechanische Beobachtungseffekte im Zusammenhang mit sehr makroskopischen Dinosauriern bringen, geht’s noch? Ich wollte damals nach zehn Minuten wieder raus. Die anderen Folgen habe ich nicht mehr wahrgenommen. Ich bin heute in Transcendence geblieben, da sonst die alternative war, irgendeine Kneipe in Leuven zu besuchen und zu warten, bis das Wetter besser wird.

Das Wetter wurde nach dem Film nicht besser. Martin hat sich Sorgen gemacht, weil morgen der letzte Festivaltag ist und wir am Montag ganz früh das Zelt packen müssen, bevor wir zum Flughafen fahren. Was ist, wenn wir es gar nicht trocken bekommen? Wir haben beschlossen, für die letzte Nacht ein Zimmer zu suchen, um im Notfall drin das Zelt zum trocknen zu legen. Er hat auf seinem Handy nach Hotels gesucht und ein Doppelzimmer für 75€ mit Frühstück gefunden. Das einzige, was ginge, seiner Meinung nach. Zu teuer, habe ich ihm gesagt. Wir sind immer noch pleite. Ok, nicht ganz, Ersparnisse haben wir, aber wir werden pleite, wenn wir weiterhin zu viel ausgeben. Nach einer zweiten Suche hat er eine kleine Einzimmer-Mietwohnung für 50€ gefunden. Geht doch. Wir sind zum Verwalter der Ferienwohnungen gegangen, nicht weit vom Schwimmbad, und haben für morgen eine Wohnung reserviert bekommen.

Wir sind zum Camping zurück gefahren. Im Zelt ist uns ein weitaus besserer Zeitvertreib eingefallen. Wunderbar. Wie fast immer. Ich bin überrascht, wie einfach ich mit ihm zu Orgasmen komme. Ich hatte immer gedacht, ich hätte schon Spaß beim Sex gehabt, aber ich merke jetzt mit Martin, dass es noch viel befriedigender gehen kann. Diese starken Kontraktionen sind mir neu. Es liegt bestimmt daran, dass er mit mir sehr aufmerksam ist. Oder es stimmt, dass die Orgasmusfähigkeit von Frauen mit dem Alter steigt. Wahrscheinlich beide. Nach seinem Höhepunkt hat er gelacht. Das macht er häufig.

Nach einem Schläfchen sind wir zum Festivalgelände gegangen. Diesmal hatte ich eine Hose an, da es mir gestern trotz Regenjacke mit dem Rock zu kalt wurde. Wir sind zu einer Nebenbühne gegangen, die in einem Zelt war. Sie war schon voll, es regnete wieder. Von dem Konzert im Zelt hat man kaum etwas gehört, da die Musik von der Hauptbühne bis hier kam. Der Regen wurde stärker als gestern. Sitzen konnte man vergessen, der Boden war so naß und bedeckt mit zermatschten Pommes und Hähnchenknochen, sowie platt gedrückten Bierbechern und Papptellern mit Sauce. Ich weiß nicht, wie die anderen es durchhalten konnten, selbst mit einer Kunststoffmatte hätte ich da nicht sitzen wollen. Eine Frau ging mit einem Plakat in der Hand, auf dem sie für „steamy sex“ in ihrem Zelt mit Angabe ihrer Handynummer warb.

Werchter-Tag3

Wir sind zurück zur Hauptbühne gegangen und haben uns unter den Palmen einen halbwegs trockenen Platz ausgesucht. Ich wollte mir Pearl Jam anschauen. Da sie aber nach einer knappen halben Stunde nach Planangabe noch nicht erschienen waren und es immer noch regnete, habe ich Martin da gelassen, der mehr Resistenz gegen schlechtes Wetter hat, und bin zum Zelt zurück gegangen. Auf dem Weg dahin, als ich hörte, wie Pearl Jam endlich auf die Bühne kam, habe ich von weitem ein Fußballspiel auf den Leinwänden vom Camping gesehen. Es gab viel mehr Publikum als gestern für Frankreich-Deutschland. Klar, wir sind in Belgien, und es dürfte auch viele Holländer hier geben. Ich war schon am Einschlafen, als Martin zum Zelt gekommen ist. Wiedereinschlafen war trotz Ohrstöpsel schwierig. Die Holländer haben ihr Spiel gewonnen, sie haben die ganze Nacht durch das Camping-Gelände rumgebrüllt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Im Kino

