Traum am Samstagvormittag

Es war ein sonniger Vormittag. Der Ehemann und ich haben beschlossen, bei einer uns noch unbekannten kleinen Bäckerei zu frühstücken. Als wir ankamen, war aber niemand hinter der Theke. Außer uns war überhaupt niemand im Laden. Wir haben gestanden und gewartet, bis eine andere Kundin herein kam und den Ehemann grob schubste, um sich vorzudrängeln. Ich habe protestiert, aber die Frau hat es einfach ignoriert und sich noch ungefragt zu uns hingesessen, als das Warten zu lange wurde, obwohl andere Tische frei waren.

Wir saßen zu zweit an einem Holztisch in einem kleinen Biergarten. Es war sonnig. Der Ehemann wollte zur Toilette und meinte, er würde sich auf dem Weg dahin noch ein Bier bestellen. Bevor er zurück kam, brachte ein Kellner eine Cranberry-Schorle zu unserem Tisch. „Mein Mann wollte doch ein Bier“, sagte ich. „Bier haben wir leider nicht mehr“, antwortete der Kellner. Als er weg ging, kamen neue Leute an, die sich an einen Nachbartisch hinsetzen wollten. Der Kellner sagte ihnen, sie müssten weg von hier, weil es zu viele Gäste gäbe, er käme nicht mehr dazu, sie alle zu bedienen. Die Leute haben den Biergarten beleidigt verlassen. Der Ehemann kam zurück und wunderte sich über die Schorle. Die wollte er nicht haben. Bevor wir gingen, sollte ich doch zur Toilette, meinte er, es wäre hübsch angerichtet. Ich ging, konnte die richtige Tür hinter der Bar aber nicht finden. Es gab viele ganz kleine Türe, durch die eine erwachsene Person unmöglich gehen konnte. Als ich die paar Stufen runter zur Bar ging, um zurück nach draußen zu gehen, bin ich ausgerutcht. Statt aber auf dem Rücken zu landen, habe ich angefangen in der Luft zu schweben. Wie geil ist das denn?

Ich bin aufgewacht. Menno, gerade als es interessant wurde! Der Ehemann lag wach neben mir und ich habe ihm meinen Traum erzählt.

Wir gingen eine Straße entlang in der Stadt. Wir waren gerade bei einer Tram-Haltestelle. Rechts Schienen, links Schienen. Vereinzelte Autos fuhren an uns vorbei. Es war ein sehr ruhiger Sommertag. Die Sonne schien, der Himmel war blau. Auf einmal sah ich einen riesigen Greifvogel weit über uns kreisen. Ich zeigte ihn dem Ehemann, der mit seiner Kamera begeistert anfing, wild zu fotografieren. Als der Vogel näher kam, wurde er größer und größer. Er landete hinter der Haltestelle und als seine Flügel noch breit gestreckt waren, konnte ich sehen, dass seine ganze Brust voll mit Krallen bedeckt war. Der Vogel stand da, fast ganz schwarz, und war so groß wie ein Mann. Mir wurde es zu unheimlich und ich lief davon, während der Ehemann noch fotografierte.

Ich ging die Straße weiter hoch, als eine große Katze mich überholte. „Och, Katze, süß“, dachte ich zuerst, bevor ich merkte, dass sie völlig aufgeregt war. Sie fauchte und grollte, was das Zeug hielt, und rennte weiter weg. Ich folgte ihr und kam zu drei anderen kampfbereiten großen Katzen, zu denen die, die mich überholt hatte, sich zugesellte. Vorsichtshalber bin ich zur anderen Straßenseite gegangen. So ein Verhalten kannte ich bei Katzen nicht. Mehr und mehr Katzen kamen an und plötzlich war ein großer, schwarzer und beängstigter Hund von den Bestien umgezingelt, die ihn am Kragen packten und zur Straße ziehten. Armer Hund.

