Migräne, schon wieder

Heute Morgen ging es mir gut. Ich bin eine Stunde früher als geplant aufgewacht. „Eigentlich könntest du laufen gehen“, habe ich gedacht. Meine Sportsachen hatte ich eingepackt. „Och nee, keine Lust“, habe ich mir beim Aufstehen geantwortet. Um dann meine Sportklamotten anzuziehen. Der Anblick im Spiegel hat mich motiviert. Die Frau sah voll sportlich aus.

Eine schöne Strecke am Fluß entlang hatte ich mir vor der Abreise ausgesucht. Tagsüber und abends ist es schlecht, weil es voll mit Menschen ist, und viele auch im Fluß schwimmen (das muss ich definitiv machen, bevor ich zurück nach Berlin fahre). Morgens um sieben ist keiner da. Und es ist nicht so heiß. Perfekter konnte es nicht sein. Die unerwarteten grauen Wolken haben mir Sorgen vorbereitet, aber es ist trocken geblieben. Ich bin Dreiviertelstunde gelaufen. Länger nicht, weil ich den ersten Vortrag des Tages nicht verpassen wollte. Außerdem wurde die Strecke immer häßlicher, je weiter weg ich vom Zentrum gelaufen bin.

Ein großes Problem war, dass ich vom Anfang an einen viel höheren Puls als sonst hatte. Fünfzehn Schläge mehr pro Minute. Bin ich schneller gelaufen, oder lag es daran, dass es so ungewohnt früh morgens war? Vermutlich letzteres. Laut Google Maps habe ich in der Zeit nur 5,2 Kilometer geschafft. Nicht besser, als wenn ich sonntags mit dem Ehemann jogge. Ich bin so eine Schnecke.

Vielleicht habe ich in den letzten Tagen nicht genug getrunken. Es war sehr heiß. Die Getränke in der Minibar sind kostenlos, hatte mir die Dame am Empfang gesagt, also habe ich alle Wasserflaschen geleert. Trotzdem ist meine Basaltemperatur deutlich gestiegen, seitdem ich hier bin. Es könnte den höheren Puls von heute Morgen erklären.

Zurück im Hotel habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr so viel Zeit hatte. Schnell geduscht und angezogen. Kein Frühstück. Ich habe vergessen zu trinken. Bei der Konferenz gab es noch keinen Kaffee. Der erste Vortrag war genau so toll, wie ich es mir von der Person erhofft hatte. Der Raum war leider überklimatisiert. Dreißig Grad draußen, und drin friert man. Obwohl das mit den dreißig Grad heute nicht stimmt. Es ist kühler geworden. Vor meiner Abreise hieß es, jeden Tag genau so heiß. Ich habe dementsprechend gepackt. Jetzt habe ich zu leichte Kleider für den Rest der Woche. Ich habe mich heute Abend gefreut, als ich zu meinem viel zu warmen Hotelzimmer zurück gekommen bin.

Im Laufe des Tages habe ich mich zunehmend schlecht gefühlt. Dass ich am frühen Nachmittag in einem überfüllten Raum eine Stunde lang hinten stehen musste, um Vorträge zu hören, hat nicht geholfen. Mein Ischias hat sehr geschmerzt. Ich habe es nach einer Stunde nicht mehr ausgehalten und bin auf einer Couch draußen im Expositionsraum kurz eingeschlafen, als meine Sitznachbarn sich über Qt und Windows unterhalten haben.

Das Essen hat mich enttäuscht. Gestern war es besser. Nur Croissants und Kaffee oder Tee zur Pause. Kein Obst, wie ich mich aus anderen Tagungen inzwischen gewöhnt habe. Mittags war das Essen nicht besser. Schupfnudel mit gegrilltem Gemüse und Salami. Alles in Öl badend. Würg. Nachmittags fetter Süßkram mit Kaffee. Keine Lust dazu. Ich habe gefragt, ob es Obst gäbe. Nein. Die Frau hat mich wie eine Außerirdische geguckt. Ich bin raus gegangen und habe mir Bananen aus dem Supermarkt geholt. Sonst kriege ich noch Krämpfe, nach dem morgendlichen Laufen. Als ich aus dem Konferenzgebäude raus gekommen bin, habe ich gehört, wie zwei Französinnen sich darüber beschwert haben, wie schlecht das Essen war. Ich war also kein Einzelfall.

