Im Labor

Meistens sitze ich den ganzen Tag in meinem Büro und programmiere. Ab und zu muss ich auch mal im Labor arbeiten.

Heute ging es darum, meine Proben für eine Messung zu vorbereiten. Ich habe sechs Stunden damit verbracht. Platten unter dem Mikroskop packen, Proben optisch auf Qualität prüfen und einzeln auf Probenträger montieren, im flüssigen Stickstoff einfrieren und bis zur Messung so kalt lagern… Sechzig Proben konnte ich vorbereiten. Zehn pro Stunde. Was mich am Anfang verlangsamt hat war, dass ich immer noch keine eigene Arbeitsmittel fürs Labor habe. Ich musste bei meinen Kollegen um Probenträger betteln. Bei vielen habe ich dann festgestellt, dass sie beim letzten Gebrauch nicht richtig gespült wurden, und ich musste sie noch mal reinigen.

Nach einiger Zeit fange ich an, nichts mehr durchs Mikroskop sehen zu können (nicht nur, weil ich manchmal mit dem Ärmel vom Kittel versehentlich den Hebel vom Polarisationsfilter drehe). Alles wird trüb. Am schlimmsten fand ich es heute, dass Glaskörpertrübungen in meinem rechten Auge erschienen sind, die sich immer genau da platziert haben, wo ich mir gerade eine Probe anschauen wollte, um sie zu montieren. Häufig konnte ich die Probe durch die Erscheinungen gar nicht mehr sehen und musste den Kopf heben und mir die Augen reiben.

Der Arbeitsplatz am Mikroskop ist mir recht unangenehm. Es gibt einen hohen Hocker mit Rollfüßen, der erst stabil wird, wenn man drauf sitzt. Meistens in einer Lage, die fürs Mikroskop nicht optimal ist. Beim Sitzen platziert sich mein Kittel auch irgendwie ständig gedreht unter mir. Ich versuche dann, mich auf dem Hocker leicht hüpfend näher ans Mikroskop zu bewegen, und gleichzeitig den Kittel zu ziehen, um bequemer arbeiten zu können. Bequem ist es aber nicht. Nach einer Weile stehe ich auf und schiebe den Hocker weg von mir, weil es sich doch effektiver stehend in leichter Kniebeuge arbeiten lässt.

Und dann fängt der Ischias an, sich zu beschweren. Heute hat ihm das Knie Gesellschaft geleistet. Die Rückfahrt nach Hause in der S-Bahn und zu Fuß war schmerzhaft, und selbst jetzt, kurz nach elf, spüre ich den Ischias beim Sitzen immer noch. Links im tiefen Rücken, seitlich vom Schenkel, links hinter dem Knie. Es pocht leicht. Von der Krankenkasse habe ich über den Antrag für Rehasport noch nichts gehört.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Das Fieber von Mittwochabend

Es scheint jetzt ein eindeutiger Trend zu sein: Bei oder nach jeder Tagung bin ich krank.

Am Dienstagabend habe ich gehüsltet. Das hat meine Mami am Telefon sofort gemerkt. Ich dachte, ich bin gerade zurück geflogen, hier ist es kälter, und die Luft im Flugzeug ist anders, es wird gleich besser. Die Migräne von Montag war nicht mehr zu spüren. Gestern war ich wieder bei der Arbeit. Aufstehen war hart. Gehustet habe ich mehr. Ein trockener Husten. Mein Kopf hat sich ein bisschen stumpf angefühlt.

Um zwei habe ich schon Feierabend gemacht, da ich nachmittags einen Arzttermin wegen Ischias hatte (schon seit Juli geplant), und die Orthopädiepraxis liegt in der Nähe der Wohnung. Es geht mir viel besser, aber ab und zu habe ich noch Schmerze, wenn ich im Labor den ganzen Tag stehen muss zum Beispiel (was zum Glück selten passiert). Der Arzttermin hat gerade drei Minuten gedauert und war völlig unbefriedigend. Es hat den Typ überhaupt nicht interessiert zu wissen, wie die Schmerze entstanden waren oder sonst was. Ich habe mich nicht besser behandelt gefühlt als wenn ich zur Sprechstunde gekommen wäre. Beim nächsten Mal muss ich drauf bestehen, dass ich bei meiner üblichen Ärztin den Termin bekomme. Ich habe einen Antrag auf Kostenübernahme für Rehasport bekommen, den ich bei der Krankenkasse einreichen muss.

Nach dem Termin bin ich nach Hause gegangen. Ärzte sind bei Terminen so pünktlich, dass es schon fast sechs war. Ach ja, ich habe unterwegs Kuchenteller bei Butlers gekauft, wir haben nicht genug davon zu Hause. Kurz danach haben sich meine Beine sehr müde angefühlt. Als ob ich viel gegangen wäre. Das war gestern nicht der Fall, und ich war bei der Tagung und im Urlaub so viel zu Fuß unterwegs, dass ich daran gewöhnt sein sollte. Nein, es waren Gliederschmerzen. Leichtes Fieber hatte ich, 37,1°C. Ich bin um neun ins Bett gegangen und habe gelesen, um zehn habe ich das Licht ausgemacht.