Weiter bin ich gegangen. Der Ehemann kam zu mir und ich musste ihm das Geschehen mit den Katzen und dem Hund erzählen, weil er nichts davon mitbekommen hatte. Manchmal denke ich, er geht wie ein Blinder durch die Welt. Wir sind links zu einer Treppe gekommen, wo viele andere Leute waren. Unsere Gäste. Wir hatten sie zur Einweihung unserer Wohnung eingeladen. Als wir in die Wohnung rein kamen (die ich sonst im Leben gar nicht kenne), habe ich ganz schnell aufgeräumt und die Türe von Schränken geschlossen, die auf Kopfhöhe halb offen waren. Das sah so unordentlich und gefährlich aus! Die Gäste sind herein gekommen, und da wir nicht genug Platz auf der Garderobe hatten, haben sie die Schränke wieder geöffnet, um ihre Jacken an den Türen zu hängen. Einige sind sofort zur Toilette am Ende von Gang hinter mir gelaufen. Ich wollte auch hin und dachte, wie gut, dass wir eine zweite Toilette neben der Eingangstür haben. Aber dorthin wollte ebenfalls der Schwiegervater, der zu den Gästen zählte.

Das Telefon vom Ehemann hat uns vom Schlaf gerissen. Elf Uhr morgens. Unglaublich, wie lange ich geschlafen habe. Das passiert mir sonst nie.

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Fremd geschmust

Gestern bin ich auf dem Weg nach Hause eine S-Bahn-Station früher ausgestiegen. Mir war danach, ein bisschen zu laufen.

Die Straße geradeaus vom Bahnhof runter, dann links… Auf dem schon sehr engen Bürgersteig komme ich plötzlich hinter einem sehr langsamen, sehr überwichtigen Mann, und ich wechsle die Straßenseite. Ein Glücksfall! Denn plötzlich ertönt rechts von mir seine Stimme: „Miaaaaauuuuu!“

Ich knie und strecke die Hand. Der Kater reibt sich sofort gegen sie. Voll verschmust ist er. So sehr, das hat mich überrascht. Auf einmal liegt er auf meinem Schoß, mit beiden Vorderpfoten auf meinem linken Arm, und läßt sich nur noch kraulen. Wahnsinn! Sicherlich gehört er jemandem. Ich versuche, in die ganz leicht zerfetzten Ohren zu schauen (so häufig kann er nicht raus gehen), aber ich kann mit den Haaren keine Tätowierung erkennen.

Nach einer Weile schmerzen meine Beine von der ungünstigen Lage. Ich schiebe ihn sanft zum Boden, um aufzustehen. Ein beleidigtes „Miau“ kommt als Reaktion. „Ich muss nach Hause, Tschüß!“ Gut, dass niemand gerade an uns vorbei kommt… Ich mache mich weiter auf den Weg. Aber als ich nach hinten schaue, ist er dabei, mir zu folgen! Ach, ob ich ihn nach Hause bringen soll? Also, es geht gar nicht, mit der Allergie vom Ehemann. Nach Chipie kommt keine Katze ins Haus mehr. Und der Kater gehört bestimmt jemandem. Nach einem letzten Kraulen gehe ich  weiter. Als ich eine kleine Kreuzung überquere, bleibt er stehen und guckt nur noch zu. Schon außerhalb von seinem Revier? Nach einer Weile geht er zur anderen Straßenseite, wobei ich ängstlich zuschaue, da Autos vorbei fahren. Er kommt ohne Problem aber auch ohne Eile durch, und springt über die Mauer zu einem Garten.

Ich denke, ich werde jetzt häufiger früher aus der S-Bahn aussteigen!

Die verletzte Katze

Ich war mit meiner Mutter unterwegs. Wir wollten eine Freundin von ihr besuchen. Sie wohnte in einem Dorf mit sehr steilen Straßen. Die Häuser wirkten alt. Ihre Wände bestanden aus ungerelmäßig geformten dicken Steinen. Wir fuhren eine Straße hochwärts. An einigen Stellen hatte ich Bedenken, dass das Auto es nicht mehr schaffen würde und anfangen würde, rückwärts zu rutschen, aber angekommen sind wir doch. Meine Mutter hat das Auto mitten in einer engen steilen Straße geparkt und wir sind ausgestiegen.

