Zeckenalarm

Wir sind heute nach dem Einkauf am Starnberger Markt wandern gegangen. Anlass war, dass wir beim letzten Teil unserer Isar-Wanderung vor zwei Jahren einen guten Stück der Strecke zwischen Fall und Lenggries aufgrund des regen LKW-Verkehrs mit dem Taxi machen mussten. Es war dem Ehemann ein Dorn im Auge.

Wir haben eine Rundtur gemacht. Gestartet sind wir an der ersten Brücke über dem Jachen, wenn man aus dem Norden entlang der Straße 2072 kommt. An der Isar entlang, durch arg enge Wege und entlang Felder, die mit unheimlichen verrosteten Stacheldrähten begrenzt sind. Danach Trampelweg bis zur Hofkapelle, den steilen weg hoch und irgendwann, als ich nicht mehr konnte, sind wir einem anderen Weg zurück zum Auto gefolgt, zuerst weiter steil hoch, dann steil runter, der parallel zum Almgraben läuft, bis wir zur anderen Seite der Hofkapelle ankommen. Unterwegs sind wir an vielen riesigen Ameisenhaufen vorbei gelaufen. Es gab so viele Ameisen an diesen Orten, dass man sie deutlich laufen hören konnte. Das hatte ich noch nie erlebt.

Die Wanderung war sehr anstrengend. Sechszehn Kilometer und über vierhundert Meter Höhenunterschied. Seit der Ausgangssperre treibe ich mittags wieder Sport, da ich zu Hause arbeite und täglich zwei Stunde ÖPNV ausfallen. Trotzdem war ich nicht fit genug für diese Strecke.

Zu Hause angekommen, habe ich mich in die Badewanne gestürtzt. Und an meinem Bauch, unten rechts vom Bauchnabel, habe ich einen kleinen schwarzen Fleck entdeckt. Merkwürdig. Ein Schönheitsfleck an diesem Ort war mir nicht bekannt. Mit dem Finger konnte ich kaum spüren, dass da etwas war. Ein Stück Dreck, der irgendwie da gelandet ist, obwohl diese Hautpartie die ganze Zeit in der Hose war? Ich kratze dran, es geht trotz der Wärme vom Badeswasser nicht weg. Ein kleiner Bluterguss? Ich versuche es zu platzen, und plötzlich geht das schwarze Stück senkrecht zur Haut. Ich ziehe dran, es bleibt fest an der Haut verankert, bis es endlich mit einem leichten Stichschmerz nachgibt. Was ist das? Ich lege es auf dem weißen Rand der Badewanne und merke erst jetzt durch genauere Betrachtung, dass es etwa ein Millimeter groß ist, rund und mit zwei kleinen Ärmchen vorne. Und nach einer Weile bewegt es sich sogar und lässt mehr Beinchen erkennen! Urg. Ich schaue mir die rote Stelle am Bauch, dort ist scheinbar nichts von der Zecke übrig geblieben. Der Ehemann kommt mit der Lupe an und erklärt die Zecke für vollständig, bevor er sie platzen lässt und entsorgt. Verdammt. Wir checken uns gegenseitig am ganzen Körper, es war scheinbar die einzige Zecke.

Damit hatte ich heute nicht gerechnet, obwohl ich letztes Jahr schon mal einen Zeckenstich hatte. Als meine Mutter uns Ende Juni besucht hatte, waren wir zum Weßlinger See spazieren gegangen. Am Abend hatte der Ehemann eine deutlich größere Zecke als heute hinter meinem rechten Arm nahe an der Achselhöhe gefunden. Ich bin zur Ärztin gegangen und sie hat mir dringend empfohlen, mich gegen FSME impfen zu lassen. Das kannte ich aus Frankreich gar nicht und in Deutschland hatte ich vor München in keinem Risikogebiet gewohnt. Impfung, also, in der Hoffnung, dass es mit dem Zeckenstich nicht zu spät ist. Die Impfung beinhaltet drei Spritzen, und die letzte sollte ich Anfang Mai bekommen. In der Zeit habe ich jetzt schon meinen zweiten Zeckenstich bekommen. Verdammt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Krankgeschrieben

Ich bin gestern zu Hause geblieben. Die Erkältung vom Wochenende war zu viel. Ich habe kein Fieber und keine Migräne, die Gliederschmerzen sind vorbei. Trotz niedrig eingestellter Helligkeit kann ich schwer den Bildschirm gucken, und Nachdenken ist mühsam. Ich bin ständig am Niesen und mein Hals ist gereizt. Besser, nicht zur Arbeit zu fahren.

Ich war beim Arzt. Ein älterer Arzt. Ich frage mich, ob er das Renten-Alter schon überschritten hat. Seine Praxis ist direkt gegenüber von meinem Haus, auf der anderen Seite der Straße. Er arbeitet ohne Termine. Die Praxis war ziemlich leer, als ich ankam. Ich habe nicht mal zehn Minuten warten müssen. Alle anderen Patienten waren kerngesund aussehende Studenten. Faule Säcke. Es ist Klausur-Zeit. Auf einem Bewertungsportal für Ärzte hatte ich ja gelesen, dass dieser Arzt dafür berühmt ist, um Atteste zu bekommen. Einige Schulen sollen sogar keine Atteste mehr von ihm annehmen. Diese Art vom Weglaufen von Klausuren war mir in Frankreich völlig fremd. Das habe ich erst hier als Dozentin kennen gelernt. Tss-tss. Aber zurück zum Thema.

In der Praxis hat mich zuerst ein gewaltiger Geruch von kaltem Tabak empfangen. Igitt. War’s beim letzten Mal auch so? Ich habe es vergessen. Ich glaube, in der Praxis wird viel geraucht. Gut, dass ich so schnell dran kam. Sein Verdikt: Grippaler Infekt. Ein anderer Begriff für Erkältung. Es klingt nur dramatischer. Ich soll mich also ausruhen, viel trinken und Paracetamol schlucken. Er hat mir einen Attest für eine Woche schreiben wollen. Eine Woche?? Das ist mir viel zu lang. Morgen will ich wieder bei der Arbeit sein. Mal schauen, ob es klappt. Sonst muss ich zurück zur Praxis gehen.

Ich hatte auch meinen Impfpass mitgebracht. Im Fall einer Schwangerschaft will ich sicher sein, dass ich keine gefährliche Krankheit bekomme, die ich durch eine Impfung vermeiden könnte. Seine Reaktion fand ich sehr enttäuschen. Er kam mir gar nicht so fachlich vor. „Was soll denn groß passieren?“, meinte er. „Sie können erstmal froh sein, überhaupt schwanger zu werden.“ Ich weiß nicht, ob er mein Alter meinte oder ob es einfach so zum Spaß gemeint war. Ich habe nicht den Eindruck, dass er das Problem von Krankheiten in der Schwangerschaft ernst nimmt. Sabrina hatte letztes Jahr Ringelröteln bei ihrer zweiten Schwangerschaft bekommen. Ihrem Kind geht’s jetzt zum Glück gut, aber das hätte schlimm enden können. Ich werde mich an meine Frauenärztin wenden. Immerhin haben wir gestern meine Kombi-Impfung gegen Tetanus usw. erfrischt.

Vielleicht ist es der Grund für die hohe Anzahl für Studenten, die keine Klausur schreiben wollen. Zu etwas anderes als Atteste schreiben kann man ihm nicht viel trauen. Andererseits habe ich vor der Praxis meine alte Nachbarin vom Erdgeschoss getroffen, die vom Gebäude raus ging. Bestimmt eine langjährige Patientin.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.