Um Punkt Mitternacht bin ich aufgewacht. Durst, Hals gereizt, fiebrige Schmerze in den Beinen und im unteren Rücken. 38,4°C. Aspirin genommen, viel Wasser getrunken, ein Löffel Honig und zurück ins Bett. Bis halb vier habe ich mich rumgewälzt und war voll nass vom Schwitzen. Danach konnte ich wieder schlafen. Heute morgen war meine Temperatur wieder bei 37,1°C, was höher als sonst ist. Am unteren Rücken habe ich noch Schmerze. Ich bleibe zu Hause.


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Kopfschmerz

Ich bin gegen mittags zur Dalí-Ausstellung angekommen. Es waren nicht viele Leute vor mir an der Kasse, aber es hat ewig gedauert, bis ich dran war. Ich habe dann den Grund dafür erfahren. Die junge Dame an der Kasse musste den Besuchern viele Fragen stellen. Ob sie meine Postleitzahl erfahren dürfte? Ob ich an das kleine Heft zur Ausstellung interessiert wäre (ich glaube, um die 2,80€)? Ob ich an einer Ausführung teilnehmen möchte? Ob ich meinen Mantel bei der Garderobe kostenpflichtig lassen würde? Der Rucksack musste abgegeben werden, dafür musste man nicht bezahlen. Den Mantel habe ich behalten. Eine sehr gute Entscheidung, weil es Stellen im Museum gab, wo plötzlich aus unerwarteten Stellen eisige Züge kamen.

Es gab viele Lithographien zu sehen, die auf literarische Werke basiert waren. Dadurch habe ich Lust bekommen, bestimmte Bücher wieder zu lesen. Don Quichotte hatten wir in der Mittelstufe studiert. Tristan und Isolde habe ich zum ersten Mal in der Oberstufe gelesen. Wir hatten eine Version von einem unbekannten Autor studiert. Sie war sehr unterschiedlich von der Version von Thomas Malory, die ich vor einem Jahr wieder gelesen habe. Aus den Bildern würde ich sagen, dass Dalí bestimmt Malorys Version im Kopf hatte. Er scheint sich sehr für die Romane der Ritter der Tafelrunde interessiert zu haben, die ich auch gerne gelesen habe. Carmen war ebenfalls dargestellt, so wie Faust und die Göttliche Komödie, die ich im Gymnasium sogar auf Italienisch lesen wollte (keine Ahnung, wo das Buch geblieben ist, ich habe es nicht geschafft, mein Vorhaben war doch zu ambitioniert für meine damaligen Sprachkenntnisse). Ein andalusischer Hund wurde periodisch projiziert. Da mein Ischias stark schmerzte, habe ich gesessen und den Film geschaut. Die Szene mit den beiden Männern (ein Mann mit sich selbst), bei der man sechzehn Jahren zurück geworfen wird, kam mir aus irgendeinem Grund sehr bekannt vor. Ich habe den Film gleich ein zweites Mal gesehen, konnte mich aber nicht erinnern, woher dieses Gefühl von „déjà vu“ kam.

Kurz vor zwei habe ich auf einmal starkes Hunger und Durst bekommen. Ich habe den Rest der Ausstellung gesehen, bin dann Richtung Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz gegangen. Es war viel zu früh, um Martin anzurufen. Ein Kopfschmerz meldete sich. Ich habe eine Bratwurst gegessen. Der Glühwein danach war vielleicht nicht klug gewesen. Dann gab’s noch eine Crêpe mit Zucker und Zimt. Nach dem Weihnachtsmarkt bin ich ziellos spazieren gegangen, und bin zum Gebäude des Ministeriums der Finanzen gelandet, mit seiner Gedankentafel für den 17. Juni. Die Straße gleichen Namens kannte ich schon. Was 1953 geschehen ist, wusste ich aber nicht. Ich habe es in der Schule in Frankreich entweder nicht erzählt bekommen, oder ich habe nicht aufgepasst. Ich habe es mir heute durchgelesen. Nicht alles, es war doch zu viel Text. Vor allem mit Ischias und Migräne. Ich bin nur bis Tafel 12 oder 13 gekommen. Kurz danach bin ich nach Hause gefahren. Der Kopfschmerz ist nur heftiger geworden. Ich habe sogar Übelkeit bekommen. Eine Aspirin hat ein bisschen geholfen. Meine Mami hat mich angerufen und gesagt, ich sollte warm duschen und ins Bett gehen. Gemacht. Mein Ischias schmerzt immer noch. Ich bin zu viel zu Fuß unterwegs gewesen.


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Heute Morgen

Ich bin zu meinem Termin beim Arbeitsamt gegangen. Besser gesagt, mit dem Bus gefahren. Vorne war ein Sitzplatz frei, den ich beansprucht habe. Es war ziemlich warm im Bus, bei mir in der Wohnung friere ich zurzeit. Drei Haltestellen und eine Bauarbeit später, hat es einen Fahrerwechsel gegeben. Ein gut aussehender und sehr netter junger Fahrer hat unseren Bus übernommen. Blöderweise war ich trotz zwei Kaffees genau in dem Moment nur noch am Gähnen, was er ziemlich lustig fand. Ich sollte häufiger um die Uhrzeit mit dieser Linie fahren, es war eine gute Abwechslung von unseren sonst Muffelfahrern.