Ich habe wegen beginnender Migräne einen Vortrag geschwänzt und mich kurz im Hotelzimmer erholt. Das Wetter war bedrückend. Dunkle Wolken. Kalt. Nur zweiundzwanzig Grad. Danach musste ich zurück zu meinem Poster. Die Migräne ist stärker geworden. Am Empfang hatten sie kein Aspirin. Ich habe mich geärgert, dass ich die Packungen zu Hause vergessen habe. Mein Poster wurde gut besucht. Leute sind gekommen, die sich es gezielt ausgesucht hatten. Keine Zufallsbesucher, wie ich es aus meiner Zeit in meinem früheren Institut kenne. Ich bin froh, die Forschungsrichtung gewechselt zu haben. Heute war es aber hart, und ich habe jedesmal gehofft, dass die Leute nicht zu viele Fragen stellen. Die Migräne wurde so stark, dass ich Übelkeit bekommen habe.

Um sieben war offizieller Schluß. Die waren alle noch am Quatschen. Ich habe mein Poster abgenommen und bin zum Hotel gegangen. Im Viertel habe ich keine Apotheke gesehen. Die Frau am Empfang meinte, am Bahnhof gäbe es eine. Viel zu weit weg, wenn man pochende Migräne hat. Ich bin zu einem Lokal in der Nähe essen gegangen. Flammkuchen mit crème fraîche, Speck, Zwiebel, Rucola, Parmaschinken und Parmesan. Eine Apfelschorle dazu. Ein bisschen viel, das stimmt. Aber hey, seitdem geht es mir viel besser. Die Migräne ist weg.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Es ist kühler geworden

Vor einer Stunde hatten wir noch knapp 37°C auf der Terrasse…

Temperatur

Alle Fenster sind tagsüber geschlossen. Im Treppenhaus fühlt es sich wie in einem Offen an. Ich gehe nicht raus.

Wir waren gestern Abend am Nikolassee. Es war überfüllt mit Menschen, aber es gab auch Enten und Blässhühner. Letztere wurden sogar noch von süßen kleinen Küken gefolgt. Ich konnte gut im Wasser abkühlen, der Rest des Abends war angenehm. In der kurzen Zeit am Wasser bin ich natürlich auch von kleinen Viechern gefressen worden…

Heute fällt mir das wöchentliche Putzen recht schwer. Staubsaugen ist erledigt, der Boden muss noch gewischt werden. Lieber sitzen bleiben. Gleich kommt ein Gewitter.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Hitze schafft mich

Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Schließlich bin ich ein „Südkraut“, wie Sebastian gerne zu mir sagte. Ich komme aus der Provence und sollte an hohen Temperaturen gewöhnt sein. Ich weiß noch, wie unglaublich toll ich mich in der prallen Sonne gefühlt hatte, als ich vor siebzehn Jahren in August aus dem Flugzeug in Casablanca zum heißen Asphalt ausgestiegen war, um Trauzeugin für die Hochzeit einer Freundin zu sein. Hier in Istrien ist es mir zu viel.

Letzte Woche bei der Tagung ging es mir körperlich nicht gut. Sicherlich hat es eine Rolle gespielt, dass ich schlecht geschlafen habe. Ich war zuerst für die Schulung in einem Hotel am Strand unterbracht, wo viele Partys abends statt gefunden haben, und ich konnte bei mir nicht mal das Fenster zu machen. Zum Glück war es zur Waldseite und nicht zum Strand gerichtet. Das gelegentliche Erbrechen unter meinem Zimmer habe ich trotzdem gut mitbekommen. Für die Tagung bin ich zu einem tollen Hotel gewechselt, aber der Stress für den Vortrag hat mir den Schlaf geraubt. Ich bin vor dem Tag mit Herzklopfen aufgewacht und war dabei, Sätze im Kopf zu wiederholen. Kein Wunder, dass ich immer einen hohen Puls hatte.