Ich war mit meiner Mami in der Stadt. Wir haben beschlossen, ins Kino zu gehen. Unsere Reihe war nicht groß, gerade fünf Sessel breit. Meine Mami saß am linken Rand, ich habe den Platz rechts von ihr genommen. Die Sessel sahen genau wie im IMAX aus. Überraschenderweise ist Martin zu uns gekommen. Wir hatten uns nicht verabredet. Er hat seinen Rucksack auf dem Sessel ganz rechts gestellt und wollte sich in der hinteren Reihe hinsetzen. Ich habe ihm gesagt, er soll doch direkt neben mir sitzen, und habe den Sessel neben mir mit der Hand geklopft. Das hat er gemacht. Er meinte, er wollte sich doch an die Regel vom minimalen Abstand von zwei Sesseln zwischen Unbekannten behalten. Wir sind doch keine Unbekannte[1].

Als der Film zu Ende ging, sind wir an einem anderen Kino vorbei gegangen. Es war nachts. Die Fassade des Gebäudes hatte die Punktsymmetrie m. Genauer gesagt sah es aus, als ob es zwei Gebäude wären, die Spiegelsymmetrisch zu einander wären und aneinander gelehnt wären. Ganz oben war das Gebäude mit starken weißen Lampen beleuchtet. Daniel und seine Frau Céline wollten doch an dem Abend zu diesem Kino gehen. Ihr Film war noch nicht zu Ende. Ich habe die breiten Fenster auf der letzten Etage geschaut. Man sah die großen schwarzen Sessel vom Kino. Sie waren alle weit von einander getrennt[2].

Szenenwechsel. Wir waren vor einem einsamen Haus. Es war wieder nachts. Mein Freund[3] hatte sich hereingeschlichen und wurde von der Wache gejagt. Er hatte sich ganz schlimm am Knie verletzt und konnte nicht mehr richtig laufen. Trotzdem schaffte er es einmal, eine spektakuläre Kaskade als Ausweichmanöver zu machen. Teilweise war ich es selber, die am Laufen war, und nicht mein Freund. Jedesmal, wenn ich das linke Bein benutzte, lösten sich aus dem Knie furchtbare Schmerze aus. Gerade als er dachte, er hätte sich endlich in Sicherheit versteckt, kam ihm ein Panzer entgegen. Er ist ihm über das verletzte Bein gefahren. Mein Freund hat geschrien[4].

Somit war er aus. Ich war alleine, um ins Haus einzudringen. Ich wurde noch nicht entdeckt. Aber Pech, eine Frau hat mich sofort beim reingehen erwischt. Ich habe mich hinter dem Sofa neben der Tür versteckt. Sie stand weiter weg und hatte eine große Schüssel mit Kartoffelpüree vor sich auf dem Tisch. Sie hat drin mit beiden Händen gegriffen und Püreebälle in meine Richtung geworfen. Sie wollte meine Haare damit zusammen kleben, um meine Flucht zu verhindern. Die Bälle sind alle daneben oberhalb von meinem Kopf gelandet. Vom Winkel her konnte es gar nicht klappen, ich war zu dicht am Sofa. Ich habe sie dazu aufgemuntert, weiter zu machen, damit sie ihre Schüssel leer bekommt und keine Munitionen mehr hat. Sie hat meine Absicht durchschaut und sich auf dem Weg zum Sofa gemacht. Ich bin aufgestanden. Es war dunkel, ich konnte nicht viel sehen, außer einer rauen Gestalt ohne erkennbare Form. Es konnte doch keine Frau sein. Ein Geist vielleicht? Ich habe den Schalter betätigt, aber kein Licht kam.

In dem Moment bin ich aufgewacht. Sieben Uhr morgens. Meine Nachbarn oben hatten offenbar gebadet, ich hörte gerade, wie das Wasser entsorgt wurde.

[1] Und was ist das denn für eine Regel?

[2] Sie waren auch alle leer, aber im Traum war das mir nicht aufgefallen.

[3] Wer auch immer das war, er trug einen Bart, der etwa ein Zentimeter lang war.

[4] Diese neue Rechtschreibung ergibt für mich keinen Sinn. Die alte kam mir doch viel logischer vor. Und ich habe Deutsch erst nach der Reform gelernt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Freitagabend

Letztes Wochenende kam es im Gespräch. Martin hatte erwähnt, dass er sehr gerne den zweiten Teil vom Hobbit sehen würde. Den ersten Teil hatte ich mit Freunden letztes Jahr gesehen. Das Buch habe ich sonst zwei-drei Male gelesen. Ich habe gegoogelt und festgestellt, dass der Film diese Woche raus kommen sollte. Wir haben uns für eine 3D OV Darstellung gestern Abend entschieden. Ziemlich spät, weil er vorher noch einen Sport-Termin hatte.