Nach dem Bus brauchte ich nur fünf Minuten bis zur Arbeitsagentur. Ich war ein bisschen früh da und habe im Flur vor der Tür gewartet. Es war sehr warm dort, sie heizen bestimmt noch, ich musste meine Jacke aus Wolle ausziehen (ich habe sie gerade zu Hause wieder angezogen, Mitte Mai heize ich definitiv nicht mehr, verflucht noch mal). Um 09:00 habe ich an der Tür geklopft und habe meinen Bearbeiter zum ersten Mal gesehen. Ich hatte sonst nur Email-Kontakt oder Telefongespräche mit ihm gehabt. Er sah gar nicht aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Er ist bestimmt über 50, mit schon grauem kurzem Bart, pummelig, und sehr nett. Ich muss hier schon Glück haben, wenn man hört, wie es in anderen Jobcenters ist, bisher fand ich meine Bearbeiter bei persönlichen Gesprächen immer sehr freundlich und hilfreich. Er hat angefangen, mir über die Firmen zu erzählen, die die Weiterbildung Qualitätsmanagement anbieten. Er hat mir die Flyers der Firmen gedruckt, und alle bieten sogar zusätzlich zur QM-TÜV-Zertifizierung das Six Sigma Green Belt an. Da ich es in vielen Stellenausschreibungen gefragt gesehen habe, bin ich von der Weiterbildung begeistert. Mein Berater hat dann gesagt, dass ich weiterhin das volle Arbeitslosengeld bekommen würde. Ich hatte es nicht erwartet, aber es stimmt. Es ändert sich etwas, aber gar nicht, wie ich dachte, da ich sogar durch die Weiterbildung einen Monat mehr an Arbeitslosengeld bekomme. Ich habe gestaunt. Mir bleibt jetzt nur noch die Unterlagen genau zu lesen, und Terminen bei beiden Firmen in der Stadt zu vereinbaren, um mehr über die Weiterbildung zu erfahren, bevor ich entscheide, zu welcher ich gehe. Und die Weiterbildung ist zwar Vollzeit geplant, aber ich hatte im Kopf „meine“ Vollzeit an der Uni, und sie entspricht gar nicht der normalen Vollzeit, da der Tagesablauf nur bis 16:30 geplant ist, es bleibt also noch viel Zeit abends übrig.

Nach dem Termin wollte ich zu Fuß nach Hause gehen, und unterwegs Lebensmittel einkaufen. Ganz untypisch für mich, mitten in der Woche. In meinem üblichen Supermarkt am Theater war eine Frau an der Kasse, die ich sonst nur selten sehe, eine andere Französin, wie ich. Es ist blöd, dass wir nur an der Kasse ab und zu plaudern. Ich habe viel Obst und Gemüse gekauft, und zum ersten Mal im Jahr sogar Aprikose. Die sind klein, rötlich orange und kommen aus Spanien. Und sie schmecken super, obwohl für mich die Aprikosenzeit erst Juni-Juli ist (wir hatten früher im Garten bei meinen Eltern einen Aprikosenbaum). Ich habe viel mehr gekauft als ich wollte, da mir einfiel, dass ich noch Milch brauchte, und Gnocchi waren im Angebot – da ich noch Kapern von meiner letzten Caponata übrig hatte, konnte ich mittags Gnocchi mit einfacher scharfer Tomaten-Kapern-Sauce machen, lecker.

Mit meinen Schuhen war es übrigens doch nicht so toll, nach Hause zu gehen, ich habe hinter beiden Knöcheln jetzt dicke Blasen, die rechts ist beim Gehen auch geplatzt. Es sind flache schwarze Mokassins, ich hatte sie seit dem Anfang vom Winter nicht mehr getragen. Und mein Ischias hat mir wieder weh getan. Das tut er seit letzter Woche, deshalb bin ich noch nicht zurück zum Fitness-Studio gegangen. Na ja, ich war wieder dort Sonntagnachmittag, habe eine Stunde Cross-Training gemacht, über 500kcal gebrannt, und habe Schmerze. So ein Mist.


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Und das war’s

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten. Wär schön, wenn es endlich mal klappen würde. Zuerst müssen die anderen Mitbewerber dran sein.

Kaum bin ich angekommen, dass ich schon den Vortrag halten musste, es ging so schnell, dann die Fragen, so viele waren es nicht und sie waren vor allem grundlegender Natur, obwohl ich mich bemüht hatte, möglichst didaktisch für Fachfremde zu bleiben, dann das Gespräch unter sechs Augen, dann die Tour durch die ganzen Labors, und zurück zum Bus… Wenigstens ist die Vergütungsfrage geklärt, und ich wäre damit zufrieden. Viel Grübeln um nichts, es war nur aus der Ausschreibung nicht zu erkennen.

Sollte es klappen, muss ich unbedingt ausziehen. So weit weg ist es nicht, aber mir ging’s nach einer Stunde Bus echt schlecht. Der Fahrer war auch nicht gerade der sanfteste, den ich je erlebt habe. Und der Bus für die Rückfahrt war so voll, dass ich die ganze Zeit stehen musste, meinem Ischias hat es nicht gefallen.