Mit der Hitze ging es während der Tagung relativ gut. Die Räume waren teilweise klimatisiert. Wenn wir mittags am Hafen essen gegangen sind, war es hart. Die Halle mit den Postern war nachmittags nicht auszuhalten. Ich habe mehrmals die langen Pausen benutzt, um schnell ins Meer zu springen oder einfach im Hotel duschen zu gehen. Seit Martin da ist, sind wir tagsüber draußen gewesen. Es war gut, am Samstag zum Strand zu gehen. Gestern haben wir uns Sehenswürdigkeiten angeschaut. Ich konnte mich sehr schwer dazu bringen, mich zu bewegen. Anschließend ist Martin schwimmen gegangen. Ich konnte nicht, da ich meine Periode bekommen habe und viel Blut verliere. Ich habe im Schatten an der Strandbar gewartet.

Heute Nacht habe ich nicht gut geschlafen. Die Wohnung liegt mitten in der Stadt und die Urlauber sind spät abends unterwegs. Laut. Ich habe meine Oropax dabei, aber gestern Abend war es ungewöhnlich leise. Ich bin ohne sie eingeschlafen. Um 05:20 bin ich aufgewacht. Unter dem Fenster fuhr ein Wagen zur Straßenreinigung. Extrem laut, mit Piepsen. Um 05:20. Zweimal ist er vorbei gefahren. Ich bin danach wieder eingeschlafen, hatte zwischendurch den Stresstraum, und bin um 10:00 mit einem miesen Gefühl aufgewacht. Watte im Kopf. Am liebsten wäre ich im Bett geblieben. Wir sind frühstücken gegangen. Kurz danach zurück zur Wohnung. Viel getrunken. Martin hat die Klimaanlage angeschaltet. Ich bin grundsätzlich dagegen, aber auf einmal ging’s mir besser. Unglaublich. Wir sind zu einem Café in die Stadt gegangen, um Limonade zu trinken. Der Autoverkehr war zu laut, das Sonnenlicht zu grell. Nach dem Shopping haben sich die Zeichen der Migräne verstärkt. Ich habe ein Aspirin genommen und geschlafen. Martin habe ich in die Stadt zum Spaziergang geschickt. Es wäre echt blöd, Urlaub in der Mietwohnung zu verbringen.


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Die Pfaueninsel

Ein wunderschönes Ziel für einen Sonntagsspaziergang, habe ich heute festgestellt. Perfekt wenn man einen Ort sucht, der nicht mit Menschen überfüllt ist. Ein bisschen schade, dass nicht mehr Leute dorthin gehen, aber sonst wäre es nicht so angenehm und erholsam gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass es ziemlich weit weg von Berlin-Mitte liegt, am südwestlichen Rand der Stadt. Der Preis für die Fähre könnte auch ein Hindernis sein – 4€ pro Person für die kurze Strecke, die man locker auch schwimmend schaffen würde (aber es ist bestimmt verboten). Die ganze Insel ist sowieso von einem Elektrozaun umringt, zum Schutz gegen die Wildschweine, die auch zur Insel schwimmen können und große Schäden anrichten würden, habe ich erzählt bekommen.

Wir sind einmal um die Insel spazieren gegangen. Trotz der Hitze war es schön, die Bäume beschatten die Wege (ich liebe diese Hitze sowieso, nur Martin mag es nicht so heiß). Wassersprinkler für die Pflanzen haben wir auch genossen. Jungen Pfauen laufen überall frei herum. Zwei weiße saßen ruhig in der Voliere. Wir sind an die Wasserbüffel vorbei gegangen. Auf der Liegewiese haben wir uns Bratwurst und Getränke geholt. Ein kleines Mädchen mit Hut und Sommerkleid stand mittig auf der Wiese und hielt mit großem Spaß einen Wasserschlauch. Leute sind ab und zu zu ihr gegangen, um sich mit dem Wasser abzukühlen. Zum Schluss sind wir am Schloss vorbei gegangen (Bild hier, aus Wikimedia Commons, meine Bilder sahen nicht so gut aus, ich vermute, die Linse von meinem Handy war nicht sauber genug).