Ich hatte gestern bei der Arbeit den ganzen Tag vor allem Frust empfunden. Fehlermeldungen beim Testen der Installation meines Programms, Probleme, bei denen ich am Anfang gar nicht wusste, wie ich vorgehen sollte (fehlende Bibliothekteilen wie libgomp.so.1, weil ich ein 32-Programm auf einer 64-Maschine laufen lassen wollte). Als mein IT-Kollege nach seinem Treffen mit seiner vielleicht-Geliebte zurück ins Büro kam, bemerkte er, ich würde ihn so entsetzt schauen. Ich habe ihm erklärt, es läge nicht an ihm.

Martin ist kurz nach 16:00 zu mir ins Büro hoch gekommen. Eine Seltenheit. Das letzte Mal, dass er bei mir war, liegt schon ein paar Wochen zurück. Ich bin viel häufiger bei ihm zu Besuch, da unsere Kaffeemaschine bei meinen anderen Kollegen zwei Etagen tiefer steht. Er wollte sich verabschieden, weil er sich auf dem Weg zum Schwimmbad machen wollte. Wann könnten wir uns später treffen? Mir wurde plötzlich warm. Mein IT-Kollege sitzt gegenüber von mir, und ich weiß, wie er mich manchmal amüsiert schief guckt, wenn ich mit Martin bin. Ich habe ihm gesagt, er sollte mich einfach nach dem Sport anrufen. Der Film war sowieso erst um 23:00.

Der Arbeitstag endete erfolgreich, da ich es endlich geschafft habe, mein Programm auf Scientific Linux fehlerfrei zum Laufen zu bringen. Ich bin um halb sechs deutlich entspannter in den Feierabend gegangen. Jetzt muss ich mich um Ubuntu kümmern. Ich denke, es wird schneller gehen, da ich viele unsaubere Teile von meinem Vorgänger systemunabhängig umschreiben musste. Maverick wird nach dem Urlaub in Angriff genommen. Hoffentlich gibt es bis dahin eine neuere Qt4.8.6 Version. Sonst probiere ich Qt5.2, das Release mit „many fixes to improve support for OS X Maverick“ ist diese Woche raus gekommen. Uschi meinte gestern, ich sollte zusätzlich Suse testen. Jedesmal heißt es für mich, auf einer neuen Partition meines alten langsamen Testrechners selbst das OS installieren, dann die fehlenden Komponenten wie z.B. ssh oder PyQt installieren, und rätseln über neue Fehlermeldungen… So eine Aufgabe hatte ich mir damals nicht vorgestellt, als meine Haupttätigkeit beschrieben wurde. Aber ich muss es positiv sehen, ich lerne etwas Neues, beim nächsten Mal wird es besser klappen.

Ich war so erleichtert, meine Tests auf Scientific Linux abgeschlossen zu haben, dass ich gar nicht nach Hause gefahren bin. Ich habe beschlossen, direkt in die Stadt zu fahren und ein bisschen Shopping zu machen, bis Martin mich anruft. Ein Glühwein musste auch her, um mich für die gute Leistung zu belohnen. Ich bin mit der S-Bahn gefahren. Ich wollte am Ostkreuz umsteigen, um weiter in Richtung Alexanderplatz zu fahren. Das ist mir nicht gelungen. Kurz vor Ostkreuz habe ich mir noch gesagt, dass ich gleich aufstehen müsste. Etwas hat mich dann an Martin erinnert, ich habe kurz an ihn gedacht, und plötzlich hieß es, die nächste Haltestelle wäre Frankfurter Allee. Ich bin dort ausgestiegen. Ich wollte mit U-Bahn weiter fahren, und habe gemerkt, dass es auch hier ein Einkaufszentrum gibt. Ich habe Leckerlies für meine Katze gekauft und bin durch die Läden gegangen. Als ich die vier oder fünf Etagen durch hatte, bin ich zur U-Bahn-Station gegangen.