Gerade aus dem Bus ausgestiegen, wollte ich mich zu Hause erholen. Just in dem Moment rief meine Freundin Mei an und wollte in die Stadt ein bisschen shoppen. Gute Idee. Dann leckere Spaghetti con olio, aglio e peperoncini, die beste Art überhaupt, Spaghetti zu vorbereiten. Das Eis danach in der Stadt war vielleicht keine so gute Idee, mein Magen beschwert sich. Ich hatte den ganzen Tag von lauter Aufregung kaum was essen können. Jetzt rächt es sich.


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Mein Ischias – Schmerztherapie

Teil 1Teil 2 – Teil 3

Ab zur Schmerztherapie also. Es war schon kurz vor Weihnachten als ich nach einem Termin fragte, ich bekam ihn für Ende Januar. Ich sollte im Vorfeld ein dickes Formular mit vielen Fragen füllen, über meine Schmerze, die ich auf einer Skala von 1 bis 10 mehrmals einstufen sollte, über ihre Auswirkungen auf mein Leben, ob sich mein soziales Umfeld dadurch geändert hat (ja, ich konnte von weitem nicht mehr so viel mit Freunden unternehmen und habe für die Arbeit fast nur noch vor dem Rechner zu Hause gesessen, mit der Weiterleitung meiner Büronummer zu meinem eigenen Handy), ob ich suizidale Gedanken bekommen habe (zum Glück noch nicht)… Es war sehr umfangreich und mindestens 30 Seiten lang.

Bei der Schmerztherapeutin angekommen hatte ich den Eindruck, zum ersten Mal seit dem Anfang meines Rückenproblems richtig zugehört zu werden. Das tat wirklich gut. Bei den anderen Ärzten hatte ich immer angefangen, etwas zu erzählen, die hatten aber nie wirklich Zeit, und meinten sofort, mein Problem erkannt zu haben, bevor ich zu Ende erzählt hatte. Ich hatte ja den Befund der Röntgen-Tomographie immer dabei, auf dem Stand, dass bei L4/5 sich ein „Bandscheibenprolaps von 3,5mm“ befindet, „der an die links abgehende Nervenwurzel L5 heranreicht und diese beengt“… Klarer Fall von Bandscheibenvorfall. Nur komisch für mich, dass die Ischias-Schmerze fast zwei Monaten nach dem Anfang meines Rückenproblems aufgetreten sind. Ich hatte zuerst gedacht, dass die Schmerze durch eine sich verschlimmernde Blockade verursacht wurden, meine Ärzte haben mir aber so viel von einem Bandscheibenvorfall erzählt, dass ich bei der Schmerztherapie fest überzeugt war, dass die Ursache des Schmerzes darin lag. Sonst wäre ich nicht so eifrig auf eine Operation geworden.

Umso verblüffter war ich also, als die Schmerztherapeutin sagte, laut meiner Beschreibung und Einstufung der Schmerze könnte es sich nicht um einen Bandscheibenvorfall handeln, da die Schmerze viel zu stark waren, es wäre bestimmt eine Blockade bei einem Gehgelenk. Sie hat ein paar Beweglichkeitstests mit mir gemacht, und mich zu einem Osteopathen geschickt. Wie fühlt man sich in einem solchen Moment? „Ha! Ich hatte doch recht!“ Es war bis jetzt also alles umsonst gewesen, die Cortison-Spritzen, auch die besonders schmerzhafte unter Tomographie, die Krankengymnastik mit der Anweisung, am Bandscheibenvorfall zu arbeiten… Das konnte nicht funktionieren, da der Vorfall doch als Folge der Blockade kam, und nicht als Ursache des Schmerzes. Und das nur, weil die Ärzte auf mein Bauchgefühl nicht hören wollten. Ich weiß noch, wie ich einmal ohne Schmerzmittel zum Orthopäden gegangen war, damit er mich besser untersuchen konnte, und zu Hause angekommen nur noch am Boden gleiten konnte und wegen der starken Schmerze und Verzweiflung noch gut zehn Minuten heulend liegen blieb.

Die Behandlungstermine beim Osteopathen haben meine Meinung auch bestätigt. Er fragte mich, mich nach vorne zu beugen, während er beide Daumen in den zwei Vertiefungen am unteren Teil des Rückens hielt. Dann hat er mir die Hüfte blockiert, als ich mit den Beinen abwechselnd nach vorne und hinten pendeln sollte. Nach dem zweiten oder dritten Termin habe ich schon eine deutliche Verbesserung gemerkt. Schmerzmittel musste ich noch nehmen, manchmal fragte ich mich aber, ob es wirklich notwendig war. Nach einer zweiten Überweisung zu ihm, also knapp zehn Monaten nach dem Anfang meiner Rückenproblemen, konnte ich endlich definitiv mit Diclofenac aufhören. Ab und zu habe ich die Übung vom Osteopathen gemacht, wenn ich wieder eine kleine Blockade gespürt habe (was mir schon komische Blicke von meinen Kollegen gebracht hat), ich brauche es aber immer seltener. Es war fast vor zwei Jahren.