Aus welchem Grund auch immer bin ich zuerst nicht ins Haus gegangen, sondern bin auf der Straße geblieben. Vielleicht, weil ich ein schlechtes Gefühl hatte, weil das Auto mir so nicht sicher geparkt vorkam. Und recht hatte ich, das Auto fing plötzlich an, von alleine die Straße runter zu rollen. An der nächsten Biegung konnte es natürlich nicht wenden. Das Auto ist gegen eine Hauswand geknallt. Chipie, meine Katze, ist aus dem Auto raus gekommen und hat sich auf dem Weg zum Haus der Freundin meiner Mutter gemacht. Ich bin ihr gefolgt. Sie sah gar nicht gut aus, nach dem Unfall. Blut befleckte ihr weißes Fell am Bauch. Sie hat versucht, sich zu lecken, und dabei habe ich gemerkt, dass ihr Bauch offen lag. Ein langer Schnitt war zu sehen.

Ich habe Panik bekommen und meine Mutter gesucht, damit sie einen Tierarzt anruft. Ich wusste nicht wo sie war. Auf meine Rufe hat sie nicht reagiert. Ich bin durch alle Räume der mir unbekanten Wohnung gegangen. Die Wohnung war groß. Es war dunkel. In einem großen Wohnzimmer habe ich sie gefunden. Meine Mutter und ihre Freundin schliefen auf einer langen Eckcouch, jede auf einer Seite der Couch, und waren in Decken kuschelig eingerollt.

Um halb vier bin ich aus dem Traum aufgewacht. Ich bin kurz aufgestanden, um die Toilette zu besuchen und ein Glas Milch zu trinken. Wieder einschlafen konnte ich gut. Ich habe geträumt, wie ich dem Ehemann meinen vorherigen Traum beschrieben habe. „Es war sooo steil!“ habe ich ihm erzählt, und es verdeutlicht, indem ich die linke Hand fast senkrecht gehoben habe.

Ich träume noch von ihr

Kurz nach ihrem Tod habe ich geträumt, dass ich meine Katze zufällig getroffen habe. Wir haben uns unterhalten. Ich habe sie gefragt, wie es ihr jetzt geht und was sie so macht. „Och, es geht“, meinte sie. „Was mich aber stört ist, dass jetzt alle so sind“, fügte sie hinzu, und rollte die Augen nach oben, so dass nur das Weiße noch zu sehen war. Selbst ich erschien ihr so. „Tja, das ist normal, wenn man tot ist“, habe ich ihr erklärt. „Ach so, ich bin tot?“ Sie hatte es nicht gemerkt. Sie wurde nachdenklich, und ist dann weg gegangen. Ich bin kurz danach aufgewacht.

Ein anderes Mal habe ich geträumt, dass jemand es geschafft hatte, sie wieder lebendig zu machen. Sie stand vor mir. Ich habe mich zuerst gefreut, aber dann doch gemerkt, dass ihr Fell ganz anders als vorher aussah. Die Farbe stimmte nicht, und die Haare waren nicht so lang. „Das ist nicht meine Katze“, habe ich gesagt.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mit Martin vor ihrem leblosen Körper stand. Martin hat sich gefreut, sie wieder zu sehen, und hat angefangen, sie unter dem Kinn zu streicheln. Sie hat aber natürlich gar nicht darauf reagiert, außer dass ihr Kopf durch die Bewegung auf der andere Seite eingesackt ist. „Martin, hör auf, sie ist tot“, habe ich ihm gesagt. Das hat ihn erschüttert. Er hat angefangen zu zittern und zu weinen. Ich habe ihn in meine Armen getröstet.

Es geht nicht weiter

Chipie

So schnell ging das. Ich habe heute ganz früh die Arbeit verlassen. Zu Hause angekommen, habe ich die Mieze in ihre Tasche gepackt. Sie war zu schwach und hat keinen Widerstand geleistet. Gegessen hatte sie gar nichts. Sie musste für die Untersuchung nüchtern sein, weil sie wieder eine Narkose bekommen musste. Ich dachte, wir würden länger brauchen, um fertig zu sein.

Da es zu früh war, sind wir zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle gegangen. Also, ich bin gegangen und habe ihre Tasche getragen, sie hat durch die Löcher der Tasche um sich herum geschaut und die Luft geschuppert. So schön war es nicht, weil wir entlang einer viel befahrenen Straße gegangen sind. Die laute Autos haben sie erschreckt. Im Nachhinein denke ich, ich hätte besser den ruhigen Weg hinter dem Haus entlang gehen sollen, und mit der S-Bahn statt mit dem Bus fahren sollen. Wir sind wieder von einem älteren Paar an der Haltestelle angequatscht worden, und mir war es echt nicht danach, Small-Talk zu leisten. Die Ergebnisse von gestern waren nicht gut.