Anschließend haben wir mit Patrick und Hannah, die uns den Ausflug vorgeschlagen hatten, ein Eis am Mexikoplatz gegessen. Ich bin jetzt immer noch satt davon und werde heute Abend bestimmt nichts mehr essen können.


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Erster Tauchgang

Ich dachte fast, dass ich nicht dazu kommen würde.

Am Samstagabend sind wir weg geflogen. Es ging mir gut. Der erste Flug mit Air Berlin nach Abu Dhabi war kein Spaß. Wir hatten uns bequemere Sitzplätze am Notausgang „für mehr Beinfreiheit“ extra gebucht, aber ich bin nicht überzeugt, dass es sich lohnt. Zum Einen hatte ich den Platz am Fenster: Als alle eingestiegen waren, ist die Tür abgeriegelt worden und ich konnte die Beine doch nicht mehr strecken. Zum Anderen hat man auf diesen Plätzen keinen Netz vor sich, um Gegenstände aufzuräumen. Der Flug selbst war sehr laut. Die Flugbegleiter waren nur am Laufen, weil die Besatzung für die Anzahl der Passagiere nicht ausreichend war. Ich habe zuerst einen Film schauen wollen, aber die verteilten Kopfhörer waren so schlechter Qualität, dass ich trotz hoher Lautstärke kaum etwas verstehen konnte. Ich habe aufgegeben und versucht zu schlafen, was mir nicht gelungen ist. Die Flugbegleiter haben ständig im Raum neben uns gequatscht und gelacht. Als wir gegen 06:00 gelandet sind, hatte ich maximal eine Stunde Schlaf hinter mir. Der zweite Flug mit Air Seychelles war deutlich angenehmer. Auch A330, trotzdem viel leiser, und die freundliche Besatzung verleiht gleich eine ganz andere Atmosphäre. Ich habe bis zum Ziel schlafen können.

Kurz vor der Landung habe ich Gewitter im Bauch gespürt und dachte, ich würde gleich explodieren. Als alle Passagiere noch im Gang warteten, ist eine Lampe zur Toilette grün geworden und ich habe mir den Weg bis dahin gebannt. Wieder Durchfall. Bestimmt vom zu fetten Abendessen bei Air Berlin, dachte ich. Es würde gleich wieder gehen. Eine Viertelstunde später musste ich die Schlange zur sanitären und Pass-Kontrolle verlassen, um die Toilette zu besuchen. Zum Glück war Martin noch am stehen, sonst hätte ich wieder von hinten aus warten müssen. Nach der Kontrolle, als ich mein Gepäck bekommen habe, musste ich wieder hin. Es ist hier auch so warm und schwül, selbst das Atmen fand ich anstrengend. Wir sind mit Auto vom Vermieter des Hauses abgeholt worden. Ich habe zwei Loperamid-Tabletten geschluckt, die mir der Arzt empfohlen hatte, und nicht mal fünf Minuten später ging es wieder gut.

Der Ort, wo wir unterbracht sind, ist einfach traumhaft. Fotos werden erst nach meiner Rückkehr hochgeladen. Wir haben uns das Haus mit sechs anderen Personen geteilt, alle aus Berlin. Vier davon sind Freunde von Martin (Sonia, Michael, Mara und Anton), das andere Paar ist durch Mara, meine Tauchlehrerin, dabei. Eva, die Frau, ist ganz nett, auch wenn ein wenig zu esoterisch; ihren Mann mag ich nicht, aber wir unternehmen nicht viel miteinander. Das liegt daran, dass ich bis heute an keinem Tauchgang teilnehmen konnte. Ich musste noch einige Übungen im freien Wasser machen, bevor ich mitmachen darf.

