Wieder im Lande

Wir hatten eine tolle Zeit.

Das Hochzeitskleid habe ich noch fertig gekriegt, bevor wir zu meiner Heimat geflogen sind. Es ist richtig gut geworden. Es wird Fotos vom Kleid geben, wenn ich mal dazu komme, die alle zu sortieren. Die Vorbereitungen bei der Friseurin und bei der Kosmetikerin fand ich eher lästig. Aber meine Trauzeugin Sabrina hatte schon viele Monate vorher betont, es gehört sich dazu. Ich denke immer noch, es hätte nicht sein müssen. Schminken kann ich mich selber. Ich habe unglaublich viele Klammer in die Haare gesteckt bekommen, es war kein Spaß, sie danach zu entfernen.

Die Gäste sind gut angekommen. Wir waren schon zu viel für den kleinen Raum beim Standesamt in unserem kleinen Dorf, einige meiner Freunde haben hinten stehen müssen. Die Trauung wurde zum Glück kurz gehalten und verlief gut. Eine gute Kollegin meiner Mutter hat uns getraut. Besonders aufgeregt war ich eigentlich nicht. Herzklopfen? Zittern? Tränen in den Augen? Nichts davon. Bei anderen schon. Mein Stiefvater war nach der Trauung sichtlich berührt, obwohl sie auf Französisch lief.

Beim Verlassen vom Standesamt sind wir mit Reis und Rosenblättern beworfen worden. Die Körner haben ganz schön heftig auf der Haut geprallt. Ich habe viele nach der Feier beim Ausziehen im BH gefunden. Und in den Haaren. Wir hatten noch kurz Zeit, für die Freunde und Verwandte für Fotos zu posieren, und das Gewitter ist niedergegangen. Sehr überraschend, weil das Wetter vorher trotz Vorhersage der vorherigen Woche schön sonnig und sommerlich war. Von Regen war in meiner Wetter-App keine Rede mehr. Das Gewitter war sehr stark und hat mindestens eine halbe Stunde gedauert. Es hat richtig geschüttet. „Wir werden sowas von glücklich sein,“ habe ich meinem Mann gesagt. Die Gäste haben sich in allen Richtungen verstreut. Wir haben Schutz unter dem Dach der Terrasse eines Gemeinschaftshauses auf der anderen Seite vom Platz gefunden. Ich war froh, einen Regenschirm parat zu haben.

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Nach dem Gewitter sind wir zum Hotel für die Feier gegangen. Auf dem Weg dahin haben wir vor dem Rathaus gesehen, wie sich Tauben über die Reiskörner gefreut haben. Die Gäste, die wir dort unterbracht hatten, waren schon mit Champagner versorgt. Die anderen sind nachher gekommen. Die Feier lief gut. Ich hatte mir große Sorgen gemacht. Mein Vater und meine Mutter hatte ich an zwei Tischen möglichst weit von einander platziert. Sie hatten genug Verwandte und gute Bekannte um sich herum, um einen guten Abend zu verbringen, ohne sich wahrnehmen zu müssen. Es hat geklappt. Mein Vater hat auf eine Rede verzichtet, und das fand ich großartig. So hart wie es klingen mag, er ist nicht in der Lage, zwei Sätze ohne grobe Vokabel- oder Grammatikfehler auszusprechen.

Wir haben bis drei Uhr morgens gefeiert. Am nächsten Tag hatte ich angeboten, zum entkatern eine Wanderung zu machen. Es war sehr sonnig. Die Mehrheit von den Gästen hat sich aber dafür entschieden, die Gegend mit dem Auto zu erkundigen. Ich bin mit meinen Gästen aus meiner Doktorarbeitszeit gewandert, nachdem wir uns im kleinen Supermarkt Versorgung für den Nachmittag geholt haben. Sie kannten die Provence gar nicht und waren begeistert, all die wilden Pflanzen, Thymian, Rosmarin und Lavendel einfach so am Rand vom Weg zu sehen. Wir sind fünf Stunden unterwegs gewesen. Ich hatte blöderweise vergessen, mich einzucremen, und habe einen Sonnenbrand bekommen.