Wir waren noch zu früh bei der Praxis. Die Tierärztin, die die Ultraschall-Untersuchung machen musste, war verspätet. Die Mieze war genervt, wieder so lange in ihrer Tasche bleiben zu müssen. Wir sind eine Stunde im Warteraum geblieben. Sie hat ihre Narkose bekommen, und wir haben sie zu einem anderen Behandlungsraum gebracht. Wir haben nicht so lange gewartet wie gestern, und sie hat noch gefaucht und gegrollt, als sie aus ihrer Tasche geholt wurde. Aber sonst konnte sie sich nicht mehr wehren, die Assistentin hat ihre dicke Schutzhandschuhe doch nicht gebraucht.

Ihr Bauch ist rasiert worden. Ein beeindruckender Anblick, bei ihrer Haarlänge. Sie hat einen Gel auf der Haut bekommen, sich leicht darüber beschwert, und die Tierärztin hat die Untersuchung begonnen. Ich habe auf ihrem Bildschirm geschaut, aber ich konnte gar nichts davon verstehen. Am Ende hat sie mir gesagt, dass es sich um einen Tumor handelte. Ein enormer Tumor, knapp 5 mal 8 cm groß, am Anfang vom Darm, und in Kontakt mit anderen vitalen Organen. Operieren oder irgendwie sonst handeln konnte man den schon nicht mehr.

Ich hatte es geahnt, aber gehofft, dass es doch nicht so schlimm wäre. Die Masse auf dem Röntgenbild gestern war doch riesig, und die Ärztin hat nur bestätigt, was ich befürchtet hatte. Und so richtig gut vorbereitet war ich doch nicht, weil ich zusammengebrochen bin. Die Tierärztin und ihre Assistentin haben mich zum Warteraum mit meiner Mieze geschickt, bis der Tierarzt von gestern mit mir sprechen konnte. Der Tumor muss schon lange da gewesen sein. Sie hat sich nichts anmerken lassen, und als die Symptome erschienen sind, war es schon zu spät.

Es war klar, dass ihr Krebs so fortgeschritten war, dass nichts mehr zu machen ist. Es war klar, dass es ihr nur noch schlechter gehen könnte. Nur zuzuschauen, wie sie vor sich hin leidet, wäre einfach blöd gewesen. Als sie gestern Abend auf ihrem Lieblichsteppich ruhig lag, hat sie immer wieder kleine Miau von sich gegeben. Ich bin geblieben, als er ihr die letale Injektion verabreicht hat. Sie war noch unter Narkose und hat nichts mitbekommen, hoffe ich. Ich habe gesehen, wie ihr kleiner Kopf zwischen ihren Pfoten gesackt ist. Es ging so schnell.

Ihr Körper bleibt erstmal in der Praxis. Ich muss überlegen, was aus ihr wird. Gläubig bin ich nicht, dass ich viel Wert auf eine Beerdigung lege, aber die Vorstellung, sie einfach lieblos zu entsorgen, ist mir zu grausam. Ich bin zurück nach Hause mit ihrer leeren Tasche und ihrer Pflüschente gegangen. Sehr langsam. Die kleine Pflüschente hatte ihr meine Mami als Spielzeug geschenkt, als sie noch ein Kätzchen war, und sie hat sie immer noch so gerne überall mit sich herum geschleppt.

Als ich unten die Haustür geöffnet habe, habe ich mich dabei ertappt, wie ich gelauscht habe, ob sie dabei war, an die Wohnungstür ganz oben zu kratzen. Ich habe ihre Tasche im Flur gelassen. Ihre Ente ist noch drin. In der Küche ist ihr leerer Napf am Boden neben dem Kühlschrank. Ihr Lieblingsteppich ist noch voller Haare, aber ich habe ihn nicht staubsaugen wollen. In einer Ecke steht ihr neuer Transportkäfig, den wir am Samstagnachmittag besorgt haben, weil die Tierärztin meinte, es wäre viel besser als die Tasche, aus der sie entkommen könnte (was ich nicht für möglich gehalten habe). Ich habe die Tasche weiter benutzt, weil sie Zeit braucht, um sich an neue Gegenstände zu gewöhnen. Sie ist noch nicht mal drin gewesen.