Am Montag wollte ich mich von der Reise erholen. Mit dem Durchfall am Tag davor fand ich es ein bisschen früh. Außerdem waren die Wetterbedingungen nicht gut genug. Ich habe den Tag auf der Terrasse verbracht und die Vogel und Flughunde beobachtet. Am Abend haben wir den Markt besucht. Es gab einen leckeren Mangosalat und salzige Bananenchips. Am Dienstagmorgen sind alle beim Tauchen gewesen, außer Eva, die es gar nicht mitmacht, und ich war wieder im Haus. Das Wetter ließ keine gute Möglichkeit für die Übungen. Am Mittwoch hätte es endlich geklappt, aber am Dienstagabend hatte ich wieder Durchfall. Die Gespräche am Abend waren so blöd gewesen, es hätte auch davon kommen können. Die anderen Bewohner des Hauses glauben wirklich jeden Blödsinn, den sie auf Internet lesen, und es ging den ganzen Abend um ernsthafte Hoaxdiskussionen, in dem Stil „Und wisst ihr, dass Kamellenmilch der absolute Heilmittel gegen Krebs ist, und dass die Pharmalobby dies unterdrückt“ und blablabla. Jemand hat sogar das Thema freie Energie erwähnt. Vielleicht war das häufige Klobesuchen eine Art Befreiung vom ganzen Quatsch. Ich bin am Mittwoch mit Martin am Strand spazieren gegangen und habe bei unserer Pause in einer Strand-Bar wieder Durchfall bekommen. Gestern hat der lokale Tauchführer abgesagt, weil sein Schüler, mit dem ich mitmachen soll, krank war. Stattdessen haben wir Shopping in Victoria gemacht.

Heute war es endlich so weit. Leider bin ich anscheinend nicht fürs Tauchen gebaut. Wieder meine zu schmalen Ohren, deswegen ich sehr langsam abtauchen muss. Wir waren für die ersten Übungen nicht besonders tief gewesen, gerade vier Meter. Der Schwimmbad war 3,5 Meter tief, der Unterschied ist minimal. Beim Auftauchen ging es mir zu schnell, obwohl wir die normale Aufstiegsgeschwindigkeit gehalten haben. Aber es ist klar, dass ich langsamer sein muss, wenn ich in die andere Richtung schon länger brauche. Beim Auftauchen habe ich mich plötzlich schwindelig gefühlt und an Mara festgeklammert, weil ich dachte, ich würde gleich umkippen. Kein schönes Gefühl. Ich war bereit, auf der Stelle aufzugeben und den Rest vom Urlaub nur noch am Strand zu verbringen, und Scheiß auf den gebuchten Tauchpaket und die nicht abgeschlossene Ausbildung. Das haben meine Tauchlehrerin und der lokale Führer nicht eingesehen und mich nachmittags zu einem zweiten Tauchgang gezwungen. Wieder vom Strand aus, diesmal sehr sanft nach unten und zurück, bis 7,5 Meter Tiefe am Korallenrand entlang. Es ging. Es hat sogar Spaß gemacht, die ganze Unterwasserwelt zu sehen. Trotzdem glaube ich nicht, dass es meine Leidenschaft wird. Und mein rechtes Ohr fühlt sich jetzt an, als ob Wasser drin gefangen wäre. Ein kleines Barotrauma.


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Der Duft von Lavendel

Ich bin mit Lavendel groß geworden. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, bringe ich einige Honiggläser nach Deutschland zurück. Ein Stück Heimat. Unser ehemaliger Nachbar, ein Imker, hatte selber seinen Lavendelhonig produziert und auf dem Markt verkauft, bis er vor zwei Jahren im Alter von fünfundsiebzig Jahren beschlossen hat, in Rente zu gehen. Es gab immer weniger Bienen, und die übrig gebliebenen Bienenstöcke, die er noch auf den Feldern hatte, wurden zu häufig randaliert.

Parfüm aus Lavendel habe ich selten gehabt. Es riecht mir zu stark, um getragen zu werden, ohne gleich wie eine Oma zu riechen (meine Oma mütterlicher Seite hatte immer Lavendel getragen). Ich habe die trockenen Blüten bevorzugt in Beuteln gekauft, um sie im Kleiderschrank zu stecken. Vor einigen Jahren hat mir jedoch meine Mami eine Flasche Lavendel-Parfüm aus meiner Geburtsstadt geschenkt. Ich habe sie kaum benutzt, nur ab und zu einen Tropf im Spülwasser benutzt, wenn ich bestimmte Kleidungsstücke per Hand waschen musste. Die Flasche ist auf einem Regal im Badezimmer gelagert worden, in meiner ehemaligen Dachwohnung. Manchmal habe ich sie kurz beim vorbei gehen geöffnet, um den Geruch zu riechen.