Am nächsten Tag sind wir auf Hochzeitsreise geflogen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Das Kleid ist noch nicht fertig

Ich war fest davon überzeugt, am Sonntagabend fertig zu werden. Es ist jetzt „fast“ fertig. Ich muss es bis Mittwoch schaffen. Wir fliegen am Donnerstag zu meinen Eltern. Ich hatte bei der Arbeit schon angekündigt, dass ich eventuell mehr Urlaubstage brauchen würde. Ich habe mir heute und Mittwoch frei genommen. Ich bin sehr froh, dass Winfried sich dabei so verständnisvoll gezeigt hat.

Die ganze Arbeit an der Nähmaschine ist seit heute endlich vorbei. Ich habe so viele Kreise aus Stoff gefaltet und zusammen in Reihen genäht. Mit mehr Übung habe ich für die Reihen am Rücken, die am längsten sind, nur noch anderthalb Stunde pro Reihe gebraucht. Die Reihen habe ich ans Kleid mit der Maschine grob angebracht. Jetzt muss ich sie ganz eng am Kleid nähen. Ich habe schon über die Hälfte geschafft. Es dauert aber lange, weil es nur noch händisch geht. Mit der Maschine komme ich gar nicht ran.

Ich habe nicht gezählt, wie häufig ich mir die Nadel in die Finger gesteckt habe. Ich habe es irgendwie geschafft, keinen Blutfleck am Kleid zu hinterlassen. Die Hände sind sehr trocken geworden und reiben manchmal am Stoff. Ich kann sie nur abends eincremen. Sonst kann ich die Nadel durch die mehreren Stofflagen gar nicht mehr ziehen. Die Schere ist auch nicht ohne. Sie ist vorne unglaublich spitz. Ich habe sie einmal zur Seite neben mir legen wollen, und mir dabei versehentlich am inneren Unterarm gestreift. Jetzt habe ich eine hässliche Narbe.

Zum Glück hat mir der Bräutigam sehr geholfen, und ganz viele Kreise für mich geschnitten (und sich gelegentlich auch den Daum). Das hat mir so viel Zeit gespart. Es hat tolle Ideen gehabt, wie ich Sachen besser machen könnte. Zum Beispiel, Sicherheitsnadeln statt Stecknadeln zu benutzen, um die Position der Reihen auf dem Stoff fest zu halten, bis ich sie nähen kann. Die Stecknadeln waren mir beim Ausziehen häufig weg gerutscht. Oder wie ich ohne seine Hilfe mir die Reihen selbst im Rücken gut anbringen kann. Das ist jetzt echt toll, weil er schon wieder für die Arbeit unterwegs ist und erst am Mittwochabend zurück kommt. Natürlich wäre es mit einer Schneiderpuppe viel einfacher gewesen. Und mit einem Spiegel. Ich habe mir bis jetzt das Ergebnis mit der Glasscheibe einer Tür dicht neben einem schwarzen Schrank im Flur angeschaut. Nicht ideal.

Ich habe noch drastische Änderungen am Kleid durchgeführt. Nicht nur, dass ich das Design vor drei Wochen komplett geändert habe. Mit der Idee einer Schleppe musste ich Schluss machen. Es wäre sonst viel zu viel Arbeit gewesen. Jetzt ist das Kleid kurz. Vorne gut oberhalb von den Knien, hinten genau bis zu den Knien. Den Stoff der Schleppe habe ich schon in Kreisen verarbeitet. Träger mussten zusätzlich gemacht werden, weil das Kleid durch die Reihen so schwer geworden ist, dass es mir sonst nach einigen Schritten runter fällt. Die Träger habe ich gestern gemacht und heute am Kleid befestigt. So gesehen ist es gut, dass die Schleppe weg ist.

Das Ergebnis sieht… Na ja. In guten Momenten bin ich mit dem Kleid zufrieden. In schlechten Momenten denke ich, es wirkt schlecht. Aber der Bräutigam ist begeistert. Wenn es ihm gefällt, gefällt es mir auch. Gestern Abend im Bett sagte er, er wäre stolz auf meine geleistete Arbeit. Dabei meinte er vor drei Wochen, es wäre völlig unmöglich, mein Vorhaben rechtzeitig zu beenden. Ich war sauer. Gestern meinte er, das Kleid sähe toll aus. Die Leute, die Fotos vom halb fertigen Kleid gesehen haben, haben sich auch nicht schlecht geäussert. Ich werde es mit guten Gefühl tragen können.