Die Wohnung ist verdammt leer. Martin kommt erst morgen Abend zurück.

Morgen geht’s weiter

Wir sind heute Morgen zurück zum Tierarzt gegangen. Am Samstag hatte die Mieze noch ein bisschen gegessen (viel weniger als sonst). Gestern ging wieder nichts rein. Sie miaut ums Essen, aber wenn sie es riecht, wendet sie sich geekelt ab.

Diesmal war ihr Tierarzt ein Mann. Er ist von seiner Kollegin am Samstag gewarnt worden und hatte gleich zwei Helferinen dabei. Sie haben sofort meine fauchende Mieze in ihrer Tasche festgehalten und er hat ihr die Narkose durch die kleinen Öffnungen verabreicht. Es hat keine zwei Minuten gedauert. Wir sind dann zu einem anderen Behandlungsraum gewechselt, und ich habe gewartet, bis die Mieze eingeschlafen ist. Das Licht wurde gedimmt und ich habe mit ihr ganz leise geredet, damit sie sich in Sicherheit fühlt. Wenig später hatte sich schon ihr Atem beruhigt, und sie lag mit dem Kopf unter den vorderen Pfoten.

Nach zehn Minuten sind wir zum ersten Raum zurück gegangen. Ich war überrascht, als sie die Tasche geöffnet haben, und meine Mieze mit geöffneten Augen noch leicht gefaucht hat. Ich dachte, sie würde jetzt tief schlafen. Der Tierarzt hat erklärt, dass es keine Vollnarkose war. Die Katze konnte sich nicht mehr wehren, aber trotzdem alles mitbekommen. Ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist. Ich stelle mir vor, wie sie innerlich vor Wut gekocht haben muss, während sie regungslos so viel durchmachen musste.

Der Tierarzt hat ihren Rachen untersucht. Er hat eine Art Zwinge in ihrem Maul gesteckt, um ihren Kiefer möglichst offen zu halten. Er hat unglaublich viel an ihre Zunge gezogen, ich hätte nie gedacht, dass sie so lang war. Mit einem kleinen Spiegel wie beim Zahnarzt hat er dann ihren Rachen untersucht und nichts Verdächtiges gefunden. Ihre Temperatur ist gemessen worden, und Blut ist ihr abgenommen worden. Sie haben zuerst an der rechten vorderen Pfote probiert, aber es ging nicht gut, deswegen sie noch mal links die Nadel eingesteckt bekommen hat. Es hat geklappt. Sie hat noch Nährmittel am Tropf bekommen. Anschließend würde sie geröntgt.

Wir haben im Warteraum fünf Minuten auf die erste Ergebnisse gewartet. Der Tierarzt hat mir das Röntgenbild gezeigt. Im Magenbereich liegt eine dicke Masse. Es ist noch nicht klar, was es ist. Ein Tumor ist nicht ausgeschlossen. Für die Ergebnisse aus der Blutuntersuchung wollte er mich heute Abend anrufen, es würde noch dauern. Insgesamt war’s ganz schön teuer. Am Samstag hatte ich nach einer Schätzung der Kosten für heute gefragt: 140€. Ich musste doch 213€ irgendwas blechen, und dabei haben wir nichts gemacht, was nicht vorher vereinbart war. Wir haben noch einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung morgen Abend gemacht, um die Masse genauer zu untersuchen.

Und da die Mieze noch unter Narkose war und nicht alleine bleiben sollte, habe ich sie zur Arbeit mitgenommen. Der Weg dahin war unglaublich. Ich bin mit der S-Bahn gefahren, wie jeden Tag. Normalerweise wird man immer ignoriert und in Ruhe gelassen. Heute Morgen bin ich die ganze Zeit wegen der Mieze in ihrer Tasche angequatscht worden. Dazu hatte ich keine Lust, weil der möglicherweise Tumor mir einen Kloß im Hals machte. Bei der Arbeit ging’s. Sie ist den ganzen Tag ganz ruhig geblieben und hat keinen Ton von sich gegeben, obwohl es total langweilig sein musste. Ein bisschen Trockenfutter hat sie gegessen. Trinken wollte sie nicht.