Eines Tages im Sommer bin ich einkaufen gegangen. Es war richtig heiß. Mein Nachbar, der Deutschlehrer, wohnte noch im Haus: Ich hatte noch nicht meine Wohnung mit seinem Zimmer erweitert. Die Temperatur war bei mir sehr hoch, und da ich kaum Lüftungsmöglichkeiten hatte, mit allen Fenstern auf der selben Seite des Hauses, bin ich häufig im Sommer tagsüber unterwegs gewesen. An solchen Tagen war die Lieblingsbeschäftigung meiner Katze, in der Badewanne ganz breit zu liegen und sich nicht zu bewegen.

Bei meiner Rückkehr aus dem Supermarkt bin ich die vier Etagen zu meiner Wohnung gestiegen. Auf der ersten Etage, wo meine Vermieterin wohnte, habe ich einen leckeren Duft wahrgenommen und habe gedacht, dass sie bestimmt gerade raus gegangen war. Auf der zweite Etage war der Geruch stärker: Es war doch nicht meine Vermieterin. Auf der dritten Etage fand ich den Geruch sehr stark. Erst dann habe ich gemerkt, dass es sich um Lavendel handelte. Auf meiner Etage angekommen, war der Geruch so intensiv, dass er nicht mehr auszuhalten war. Bevor ich die Tür geöffnet habe, wusste ich, dass er aus meiner Wohnung kommen musste. Und tatsächlich, im Badezimmer roch es am stärksten. Auf dem Regal gab es noch ein bisschen Parfüm, auf dem Holz verteilt und im Rest der Flasche, die wegen der Hitze und des dadurch gestiegenen Innendruckes wohl explodiert hatte. Überall auf dem Boden waren Glasstücke zerstreut. Ich habe gesammelt, was ich finden konnte, und die anderen Flaschen in den Kühlschrank gepackt.


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Migränewetter

Ich sollte an diese Hitze gewöhnt sein. In meiner Heimat ist es im Sommer meistens sehr heiß. Und vor Kurzem in Spanien hatten wir sogar 39°C. Mir geht’s schlecht.

Es kann sein, dass ich in letzter Zeit übertrieben habe. Ich war schon froh, bei meiner Rückkehr aus dem Urlaub festzustellen, dass ich gar nicht zugenommen hatte. Tapas und den leckeren frischen Fisch habe ich in Spanien reichlich genossen. Vermutlich liegt es daran, dass wir so viel zu Fuß unterwegs waren. Da das Wetter hier so schön wurde, habe ich beschlossen, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren. Seit letzter Woche habe ich jeden Tag 25km geschafft. Am Samstag sind wir zum Strandbad Wannsee gefahren. Ich hatte die Idee, danach zu mir zu fahren, und damit am Tag 60km zurück zu legen, aber bei der Hitze war es völlig unrealistisch. Wir sind von dort aus mit der Bahn gefahren. Gestern wurde die geplante Spazierfahrt aufgrund der Hitze auch verkürzt. Wir haben Pause in einem Biergarten im Schatten gemacht und ich habe einen Liter Fassbrause getrunken.

Heute Morgen hatte ich seit letzter Woche keinen Gramm abgespeckt. Irgendwie frustrierend. Laut BMI bin ich nicht im Übergewicht, immer noch im grünen Bereich, aber ich sollte mich in Acht nehmen, die obere Grenze ist nicht so weit.