Heute geht es mir immer noch nicht wie davor. Die Schmerze haben stark nachgelassen, aber manchmal stören sie mich schon. Die sind nur in einem Maße, in dem ich keine Schmerzmittel brauche und treten nur auf, wenn ich zu lange stehe oder unterwegs bin. Bei Vorstellungsgesprächen habe ich schon mal Diclofenac genommen, aber nur, damit ich keine unbewusste Haltung nehme, die vermitteln könnte, dass ich nicht so gut arbeiten könnte. Wenn ich bei Spaziergängen für einige Minuten sitzen kann, kann ich dann gut weiter gehen. Nach schlechten Nächten, wenn ich nicht genug geschlafen habe, spüre ich die Schmerze stärker, oder wenn ich mit dem Wecker wach werde. Es geht aber sehr langsam besser. Wie eine Feder, die nach starker Beanspruchung langsam zu ihrem Gleichgewicht zurückkommt, so fühlt sich die Verbesserung in meinem Rücken an. Immerhin bin ich gut 8-9 Monaten blockiert geblieben. Seit einigen Monaten kann ich sogar ein bisschen zum Fitness-Studio zurück gehen, um auf den Geräten Kardiotraining zu machen. Nur ganz vorsichtig, übertreiben will ich nicht. Primär geht es mir darum, mich wieder fit zu fühlen, auch wenn ich nichts dagegen hätte, die in dieser langen Zeit ohne Sport zugelegten Kilos wieder los zu werden.

Damit bin ich dem Wunsch meiner Freundin Mei nachgegangen, die meinte, ich sollte doch die ganze Geschichte mal aufschreiben.

Teil 1Teil 2 – Teil 3


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Mein Ischias – Diclofenac

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3

Am Flughafen wurde ich wie geplant von meiner Mutter abgeholt. Wir gingen langsam zum Auto auf dem Parkplatz – mit Schneckentempo, da ich aufpassen musste, mein linkes Bein möglichst wenig zu belasten. Dann ab nach Hause, 45 Minuten auf der Autobahn, und gleich lang auf diesen kleinen Voralpen-Straßen, die von der so wunderschönen Landschaft umgeben sind und ich normalerweise so sehr genieße. Tja, an dem Tag konnte ich mich nur noch darüber konzentrieren, wie ich am besten sitze, um die Schmerzen bei jeder Kurve zu verringern. Am nächsten Tag sind wir sofort zur Arztpraxis gegangen. Mein Kindheitsarzt war nicht da, seine Vertreterin habe ich also dadurch kennengelernt. Ich habe auf der Liege gesessen, sie machte einige Manipulationen, merkte, wie meine linke Wade verkrampft und hart war – kein Wunder, der Schmerz hörte nie auf. Sie prüfte, wie weit ich den Rücken nach hinten biegen kann, ziemlich weit anscheinend, sie war überrascht. Am Ende sagte sie nichts darüber, was ich haben könnte, sondern verschrieb mir für eine Woche Diclofenac. Das Präparat kam in Pulverform vor, in Einzelpäckchen. In einem Glas mit Wasser umrühren, trinken, fertig. Es hat einen komischen Pfirsich-Minze-Geschmack, auf den man sich aber schnell gewöhnt. Was für eine Erleichterung auf einmal! Nach zehn Minuten waren die Schmerze völlig verschwunden. Was gerade vier Stunden anhält. Ich brauchte also drei Päckchen am Tag, um normal leben zu können, das heißt die maximale tägliche Dosis, 150mg. Mein Urlaub dauerte zwei Wochen, ich ging also nach einer Woche zurück zur Ärztin, um ein neues Rezept zu holen, mit dem (für mich) selbstverständlichen Versprechen, nach meiner Rückkehr nach Deutschland einen Arzt zu besuchen.

Zurück nach Deutschland, der Urlaub war zu kurz wie immer. Vor allem wenn man die Sonne gegen den Regen tauscht. Ich hatte fast kein Diclofenac mehr, deswegen ich genau aufpasste, es nur im Notfall zu benutzen, zum Beispiel wenn ich Vorträge bei der Arbeit halten musste. In meiner Heimat war es nur auf Rezept zu bekommen, daher dachte ich, es wäre hier genauso. Ich rief einen ganzen Vormittag sämtliche Orthopäden in meiner Stadt an, sagte, ich brauchte dringend einen Nottermin wegen starken Schmerzen, habe aber nur Absagen bekommen, oder Termine in zwei Monaten. Vielleicht ist mein nicht ganz deutscher Akzent schuld gewesen? Nach so vielen fehlgeschlagenen Versuchen kommt man wirklich auf solchen Gedanken. Vor allem, weil alle meine Kollegen mir versicherten, kein Arzt würde einem Patienten einen Nottermin verweigern. Ziemlich am Ende, habe ich fast am Telefon geweint, als ich den letzten angerufen habe, und endlich sagte mir die Sekretärin, an dem Vormittag noch vorbei zu kommen. Hatten die anderen mir einfach nicht geglaubt, weil ich versucht hatte, die Fassung zu behalten? Sollen die doch alle erleben, was ich durchgemacht habe… Ich machte mich sofort auf dem Weg zur Praxis, mit dem Bus. Mir gegenüber saß eine alte Dame, die mir beim Aussteigen spontan Hilfe angeboten hatte – was für ein mieser Eindruck ich hinter gelassen haben muss! Aber nochmals vielen Dank! Beim Orthopäden bin ich über zwei Stunden geblieben, immer wieder kurz zwischen zwei Terminen. Wir haben sehr wenig gesprochen und ein Röntgenbild meines Rückens gemacht. Ich habe eine Bleischürze bekommen, um die reproduktiven Organe zu schützen. Ich dachte, irgendwie blöd, wo ich gerade die Blockade fühle kommt die Schürze, wie will er da was sehen? Jetzt denke ich, es lag daran, dass er an eine Blockade von vorne rein nicht glaubte. Und bei dem Bild war eine Verringerung zu sehen… kurz gesagt, es sah aus, als ob ich ein Bandscheibenvorfall hätte. Ich sagte ihm, dass mein Hausarzt es ausgeschlossen hatte, da ich im Juli noch ohne Problem beide Beine hoch heben konnte. Ich bekam also eine Überweisung für eine Röntgen-Tomographie, die den Befund bestätigte, und eine Spritze Cortison im Rücken um die Schmerze zu lindern – es hat einen ganzen Tag gewirkt. Danach durfte ich zur Krankengymnastik, um den Bandscheibenvorfall zu behandeln. Und ich habe die wichtigste Information bekommen, und zwar, dass Diclofenac in Deutschland ohne Rezept in der Apotheke zu kaufen ist.