Kurz nach sieben hat uns Martin mit dem Auto abgeholt. Die Katze hat gefaucht. Er hatte das Dienstauto dabei, weil er morgen früh nach Polen muss. Der Geruch vom neuen Leder hat ihr bestimmt nicht gefallen. Sie ist immer lauter und lauter geworden. Der Tierarzt hat mich während der Fahrt angerufen. Die Blutwerte sind in Ordnung, außer dass sie Anämie hat. Kein Wunder, sie isst quasi nichts mehr seit einer Woche. Ihre Leber und Nieren scheinen gut zu funktionieren. Der Verdacht auf ein Tumor wird größer. Morgen wissen wir mehr.

Eine Wutbestie

Wir waren heute Morgen in der Tierarztpraxis. Ich war noch nie dort, seitdem wir umgezogen sind. Sie ist als neue Patientin gekommen. Es war aber gar kein Problem, zur Sprechstunde zugelassen zu werden. Ich habe für mich selbst bei Fachärzten in Deutschland häufig genug den Gegenteil erlebt. Katze muss man sein.

Martin war gestern Abend sehr spät zurück nach Hause gekommen und ist mit uns zur Praxis gegangen. Es war voll, obwohl wir kurz vor Beginn der offiziellen Sprechzeiten angekommen sind. Es gab einen Notfall und wir mussten eine gute Stunde warten. Ich hatte es nicht anders erwartet. Während der Wartezeit hat sich die Mieze ganz ruhig verhalten, selbst als ein großer Hund mit seinem Herrchen vorbei gegangen ist. Das zeigt, wie schlecht sie sich fühlte.

Sie hatte mich bei unserem ersten Besuch bei einem Tierarzt sehr überrascht. Ich saß mit ihr im leeren Wartezimmer. Ein Mann ist mit einem Hund zu uns gekommen. Ich habe dann plötzlich ein tiefes Geräusch gehört, als ob jemand draußen mit einem Presslufthammer am Werk wäre. Eine Baustelle war mir auf dem Weg nicht aufgefallen. Ob es hinter dem Haus war? Ich fand die Idee nicht schön, weil ich nur ein paar Häuser weiter in der gleichen Straße wohnte. Als ich aufgestanden bin, um durch das Fenster zu schauen, habe ich gemerkt, dass das Geräusch vom Transportkäfig kam, und dass meine Mieze am Grollen war, während sie den Hund die ganze Zeit anstarrte. Der Hund hat sich nicht beeindrucken lassen und hat am Boden vom Wartezimmer weiter geschlafen.

Heute Morgen war sie also auffällig ruhig. Es war schon ziemlich einfach, sie in ihre Tasche zu stecken. Normalerweise hätte sie dabei großen Widerstand geleistet. Ich war trotzdem nicht ganz sicher und als wir dran waren, habe ich die Tierärztin gewarnt, dass meine Mieze im normalen Zustand zur wahren Tigerin beim Tierarzt wird. Beim Impfen muss man mindestens zu zweit sein und ganz dicke hohe Handschuhe tragen, um sie fest zu halten, während die Spritze möglischt schnell gemacht wird. Sie hat eine Assistentin in den Raum gebeten und sie sind näher zur Tasche auf dem Tisch gekommen, wo die Katze sich noch befand.

Kaum haben sie die Tasche berührt, dass man ein lautes Fauchen gehört hat. Als sie versucht haben, die Tasche zu öffnen, hat sie laut gegrollt und bedrohlich gemiaut. Sie ist in ihrer Tasche gewaltig gesprungen. Die Krallen konnte man zwischen den Löchern sehr gut sehen. Es wurde schnell klar, dass sie nicht zu untersuchen war. Um die Ursache von ihrem Zustand zu identifizieren, hätte man eine Blutprobe nehmen und sie mittels Radiographie untersuchen sollen. Auch ein bisschen abtasten, um heraus zu finden, wo sie genau ihre Bauchschmerzen hat. Nichts davon war möglich. Das einzige, was sie machen konnten, war, die Katze in ihrer Tasche extrem fest zu halten, während sie eine Spritze gegen Übelkeit durch die Löcher der Tasche bekommen hat. Sie hat dabei so laut gemiaut, dass selbst die Tierärztin erschüttert war und Tränen in den Augen bekommen hat. So ein Theater macht sie bei jedem Tierarztbesuch. Der Lärm war im Warteraum nicht zu überhören, obwohl der Behandlungsraum sich hinter einem Flur befand und die Tür geschlossen war.