Trotzdem, es war eine bescheuerte Idee. Das hatte ich Winfried auch in einem Augenblick von Luzidität gesagt, als er mich fragte, ob ich denn so gut nähen könnte. Ich habe mir nur einmal vor Jahren ein Kleid für einen Tanzauftritt genäht. Erfahrung quasi gleich null. Ich hätte mir das Kleid kaufen sollen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Nur noch eine Woche

  • Formalitäten und Papierkram schon seit Wochen erledigt
  • Flüge gebucht seit Monaten
  • Einladungen geschickt nicht ganz so einfach
  • Eheringe geschmiedet der Kurs hat richtig Spaß gemacht
  • Anzug für den Bräutigam heute haben wir das passende Hemd dazu gefunden
  • Hochzeitskleid aber es geht gut voran
  • Neue Schuhe dank Kate
  • Neue Handtasche ditto
  • Etwas Blaues auf dem Strumpfband
  • Etwas Geliehenes Hochzeitsschmuck von meiner Trauzeugin Sabrina
  • Etwas Altes wir haben altes Gold für die Ringe verwendet
  • Friseurtermin auch für einige Gäste sowie meine beiden Trauzeuginnen
  • Termin bei der Kosmetikerin sowie Schminke-Probe am Tag davor
  • Abendessen im Restaurant tolles Menü, und nicht so teuer, weil ich vor Jahren dem Sohn der Betreiberin private Mathe-Stunden gegeben habe
  • Sitzordnung und Tischkärtchen  die muss noch der Bräutigam vorbereiten
  • Blumen und Dekoration von meiner Mami organisiert
  • Fotograf Profi von meinem Vater bestellt
  • Musik von meinem Bruder organisiert, der einen Profi als Kumpel hat
  • Hotelzimmer für die Gäste wir haben zwei Hotels gefüllt
  • Schönes Wetter wie die Prognose aussieht, wird es eher strömen, aber, wie man bei uns sagt: Mariage pluvieux, mariage heureux
  • Weißer Regenschirm weil ich den Regen mein Make-up nicht ruinieren lassen will
  • Dragées zum verschenken von der Freundin von meinem Bruder organisiert
  • Junggesellinnenabschied es gab keine Zeit, meine Trauzeuginnen wohnen zu weit weg, und so scharf darauf bin ich eh nicht

Praktisch, dass meine Familie vor Ort sich um so vieles kümmern kann. So gesehen, ist mein einziger Stress, das Kleid rechtzeitig fertig zu kriegen. Es könnte morgen klappen. Trotzdem ein Riesenstress.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Shopping-Abend mit Kate

Ich habe heute Abend wieder nicht an meinem Kleid gearbeitet. Gestern schon deswegen nicht, weil ich von der Arbeit zu spät nach Hause gekommen bin. Heute, weil ich shoppen war. Was nützt es mir, ein Kleid fertig zu machen, wenn ich barfuß gehen muss? Eine kleine Handtasche wollte ich noch dazu haben. Und mehr von dem Stoff für das Kleid brauchte ich, mein Vorrat ist fast alle.

Kate hatte sich letzte Woche so lieb angeboten, um mir bei Vorbereitungen zu helfen, als ich vom Stress mit dem Kleid erzählte, dass ich sie gefragt habe, ob sie mich beim Shoppen begleiten wollte. Ich wusste nicht so recht, wo ich schöne weiße Schuhe finden sollte. Ich hatte mich schon in den Einkaufszentren in meinem Viertel umgeschaut, aber weiße Schuhe sind eine Seltenheit. Sie hat mir vorgeschlagen, zum Salamander zu gehen. Den einzigen Laden gibt es bei der Mall of Berlin. Ich wurde fündig. Tolle Schuhe gab es, mit nicht zu hohen Absätzen, und die perfekt zum Stoff passen. Und weil ich schon ewig nicht mehr auf Schuh-Jagd war, habe ich mir ein zweites Paar geholt.