Ich muss leider sagen, dass es alles nicht geholfen hat. Nach den ganzen Krankengymnastikterminen und Übungen zu Hause hatte ich immer noch so viele Schmerze. Es war in dem Maße, dass ich jeden Morgen zuerst Diclofenac schlucken musste, bevor ich in der Lage war, Socken und Schuhen anzuziehen. Ich konnte mich sonst gar nicht mehr nach vorne bücken, obwohl ich es wirklich probiert hatte, auch seitlich, mit Fingerspitzen kam ich gerade bis kurz vor dem Knöchel. Ich habe einmal früh morgens aufs Versehen mein ganzes Gewicht auf dem linken Bein verlagert, was dazu führte, dass ich anfing, unkontrolliert stark zu zittern, und nur dank des Schrankes neben mir nicht auf der Stelle zum Boden glitt. Ein Problem war auch, dass Diclofenac in Deutschland nur in Tablette-Form zu kaufen ist. Das wasserlösliche Pulver ist verboten, weil man in den Tabletten auch einen Magenschutzstoff herum haben muss. Gut gedacht, dafür musste ich aber nicht mehr zehn Minuten auf eine Wirkung warten, sondern mindestens eine Stunde. Ich habe mich also daran gewöhnt, vormittags zuerst meine Emails zu lesen, von zu Hause aus einige Ausgaben zu machen, bis ich in der Lage war, zur Arbeit zu gehen. Meine Vorgesetzten waren nicht begeistert, wenn auch immerhin verständnisvoll. An der Uni arbeitet man als Wissenschaftler sowieso immer viel mehr als die vorgesehenen 40 Stunden pro Woche, ohne Überstunden bezahlt zu bekommen – äh, Entschuldigung, es heißt „flexible unkontrollierte Arbeitszeiten“.

Nach einiger Zeit schlug mir eine Kollegin vor, zum Orthopäden ihres Mannes zu wechseln, da ich in November immer noch keine Verbesserung hatte. Der Termin wurde genommen, und wieder Krankengymnastik, die nichts brachte. Wir haben eines Dezembervormittages eine Spritze unter Computer-Tomographie versucht – die reine Hölle. Ich dachte so leicht, die stecken die Nadel rein, schauen, wo die sind, ziehen raus und stecken woanders rein… Nein! Die stecken die Nadel im Rücken, und wenn sie nicht richtig liegt, wird die Nadel drin so lange bewegt, bis die Lage stimmt. Es hat mir noch viel mehr Schmerze verursacht, als ich für möglich gehalten hätte. Und dabei soll man bitte schön ganz ruhig bleiben, sonst wissen die nicht mehr, wo die sind. Ich hatte kein Diclofenac an dem Tag genommen, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Die Spritze selbst hat aber keine Wirkung gezeigt, und mit der Art, wie die Nadel im Rücken bewegt wurde, war ich für den ganzen Tag fertig. Ich musste am Nachmittag eine Lehrveranstaltung betreuen, was ich sitzend tat, und habe meinen Chef gefragt, mich danach nach Hause zu fahren – die zehn Minuten zu Fuß waren nicht zu verkraften. Irgendwie seltsam, in der ganzen Zeit, als ich Ärzte besucht habe, ist keiner auf die Idee gekommen, mich krank zu schreiben. Hätte ich das verlangen sollen? Meine Chefin hatte auch vorgeschlagen, zum Hochschularzt zu gehen, um eine andere Meinung zu bekommen. Vergeblich. Unsere Sekretärin hatte für mich einen Termin mit der Hochschularztleiterin bekommen, die mir ungefähr sagte, ich sollte mich nicht so anstellen, es gäbe Leute, denen es schlimmer ginge, und immerhin hätte ich eine sitzende Tätigkeit – irgendwie hatte ich den Eindruck, wie könnte ich es wagen, ihre wertvolle Zeit für diese Nichtigkeit zu verschwenden. Gut, dass sie keine Praxis hat, sie würde sehr schnell pleitegehen, bei einem solchen Umgang mit Patienten. Wie auch immer, mir hatte es gereicht. Ich war mehr als bereit, den Vorschlag des Orthopäden, operiert zu werden, anzunehmen, um die Schmerze endlich los zu werden, auch wenn die Operation ohne Garantie läuft, dass es funktioniert. Seit über vier Monaten war ich jetzt dabei, täglich die maximale Tagesdosis an Diclofenac zu schlucken, ständig die Apotheke zu wechseln, um nicht aufzufallen… und diese andauernde Schmerze. Meine Mutter schickte mir ab und zu per Post das wasserlösliche Diclofenac, wenn sie bei unserem Arzt gewesen war. Vor der Operation musste ich noch eine vom Orthopäden verschriebene Schmerztherapie durchführen – der letzte Versuch. Darüber erzähle ich beim nächsten Mal.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3