Dort habe ich Axel kennen gelernt. Er stand am Gleis vor dem Automat. Als ich an ihm vorbei gegangen bin, hat er mich um Hilfe gefragt. Da ich ein Abo habe, wusste ich schon nicht mehr, welche Fahrkarte er kaufen sollte. In dem Moment kam schon die U-Bahn. Mir fiel ein, dass es schon spät genug war, und ich habe ihm angeboten, mit mir auf meiner Karte zu fahren. Wir wollten beide zum Alexanderplatz; er war dort mit Kumpeln verabredet. Wir haben uns während der ganzen Fahrt unterhalten. Keine Telefonnummer getauscht, er ist deutlich älter und vergeben, aber es war ganz nett, mit ihm zu plaudern. Ich sollte häufiger um die Uhrzeit mit der BVG fahren.

Am Alexanderplatz bin ich durch den Weihnachtsmarkt gegangen. Der Grünkohl mit Mettwurst schmeckt nicht so lecker wie auf dem Aachener Weihnachtsmarkt. Der Glühwein hat mir gut getan. Ich bin noch durch das Kaufhaus ziellos spazieren gegangen. Gerne hätte ich mir ein schönes reizendes Nachtkleid gekauft. Ich wünsche mir seit längerer Zeit ein eng geschnittenes rotes Kleid mit schwarzem Rand. Ich fand das Angebot gestern nicht so interessant. Ich hatte mal etwas schönes bei C&A gesehen, obwohl pink, aber das synthetische Material wollte ich nicht haben. Gegen neun bin ich wieder raus gegangen. Eine Nachricht von Martin war auf dem Anrufbeantworter. Ich hatte wohl keinen ausreichenden Empfang im Kaufhaus. Ich habe ihn zurück gerufen und wir haben uns am Potsdamer Platz verabredet.

Ich war noch nie im IMAX gewesen. Der Platz davor war beeindruckend. Es gab eine beleuchtete Skulptur von Smaug, die ich mir angeschaut habe. Martin ist kurz nach mir angekommen. Es war noch früh, wir haben im Lokal nebenan ein Bier getrunken. Obwohl so viele Leute da waren, gingen die Bestellungen sehr schnell. Im Kino selbst fand ich es sehr gemütlich. Der Sound war zu laut, der Boden hat teilweise vibriert, aber die Sessel waren ungewöhnlich breit und bequem. Ich hatte im Laufe des Abends starke Ischiasschmerze beim Shoppen bekommen; sie sind nach dem Film wieder verschwunden. Der Film war unterhaltsam genug, dass ich kaum gemerkt habe, dass er über Zweieinhalbstunden dauert.

Danach haben wir auf seinen Vorschlag hin ein Bier in der Nähe getrunken. Wir haben über den Film diskutiert. Einige Erfindungen gab es, die dem Buch nicht treu waren, wie häufig. Es hat ihn gestört, dass eine Liebesgeschichte eingebaut werden musste. Ich weiß nicht, wie ich das verstehen soll. Als wir beim Weihnachtsmarkt vor zehn Tagen waren, hatte er schon etwas merkwürdiges in der Richtung erzählt. Da lief gerade die deutsche Version von Ti amo, und er musste sagen, dass er solche Lieder immer gehasst hätte. Was für ein Gesülze, seiner Meinung nach. Das habe ich schon von Männern gehört, die allerdings damals noch in der Pubertät waren. Ich frage mich manchmal, ob er überhaupt jemals eine Freundin hatte. Wir sind bis halb drei in der Kneipe geblieben. Ich hatte die leise Hoffnung, dass er mir anbieten würde, bei ihm zu übernachten, aber das wollte er anscheinend nicht. Er wirkte wieder sehr distanziert. Deutsche Männer zicken wirklich total. Obwohl er sich freundlich verhalten hat, habe ich gemerkt, dass er kühler geworden ist. Ganz anders als letztes Wochenende. Da weiß er nicht, was er verpasst. Ich frage mich, ob es nicht mit meinem Zyklus zu tun haben könnte. Er scheint immer vor allem von mir angezogen zu sein, wenn ich nahe am Eisprung bin. Und ich frage mich auch, ob ich nicht für ihn einfach nur da bin, um Lücken in seinem Zeitplan zu füllen, wenn er keine Lust hat, alleine zu sein. Wenn er ernsthaft Interesse an mich hätte, hätte er mir anbieten können, heute Abend mit seinen Freunden auszugehen, da er mit ihnen etwas geplant hat. Stattdessen hat er mich gefragt, ob ich morgen nachmittags Lust hätte, an irgendeiner Kunstauktion teilzunehmen. Da er sonst keinen Termin hat. Ich habe keine konkrete Antwort gegeben.