Die Handtasche wurde auch schnell bei Karstadt gefunden, nachdem ich mir den Stoff fürs Kleid besorgt hatte. Jetzt muss nur noch das Kleid fertig werden. Wir haben uns zur Belohnung ein Eis mit Sekt gegönnt. Es war ein netter Abend. Ich warte nun, dass Martin nach Hause kommt. Er war seit gestern in Holland unterwegs. Sein Rückflug hatte heute Abend Verspätung. Er muss viel mehr reisen, als ihm vor Beginn von seinem Arbeitsvertrag erzählt wurde.


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Müde

Am Dienstag war ich schon müde. Ich war um sechs Uhr aufgestanden, um meinen Flug nach Köln-Bonn zu kriegen und zu meinem ehemaligen Institut zu fahren. Nicht meine übliche Zeit. Andererseits auch nicht so super früh. Ich musste aber am Abend davor bis sieben bei der Arbeit bleiben, um unsere Geräte zu warten. Um acht war ich zu Hause und habe am Hochzeitskleid weiter genäht. Es hört nicht auf.

Am Dienstag hatte ich den ganzen Tag den Eindruck, ich könnte gleich einschlafen. Ich habe trotzdem einen guten Vortrag geliefert. Die Dreiviertelstunde Redezeit, die ich mir gehandelt hatte, habe ich gut genutzt. Meine Zuhörer sind nicht eingeschlafen, außer ein Student, der immer wieder mit einem Hochschrecken aufwachte, um dann für die nächsten dreißig Sekunden bis zur nächsten Narkolepsie-Attacke aufmerksam zu wirken. Ich habe sogar am Ende viele interessierte Fragen bekommen.

Am Mittwoch musste ich früh zum Flughafen. Mein Flug von Köln-Bonn nach Berlin war um drei Stunden verspätet, wie ich am Dienstagabend in einer SMS erfahren habe. Man musste trotzdem zwei Stunden vor der ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es kam mir übertrieben vor, da ich schon eingecheckt war und kein Gepäck hatte. Ich bin trotzdem noch früher dort gewesen. Der Flughafen war gespenstisch leer. An einem Eingang waren nicht mal zehn Leute mit gelben Ver.di-Jacken versammelt. Ich bin zum Germanwings-Schalter gegangen und habe gefragt, ob es denn sicher wäre, dass der Flugzeug um 15:00 abhebt. „Das können wir Ihnen nicht versprechen,“ hat die Frau geantwortet. Ich habe sicherheitshalber meine Flugkarte gegen eine Bahnkarte tauschen lassen, und einen ICE nach Berlin bekommen. Es gab Verspätungen. Egal, ich habe ein bisschen schlafen können. Um etwa viertel nach drei waren wir angekommen. Kurz vor dem Hauptbahnhof habe ich eine neue SMS von Germanwings bekommen. Mein Flug war noch nicht weg und würde sich wieder verspäten.

Ich wollte gestern Abend früh ins Bett gehen. Martin war eh im Laufe des Tages nach Polen geschickt worden und kommt erst morgen zurück. Ich konnte doch nicht vor Mitternacht ins Bett. Ich habe gestern Abend das Rufbereitschaftshandy bekommen, und es hat geklingelt. Es gab ein Problem an einem der Rechner, der ein Gerät steuert. Die Maus funktionierte nicht mehr. Es war nicht am Telefon zu lösen. Vor Ort hätte ich nicht viel anrichten können. Ich hätte den Hub wechseln wollen, aber wo unsere Ersatzteile liegen, weiß ich nicht. Heute Morgen hat sich mein IT-Kollege den Rechner angeschaut. Es gibt tatsächlich einen Wackelkontakt an einem Hub. Jetzt funktioniert es wieder, ohne dass er irgendwas tauschen musste. Trotzdem. Der Hub muss weg.

Heute musste ich wieder früh bei der Arbeit sein. Ich hatte Nutzerbetreuung, und den ganzen Tag Messzeit, um meine eigene Experimente zu machen. Ich bin erst um acht Uhr abends zu Hause gewesen. Zu müde, um an meinem Kleid zu arbeiten. Dafür habe ich mir für morgen Freizeitausgleich genommen. Ich hoffe, ich komme gut voran. Vorausgesetzt, keiner ruft mich heute Nacht an.


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Gerüchteküche

So ein geschäftliches Abendessen kann interessant werden. Zwischen zwei Gläsern Wein hört man Geschichten, die man sonst nie im normalen Tagesablauf erzählt bekommt. Wie die Geschichte von Emma, unsere Mitarbeiterin aus der Presseabteilung.