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Mein Ischias – Der Anfang

Teil 1 – Teil 2Teil 3

Vor fast drei Jahren habe ich plötzlich Rückenprobleme bekommen. Als ich anfing, es zu erwähnen, durfte ich mir unaufgefordert die Meinungen zum Thema Rücken von meinem ganzen Umfeld anhören. Die, die mich nicht so gut kennen: „Man soll auch Sport treiben, nur so kann man Rückenprobleme vermeiden.“ Ja, aber ich habe eigentlich fast täglich trainiert: Fitnessstudio, Joggen, Schwimmen, orientalischer Tanz… „Ach sooo, dann hast du eindeutig zu viel trainiert.“ Oder: „Sport ist Mord, sage ich immer.“ Na ja, Leute kann man nie zufrieden stellen, entweder treibt man zu viel oder zu wenig Sport. Ich meine aber, noch ganz genau zu wissen, wie das mit dem Rücken wirklich angefangen hat.

Ich war eines Samstagvormittages im Juni beim Fitnessstudio und hatte gerade einen neuen Training-Plan mit meiner Beraterin entwickelt. Ich habe trainiert, zuerst zwanzig Minuten Erwärmung, dann eine knappe Stunde auf die Geräte, dann gedehnt, geduscht und ab nach Hause – nur fünf Minuten vom Studio entfernt. Ich hatte noch vier Stunden bis zu meinem Bauchtanzkurs. Nach dem Mittagessen habe ich also vor dem Rechner gesessen und Baldur’s Gate gespielt, ein altes Spiel, das ich immer noch so gerne spiele. Ich habe dabei nicht besonders aufgepasst, wie ich auf meinem Stuhl saß… Als die Zeit zum Gehen kam, bin ich aufgestanden, und habe erst dann festgestellt, wie ich extrem in Hohlkreuzlage gesessen hatte, einen Stich am unteren Ende des Rückens in der Nähe vom Coccyx habe ich gespürt. Ach was, ein bisschen Bewegung, und schon geht’s besser, dachte ich. Also los zum Hochschulsport, drei Stunden Übungen, wobei ich doch merkte, dass es nicht so gut klappte wie sonst. Nach dem Tanzkurs ging ich zu Fuß nach Hause, quer durch die Stadt, das Wetter war ja so schön, doch konnte ich mich nach der Hälfte des Weges nur noch sehr langsam bewegen. Schmerze hatte ich nicht, aber wohl den Eindruck, dass irgendwas blockiert war und mich beim Gehen hindern würde. Nach Hause angekommen, beschloss ich, am Sonntag gar nicht zum Sport zu gehen, mich auszuruhen und bei der nächsten Sprechstunde meinen Hausarzt zu besuchen.

Beim Arzt also, voller Hoffnung, da er bei mir vor einigen Jahren auf Anhieb die Ursache für meine starke Brustschmerze gefunden hatte – ich hatte Bronchitis und mir beim Husten einen Wirbel verschoben. Übers Wochenende war es mit dem Rücken nicht besser geworden, immer noch keine Schmerze, aber sehr gehindert beim Gehen. Er sagte sofort, ich hätte eine Blockade, hat ein paar Manipulationen gemacht, einen Schmerzmittelpflaster am Rücken geklebt, und ich konnte danach tatsächlich besser gehen, wenn auch nicht wie vor dem Wochenende. Ich fragte ihn, ob ich noch weiter Sport machen dürfte, und er sagte, „Auf jeden Fall“. Ich habe dann für einen Lauf in meiner Stadt drei Wochen später trainiert, ab und zu noch Störungen im Rücken gespürt. Am Tag des Laufes habe ich mich nicht überanstrengt, es ging mir darum, überhaupt dabei zu sein, und ich habe mich mit einer anderen Spaßläuferin unterhalten. Nach dem Lauf wollte ich Freunde im Publikum wieder treffen und habe mich unter eine Barriere gebückt, als ich plötzlich einen stichartigen starken Schmerz am unteren Rücken spürte. Das war’s dann, ich wollte noch mit ihnen abends grillen, bin aber direkt mit dem Bus nach Hause gefahren.