Die Rückfahrt nach Hause hat lange gedauert. Ich habe kein gutes Gefühl, wenn ich um die Uhrzeit alleine unterwegs bin. Es gab zum Glück noch genug Leute auf der Straße und in der Bahn. Um vier Uhr morgens habe ich meine Wohnung betreten. Ich habe heute festgestellt, dass ich einen Nachtbus hätte benutzen können, der mir eine halbe Stunde gespart hätte. Ich kenne mich noch nicht so gut mit den Fahrplänen aus.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Samstag 19.10.2013

Drei Uhr morgens, aber ich fühle mich noch nicht bereit, einzuschlafen.

Ich bin für einen Samstag früh aufgestanden. Martin wollte kurz nach 10:00 zu mir kommen. Er war sich nicht sicher, weil er heute zur Arbeit musste und nachmittags einen Termin hatte. Als er eine Stunde später anrief und sagte, es würde nicht klappen, war ich nicht überrascht. Morgen muss er wieder kurz arbeiten. Ob von zu Hause aus oder am Büro, das wusste er noch nicht. Er meinte zuerst, er könnte mir danach zu Hause helfen. Das habe ich abgelehnt, weil es morgen Sonntag ist und Ruhe eingehalten werden muss (wir wollten Löcher bohren). Ich habe ihm stattdessen angeboten, danach einen Kaffee zu trinken, falls er tatsächlich zur Arbeit fahren muss. Mal schauen.

Ich bin heute Nachmittag einkaufen gegangen. Das letzte Mal, dass ich im KaDeWe war, war bei einer Fachtagung vor zehn Jahren. Mein ehemaliger Kollege Günther hatte gerade während der Tagung die Geburt seines Sohnes erfahren und ich hatte ihm mit Sebastian ein Geschenk organisiert. Heute wollte ich neue Kleider und eine italienische Espressomaschine kaufen. Falls Martin morgen doch kommt, muss ich ihm einen guten Kaffee anbieten können. Falls er nicht kommt, kann ich mir immer noch selber einen guten Kaffee machen, statt das übliche wasserlösliche Zeug.

Auf dem Rückweg nach Hause habe ich mir eine Kino-Karte besorgt. Ich wollte schon seit längerer Zeit den Film von Metallica schauen. Er ist seit dem 3. Oktober in den Kinos zu sehen, aber ich habe den Eindruck, dass er nicht so gut läuft. Die einzigen Darstellungen sind jetzt alle nach 22:00. Ich wollte ursprünglich in der Stadt bis zum Film bleiben, aber meine Einkäufe waren mir zu viel.

Es war 21:00, als ich wieder am Alexanderplatz ankam. Ich bin zwei Stunden lang durch die Stadt gegangen. Mein Chef hatte uns von dem Festival of Lights erzählt, das heute Abend endet, und ich habe mich ein bisschen umgeschaut. Es war schön, die Temperatur war sehr angenehm. Mein Ischias schmerzt wieder stark. Und ich bin von meiner Kamera enttäuscht. Bilder bei Nacht kann ich mit ihr vergessen. Gut, ich habe sie schon seit sechs Jahren.

Im Kino war der Raum gefühlt gerade ein Viertel voll. Ich habe mir eine kleine Packung salziges Popcorn mit einem Köstritzer geholt. Nach den super langen Werbungen und Vorschauen („47 Ronin“ sieht total cool aus), fing der Film endlich an. Ich hatte vermutet, dass die Handlung schwach wäre, und war nicht enttäuscht: Ich fand sie schwach. Sie wurde zum Glück sehr kurz gehalten, meistens hat man Szenen von Konzerten gesehen (sie sind letztes Jahr aufgenommen worden). Ich war aber nicht für die Story zum Kino gegangen. James in 3D! Der heißeste Typ überhaupt, und seine Stimme… Als der Konzert startete, habe ich trotz Pulli richtig Gänsehaut bekommen. Ich habe vergessen, meine Popcorn zu essen und mein Bier zu trinken. Zum Schluss haben sie Orion gespielt. Ein meiner Lieblingsstücke. Ich hatte Metallica schon vor zehn Jahren auf dem Werchter Festival in Belgien mit Pascal live erlebt. Es war aber anders, wir waren zu weit weg von der Bühne.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.