Bei uns hat vor einiger Zeit eine Veranstaltung statt gefunden, bei der ich nur kurz anwesend war. Der Tagesablauf war voll mit Vorträgen gepackt, bis spät abends, und die Teilnehmer wurden für die zwei Tage in Zimmern vor Ort unterbracht. Emma war die ganze Zeit dabei. Wir hatten viele Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, mit denen sie sich unterhalten hat. Insbesondere mit einem jungen Mann, den ich nicht kenne, und der damals bei einem von unseren gestrigen Gästen arbeitete. Die öffentliche Version der Geschichte gestern lautete, „sie hat sich in ihn verliebt“. Der junge Mann war gerade seit zwei Wochen frisch verheiratet. Was folgte für ihn: Scheidung und Arbeitswechsel, um mit Emma zu leben. Jetzt sollen die Beiden in naher Zukunft heiraten. Es muss für seine erste Frau ein harter Schlag gewesen sein.

Dazu fällt mir nur das xkcd-Comic ein, das die Situation genau auf den Punkt bringt:

Und jetzt arbeite ich an meinem Hochzeitskleid weiter. Schließlich habe ich mir heute dafür frei genommen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Planänderung

Ich hatte mir vorgenommen, mir mein Hochzeitskleid selber zu nähen.

Die Grundform ist schon geschafft. Vorne ist das Kleid kurz, oberhalb von den Knien. Hinten ist es lang, mit einer Schleppe. Das hat viel mehr Zeit gekostet als ich dachte. Ich muss mich vermessen haben, weil das Kleid am Anfang viel zu breit am Oberkörper war. Ich habe die Naht mehrmals neu machen müssen. Das Kleid sitzt eng am Körper, die Naht muss also perfekt sein. Sie darf keine Welle im Stoff verursachen. Das war nicht einfach. Der Stoff ist ein „Satin-Strick“. Kein Satin, der Name ist nur ein Marketing-Trick. Es glänzt ein bisschen. Ich habe es genommen, weil es in allen Richtungen schön dehnbar ist. Ich brauche keinen Verschluss zu machen.

Nach der Grundform hatte ich vor, mit einem leichten Stoff Volumen ab der Hüfte zu schaffen. Ich hatte zuerst mit Tüll probiert. Leider ist der Stoff sehr anfällig für Elektrostatik und fängt alle sonst rumliegende Fasern. Die Verkäuferin bei Karstadt hat mir stattdessen einen leichteren Stoff empfohlen. Stark glänzend und hauchdünn. Das war ein Fehlkauf. Der Stoff lässt sich überhaupt nicht bearbeiten. Ständig rutscht er weg. Selbst wenn man einen Rand macht, franzt er aus und löst sich von der Naht. Und es hat furchtbar ausgesehen, als ich ihn endlich fest machen konnte. Ich habe ihn vom Kleid wieder entfernt. Das war am Samstag.

Eine Planänderung war dringend nötig. Ich habe gegoogelt und etwas interessantes entdeckt. Ich probiere es mal aus. So wie auf den Fotos wird es nicht aussehen. Mein Stoff ist feiner. Die Dreiecke sollen kontinuierlich von oben bis unten über die ganze Länge laufen. Keine Unterbrechung in der Höhe. Es ist aber sehr viel Arbeit. Ich habe am Sonntag angefangen. Kreise aus dem Stoff schneiden. Kreise falten. Dreiecke auf Band mit der Maschine nähen. Band händisch am Kleid befestigen. Inzwischen habe ich den Prozess so weit optimiert, dass ich eine ganze Linie am Abend schaffen kann. In Zweieinhalbstunden.

Ich habe gerade noch drei Wochen Zeit. Es wird sehr stressig. Morgen kann ich schon mal nicht. Dienstliches Abendessen. Am Freitag habe ich mir extra dafür frei genommen. Dann kommt das Wochenende, und Martin muss für die Arbeit bis Samstagabend weg. Nächste Woche muss ich zwei Tage dienstlich unterwegs sein. Am Samstag findet der Schmiedekurs für die Eheringe statt. Am Wochenende danach haben wir ein seit Monaten geplantes gemeinsames Essen mit Freunden. Es wird echt knapp. Und wenn es nicht klappt muss ich in Windeseile ein Kleid kaufen.