Zurück zum Arzt, seit dem Lauf hatte ich jetzt ein bisschen Schmerze am unteren Rücken, und teilweise im linken Gesäß. Ich konnte nicht mehr im Hohlkreuz stehen, keine Absätze mehr tragen, und musste immer aufpassen, dass mein unterer Rücken ein bisschen rund war, um keine Schmerze zu haben. Der Hausarzt hat aber nichts anderes als beim letzten Mal gemacht, in liegender Stellung die Beine hochgehoben, ohne dabei Schmerze auszulösen, was ein Bandscheibenvorfall ausschloss, und mir homöopathische Kügelchen verschrieben. Wieder ein Moment der Sprachlosigkeit. Die Gedanke im meinem Kopf: „Er nimmt meine Beschwerde überhaupt nicht ernst. Homöopathie!“ Trotzdem habe ich an der Apotheke mein Rezept gezeigt, und habe für etwa 7€ eine Zuckermenge von 10g gekauft, glaube ich – das Hauptbestandteil der Kügelchen. Die eigentliche Moleküle selbst, die wirken soll, war bei der Verdünnung mit einer so geringen Wahrscheinlichkeit enthalten, dass ich sie nicht berücksichtigt habe. Ich bin mir ziemlich dumm vorgekommen, trotz besseren Wissens die Dinger gekauft zu haben. Immerhin dachte ich, ich könnte eine Röntgenpulveraufnahme machen, um sie ihm beim nächsten Mal vor der Nase zu halten, etwa in der Art „Schauen Sie, es ist wirklich nur Zucker drin“, aber ich habe es danach vergessen, die Dose liegt immer noch auf meinem alten Schreibtisch am Institut.

Nach diesem zweiten Arztbesuch ist der Schmerz nie verschwunden. Aber ich hatte noch die Erlaubnis, Sport zu treiben. Der Arzt sagte, Bauchtanz wäre genau das richtige für mich. Traf sich gut, ich hatte einen geplanten Auftritt Mitte Juli, und habe mich dafür vorbereitet. Beim Auftritt musste ich Aspirin schlucken, um gut tanzen zu können, wie ich es seit dem Lauf häufig tat – ich nehme sonst sehr selten Medikamente ein und dachte, so kann es nicht normal sein. Am Tag nach dem Auftritt bin ich zum Zumba-Kurs gegangen. Als ich am Ende des Kurses mich bückte, um meine Schuhen anzuziehen, spürte ich plötzlich einen starken Schmerz, der mir ganz tief die oberen äußere linke Schenkel durchlief – für mich eindeutig Ischias-Schmerze. An dem Tag brich die Hölle los. Dieser Schmerz hat mich ständig begleitet, ob beim Stehen, beim Sitzen, oder im Bett… Aspirin war nicht mehr in der Lage, mich zu betäuben. Ich habe sofort bei meinem Hausarzt eine Überweisung für einen Orthopäden geholt, und habe einen Termin bei einem von einer Kollegin empfohlenen Orthopäden für den kommenden Donnerstag bekommen – also eine Woche Wartezeit. Er war der einzige, bei dem ich in so kurzer Zeit einen Termin bekommen konnte. Meine Kollegen hatten mir zwar versichert, im Notfall könnte man zu jedem Arzt sofort gehen, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass es von weitem nicht der Fall ist.

Die Praxis des Orthopäden lag weit weg von meiner Wohnung und ich musste mit dem Bus hinfahren. Der Schmerz war so stark, und lief er jetzt bis zur Wade runter, ich weiß nicht mehr, wie ich dahin ankam, ich erinnere mich nur ganz dunkel, dass der Bus überfüllt war. Der Termin war um 19:55 vereinbart. Am Telefon kam mir die Uhrzeit sehr merkwürdig vor, aber die Sekretärin hatte es mir mehrmals bestätigt: „Ja, um fünf vor acht abends“. Da war nichts zu missverstehen. Als ich ankam war die Praxis doch zu. Ich klopfte an die Fenster, eine Putzfrau war da, die die Tür öffnete. Als ich erklärte, dass ich einen Termin hatte, war sie sehr überrascht und meinte, keiner wäre da. Ich hätte heulen können. Das tat ich auch, nachdem ich wieder zu Hause war. Am nächsten Tag rief ich gleich in die Praxis an, um mich zu beschweren, habe aber eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter gehört, die sagte, der Orthopäde befände sich im Urlaub, und die Praxis wäre für einige Wochen geschlossen.

So viel Zeit hatte ich nicht mehr, einen anderen Arzt zu suchen, da ich am Sonntag in den Urlaub zu meinen Eltern für die zwei ersten August Wochen fliegen wollte. Am Tag der Abreise weiß ich noch, wie ich im Flugsteig mich auf zwei Sesseln hin lag, nachdem ich erneut ein Aspirin geschluckt hatte, und komische Blicke von den anderen Reisenden bekommen habe. Aber endlich konnte ich in einer Stunde meine Mutter wieder sehen, die mich am Flughafen abholen würde, und mir beim Arzt in meiner Heimat helfen würde. So endet nach fast zwei Monaten der erste Teil dieser Geschichte, die viel zu lang ist, um sie auf einmal zu schreiben.

Teil 1 – Teil 2Teil 3


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