Vielleicht habe ich mich mit dem vielen Fahrradfahren überanstrengt. Oder das Wetter ist Schuld. Heute war es wieder zu warm im Büro. Ich bin mehrmals zur Toilette gegangen, um mir den Kopf naß zu machen. Der Ventilator war im Einsatz. Am Ende des Tages musste ich Testmessungen an den Geräten im klimatisierten Raum durchführen, der gut zehn Grad kühler als mein Büro ist. Als ich zurück zu meinem Schreibtisch kam, habe ich mich schlecht gefühlt. Schwindelig. Mein Bauch hat geschmerzt, und eine Migräne hat sich bemerkbar gemacht. Draußen sammelten sich graue Wolken. Mir ging’s früher immer sehr schlecht kurz vor einem Gewitter, ich musste mich sogar häufig auf dem Boden hinlegen, aber es hatte nachgelassen, seitdem ich mit Sport angefangen hatte. Heute hat es mich umgehauen, und es gab zum Schluß doch nicht mal richtig Gewitter, was vorher bei diesem Zustand für mich immer wie eine Befreiung gewirkt hatte.

Ich habe Paracetamol eingenommen, ohne nennenswerte Wirkung. Kurz danach habe ich beschlossen, Feierabend zu machen. Es war schon 18:30. Ich habe das Fahrrad bei der Arbeit gelassen. Ich wollte bei Kaufland einige Sachen besorgen. Dabei hatte ich im Supermarkt ständig das Gefühl, dass ich gleich umkippen würde. Ich war alleine, Martin war noch bei der Arbeit beschäftigt. Ich bin mit der Tram nach Hause gefahren und habe eine Packung Pringles gefressen (ich hatte im Kaufland plötzlich Lust drauf). Kalten Grüntee getrunken, den ich gestern vorbereitet hatte. Die Migräne hat langsam nachgelassen. Jetzt bin ich nur noch sehr müde. Gut, dass ich diese Woche ab morgen noch drei Tage frei genommen habe. Ich muss meinen Resturlaub los werden, da ich demnächst den Arbeitgeber wechseln werde. Ich habe noch drei Wochen in August geplant. Anders ausgedrückt, ich habe bis jetzt einfach zu wenig Anspruch auf meinen Urlaub genommen.


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Ein Tag in Karlsruhe

Gestern war schon hart. Ich bin um 05:00 aufgestanden, um mit einem Zug gegen 06:00 zu fahren. Die Idee war, um die 09:00 in Karlsruhe anzukommen, um eine Stunde Zeit zu haben, bis zum Ort des Vorstellungsgespräches zu fahren. Es war warm, der Zug wurde schnell voll, es war eine gute Idee, einen Sitzplatz reserviert zu haben. Ich saß an einem Tisch. Auf der anderen Seite des Ganges saß eine Frau in Begleitung von einem Arbeitskollegen. Sie fuhren zu einer Stadt, deren Namen ich schon vergessen habe, um bei einer Messe Ergebnisse vor verschiedenen Firmen vorzustellen – das habe ich erfahren, weil sie sich die ganze Zeit mit einer Freundin am Telefon unterhalten hat. Sie war dabei so laut, dass ich beschlossen habe, mir im Speisewagen in Ruhe ein Croissant mit Kaffee als Frühstück zu gönnen. Als ich zehn Minuten später zurück kam, war sie immer noch am quatschen. Zum Glück sind wir dann durch Tunnels gefahren, die Verbindung wurde mehrmals abgebrochen, und sie hat eingesehen, dass es keinen Sinn machte, weiter telefonieren zu wollen.

In Karlsruhe ist mir erst aufgefallen, dass es ein sehr warmer Tag werden würde. Ich hatte eins vor der Fahrt vernachlässigt: Mich über das Wetter zu informieren. Mit meinem Kostüm war ich schnell verschwitzt. Ich habe die Jacke ausgezogen und bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Forschungszentrum gefahren. An der Pforte waren andere Gäste vor mir, die ebenfalls einen Besucherausweis brauchten. Es hat so lange gedauert, dass ich trotz schnellen Laufens mit fünf Minuten Verspätung zum Termin angekommen bin. Das Institut liegt gut zehn Minuten zu Fuß von der Pforte entfernt. Die Sonne hat auf dem Weg voll geknallt. Auf den Wiesen habe ich die gleichen gelben Blumen wie in meiner Heimat gesehen. Ich habe gedacht, allein wegen des Wetters wäre es schon toll, dort zu arbeiten.