Wir müssen deswegen am Montag früh zurück zur Praxis gehen. Sie wird zuerst unter Narkose gesetzt, und dann wird sie genau untersucht. Es war heute nicht möglich. Immerhin, als wir zurück zu Hause waren, hat sie sofort die Leckerlis gegessen, die sie vor dem Besuch noch völlig ignoriert hatte. Ich habe ihr eine neue Dose Sheba geöffnet, und sie hat dran geleckt. Sie hat auch viel getrunken. Ob vom Stress oder von der Spritze, weiß ich nicht. Ich hoffe, wir müssen nicht zwischendurch zu einer Klinik fahren und es geht ihr bis Montag gut genug.

Jetzt ist die Katze krank

Ich habe mich erschreckt, als ich sie gestern Abend zu Hause gesehen habe. Sie hat nicht an der Tür gekratzt, als ich im Treppenhaus hoch gegangen bin. Das macht sie sonst immer. Sie ist nicht zur Tür gekommen, als ich so spät abends in die Wohnung gekommen bin. Ich habe meine Reisetasche am Boden gelassen und wollte ihr Leckerlis geben, wie immer, wenn ich abends nach Hause komme. Sie hat daran gerochen, aber nichts angerührt. Es gab sogar andere Stücke, die ihr Martin gegeben hatte, bevor er gestern unerwartet für die Arbeit nach Rotterdam geschickt wurde. Sie hat nur am Boden gelegen, und aufstehen zu müssen war sichtlich mühsam. Sie hat ganz rau gemiaut und wirkte schwach. So war sie definitiv nicht, als ich am Montag weg gefahren bin. Sie kam mir gestern nicht besonders kalt oder warm vor. Ihre Nase fühlt sich vielleicht ein bisschen trockener als sonst an. Heute Nacht hat sie ganz dicht neben mir auf dem Bett geschlafen.

Martin hatte mir schon am Mittwoch geschrieben, dass sie sich übergeben hatte. Das passiert ab und zu und ist meistens nicht der Rede wert. Danach hat sie kaum etwas gegessen. Nicht mal ihre Leckerlis. Normalerweise bettelt sie ständig darum, jedesmal, wenn wir uns in der Nähe von ihrem Futterregal aufhalten. Das ist ihre große Leidenschaft, nur getoppt von der Sheba-Dose mit Meeresfrüchten. Wenn sie ihre Leckerlis nicht mehr frisst, heißt das, dass es etwas Ernstes ist.

Heute Morgen habe ich ihr Futter gegeben. Eine ganze Sheba-Dose habe ich geöffnet. So häufig kriegt sie das nicht, weniger als einmal pro Woche. Es war heute umsonst. Sie hat schwach begeistert gemiaut, in den Schalen geschnuppert, und plötzlich den Kopf gedreht, als ob sie angewidert wäre. Die Schale Trockenfutter war heute Abend genau so voll wie heute Morgen, und das Sheba ist vertrocknet. Getrunken hat sie, immerhin. Im Katzenstreu war ein Klumpen. Ich habe versucht, sie in die Arme zu tragen und zu schmusen, wie wir häufig schmusen, aber sie hatte dabei Schmerze und hat stärker gemiaut. Ich habe sie sofort wieder zum Boden gebracht. Sie liegt jetzt regungslos in der Küche. Wenn ich neben ihr am Boden sitze, schnurrt sie leise.

Morgen früh gehen wir zum Tierarzt. Sie ist nur elf Jahre alt, es kann noch nichts Schlimmes sein, oder? Das macht mich total fertig. Ich habe sie noch nie krank erlebt. Zum Glück hat Mr Keen doch den Einsatz von morgen übernommen. Ich glaube, es war ihm gestern Abend gar nicht klar, dass ich an Winfried und ihm zuerst eine Email geschickt hatte. Er hat viel später eine Antwort an uns beide geschrieben, und sein Ton drin war um einigen Größenordnungen gemäßigter als gestern am Telefon. Heuchler.