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Freizeitausgleich

Heute bleibe ich zu Hause. So erholsam ist es doch nicht. Ich muss morgen bei der Arbeit für die gesamte Gruppe einen kurzen Vortrag über meine Tätigkeit in Portugal letzte Woche halten. Ich war bis heute zu müde und nicht in der Lage, damit anzufangen. Jetzt also.

Außerdem musste ich heute morgen ganz früh aufstehen. Nichts mit ausschlafen. Wir haben seit gestern Handwerker zu Hause, die Arbeiten nach dem Wasserschaden im Gästebadezimmer abschließen. Martin hatte den Termin völlig vergessen. Gut, dass ich ihn am Sonntagabend gefragt habe, wann die Handwerker eigentlich zurück kommen. Gestern ist mein Schwiegervater in spe für uns eingesprungen, da wir beide arbeiten mussten. Für heute habe ich Freizeitausgleich beantragt. Urlaub ging nicht, weil ich diese Woche Rufbereitschaft habe.

Ich habe noch ein paar Urlaubstage vom letzten Jahr übrig, die nehme ich nächste Woche. So kann ich mit meinem Hochzeitskleid anfangen. Ich will es mir selber nähen. Eine genaue Vorstellung vom Endergebnis habe ich schon. Vorne sollte das Kleid bis oberhalb von den Knien kommen, hinten soll es den Boden berühren. Vielleicht kann ich mit Tüll interessante Effekte schaffen. Am Wochenende werde ich mir Stoff besorgen. Das wird ein Spaß. Ich habe noch drei Monate Zeit.


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Neuigkeiten

Ich habe heute ausnahmsweise früh Feierabend gemacht. Nach einem kurzen Stadtbummeln in meinem Viertel bin ich mit leeren Händen nach Hause gefahren. Doch nicht in Kaufstimmung. Es war mir zu aufwendig, Schuhe oder Kleidung anzuprobieren. Keine Lust. Ich habe es mir stattdessen zu Hause bequem gemacht und warte nun, dass der Liebster von seiner Arbeit zurück kommt.

Denn er hat jetzt eine Arbeit gefunden. Die, die nicht so gut bezahlt wird. Das Arbeitsamt hat dem Arbeitgeber Geld gegeben, um das Gehalt aufzustocken. Nicht gerade wenig: Ein Drittel von dem, was der Arbeitgeber ursprünglich angeboten hatte. Gut für ihn, da er dadurch die Stelle angenommen hat, aber ich bin nicht überzeugt, dass es eine so gute Idee ist. Der Arbeitgeber ist auf Bewertungsportalen dafür bekannt, dass er mit Gehältern ziemlich geizig ist. Wenn er vom Arbeitsamt profitiert, um günstiger an qualifizierten Mitarbeitern zu kommen, klingt es für mich wie Ausbeutung von öffentlichen Geldern, um private Firmen zu finanzieren, statt um Arbeitslosen zu helfen. Aber anscheinend wird es häufig gemacht. Das wusste ich gar nicht.

Dadurch, dass wir jetzt beide wieder arbeiten, habe ich viel weniger Zeit. Die Hausarbeit muss geteilt werden. Ich bin letzte Woche häufig abends einfach von lauter Müdigkeit ins Bett gefallen. Es kann auch an die Zeitumstellung liegen. Wir haben es doch einmal geschafft, zu einer Cocktail-Bar zu gehen. Das letzte Mal war lange her. Wir haben auf seinen neuen Job angestoßen. Und dann hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten wollte. Eigentlich wollte ich ihn länger gefragt haben. Ich wusste sogar, wo und wie ich ihn fragen wollte. Es gibt einen tollen Ort, wo ich schon mal war und der so wunderschön aussieht, zu dem ich mit ihm für ein Wochenende fahren wollte. Wir sind noch nicht dazu gekommen, und er hat mich nun vorher gefragt. Wir heiraten im Frühling. In dem Dorf, in dem ich groß geworden bin und wo meine Mami noch wohnt. Der Termin im Rathaus ist schon vereinbart. Ich freue mich.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.