Ich habe im Gebäude die Jacke wieder angezogen und bin zur ersten Etage gegangen. Von meinem Empfang bin ich enttäuscht gewesen. Die Organisatoren haben es scheinbar für unnötig gehalten, irgendwelche Getränke anzubieten – dass habe ich noch nie erlebt, ich hatte bei allen anderen Gesprächen immer mindestens einen Kaffee oder Wasser angeboten bekommen. Vor allem bei der Hitze hätte ich es gestern nötig gehabt. Es sagt für mich schon einiges darüber aus, wie das Wohlbefinden der Mitarbeiter an diesem Institut geschätzt wird. Ich bin zu einem Raum gebeten worden, der trotz vielen Fenstern sehr dunkel wirkte. Zwei Personen waren da, der noch junge Institutsleiter und die Gleichstellungsbeauftragte[1]. Der Institutsleiter hat sich am Tisch gegenüber von mir mit dem Rücken zu den Fenstern so platziert, dass ich ihn kaum sehen konnte: Ich habe die ganze Zeit mit einer dunklen Gestalt gesprochen, deren Gesichtszügen ich nicht mal erkennen konnte. Von dem Gespräch bin ich auch nicht überzeugt gewesen. Es war interessant, aber obwohl ich die Anforderungen erfülle, denke ich nicht, dass ich für die Stelle geeignet bin[2]. Nach dem Gespräch habe ich mit der Leiterin der Personalabteilung kurz gesprochen und einige organisatorischen Fragen geklärt.

Kurz nach 11:00 war ich schon fertig. Ich habe Michael, einen ehemaligen Kollegen, angerufen, der fünf Jahren in meinem früheren Institut gearbeitet hat, bevor er zum Forschungszentrum gewechselt ist. Er hat mir die Maschine gezeigt, die er jetzt am Synchrotron betreut. Wir haben über die Nutzer gelästert, die manchmal mit Proben ankommen, aber gar nicht wissen, was sie damit anstellen wollen, wobei ich mich dann frage, wie sie einen erfolgreichen Antrag auf Messzeit schreiben konnten – ich werde in Berlin bestimmt den gleichen Ärger bekommen. Wir haben mittags in der Kantine zusammen gegessen. Es war so warm, bestimmt um die 35°C, dass ich die Jacke meines Kostüms nicht mehr angezogen habe. Nach dem Mittagessen hatten wir eine lange Kaffeepause, und ich konnte danach andere wissenschaftliche Geräte sehen. Ich hatte für einen Zug um 17:00 reserviert und Michael hat mich zum Bahnhof mit seinem Auto gefahren.

Bei der Rückfahrt hat sich mein Ischias plötzlich wieder heftig gemeldet. Ich habe zum ersten Mal seit langem gedacht, wie schön es wäre, eine Diclofenac-Tablett dabei zu haben. Zum Glück war es mir im ICE bequem genug, und der Schmerz hat nachgelassen. Ich habe die Nürnberger Würstchen mit Kartoffelsalat im Speisewagen gegessen, ich wollte sie schon lange mal probiert haben. Das kühle Weizenbier dazu war super – der Speisewagen war der einzige Wagen ohne Klimaanlage. Der Zug hatte Verspätung und ich musste mit einem späteren Anschlusszug weiter fahren. Meine Mami hat mich angerufen, um über den Verlauf des Gespräches informiert zu werden, aber ich saß noch im Zug und die Verbindung war schlechter Qualität. Im Zug war auch eine Truppe von Rentnern anwesend, die sich auf der Treppe zwischen beiden Etagen niedergelassen hatte. Dabei war eine Frau, die so laut ihre Meinung über alles Mögliche ununterbrochen sagen musste, dass die Frau vor mir ausgerastet ist und selber noch angefangen hat, sich laut über die Frau zu beschweren. Ich war froh, aus dem Zug auszusteigen.

[1] Gleichstellungsbeauftragten habe ich allerdings bei Gesprächen in der Industrie nie gesehen, nur an Unis oder Forschungszentren.
[2] Außerdem habe ich vorgestern per Email eine gescannte Kopie meines neuen Arbeitsvertrages in Berlin bekommen, den unterschreibe ich am Montag.


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