Schon wieder unterwegs

Seit gestern bin ich auf Tagung in Tschechien. Diesmal aushamsweise ohne eigenen Beitrag, die Kollegen halten Vorträge. Ich war nicht unbedingt davon begeistert, hierher zu kommen. Ich wäre gerne in Berlin geblieben, um an meinen Projekten zu arbeiten. Aber es ist DIE Tagung, die in unserem Institut auf keinen Fall verpasst werden darf. Ich persönlich ziehe andere vor.

Meine Mieze war auch nicht davon begeistert. Sie hat es mir schon deutlich gemacht, als ich am Mittwochabend den Koffer gepackt habe. Lautes Miauen ohne Ende. Am nächsten Morgen, als ich weg gehen wollte, hat sie mir beleidigt den Rücken zugedreht und mit dem Schwanz den Boden geschlagen. Martin war seit dem Anfang der Woche auf Jobsuche unterwegs, ist aber gestern Abend zurück gekommen. Das konnte sie natürlich nicht im Vorraus wissen.

Wir sind mit dem Auto angekommen. Pawels Auto. Muss nicht wieder sein. Ich hänge zu sehr am Leben. Und nach der Grenze war die Fahrt schwierig. Ständig gesperrte Autobahnstücke, die man umfahren musste, wir haben ewig gebraucht und sind spät angekommen. Seit gestern plagen mich leichte Kopfschmerzen. Das Programm, voll gepackt mit Vorträgen, hilft dabei nicht wirklich. Zum Glück hat Kate als gute Pharmazeutin jede Menge Tabletten mitgebracht. Nicht, dass es bei mir viel hilft.

Morgen sind wir schon fertig. Ich fliege dann endlich zu meinen Eltern. Zehn Tage Urlaub. Anlass ist, dass meine Mami am Wochenende einen runden Geburtstag feiert. Feiern wird. Sie weiß noch nichts davon, mein Bruder organisiert es heimlich.

Farbige Kunststoffe

„Boah, gelbe synthetische Faser! Ich muss unbedingt dran lecken!“ Das ist bestimmt was meine Mieze jedesmal denkt, wenn sie an unsere neue Plissee-Jalousien vorbei geht. Sie ist richtig süchtig nach Kunstsoff, vor allem bunt. Es hat wahrscheinlich mehr mit dem Geruch als mit der Farbe zu tun.

Früher, als Kätzchen, waren es meine Einkaufstüten, die sie so leidenschaftlich geleckt hatte. Mit Vorliebe für Tüten von C&A und Mayersche. Nicht lange, nur bis ich herausgefunden habe, woher dieses komische Geräusch kam, das mich häufig früh morgens aus dem Schlaf gerissen hat. Ich hatte die Tüten natürlich nicht offen liegen lassen, es wäre für eine neugierige Katze zu gefährlich, aber sie hatten am Stuhl oder an eine Türklinke gehangen, wenn ich deren Ihnalt nicht gleich aufgeräumt hatte. Jetzt entsorge ich sie sofort, wenn ich mit Einkäufen nach Hause komme. Ich lehne sowieso meistens Plastiktüten aus Prinzip ab.

Mit Gummibändern ist es noch gefärhlicher. Ich hatte mal einen auf dem Küchentisch gelassen, das zum schliessen von einem Behälter vom Sushi-Lieferant gedient hatte. Wenige Tage danach habe ich es in Stücken wieder gefunden, als ich das Katzenklo geputzt hatte. Entsetzlich. Die Dinger sind aus meiner Wohnung verbannt. Und es gab die Geschichte mit dem langen Plastikstreifen.

In meiner letzen Wohnung hatte ich mir Jalousien fürs Schlafzimmer besorgt. Daran hatte sie auch früh morgens geleckt, und ich habe sie jedes Mal davon gejaggt. Ohne Lerneffekt. Jetzt sind die neue Plissee dran. Heute morgen ist Martin zwei Mal aufgestanden, um sie davon weg zu schubsen. Wenn wir aber die Schiebetür komplett zu machen, krazt sie wie eine Besessene dran, weil sie zu uns kommen will. So oder so kann man morgens das Ausschlafen vergessen. Vielleicht sollte ich Zitronensaft drauf sprühen (aber dann werden die Plissee schnell schmutzig). Oder etwas vorne hinstellen, damit sie nicht mehr ran kommt.